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35 Kurzgeschichten, Gedichte und Erzählungen über das Leben, Lieben und Leiden von und mit Tieren. In diesem Buch erfahrt ihr, dass Kaninchen und Mäuse beste Freunde sein können, wie ein wasserscheuer Hengst seine Angst überwindet und wieso ein Hund der beste Seelenstreichler ist. Ihr begleitet ausgesetzte Kitten bei ihrer Suche nach dem Glück und stellt fest, dass das Leben mit Nagetieren manchmal eine echte Herausforderung ist, aber auch ganz schön lustig. Die liebevoll geschriebenen Texte werden euch zum Schmunzeln oder zum Nachdenken bringen. Es könnte sein, dass Taschentücher benötigt werden – sowohl für Tränen der Freude als auch der Trauer. Der Erlös dieses Buches geht an die Tierschutzbrücke München und das Casa Cainelui in Timisoara, Rumänien. Es soll dabei helfen, weiterhin viele Straßentiere zu retten, sie medizinisch zu versorgen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. 27 Autorinnen und Autoren haben sich an diesem Gemeinschaftsprojekt beteiligt.
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Seitenzahl: 151
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Tierisch
beste
Freunde
35 Geschichten und Gedichte
über das Leben mit Haustieren
Spenden-Anthologie für den Tierschutz
Texte: © Copyright by Annika Steinke, Julia Jansen-Meurer und Autor:innen
Cover & Layout: © Copyright by Anke Mückenheim
Annika Steinke c/o Emmerich & Nolden
Frenser Str. 8
50127 Bergheim
Lektorat & Korrektorat : Correctura Flamann • Lektorat Carina Krämer
Zeilenwunder Lektorat • Lisas Verwandlungswerkstatt
Alle Mitwirkende verzichten auf ihre Honorare zugunsten der
Tierschutzbrücke München und des Casa Cainelui.
Vertrieb: epubli – ein Service der Neopubli GmbH, Berlin
Über dieses BuchSyltas Geschichte
Darf ich vorstellen: Das ist Sylta. Superkraft: Unbesiegbar. Im März 2023 durfte sie ihren dritten Geburtstag feiern und ehrlich, noch wenige Tage zuvor hätte keiner sagen können, ob sie diesen erleben wird. Doch so eine kleine rumänische Überlebenskünstlerin lässt sich nicht so leicht unterkriegen.
Über ihr bisheriges Leben ist nicht viel bekannt. Sie stammt von einem Hof, der 400 Hunde beherbergte, und der von Tierschützer:innen geräumt werden musste. Sylta, damals noch Marika, war eine der ersten, die ins Casa Cainelui, ein Tierheim in Timisoara, Rumänien, umsiedeln durfte. Sie wurde kastriert, gechippt und für die Ausreise fertiggemacht. Wir hatten ein leeres Körbchen im Wohnzimmer stehen, denn unsere Hündin war vor kurzem verstorben. Und da ein Leben ohne Hund bekanntlich möglich, aber sinnlos ist, und die rumänischen Winter bitterkalt sein können, haben wir sie bei uns aufgenommen.
Der Start in ihr neues Leben war holprig. Die kleine Hündin war schüchtern und verkroch sich am liebsten in die hinterste Ecke unter der Couch. Und doch gab es Momente, in denen sie sich uns anvertraute, in unseren Armen lag und bei uns sein wollte. Sie war genügsam und schlief viel. Doch schon bald wurden die Spaziergänge, die sie sonst immer genoss, langsamer und schwerfällig. Wir wussten nicht, was ihr fehlte. Diese kleine Hündin, die wahrscheinlich noch nie engen Kontakt zu Menschen, geschweige denn je ein richtiges Zuhause gehabt hatte, war ein Rätsel. Wir kannten uns noch zu wenig. Sonst hätten wir früher gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Dass sie Schmerzen hatte. Doch
diese starken Straßenhunde sind so unfassbar zäh und halten sehr viel aus. Sie verlor an Gewicht und wir überlegten mit unserer Tierärztin, was ihr fehlen könnte. Als sich ein Abszess am Bauch bildete, der innerhalb weniger Tage faustgroß wuchs, war der Gang zu einer Spezialistin unvermeidbar. In einer Notoperation wurde das Ausmaß der Entzündung deutlich, die wahrscheinlich von einem Fremdkörper ausgelöst wurde. Noch aus dem OP rief man uns an und nannte uns eine Prognose von 90 zu 10. Es stand schlecht um Sylta, doch sie überlebte den Eingriff. Was in den nächsten Tagen folgte, war ein Drahtseilakt. Zehn Tage musste Sylta in einer Tierklinik versorgt werden und noch zwei weitere Operationen über sich ergehen lassen. Immer wieder stand ihr Leben auf der Kippe, doch das Tierärzteteam war sich einig. Syltas Überlebenswille war es, der sie rettete. Und so konnten wir unsere tapfere, kleine Hündin wieder mit nach Hause nehmen, wo sie sich bis heute erholt.
Wie viel ist ein Leben wert? Diese Frage mussten wir uns stellen. Die Tierarztkosten überstiegen bei weitem, was wir für Notfälle „auf der hohen Kante“ hatten. Die Tierkrankenversicherung zahlte nicht, da wir uns noch im Wartezeitraum befanden.
Die Tierschutzbrücke München, der Verein, der sich um die Tiere des Casa Caineluis kümmert, war uns in dieser Zeit eine große Hilfe. Sie unterstützten uns mental und auch finanziell und haben es uns und Sylta möglich gemacht, zu kämpfen.
Dieses Buch ist mein Dankeschön an das Team der Tierschutzbrücke München und des Casa Cainelui.
Foto I © photopic.deu
Foto II © Annika Steinke
Das Casa Cainelui
Das Casa Cainelui ist ein privat und ehrenamtlich geführtes Tierheim in Rumänien unter der Leitung von Romulus Sale. Er ist ein Rumäne, der sich von der Mehrheit seiner Landsleute abhebt, indem er sich ehrenamtlich um kranke, verlassene und misshandelte Hunde kümmert. Romulus sorgt als Tierheimleiter für die Unterbringung, medizinische Versorgung, Impfung und Fütterung der Straßenhunde. Das Tierheim ist immer wieder erweitert und umgebaut worden, um in kalten Wintern und heißen Sommern eine möglichst artgerechte Unterbringung der Tiere zu ermöglichen.
Um zu verhindern, dass immer mehr ungewollte Hunde geboren werden, liegt das Hauptaugenmerk darauf, Straßenhunde zu kastrieren. Eine wichtige Aufgabe ist die Aufklärung der Bevölkerung, die ein anderes Bewusstsein im Umgang mit Hunden und anderen Tieren schaffen soll, denn die Straßenhunde sind für die meisten Menschen im von Armut geprägten Land nicht mehr als Ungeziefer. Das gilt es zu ändern.
Wie sieht „Tierschutz“ in Rumänien sonst aus?Wie in vielen anderen süd- und osteuropäischen Ländern leben auch in Rumänien tausende herrenlose Hunde auf der Straße. Das für die vielen Straßenhunde zunächst angestrebte Konzept „Einfangen, Kastrieren, Freilassen“ funktioniert nicht, da immer wieder Hunde von staatlich bezahlten Hundefängern wahllos eingefangen und nicht selten getötet werden — auch die, die als Zeichen einer erfolgten Kastration eine Ohrmarke tragen. Die Hundefänger werden dafür bezahlt, die Straßen von den Tieren „zu reinigen“.
Die Tiere selbst landen in städtischen Tierheimen. Der Staat überlässt den Betreibern dieser Einrichtungen monatlich eine Summe an Geld, die für die Versorgung der Hunde dort angedacht ist. Jedoch stecken sich die Betreiber dieses Geld meistens selbst in die Tasche. Die Tiere sind eingesperrt, die Straßen „gereinigt“, was den Betreibern reicht, um sich bezahlen zu lassen.
Für die Hunde bedeutet es unglaubliches Leid, denn sie werden einfach zusammengepfercht. Kranke mit gesunden Tieren sowie unkastrierte Rüden und Hündinnen landen alle in einem Zwinger, in dem das Vermehren weitergeht. Bei der mangelhaften Versorgung erkranken und verhungern viele Hunde, was niemanden interessiert. Es ist ein Teufelskreis, solange die Regierung Hundefänger bezahlt, Tierheime nicht kontrolliert und sich die Einstellung gegenüber den Tieren nicht ändert.
Was kann man tun?
Auch wenn das Problem politisch ist, muss die Bevölkerung sensibilisiert werden, um für ein Umdenken zu sorgen. Und genau das haben sich das Casa Cainelui und andere Organisationen auf die Fahne geschrieben: Private Tierheime werden gebaut, um den bereits entstandenen „Kollateralschaden“ zu versorgen. Es werden kostenlose Kastrationsprojekte für Hunde und Katzen sowie Aufklärungsarbeiten in den Dörfern angeboten. Außerdem vermitteln Romulus und sein Team Hunde nach Deutschland, damit sie hier ein liebevolles Zuhause finden. So kam auch Sylta zu Annika.
Doch ohne Hilfe schafft das Casa Cainelui es nicht.
Wichtig sind Spenden:
Tierarztrechnungen, Löhne, Versicherungen — all diese Ausgaben stehen monatlich an. Auch muss Romulus Futter nachkaufen, wenn die Futterspenden nicht ausreichen.
Wenn ihr das Casa unterstützen wollt, schaut aufwww.casa-cainelui.com/spenden-helfen.
Egal ob Patenschaft, Futterspende, Sachspende, Geldspende oder als helfende Hand in Deutschland oder vor Ort: Alles hilft, Straßenhunden ein würdevolles Leben zu ermöglichen!
Fotos © Tierschützbrücke München
Schreiben für den guten Zweck. Der Erlös dieser Anthologie soll der Tierschutzbrücke
München dabei helfen, noch viele weitere Straßentiere zu retten, sie medizinisch zu
versorgen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen.
An der Entstehung des Buches waren viele Menschen beteiligt, die alle ehrenamtlich einen wichtigen Beitrag geleistet haben.
Danke
An die Autorinnen und Autoren, die mit ihren Texten dieses Buch mit Leben füllen.
Will M. Brodie • Vanessa Born • Doris E. M. Bulenda • C. Noxx • Ilona Cornelia • DieKleeneHex • Lisa Dobiasch • Viola Faber • Mica Fox • Kirsten Heidler • Milena Isensee • Julia Jansen-Meurer • Petra Kremer • Katharina Levashova • J. L. Mathew • Monika • Wilma Müller • Julia S. Oltmanns • Anke Mückenheim • Nicoline Seifert • Sarah Siebers • Sebastian Steffens • Annika Steinke • Andrea Quinn • Frieda Vielitz • N. D. Vilchez • Alex C. Weiss • Christa Wolf • Kirsa Wolf
An die Lektorinnen, die eng mit den Autorinnen und Autoren zusammengearbeitet haben.
Catharina Andrae • Lisa Dobiasch • Katrina Flamann • Carina Krämer
An Anke Mückenheim von @Zwischen_Farbe_und_Wort, die diesem Buch Cover und Form verliehen hat und immer mit Rat und Tat zur Stelle war.
An Julia Jansen-Meurer und Sven Nolden, die textlich, organisatorisch und mental die wichtigsten Verbündeten waren.
Ein Herz für Streuner
Annika Steinke
Vorsichtig bewegt sich der weiße Hund auf den Napf zu. Er humpelt, ist abgemagert. Alexandrus Herz macht einen Hüpfer, als er sieht, wie sich der Hund einen großen Brocken des Futters herausstiehlt und gierig verschlingt. Einige Wochen ist es her, seit der weiße Hund das erste Mal vor Alexandrus Haus aufgetaucht ist. Erst hatte Alexandru versucht, ihn zu verscheuchen. Mit einem Besen war er ihm hinterhergelaufen, wie seine Großmutter es ihm gezeigt hatte. Streunende Hunde sind eine Plage, das hatte Alexandru von klein auf erfahren. Oft waren in der Vergangenheit Mülltonnen umgeschmissen und nach Essbarem durchwühlt worden. Und das Viehfutter für die Schweine war aus der Scheune gestohlen worden. Er und seine Großmutter hatten dafür Sorge tragen müssen, dass all ihre Hoftiere nachts in den Ställen waren, damit sie nicht von einem Rudel wilder Hunde gerissen wurden.
„Füttere nie einen Streuner“, hatte ihn seine Großmutter gelehrt. „Oder du wirst ihn nie wieder los. Du reichst ihm ein Stück Brot und er will die ganze Hand“. Einem Jungen im Nachbarort soll tatsächlich die Hand von einem besonders großen und gefährlichen Straßenhund abgebissen worden sein. Doch ehrlicherweise war sich Alexandru nicht sicher, ob das nicht nur eine der Schauergeschichten war, die rumänische Großmütter ihren Enkelkindern erzählten. Was stimmte, war, dass man nachts die Hunde vor Hunger heulen hörte. Er hatte als Kind des Öfteren vor Angst wachgelegen.
Doch jetzt ist Alexandru erwachsen. Seine Großmutter lebt nicht mehr und ihm gehört der Hof. Schweine hat er keine. Auch den Ochsen hat er verkauft. Nur ein paar Hühner und Ziegen leben neben ihm auf dem sichtbar in die Jahre gekommenen Anwesen. Seine Sympathie gegenüber den Straßenhunden ist zwar noch immer nicht groß, aber Angst hat er keine mehr. Und bei diesem Hund, der immer wieder auf seinem Hof auftaucht, überwiegt die Neugier. Anders als andere verwilderte Streuner ist dieser Hund immer allein unterwegs. Er scheint kein festes Rudel zu haben und sich allein durchschlagen zu müssen. Alexandru hat Mitleid. Auch er fühlt sich oft einsam. Daher hatte Alexandru vor ein paar Wochen beschlossen, dass es für ihn in Ordnung sei, wenn der Hund ihn ab und zu besuchen käme. Er kaufte sogar Hundefutter und freut sich jetzt, dass der Hund sich inzwischen so nah an ihn herantraut.
„Wenn du den Hund behalten willst, musst du ihm eine Kette anlegen“, Alexandru erinnert sich an ein Gespräch mit einem Nachbarn, dass er vor ein paar Tagen geführt hatte. Den Hund anketten? Nein, das konnte Alexandru sich nicht vorstellen. Viele Menschen in der Nachbarschaft haben Hofhunde. An engen Riemen, die in die Hälse schneiden. Die Hunde bellen oft den ganzen Tag und laufen nervös auf und ab, soweit es die kurzen Ketten zulassen. Nein, das will Alexandru nicht. Noch immer sieht er dem Hund beim Fressen zu. Schmutzig ist er. Zweifelsohne lebt er schon eine ganze Weile auf der Straße. Das Fell ist struppig und an einem Ohr hat er eine tiefe Narbe. Er ist groß. Bestimmt 50 Zentimeter oder mehr!
„Alba“, murmelt Alexandru. Ja, diesen Namen soll der Hund von ihm bekommen. Caine alb – weißer Hund. Alexandru streckt seine Hand aus, doch der Hund zuckt zurück. „Willst du mit ins Haus kommen?“, fragt Alexandru ihn, während er sich langsam aufrichtet. Doch der Hund ist sehr schreckhaft. Er läuft davon. Alexandru kann ihn schnell nicht mehr sehen. Vielleicht morgen, denkt Alexandru und nimmt den leeren Hundenapf mit rein. Doch Alba kommt nicht mehr. Nicht am nächsten Tag und auch nicht an den darauffolgenden. Alexandru ist deprimiert. Er beschließt sich nach dem Hund umzusehen, doch er findet Alba nicht.
„Hast du ihn nicht an die Kette genommen, wie ich es dir gesagt habe?“, sein Nachbar sieht ihn vorwurfsvoll an, „Du bist ein Narr, Alexandru. Hast du nichts Besseres zu tun, als einem Streuner hinterherzulaufen? Wahrscheinlich haben ihn die Hundefänger erwischt“.
Alexandru vermisst den Hund. Er macht sich Sorgen. Er beschließt, in das städtische Tierheim zu fahren. „Einen großen weißen Hund?“, fragt ein Mitarbeiter. „Ja, so einen haben wir vor Kurzem gefangen. Es war ein Streuner. Er hatte kein Zuhause“.
„Wo ist er jetzt?“, will Alexandru wissen und sieht sich nervös um. Es ist laut. Die vielen Hunde, die in kleinen, dreckigen Zwingern hocken, kläffen und springen an den Gittern hoch.
„Dort hinten.“ Der Mitarbeiter zeigt auf den abgelegenen, hinteren Teil des Geländes. „Dort, wo wir alle Hunde lagern, bis sie verbrannt werden“.
„Der Hund ist tot?“ Alexandru kann das Entsetzen in seiner Stimme nicht verbergen.
„Ja. Nach vierzehn Tagen werden die Streuner getötet. So ist das Gesetz“. Der Mitarbeiter sieht, dass es Alexandru nicht gut geht. „Aber die Welpen sind noch da!“, wirft er hinterher.
„Die Welpen?“, Alexandru wird hellhörig.
„Ja. Sie wurde zusammen mit drei Welpen gefangen. Sie waren alt genug. Sie brauchten ihre Mutter nicht mehr“.
Alexandru spürt, wie Zorn in ihm aufsteigt. Er hatte sich nie viel um die Streuner geschert, doch wie mit diesem – seinem – Hund umgegangen worden ist, macht ihn wütend.
Als Alexandru wieder auf seinem Hof ankommt, öffnet er den Kofferraum seines Wagens und heraus springen drei junge Hunde, die aufgeregt um ihn herumlaufen. Alexandru hatte sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen können. Er hatte sie mitgenommen und würde für jeden von ihnen ein gutes Zuhause finden. Er hat das Gefühl, dass er das Alba schuldet. Nachdem Alexandru den Welpen Futter hingestellt hat und sie gierig zu fressen beginnen, lässt er seinen Blick über den Hof schweifen. So viel Platz. Vielleicht war es an der Zeit für eine neue Aufgabe. Vielleicht könnte es seine Bestimmung sein, den Straßenhunden zu helfen.
Über die Autorin:
Annika Steinke (@TextTraeumerin) lebt mit ihrer Familie in der Kölner Bucht und besuchte das Casa Cainelui vor zehn Jahren. Als sie eine schwerkranke Hündin bei sich aufnahm, kam ihr die Idee für diese Tierschutz-Anthologie, um den Tierschutzverein finanziell zu unterstützen.
Katzenmorgen
Alex C. Weiss
Der Morgen beginnt mit einem Miau,
warum lässt du mich nicht schlafen, du bist doch so schlau.
Nein, ich muss kommen, du bist am Verhungern,
kannst nur noch vor meinem Bette rumlungern.
Du gibst keine Ruh, stubst sanft meine Nase,
damit ich dich nicht verhungern lasse.
Ich komme ja schon, du Herrin im Haus,
warum fängst du dir nicht schon mal eine Maus?
Nun hetz mich doch nicht, ich kann nicht so schnell,
es ist doch noch früh, ist noch nicht mal hell.
Ich fülle den Napf, zufrieden schnurrst du
und nun lass mich bitte schlafen in Ruh!
Über die Autorin:
Alex C. Weiss (@Leinwandpoesie) begleitet die Liebe zum Schreiben schon seit ihrer Kindheit. Die leidenschaftliche Autorin kreierte in ihrem Roman Arenlai Pan eine detailreiche Fantasywelt und hat bereits mehrere Poesiebände mit gefühlvollen Gedichten und Illustrationen veröffentlich.
www.alexweiss.eu
Waldliebe
Katharina Levashova
Ungläubig starrt sie auf den kleinen Monitor der Wildkamera. Klickt nach rechts, wieder nach links. Tränen schwimmen in ihren Augen, bis die ersten Bahnen über die Wangen ziehen. Lachend wischt Mona die nassen Spuren mit dem Handrücken weg.
„Das gibt’s doch nicht“, flüstert sie immer wieder. Euphorisiert und trotzdem völlig perplex von den Aufnahmen, setzt Mona sich auf einen modrigen Baumstumpf. Jahre hatte Mark in die Forschung der Luchse investiert. Alle Waldtiere waren ihrer beider Seelenfreunde. Ihre Lebensbegleiter. Doch die Luchse hatten eine besondere Faszination.
Maximal zehn erwachsene Tiere sollen im Alpenraum und im oberen Mühl- und Waldviertel leben. Jagd, Rückgang ihrer natürlichen Beutetiere und auch Lebensraumverlust aufgrund der Waldnutzung haben dazu geführt, dass der Bestand in ganz Europa, nicht nur in Österreich, drastisch zurückgegangen ist. Heute sind viele Gebiete wieder gut als Lebensraum geeignet, doch die Population musste in den siebziger Jahren mit menschlicher Hilfe angesiedelt werden.
Als Mona ihre große Liebe an der Universität kennenlernte, war sie eine junge Studentin und er gerade im Sprung als Bundesförster durchzustarten. Sein Leben galt dem Wald und den Waldbewohnern. Mona verliebte sich wohl zuerst in diesen Elan, bevor sie sich ganz in seinen Augen verlor. Fünfzehn Jahre waren sie unzertrennlich. Mona und Mark. Wie Pech und Schwefel.
Wer rechnet schon mit dem Tod, wenn die Liebe noch jung ist? Wenn die Liebenden mit beiden Beinen fest im Leben stehen? Mona brauchte Wochen, um zu realisieren, was eigentlich passiert war, dass ihr Mann nicht mehr nach Hause kommen wird.
Flocke kommt angetrabt, mit heraushängender Zunge und kleinen Ästen im Fell. Wie mit einem Befehl - streichle mich! - legt der kleine Hund den Kopf auf Monas Schoß. Sie tut, wie ihr Schatz es wünscht.
Der struppige Mischling hatte sie gerettet, in einer Zeit, als sie dachte nie wieder echte Liebe empfinden zu können. Ihre Trauerbegleiterin hatte ihr dazu geraten, sich doch endlich das Haustier zuzulegen, dass sie schon immer wollte.
Mona und Mark. Jetzt nur noch Mona.
Im Tierheim war Flocke zwar ein umgänglicher Geselle, dennoch wollte ihn niemand. Zu unförmig, traurige Augen, außerdem hinkt er ein bisschen. Mona überlegte dafür keine Sekunde. Dieser Hund war für sie bestimmt. Oder war es umgekehrt?
„Schau nur, Flöckchen“, flüstert sie dem Rüden zu. „Das ist ein Luchs! Hier in unserem Wald.“ Ein tiefer Atemzug hilft ihr sich zu sammeln. „Nach so vielen Aufnahmen von Rehen, Böcken, Hasen, Füchsen, Madern, Eichkätzchen und sogar Wildschweinen, endlich ein Luchs.“ Mona entfernt die Reste aus dem Unterholz aus Flockes Fell. „Wo bist du denn schon wieder gewesen? Hast du dich mit dem Luchs getroffen?“ Der Hund legt wissend den Kopf schief. „Komm Kumpel, meine Beine beginnen zu kribbeln.“ Mona streckt sie aus, bewegt die Fußgelenke. Es wird Zeit aufzubrechen. „Lass uns gehen!“
In den Baumkronen raschelt es leise. Nachts soll es regnen. Es war nie klug, sich bei aufkommendem Wind und Wetter im Wald aufzuhalten. „Wir müssen noch die Hühner versorgen, dann gibt’s Abendessen.“
„Wuff“, bellt Flocke wie zur Antwort. Langsam trottet er neben seinem Frauchen über den Waldweg, über die kleine Böschung bis zum Garten. Mona hält die Wildkamera wie einen Schatz in ihrer Armbeuge.
„Das Bild bekommt einen besonderen Platz, nicht wahr, Flocke?“
„Wuff!“
Gleich morgen würde sie auch die anderen Geräte überprüfen. Bevor Mona und Flocke in Richtung Hühnerhaus abbiegen, blickt sie nochmals hinauf zum Wald.
Gute Reise Mark! Mach‘ dir keine Gedanken, Flocke passt auf mich auf.
„Wuff“, ertönt es erneut, als könnte er ihre Gedanken lesen.
Über die Autorin:
Katharina Levashova (@katharina_levashova)
