Tagebuch einer Oma - Ilka Jung - E-Book

Tagebuch einer Oma E-Book

Ilka Jung

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Beschreibung

Es ist eine Geschichte über das Leben einer Oma mit allen Höhen und Tiefen. Es ist eine sehr traurige Geschichte. Der Weg zur Oma war beschwerlich aber Oma sein zu dürfen, war dann noch beschwerlicher. Es war ein Cocktail aus Sorge, Angst, Wut, Zweifel, Freude, Liebe, Glück und vor allem Hoffnung. Es beschreibt eine Oma, die um ihren Enkel kämpft, die sich mit ihrem Enkelkind liebevoll beschäftigt, ihm Zeit, Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit schenkt. Liebe kommt und Liebe geht. Doch die Liebe zwischen einer Oma und ihrem Enkel bleibt für immer. Omas wurden geschaffen, um ihre Enkel glücklich zu machen. Großeltern, die sich mit Ihren Enkelkindern liebevoll beschäftigen, Ihnen Zeit und Aufmerksamkeit schenken und sie an Ihrem großen Erfahrungsschatz teilhaben lassen, sind eine große Bereicherung für die Enkelkinder. Vor allem in der heutigen, schnelllebigen Zeit sind Großeltern unersetzlich. Sie haben viel Geduld, geben viel Liebe und vermitteln Geborgenheit. Tagebuch einer Oma, beschreibt genau so eine Oma.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 170

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Über die Autorin:

Ilka Jung ist 1964 in Thüringen geboren. Sie lebt heute mit ihrem Mann und ihrem Hund im Ruhrgebiet. Sie liebt ihre Familie, ihre Kinder, ihren Enkel, ihren Hund, die Natur, die See und Yoga. Sie schrieb seit Längerem an einem Tagebuch. Ihr Enkel Max gab den Anstoß dazu. Das Tagebuch einer Oma wurde ihr Herzensprojekt. Hier konnte sie ihre Gedanken und ihre Gefühle zum Ausdruck bringen. Omas tragen ihre Enkelkinder immer im Herzen, auch wenn sie sich nicht jeden Tag sehen. Großeltern sind eine große Bereicherung für die Enkelkinder – und die Enkelkinder für die Großeltern.

© 2021 Ilka Jung

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-28556-9

e-Book:

978-3-347-29921-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung

Ilka Jung

Tagebuch einer Oma

Der verzweifelte Kampf um meinen Enkel

Tagebuch einer Oma

Der verzweifelte Kampf um meinen Enkel

Dieses Tagebuch widme ich meinem Enkel Max. Denn er war es, der mir den Anstoß dazu gab.

Inhalt:

Es ist eine Geschichte über das Leben einer Oma auf dem Weg dorthin mit allen Höhen und Tiefen. Es ist eine traurige Geschichte. Der Weg zur Oma war beschwerlich, aber Oma sein zu dürfen, war dann noch beschwerlicher. Es war ein Cocktail aus Sorge, Angst, Wut, Zweifel, Freude, Liebe, Glück, aber vor allem Hoffnung.

Es beschreibt eine Oma, die um ihren Enkel kämpft, die sich mit ihrem Enkelkind liebevoll beschäftigt, ihm Zeit, Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit schenkt. Liebe kommt und Liebe geht. Doch die Liebe zwischen einer Oma und ihrem Enkel bleibt für immer. Omas wurden geschaffen, um ihre Enkel glücklich zu machen.

Mein Weg – wie alles begann

Es gibt Menschen, die werden auf der Sonnenseite geboren. Ich und auch meine Mutter gehörten definitiv nicht dazu.

Meine zwei Jahre ältere Schwester Gudrun war ein Sonntagskind.

Meine Mutter hatte kein einfaches Leben. Ihre Mutter starb bei der Geburt, und so wuchs sie bei ihrer Stiefmutter auf. Aus Filmen kennt man ja die böse Stiefmutter. Aber es gibt sie wirklich, meine Mutter hatte so eine. Mutti erzählte nie viel über ihre Kindheit. Wenn doch, dann war sie dabei traurig und weinte sehr viel.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die sie mir und Gudrun einmal erzählte. Die Stiefmutter war so bösartig, dass sie meine Mutter mehrere Tage auf Stühlen schlafen ließ. Gudrun und ich waren entsetzt, als wir das hörten, und wollten es gar nicht glauben. Mutti erzählte uns weiter, dass sie von ihrer Stiefmutter überhaupt keine Liebe bekam. Sie musste immer nur putzen, und das den ganzen Tag. Diese Geschichte hörte sich an wie die von Aschenputtel. Mutti erlebte bei ihrer Stiefmutter seelische Grausamkeit.

Dies bekam irgendwann die Oma meiner Mutter väterlicherseits mit und nahm Mutti einige Jahre bei sich auf. Leider verstarb die Oma viel zu früh. Mutti war gerade mal 18 Jahre alt - und schon von meinem Vater schwanger.

Zwei Jahre später kam ich zur Welt, obwohl ich gar nicht geplant war. Nur wenige Jahre später ließmein Vater meine Mutter mit zwei kleinen Kindern einfach sitzen. Meine Schwester war damals vier Jahre und ich gerade mal zwei Jahre alt.

Von da an war Mutti alleinerziehend und kämpfte sich mit zwei kleinen Kindern durchs Leben. Meine Kindheit war sehr einfach und bescheiden. Mutti hatte sehr wenig Geld, und so versuchte sie sich mit zwei Jobs über Wasser zu halten. Gudrun musste sehr oft auf mich aufpassen.

Ein paar Jahre später heiratete meine Mutter dann wieder, und wir zogen gemeinsam nach Brandenburg. Meine Schwester und ich waren sehr traurig, denn wir mussten unsere Heimat mit all unseren Freunden verlassen.

In Brandenburg bekamen wir einen Stiefvater und eine Stiefschwester. Das Zusammenleben in dieser Konstellation war oft sehr schwierig.

Unser Stiefvater war oft sehr böse und ungerecht, vor allem zu meiner Schwester.

Gudrun war in dieser Zeit sehr traurig, denn sie hing mehr an unserem Vater. Da aber die Entfernung zu weit war, konnte sie ihn immer nur in den Ferien besuchen. Ich dagegen kam ganz gut mit unserem Stiefvater und der Stiefschwester aus.

Nach ein paar Jahren entschied sich Gudrun, zu unserem Vater nach Thüringen zurück zu ziehen. Sie ließ mich einfach alleine. Ich war sehr traurig über ihre Entscheidung, war zugleich aber auch sauer auf meine Schwester.

Wie konnte sie mich nur so im Stich lassen!

Meine Mutter war sehr streng und übertrieben sauber, wir nannten sie immer Putzteufel. Und so musste ich jetzt alleine jeden Tag mit meiner Mutter putzen.

Gemeinsam mit Gudrun hatte ich das Putzen besser ertragen können.

Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

Andere Kinder spielten oft draußen, aber wir verbrachten die meiste Zeit nicht mit Spielen, sondern mit Putzen.

Als Kinder fanden wir dies immer furchtbar, und insbesondere zu putzen, wo kein Dreck war, war für uns ganz schrecklich. Aber Putzen stand für unseren Putzteufel an oberster Stelle.

Wie haben wir das immer verflucht, teilweise sogar gehasst. Ich ganz besonders. Zu Gudrun sagte ich oft, später werde ich ein Dreckschwein und werde nie wieder putzen. Als Kind hatte man eben noch ganz andere Vorstellungen vom Leben.

Und so bekam Mutti, als sie viele Jahre später starb, einen Putzlappen von meiner Schwester mit ins Grab. Gudrun meinte am Grab unserer Mutter, nun könnte Mutti im Himmel weiterputzen. Das war schon ein wenig makaber, aber auch sehr passend.

Wenn ich mich heute an meine Mutter erinnere, dann sehe ich sie immer mit einem Putzlappen in der Hand.

Es gab nie Kindergeburtstage oder Freunde, die bei uns spielen durften. Wir fuhren nie in den Urlaub, dafür hatte meine Mutter einfach kein Geld.

Aber Gudrun und ich liebten uns, hielten zusammen und wir gingen gerne zur Schule.

Schließlich waren wir Jungpioniere und trugen stolz unser rotes Halstuch.

Die Ferien verbrachten wir dann oft im

Ferienlager, gemeinsam mit anderen Kindern.

Als ich älter wurde, beschloss ich, alles anders zu machen, wenn ich mal selbst Kinder haben sollte.

Und so vergingen die nächsten Jahre.

Mit 17 Jahren absolvierte ich eine Ausbildung in einem schönem Hotel in der Nähe von Berlin. In dieser Zeit lernte ich Klaus kennen. Klaus war vier Jahre älter und in seiner Familie fühlte ich mich sofort wohl. Die Mutter von Klaus war so herzlich und liebevoll zu mir.

Aber vor allem konnte sie sehr gut kochen.

So kannte ich das gar nicht von meiner Mutter. Meine Mutter arbeitete sehr viel, putzte für ihr Leben gern, hatte wenig Zeit für mich, und hielt sich mit Liebkosungen sehr zurück.

Und so zog ich, obwohl ich noch nicht volljährig war, zu Klaus. Seine Familie nahm mich mit offenen Armen auf. Sie lebten auf dem Land in einem schönen Haus, mit einem wunderschönen Garten. Und so freute ich mich, als ich mit Sack und Pack bei Klaus einzog.

Ich war noch so jung, voller Hoffnung und voller Träume. Ich hielt mich schon für so erwachsen und wollte sehr bald meine eigene Familie gründen. Wir heirateten sehr schnell und nur ein Jahr später kam meine Tochter Sofie zur Welt.

In dieser Zeit und in diesem Land war es normal, dass Frauen ihre Kinder mit gerade mal 20 Jahren bekamen. Sofie war ein Wunschkind.

Später erschien es undenkbar, so früh schon Kinder zu bekommen. Ich war ja selber noch ein Kind. Und so hatte ich mit 20 Jahren meine eigene kleine Familie. Ich wollte alles anders machen, aber leider hielte dieser Vorsatz nicht lange.

Klaus veränderte sich, er trank sehr viel und war oft jähzornig. Er beleidigte mich sehr oft vor seinen Freunden, war sehr eifersüchtig und wurde dann auch handgreiflich. Seine Eifersucht wurde immer schlimmer. Dies lag wohl in der Familie, denn sein Vater war auch sehr eifersüchtig und schlug seine Frau. Einige Jahre später erschoss er sogar den

Liebhaber seiner Frau und dann sich selbst.

Dies war eine sehr tragische Geschichte, die sogar in den Medien zu sehen war.

Nach nicht mal fünf Jahren hielt ich das Zusammenleben mit Klaus nicht mehr aus, und so zerbrach meine kleine Familie.

Ich suchte mir eine neue Wohnung und zog mit Sofie aus. Die Wochenenden verbrachte Sofie weiter bei ihrem Vater und den Großeltern.

Einige Zeit später traf ich dann meine große Jugendliebe wieder. Wir hatten uns ein paar Jahre aus den Augen verloren. Holger, so hieß er, kannte ich aus der Schulzeit. Wir gingen drei Jahre zusammen in eine Klasse. Mit 15 Jahren war ich unsterblich in Holger verliebt gewesen, aber er nicht in mich.

Meine Mutter war sehr streng, und so durfte ich mich nicht oft mit Holger treffen. Holger dagegen hatte eine total coole Mutter, sie erlaubte alles. Und so durfte Holger immer schon in den Nachbarort zur Disco fahren, ich leider nicht.

Später begann Holger eine Ausbildung 200 km entfernt, und so verloren wir uns aus den Augen.

Erst ein paar Jahre später sahen wir uns wieder.

Da war ich schon eine geschiedene Frau mit einem Kind. Wir verliebten uns sofort ineinander und Holger zog dann relativ schnell zu uns. Er verstand sich so gut mit Sofie, worüber ich sehr glücklich war. An den Wochenenden besuchte Sofie weiterhin ihren Vater und ihre Großeltern, denn Sofie hing sehr an ihnen.

Nach kurzer Zeit beschlossen Holger und ich, die ehemalige DDR zu verlassen.

Und so schmiedeten wir unseren Plan.

Wir zogen mit einem Rucksack auf dem Rücken los, in den gerade mal ein paar Wechselsachen, ein bisschen Kleidung für Sofie und ein paar Spielsachen hineinpassten.

Sommer 1989:

Schon bevor am 9. November 1989 die Berliner Mauer fiel, flohen viele Menschen aus der DDR in den Westen. Die SED-Führung leugnete die Massenauswanderung lange - bis allein im Juli und August 1989 mehr als 50.000 Menschen die DDR verließen. Und wir gehörten dazu.

Wir verließen gemeinsam am 28. September 1989, wenige Wochen vor dem Mauerfall, die DDR. Wir ließen alles zurück, auch unseren geliebten Trabi.

Unser Weg führte uns von Dresden aus über Ungarn, dann nach Österreich und dann in die Bundesrepublik Deutschland.

Auf der deutschen Botschaft sprach uns ein älterer Herr an und sagte uns, wir sollten in den Ruhrpott ziehen, dort gäbe es genug Arbeit für uns.

Und so entschieden wir uns für das Ruhrgebiet.

Eigentlich hatten wir nach Bayern gewollt, da meine Schwester mit ihrer Familie in Thüringen lebte und wir näher zu meiner Schwester gewesen wären. Wir waren drei Tage unterwegs. Es war ein sehr aufregendes Abendteuer für uns alle, das wir wahrscheinlich nie vergessen werden.

Natürlich hatte ich Angst, bei den ständigen Kontrollen. Wir hatten ja nur ein Visum für einen Aufenthalt nach Ungarn.

Im Ruhrpott angekommen, kamen wir in ein Auffanglager in der Nähe von Holland. Von dort nahm uns eine ganz nette Familie Holle mit zu sich nach Hause. Sie unterstützte uns bei der Jobund bei der Wohnungssuche. Familie Holle hatte eine Tochter, die gerade mal zwei Jahre älter war als Sofie, und so bekamen wir ganz viel Kleidung für Sofie, worüber ich sehr glücklich und dankbar war.

Holger und ich bekamen sofort einen Job, denn wir hatten beide einen Beruf gelernt. Holger war Baufacharbeiter und ich gelernte Hotelfachfrau. Für Sofie bekam ich ganz in der Nähe einen Kindergartenplatz. Schnell fanden wir auch eine bezahlbare Wohnung.

Wir waren so glücklich und voller Hoffnung - endlich angekommen, endlich im Westen!

Es lief alles prima, wir hatten beide einen gut bezahlten Job, eine schöne Wohnung, nette Nachbarn und auch Sofie fühlte sich sehr wohl. Ein Jahr später ging sie schon zur Schule.

Ich wünschte mir noch ein Kind, und so wurde fünf Jahre später im Sommer meine zweite Tochter Stella geboren. Dieser Sommer war ein ganz besonderer heißer Sommer. Ich konnte kaum noch diese Hitze aushalten, denn ich hatte in der Schwangerschaft über 20 Kilo zugenommen.

Wir feierten gerade Holgers 30. Geburtstag, als ich abends Wehen bekam und Stella kam noch am selben Tag zur Welt.

Holger war bei der Geburt dabei und ich glaube, dass dies sein schönstes Geburtstagsgeschenk war. Wir waren beide so glücklich.

Meine beiden Töchter waren somit 10 Jahre auseinander und Sofie freute sich am Anfang sehr auf ihre kleine Schwester. Aber schon bald war sie sehr eifersüchtig auf Stella. Dies hatte sich auch in all den Jahren leider nicht gegeben, und so entwickelte sich zwischen den beiden keine richtige Geschwisterliebe, was mich als Mutter immer wieder sehr traurig stimmte.

Ich liebte beide Kinder.

Für mich war meine ältere Tochter „meine Große“- und meine jüngere Tochter „meine Kleine“.

Mit der Geburt von Stella begannen dann die Probleme mit Sofie. Nach einiger Zeit bekam ich ständig Einladungen von der Schule. Sofie schwänzte oft den Unterricht und ich bekam dies noch nicht mal mit. Sie ging morgens aus dem Haus mit ihrer Schultasche und später kam sie pünktlich wieder nach Hause. Es folgten Straftaten und dann kamen Drogenprobleme hinzu.

Ich konnte irgendwie nichts tun, war völlig hilflos. Sofie kam öfters nicht mehr nach Hause.

Natürlich war mir bewusst, dass die Pubertät keine einfache Zeit werden würde, aber so stellte ich sie mir auf gar keinen Fall vor.

Leider gab es kein Rezept für mich als Mutter.

In dieser Zeit war ich völlig überfordert und fühlte mich oft allein gelassen mit diesen ganzen Problemen. Hilfe von unseren Eltern oder unseren Geschwistern gab es leider nicht, sie alle wohnten zu weit weg.

Das war der Preis, den wir bezahlten, als wir so weit wegzogen. Wir hatten keine Familie in der Nähe, obwohl wir sie oft gebraucht hätten. Auch meine Kinder vermissten Oma und Opa.

Das Leben wurde immer schwieriger für mich!

In dieser turbulenten Zeit kauften wir uns ein Zweifamilienhaus. Dies war schon seit einigen Jahren Holgers Traum. Er arbeitete schließlich auf dem Bau und war sehr fleißig und er träumte von seinem eigenen Haus. Mittlerweile war er als Polier auf einer Großbaustelle tätig und verdiente gutes Geld. Wir kauften uns ein älteres Haus, bei dem Holger sich verwirklichen konnte. Er war ja schließlich Fachmann auf diesem Gebiet, und so war dies alles kein Problem für ihn. Er arbeitete jeden Tag bis abends spät in unserem neuen Haus.

Von nun war ich alleine für unsere Kinder zuständig. Jeder Tag aufs Neue war dies für mich eine riesengroße Herausforderung.

Mit der Erziehung und Beziehung zu meiner Großen wurde es immer schwieriger. Sie ließ sich nichts mehr sagen.

Zu den Problemen mit Sofie kamen dann noch Geldprobleme hinzu. Wir hatten uns mit dem neuen Haus völlig übernommen. Ich war oft verzweifelt und wusste nicht, wie ich das alles bewältigen sollte.

Also kämpfte ich Tag für Tag alleine mit unseren Problemen und diesen schwierigen Herausforderungen. Holger nahm das alles immer sehr locker. Er meinte oft, ich würde nur schwarzsehen. Aber so war es nicht.

Meine Große entglitt mir immer mehr.

Es kam so weit, dass sie die Schule schmiss und sehr früh zu Hause auszog. Für meine Tochter war mittlerweile ein Joint keine Droge, für sie war ein Joint eine Heilpflanze.

Und so musste ich zusehen, wie Sofie sich mehr und mehr veränderte und sich immer mehr von mir als Mutter entfernte. Unsere Mutter-Tochter-Beziehung wurde immer schwieriger.

Ich suchte Hilfe und versuchte, über eine Gesprächstherapie wieder mehr an meine Tochter heranzukommen, aber leider ohne Erfolg.

Von Nachbarn oder Freunden wurde ich oft wegen Sofie angesprochen, dafür schämte ich mich sehr. Sie wollten natürlich immer wissen, was Sofie zurzeit machen würde. Ich konnte doch nicht lügen, nein, dafür war ich ein zu ehrlicher Mensch. Ich sagte also die Wahrheit, Sofie mache zurzeit nichts, nahm diese Scham immer wieder auf mich und bekam dabei große Schuldgefühle.

Sofie hing nur noch irgendwo ab.

Es folgten viele schlaflose Nächte, verbunden mit der quälenden Frage:

Was habe ich falsch gemacht?

Meine Beziehung zu Holger zerbrach. Wir schafften es nicht, mit diesen vielen Problemen fertig zu werden. Und Holger, der ja nicht Sofies Vater war, hatte überhaupt keine Lust mehr auf diesen ständigen Stress mit ihr. Er zeigte auch sehr wenig Verständnis für mich und unterstützte mich nur selten und so verließ mich Holger für eine andere Frau.

Holger ertrug mein Flehen, Jammern und Bitten nicht mehr und so packte er seine Sachen und zog aus unserem Haus, was ja sein Traum war, aus.

Er ließ mich und die Kinder alleine.

Ich fühlte mich so schlecht.Ich gab mir die ganze Schuld.Ich machte mir nur Vorwürfe.

Nun saß ich alleine mit meinen Kindern in dem Haus, das noch eine halbe Baustelle war.

Stella war gerade eingeschult.

Ich war so verzweifelt und unglücklich und fiel in ein tiefes Loch.

Sofie war fast gar nicht mehr zu Hause. Sie verbrachte die meiste Zeit nur noch bei ihrem Freund, der leider auch nur zu Hause rumlungerte.

Und so musste ich diese für mich wirklich schwierige Zeit meistern.

Ich hing noch so sehr an Holger, wollte ihn nicht gehen lassen. Er war doch meine große Jugendliebe, mit ihm wollte ich alt werden.

Da wir so viel gemeinsam erlebt hatten, hatte ich geglaubt, dies würde uns für immer verbinden.

Unsere gemeinsame Flucht aus der DDR, war doch ein sehr bewegendes Erlebnis für uns gewesen.

In dieser schwierigen Zeit war ich so dankbar, dass mir Gudrun und meine beste Freundin Brit immer wieder zur Seite standen und mich unterstützten.

Sie gaben mir Trost und Halt.

Auch Nachbarn sorgten sich um mich, sprachen mich an und fragten mich beängstigt, ob ich krank sei. Ich hatte in sehr kurzer Zeit viel abgenommen, so dass es schon kritisch wurde.

Den Schmerz den ich damals erleben musste, war für mich mit das Schlimmste in meinem Leben. Dachte ich zu mindestens, damals.

Gudrun kam für einige Zeit zu mir. Ich war froh und dankbar, dass Gudrun sich diese Zeit für mich nahm, und so musste ich nicht ganz alleine mit diesem Schmerz fertig werden.

Holger nahm fast jedes Wochenende Stella mit zu seiner neuen Freundin. Stella hing an ihrem Papa und nahm diese ganze Situation ziemlich gut auf. Mit der neuen Freundin verstand sie sich gut, und so verbrachten sie fast jedes Wochenende gemeinsam.

Für mich war das eine schlimme und sehr schmerzhafte Zeit.

Ich hatte so früh meine Kinder bekommen, hatte also noch nie wirklich alleine gewohnt. Nun musste ich erst mal lernen, damit umzugehen.

Mit der Zeit wuchs die Erkenntnis,dass Traurig sein und Weinen wichtig sind,aber an meiner Situation nichts ändern würden.

Und so entdeckte ich das Laufen für mich.

Ich lief fast täglich draußen in der Natur. Dort konnte ich richtig abschalten. Es war für mich ein Gefühl von Freiheit - und der Schmerz wurde allmählich weniger.

Und so vergingen wieder ein paar Jahre.

Sofie war inzwischen ganz ausgezogen und tauchte oft für einige Monate irgendwo unter, sodass ich gar nicht wusste, wo sie steckte. Sie suchte meistens nur einen Kontakt zu mir, wenn sie in Not war, wenn sie Schwierigkeiten hatte und ich mal wieder eine Rechnung oder eine Mahnung zahlen sollte.

Der Ordner, den ich mit den ganzen bezahlten Rechnungen anlegte, wurde immer dicker. Wegen Drogen verlor sie dann auch noch ihren Führerschein. Es kam dann sogar so weit, dass Sofie keinen festen Wohnsitz mehr hatte. Sie zog in eine Gartenanlage, in einen verwahrlosten Garten mit einer total heruntergekommenen Laube.

Dort züchtete ihr Gartennachbar Cannabis.

Ich hatte bis dato noch nie damit Erfahrungen gemacht und hatte auch Cannabis als Pflanze noch nie gesehen.

Als ich Sofie einmal im Garten besuchte und sie fragte, was das für schöne Pflanzen seien, schaute sie mich an und musste lachen.

Ich hatte keine Ahnung, dass das Cannabis war.

Ich war nur selten im Garten, es fiel mir schwer, Sofie dort so zu sehen. Sie war völlig neben der Spur, lief nur noch barfuß und sah sehr ungepflegt aus.

Für mich als Mutter kein schöner Anblick.

Ich konnte es nicht verstehen, wie eine junge, hübsche, intelligente Frau so gar nichts aus ihrem Leben machte und noch dazu ihren Körper zerstörte.

Für eine Mutter mit das Schlimmste, was es geben kann. Und doch sagte ich mir immer wieder, ich bin doch ihre Mutter und muss ihr doch helfen und muss versuchen, für sie da zu sein. Ich unterstützte sie, so gut es ging. Doch es kam nie ein Dankeschön, es wurde alles zur Selbstverständlichkeit.

Ich war oftmals verzweifelt und fragte mich, ob es an mir lag, ob ich alles falsch machte. Wie sollte das alles nur weitergehen? Und wie konnte ich meiner Tochter nur helfen? Aber sie wollte sich gar nicht helfen lassen.

Ich hasste sie oft für das Leben, das sie führte, und schämte mich dann wieder für diese Gefühle.