Treibgut - Johs. Georget - E-Book

Treibgut E-Book

Johs. Georget

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Beschreibung

Sechs nicht miteinander zusammenhängende Kurzgeschichten, die einfach nur gelesen sein wollen. Wenn die Geschichten mit dem Weglegen des Buches noch nicht ihren Abschluss, sondern vielleicht einen Nachhall in den Gedanken des Lesers fänden - um so besser!

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Seitenzahl: 122

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Johs. Georget

Treibgut

und andere Geschichten

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Ladi Sal

Jonas

Der Treibgutsammler

Leons größter Wunsch

Die Witwe und ihre Tochter

Das Inserat

Impressum neobooks

Ladi Sal

Hinter der Fensterscheibe streifen die Sonnenstrahlen wärmend das Gesicht von Brogda. Genüsslich lächelnd und behäbig mit den Äuglein blinzelnd nimmt er sie auf. Zum ersten Mal nach dem gestrengen Winter scheint heut die Sonne kräftig genug, um die Haut zu erwärmen. Und die Seele. Ach, seufzt er, und die Lachfältchen um seine Augen, seinen Mund, seine Nase, ja auf seinem ganzen rosigen, wohligen Gesicht, kräuseln außen die Haut und innen das Gemüt, ach, seufzt er, und freut sich, dass sie vorbei geht, endlich, diese trostlose, dunkle, kalte Zeit. Es wird wieder Frühling werden. Bald, schon bald. Die Luft wird wärmer zuerst und dann der Boden. Endlich. Dann kommt wieder Bewegung in seine alten Knochen und Leben in die Welt. Gut wird sie ihm tun, die Arbeit im Garten, auf die er sich freut und die Pflänzlein, die lieben, das ist gewiss, sie werden es ihm danken.

Er ist Gärtner von Passion. Die kleine Wohnung im Dritten, wo er wohnt mit seiner Frau, verlässt er nur zu gern. Drei Zimmerchen sind es nur. Die Enge dort engt ihn ein. Und seine Frau. Beidem versucht er zu entrinnen, und das möglichst oft. Sein lieber Garten bietet ihm dazu willkommenen Anlass und hinreichenden Vorwand. Nein, nein, nicht Ausrede: Weil, es gibt doch dort immer soo viel zu tun.

Doch noch ist es kalt. Trotz der Sonne. Der Wind beißt ohne Erbarmen in ungeschützte Nasen und Ohren, Finger und Zehen. Deswegen zieht Brogda sich warm an. Dicke schwarze, lederne Fäustlinge trägt er, die graue, wuschelige Pelzmütze mit den hängenden Schlappohren, einen gelborange karierten Schal, dicht gewickelt um Hals, Mund und Nase, die gut gefütterten gelben Gummistiefel an den Füßen, zusätzlich noch wärmende Füßlinge natürlich, und, unter seiner grünen Latzhose, nebst langer, baumwollgelber Unterwäsche selbstredend, einen dicken, grauen Rollkragenpullover, als er auf sein Moped steigt. Moped, das ist jetzt nicht ganz der korrekte Begriff, denn es hat einen Kickstarter und müsste eigentlich Mokick heißen. Der Gewohnheit gemäß nennt er es Moped und nicht Mokick. Schon immer, und das will er partout nicht ändern: Warum auch?

Der Helmpflicht entzieht sich Brogda. Zwischen Haus und Garten benutzt er nur Feld- und Wiesenwege. Selbst zu den wichtigen Bau- und Gartenmärkten gelangt Brogda mit seinem Gespann auf verschlungenen, nur ihm bekannten Pfaden, ohne jemals eine richtige Straße auch nur queren zu müssen.

Prompt springt das Moped mit gezogenem Choke an, als Brogda auf den Starter peert. Ein Ruck geht durch das Gespann, als er den ersten Gang mit der Drehgriffschaltung einlegt. Der unverzichtbare kleine, grüne, schon so oft gestrichene und trotzdem aber überall blätternde Hänger mit den großen Speichenrädern, von denen eines eiert, ist leer und rumpelt, als Brogda vorsichtig die Kupplung kommen lässt, mit den Füßen nachhilft und mitsamt Moped, eine Rauchfahne hinter sich herziehend, schließlich in Richtung Garten knattert.

Der Anhänger und das Moped sind immer und unzertrennlich miteinander verbunden. Sicherlich wüsste niemand jemals eines von beiden einzeln gesehen zu haben. Der Mechanismus der Hängerkupplung ist für Brogda ja auch viel zu kompliziert. Wahrscheinlich sind die zum Öffnen erforderlichen Teile auch schon so eingerostet, dass eine Trennung gar nicht mehr möglich ist. Das interessiert Brogda aber wenig, solange alles funktioniert. Und: Es funktioniert ja!

Diesem Umstand hat Brogda seit vielen Jahren auch seinen unverwechselbaren Fahr-, vor allem aber seinen Parkstil angepasst. Vor dem Wohnhaus und vorm Garten pflegt er sein Gespann nach einer eleganten Wendeschleife stets auf gleiche Weise so zu positionieren, dass beim nächsten Losfahren einfach nur geradenwegs drauflos gefahren werden muss, ohne erst noch kompliziert wenden, rückwärts schieben oder sonst wie zirkulieren zu müssen. Schließlich sind Moped und Hänger einzig Mittel zum Zweck – nämlich selbst zum Garten zu kommen und für die wichtigen Dinge, die angeschafft, entsorgt oder einfach nur transportiert werden müssen – und nicht der eigentliche Gegenstand irgendwelcher irgendwie gearteten Akrobatik. Und dieses an- und abschwellende Geräusch des knatternden Mopeds mit seinem rumpelnden Anhänger in den Wendeschleifen und das letztendlich unvermeidliche Aufjaulen des Motors kurz vor dem Absterben, wenn er noch einmal so richtig Gas gibt, während er den Zündschlüssel zieht, sind so prägnant, dass ein jeder, der das hört, gleich ob Wohnungs- oder Gartennachbar, sofort Bescheid weiß: Brogda ist da!

Beim Garten angekommen sieht er zunächst einmal überall nach dem Rechten. Das tut er stets, vor allem dann, wenn er, so wie jetzt, längere Zeit abwesend war. Heute findet er das zerlegte und beiseite gestellte Glashaus heile vor und unversehrt, und atmet auf. Alle Scheiben sind noch ganz. Die Laube steht akkurat noch so, wie im letzten Herbst verlassen. Die Regenfässer sind kopfunter umgekippt, wie’s für den Winter sich gehört.

Tss, tss, neigt er kopfschüttelnd sein Haupt über den Rasen, wo sich der Maulwurf Male gesetzt hat, die er betrübt beäugt. Doch schon rinnt wieder ein Lächeln über Brogdas Lippen und spannt seine rosigen Backen als er so bei sich denkt, na, Maulwurf, zwei Wochen hast du noch, dich aus dem Staub zu machen, vielleicht auch drei, bis er raus ist, aus dem Boden, der Frost, dann beginnt er, der faire Kampf, Gärtnersmann gegen Wurf. Ob das wohl fraglich wäre, wer den wohl gewinnt? Hähä! Und schon malt sich wieder ein vergnügliches Lächeln auf Brogdas vom Eiswind rosiges Gesicht.

Noch dies – wo Spuren der Zeit – und jenes – wo das Wirken des Winters – zu beheben sind findet Brogda. Nichts Ungewöhnliches. Ein Winter war’s, wie jedes Jahr.

Und nun, wie schon in manchem Jahr zuvor, macht Brogda sich im Schuppen an die Inspektion seiner peinlichst gepflegten und mit gutem Altöl konservierten Instrumente. Alterung und Rost, Verschleiß und Korrosion werden in vielen Spätwintertagewerken bekämpft. Der Spaten wird gereinigt und poliert, obwohl sein Blatt noch immer wie ein Spiegel blinkt, jede einzelne Zinke von Harke und Grubber wird gespitzt, auch die einzige des Sauzahns, die Sense wird gedengelt und gewetzt, die Hacke geschärft. Die Federn und Mechanismen von Wühlmaus-, Maus- und Maulwurfsfalle bewegt Brogda gut durch und ölt sie satt, damit sie schnell und ohne sich und die von ihnen ausgehende Gefahr durch quietschende oder knarzende Geräusche zu verraten, zupacken können wenn Not am Mann ist. Die Walze des Düngerstreuers justiert er fein, so dass sie nur ja nicht, wie im vergangenen Jahr, blockiert, sondern stattdessen schön gleichmäßig verteilt, was der Ernte zuträglich sein soll. Die Spritze zerlegt und reinigt er, die eine und die andere Dichtung wird ersetzt, und montiert alles wieder aufs reinlichste und peinlichste genau zusammen. Das Öl wird gewechselt am Rasenmäher, damit der wie ein Kätzchen schnurrt, sein Schlagmesser und das des Häckslers so akkurat geschärft, dass eine Rasierklinge vor Neid erblassen täte, wenn sie nur könnte, der Vertikutierer mit neuen, scharfen Klingen versehen, damit er auch ja mühelos die alten Grasreste und Wurzeln aufschneiden kann, um frische Luft in den Boden zu lassen. Die Heckenscheren, sowohl die elektrische, wie auch die althergebrachte, werden auf Funktion geprüft, nachgeschärft und nochmals gut geölt, um den Rost fernzuhalten. Desgleichen widerfährt Rosen-, Baum-, Zweig- und Astschere.

Schließlich ist alles bereit. Nun, so meint Brogda, wohlwollend sein Werk betrachtend und behaglich in sich hinein lächelnd und sein Kullerbäuchlein unter der grünen Latzhose und dem dicken Rollkragenpullover mit der wieder behandschuhten Rechten klopfend, nun, meint er, nun ist’s Zeit.

Tagtäglich kommt jetzt Brogda in den Garten. Mit den Jahren hat er sich da eine gewisse Routine, ja, man muss schon sagen: Hat er sich erarbeitet, redlich! So muss er niemals in Hektik verfallen. Er hat sein tägliches Pensum, eines das gut zu bewältigen ist und ihm Zeit für ausgiebige Pausen lässt. Heute kontrolliert er, bevor er sich die Pause gönnt, die Bestände solch unverzichtbarer Utensilien wie Bittersalz und Blaudünger, Gartenkalk und Blattglanz, Schneckenkorn und Ameisenköder, Gelbkarten, Roundup und Wegerein, Vertilger solch hartnäckiger Kräutlein wie Löwenzahn und Ackerwinde, Giersch und Braunelle, Klee und Distel, die verschiedenen Schutzmittelchen gegen die verschiedensten unerwünschten Schädlinge wie Woll-, Schild- oder Blattlaus, Milbe, Rüssler, Zünsler, Spanner, Wickler, Thrips und die vielfältigen Arten von allerlei Raupengetier, gegen Krankheiten wie den echten und den falschen Mehltau, Spitzendürre und andere Welkepilze, Braun-, Grau- und Blaufäule und was sonst noch so alles das Leben eines Gärtnersmannes schwer machen kann, wenn, ja, wenn er nicht zur rechten Zeit etwas dagegen zu unternehmen weiß. Und Brogda weiß! Jawohl!

Brogda notiert in seiner großen, etwas unbeholfenen Schrift alles neu zu Beschaffende auf dem inwendig weißen Blatt einer alten Salatsamentüte. Dabei sitzt seine schmale Lesebrille auf dem letzten Rand seiner Nasenspitze, so dass er den Kopf weit in den Nacken legen muss, damit sie nicht vollends herunter rutscht, während seine Zunge, fest zwischen die Lippen geklemmt, deswegen nur ganz langsam, von der einen zur anderen Seite wandert und wieder zurück.

Ist diese gewichtige Arbeit getan und die Pause redlich verdient, pflegt er sich, je nach Witterung, in sein Gewächshaus oder in den Garten, unter das Vordach oder in die Laube zu setzen, zu entspannen und sinnierend sein fest gestopftes Hängepfeifchen zu schmauchen – was ihm zu Hause wegen des penetranten Knasters verwehrt ist.

Wenn er denn dann so sinnentrückt, halb sinnentleert und Ruhe ausstrahlend dasitzt, lässt er sich gut betrachten. Ein Jeder, der übern Zaun den Brogda so dasitzen sieht, attestiert ihm zweifelsohne ein gutes, ein freundliches Wesen und erklärt ihn zu einem guten Menschen, der niemals nicht und keiner Fliege etwas zu Leide tun würde.

Sein rundlich feistes Gesicht ist immer glatt rasiert, bis auf den etwas störrisch-struppigen, aber gut gestutzten Schnurrbart. Ein graublonder ebenso struppiger Haarkranz umrahmt seinen stets roten Kahlkopf und bietet in der Draufsicht, zusammen mit Schnurrbart und den struppig-buschigen Augenbrauen, die alle von gleicher Farbe sind – nur unterbrochen von der spitzigen Nase – das Bild der surrealistischen Sonnenblume eines Expressionisten.

Seine rundliche Statur kommt im Sitzen besonders gut zur Geltung, wenn er seine dünnen Ärmchen vor dem untersetzten Körper und die kurzen Beinchen unter dem Stuhl verschränkt hat. Sein kurzer Hals verschwindet dann ganz, und beim genießerischen Schmauchen seines Pfeifchens besteht sein Gesicht aus einem immer – von Kälte oder Hitze, Anstrengung oder Sonnenbrand – rötlichen Rund und den harmonisch angeordneten Schlitzen von Augen, Mund und kleinen Fältchen, die ein beständiges Schmunzeln tragen. Das zufriedene Schmunzeln des erfahrenen Gärtners, das uns sagt, mit welcher Zuversicht er dem Wirken eines Gottes vertraut, der auch in diesem Jahr wieder dem Wetter gebieten würde, seinem Garten zuträglich zu sein, und mit dem ihm eigenen Selbstvertrauen, dass er den kleinen tückischen Plagen, die der Liebe Gott in das neue Gartenjahr hineinweben würde, immer eine List entgegenzusetzen habe. Und so pafft er denn Ring um Ring in die Luft, während er in Gedanken versucht vorwegzunehmen, welche Unbilden denn seinen Schützlingen in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten von oben gesandt werden würden, und wie rechtzeitig dagegen vorzugehen sei. Mitunter schüttelt dann, wenn er einen besonders pfiffigen Einfall hat, ein kleines vergnügliches Lachen den ganzen Brogda, so dass alles an ihm zusammen und im Einklang mit seinem Froschbauch wackelt.

Kleine Kerzenlichter sorgen so beispielsweise im Gewächshaus für die Milderung arglistiger Nachtfröste ebenso, wie sprühfein verteilte Wasserschleier über den Blüten der Kirsch- und Pfirsichblüten draußen im Freien. Eine dünne Schilfmatte auf dem Gewächshausdach oder ein Kalkanstrich hilft als Schutz vor den immer bissiger werdenden Strahlen der Frühjahrssonne. Marienkäfer sammelt Brogda auf den umliegenden Wiesen ein und lädt sie dort ab, wo die Läuse besonders gefräßig werden wollen: Unter Rosen und auf Pfingstrosen, an den frischen Trieben von Kirsch-, Pflaumen- und Pfirsichbäumen. Eine Bierfalle baut er für – oder gegen – die Schnecken. Die Bäumchen beschneidet er zu jeder Zeit – und darum nie zu sehr. Wann immer ein Ast oder Zweig aus der Reihe tanzt – nach innen oder unten wächst, zu sehr kümmert oder ausgeilt, sich mit Nachbarn beharkt oder einfach nur nicht der gewünschten Form angemessen ist – schnipp – ab ist er.

Brogda klemmt gern, wenn er besonders emsig bei der Gartenarbeit ist – und er ist immer besonders emsig bei der Arbeit – seine Zunge zwischen die Lippen, während er die Augen zusammenkneift, das Haupt zuerst nach rechts, dann nach links neigt, prüfend, zweifelnd, überlegend, erkennend den Abstand zwischen seinen Augen und dem Objekt seiner gegenwärtigen Aufmerksamkeit verringert oder mehr Distanz oder einen anderen Blickwinkel zur Bewertung benötigt. Um schließlich mit einem zufriedenen Lächeln und einem Nicken lautlos oder mit einem anerkennenden Grunzen kund zu tun, dass es gut war. Oder eben noch nicht und er der Perfektion noch weiter auf die Sprünge hilft.

Vielerlei Tricks und Tipps, Weisheiten und Bauernregeln kennt Brogda und alle wendet er sie zur rechten Zeit an. Einmal Hacken erspart zweimal Gießen. Wer ein Jahr lang nicht Jäten geht – für sieben Jahre Unkraut säht. Die althergebrachten Regeln kennt er alle, stets lernt er neu hinzu. In den kalten und unwirtlichen Monaten des Winters studiert er, was Bibliothek und Fachhandel zum Garten zu bieten haben, die Gartenfibeln aller Chemiegiganten kann er im Schlaf herbeten und keiner seiner in Nöte geratenen Gartennachbarn befragt ihn je umsonst; stets weiß er Rat.

Hinter dem Schuppen hat Brogda seine geheimnisvollen Arsenale deponiert, fermentiert und kompostiert. Dort mischt er die verschiedensten Erden. Je nach Art, Alter und Zweck seiner Zöglinge komponiert er aus Lehmkrümeln, verschiedenen Sanden, Lößen und Tonen, aus seinem Spezialkompost, aus Wald-, Feld- und Wiesenhumus, aus Hornspänen und stinkendem Knochen- und Fischmehl, angemodertem Rindenmulch von Laub- und von Nadelbäumen, Pferde-, Rinder-, Schaf-, Kaninchen- und Hühnerdung, Kaminasche und Schornsteinruß und so manch anderen geheimen und unheimlichen Ingredienzien Leben spendenden Boden, und jedes einzelne Perzentil dieser geheimnisvollen Mischungen bleibt für immer sein augenzwinkerndes Geheimnis.

Ist diese Arbeit vollbracht, stellt er sein kleines Gewächshaus auf das fest verankerte Fundament. Die Erde darunter, die über den Winter mit gut durchrottetem Pferdemist bedeckt war, wird zuvor gut gelockert und durchgearbeitet – ein lebendiger Boden sorgt für Wärme von unten. Je ein großes, schwarz angestrichenes, mit Wasser gefülltes Fass in den hinteren, nördlichen Ecken stellt er auf, als Warmeausgleicher, die die Hitze des Tages aufnehmen sollen, um sie in der Kälte während der Nacht wieder abzugeben und damit das Klima zu dämpfen. Verbunden sind sie miteinander über ein ausgetüfteltes Rohrsystem, das nur Brogda durchschaut. Geheimnisvoll nennt er das System einen gravitationsgestützten Entalpiekompensator.

In flache, irdene Schälchen füllt er sorgsam seine zuvor speziell angemischten geheimnisvollen Erden, befeuchtet sie, drückt sie fest und dann – dann kommt er, der große, geheimnisvolle, erhebende, der erhabene Moment, in dem der kleine, gutmütige Brogda sich erhebt, über sich selbst und die Natur, zum Herrn wird über die Schöpfung, indem er bestimmt, was werden wird.