Und dann wurde alles anders - Jaël Christen - E-Book

Und dann wurde alles anders E-Book

Jaël Christen

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Beschreibung

Und dann wurde alles anders für die sechsjährige Jaël Christen. Von einem Tag auf den anderen - Schlaganfall. Tauchen Sie ein in eine berührende Geschichte; fühlen Sie mit einem Mädchen, dessen Leben sich buchstäblich schlagartig veränderte; erfahren Sie, was es heisst, wenn ein Kind sein Leben nicht mehr im Kindergarten, sondern im Spital und mit Therapien verbringen muss, was es bedeutet, wenn ein Kind in kurzer Zeit mehr Erfahrungen mit Krankenhäusern, Therapien und Ärzten macht als mancher Erwachsener in seinem ganzen Leben. Jaël Christen erzählt rückblickend, im Alter von 15 Jahren, wie sie diesen Schicksalsschlag in jungen Jahren erlebte, wie dieser sie prägte und wie sie sich über einen steinigen Weg zurück in ein normales Leben gekämpft hat. Ein Buch, geschrieben mit sehr viel Herzblut, Mühe und Geduld; mit vielen privaten Einblicken in ein junges Leben während und nach einem Schlaganfall.

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Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Jaël Christen, 2007. Geboren und wohnhaft in Evilard bei Biel, Schweiz. Schülerin des Gymnasiums Biel.

Inhalt

Einleitung

I.

der Tag, an dem alles begann

I – der Schlaganfall aus medizinischer Sicht

2 – alles noch so neu!

3 – ich finde mich wieder

4 – die Reaktionen meines Umfelds

5 – der letzte Tag Bettruhe

II.

Kinder-Notfall-Tagebuch

6 – die Therapien beginnen

III.

Tagebuch-Eintrag vom 22.5.2013

7 – die Therapien gehen weiter

IV.

mehr über das Leben im Spital

8 – die Clowns kommen

9 – gute Neuigkeiten

V.

Bilder

10 – mein letzter ganzer Tag im Spital

VI.

Fragen an meine Familie, Freunde und Bekannte

11 – endlich wieder daheim!

12 – aller Anfang ist schwer

VII.

Fragen an mich selbst

VIII.

die Entscheidung zur Hypnose-Therapie

IX.

Positives/Negatives

13 – Danke

14 – wie ging es weiter?

15 – endlich kehrt der Alltag ein

X.

die Medikamente, die ich einnehmen musste

16 – mein endgültiger Sieg über das MRI

17 – was ich mitgeben möchte

18 – wie geht es mir heute?

19 – was bringt die Zukunft?

Die Kapitel mit arabischen Ziffern erzählen meine Geschichte, die Kapitel mit römischen Ziffern behandeln Fragen, Gedanken, Fakten und andere Ergänzungen zu meiner Geschichte.

Einleitung

Wo soll ich bloss anfangen? Es gibt so viel zu erzählen über mich und meine kleine grosse Welt. Ich beginne am besten damit, mich vorzustellen. Mein Name ist Jaël, bin 15 Jahre alt und gehe in Biel in die Schule, Biel ist eine Stadt im Kanton Bern in der Schweiz, liegt direkt an einem schönen See und hat einige schöne Ecken zu bieten. Ich gehe in die achte Klasse mit einem sehr lustigen und netten Klassenlehrer. Was mich auch ausmacht, ist definitiv die Liebe zum Reisen. Das Schönste daran ist, neue Menschen mit ihren Kulturen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und ihre gegangenen Wege erklärt zu bekommen. Die Leidenschaft zum Reisen habe ich von Mama und Papa geerbt, sie haben es auch schon immer sehr gemocht.

Zu meiner Familie gehört, neben meiner Mutter Fabienne und meinem Vater Gregor, ebenfalls mein kleiner Bruder Noé, er wurde im April 13 Jahre alt. Das Alter meiner Eltern sollte ich vielleicht besser nicht erwähnen, sonst gibt’s noch Ärger. Seit fünf Jahren gehört zudem unsere Hündin Juma zum festen Familienalltag. Ich liebe meine Familie über alles und will sie niemals verlieren. Zu meiner Familie gehören für mich auch mein Cousin Stephan mit seiner Ehefrau Jeannine und ihrer Tochter Bianca.

Jeannine ist meine Bezugsperson, schon seit ich ziemlich klein bin. Sie ist einfach der Mensch, der alles über mich weiss und stets einen Tipp hat. Was ich sonst noch sehr gerne mache, ist Ski fahren, schon als ich ganz klein war, habe ich es gemocht. Ich schreibe sehr gerne, seien das Texte, Sprüche oder in das Tagebuch, das ist mittlerweile auch eine grosse Leidenschaft geworden.

Wenn mich jetzt jemand fragen würde: «Was ist denn dein Ziel für später, was möchtest du lernen oder was sind deine Träume?» Ich würde wohl antworten: «Ich lasse mich einfach überraschen von meinen Ideen und meinen Wünschen. Mir ist es wichtig, glücklich zu sein, ob ich jetzt Putzfrau oder Ärztin werde. Wenn ich zufrieden und glücklich mit meinem Leben bin, dann ist es gut, ganz egal was ich mache. Ein Traum ist auf jeden Fall, eine Reise zu machen, bei der ich nicht weiss, wann sie enden wird. Ein noch grösserer Traum ist, später einmal auszuwandern, in ein fremdes und wärmeres Land. Wir werden sehen, wie sich mein Leben weiterentwickeln wird, doch ich bin mir sicher, dass es ganz schön und gut werden wird, so wie es kommt.»

Es gibt noch so viel mehr zu erzählen, aber ich denke für den Anfang ist es gut. Ich habe ja noch sehr viele Seiten, die ich über mich schreibe. Somit wären wir auch bei dem Punkt angekommen, welcher zentral für das Schreiben dieses Buches ist: Ich hatte, als ich sechs Jahre alt war, einen Schlaganfall auf der linken Hirnhälfte. Ich muss schon sagen, dass dieser mich ziemlich geprägt hat. Ich will jetzt mit meinen 15 Jahren darüberschreiben, wie es damals für mich war, und damit vielleicht auch anderen Menschen helfen können. Dieses Buch soll aber nicht nur für Sie sein, sondern auch für mich. So kann ich mehr über diese ziemlich schlimme Geschichte erfahren und alles besser verstehen und verarbeiten. Dieses Buch soll mir helfen, diesen Schlaganfall zu verstehen und akzeptieren zu können. Leider erinnere ich mich nicht mehr an alles so genau, ich war ja sechs Jahre alt, aber ich habe viele Unterlagen der Ärzte und mein Umfeld, das sich noch an vieles erinnern konnte. Inzwischen kann ich offen darüber reden und habe kein Problem, auch mal Fragen von anderen zu beantworten. Ich finde es sogar schön, wenn man mich fragt und sich für das, was passiert ist, interessiert. Ich konnte meine Gedanken schon immer besser aufschreiben als aussprechen, deshalb freute mich meine Idee mit dem Buch gleich selbst von ganzem Herzen: Hier kann ich nicht nur Texte mit Fragen und Informationen einbringen, sondern auch Bilder. Das wird so viel spannender!

Ich glaube an die Lebensgeschichte und dessen Kraft eines jeden Menschen; egal wie kompliziert und lange sie ist, sie ist würdig, erzählt zu werden. Ich wünsche Ihnen allen viel Freude beim Lesen dieses Buches, und wer weiss, vielleicht kann ich jemanden dazu bewegen, ebenfalls seine eigene Geschichte zu schreiben. Es würde mich freuen.

Herzlichst Jaël

1 – der Tag, an dem alles begann

Ich erinnere mich kaum noch an den Moment, als ich damals ins Spital musste. Es gibt aber trotzdem immer noch einige Dinge, die ich sehr genau weiss und ich auch gestochen scharf nacherzählen kann. Ich hatte im November/Dezember 2012 Windpocken, die waren sehr stark und kaum aushaltbar. Einige Monate danach, also etwa im Februar 2013, begannen die Kopfschmerzen, die sehr stark waren. Es war wie eine schlimme Migräne. Dazu kam noch, dass ich mich am Morgen sehr oft übergeben musste. Etwa im März gingen wir auf die Neurologie in Biel, um mich durchchecken zu lassen und zu schauen, was da los ist. Nach einigen Untersuchungen zeigte sich: Alles war im grünen Bereich und unauffällig. Zuerst waren wir darüber auch sehr froh, von den Profis zu hören, dass alles in Ordnung war. Die Kopfschmerzen und die Übelkeit waren dann auch ein paar Wochen weg. Bis es etwa Mitte April wieder angefangen hat. Ich hatte sehr oft Übelkeit und musste erbrechen, wie auch schon im Februar. Das dauerte den ganzen April so an und auch Anfang Mai ging es weiter. An meinem Geburtstag, dem 2. Mai, konnten wir zum Glück noch schön feiern und ich konnte meinen sechsten Geburtstag in vollen Zügen geniessen. Bis zu dem Tag, an dem mein Leben sich zu 180 Grad geändert hat.

Mittwoch, 15. Mai 2013. Am Abend hat alles begonnen, ich hatte meine rechte Hand stark verkrampft und mir fiel es schwer, die Hand von meinem Papa schnell wieder loszulassen. Er hat mich schon an dem Abend damals gefragt, was denn los ist; ich erwiderte nur, dass ich müde bin und es überhaupt nichts Schlimmes war. Am Morgen danach, es war Donnerstag, stand ich ganz normal auf, sass am Frühstückstisch und ass mein Frühstück. Es war ein normaler Morgen, dachte ich zumindest. Bis Mama mich dann gefragt hat, wieso ich das Glas und Besteck nur noch mit der linken Hand nehme, ich war Rechtshänderin. Ich dachte schon, wieso muss sie mir denn jetzt auch noch solche Fragen stellen, wie mein Papa am Abend zuvor es bereits getan hat. Ich hatte meine rechte Hand komplett verkrampft und konnte sie nicht mehr öffnen und schliessen. Ich konnte somit nicht mehr so schnell loslassen, wenn mir jemand die Hand geben wollte. Das alles waren solche Dinge, die ich damals nicht verstanden habe; wieso sollte das so schlimm sein, habe ich mir damals gedacht. Ich weiss noch, wie ich zu Mama gesagt habe: «Aber wieso sollte ich denn das Glas nicht mit der linken Hand nehmen? Du machst das doch auch manchmal.» Ich weiss einfach noch, dass ich das nicht ernst genommen habe und mir dachte, das ist doch ganz normal.

Etwas später hat sich Mama dann auf die Couch im Wohnzimmer gesetzt und ich mich auf ihren Schoss. Ich weiss noch, dass sie sehr stark geweint hat, und ich habe zuerst nur gelacht, da ich nicht wusste, was los war; doch etwas später habe ich auch mit dem Weinen begonnen. Mama hat meinen Kinderarzt angerufen, der uns direkt an das Inselspital Bern verwiesen hat. Sie hat Papa angerufen, dass er nachhause kommen soll, und anschliessend auch noch meine Grossmutter Beatrice; da wir kein Auto hatten, hat sie uns nach Bern auf den Notfall gefahren. Noé war dabei und ging anschliessend mit zu meiner Grossmutter nachhause, sodass er nicht alleine sein musste. Ich erinnere mich schwach an den Moment, als wir da angekommen sind, ich weiss noch, dass wir sehr lange warten mussten, bis wir an die Reihe kamen. Mama und Papa hatten im Hinterkopf auch immer den Gedanken: Hoffentlich ist es nichts Schlimmes oder sogar ein Hirntumor. Die Ungewissheit, was kommen oder passieren wird, war sehr gross. Papa hat im Nachhinein einmal gesagt, dass die Fahrt und das Warten für ihn am schlimmsten waren. Weil die ganzen Fragen nicht mehr aufhören wollten und man sich das Allerschlimmste vorstellt. Nicht zu wissen, was kommen oder passieren wird, macht einen in solchen Momenten fast wahnsinnig. Ich denke, sobald man die Diagnose hat, ist alles viel einfacher zu verarbeiten und die Ungewissheit ist nicht mehr unendlich gross. Ich habe mir in dem Moment noch keine grossen Sorgen um mich und meine Gesundheit gemacht. Ich war noch sehr klein und habe das alles gar nicht richtig verstanden. Ich hatte schon Angst, als wir in dieses grosse Spital reingingen, wo ich ja bis dahin noch nie in meinem Leben gewesen bin. Wir mussten wie gesagt lange warten und brauchten viel Geduld. Bis wir aufgerufen wurden und ich erst mal untersucht wurde. An dem Tag musste ich ein MRI vom Schädel machen, das Ergebnis war dann eben der subakute Schlaganfall auf der linken Hirnhälfte. Ich konnte nicht so viel damit anfangen, wusste einfach, dass es sich nicht sehr gut angehört hat. Nach dem MRI wurde ich in so einen kleinen Besprechungsraum gebracht mit Mama und Papa. Ich sass dort im Besprechungsraum an einem Tisch, trug ein Spitalhemd, welches ganz lang, weiss und blau war. Ich war so wie ich mich erinnere nur am Weinen. Sie brachten mir sogar Spaghetti mit Tomatensauce und wollten mich, denke ich, erst mal ablenken. Die Kinderneurologin, Prof. Dr. M. Steinlin, hat meinen Eltern dann erst mal, zusammen mit anderen Ärzten, erklärt, was passiert ist; dass ich eben diesen Hirninfarkt/Schlaganfall hatte. Ich erinnere mich noch schwach, dass sie es mir dann auch probiert haben zu erklären. Wahrscheinlich kindergerecht; ich kann mich gar nicht mehr erinnern.

Am Nachmittag haben sie mich auf die Kinderstation gebracht, dort durfte ich in mein Zimmer. Papa ist nachhause gefahren, um eine Tasche zu packen mit Zahnbürste, Pyjama, Kleidern und diesen Dingen, die ich halt so benötigte. Papa ist am Abend gekommen, um mir meine Sachen zu bringen, damit ich alles dahatte, was ich zumindest für die erste Nacht brauchte. Mama oder Papa durften während des ganzen Spitalaufenthalts bei mir im Zimmer schlafen. Ihnen wurde ein Klappbett neben mein Bett gestellt. So konnten sie immer bei mir sein. Ich muss auch echt sagen, die Krankenschwestern, die da waren, waren absolut super, die waren immer da, wenn ich sie gerufen habe; sie haben mir alles immer so großartig erklärt und mich getröstet. Das Highlight von dem Tag war auf jeden Fall, dass ich Essen bestellen durfte, das richtig ungesund und lecker war. Ich durfte mein Frühstück für den nächsten Morgen selbst aussuchen und kam mir dabei so erwachsen und gross vor. Ich hatte ein Zimmer für mich, zumindest die erste Nacht. In dieser Nacht hat Mama bei mir neben dem Bett geschlafen. Ich habe nicht gut geschlafen, war immer sehr unruhig und habe mir sehr viele Gedanken gemacht, darüber was noch passieren wird und was alles kommt. Ich weiss noch, dass mich das alles in der Nacht immer eingeholt hat. Also, dass ich das alles erst dann so richtig verstanden und kapiert habe, indem ich das Geschehene Revue passieren lassen konnte, das ich den ganzen Tag so gut verdrängt hatte. Eine Eigenschaft, die ich bis heute noch habe, dass alles vom ganzen Tag am Abend oder eben im Bett hochkommt.

Am nächsten Morgen, es war Freitag, um ca. 8.00 Uhr, wurde ich geweckt. Ich weiss noch, dass ich aufgeschreckt bin und komplett verwirrt war, weil ich nicht wusste, wo ich bin. Die liebe Krankenschwester hat mir dann aber Blut vom Finger abgenommen und geschaut, wie es mir geht. Immer wenn ich zum Blutabnehmen musste oder eine Spritze bekommen habe, durfte ich einen Kleber in ein kleines Büchlein kleben, als Trost. Darauf war ich sehr stolz. Nicole, die Krankenschwester, hat mich untersucht und mir noch einige Fragen beantwortet, die ich zu dem Zeitpunkt hatte. Als sie wieder ging, kam das Frühstück. Ich habe viel bestellt und hatte auch grossen Hunger. Nach dem Frühstück wurde ich gewaschen, ich durfte selbst nicht aufstehen, deshalb wurde nur eine Katzenwäsche gemacht. Die Putzfrauen kamen auch und haben mein Bett neu bezogen und kurz das Zimmer geputzt. Die Oberärzte kamen vorbei, haben mit Mama alles besprochen und mich gefragt, wie es mir geht, und mir viel erklärt. Sie haben mir die vielen Medikamente gegeben, die ich jeden Morgen nehmen sollte, und haben mir erklärt, für was die sind.

Kurz vor dem Mittag ist ein neues Mädchen bei mir ins Zimmer eingezogen. Die war komisch, ich hatte wirklich Angst vor ihr. Sie ist reingekommen und ist einfach mal umgefallen. Sie hat immer gesagt, dass sie keinen Hunger hat, und sich dann selbst nur Süssigkeiten und Sandwiches reingehauen. Dieses Mädchen war so komisch drauf, habe ich mir damals so gedacht. Aber gut, sie hat halt auch nicht mit mir geredet und ich hatte auch nicht grosses Interesse an Unterhaltung, wenn ich ehrlich bin. Ich habe mein Mittagessen gekriegt, es gab Hörnli und Gehacktes. Ich muss sagen, das habe ich fast jeden Tag gegessen; irgendwie auch voll langweilig, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke. Nach der Mittagspause kamen Papa und Noé vorbei, mit meinen Sachen, die ich noch gebraucht habe. Ich habe mich sehr gefreut und war glücklich, sie wiederzusehen. Ich habe meinem Bruder mein Zimmer gezeigt und mit ihm gespielt, so gut es eben ging, da ich immer noch die strikte Bettruhe hatte.

Als Papa und Noé wieder nachhause gegangen sind, mussten Mama und ich in ein anderes Zimmer gehen. Die Assistenzärztin hat uns dahin begleitet. Als wir da angekommen sind, wurde uns erklärt, was jetzt passiert. Ich würde eine Spritze in den Rücken bekommen, denn sie mussten mir Rückenmarkwasser entnehmen, um weitere Untersuchungen zu machen. Sie haben mich davor gefragt, ob ich eine Narkose möchte, vor allem Mama haben sie gefragt. Sie hat sich gegen eine Narkose für mich entschieden, und ich bekam einen Spray, der das Ganze ein wenig schmerzfreier machen sollte. Es war die blödeste Entscheidung in meinem damals bisherigen Leben. Also wenn Ihr, liebe Leserin, lieber Leser, das auch mal machen müsst, bitte lasst Euch eine Narkose geben. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Moment gestochen scharf. Mia, eine Assistentin, sass auf mir und hat mich festgehalten. Ich habe geschrien, als die Nadel in meinen Rücken traf, es waren die bisher grössten Schmerzen in meinem Leben. Sie haben daneben gestochen und mussten es deshalb wiederholen. Ich habe geschrien und mich so stark bewegt. Ich fühlte mich einfach so eingeengt und wusste keinen Ausweg, der Schmerz war so unendlich gross und ich erinnere mich einfach noch an jede einzelne Sekunde. Für mich war dieser Tag einer der schlimmsten im Spital und überhaupt in meinem ganzen Leben. Ich habe aus diesem Grund bis heute eine riesengrosse Angst vor Spritzen. Und ja, daraus habe ich ein Trauma mitgenommen, das ich bis heute, knapp neun Jahre später mit meinen heutigen 15 Jahren, immer noch habe.

An dieser Stelle möchte ich deutlich erwähnen, dass es wichtig gewesen wäre zu wissen, wie gross die Schmerzen wirklich sind, dass die Ärzte diese Erfahrung haben und nicht eine kleine sechsjährige Patientin, dass sie sich Zeit nehmen, einem so kleinen Menschen zu erklären, was auf ihn zukommt, und vor allem die Narkose nicht einfach nur empfehlen, sondern mit Nachdruck auf deren, aus meiner Sicht, Unentbehrlichkeit hinweisen. In solchen Situationen verlässt man sich vollkommen auf die Fachperson! Ich, aber auch meine Eltern, hätten uns diese Empfehlung einfach sehr gewünscht. Das Erlebnis von damals macht mich bis heute traurig und ehrlich gesagt auch ein wenig sauer. Ohne diese Erinnerung würde ich heute ohne Probleme zu einer Impfung gehen. Ohne jedes Mal zu zittern und eine solch grosse Angst zu haben. Aber was passiert ist, ist eben passiert und das können wir nicht mehr ändern. Dieser Tag damals hatte es echt in sich. Das ist auch der einzige Moment gewesen, an dem ich wirklich so grosse Schmerzen hatte, dass ich absolut keinen Ausweg mehr sah. Vielleicht tönt das jetzt alles gar nicht so schlimm, aber für mich war es