TEUFELSJÄGER 026: Tote, die nicht ruhen können - W. A. Hary - E-Book
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 026: Tote, die nicht ruhen könnenA. Hary: "Eine Mumie hat's nicht leicht!" Kennt Ihr Don Coopers Bruder? Nein, natürlich nicht. Ihr braucht gar nicht erst nachzugrübeln, wenn Ihr diesen Band noch nicht gelesen habt, in dem es natürlich nicht nur um Dons Bruder geht, sondern vor allem um... Tote, die nicht ruhen können  Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Auch jede Druckausgabe ist jederzeit nachbestellbar. Coverhintergrund: Anistasius eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks! HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt. Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

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EPUB

Seitenzahl:131


W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 026: Tote, die nicht ruhen können

„Eine Mumie hat’s nicht leicht!“

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

 

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 026

Tote, die nicht ruhen können

W. A. Hary: „Manche Tote leben eben länger!“

Kennt Ihr Don Coopers Bruder? Nein, natürlich nicht. Ihr braucht gar nicht erst nachzugrübeln, wenn Ihr diesen Band noch nicht gelesen habt, in dem es natürlich nicht nur um Dons Bruder geht, sondern vor allem um...

Tote, die nicht ruhen können

- von W. A. Hary

Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2014 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

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eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

1

Die Mumie erreichte London am Abend. Das Schiff, auf dem sie sich befand, wurde aus­gerechnet um Mitternacht ent­laden. Die Hafenarbeiter schufte­ten stumm und konzentriert. Nacht­schicht. Wer mochte das schon? Auf der Kiste mit der Mu­mie stand »Persönliche Effekte«. Die Papiere für den englischen Zoll wiesen Um­zugs­gut eines ge­wissen Don Coopers aus. Abholer sei Ro­nald Cooper, Don Coopers Bruder.

Zwei der Arbeiter befestigten das Seil an der Kiste. Sie gaben dem Kranführer das Zeichen. Lang­sam hob sich die Kiste aus dem Bauch des Schiffes. Da hör­ten sie zum ersten Mal das laute Stöhnen. Die Arbeiter blickten sich an. Abermals stöhnte je­mand abgrundtief. Sie erschrak­en, schauten in die Runde. Alles war taghell ausgeleuchtet. Er­laubte sich jemand einen Scherz mit ihnen?

In der Kiste rumpelte es. Sie schwankte am Seil hin und her, löste sich, krachte herab. Die Arbeiter konnten sich gerade noch in Sicherheit bringen. Die Kistenwände verschoben sich et­was. Ansonsten überstand sie den Absturz sehr gut.

»Ronald Cooper!« grollte je­mand. Lauter: »Ronald Cooper! Ich soll dir gehören, aber ein To­ter gehört niemals einem Lebenden!«

Einer der beiden Arbeiter griff sich ans Herz und kippte um. Andere wurden aufmerksam. Sie vergaßen ihren Job, traten näher. Was ging hier vor?

Der Vorarbeiter wollte seine Leute antreiben, doch das Wort blieb ihm im Hals stecken, denn in diesem Augenblick brach eine geballte Faust durch das roh zu­sammengezimmerte Holz der Kis­te.

Und die grollende Stimme sag­te:

»Denn mein ist die Macht des Bösen!«

»Seid ihr denn von allen guten Geistern verlassen?« brüllte der Lademeister außer sich, der wei­ter weg stand und anscheinend von den Vorgängen gar nichts mitbekam. »Euch mache ich Beine, ihr Penner! Wozu werdet ihr bezahlt?«

In die Ladearbeiter kam Bewe­gung. Sie kümmerten sich zu­nächst um den Bewußtlosen. Er wurde schleunigst in die Obhut eines Arztes gegeben.

Der Lademeister, der schon wieder an einen Streik geglaubt hatte, atmete erleichtert auf.

Die Arbeit ging weiter. Die Kis­te aus Ägypten, die angeblich »persönliche Effekte« eines Don Copper enthielt, hing leicht pen­delnd und anscheinend völlig un­beschädigt am Stahlseil und verließ das Schiff.

Der Kran brachte sie an Land. Dort stand sie, zunächst unbe­achtet. Niemand konnte sich mehr an den Zwischenfall er­innern. Hatte es überhaupt ei­nen gegeben?

Nur einer würde später davon sprechen: der mit dem Herzanfall. Niemand würde ihm Glauben schenken, denn »persönliche Effekte« waren schließlich nicht in der Lage, dermaßen aus der Rolle zu fallen.

Dabei war alles erst der Anfang einer ganzen Kette von Ereignissen.

Zielobjekt war vorderhand Ro­nald Cooper.

2

In der Frühe wurde Ronald Cooper benachrichtigt. Tele­fonisch.

Ronald Cooper runzelte die Stirn. Er war etwas älter als Don und von ihm rein äußerlich schon so verschieden, wie sich Brüder nur unterscheiden konnten. Ro­nald besaß nicht die hochge­wachsene, durchtrainierte und mithin muskelbepackte Figur von Don und auch nicht diese männ­lich-herbe Schönheit, die auf die meisten Frauen wirkte und Don zu manchen Erfahrungen mit dem angeblich so schwachen Ge­schlecht verhalf. Ronald Cooper war kleiner, wirkte drahtig. Er war der typische Vertreter des Geschäftsmannes in den besten Jahren, mit bereits deutlich aus­geprägter Stirnglatze. Mit Frauen hatte er wenig im Sinn. Deshalb war ihm die eigene Frau auch da­vongelaufen. Vollauf beschäftigt mit der Wahrung seiner Geschäfte, blieb ihm keine Zeit für andere Dinge, was ein Grund mit war, warum er für die Lebensweise seines »abenteuerlichen« Bruders nur Verachtung übrig hatte.

Und jetzt das: Umzugsgut von Don Cooper, um das er sich küm­mern soll! Nach Lage der Dinge mußte er sich sogar per­sönlich bemühen. Ronald Cooper wußte eine Menge unflätiger Be­merkungen, um seinem Zorn Luft zu machen. Allein seine gute Er­ziehung verbot ihm, sie auch zu gebrauchen. Er sagte telefonisch ein paar Termine ab und machte sich auf den Weg. Diesmal fuhr er den Wagen selbst. Seinen Fahrer bemühte er ohnedies nur, wenn es aus Gründen der Repräsentation ­unerläßlich er­schien.

Gegen zehn Uhr traf er ein. Man verwies ihn zum Zollager, wo die Kiste auf ihn wartete. Der Spediteur stand schon bereit. Er würde für Ronald Cooper alle Formalitäten erledigen. Dazu be­nötigte er jedoch den konkreten Auftrag von Ronald Cooper. Und Ronald war hier, um eine Möglichkeit zu finden, den Kelch an sich vorüberziehen zu lassen. Die Belange seines Bruders inter­essierten ihn nicht. Es reichte sei­ner Meinung nach, wenn er seine monatlichen Zahlungen an Don tätigte und von Fall zu Fall ordentliche Verträge mit un­terzeichnete, die Don auf seinen ausgedehnten Auslandsreisen zum Wohle der gemeinsamen Firma anregte. Nur in dieser Be­ziehung vermochte Ronald Cooper, für seinen Bruder so et­was wie Verwandtschaft zu emp­finden. Es war der einzige Punkt, in dem sie sich berührten und auch das Motiv, warum Ronald nie auf die Idee kam, die monatlichen Zahlungen zu ver­weigern. Don brachte sie mehr­fach wieder herein, wenn er aus­nahmsweise einmal Ge­schäfts­tüchtigkeit bewies.

»Das ist die Kiste!« sagte der Angestellte der Spedition vor­sichtig. Ihm war nicht entgangen, wie übel gelaunt der große Ronald Cooper war.

Mißmutig sah Ronald die Pa­piere ein. »Ich möchte den Inhalt sehen!« forderte er.

Die beiden Zöllner, die sich ebenfalls in ihrer Begleitung befanden, gaben dem Spediteur einen Wink. Der Mann setzte das Brecheisen an. Unter dem Deckel kam zunächst Holzwolle zum Vor­schein. Neugierig geworden, beugten sich die Zöllner vor, um besser sehen zu können. Von Umzugsgut keine Spur. Abgese­hen von der Holzwolle war die Kiste leer! Während Ronald Cooper wie ein Karpfen nach Luft schnappte, knurrte einer der Zoll­beamten: »Ein übler Scherz, wie?«

Ratlos zuckte der Spediteur mit den Schultern.

Der zweite Zöllner fing sich schnell: »Nehmen Sie die Kiste auseinander!«

»Warum?« weigerte sich der Spediteur.

Der Zollbeamte griff nach der Kiste und versuchte, sie hochzu­heben. Sie war schwer wie Blei. »Deshalb!« knurrte er böse. Ro­nald Cooper vergaß allmählich seinen Ärger. Er begann zu be­greifen, daß mit der Kiste etwas nicht stimmte.

Lustlos machte sich der Spe­ditionsangestellte daran, die Kiste mit dem Brecheisen zu zerlegen. Niemand half ihm dabei, was seine Laune nicht gerade verbesserte. Er malte sich in Gedanken bereits aus, was für eine Rechnung er Ronald Cooper ausstellen würde. Die eine Holzwand krachte zur Seite. Die ganze Holzwolle quoll heraus. Der Spediteur trat mitten hinein und wollte weitermachen. Plötzlich ein aufgebrachtes Stöhnen, das direkt aus der Holzwolle zu kommen schien.

Alle zuckten zusammen. Der Spediteur fuhr zurück, wie von einer Tarantel gebissen. Einer der Zöllner bewies Mut Vorsichtig teilte er die Holzwolle. Da war ab­solut nichts! Er nahm dem Spedi­teur das Brecheisen ab. »Jetzt will ich es genau wissen!« Rücksichts­los schlug er auf das Holz ein, bis sich alle vier Wände gelöst hatten und am Boden lagen, übersäht mit Holzwolle. Probehalber wurden die Holzteile angehoben. Ein ganz normales Gewicht. Trotzdem mußten zwei Lager­arbeiter die Teile zum Röntgenge­rät bringen.

Es brachte kein Ergebnis. Die Kiste war und blieb leer. Es war dem Spediteur überlassen, sie wieder notdürftig zusammen zu nageln. Da sie an die Adresse von Ronald Cooper gehen sollte, tat sie das auch - ob leer oder nicht. Ronald wehrte sich nicht dagegen. Er wollte das Ding auf­heben, um später Don zur Rede zu stellen. Solche Scherze konnte er nämlich auf den Tod nicht ausstehen. Aber dafür mußte Don erst einmal wieder auftau­chen. Ronald hatte keine Ahnung, wo sich sein Bruder zur Zeit aufhielt.

Die nächste Station der myster­iösen Kiste war der Keller von Ronald Coopers Villa. Die Un­terbringung überwachte er per­sönlich. Sie bekam einen Ehren­platz inmitten von Gerümpel aus längst vergangenen Zeiten.

Gerade als Ronald Cooper den Keller verließ, kam die Post. Ein Brief wurde abgegeben. Als Ro­nald den Absender las, schwoll ihm die Zornesader erneut. Ir­gendeine ägyptische Adresse von seinem Bruder. Ronald schickte den Butler hinaus und brach das Kuvert auf.

»Lieber Ronald, ich hoffe, daß Dich Brief und Kiste möglichst gleichzeitig erreichen. Ich wollte Dir eine Freude machen. Du weißt, daß ich Deine Samml­erleidenschaft, alte Sachen be­treffend, noch nie teilte. Für mich sind Antiquitäten einfach Dinge, die andere nach Gebrauch weggew­orfen haben. Trotzdem diese Sendung. Um sie überhaupt aus dem Land kriegen zu können, habe ich sie bei der Ausfuhr als Umzugsgut deklariert. Hoffentlich sind die Schwierigkeiten, die Du beim englischen Zoll hast, nicht zu groß. Denn die Kiste enthält eine echte Mumie! Ja, Du liest richtig, Ronald: eine Mumie! Sie hat einen beträchtlichen Wert, wie Du Dir vorstellen kannst. Nimm sie als ein brüderliches Ge­schenk. Ich kann sowieso nichts damit anfangen. Mit freundlichen Grüßen Dein Bruder Don aus Ägypten.«

Ronald Cooper las den Brief fünfmal und fragte sich jedesmal, was er davon halten sollte. Und dann ging er hoch wie eine Rake­te. Wenn Don nicht völlig ver­rückt war und hier die Wahrheit schrieb, dann konnte es nur so sein, daß jemand die Mumie gestohlen hatte!

Ronalds nächster Gang war zum Telefon. Er alarmierte den Hafenzoll. Es kam nicht alle Tage vor, daß etwas aus dem Zollager verschwand. Deshalb würde das die Zöllner mit Sicherheit interes­sieren.

Ronald Cooper irrte sich ge­waltig. Der englische Zoll fühlte sich eher auf den Arm genom­men. Nur Ronalds gewich­tiger Name hielt sie davon ab, ihn wegen Beleidigung anzuzeigen. Es bedurfte viel Überredung, bis sie sich der Mühe unterzogen, im Zollager nachzusehen.

Dabei kam heraus, daß je­mand gewaltsam ein Fenster ge­öffnet hatte. Das Ungewöhnliche dabei war allerdings, daß dies of­fensichtlich von innen geschehen war. Also eher ein Ausbruch als ein Einbruch. Und jetzt glaubte man auf einmal den Worten des Ladearbeiters, der in der Nacht einen Herzanfall bekommen hatte. Man interpretierte das allerdings so, daß sich in der Kis­te zweifelsohne ein blinder Passa­gier befunden haben mußte. Für Ronald Coopers Hinweis auf eine Mumie hatte man höchstens ein müdes Lächeln übrig. Die Fahn­dung lief an. Auch New Scotland Yard wurde eingeschaltet.

3

May Harris, meine Freundin, und ich, Mark Tate, waren gerade beim Lunch, als das Telefon klingelte. May war eine ausgez­eichnete Köchin. Es schmeckte ihr selber, weshalb sie ein wenig wehmütig in ihren Teller blickte.

Ich hatte ein Herz für sie und stand auf. »Laß nur, May, ich ge­he schon ran!« Ich nahm den Hö­rer ab und meldete mich.

»Scotland Yard, ich verbinde«, sagte eine angenehme weibliche Stimme. Scotland Yard? echote ich in Gedanken.

Es knackte in der Leitung. Dann ertönte eine männliche Stimme: »Furlong!« Also mein Freund, Chefinspektor Tab Fur­long.

»Ich bin es, Mark. Was ist los, Tab? Du störst uns am Mittags­tisch.«

»Tut mir leid, Herr Privatdetekt­iv, aber ich habe eine Nachricht, die dich am nächsten Brocken verschlucken läßt.«

»Schieß los!« bat ich. Eine böse Vorahnung peinigte mich. Wenn Tab so sprach, dann war etwas passiert, und zwar etwas, was man nicht alltäglich nennen konnte.

»Kennst du Dons Bruder?«

»Nein, nicht einmal seinen Namen. Don schweigt sich über seine Verwandtschaft aus. Er be­hauptete einmal, das Schwarze Schaf zu sein und nicht einzuse­hen, daß er mit den weißen Läm­mern überhaupt verkehren sollte.«

»Er heißt Ronald und ist ein angesehener Bürger Londons. Nicht nur das. Don hat ihm aus Ägypten ein äußerst unge­wöhnlic­hes Geschenk ge­schickt.«

»Was für ein Geschenk? Aus Ägypten sagst du? Jetzt weiß ich endlich, wo sich Don Cooper und Lord Frank Burgess herum­treiben.«

»Im Moment ist das nicht so von Interesse, Mark. Halte dich fest! Don schickte per Seefracht eine Kiste mit einer Mumie! Allerdings ist die Kiste jetzt leer.« Er erzählte mir mit knappen Wor­ten, was er wußte. Demnach be­schäftigte sich ein Kollege von ihm mit der Angelegenheit. Von die­sem hatte Tab auch den Hin­weis über die Mumie be­kommen. Im Gegensatz zu allen anderen konnte Tab Furlong darüber nicht lachen. Er hatte in seinem Leben genug erlebt, um zu wissen, daß es Dinge gab, die man mit dem menschlichen Verstand nicht erfassen konnte.

Das Gespräch endete mit dem Versprechen meinerseits, einmal Ronald Cooper persönlich aufzu­suchen. Vorher allerdings widme­te ich mich dem Mittagsmahl, ehe es kalt wurde und nur noch halb so gut schmeckte.

May erfuhr von mir, um was es ging.

4

Ronald Cooper war um diese Tageszeit selbstverständlich nicht mehr daheim anzutreffen. Er war damit beschäftigt, sein Wirt­schaftsimperium in einer Manier zu regieren, die für seine persönli­che Entfaltung keinen Platz mehr ließ. Ich dachte es mir und steuerte den gemieteten Austin von Mays Wohnung direkt zu der Adresse, die mir Tab Furlong angegeben hatte. Das Verwal­tungsgebäude erwies sich als Glaspalast, der mir einen Ein­druck davon vermittelte, wie reich mein Freund Don Cooper in Wirklichkeit war. Gedanken hatte ich mir bislang keine darüber ge­macht. Das Geld hatte Don und mich noch nie auf Distanz zuein­ander gehalten.

May hatte es sich nicht nehmen lassen, mit von der Partie zu sein. Wir suchten uns einen Parkplatz und stiegen aus. May legte den Kopf in den Nacken. »Das also hat Don ge­meinsam mit seinem Bruder Ro­nald geerbt.«

»Irrtum!« belehrte ich sie. »Erstens ist es nur ein Teil davon, und zweitens ist Ronald Cooper der eigentliche Erbe. Testamen­tarisch wurde verfügt, daß Ro­nald allein mit der Führung des Wirtschaftsimperiums betraut ist. Der Alte hat seine Söhne gut ge­kannt. Sein Testament ist mehr als gerecht. Und Don ging schließlich auch nicht ganz leer aus dabei. Für ihn ist lebenslang gut gesorgt. Er kann das Leben eines reichen Playboys führen. So bleiben seine Beiträge zum Erhalt der Firma rein freiwillig, was sie nur noch effektiver machen.«

»Danke für den Vortrag«, sagte May sarkastisch. »Aber jetzt bin ich auf diesen Ronald Cooper ge­spannt. Vor allem darauf, wie er auf unseren Besuch reagiert.«

Ja, das fragte ich mich allerdings auch. Die Freunde von Don Cooper mußten nicht unbe­dingt Freunde von Ronald Cooper sein.

Bis zum Vorzimmer des all­mächtigen Chefs gelangten wir. Weiter nicht. »Mr. Cooper bedau­ert, Mr. Tate, Sie im Moment nicht empfangen zu können«, wies uns die Chefsekretärin kühl ab. Sie war mir unsympathisch in ihrem altmodischen, unvorteil­haften Kleid, dem Vogelgesicht und dem stechenden Blick. Das personifizierte Klischee des Bü­rodrachens. Hatte sie Ronald Cooper engagiert, um unliebsame Besucher zu erschrecken? Aber immerhin war ich gewöhnt, mich mit Dämonen und Monstern aus jenseitigen Gefilden herumzu­ärgern. Die Sekretärin vermochte mich nicht in die Flucht zu schlagen.

»Nun gut, wir können ja hier warten«, entgegnete ich liebens­würdig.

»Es kann lange dauern, Mr. Tate, denn Mr. Cooper befindet sich in einer wichtigen Sitzung.«

»Trotzdem, richten Sie ihm noch einmal aus, wir seien Freunde seines Bruders und in­teressierten uns für die Mumie, die ihm Don heute morgen schickte.«

So genau hatte ich es vorher nicht formuliert. Die Chefsekretä­rin betrachtete mich, als wäre sie am Überlegen, ob es nicht sinn­voller sei, die Polizei einzuschal­ten. Sie entschied sich dagegen und drückte die Sprechtaste der Hausanlage.

»Ja?« meldete sich eine miß­mutige Stimme.

»Sir, die beiden Freunde Ihres Bruders lassen sich nicht ab­weisen. Sie...«

»Ja, habe ich Ihnen denn nicht gesagt, daß...?«

Die Sekretärin bewies, daß sie sich durchsetzen konnte. Sie un­terbrach Ronald Cooper. »Ja, Sir, ich habe es schon begriffen, aber Mr. Tate behauptet, es handele sich um die Lieferung einer Mumie.«

Ronald Cooper vergaß zu ant­worten. Es dauerte eine halbe Mi­nute, ehe er wieder von sich hö­ren ließ. »Eine Viertelstunde, dann ist das Wichtigste bespro­chen. Sagen Sie Mr. Tate, er möge sich so lange gedulden!«

Ich war zufrieden. Mehr hatte ich nicht erreichen wollen. Wir setzten uns. Die Chefsekretärin erledigte irgendwelche Schreib­arbeiten. Dabei schaute sie immer wieder zu uns herüber. Wie ein Raubvogel, der seine Beute sichert! dachte ich miß­mutig. May und ich sprachen kein Wort miteinander. Beide hingen wir unseren eigenen Gedanken nach.

Es wurde länger als verspro­chen. May und ich waren bereits ungeduldig. Die Stimme von Ro­nald Cooper meldete sich wieder per Sprechanlage. »Sie können jetzt die beiden hereinlassen!« schnarrte er.

Die Sekretärin stand auf und winkte uns zur gepolsterten Zwi­schentür. Von Höflichkeit schien sie nichts zu verstehen. Ich spür­te leisen Groll wegen dieser Be­handlung, sagte jedoch nichts, sondern bereitete mich auf Dons Bruder vor. Die Sekretärin öffnete einen Zwischenraum. Rechts und links Wandschränke. Nach drei Schritten die zweite Tür. Die Chefsekretärin ging voraus und trat als erste in das Allerheiligste von Ronald Cooper. So weit wären wir erst einmal! dachte ich grim­mig. Ronald Cooper kam gerade aus dem großen Konferenzraum, der sich an sein Büro anschloß. Eine steile Sorgenfalte stand über seiner Nasenwurzel, als er uns betrachtete. Ich fühlte mich un­behaglich.

»Mr. Tate und Mrs. Harris!« meldete die Sekretärin artig.

Ronald Cooper knallte die Tür zum Konferenzraum zu und stampfte näher. Hinter seinem Schreibtisch baute er sich auf. Die Sekretärin winkte er hinaus. Es war, als brauchte Ronald Cooper den Schreibtisch, um eine Barriere zwischen uns aufzubau­en. »Bitte, setzen Sie sich!« Mit der ausgestreckten Hand deutete er auf die Sesselgruppe.

Wir ließen uns nieder. Dann erst nahm auch Cooper Platz. Die Ellenbogen stützte er auf den Schreibtisch. Er legte die Fin­gerkuppen gegeneinander. »Ich habe nicht lange Zeit. Wissen Sie etwas über meinen Bruder? Was soll die Geschichte mit dieser Mumie, die niemals ankam?«