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Tanja Blixen würde jetzt sagen "Ich hatte ein Haus, ein Haus in Afrika". Ich sage "Ich hatte Träume, Träume von einem großen Haus. Es stand, nicht ganz zufällig, in Afrika. In Südafrika am Fuße der Outeniqua-Berge, in George, der Hauptstadt der Gardenroute, zwischen Kapstadt und Port Elizabeth, am Indischen Ozean. In einer kleinen Stadt, in Österreich, die kurz vor Kriegs-ende in Grund und Boden gebombt wurde, geboren, stellte sich bei mir in früher Jugend großes Fernweh ein, das mich mit 18 nach London führte. Meine Flugzeugphobie, ein Resultat der Bombenangriffe, legte ich 1964 mit Eintritt in eine Fluggesellschaft in Frankfurt am Main ab. Hier konnte ich 32 Jahre mein Fernweh befriedi-gen. Ich hatte darüber hinaus noch ein Hobby. Die Ausstattung und Gestaltung von Räumen. Schon in Kindertagen baute ich in Gedanken mein Elternhaus um. Es war mir zu klein. Mit meinem zweiten Mann konzentrierten sich unsere Reisen auf das südliche Afrika, wo wir uns 1997 in einem wunderschönen Anwesen niederließen. Niemand, schon gar nicht ich, rechnete damit, dass mein Mann den Tod finden und ich nach so viel Freude in unserer neuen Heimat, nach Deutschland zurückkehren würde. In diesen beschrieben Jahren wurde zwar mein Vertrauen in Südafrika erschüttert, meine Liebe zu diesem Land blieb.
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Seitenzahl: 244
Veröffentlichungsjahr: 2014
ANNA-LUISE LIEBGOTT
THE GARDENVILLA
Südafrika mon amour
www.tredition.de
Impressum:
© 2014 Anna-Luise Liebgott
Autor: © Anna-Luise Liebgott
Bilder Buchumschlag und -innenteil: © Anna-Luise Liebgott
Korrektorat, Satz: Angelika Fleckenstein, spotsrock.de
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN:
978-3-7323-0669-5 (Paperback)
978-3-7323-0670-1 (Hardcover
978-3-7323-0671-8 (e-Book)
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Anna-Luise Liebgott
THE GARDENVILLA
Südafrika mon amour
Inhaltsverzeichnis
PROLOG
Kapitel 1
Wie sich das Leben so entwickelt – Januar 1995
Kapitel 2
Zweite Leidenschaft
Turbulenter Jahresbeginn 1997
Kapitel 3
Zurück in Deutschland für 6 Wochen
Gedanken über meine Familie und Jugend
Wieder ein Todesfall
Kapitel 4
14 Tage Aufenthalt in der Plantation 35 im April
Akquisition, Formalitäten und Besuch aus Südafrika
Eine kleine Operation – eine große Überraschung
Kapitel 5
Unsere Ausreise
Wo fange ich an?
Nun kam der Abend X:
Kapitel 6
Wandlung von Plantation 35 in das gehobene B + B
Tagebuch der ersten Wochen
Die ersten Gäste
Kapitel 7
Zweimal in Europa und das erste Mal ausgebucht
Vorweihnachtszeit
Kapitel 8
Weihnachten, Silvester und stressiger Januar
Touristenattraktionen
Geschichten über unsere Haustiere
Unser Garten und Freunde aus Deutschland
Kontakt zu Ärzten und Arbeiten rund ums Haus
Herrliches Winterwetter und Enttäuschung über Khumbu
Kapitel 9
Deutschland – Rückreise mit Mütterchen und der Waldbrand
Resident Permit, Mutters Heimkehr und diverse Gäste
Neue Touristenattraktion und Kultur
Alltag
Weihnachtszeit und Silvester
Computer und unsere Pläne
Großer Geburtstag
Kurztrip nach Europa und Personal
Bauarbeiten und mehrere Besuche aus Deutschland
Das unbewohnte Nachbarhaus
Arbeiten am Haupthaus und Helmuts Enttäuschung
Deutschland/Österreich
Renovierung von Chris’ und Helmuts Haus
Personal – ein beliebtes Partythema in Südafrika
Schnell noch nach Deutschland und zu Mutti
Kapitel 10
27. November 1999
Die Tage danach
Abschied
Kapitel 11
Das Leben muss weiter gehen
Wieder einmal Personal
Der dicke Pharisäer und Anwälte
Wieder Gäste im Haus
Kapitel 12
Letzte Weihnachten und Silvester in Afrika
Die Anfänge eines neuen Jahrtausends
Über Freunde und letzten Alltag in Südafrika
Die allerletzten Gäste und Rückreisevorbereitungen
Die letzten Tage und Stunden in Plantation 35
Kapitel 13
Wieder in Deutschland
Ein unangenehmer Weg
Schnell nach Österreich
Neues Auto, Ankunft des Containers und Handwerker
Kapitel 14
Mütterchen bei mir
Wie fühlt man sich als Single?
September
Mütterchens Umzug ins Heim
Kapitel 15
Verkauf des Anwesens
Pläne des neuen Besitzers von Plantation 35
Alltag in meinem neuen alten Zuhause
Die zwei nächsten Jahre
Kapitel 16
Weihnachten 2001 und Mutters Tod 2002
Kapitel 17
Das Jahr 2003
EPILOG
Kleiner Reisebericht Südafrika 29. 12. 2010 – 8. 2. 2011
PROLOG
Nachdem mir mein Zahnarzt „Hausarrest“ verordnet hat, na ja, besser gesagt, mir aufgezwungen hat und ich nicht immer nur Herz, Solitär oder sonstigen Kram spielen will, beschäftige ich mich mehr mit Erinnerungen, die ich eigentlich vor 14 Jahren nach meiner Rückkehr aus Südafrika niederschreiben wollte. Sicher wäre damals meine Sichtweise eine sehr traurige gewesen und ich hätte das Manuskript bestimmt mehr bewässert, als geschrieben. Auch heute gibt es Momente, in denen sich meine Augen mit Tränen füllen, denn man kann nicht von allem Abschied nehmen. Menschen, Tiere, Dinge und Landschaften bleiben im Herzen für immer eingebrannt und manchmal, wenn man sie ins Gedächtnis zurückruft, fühlt man, wie es aufsteigt über den Nacken und Hals hin zu den Augen, und man kann es einfach nicht kontrollieren, auch nicht nach 10, 20 oder 30 Jahren. Man ist wieder überwältigt und spürt alles so nah und intensiv, als hätten die Ereignisse erst gestern stattgefunden.
Ich überlege, wo ich anfangen soll mit dem Rückblick auf diese Periode meines ereignisreichen, oft sehr schönen und manchmal auch sehr traurigen Lebens. Sicher will ich meine Leser nicht langweilen mit Ausschweifungen, aber man muss immer auch ein wenig auf den Hintergrund Bezug nehmen. Da ich sehr wahrheitsliebend bin, fällt es mir sogar schwer, die Namen austauschen. Falls sich jemand in den Zeilen wiederfindet, möge er mir verzeihen. Ich kann natürlich nur aus meiner Sichtweise schreiben, und die deckt sich bestimmt nicht immer mit der meiner Mitmenschen. Bei einem Trainingskurs in meiner Firma musste ich erfahren, dass sich die Sicht auf die Fakten von einem Menschen zum anderen ganz schnell verändern, auch dass Erzählungen von der 2. zur 3. Person schon einen total verfälschten Inhalt wiedergeben. Darauf werde ich in meinen Gedanken keine Rücksicht nehmen.
Ein paar persönliche Daten über mich. Heute bin ich fast 72 Jahre alt, aber immer noch nicht weise, könnte ich hinzufügen. Ich bin in Österreich auf dem Land aufgewachsen und mit 22 Jahren nach Frankfurt in den Verkauf einer Fluggesellschaft gegangen, bei der ich 32 Jahre in direktem Kontakt zu den Kunden stand. Eine, sehr abwechslungsreiche Tätigkeit, die mich gelehrt hat, dass es keinen total „hässlichen“ – auch im Sinne der Charaktereigenschaften – Menschen gibt, egal ob Vorstand oder Lehrling, Männlein oder Weiblein. Jeder hat eine liebenswerte Stelle. Man muss sie nur ohne Vorurteile suchen. Diese Tätigkeit hat mich zu einer sehr offenen Person gemacht, die auf ihre Mitmenschen zugeht und immer Freude am Gespräch findet.
Kapitel 1
Wie sich das Leben so entwickelt – Januar 1995.
Eigentlich wollten wir uns, mein zweiter Mann und ich, wenn wir beide in Rente sind, mindestens sechs Wochen in Lech a. Arlberg einquartieren.
Wir waren begeisterte Skifahrer. Neben meinen Kurzaufenthalten im Schnee frönten wir 14 Tage im Januar den weißen Bergen, der Geschwindigkeit auf der Piste, auch manchmal den Qualen im Tiefschnee und vor allen Dingen den verrückten und wunderschönen Naturerlebnissen, dem blendend gleißenden Sonnenschein, dem Sturm und dem dicken Schneefall bis zum eingeschneit sein. Wenn man z. B. bei Föhn auf einem Sessellift saß und sich mit 100 km weiter Sicht über die Gipfel von Vorarlberg bis tief hinein in die Schweiz hinaufschaukeln ließ, wurde das Gefühl der unendlichen Weite ganz groß im Brustkorb. Na, ja, manchmal, ohne Sonne und mit heftigem Sturm, saßen wir vor Stütze 13 auf der Madlochbahn fest bis die Böe vorbei war. Heilfroh oben angekommen und wieder festen Boden unter uns zu haben, ging’s bei Null-Sicht so schnell wie möglich ins Tal, nur auf Aussicht auf den Après Ski.
Es war ein Nachmittag, unterwegs mit einer Schigruppe. Natürlich ein wenig müde bei der letzten Abfahrt im Tiefschnee. Skilehrer: „Anna, hinter mich. Ziehe eine eigene Spur!“ Es war ein wunderschöner Tag, das gleißende Weiß leider schon total zerfurcht, aber ich wollte mein Bestes geben und keinesfalls abreißen lassen. Irgendwie fanden meine Schier zueinander und leider ging die Bindung nicht auf, nur mein rechtes Knie. Bergrettung kam für mich nicht in Frage. Also präparierte der Großteil der Gruppe den Rest des Hanges so, dass ich auf einem Bein abrutschen und in den Sessellift ins Tal einsteigen konnte. Ein alter Freund fuhr einen Sessel vor mir. So konnte er mich in der Talstation herausheben und auf den Schiern zum Arzt schieben. Fazit: ein Haarriss im Tibiakopf und schwere Knorpelschäden. Der Prof. in der Orthopädie einer Frankfurter Klinik eröffnete mir nach der OP: „Schiefe Ebenen sind für Sie in Zukunft tabu!“ In diesem Moment entstand vor meinen Augen ein Bild eines sieben Kilometer langen sandigen Halbmondes an der Küste des indischen Ozeans zwischen Brenton on Sea und Buffels Bay, zwei kleinen Ansiedlungen und Feriendörfern auf der ersten Reihe der großen Dünen an der Küste. „Auch schön!“
Ich nahm nun, nach einem nochmaligen Versuch, Abschied von diesem Hobby und der traumhaften Bergwelt. Jetzt kam unsere zweite Leidenschaft zum Zuge. Die Dritte – 55 Aufführungen in der Arena di Verona – erwähne ich hier nur. Aber auf die verzichteten wir ganz.
Kapitel 3
Zurück in Deutschland für 6 Wochen
Nach Ankunft ging unser erster Weg zur Bank. Wir mussten sie leider wechseln, da unsere keine direkte Zusammenarbeit mit Standard Bank, Südafrika, hatte.
Jetzt kam der weitaus schwierigere Teil hier zu Hause. Helmuts Mutter war sowieso stinksauer auf uns, weil wir zu ihrem Geburtstag, den sie im Januar hatte, wie fast immer wegen Skifahrens oder Südafrika-Aufenthalt, nicht anwesend waren. Nur einmal nahmen wir sie mit nach Lech. Sie erwanderte alle Wege, eingerahmt von meterhohen Schneewänden und hielt immer die besten Plätze für unsere Gruppe für den Après Ski frei. Sie genoss die Gesellschaft der müden, durstigen Skihaserl. Sie war eine ganz stramme, tapfere Kriegerwitwe, die bis ins hohe Alter Wanderungen durch den Taunus führte und sich mit 85 noch die Hüfte operieren ließ. Dabei wohnte sie ohne Aufzug im zweiten Stock. Diese Operation und wahrscheinlich ein oder mehrere leichte Schlaganfälle machten ihr ziemlich zu schaffen. Ihr Sprachzentrum war leicht gestört und ich musste feststellen, als ich sie einmal bat, einen Einkaufszettel zu schreiben, dass sie dies nicht mehr konnte. Wir, die wir 30 Kilometer entfernt wohnten, kauften für sie ein und ich zweigte oft für sie Portionen ab, denn ich kochte gern und viel. Bis es mir der Bruder meines Mannes verbot und meinte, die Sachen seien verdorben und sie solle Essen auf Rädern nehmen. Bruder und Schwägerin wohnten in nur drei Minuten Entfernung. Er kümmerte sich um Mutter, erledigte alle Behördengänge und sie winkte ihm vom Balkon zu, wenn alles okay war. Ihre Enkelin, die sie abgöttisch liebte, war zu diesem Zeitpunkt bereits zum Studium und nicht mehr zu Hause.
So, jetzt kam das große Problem. Wie sage ich’s meinem „Kinde“? Wir mussten bei seinem Bruder um einen Termin ansuchen. Ihm wollten wir unsere Pläne zuerst mitteilen. Es war keine schöne Aussprache, die ich hier nicht wiedergeben möchte, nur kurz sein bissiger Kommentar: „Ich kümmere mich auch nicht um Mutter!“ Während unseres Gesprächs klingelte mehrmals das Telefon. Es war Mutter. Mein Schwager drückte sie weg. Wir fuhren dann mit dem Vorhaben, sie am nächsten Tag einzuweihen, ziemlich bedrückt nach Hause. Die Signallampe am Anrufbeantworter leuchtete und wir sahen, dass sie versucht hatte, auch uns zu erreichen. Helmut rief sofort zurück. Sie klagte, dass ihr schlecht ist und mein Mann bat seinen Bruder, noch einmal bei ihr kurz vorbeizuschauen. Am Morgen fuhr Helmut zu ihr. Sie wollte nicht ins Bett und unbedingt im Fernsehsessel, den wir ihr anlässlich ihrer Hüftoperation geschenkt hatten, liegen bleiben. Er ging kurz zu einer ehemaligen Mitarbeiterin und in die Apotheke. Gegen 10 Uhr klingelte mein Telefon. „Mutter ist tot.“ Er fand sie nach seiner Rückkehr in einem anderen Zimmer mit Herzversagen auf dem Boden liegen. Ich bekam einen Schock. Es war sehr traurig. Aber, so hart es klingt, es befreite meinen Mann von seinem größten Problem. Es war, als hätte sie sich heimlich, still und leise, aus dem Staub gemacht. Ich war dieser Frau so dankbar, dass sie durch den Tod, bevor sie von unseren Plänen wusste, keine Schuld auf uns geladen hatte. Wir wären nicht froh geworden mit dem Gedanken, sie durch die Mitteilung über unser Vorhaben getötet zu haben. Nun wurde der Haushalt aufgelöst und siehe da, sein Bruder wurde wesentlich freundlicher als Helmut auf sein Erbe zu Gunsten von seiner Nichte verzichtete, obwohl uns zu diesem Zeitpunkt ein paar zusätzliche „Pfennig“ gut getan hätten. Wir nahmen ein paar Dinge zu uns, die niemand haben wollte, alte weiße Bettwäsche mit Spitzen, die ich so liebe und ein Bild (ein schöner, blau, rot, grüner Papagei), gemalt von einem Onkel, das heute noch an einer unserer Wände hängt und das auch fantastisch zur Ausstattung der Lounge in Südafrika passte, wie wir beim Dekorieren feststellten.
Natürlich musste ich jetzt auch noch ganz schnell nach Österreich zu meinem Mütterchen, meiner Schwägerin, Neffen und Nichte. Es war mir ein Bedürfnis, die Neuigkeiten persönlich zu überbringen. Über die Reaktion meiner Mutter muss ich heute noch lachen. Wir saßen alle um den Tisch und ich packte aus. Da sagte mein Mütterchen ganz trocken zu meiner Schwägerin: „Mei, Traudi, da kenna ma wieda oangebm.“ Ich hatte Tränen erwartet und jetzt das! So war sie, immer für Überraschungen gut. Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen, denn George war ja doch ein bisschen weiter als Deutschland, von wo aus ich fast täglich mit ihr telefonierte.
Gedanken über meine Familie und Jugend
An dieser Stelle möchte ich noch ein paar Zeilen über meine Familie in Österreich schreiben. Mein Vater starb 1980 mit 76 Jahren an einem Herzinfarkt, was ich, um ganz ehrlich zu sein, meiner Mutter gönnte, denn sie war die letzten Jahre depressiv und wurde von ihm ziemlich tyrannisiert. Ich wünschte ihr ein wenig Ruhe und das Gefühl der Freiheit. Sie, die zum Zeitpunkt seines Todes schon Schwierigkeiten mit Laufen hatte, ist plötzlich aufgeblüht und als wir nach ein paar Wochen wieder nach Österreich fuhren, stand sie auf der Leiter und renovierte mit Farbspritze und dickem Pinsel die Fassaden unseres Häuschens.
