TEUFELSJÄGER 038: Die Schwarze Mafia - W. A. Hary - E-Book
Beschreibung

TEUFELSJÄGER 038: Die Schwarze Mafia - A. Hary: "Des Teufels schlimmste Waffe!"  "Wie heißt du?" Er hörte die Stimme und verstand kein Wort. Erstaunt öffnete er die Augen. Gleißende Helligkeit blendete ihn, stach in sein Denken. Die Stimme blieb unerbittlich: "Wie heißt du?" Zögernd kam es über seine Lippen: "Don Cooper!" "Wer bist du?" Zorn wuchs in ihm, ließ ihn die Hände zu Fäusten ballen. "Ich bin Don Cooper, verdammt!" Leises Lachen. Die Helligkeit machte es ihm unmöglich, etwas zu erkennen. Doch, da war ein hoher Schatten, direkt neben seiner Lagerstätte. Ich bin Don Cooper! hämmerte es in seinem Schädel. Vergeblich versuchte er, aufzustehen. Er war zu schwach. Seine Lieder senkten sich. Die Helligkeit war unerträglich. "Don Cooper, wer bist du?" Er antwortete automatisch: "Ein Freund von Mark Tate, dem Privatdetektiv aus London." "Wo bist du?" "In Rio de Janeiro, der ehemaligen Hauptstadt von Brasilien." "Welche Aufgabe hast du?" "Zu sterben!"   Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate und seine Freunde. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt!   eBooks – sozusagen direkt von der Quelle, nämlich vom Erfinder des eBooks!   HARY-PRODUCTION.de brachte nämlich bereits im August 1986 die ersten eBooks auf den Markt – auf Diskette. Damals hat alles begonnen – ausgerechnet mit STAR GATE, der ursprünglichen Originalserie, wie es sie inzwischen auch als Hörbuchserie gibt.   Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._Hary  

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:135


W. A. Hary

TEUFELSJÄGER 038: Die Schwarze Mafia

"Des Teufels schlimmste Waffe!"

Nähere Angaben zum Autor siehe Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_A._HaryBookRix GmbH & Co. KG80331 München

Wichtiger Hinweis

Diese Serie erschien bei Kelter im Jahr 2002 in 20 Bänden und dreht sich rund um Teufelsjäger Mark Tate. Seit Band 21 wird sie hier nahtlos fortgesetzt! Jeder Band ist jederzeit nachbestellbar.

 

TEUFELSJÄGER 038

Die schwarze Mafia

von W. A. Hary

»Wie heißt du?«

Er hörte die Stimme und verstand kein Wort. Erstaunt öffnete er die Augen. Gleißende Helligkeit blendete ihn, stach in sein Denken.

Die Stimme blieb unerbittlich: »Wie heißt du?«

Zögernd kam es über seine Lippen: »Don Cooper!«

»Wer bist du?«

Zorn wuchs in ihm, ließ ihn die Hände zu Fäusten ballen.

»Ich bin Don Cooper, verdammt!«

Leises Lachen. Die Helligkeit machte es ihm unmöglich, etwas zu erkennen. Doch, da war ein hoher Schatten, direkt neben seiner Lagerstätte.

Ich bin Don Cooper! hämmerte es in seinem Schädel. Vergeblich versuchte er, aufzustehen. Er war zu schwach.

Seine Lieder senkten sich. Die Helligkeit war unerträglich.

»Don Cooper, wer bist du?«

Er antwortete automatisch: »Ein Freund von Mark Tate, dem Privatdetektiv aus London.«

»Wo bist du?«

»In Rio de Janeiro, der ehemaligen Hauptstadt von Brasilien.«

»Welche Aufgabe hast du?«

»Zu sterben!«

Impressum

Alleinige Urheberrechte an der Serie: Wilfried A. Hary

Copyright Realisierung und Folgekonzept aller Erscheinungsformen (einschließlich eBook, Print und Hörbuch) by www.hary-production.de

ISSN 1614-3329

Copyright dieser Fassung 2015 by www.HARY-PRODUCTION.de

Canadastr. 30 * D-66482 Zweibrücken

Telefon: 06332-481150

www.HaryPro.de

eMail: wah@HaryPro.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung jedweder Art nur mit schriftlicher Genehmigung von Hary-Production.

Coverhintergrund: Anistasius

Lektorat: David Geiger

1

Bei diesen Worten kam Ruhe über ihn. Seine Haltung ent­spannte sich. Abermals hob er die Lider. Die Helligkeit verblasste. Auch die Stimme meldete sich nicht mehr. Er war allein. Über ihm die weißgetünchte Decke eines kargen Raumes. Das Fens­ter war eine quadratische Öff­nung in der dicken Mauer. Wind blies herein, spielte mit den Haa­ren von Don Cooper, als er sich aufrichtete.

In seinem Innern entstand Protest. Auf einmal zweifelte er an seinen eigenen Worten. War er wirklich Don Cooper? War er nicht vielmehr... ein anderer? Aber... wer denn sonst?

Ich habe die Aufgabe zu sterben, dachte er ohne Bedau­ern. Es ist eine sehr wichtige Auf­gabe. Sie muss erfüllt werden. Die gemeinsame Sache steht immer über den Belangen des Einzelnen. Ich werde meine Aufgabe zur Zu­friedenheit erfüllen.

Mit einer fahrigen Bewegung strich er sich durch das Haar. Er stieg von der Liege. In dem kargen Raum stank es nach Un­sauberkeit und Abfall. Es störte ihn nicht. Er trat ans Fenster und warf einen Blick hinaus. Rio de Janeiro. Viel von dem pul­sierenden Leben dieser Millionen­stadt war hier nicht zu sehen. Don Cooper befand sich in einem Randgebiet. Landwirtschaft und Armut herrschten vor. Don Cooper wandte sich ab. Gegen­über lag die Tür. Sie war mit zerschlissenen Tüchern be­hangen, die sich im Wind beweg­ten. Es teilte sie und verließ das Gemäuer.

Direkt neben dem Ausgang lehnte ein verrostetes Fahrrad an der Wand. Don Cooper zögerte, als hätte er etwas vergessen. Kurz kehrte er in den Raum zurück, in dem er zu sich gekommen war.

Der Revolver lag auf der Liege. Er ergriff ihn und überzeugte sich davon, dass er geladen war.

Als er zum zweiten Mal das Gemäuer verließ, wirkte er zufrie­den. Die Waffe steckte in seiner Hosentasche. Er schwang sich auf das Fahrrad und lenkte es über den holprigen Weg zur Stra­ße. Sie war von Schlaglöchern übersät. Die Gluthitze des Tages hatte sie fast menschenleer ge­macht. Nur wenige Häuser säum­ten sie.

Ein Leiterwagen kam Don Cooper entgegen. Der Brasilianer auf dem schmalen Kutschbock hatte den Sombrero zum Schutz gegen die Sonne tief in die Stirn gezogen. Lässig hielt er die Zügel. Das einzige Pferd trabte lustlos dahin. Der Wagen klapperte und holperte. Er war leer.

Don Cooper trat fester in die Pedalen. Er musste sich beeilen, damit er den Zeitplan einhalten konnte.

*

Prachtstraße Rios ist die 1,8 Kilometer lange, lebhafte Avenida Rio Branco. Sie beginnt an der Praca Mauá, ganz in der Nähe des Cais do Porto, wo die großen Überseeschiffe anlegen, und führt, gesäumt von ungezählten Ge­schäften, Banken und Büros, mitten durch das Stadtzentrum. Hier lag Don Coopers Ziel. Er er­reichte es mit seinem klapprigen Fahrrad nach einer langen und sehr mühsamen Fahrt und sicht­lich völlig erschöpft. Doch er blieb unermüdlich.

Weiter vorn hatte sich eine kleine Menschenmenge ver­sammelt. Don ließ das Fahrrad ausrollen und stoppte an einer Hauswand. Durch das geöffnete Fenster drangen heiße Rhyth­men. Sie waren fast so heiß wie die unerbittliche Sonne. Es war schon ungewöhnlich, wenn um die Mittagszeit so viel los war. Die meisten Menschen hielten ihre verdiente Siesta. Was war da vorn los?

Don Cooper sah mit brennenden Augen hinüber. Ein geringschätziges Lächeln um­spielte seine Mundwinkel. Er stieg vom Fahrrad und tastete nach seinem Revolver. Das Ding war geladen. Ein Colt, mit dem man spielend einen ausgewachsenen Stier niederstrecken konnte. Fest umklammerte seine Rechte den gebogenen Griff. Kühl lag die töd­liche Waffe in seiner Hand. Auf das Fahrrad achtete er nicht mehr, als er auf die Menschen­menge zuschritt.

Etwas erhob sich über die Köpfe der Schaulustigen. Es wurde deutlich, was die Men­schen so interessierte: Der pneu­matisch gesteuerte Arm einer Hebebühne. Darauf stand eine voluminöse Kamera mitsamt Kameramann. Filmaufnahmen in der Avenida Rio Branco? Natür­lich, oft kam das nicht vor. Eine Sensation für die Passanten, die zufällig vorbeikamen. Vielleicht hofften sie, auch einmal auf einer Filmleinwand gesehen zu werden?

Dons Gesichtsausdruck wurde unerbittlich. Die Hand packte den Revolvergriff so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Er er­reichte die Menschenmenge und boxte sich bis zur Absperrung durch.

Gerade fand eine Probe statt. Die Aufnahmen galten den Vor­gängen außerhalb eines füh­renden Juwelierladens.

Es wimmelte von Polizisten, die dafür sorgten, dass der Raubüberfall eine reine Spiel­handlung blieb. Statisten gingen wie zufällig an der Außenfront entlang. Eine sehr schöne Frau schickte sich an, den Laden zu betreten. Jeder kannte sie: die amerikanische Schauspielerin Greta Garner. Sie spielte also in diesem Film eine Hauptrolle, in dem sie in einen Raubüberfall verwickelt wurde.

Da waren auch schon die Räu­ber. Sie kamen aus drei Rich­tungen, benahmen sich wie nor­male Passanten. Erst an der Ladentür zogen sie blitzschnell die Strumpfmasken unter ihren Hüten hervor und streiften sie über die Gesichter.

Soeben hatte Greta Garner den Laden betreten. Die Räuber drängten nach.

»Aus!« brüllte eine Megaphon­stimme: Der Regisseur. »Aus und zurück zum Ausgangspunkt!«

Don Cooper wartete ab. Die Waffe in seiner Hand schien heißer zu werden.

Die Szene wurde wiederholt. Die Kamera lief geräuschlos. Der Mann mit der Klappe hatte sich zurückgezogen und der Ton­ingenieur überwachte die Ge­räuschkulisse. Keiner der Zu­schauer wagte ein Wort zu sagen. Sonst hätte der Regisseur alles räumen lassen. Polizei war ge­nügend vorhanden.

Greta Garner schickte sich er­neut an, den Juwelierladen zu be­treten. Sie gab sich ahnungslos.

Schon nahten die bewaffneten Räuber.

Die Polizisten, die die Absper­rung besorgten, waren im Moment abgelenkt. Sie blickten gebannt hinüber, damit ihnen nichts entging. Nicht jeden Tag konnte man den Filmleuten bei der Arbeit über die Schulter se­hen.

Don Cooper durchsprang mit einem lauten Schrei die Absper­rung. Er schrie wie ein Wahnsinniger, rannte mit dem Revolver in der Faust auf Greta Garner zu.

Die Schauspielerin wandte sich erschrocken um. Der Re­gisseur ließ betroffen sein Me­gaphon sinken. Es fiel ihm gar nicht ein, den Störenfried zur Ordnung zu rufen.

Und dann wurde klar, was der Fremde wollte. Er legte mit dem Revolver auf die berühmte Schau­spielerin an!

Die Kamera nahm alles auf und die Richtmikrofone sorgten dafür, dass auch kein Geräusch verloren ging.

Don Coopers Finger krümmte sich um den Abzug.

»Don!« schrie jemand. »Don, komm zu dir!«

Der Kameramann war so geis­tesgegenwärtig, die Aufnahmelin­se herumzureißen. Auf dem Nachbardach stand ein Mann. Er schien ebenfalls ein Europäer zu sein.

Jetzt kam endlich in die Poli­zisten Bewegung. Sie rissen ihre Waffen heraus.

Der Mann auf dem Dach hatte seine Waffe bereits auf Don Cooper gerichtet. Alles wurde haargenau im Bild festgehalten.

Don Cooper reagierte nicht auf den Anruf. Er wollte aus noch ungewissen Gründen die Schau­spielerin erschießen.

Der Mann auf dem Dach kam ihm zuvor. Er drückte ab. Seine Kugel traf. Wie in Zeitlupe sank Don Coopers Waffenhand. Ein ungläubiger Gesichtsausdruck.

Der zweite Schuss riss ihn zu Boden. Er krümmte sich auf dem Pflaster.

Die Kamera surrte unermüd­lich. Eine Sensation spielte sich vor den Augen der Zuschauer ab. So etwas hatte man noch nie erlebt - nicht einmal in einer Großstadt wie Rio.

Die Polizisten hatten sich ent­schlossen, auf wen sie ihre Waffen richten sollten: Auf den Mann oben. Doch der duckte sich weg. Ein übereifriger Polizist betä­tigte den Abzug. Der dritte Schuss krachte, traf jedoch ins Leere.

»Ausschwärmen!« schrie der Polizeioffizier, während sich das Aufnahmeobjektiv der Kamera auf den sterbenden Don Cooper richtete. Gerade schloss er die Augen. Seine Bewegungen stopp­ten. Sein letzter Gedanke: »Ich habe es geschafft. Sie werden stolz auf mich sein.«

*

Die total geschockte ame­rikanische Schauspielerin Greta Garner wurde mit heulenden Si­renen ins Hospital gebracht. Ihr Leben und ihre Gesundheit waren kostbar. Sie musste sofort von sachkundigen Ärzten untersucht werden, damit sie keinen bleibenden Schaden durch diesen schrecklichen Zwischenfall erlitt. Die Fürsorge der brasilianischen Behörden wurde vor allem auch vom schlechten Gewissen diktiert. Wie hatte das direkt vor ihren Augen geschehen können?

Die gesamte Umgebung wurde durchkämmt. Der Todesschütze blieb unauffindbar. Als hätte er sich in Luft aufgelöst.

Die Polizei beschlagnahmte kurzerhand alle Filmaufnahmen als Beweismaterial. In dieser Sa­che erwies sie sich als stur. Die Proteste von Kameramann und Regisseur halfen wenig. Auch die Aufnahmen des Tonmeisters wurden mitgenommen.

Eine halbe Stunde später erwies sich die Polizei wieder als zugänglicher. Regisseur und Mit­arbeiter seines Stabes wurden zur Sichtung des Materials einge­laden.

Schon meldete die internatio­nale Presse Ansprüche an. Eine Weltsensation, wenn jemand ein Attentat auf Greta Garner verüb­te. Vor allem, wenn dieser Atten­täter von einem anderen noch vor Verübung der schlimmen Tat gerichtet wurde.

Der Polizeipräfekt von Rio de Janeiro, Garcia Tomaro, verfügte persönlich, dass die Vertreter der Presse ebenfalls zur Vorführung zugelassen wurden.

Eine Stunde später war es so­weit. In aller Eile hatte man den größten Lehrsaal des Haupt­quartiers hergerichtet. Die Leiche von Don Cooper indessen lag noch immer an seinem Platz vor dem Juweliergeschäft. Der Arzt hatte sich nur oberflächlich um sie kümmern können. Ein Heer von Polizisten machte es jedem Gaffer unmöglich, nahe genug zu kommen, um etwas zu sehen.

Am gespanntesten waren Kameramann und Regisseur. Waren die Aufnahmen überhaupt etwas geworden?

Die Experten der Polizei hatten gute Arbeit geleistet. Das zeigte sich bald. Ton und Film liefen synchron ab. Noch einmal erleb­ten die Männer und Frauen bei der Vorführung, was erst eine Stunde zuvor geschehen war.

Der wahnsinnige Attentäter. Der Mann auf dem Dach.

»Don! Don, komm zu dir!«

Die bellenden Schüsse. Der Tod.

»Ausschwärmen!« schrie der Polizeioffizier.

Als die Vorführung beendet war, herrschte Totenstille in dem Saal. Die Presseleute besannen sich als erste. Sie sprangen von ihren Plätzen. Einer brüllte: »Wir bieten für diese Aufnahmen eine Million Dollar!«

»Zwei Millionen!« überbot ihn ein anderer. Der Lehrsaal verwandelte sich zusehends in einen Hexenkessel.

Der ebenfalls anwesende Poli­zeipräfekt Garcia Tomaro ließ den Saal räumen. Er setzte eine Pressekonferenz an, die eine halbe Stunde später stattfinden sollte. In der Zwischenzeit wurde der wertvolle Film in Sicherheit gebracht.

Die halbe Stunde wurde von den Vertretern der Weltpresse genutzt. Zweimal brachen die Telefonverbindungen nach draußen zusammen. Die Drähte liefen heiß. Es wurde nach Deutschland, nach England, nach Amerika - in die ganze Welt telefoniert. Die Weltsensation sollte vermarktet werden.

Dagegen konnte sich die bra­silianische Behörde nicht verschließen. Zumal zwei ge­wichtige Gründe für die Heraus­gabe wenigstens einer Filmkopie sprachen: Erstens war die Film­gesellschaft alleiniger Besitzer und zweitens musste eine welt­weite Veröffentlichung zur Klärung der zentralen Frage bei­tragen:

Wer waren die beiden schieß­wütigen Männer?

Der Tote besaß keinerlei Pa­piere. Man wusste nur, dass er mit Vornamen Don hieß.

Zwei weitere Stunden ver­gingen, bis die Filmaufnahmen mitsamt Ton über Satellit in alle Welt ausgestrahlt wurden. Die meisten Fernsehstationen betei­ligten sich. Schließlich war Greta Garner nicht irgendwer, sondern ein Superstar.

Es war ein seltener Fall, dass auch May Harris den Fernseher einschaltete. Sie befand sich auf Schloss Pannymoore, dem Schloss von Lord Frank Burgess.

BBC-London hatte den Film gekürzt, hatte die brutalsten Bilder herausgeschnitten, um die Zuschauer nicht zu sehr zu scho­ckieren. Aber die Gesichter der beiden Hauptbeteiligten wurden deutlich gezeigt.

May Harris erkannte sie auf Anhieb: Don Cooper und ihr Lebensgefährte Mark Tate!

Mark Tate hatte Don Cooper getötet! Hätte man direkt auf May Harris geschossen, wäre die Wirkung gewiss nicht viel anders gewesen. Für einen Augenblick wurde ihr schwarz vor Augen.

2

»May!« sagte der Lord beschwörend und nahm Mays Hand. »May, es kann nicht sein.«

Sie blickte zu ihm auf. Soeben hatte sie Lord Frank Burgess alles geschildert.

»Kann es nicht?« fragte sie tonlos zurück. »Ich habe es mit eigenen Augen gesehen, wie Millionen andere Zuschauer auch. Man wird bald wissen, wer die beiden sind.«

»Es kann nicht sein!« beharrte der Lord. »Wir wissen, dass Mark und Don unmöglich in Rio de Janeiro sein können. Seit vier Wochen sind sie im geheimnis­vollen Land ORAN verschollen, in einer anderen Dimension. Wir haben alles versucht, erneut ein Tor nach ORAN entstehen zu lassen. Es gelang uns nicht.«

May Harris sprang auf.

»Vier Wochen«, rief sie verächt­lich. Sie begann, aufgeregt auf und ab zu laufen. »Vier Wochen können eine lange Zeit sein. In dieser fremden Di­mension sind es vielleicht vier Jahre. Wir haben keine Ahnung. Es herrscht im Lande ORAN eine andere Gesetzesmäßigkeit. Dort werden Sagen und Legenden wahr, sind sogar Märchen Wirklichkeit. Und wenn es Mark und Don gelang, diese Dimension wieder zu verlassen? Und wenn Dons Verstand durch die Vorgänge verwirrt wurde? Es wäre die einzige Erklärung.«

Lord Frank Burgess schüttelte entschieden den Kopf.

»Dann hätte sich Mark längst bei uns gemeldet«, behauptete er.

May blieb vor ihm stehen. Sie beherrschte sich meisterlich. In ihr kochte ein Vulkan, während sie nach außen hin kühl und sachlich wirkte. »Möglicherweise kann er das nicht, weil er sich nicht mehr an uns erinnert? Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, das herauszufinden...«

Jetzt sprang auch der Lord auf.

»Du meinst...?«

»Ja, ich meine, dass wir sofort nach Rio müssen. An Ort und Stelle müssen wir uns von der Wahrheit überzeugen.«

Frank runzelte die Stirn.

»Ich denke an die Schwarze Mafia. Wir wissen, dass diese Organisation existiert und dass es uns nicht gelang, sie ent­scheidend zu schädigen.«

»Na und?«

»Die Schwarze Mafia hat uns in letzter Zeit in Ruhe gelassen. Wenn wir nach Rio de Janeiro reisen, landen wir in einer Falle.«

»Eine Annahme von dir, oder hast du einen Blick in die Zu­kunft geworfen?«

»Nein, nur eine Annahme.«

»Dann reicht es nicht, mich von meinem Entschluss abzu­bringen. Ich sah Mark und muss zu ihm. Er ist ein Teil meines Lebens und ich werde meines da­für geben, um ihm zu helfen.«

»Also gut, May. Du wirst nicht allein reisen.«

Sie legte eine Hand auf seine Schulter.

»Das wusste ich, Frank. Selbst wenn es sich wirklich um eine tödliche Falle der Schwarzen Ma­fia handelt: Es darf uns nicht schrecken. Schauen wir der Gefahr ins Auge.«

Frank Burgess wandte sich ab und sagte im Hinausgehen: »Ich will James sagen, dass er meinen Koffer packen soll. Ich war schon mehrmals in Rio und kenne dort ein paar wichtige Leute. Hoffent­lich haben sie auch heute noch etwas zu sagen. Das würde unse­re Nachforschungen erleich­tern.«

May sah ihm nachdenklich nach.

Mark! schrieen ihre Ge­danken. Mark Tate, wir werden zu dir kommen. Deine Freunde lassen dich nicht im Stich!

Sie lauschte in sich hinein. May Harris war eine Weiße Hexe. Sie hoffte auf irgendein ma­gisches Zeichen.

Es blieb aus. Mark Tate meldete sich bei ihnen weder tele­fonisch noch auf andere Weise.

Und dann folgte sie Lord Burgess hinaus.

*

»Die Karten sind verteilt, das Spiel beginnt«, sagte der Vermummte hart. Er blickte in die Runde. Sieben Kapuzen­männer um den steinernen Tisch, der an eine keltische Opferstätte erinnerte. Und doch befand er sich hier in Brasilien.

»Es ist eine große Ehre für uns, dieses Spiel zu spielen und da wir selber die Karten verteilen, stehen die Chancen günstig.«

Sie erwiderten seinen Blick. Jeden kannte er einzeln und doch wusste keiner von ihnen um seine Identität. Das war wichtig. Nur so konnte die Schwarze Mafia auf Dauer überleben. Sie teilte sich in Zellen auf. Nur der Führer einer Zelle wusste über jeden Bescheid. Im Falle einer Gefahr musste er seinem Leben sofort ein Ende be­reiten. Das war der Nachteil bei der Sache.

Die Schwarze Mafia agierte unerkannt. Es existierte nicht einmal ein Gerücht über ihre Existenz. Das war ihre größte Stärke.

Jeder strebte zu seinem Aus­gangspunkt zurück. Es war eine Menge zu tun - im Untergrund.

Die Kräfte des Satans waren mit ihnen.

*

Einen Tag nach den Ereig­nissen erreichten May und der Lord mit einem von Frank gecharterten Flugzeug Rio de Janeiro. Sie landeten auf dem in­ternationalen Flughafen Santos Dumont.

Den Scharfschützen auf dem Dach des Flughafengebäudes sa­hen sie nicht.

Der Mann war als Monteur ge­tarnt. Nur enthielt seine Werk­zeugtasche nicht das Übliche. In aller Eile steckte er aus den Ein­zelteilen ein langläufiges Prä­zisionsgewehr zusammen. Der Flughafen wurde von Sicherheits­kräften zwar streng bewacht, aber die Vorgänge auf dem Dach entzogen sich ihren Kenntnissen. Der Schütze hatte einen Platz ausgesucht, wo er auch vom Tower aus nicht gesehen wurde.

Er schob das Zielfernrohr auf das Gewehr und wog es prüfend in der Hand.

Alles war bereit. Der Mörder lud durch und legte sich auf den Bauch.

Gerade rechtzeitig. Die kleine Chartermaschine rollte auf Wart­eposition, eingewunken von einem Mann im orangefarbenen Anzug.

Eine halbe Minute stand das Flugzeug still. Dann öffnete sich eine Tür. Zunächst erschien nur der Pilot. Lord Frank Burgess war nicht selbst geflogen. Der Pilot machte die kleine Treppe klar und zog sich wieder zurück.

Der Finger des Scharfschützen krümmte sich um den Abzug bis zum Druckpunkt. Nur noch den Bruchteil eines Millimeters und dann würde der Schuss brechen.

In der offenen Tür die Gestalt einer Frau. Das Fadenkreuz zeig­te auf ihren Kopf: May Harris. Sie lächelte dem Piloten freundlich zu und stieg aus.

Lord Frank Burgess ließ auf sich warten. Was trieb er denn so lange?