TEUFELSJÄGER 027: Satansbräute weinen nicht - W. A. Hary - E-Book
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 027: Satansbräute weinen nichtA. Hary: "Die Ruine von Ardon und ihr grausiges Geheimnis!" Der Befehl marterte ihn. Er schrie auf, presste die Hände gegen die Ohren, um es nicht mehr zu hören. Doch die Stimme war direkt in seinem Innern: "Steh auf!""Nein!" brüllte er, und es hallte von dem niedrigen Ge­wölbe wider. Er starrte in die Finsternis und glaubte, feu­rige Fratzen auftauchen zu sehen. Sie wirbelten in einem ir­ren Kreis um ihn herum, stießen auf ihn nieder, bleckten die Zähne, wollten ihn verschlingen. "Nein!""Steh auf!" Ein Grollen, das tief aus der Erde zu kommen schien und doch seinen Ursprung in seiner eigenen Kehle hatte. Sein Körper machte sich selbständig. Er bewegte sich wie eine Marionette, roboterhaft, und konnte nichts dage­gen tun. "Geh!" Aus der Finsternis schälte sich ein Licht. Es befand sich scheinbar in weiter Ferne, taumelte, raste nä­her, stoppte dicht vor ihm, beschien eine hölzerne Tür. Von unsichtbarer Hand bewegt, senkte sich die Türklinke. Die Tür öffnete sich knarrend, kreischend - ein Geräusch, das ihm durch Mark und Bein fuhr. "Don Cooper, verlass das Ge­wölbe, in dem dein Körper aufbewahrt wird, doch bleibe mein Diener!"Er taumelte hinaus...  Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Auch jede Druckausgabe ist jederzeit nachbestellbar. Coverhintergrund: Anistasius eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks! HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt. Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary

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W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 027: Satansbräute weinen nicht

„Die Ruine von Ardon und ihr grausiges Geheimnis!“

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary BookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 027

Satansbräute weinen nicht

W. A. Hary: „Die Ruine von Ardon und ihr grausiges Geheimnis!“

 

Der Befehl marterte ihn. Er schrie auf, presste die Hände gegen die Ohren, um es nicht mehr zu hören. Doch die Stimme war direkt in seinem Innern: »Steh auf!«

»Nein!« brüllte er, und es hallte von dem niedrigen Ge­wölbe wider. Er starrte in die Finsternis und glaubte, feu­rige Fratzen auftauchen zu sehen. Sie wirbelten in einem ir­ren Kreis um ihn herum, stießen auf ihn nieder, bleckten die Zähne, wollten ihn verschlingen. »Nein!«

»Steh auf!« Ein Grollen, das tief aus der Erde zu kommen schien und doch seinen Ursprung in seiner eigenen Kehle hatte. Sein Körper machte sich selbständig. Er bewegte sich wie eine Marionette, roboterhaft, und konnte nichts dage­gen tun. »Geh!« Aus der Finsternis schälte sich ein Licht. Es befand sich scheinbar in weiter Ferne, taumelte, raste nä­her, stoppte dicht vor ihm, beschien eine hölzerne Tür. Von unsichtbarer Hand bewegt, senkte sich die Türklinke. Die Tür öffnete sich knarrend, kreischend - ein Geräusch, das ihm durch Mark und Bein fuhr. »Don Cooper, verlass das Ge­wölbe, in dem dein Körper aufbewahrt wird, doch bleibe mein Diener!«

Er taumelte hinaus...

 

Impressum

 

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2014 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

 

Vorwort

Die unheimliche Macht, die von Kairo aus die ganze Welt ins Chaos stürzen wollte, war besiegt. Ich, Mark Tate, durfte zufrieden sein. Am nächsten Tag reiste ich gemeinsam mit meiner Freundin May Harris zurück nach London.

Don Cooper, unser beider Freund, hatte sich nicht mehr ge­meldet. Ich erinnerte mich der besonderen Rolle, die er gespielt hatte. Um mich zu überlisten, schlüpfte einer aus dem Kreis der furchtbaren Magiere in Dons Rolle. Dazu übernahm er Dons Geist. Eine Inkarnation, auf die sogar mein Amulett, der Schavall, hereinfiel. Das war letztlich Sinn und Zweck dieses Vorgehens ge­wesen. Der Schavall, von mir auch Dämonenauge wegen seiner besonderen Form genannt, geriet in die Hände des Gegners. Daß wir siegten, war nur dem Um­stand zu verdanken, daß die Ma­giere den Schavall letzten En­des doch unterschätzt hatten.

Don Coopers Geist war frei und kehrte in den eigenen Körper zurück, dessen Aufenthaltsort ich nicht kannte. Die letzte Bitte von Dons Geist war, daß wir uns nicht um ihn kümmern, sondern nach London zurückkehren soll­ten, um Lord Frank Burgess zu schicken, der Don Coopers Reise­paß besaß. Ohne einen Paß war man im Ausland ziemlich hilflos.

Es leuchtete mir ein. Deshalb kehrte ich Kairo den Rücken, ohne zu ahnen, daß Don Cooper inzwischen Gefangener des Grau­ens war.

1

Die Ruine von Ardon war bei ihrer zufälligen Entdeckung eine Weltsensation. Das verdankte sie vor allem der Tatsache, daß sie trotz der vernichtenden Umwelt­einflüsse im Nildelta baulich noch vollkommen erhalten war. In­sofern traf die Bezeichnung Ruine gar nicht zu. Doch das ausge­grabene Gemäuer enthielt keinerlei Einrichtungsgegen­stände oder Hin­weise auf ihre Benutzung. Die aus Zyklopen­mauerwerk beste­hen­den Wände waren kahl, ohne die üblichen Zeichen, mit denen sich die Erbauer oder auch deren Nach­folger sonst verewigten.

Das allgemeine Interesse ver­lor sich naturgemäß sehr schnell und blieb auf eine Handvoll Ar­chäologen reduziert, die nahe der Ruine von Ardon, wie man sie nach ihrem zufälligen Entdecker nannte, campierten. Bewachung und dergleichen entfielen. Grab- und Schatzräuber fanden keine Beute.

Es war Mitternacht. Zwei der Wissenschaftler hatten Schwierig­keiten, den wohlverdienten Schlaf zu finden. Aus gutem Grund: In dieser Nacht brachten die beiden, nämlich Steve Candall und Helen Sanders, zum ersten Mal den Mut auf, sich ihrer gegenseitigen Liebe zu versichern. Bislang bekämpf­ten sie solche Gefühle, weil sie um ihre Objektivität in ihrer wissenschaftlichen Arbeit fürchte­ten.

In Sichtweite des Lagers um­armten sie sich. Helen klammerte sich an Steve fest wie eine Ertrin­kende.

»Mein Gott!« flüsterte sie, »ich hätte es nie für möglich gehalten. Liebst du mich wirklich?«

Steve entgegnete, in dem Be­mühen, Erklärungen für seine Gefühle zu finden:

»Wir verschrieben uns der Wissenschaft und merkten nicht, wie sehr wir in ihr nur das Alibi für unsere Flucht aus dem nor­malen Leben fanden. Die Nor­malität holte uns ein. Zwei Men­schen entdeckten, daß es auch andere Interessen gibt als das Forschen nach Erkennt­nissen.«

Er merkte, wie unpassend nüchtern-philosophische Be­trachtungen in einem solchen Augenblick waren, faßte behut­sam unter Helens Kinn und hob ihr Gesicht.

Im blassen Sternenlicht wirkte sie kreidebleich. Tränen schim­merten in ihren Augen, die da­durch wie kalte Bergseen wirk­ten. »Hoffentlich ist es nicht zu spät für uns!« weinte sie.

Steve wunderte sich ein wenig über ihre Worte und wollte schon sagen, daß es niemals zu spät für die Liebe war, aber stattdessen küßte er ihr die Tränen von den Wangen. Seine Lippen fanden ih­ren Mund. Ihrer beider Leiden­schaft wuchs und ließ sie zu Boden sinken. Ein nie gekanntes Gefühl der gegen­sei­tigen Zunei­gung hatte sie er­grif­fen.

Schritte!

Sie fuhren zusammen, kehr­ten jäh in die Realität zurück. Ih­re Körper verschmolzen mit den Schatten der Nacht.

Die Schritte näherten sich. Eine Gestalt. Sie kam nicht aus Richtung Camp, sondern von der Ruine!

Langsam schälte sie sich aus dem Dunkel. Hinter ihr die von der Erde befreiten Mauern wie ein Scherenschnitt.

Ein eigenartiges Leuchten ging von der Gestalt aus, als umgebe sie eine Aura.

Die beiden Menschen erschau­erten. Die Gestalt schritt rasch aus. Sie kannte ihr Ziel. Unweigerlich würde sie an den beiden vorbeikommen.

Die Szene wirkte unheimlich, bedrückend. Die beiden wagten nicht, sich zu bewegen. Sie waren ganz sicher, daß sich niemand vom Camp in der Ruine befunden hatte. Wer war der Fremde?

Das unheimliche Leuchten verstärkte sich, brach aus der Haut des Mannes. Grüner Schein, der aus allen Poren si­ckerte und dort sichtbar wurde, wo der Körper nicht von Kleidung verdeckt wurde.

Der Mann trug einen norma­len Straßenanzug nach euro­päischem Muster. Die star­ren Gesichtszüge kamen den beiden nicht vertraut vor.

Jetzt erreichte er sie, würdigte sie jedoch keines Blickes, ging vorüber.

Unwillkürlich starrten Helen Sanders und Steve Candall hin­terher. Sie erwachten erst aus der Bewegungslosigkeit, als die Gestalt aus ihrem Blickfeld ent­schwunden war.

Steve fing sich als erster.

»Wer war das?« Lieber hätte er gefragt: WAS war das?

»Die Ruine!« ächzte Helene Sanders.

Auch Steve sah es. Dasselbe Leuchten. Als hätte der Fremde einen Teil davon mit sich genom­men.

Ferne Musik schien anzu­schwellen. Sphärenmusik, die nicht von dieser Welt stammte.

Etwas schwebte über dem viel­tausendjährigen Gemäuer, wie ein diffuser Nebelstreif, hell, fast weiß, nahm die Konturen einer Frau im langen Gewand an. Ein vages Winken in die Richtung, in die sich die Gestalt des Fremden entfernt hatte.

Der Sphärengesang erfüllte die alten Wände aus Zyklopenmauer­werk, lockte die beiden Men­schen an.

Sie schritten darauf zu, in einer Mischung aus Neugierde und Scheu. Keiner der beiden Wissenschaftler ahnte, was sie erwartete, doch sie hatten keine Angst.

Nur einmal warf Steve einen Blick zurück.

Da war der Fremde wieder. Er stand abseits, wandte ihnen sein Gesicht zu, war auf diese Entfer­nung aber kaum erkenn­bar. Kraftlos hingen die Arme herab.

Der weiße Schatten über dem Gemäuer verlor seine Form. Ein ersterbendes Säuseln. War es nur der Wind, der sich in den engen Mauerfugen verfing?

Steve Candall blieb stehen. Alles in ihm lehnte sich auf.

Gefahr! schrie sein Inneres. Geh nicht weiter!

Er fand die Kraft, Helen am Arm aufzuhalten. Sie blickte ihn an, als wäre er ihr völlig fremd.

Ein Lachen hallte wider. Es klang gemein und aggressiv.

Steve schaute zum Lager. Nichts rührte sich. Warum merkte niemand, was hier vor sich ging? War alles nur ein Traum, eine Wahnvorstellung, in der beide gefangen waren und an der niemand sonst teilnehmen konnte?

Steve Candall ballte die Hände zu Fäusten.

»Bleib hier! Ich geh allein hin­ein!« wollte er sagen. Seine Lip­pen bewegten sich, doch kein Laut verließ sie.

Helen gehorchte auch so. Sie machte Anstalten, ihn aufzuhal­ten. Es blieb beim Versuch.

Mit festem Schritt betrat Steve Candall die Ruine.

Ein Zittern durchlief die Wän­de ringsum. Drohten sie einzu­stürzen, um ihn unter sich zu be­graben?

»Steve!« Der verzweifelt klin­gen­de, verwehende Ruf von He­len.

»Steve!«

Steve schritt weiter, wie in Trance, durchquerte den Vor­raum. Die Zwischentür. Ebenfalls offen. Das Glühen herrschte auch im Innern des Gebäudes.

Erneutes Beben. Es drang aus der Erde herauf. Ein Scharren und Ächzen.

Steve Candall blieb in der Tür­öffnung stehen. Im düsteren Licht sah er eine seltsame Erschei­nung. Sie jagte ihm keine Angst ein.

Der helle Schatten, den er auch über dem Dach des Gebäu­des gesehen hatte. Jetzt schwebte er durch die festen Mauern, tauchte aus dem Deckengewölbe, sank zu Boden. Dort befand sich ein dunkles Loch, in dem die Er­scheinung ver­schwand.

Steve Candall wankte näher. Das Loch zog ihn an wie ein Magnet. Er streckte die Arme aus, als wollte er sich gegen den Zwang wehren. Vergeblich!

2

Helen hielt es nicht mehr aus vor Sorge und Angst um den Geliebten. Sie glaubte, Steve Can­dall niemals mehr lebend wieder­zusehen, rief nach ihm.

Keine Antwort.

Ihre Gedanken wirbelten im Kreis, blieben ungeordnet, bis sich einer deutlich von den anderen abzeichnete:

Sie mußte Hilfe holen!

Mit hölzernen Schritten setzte sie sich in Bewegung. Das Beben, das im Innern des Gemäuers sei­nen Ursprung nahm, war auch draußen zu bemerken. Es beschleunigte ihre Schritte.

»Hilfe!« krächzte sie. Viel zu leise. Niemand würde auf sie auf­merksam werden.

Das Lager war nicht weit. Sie begann zu rennen. Dabei schie­nen die Zelte weiter wegzurücken.

»Hilfe! Professor Barlow, so helfen Sie doch!« Schluchzen schüttelte sie.

Und dann hatte Helen San­ders das Ziel erreicht. Sie schlüpfte in das erste Zelt.

Finsternis.

Helen erinnerte sich der Ta­schenlampe, die sie bei sich trug, kramte sie hervor, knipste sie an.

Der schmale Schein fiel auf ein bleiches Antlitz, das umrahmt wurde von schlohweißem Haar.

Was verursachte die Blässe? War Professor Edward Barlow nicht immer braungebrannt durch die Hitze, die hier tagsüber herrschte?

Professor Barlow rührte sich nicht.

Sekundenlang war Helen überzeugt davon, einen Toten vor sich zu haben. Sie überwand ihre Abwehr und Furcht, trat näher, beugte sich über den Schläfer.

»Professor Barlow!« Es war eher ein Flüstern oder Raunen als ein Ruf.

Der Mann schlug die Augen auf. Sein Blick wirkte starr. Er hatte Schwierigkeiten, in die Wirklichkeit zurückzufinden.

»Die Ruine von Ardon!« sagte Helen Sanders mit brüchiger Stimme.

Der Wissenschaftler und Chef des Archäologenteams fuhr auf.

»Die Ruine von Ardon? Was ist mit ihr?«

Helen deutete stumm hinaus.

Edward Barlow schüttelte den Kopf.

»Was soll damit sein? Ich sehe nichts.«

Helen folgte seinem Blick. Der Zelteingang war offen, seit sie hereingekommen war. Die Ruine war nicht zu sehen.

Nicht zu sehen!

Professor Barlow erschrak. So schnell hatte er den Schlafsack noch nie verlassen. Trotz seines hohen Alters tat er es mit der Manier eines gereizten Tigers. Er sprang zum Eingang.

»Um Gottes willen, die Ruine von Ardon ist verschwunden!«

In der Tat breitete sich eine ebene Fläche dort aus, wo sich die Ruine vorher befunden hatte!

3

Steve Candall fiel nach vorn. Das Loch war kleiner, als er ange­nommen hatte. Es nahm ihn nicht auf. Er kam quer darüber zu liegen. Der Sog blieb. Er zog und zerrte an ihm, wollte ihn hin­einzwingen.

Keuchend warf er sich herum, kam aus dem Sog heraus.

Die Wände schienen auf ihn zuzurücken, um ihn zu zerquet­schen.

»Nein!« Sein Gesicht verzerrte sich zur Grimasse der Panik. Die Augen drohten schier, aus ihren Höhlen zu quellen.

Die Wände kamen tatsächlich. Er spürte nur eine flüchtige Be­rührung. Alles verschwand in dem Loch. Eine unbeschreibliche, unbegreifliche Macht schaffte das.

Und dann lag Steve Candall auf der ebenen Fläche. Sogar das Loch war verschwunden.

Er rappelte sich auf, sah zum Camp hinüber.

Helen und Professor Barlow. Sie standen im Zelteingang, stierten fassungslos herüber. Jetzt kam Bewegung in sie.

Steve Candall winkte ver­zweifelt. Doch sie schienen ihn nicht zu sehen.

Er ging ihnen entgegen. Nur drei Schritte. Da stieß er gegen ein hartes Hindernis.

Gleichzeitig tauchten die Mau­ern wieder auf.

4

Auch Barlow und Helen sahen es. Sie verhielten im Schritt. Alles wirkte so wie vorher.

Unwillkürlich blickte Professor Barlow auf das Leuchtzifferblatt seiner Armbanduhr.

»Die Mitternachtsstunde ist vorüber!« murmelte er.

»Steve!« Helen dachte an nichts anderes mehr. Sie lief so schnell sie konnte. Kaum hatte sie den Eingang zur Ruine von Ardon erreicht, als sich dort et­was bewegte. Steve Candall tauchte auf.

Die beiden fielen sich in die Arme.

»Was hat das alles zu bedeu­ten?« fragte sich Professor Barlow laut. Dann gab er Alarm.

Niemand achtete auf den Fremden, der noch immer abseits stand und mit ausdruckslosem Gesicht herüberblickte.

Es handelte sich um niemand anderes als um Don Cooper, den Freund des Londoner Privatdetek­tivs Mark Tate.

Der Zwang blieb in ihm. Er konnte sich nicht mehr länger dagegen wehren, wandte sich ab. Es drängte ihn, zu den Wissen­schaftlern zu gehen und sie zu warnen. Doch das Fremde war stärker.

Seine Schritte verhallten in der Dunkelheit. Er hatte eine Auf­gabe, über die er sich nicht ein­mal im klaren war.

5

Alle wirkten verschlafen und verärgert, außer Professor Barlow, Dr. Steve Candall und Dr. Helen Sanders.

Manfred Bauer, der deutsche Archäologe, der sich als wert­volles Mitglied des international zusammengesetzten Teams erwie­sen hatte, konnte sich seinen gut­mütigen Spott nicht verkneifen:

»Professor, nächtliche Über­stunden waren nicht vereinbart.«

Barlow ging ein paarmal vor seinem Zelt auf und ab. Nur eine der Unterkünfte war groß genug, um sie alle aufzunehmen. Doch er hatte es vorgezogen, die Ver­sammlung des siebenköpfigen Teams im Freien einzuberufen. Dazu hatten sich alle warm anzie­hen müssen. Die Nächte waren recht kühl, wenn man sich ein­mal an die Hitze des Tages einigermaßen gewöhnt hatte.

Vor Manfred Bauer blieb er stehen.

»Doktor, ich weiß nicht recht, wie ich beginnen soll. Ich möchte nicht unbedingt als schrulliger Gelehrter in Ihren ausgezeichne­ten Witzen Zugang finden.«

»Strengen Sie sich an!« riet ihm Dr. Bauer. Er lächelte entwaffnend. Der Schein des auf­gebauten Scheinwerfers zeich­nete seltsame Schatten in sein Antlitz.

Professor Barlow wandte sich ab, schaute zur besterhaltenen Ruine hinüber, die er jemals zu Gesicht bekommen hatte.

»Dr. Candall und Dr. Sanders hatten ein seltsames Erlebnis. Sie waren um Mitternacht als einzige von uns wach. Seltsame Vor­gänge bei der Ruine von Ardon.«

Barlow blickte über die Schulter.

»Helen Sanders weckte mich, wollte mich auf die Vorgänge auf­merksam machen. Die Ruine war plötzlich verschwunden!«

Manfred Bauer verzog keine Miene.

»Verschwunden?« echote Anna Michi, die Italienerin.

»Wir traten vor das Zelt. Lassen Sie mich meine subjek­tiven Eindrücke schildern. Wo die Ruine hätte stehen müssen, brei­tete sich eine Ebene aus. Wir liefen darauf zu. Steve Candall befand sich nach Angaben von Helen Sanders zuletzt im Innern des nicht mehr vorhandenen Ge­mäuers. Plötzlich tauchte alles wieder auf. Dr. Candall kann Ih­nen erzählen, was er erlebt hat.«

Manfred Bauer sagte: »Ich finde, Ihre Witze sind besser als meine, Professor!«

Niemand lachte, nicht einmal er selber.

»Es ist kein Witz!« Helen Sanders ballte die Hände zu Fäusten. »Am liebsten würde ich packen und von hier ver­schwinden. Ich weiß nicht, was geschehen ist oder wie man es er­klären soll, aber es bedeutet Gefahr.«

Dr. Otakar Cupak, der Wissenschaftler tschechischer Abstammung, schüttelte mißbil­ligend den Kopf.

»Ich kenne Sie drei gut genug, um zu wissen, daß ich es nicht mit Narren zu tun habe, sondern mit ernsthaften Forschern. Es muß eine Erklärung geben. Die Ruine von Ardon ist nur für die Wissenschaft von Bedeutung. Gibt es jemand, der uns ver­treiben will, der seine makabren Spiel­chen mit Ihnen trieb, um uns vor Schlimmerem zu war­nen?«

Steve Candall trat vor.

»Wir haben einen Fremden gesehen. Damit begann alles. Er ist groß, breitschultrig, sportliche Figur. Seine Oberlippe zierte ein schmales Bärtchen. Ich habe ihn nie zuvor gesehen. Er schien uns nicht zu beachten. Doch als ich die Ruine betrat, war er wieder da. Er stand abseits, beobachtete uns.«

Wieder schüttelte Otakar Cu­pak den Kopf.

»Im Osten wird schon seit vielen Jahren mit Psi-Kräften ex­perimentiert, aber nie zuvor be­saß ein Mensch mit Psi-Fähigkei­ten eine solche Macht. Hat er wirklich alle drei hyp­notisch be­einflußt?«

Er blickte die Französin Gilberte Bujold direkt an, als sei die Frage nur für sie bestimmt.

Dr. Gilberte Bujold wand sich unbehaglich. Sie war die siebte in der Runde.

»Ich bin Archäologin und kein Parapsychologe.«

Manfred Bauer lachte leise.

Sie holte tief Luft und fügte hinzu: »Wir sollten weniger nach dem Wie, sondern eher nach dem Warum fragen!«

»Polizei!« sagte Anna Michi. Sie sah die Skepsis der anderen und verteidigte ihren Vorschlag: »Wir müssen die Polizei in Kenntnis setzen. Vielleicht ist uns bei der Erforschung des uralten Gemäu­ers etwas entgangen? Vielleicht gibt es doch etwas Wertvolles?«

Professor Barlow zupfte an sei­ner Nasenspitze. Das tat er immer, wenn er angestrengt überlegte.

»Die Polizei müssen wir uns vorerst aus dem Kopf schlagen.«

»Vorerst?« wiederholte Anna Michi verständnislos.

Er sah sie an.

»Wie sollen wir der Polizei die Vorgänge erklären? Wenn wir von einem unbekannten Hypnotiseur sprechen, der zur Mitternachts­stunde mit uns seine Späße treibt, werden die uns in Quaran­täne einliefern. Jeder denkt doch gleich an einen Wüstenkoller, nicht wahr?«

»Soll das heißen, wir müssen warten, bis etwas passiert ist?«