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Geschichten und Erfahrungen einer Weltreise als Rucksacktouristin. Die Wahrheit über das Leben auf Reisen und Tipps wie es (vielleicht) einfacher wird. 87 Tage unterwegs, 6 Länder, 45 verschiedene Schlaforte, 40.389 Flugkilometer in 39:75 Stunden... Es gibt nicht nur Zahlen, sondern auch unzählige Erlebnisse. In diesem Buch sind ein paar in Kurzgeschichten zusammen gefasst. Viel Spaß beim Lesen! „Das Glück findet man nicht am Ende eines Regenbogens, sondern nur, wenn man erkennt wie schön er ist!“
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Seitenzahl: 194
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Für meine Mutti und Katrin
„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.“ Ich habe schon mehrere Reisen unternommen und möchte in diesem Buch, in Kurzgeschichten, von einer der aufregendsten und schönsten erzählen. Es sind viele Erlebnisse einer 3 monatigen Weltreise, die ich 2013 zusammen mit meiner guten (Reise-) Freundin Hannah erleben durfte.
Es gab tolle, verrückte, glückliche, nervende, traurige und viele unvergessliche Erlebnisse. Mit diesem Buch möchte ich euch daran teilhaben lassen. Vielleicht plant ja auch ihr so eine Reise oder habt selber schon mal ähnliches erlebt. Oder vielleicht seid ihr auch nur neugierig. Egal warum ihr diese Zeilen lest, ich hoffe sie unterhalten euch gut und ihr bekommt Lust auf mehr. Mehr vom Leben, mehr vom Reisen, mehr von Allem. Traut euch! Auch wenn es viel Kraft, Nerven und Geld kostet, ES LOHNT SICH. Und die Erfahrungen, die Erlebnisse, die Menschen die ihr kennenlernt, die Selbstfindung, all das ist unbezahlbar.
*alle Namen sind geändert
Der Wunsch nach einem längeren Auslandsaufenthalt war bereits lange in mir. Ich bin in meinem Leben schon ziemlich viel rumgekommen und habe einige Reiseerfahrungen sammeln dürfen. Wenn man ein Mal damit angefangen hat, dann kann man nicht mehr damit aufhören. Immer wieder über kommt mich das Fernweh und die Lust, fremde Länder und Kulturen zu entdecken. Das ich allerdings den "Weltreiseplan" mal umsetzen könnte, das war schon etwas Tolles. Vor allem wurde es recht spontan entschieden.
Im Oktober des Vorjahres waren Hannah und ich zusammen in unserem 4. Urlaub in New York und der Ostküste Kanadas unterwegs. Da überlegten wir schon, was wir nach Afrika, Mallorca, Brasilien und nun Kanada als Nächstes sehen wollten. Es gab so viele Ziele, die uns interessierten. Ich erzählte ihr von meinem Plan, dass ich im nächsten Jahr ein paar Monate Auszeit vom Job nehmen wollte und im Ausland arbeiten, aber vor allem reisen wollte. Sie war sofort begeistert. Im Dezember gingen wir in ein Reisebüro in der Nähe, um uns zu informieren. Das Datum der Reise stand nun fest, wir hatten uns auf 3 Monate (April-Juni2014) geeinigt. In über 4 Stunden schmiedeten wir, in einer ausführlichen Beratung, unseren Weltreiseplan. Ein Mal um die Welt, in 87 Tagen. Es war so aufregend, so unfassbar, was wir alles in die 3 Monate rein packten. Der Start sollte in Australien sein, da vorher Asien nicht machbar wäre. Aber Asien war uns nicht so wichtig, so begannen wir 3 Wochen in Australien. Dann sollten 4 Wochen Neuseeland folgen, 4 Wochen USA und zum Abschluss wollte ich gern "Midsommar" in Schweden feiern, da es mein Geburtstag ist. Die großen Länder wollten wir bei geführten Touren entdecken. So kommt man viel, schnell und sicher rum. Wir wollten so viel wie möglich sehen und eine gute Mischung von geführten Touren und selber Erkunden haben. Also planten wir auch 2 Wochen in den USA ein, wo wir noch nichts fest buchten. Nach den Stunden im Reisebüro rauchte mein Kopf und ich war noch nicht ganz sicher, ob das alles so sein konnte. Vor allem aber schreckte mich das auf der Rechnung ab. Mein Limit war eigentlich schon bei Neuseeland erreicht. So baten wir noch um ein paar Tage Bedenkzeit. 4 Tage später lief aber das Angebot ab und so mussten wir uns schnell entscheiden, sonst würden wir noch mindestens 1000 Euro mehr bezahlen.
Also gingen wir, nach vielen Gesprächen, Rechnungen und Überlegungen wieder ins Reisebüro und buchten die Reise Ende Dezember fest. Wahnsinn, jetzt gab es kein Zurück mehr.
Das Abenteuer "in 87 Tagen ein Mal um die Welt" konnte starten. Viele Vorbereitungen kamen nun auf uns zu. Nicht nur die Reise musste gut geplant werden, auch das Berufliche, die Versicherungen und das Familiäre musste geregelt werden. Schließlich ging das Leben ja auch in Deutschland (für uns nach der Reise) weiter. Das war gar nicht so einfach, aber wir waren zu zweit und auch unsere Familien und Freunde haben uns gut bei den Vorbereitungen unterstützt. Danke noch mal dafür. Ohne ein paar helfende Hände hätte ich das in den 3 Monaten vor Beginn nicht hin bekommen.
Wenn ihr so eine Reise plant, dann seid euch darüber im Klaren, es gibt immer etwas, was ihr vergessen werdet. Vielleicht ist es ein Labello, der Rasierer oder etwas anderes. Bei uns war es etwas sehr wichtiges. Es ist mir bis heute ein Rätsel, wie wir das Vergessen konnten, bzw. ob wir das überhaupt mal gewusst haben, um es zu vergessen. Wir kamen am Flughafen in Berlin an. Waren voller Vorfreude. Gingen an den Schalter unserer Fluggesellschaft, legten den Reisepass und das Ticket vor. Nach kurzer Prüfung sah die Flugbegleiterin uns an und fragte nach dem VISUM für Australien. Wir beide schluckten und sahen uns fragend an. EIN VISUM FÜR AUSTRALIEN? Wir hatten eins für die USA, dass wussten wir, ABER Australien. In mir ging ein furchtbares Kopf-Kino los. Es waren nur Sekunden, aber ich sah den Film mit Tom Hanks vor mir. Ich stellte mir vor, wie unsere Reise noch vor dem eigentlichen Start zu Ende war. "Terminal", für 3 Monate gestrandet auf dem Berliner Flughafen. Wir erklärten, dass wir kein Visum für Australien hatten und es nicht wussten. Die Frau verstand das nicht. Wir auch nicht. Was nun? Zum Glück gab es ein paar Schalter weiter einen Servicepoint von der Fluggesellschaft, wo man ein Visum schnell "nachbuchen" konnte. So schleppten wir uns und unsere schweren Rucksäcke ein Mal durch den ganzen Flughafen und wurden auch schon mit den Worten erwartet: "Ihr seid die Mädels, die ein Visum brauchen?". Toll, die machte sich über uns lustig. Egal, wir füllten schnell ein paar Zettel aus und bezahlten mit VISA (die Freiheit nehm ich mir) die je 40 Euro für das Visum. Meine Güte, das war echt knapp. Das wäre es gewesen. Alles bis ins Kleinste geplant und dann gestrandet am Flughafen in Deutschland. Das ging zum Glück noch mal gut. So konnten wir dann auch richtig einchecken und ohne Probleme nach Australien fliegen.
Also macht euch nicht so einen Kopf, es geht immer irgendwie weiter. Das Wichtigste ist der Reisepass und ein Zahlungsmittel, dann kommt ihr fast überall hin.
Es kommt immer darauf an, in welches Land und zu welcher Jahreszeit man verreist. Aber grundsätzlich gibt es Dinge, die auf keiner Reise fehlen sollten (meiner Meinung nach).
Wichtig ist vor allem ein gültiger Reisepass, der muss noch mindestens 6 Monate nach Reiseantritt gültig sein, auch wenn Ihr nur 3 Wochen verreist. Euer Impfausweis könnte in einigen Ländern auch wichtig sein, besonders wenn es geforderte Reiseimpfungen für das Land gibt. Informiert Euch auch ob ein VISUM nötig ist! Beim Geld empfehle ich Bargeld in kleinen Scheinen und eine Kreditkarte. Dazu aber später mehr.
Dann sind natürlich die Reiseunterlagen wichtig. Dazu gehören wichtige Dokumente der Reiseveranstalter, mit Notruf-Telefonnummer, Hoteladresse und Shuttle-Service. Außerdem sind Flugtickets, Bahntickets und Bustickets nicht zu vergessen.
Das sind schon mal die Dinge, die UNBEDINGT vorhanden sein müssen:
Alles Andere ist Zusatz und erleichtert das Reisen (nicht vom Gewicht, aber den Alltag).
Wettergerechte Kleidung ist natürlich auch wichtig, aber wenn da was fehlt, gibt es in den Ländern meist Geschäfte mit den wichtigsten Kleidungsstücken. Es ist immer gut, ein paar Wechselsachen im Handgepäck zu haben, besonders wenn man oft umsteigen muss oder lange Strecken fliegt. Für den Fall, dass das Gepäck verloren geht oder nicht rechtzeitig da ist, so habt ihr wenigstens einen Wechselschlüpfer. Was ich als wichtig empfinde und mir Sicherheit gibt, ist eine Adressenliste mit allen wichtigen Adressen. Da stehen meine Lieben drauf (denen ich Postkarten schreibe), meine Ärzte, meine Versicherungen, mein Reisebüro oder Reiseveranstalter, meine Bank und die Adressen von deutschen Botschaften in den jeweiligen Ländern (besonders außerhalb der EU). Das gibt mir mehr Sicherheit und im Notfall (ich hatte zum Glück noch keinen) habe ich alle Nummern und Ansprechpartner dabei.
Was ich auch immer mit dabei habe:
eine Taschenlampe
Mückenschutz
Sonnenschutz
Ohropax
Taschentücher
eine kleine Erste-Hilfe-Tasche
Wörterbuch
Aber die EIGENTLICHEN DINGE, die auf einer Reise nicht fehlen dürfen, sind MENSCHLICHE EIGENSCHAFTEN. Ganz wichtig ist Geduld!!! Wer keine Geduld hat, der kommt in vielen Ländern an seine Grenzen. Die deutsche Pünktlichkeit, die Ordnung und die Einstellung muss man in vielen Ländern einfach ablegen. Man braucht gute Nerven um in Stresssituationen und bei unplanmäßigen Vorkommnissen nicht die Fassung zu verlieren. Gelassenheit, Ruhe und das Vertrauen, dass ALLES gut wird, ist von Vorteil. Selbstvertrauen ist wichtig und Spontanität sowieso! Menschenkenntnis und ein gesunder Überlebensinstinkt sind notwendig, um Situationen richtig einschätzen zu können, Gefahren zu erkennen und seine Grenzen zu kennen.
Die erste Nacht in Australien war ein echtes Erlebnis und die schlimmste der ganzen Reise. Nach 28 Stunden unterwegs und einem 10 Stunden Jetlag kamen wir in Melbourne an. Ein Taxi brachte uns mitten in der Nacht vom Flughafen zum Hostel. 0:10 Uhr kamen wir an. Der Taxifahrer ließ uns aussteigen und wir waren irritiert. Eine hohe Wand mit dem Namen unserer gebuchten Unterkunft stand vor uns. Aber wo war das Hostel? Kein Fenster, kein Eingang zu sehen. Das Taxi fuhr weg und wir standen vor der Wand. Ein paar Meter von uns entfernt war ein Eingang. Es standen viele Menschen davor, es gab einen Türsteher und eine Art Absperrband. Es kam ohrenbetäubender Lärm bzw. Discomusik aus dem Eingang. Wir dachten es sei eine Disco. War es vielleicht eine Verwechslung? Aber wir sahen nicht aus, als wollten wir so fertig und bepackt in die Disco. Oder? Allerdings musste ja auch irgendwo unser Hostel sein. Nach langem Überlegen gingen wir zum "Discoeingang" und der Türsteher fragte uns gleich, ob wir einchecken möchten. Fragend sahen wir uns an. Es war tatsächlich unser Hostel. Er öffnete uns die versteckte Tür und so standen wir gleich vor der Rezeption. Wir bekamen unsere Zimmerkarte und eine kurze Wegbeschreibung dahin.
Ok, Zimmer suchen. Wir wollten so viel Geld wie möglich sparen und so buchten wir für die erste Nacht ein 10- Bett-Zimmer. Für eine Nacht sollte das doch gehen. Falscher Gedanke, erst Recht, wenn man mitten in der Nacht ankam und im Dunkeln seine freien Betten suchen muss.
Nun standen wir 0:30 Uhr vor der Zimmertür. Völlig k.o., jeder mit 28 kg Gepäck und einfach nur eine Dusche und ein Bett suchend. Langsam öffneten wir die Tür. Stockdunkel. Schnarchen. Tür wieder zu. Und nun?
Ok, erst mal ein Bad suchen. Auf dem Gang war keines zu finden. Ein Hostelianer kam angetrunken an getaumelt. Er meinte, dass das Bad im Zimmer sei. Daran konnte er sich noch erinnern, in seinem Zustand. Was uns aber wieder vor die Frage stellte, was wir nun machen sollten. Es wäre sicher völlig daneben, wenn wir einfach rein platzen würden, das Licht an machen und erst mal alles suchen müssten. Also zuerst die Taschenlampe aus dem Rucksack wühlten. Juhu, gefunden.
Unsere Rucksäcke ließen wir erst mal auf dem Gang stehen. Leise schlichen wir mit dem erbärmlichen Licht der kleinen Taschenlampen in das Zimmer und suchten 2 freie Betten. Ein freies Bett war gleich neben der Zimmertür zu erkennen. In den anderen lagen überall Sachen, oder es schnarchte. Sch*** Und nun? Raus. Im Gang waren nun noch mehr Betrunkene, die vor sich hin grölten und lustige "Partypeople". So ganz waren wir immer noch nicht von der Sache überzeugt, aber was sollte es. So packten wir unser Zeug und schlichen zurück ins Zimmer, wir stellten unsere Rucksäcke neben das freie Bett, gingen kurz in das ekelige Bad und legten uns dann, in 3 Tage alten Klamotten, in das eine freie Bett. Kopf und Füße je an einer Seite. Es war, unbequem, eng, die Geräusche der Schlafenden und der "Partypeople" waren alles andere als toll, aber so waren die Gerüche (wir stanken ja beide gleich) noch das Erträglichste. In der Nacht kamen noch 2 andere Zimmergenossinnen herein. Sie waren auch Deutsche und kamen wahrscheinlich aus der hauseigenen Disco. Die waren aber nicht so rücksichtsvoll wie wir, sie machten Licht und waren ziemlich laut. Sie wunderten sich, dass zwei in einem Bett lagen und grübelten, ob wir Mann und Frau oder 2 Frauen oder 2 Männer waren. Es war irgendwie lustig und ich musste mir das Kichern verkneifen. Ich wollte nicht, dass sie mitbekamen, dass ich wach war.
Als wieder halbwegs Ruhe einzog, war wieder alles zu hören. Irgendeiner drehte sich immer oder schnarchte plötzlich los. Am frühen Morgen gingen 3 Leute, wie es klang reisten sie an diesem Tag ab. Ich habe in dieser Nacht KEIN Auge zugetan. Die Geräusche, die enge "Schlafsituation", die Sorge um meine Sachen und die Lautstärke, das war einfach zu viel.
Ich war so froh, als wir um 9 Uhr das Zimmer verließen und auschecken konnten. Allerdings checkten wir gleich wieder ein, da unsere Tour von diesem Hostel aus startete und die erste Nacht auch hier zu verbringen war.
Das neue Zimmer war erst ab ca. 12 Uhr zu beziehen, so verbrachten wir den Tag vor dem Hostel, mit einem kleinen Spaziergang zum Strand und in der Hostellobby. Es war regnerisch, bewölkt und so um die 18 Grad. Wir waren fix und fertig, müde, hatten Schlafdefizit und waren immer noch ungeduscht. So entfernten wir uns nicht weit vom Hostel.
Gegen 12 Uhr konnten wir dann in das neue Zimmer einziehen. Es hätte können so schön sein. Eine Dusche, ein Bett für jeden und mal wieder Klamotten wechseln. Es HÄTTE KÖNNEN.
Unsere Hoffnung wurde jäh zerschlagen. Wir öffneten die Tür. Eine junge Frau saß auf einem der Doppelstockbetten, in einem 8-Bett-Zimmer.Es sah aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Überall lagen Sachen, Dreck, Müll, Essensreste und Klamotten rum. In der Ecke stand sogar ein halb gepackter Backpacker-Rucksack, Krücken, eine Waschtasche mit Hygieneartikeln lag rum, ein Badetuch, Duschbad... Alles im Zimmer verteilt. Oh je, wo waren wir hier gelandet? Die junge Frau versicherte uns, es sah schon so aus, als sie das Zimmer betreten hatte. Da sie einen recht ordentlichen Eindruck machte, glaubten wir ihr.
Kurz darauf kam noch eine junge Frau dazu. Wir beschlossen zusammen zur Rezeption zugehen und uns zu beschweren. Die sollten das Chaos beseitigen, deshalb hatten wir ja auch bis 12 Uhr gewartet.
Der Mann an der Rezeption meinte, dass man das Chaos sicher beseitigen könnte, es aber noch etwas dauern würde. So etwa 2 Stunden!!!
Wir waren verzweifelt und uns blieb ja nun nichts anderes übrig, als zu warten. Im Zimmer warteten wir also auf den Putztrupp. Nach 3 1/2 Stunden kam dann auch endlich jemand. Es dauerte etwa 30 Minuten, bis es halbwegs ordentlich im Zimmer aussah. Aber das Bad sollte erst später gereinigt werden. Egal, ich packte meine Sachen aus und ging nach über 50 Stunden endlich duschen. Nach meiner Dusche kam dann das Putz-Team und machte das Bad sauber.
Was für ein Start in Melbourne. Es konnte nur noch besser werden.
Im Outback von Australien gab es so viel zu sehen. Die Landschaften, die Steingebilde, der rote Sand, die kahlen Sträucher... So viele schöne Dinge. ABER leider wurde unsere Aussicht auf unheimlich beeindruckende Naturbilder ständig gestört. Immer wenn man aus dem Auto stieg, prallte die glühende Luft auf die Haut und im selben Augenblick kamen die lästigen schwarzen Flugobjekte. Es war unfassbar. So was habe ich vorher noch nicht erlebt. Klar hab ich schon oft Fliegen gesehen. Und hin und wieder hat mich auch eine zur Weißglut gebracht. Es waren auch mal 2 oder 3 im Garten, beim Frühstück. Aber so viele auf ein Mal, dass war mir neu. Es waren gefühlte 35 Billionen. ÜBERALL. Bei allen Körperöffnungen versuchten sie ihr Glück. Das ruhige Naturvergnügen war gestört. Ich wollte nur die Aussicht genießen, doch das ging NICHT. Jedes Mal wenn ich aus dem Bus stieg waren sie sofort da. Sie flogen um uns herum. Es half alles nichts.
Einige kauften sich ein Fliegennetz für den Kopf. Ich versuchte es mit einem Schaltuch, das ich mir um den Kopf und das halbe Gesicht wickelte. Dann die Sonnenbrille und das Tuch auch als Kopfschutz. Hannah versuchte es ebenso mit Tuch. Wir sahen aus wie Verbrecher. Aber keine Chance. Die lästigen Biester krochen unter den Schal und unter die Sonnenbrille. Hoffnungslos. Es summte, krabbelte und NERVTE die ganze Zeit. Da konnte man um sich schlagen wie man wollte. Wir hatten komische Zuckungen, aber es ging uns ja allen so. Sonst hätte man ein paar Wenige wahrscheinlich für verrückt gehalten. Leider hatten auch die Leute mit einem Netz keine Ruhe und zudem staute sich ebenso die warme Luft unter dem Netz, so war es nicht nur stickig und klebrig, sondern auch noch unnütz.
Selbst wenn wir schnell wieder in den Bus sprangen, da waren wir leider auch nicht ungestört. Es kamen immer mindestens 2 Fliegen pro Mensch mit hinein. Was bei 15 Leuten nicht wenig waren. Wir hatten mehrere Pausen, in denen wir den Bus verließen. So kam es, dass die Fensterscheiben im inneren des Busses von Fliegenflecken gezeichnet waren. Denn wenn sie es in den Bus geschafft hatten, mussten sie weg. Und da sie nicht freiwillig nach draußen flogen, sondern so nur noch mehr in den Bus gekommen wären, mussten wir leider andere Mittel finden. Nun hatten sie in der Kapsel keine Chance.
Die Fliegennerverei dauerte etwa 5 Tage. Lange Tage. In den Nächten war es besonders schlimm. Bevor wir das Licht in unseren einfachen Unterkünften ausschalteten, war der Blick in den Raum unvermeidbar. Zumindest wenn man ein paar wenige ruhige Stunden haben wollte. Und die brauchten wir unbedingt. So stieg ich mit einem Badeschuh auf mein Bett und sah mich um. Sobald ich ein Flugobjekt ausfindig machen konnte, wurde es eliminiert. Was sollte ich tun? Sobald ich das Fenster geöffnet hätte, wären mindestens 10 weitere Fliegen im Raum gewesen. Hinzu kam, dass man in den meisten Unterkünften die Fenster gar nicht richtig öffnen konnte. Oder sie hatten ein Fliegengitter, was von der anderen Seite durchaus sinnvoll war.
Ich bin nicht für die harte Tour, aber es ging nicht anders. Zu Hause habe ich einen "Schnappi" für sowas, aber der hat nicht ins Gepäck gepasst. Also wenn ihr mal ins Outback von Australien kommt, nehmt einen guten Fliegenschutz mit! Ihr werdet ihn brauchen.
Unser Hostel in Auckland war eine Geschichte für sich. Zuerst mal war das Hostel in einem höheren Haus, ab dem 6. Stock. Als wir den Eingang, den Fahrstuhl und die Rezeption gefunden hatten, gingen wir in unser Zimmer. Es befand sich im 7. Stock und war am Ende vom Gang gelegen. An sich ein ganz durchdachtes Raumkonzept. Zwei Betten, eine Ecke mit Kühlschrank und ein kleines Bad mit Dusche und Schiebetür. Auch ein Flachbildfernseher war an der Wand neben der Badtür. Die Wandfarbe, ein dunkles Rot, und die dunkelgrauen Vorhänge machten den Raum auch ganz gemütlich. Das Einzige, was den Charme des Zimmers störte, war die Belüftung. Es war nicht möglich die Fenster im 7. Stock zu öffnen. Daher hatte sich ein schlauer Ingenieur etwas "Tolles" überlegt. Unter den Fenstern wartete die nervige Überraschung. Eine Belüftungsanlage die 24 STUNDEN lief. Direkt an den Betten, wo das Kopfende vorgesehen war. Das hieß, den ganzen Tag und die ganze Nacht summte es über unseren Köpfen und ein leichter Windzug war zu spüren. Wir hatten 7 Nächte in diesem Hostel gebucht.
Die erste Nacht waren wir noch irgendwie k.o. und schliefen eigentlich ganz gut. Aber es war echt nicht so einfach. Und dann wurde es jede Nacht schlimmer. Dieses Summen und der Luftzug waren sehr unangenehm und störten in der Nacht wirklich extrem. Wir gingen an die Rezeption. Aber auf die Frage, ob man diese Anlage nicht in der Nacht ausschalten kann, kam die Antwort, dass das nicht geht, wegen der Luftzirkulation. Juhu, also da wir in der Nacht ja nicht ersticken wollten, mussten wir die Geräusch- und Luftbelästigung wohl ertragen. Wobei ich mir schon in ein paar schlaflosen Stunden die Frage stellte, was wohl schlimmer wäre. Es war die Frage - Schlafen oder Ersticken. Naja, da ich die Reiseberichte nach der Reise geschrieben habe, könnt ihr Euch denken, wofür ich mich entschieden habe.
Es dauerte nicht nur ewig, bis wir zur Ruhe kamen, wir waren auch mitten in der Nacht oft noch wach. Immer wenn eine von uns ins Bad verschwand und die andere dann gleich danach ging, war klar, wir waren beide wach und konnten nicht schlafen. So kam es, dass wir uns Dinge überlegten, wie wir zum Schlafen kommen könnten. Zuerst versuchten wir es mit Fernsehen. Aber das war eine blöde Idee, bei dem Programm und durch die Helligkeit war das auch nicht das Richtige. Dann erzählten wir uns was. Wir zählten Schafe (jede für sich). Und als das Alles nichts brachte, versuchten wir es mit Sport. Hüpfen, Hampelmann, auf der Stelle rennen und so weiter. Aber auch das blieb erfolglos. Schlafen blieb Luxus und wenn wir dann doch mal vor Erschöpfung eingeschlafen waren, dann war das schon am frühen Morgen. Was dazu führte, dass wir erst gegen Mittag wieder "wach" waren und nicht viel unternahmen. Das war an sich auch gar nicht so schlimm. Auckland war jetzt nicht die schönste Stadt auf unserer Reise. Es war der erste Stopp in Neuseeland und wir hatten noch 4 Wochen vor uns. Das Geld war knapp und wir brauchten nach Australien eine Ruhephase. Also alles doch nicht ganz so schlimm. Wenn man es sich einredet.
Für Eines war die Lüftung ganz praktisch. Wir verfluchten diese Anlage, aber für das Trocknen der Wäsche war sie ganz gut geeignet. Wir wuschen mit der Hand oder gönnten uns eine Wäsche, aber ohne Trockner. Und da die Lüftung wie ein Fensterbrett mit Schlitzen war, konnten wir die Sachen schön darauf platzieren. Das war im Raumkonzept bestimmt nicht vorgesehen, aber für irgendetwas musste das ja gut sein. Es sah nicht schön aus, uns störte es nicht und wir erwarteten keinen Besuch. Der Putzfrau haben wir mit dem Schild "Bitte nicht stören!" den Zutritt verweigert und so breiteten wir uns voll aus. Zwar dauerte die Trocknungszeit trotzdem zwei Tage, aber der Luftzug wurde etwas schwächer, das war wenigstens etwas Positives. Ein guter Nebeneffekt.
