Templao II - Jutta Bonstedt Kloehn - E-Book

Templao II E-Book

Jutta Bonstedt Kloehn

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Beschreibung

In diesem Buch wird der weitere Weg des Andalusier Lusitano Mix Wallachs Templao aufgezeigt. Dieses traumatisierte Pferd wurde liebevoll über Jahre korrigiert.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Bibliografische Information der deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über: //dnb.d-nb.de abrufbar

Copyright: Tredition /Jutta Bonstedt Kloehn

Alle Rechte, auch das des Auszugsweisen Nachdruckes, der Auszugsweisen oder vollständigen Wiedergabe der Speicherungen in Datenverarbeitungsanlagen und der Übersetzung, vorbehalten.

978-3-7482-4155-3 (Paperback)978-3-7482-1380-2 (Hardcover)978-3-7482-1381-9 (e-Book)

Fotorechte: Jutta Bonstedt Kloehn

Coverfoto: Jutta Bonstedt Kloehn

Fotorechte der abgebildeten Personen lagen vor Veröffentlichung vor

Alle Angaben in diesem Buch sind sorgfältig geprüft und erprobt worden. Dennoch übernimmt der Verlag und die Autorin keinerlei Haftung für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden, die aus der Anwendung der beschriebenen Übungen entstehen könnten.

Das Reiten ohne Reithelm steht jedem volljährigen Reiter frei – es ist jedoch nicht empfehlenswert.

Templao II

….und sein Weg geht weiter….

Jutta Bonstedt Kloehn

Vorwort

Nachdem das erste Buch über den Lusitanomix Wallach Templao ein so großer Erfolg war und viele meiner Leser fragten, ob es eine Fortsetzung geben würde, machte ich mich ans Werk. Und nun haben wir hiermit ein weiteres Buch über diesen einzigartigen Wallach.

Templao feierte vor kurzem seinen 15 jährigen Geburtstag. Natürlich nicht er persönlich, sondern wir – denn ich denke kein Pferd weiß wirklich wann es Geburtstag hat.

Viele Jahre sind verstrichen seit wir mit seinem Korrekturtraining begonnen hatten. Durch sämtliche Höhen und Tiefen bin ich mit ihm gegangen.

Für alle Leser, die das erste Buch nicht gelesen haben sollten, wäre wichtig zu wissen, dass dieses Pferd wirklich schwere traumatische Erlebnisse hinter sich hatte. Und nur mit Beständigkeit, Liebe, Fachwissen und unendlich viel Zeit kam ich soweit mit ihm, dass er nun auch andere Menschen neben sich akzeptierte. Unsere damalige neue Praktikantin konnte sogar einmal aufsitzen und eine Runde auf ihm reiten. Nun ist es ja absolut erfreulich, dass man ihn überhaupt wieder reiten kann, dennoch vertrete ich die Meinung, dass ein solches Pferd nie zu 100 % perfekt korrigiert werden kann. Es werden ihm immer wieder alte Verhaltensmuster in seinen Kopf schießen. Dies mussten wir bitter zur Kenntnis nehmen, als ich ihn eines Tages im Herbst 2014 reiten wollte, bevor sein Besitzer Ernesto es dann mit ihm versuchen wollte. Der Ablauf an jenem Tag war wie immer: Templao wurde in seiner Box für die Arbeit fertig gemacht. Dort schien er sich sicher zu fühlen. Seine vertraute Umgebung um sich herum zu haben beruhigte ihn ungemein.

Die Arbeitsschritte waren immer dieselben, auch die Reihenfolge. Er liebte dieses Vorgehen nach einem festen Schema anscheinend. Insofern hatte ich es beibehalten und nichts verändert. Die wenigen Versuche die ich einmal unternommen hatte, ihn außerhalb der Box zu putzen und zu satteln, hatten ständig in einem einzigen Desaster geendet.

So musste ich Kompromisse eingehen. Wobei ich es nicht einmal als Kompromiss sehe, sondern eher das Schätzen seiner Persönlichkeit und ein gewisses Maß an Zugeständnis für sein eigenes Wohlbefinden. Pferde zeigen einem sehr gut mittels Körpersprache, was sie mögen und was nicht. So putze ich ihn also mit der gleichen Sorgfalt, aber mit sicheren Strichen beim Bürsten mit der Kardätsche. Mittlerweile war er auch nicht mehr ganz so sensibel, so dass man nun auch die Kardätsche am Striegel direkt neben ihm sauber machen konnte. All so etwas war ja zuvor überhaupt nicht möglich gewesen, er wäre an die Decke gegangen. Umso mehr freute ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn er solche Dinge mittlerweile ganz lässig und cool akzeptierte.

Wie immer vibrierte seine Unterlippe leicht, während er dass Prozedere des Putzens genoss, dies aber nicht zugeben wollte. Wenngleich ich nicht dazu neigen möchte Pferde in ihrer Denkweise mit dem Menschen zu vergleichen. Aber ich empfand es so. Er hatte Freude daran wenn man ihn putzte, denn er entspannte dabei. Ganz so sehr konnte er es dann doch nicht verbergen und ein bisschen Erfahrung mit Pferden hatte ich schließlich auch.

So musste ich ihn ein wenig belächeln, als er da so friedlich stand, aber dennoch ein scheinbar trotziges Gesicht zog, so als würde er das Putzen nicht mögen. Ich glaubte es ihm jedenfalls nicht. Es folgten alle weiteren Abreitschritte wie gewohnt. Das Satteln war zügig erledigt, der Gurt wurde wie immer nur leicht angezogen, und ich gurtete dann beim Longieren immer ein wenig nach. Vorsicht war immer noch geboten. Nur allzu oft hat er uns gezeigt, dass er ein zu schnelles Nachgurten nicht mochte. Wie immer führte ich ihn am Halfter zu unserem Reitplatz, sein Zaumzeug hing ich mir über die Schulter, denn vor dem Reiten wollte ich ihn ein wenig longieren, um den Prozess des Nachgurtens so zu erledigen. Alles klappte prima.

Ich strahlte, alles war gut. Ernesto saß glücklich auf der Zuschauerbank am Reitplatz und freute sich schon darauf, ihn dann auch ein wenig reiten zu können. Mit einem Minimum an stimmlicher Hilfen ließ er sich prima longieren, senkte nach einer Weile Kopf und Hals ab, auch im Galopp, ein weiteres Zeichen um endgültig komplett nach zu gurten, so wie der Gurt dann auch beim Reiten sitzen würde.

Er begann außerdem abzukauen. Vollkommen relaxt wies er mich so jedes Mal darauf hin, dass er jetzt bereit war für das Reiten. So ließ ich ihn noch ein paar Runden entspannt im Schritt laufen, dabei schaltete er immer um auf Feria Modus – so nannte ich diesen Longierpart – Runde um Runde im Kreis laufen – ganz relaxt.

Auf einmal blieb er stehen. Das war ebenso ein Zeichen seinerseits, dass er nun bereit war. Ich ging auf ihn zu, streichelte und kraulte liebevoll seine Brust ein wenig und sprach leise mit ihm. Dann führte ich ihn zum Eingangstor, wo ich sein Zaumzeug hingelegt hatte. Das Abhalftern und Auftrensen ging völlig problemlos vonstatten. Friedlich kaute er nun auf seinem Gebiss herum und er musste sogar ein wenig gähnen, dabei hatte er wirklich nicht viel tun müssen.

Wieder einmal musste ich ihn belächeln, den süßen Schelm.

Aber das Lachen sollte mir recht bald vergehen. Nichts, aber auch gar nichts, bereitet mich auf das vor was jetzt kam. Es war nicht voraussehbar gewesen. Ich hatte an diesem Tag wohl mehr Glück als Verstand.

Ich ging mit Templao zum Bahnbuchstabe C – dort wo ich immer aufsaß, wenn ich mit der Reitarbeit begann. Alles war wie immer, Ernesto saß ruhig auf der Zuschauerbank, kein Vogel flog herum oder sonst irgendetwas, was das Pferd hätte beunruhigen können. Ich prüfte den Gurt, was eine automatische Reaktion war, man prüft es immer als Reiter vor dem Aufsteigen, obwohl ich wusste, dass alles gut war. Dann stellte ich meinen Fuß in den linken Bügel und stieg auf. Ich nahm die Zügel auf und wir ritten in einem ruhigen Schritt los. Jedoch kamen wir keine vier Meter weit, da verkrampfte sich Templao durch und durch, sein Rücken wurde bretthart. Unter mir fühlte es sich an als würde eine Dynamitschnur brodeln. Nur mein Instinkt und meine Erfahrung ließen mich das einzig richtige tun: Ich sprang sofort ab. Und dann ging es auch schon los. Wie von Sinnen raste Templao buckelnd los. Er sprang bei jedem Bocksprung so hoch, dass ich fast Angst hatte er würde sich dabei überschlagen. Wie erstarrt stand ich da, nicht in der Lage auch nur irgendwie zu reagieren. Vor mir lief das Ereignis ab wie in einem Film. Es dauerte einige Sekunden bis ich aktiv werden konnte.

Währenddessen war Ernesto von seiner Bank aufgestanden und ging zum Eingangstor – ein kluger Gedanke, man weiß nie, ob das Pferd nicht dort hinüberspringen würde.

So wäre er dort, um dies zu verhindern. Es schien geradezu eine gefühlte Ewigkeit zu dauern, bis Templaos Bocksprünge ruhiger wurden und er letztendlich ganz plötzlich zitternd stehen blieb.

Was war geschehen? Warum war es geschehen? Wo lag die Ursache? In meinem Kopf machten sich wieder einmal tausend Fragezeichen breit. Es war klar, dass ich nochmal versuchen musste aufzusteigen.

Möglicherweise wäre sonst unsere gesamte Arbeit der letzten Jahre umsonst gewesen. Ich ließ dem Pferd einen Moment Gelegenheit zu sich selbst zu finden, damit es sich langsam beruhigen konnte. Währenddessen hielt ich Rücksprache mit Ernesto. Wir waren uns einig, dass ich es nochmal versuchen musste. Ernesto war die Lust, selbst aufzusteigen natürlich vergangen. Dennoch war er der Meinung, dass es für mich viel zu gefährlich wäre. Da ich an Multipler Sklerose litt, fiel es mir mittlerweile immer schwerer bestimmte Tätigkeiten auszuführen, gerade was den sportlichen Bereich anbelangte. Das ich überhaupt so agil und rasch herunter gesprungen war, lag wohl einzig und allein an dem Überlebensinstinkt eines Menschen, der einem plötzlich körperliche Fähigkeiten gab, die man sonst nie hätte.

Dennoch, ich musste es versuchen, es blieb kein anderer Weg. Es war Ernesto nicht Recht, ich sah ihm an, dass er mehr als besorgt war. Er bot sich an, es selber zu versuchen. Aber auch hier leitete mich mein Instinkt. Ich wusste, dass er dafür noch nicht genug Erfahrung hatte und wollte nicht riskieren, dass ihm dann etwas zustoßen würde. So beruhigte ich Ernesto und meinte, dass ich lediglich versuchen würde, den Aufsteigprozess noch einmal zu wiederholen. Ernesto brummelte vor sich hin, dass er es nicht richtig fand, ließ mich aber dann doch gewähren.

So näherte ich mich also dem immer noch aufgebrachten Templao, redete ihm leise gut zu. Wir hatten Glück gehabt, dass die Zügel wie durch ein Wunder nicht über seinen Kopf geflogen waren bei seinen wilden Bocksprüngen. Er hätte sich ernsthaft verletzen können. Ich griff nach den Zügeln. Dabei zuckte er zusammen vor Schreck. Anscheinend würde er noch eine Weile brauchen bis sein Nervensystem wieder auf „normal“ umschaltet. So ließ ich die Zügel wieder los und redete leise mit ihm. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor solange dauerte es, bis seine Atmung ruhiger wurde, sich die Flanken nicht mehr so schnell hoben und senkten. Geduldig stand ich die ganze Zeit neben ihm.

Aus den Augenwinkeln bemerkte ich die Anspannung, die in Ernesto vorging, während er zusah. Dann kam der Moment, wo ich erneut nach den Zügeln griff. Mit Bedacht wohlgemerkt. Ich regte Templao dazu an, neben mir her zu laufen, mit ruhigen, entspannenden Schritten schritt ich also vorwärts, und Templao folgte mir. Ich musste die Zügel dabei nicht mal festhalten sondern konnte meine Hand von ihnen lösen. So stiefelte ich eine ganze Weile mit ihm neben mir über den Reitplatz, erzählte ihm Geschichten, sang ein ruhiges Lied und das Pferd entspannte sich zusehends.

Als ich das Gefühl hatte, dass er jetzt für einen neuen Versuch bereit war, probierte ich mein Glück. Es endete in einem einzigen Desaster: Schon das Zügel aufnehmen bereitet ihm erneuten Stress, der Versuch den Fuß in den Bügel zu stellen ließ ihn entsetzt wegspringen und ich hatte Mühe ihn zu halten. Dennoch wollte ich nicht aufgeben, und versuchte es immer wieder aufs Neue. Immerhin schaffte ich es nach einer ganzen Weile kurz Gewicht in den Bügel zu geben und mich über den Sattel zu legen. Da er aber auch dabei immer noch überaus angespannt war, beendete ich dann so den Aufsteigversuch für heute, streichelte ihn ausgiebig und lobte mit ganz vielen netten Worten.

Im Schritt ließ ich ihn noch ein paar Runden neben mir herlaufen, dann brachte ich ihn wieder zum Stall. Nachdem wir ihn abgesattelt hatten, wurde er noch ausgiebig geputzt und trocken gerieben. Danach hielt ich eine ziemlich lange Lagebesprechung mit Ernesto ab. Mein Mann war ebenfalls dabei. Ernesto war der Auffassung, genauso wie ich, dass es einfach für mich auch zu gefährlich wurde wegen meiner Krankheitssymtome, mich erneut auf Templao zu setzen.