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Autobiografische Erzählung eine wahre Geschichte die das Leben schrieb. Es ist Freitag,der 17. September 2010 und noch früh am Morgen, genauer gesagt 6.00 Uhr. Normalerweise pflege ich nicht so früh aufzustehen, aber mir gehen gerade heute viele Gedanken durch den Kopf. Ich wasche mich, putze die Zähne und ziehe mich an. Beim Blick in den Spiegel werden Erinnerungen wieder wach, es ist als zöge mein ganzes Leben gedanklich an mir vorbei. Es ist mein Leben, vor und während des Kampfes gegen den Krebs, den ich seit mehr als 20 Jahren führe. Ich weiß nicht, wie lange ich so dagestanden habe. Ich greife zum Kamm, kämme mich und immer wieder höre ich eine innere Stimme, die mir sagt: ,,Tu, was man dir geraten hat, tue was du vorhattest und beginne deine Geschichte, dein Leben zu erzählen. "So fing alles an. Gedacht sind diese Zeilen vor allem jenen Frauen aber auch Männern, die ebenso von dieser Krankheit betroffen sind wie ich. Verliert nicht den Kopf, habt nur keine Angst, sagt ,,Ja" zu diesem Kampf und dem Leben. Diese Worte möchte ich allen persönlich mit auf den Weg geben, die diese Zeilen einmal lesen: ,,Nehmt jeden Tag als ein Geschenk des Lebens und freut euch auf jeden neuen Tag,verliert niemals Mut und Zuversicht - auf jedes Dunkel folgt ein neues Licht"
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Seitenzahl: 177
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Gisela Richter
... Und immer wieder wird es Morgen...
Eine wahre Geschichte die das Leben schrieb!
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Und immer wieder wird es morgen...
Impressum neobooks
Vorwort
Es ist Freitag,der 17. September 2010 und noch früh am Morgen, genauer gesagt 6.00 Uhr. Normalerweise pflege ich nicht so früh aufzustehen, aber mir gehen gerade heute viele Gedanken durch den Kopf. Ich wasche mich, putze die Zähne und ziehe mich an. Beim Blick in den Spiegel werden Erinnerungen wieder wach, es ist als zöge mein ganzes Leben gedanklich an mir vorbei. Es ist mein Leben, vor und während des Kampfes gegen den Krebs, den ich seit mehr als 20 Jahren führe. Ich weiß nicht, wie lange ich so dagestanden habe. Ich greife zum Kamm, kämme mich und immer wieder höre ich eine innere Stimme, die mir sagt: ,,Tu, was man dir geraten hat, tue was du vorhattest und beginne deine Geschichte, dein Leben zu erzählen.
Ich bin keine Schriftstellerin, trotzdem möchte ich versuchen, so gut wie möglich über mein Leben vor, während und nach meiner Krankheit zu erzählen, vor allem von Dingen während dieser Jahre, die mich prägten und wichtig waren, mit all ihren Höhen und Tiefen.
Vor mir auf dem Tisch liegen zwei Kalender, einer von 2009 und einer von 2010, sie sollen mir beim Erzählen helfen, es waren die wohl schwersten und härtesten Jahre in all dieser Zeit. Ich führe solche Kalender schon seit vielen Jahren, ihnen vertraute und vertraue ich vieles an, was mir wichtig erscheint. Das sind nicht immer nur Termine, denn alles kann ich mir auch nicht merken, doch wer kann das schon.
Vor allem in den letzten 20 Jahren hat sich viel ereignet, ich musste mit vielen Problemen fertig werden und viele schwere Entscheidungen treffen, einige werden sie erfahren. Ob alles immer richtig war, weiß ich nicht, doch das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Jeder, den es betrifft, muss seine eigenen Entscheidungen treffen, nichts kann man von jemanden übernehmen.
Ursprünglich sollte es nur eine kurze Erzählung werden, vor allem über die letzten 21 Jahre, die Konfrontation mit meiner Krankheit, ihrem Verlauf und wie ich immer wieder versuchte, damit fertig zu werden. Als ich den ersten Entwurf fertig hatte, gab ich ihn meiner Freundin Kerstin und 2 meiner ehemaligen Kolleginnen zu lesen, ebenso meiner Tochter. Von dem, was sie lasen, waren sie sehr beeindruckt, aber gleichzeitig machten sie mir auch klar, etwas fehlte. War wirklich immer so alles glatt verlaufen? So setze ich mich also wieder hin, begann erneut zu überlegen, wo genau fange ich an, was schreibe ich auf, damit man mich besser kennen lernt und sieht, nicht immer gab es nur rosige Zeiten in all den Jahren. Meine Krankheit war das Eine, das tägliche Leben das Andere, beides aber kann man nicht voneinander trennen.
So fing alles an.
Geboren wurde ich am 30.05.1952 in Schmorkau. Im Alter von 3 Monaten wurde ich von meinen Eltern adoptiert, was ich aber erst viel später erfuhr, nach 23 Jahren. Meine Mutter hatte bereits 2 Kinder auf tragische Weise verloren und man warnte vor einer erneuten Schwangerschaft, so dass meine Eltern beschlossen ein Kind zu adoptieren. Heute kann ich stolz sagen, ein Glück,dass ich dieses Kind war, obwohl mein Vater sich zuerst einen Jungen wünschte. Oft habe ich in all den Jahren mit meiner Mutter darüber gesprochen, wie es war,mich das erste Mal zu sehen. Ich muss mich in einem miserablen Zustand befunden haben, unterernährt, ziemlich verwahrlost, versorgt auf das Notdürftigste von einer 70 jährigen Großmutter, die ich nie kennengelernt habe. Trotz Warnung damaliger Ärzte und Verwandter nahmen meine Eltern mich auf. Meine Mutter ließ sich nie beirren und versicherte immer wieder, das schaffen wir schon. Ich kann heute sagen, ja sie hat es geschafft gemeinsam mit meinem Vater. Dafür kann ich ihnen nicht genug danken. Oft erzählte mir meine Mutter von dieser Zeit, wie sie mich aufgepäppelt haben. Dank guter Westbeziehungen bekam ich Dinge,die sonst nicht jeder hatte. Durch Kriegsende war ihre eigene Familie auseinandergerissen worden. Sie stammt aus Polen und war schon als junges Mädchen in Stellung in Pulsnitz. Die Flucht führte sie und ihre Familie zunächst bis Senftenberg, von da sollte es gemeinsam weiter gehen. Sie wollte aber gerne noch nach Pulsnitz, wohl um noch einige private Dinge zu holen. Dann wollte sie zurück, aber man warnte sie. Es war Februar 1945, Dresden wurde bombardiert, sie sollte lieber abwarten bis sich alles beruhigte, was sie auch tat, heute kann ich sagen, Glück für mich. Sie lernte ihren Mann kennen und sie heirateten 1947 und 5 Jahre später gehörte ich dazu. Ich erlebte eine sorglose Kindheit und Jugendzeit.
Noch heute spreche ich manchmal mit meiner Mutter darüber und muss dabei immer wieder feststellen, ich war als Kind und im späteren Jugendalter auch nicht immer leicht zu ertragen. Ging es manchmal nicht ganz so wie ich es wollte, dann konnte ich auch ganz schön bocken, Gott sei Dank hat sich das aber im Laufe der Zeit gelegt, na ja man wird älter und reifer.
Hurra – nun bin ich ein Schulkind
Im September 1958 begann ein neuer wichtiger Abschnitt in meinem Leben, meine Schulzeit. Ich war mal gerade 6 im Mai geworden, besonders groß war ich auch nicht, doch was sein musste, das musste eben sein. Oft sprachen wir darüber. Ich hatte ein schönes Kleid an, aus Perlon und mit kleinen Röschen. Der Stoff kam aus dem Westen so wie mein erster Schulranzen, den hatten wir vom Besuch kurz vorher mitgebracht, zu dieser Zeit konnte man ja noch fahren. Ich hatte auch eine schöne große Zuckertüte,gefüllt mit den schönsten Sachen, woher kann man sich sicher denken. Sie hatte eine schöne,goldene Spitze. Ich hatte ganz schön zu tragen. Noch heute klingen mir die Worte meiner Mutter im Ohr: ,,Stell sie nicht auf die Spitze, unten sind viele Bonbons, womöglich geht sie kaputt und sie fallen heraus.
Leicht gesagt, doch schwer getan. Alles ging gut. Ich verlebte sorglose Jahre und beendete meine Schulzeit erfolgreich.
Schulzeit vorbei – und was nun, was will ich einmal werden?
Schon als Kind spielte ich Schule, war Lehrerin und wollte es auch werden.
Zur Aufnahmeprüfung im Institut für Lehrerbildung fiel ich durch. Das Diktat für Deutsch bekam ich hin, obwohl ich die Kommas nach Gefühl setzte, aber Mathe ging schief, die Anforderungen waren zu hoch für mich.
Dann wollte ich Gebrauchswerberin oder Friseuse werden. Auch daraus wurde nichts, da begann ich eine Lehre im ehemaligen Rafenawerk, später Kombinat Robotron in Radeberg. Meine Lehre schloss ich 1971 ab und war nun Facharbeiter für elektronische Datenverarbeitung, habe dann in ein Materiallager gewechselt und arbeitete hier 2 Jahre. Doch immer wieder zog es mich in meine Schule zurück. So begann ein neuer wichtiger Abschnitt meines Lebens, ich wurde Freundschafts-pionierleiter. Von 1974 bis 1978 absolvierte ich mein Fernstudium, was ich mit ,,Gut“ abschloss.
Sofort mit Dienstbeginn stand ich vor zwei Problemen, einmal war ich kein Partei- mitglied und dann hatten wir auch noch Westverwandtschaft. Ich sollte mich davon lösen und meine Mutter auch. Hatte ich das Recht, dies von ihr zu verlangen? Ich grübelte, was sollte ich tun, verzichten? Tagelang war ich hin- und hergerissen. Ich war 21 und dann eine solche Entscheidung. Warum fragte mich niemand: ,,Magst du Kinder, möchtest du gerne mit und für sie arbeiten?“ Ich sagte ,,Ja“ zur Partei und ,,Nein“ zu dem Anderen. Ich musste viel lernen und an mir arbeiten, oftmals fiel es mir schwer Kritik zu ertragen, sie als gerecht und hilfreich anzusehen. Doch ich versuchte aus Allem das Beste zu machen.
Weiter ging es im Lebenslauf.
Wie alle jungen Dinger hatte auch ich so meinen Kopf für mich. Eines Tages lernte einen Angehörigen der NVA kennen, übrigens aus meinem Ort und 1975 heirateten wir.
So kam auch der entscheidende Moment, wo ich von meiner Adoption erfuhr. Immer wieder hatten mir meine Eltern gesagt: ,,Wenn du alt genug bist müssen wir dir etwas sagen“. Was sie aber nichts wussten, ich hatte es bereits erfahren, von anderen, ich verstand die Welt nicht mehr und doch war es so. Warum hatten sie es mir nicht schon eher gesagt; Angst? Wovor, dass ich weglaufe, zu wem,wohin?
Was sie nicht wussten und meine Mutter erst später erfuhr, ich bin meiner leiblichen Mutter einmal begegnet, ohne dass sie erfuhr wer ich bin. Auf die Umstände, die dazu führten, möchte ich nicht weiter eingehen, sie sind völlig ohne Bedeutung. Meine Eltern hatten dies ja nur getan, weil sie glaubten mich zu verlieren. Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass das völliger Quatsch sei, ich gehörte zu ihnen, alles Andere interessiert nicht, sie haben mich aufgezogen, nur sie sind meine Eltern und bleiben es.
Meine Ehe dauerte nicht lange, im März 1976 wurde sie geschieden und nun war ich wieder ledig und habe nie wieder geheiratet.
Kurze Zeit später stand ich vor einem neuen Problem, ich war schwanger. Guter Rat war teuer, was tun? Zu dieser Zeit ging meine Mutter arbeiten und genau da suchte ich sie auf., ,Bitte sag mir, was soll ich tun?“ Ja zum Kind, nein? Ich wusste es nicht, noch war etwas Zeit für einen Abbruch der Schwangerschaft, doch das konnte nur ich entscheiden. Ich bekam das Kind und freute mich, wie wohl jede werdende Mutter. Ich häkelte und strickte, richtete mich entsprechend ein, dank Hilfe und Unterstützung meiner Eltern. Am Anfang war alles in bester Ordnung, ich war für mein Kind da!
Am schlimmsten in den ersten Jahren war die Konfrontation mit ihrer Blutkrankheit, an der sie noch heute leidet. Für die Herkunft gibt es bis heute keine Erklärung.
Immer wenn es besonders kritisch war musste sie ins Krankenhaus. So oft es ging besuchten wir sie. Es war nicht immer leicht, man steht hilflos daneben und kann nichts tun. Ich bin froh, dass sie all das einigermaßen gut überstanden hat.
Wieder verlief eine ganz Zeit ziemlich normal, doch dann ging irgendeine Veränderung in mir vor, bis heute habe ich keine Erklärung dafür. Meine Eltern, nun ja stolze Großeltern hatten ihr Enkelkind natürlich ins Herz geschlossen, wie wohl alle Großeltern. Ich stürzte mich in die Arbeit und war froh, wenn sie mir das Kind abnahmen, spazieren fuhren und vieles mehr. Dabei merkte ich nicht, ich entfernte mich immer mehr von ihr. Ich absolvierte mein Studium und stürzte mich in die Arbeit. Ich glaube, dies war mit einer meiner größten Fehler und er sollte mich später viele schlaflose Nächte kosten, was ich damals noch nicht ahnen konnte.
Nun gut, gab es Probleme kümmerte ich mich darum, aber reichte das?
Wenn ich in den Sommerferien berufsbedingt in Pionierlagern arbeitete nahm ich sie nach Möglichkeit mit. Hier reifte auch der Wunsch in mir, selbst in einem solchen Lager zu arbeiten und das nicht nur in den Ferien, sondern ständig. Dabei dachte ich an die Stelle eines stellvertretenden Lagerleiters. 1982 sollte sich dieser Wunsch erfüllen, doch nicht so wie gedacht, ich sollte ein Lager als Leiterin übernehmen. Ohne lange zu überlegen sagte ich zu. Noch einmal würde ich mich nicht so entscheiden. Nach einem Jahr musste ich einsehen, ich hatte mich völlig übernommen. Hierbei spielten weniger private Probleme eine Hauptrolle, sondern Aufgaben und Anforderungen die für mich unlösbar erschienen. Ich weigerte mich, bestimmte Dinge zu akzeptieren, zu realisieren und so kam, was kommen musste. Auch wenn ich in vielem Rückenhalt der Mitarbeiter des Pionierlagers hatte und auch des Trägerbetriebes dieses Lagers, am Ende war ich die Schuldige. Ich erhielt sogar ein sogenanntes Parteiverfahren. In Einvernehmen mit meiner damaligen Dienststelle wurde meine Berufung als Leiter des Pionierlagers aufgehoben. Was nun? Ich brauchte ein neues Betätigungsfeld. Als Pionierleiter wollte ich auf keinen Fall mehr arbeiten, so kehrte ich in die Volksbildung zurück und begann 1983 mein Tätigkeit als Horterzieherin an der Schule in Ohorn.
Von Anfang an habe ich die Karten auf den Tisch gelegt und gesagt, was passiert war, auch die Sache mit dem Parteiverfahren. Eigentlich hätte es ja in meiner Kaderakte auftauchen müssen, seltsamer Weise war dies nicht der Fall. Eine Erklärung dafür gab es nicht. Zunächst war alles neu, das Umfeld, die neuen Kollegen. Dank der damaligen Hortleiterin, ihrem Mann und meinen neuen Kolleginnen gelang es mir, mich einzuarbeiten und zurechtzufinden. Gemeinsam haben wir viele schöne Stunden erlebt. Mit Traudel, der Hortleiterin hatte ich schnell einen guten Kontakt, der bis heute nicht abgebrochen ist. Jedes mal wenn wir uns sehen werden Erinnerungen daran wach und noch heute können wir über vieles lachen. Hat es dennoch trübe Stunden gegeben, so haben wir uns gemeinsam Mut gemacht. Noch immer klingen mir ihre wohlwollenden Worte im Ohr: ,,Waren wir mal an einem Tiefpunkt, hast du uns mit deiner Art und deinem Humor oftmals wieder aufgerichtet.“
Eines ist mir jedenfalls bis heute aus dieser Zeit erhalten geblieben,eine schlafgestör- te Nacht, nämlich vom Sonntag zum Montag.
Seit Jahren war ich wieder an einen bestimmten Tagesablauf gebunden. Ich hatte Frühdienst, das bedeutete Dienstbeginn war 6.00 Uhr. Für mich war das etwas völlig Neues. Bisher konnte ich mir meistens meinen Tagesrhythmus selbst wählen, bis auf bestimmte notwendige Ausnahmen. Ich hatte unheimliche Angst, am ersten Arbeitstag zu spät zu kommen. 4.45 Uhr aufstehen, fertigmachen zum Start, Busfahrt zum Ort, alles das sollte reibungslos von statten gehen, für mich eine totale Umstellung. Wahrscheinlich war es die Angst vor dem Zuspätkommen, was mir diese schlaflose Nacht bereitete. Dieses Phänomen ist mir bis heute erhalten geblieben.
Noch heute, 29 Jahre danach, kann ich in dieser Nacht nur sehr schlecht schlafen, egal ob ich zu Hause bin oder im Urlaub. Selbst seit der Zeit, in der ich Montags später angefangen habe zu arbeiten, hat sich daran nichts geändert. Erklären kann mir das bis heute niemand, aber das sei nur mal so neben bei bemerkt. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.
Ich glaube,von allem was einem so im Leben wieder fährt, nimmt man das Eine oder Andere mit sich mit und bewahrt es innerlich auf. Neben vielen schönen Dingen und Erlebnissen aus dieser Zeit ist es eben bei mir dies.
Noch heute denke ich gern an diese 5 Jahre meiner Arbeit zurück.
Auf Grund dienstlicher Unstimmigkeiten zwischen mir und dem damaligen Direktor der Schule wechselte ich mit Zustimmung der Abteilung Volksbildung 1988 erneut meinen Arbeitsort, wechselte in den Schulhort der Schule nach Lichtenberg, wo ich fünf Jahren bleiben sollte, bis ich 1992 wieder an meine Heimatschule in Pulsnitz zu- rück kehrte, was ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte. Aber noch Heute bin ich sehr froh darüber,wie alles gekommen ist. Wirklich, manchmal glaube ich, bestimmte Dinge werden einem schon in die Wiege gelegt.
Nennt man es nun Schicksal oder Vorherbestimmung? Die Beantwortung der Frage lasse ich einfach mal offen.
Von jeher habe ich mir über Krankheiten wenig Gedanken gemacht, weder über Krebs noch über andere Krankheiten. So etwas gibt es bei uns nicht oder nur ganz selten, glaubte ich. Meine Devise war immer, was von allein kommt, geht auch von allein. So wird es auch dieses Mal sein. Das Frühjahr war angebrochen und ich fuhr wie jeden anderen Tag mit dem Bus zur Arbeit. Zu dieser Zeit arbeitete ich als Horterzieherin und Kunsterzieherin in einer kleineren Schule im Nachbardorf.
Schon lange spürte ich in meiner linken Brust etwas, was da eigentlich nichts zu suchen hatte, also machte ich mir keine großen Gedanken. Die Straße war nicht die beste, es hoppelte während der Fahrt ganz schön, dadurch angeregt hoppelte das Etwas natürlich mit und ich spürte förmlich, wie es von einer auf die andere Seite und zurück rutschte. Aber ich machte mir keine Gedanken.
Zu dieser Zeit lebte ich in einer festen Beziehung. Meinen damaligen Partner lernte ich 1982 während eines Kurzstudiums in Dresden kennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatte sich daraus eine enge Beziehung entwickelt, obwohl er zu dieser Zeit verheiratet, aber nicht sehr glücklich in dieser Beziehung war. Alle die Jahre, die wir so viel wie möglich zusammen waren, hielt ich ihn immer wieder von einer Scheidung ab. Fest an einen Mann wollte ich mich sowieso nie binden. Wie es so üblich ist, bestand sie nicht nur aus Händchenhalten, mal einer Umarmung oder einem Küsschen. Ihm war natürlich das ungewöhnliche ,,Etwas“ auch nicht verborgen geblieben. Seinen Fragen versuchte ich auszuweichen und Bedenken zu zerstreuen. Er bat mich immer wieder zum Arzt zu gehen. Ich wollte es nicht, war einfach noch nicht bereit dazu. Wenn mein Innerstes und ich nicht auf einer Welle lagen, da ging nichts. Er konnte reden, wie er wollte, ich hatte hin und wieder einen richtigen sturen Kopf, muss nicht immer gut sein. Aber ich bin eben ich, bei bestimmten Dingen blocke ich erst einmal ab, lasse keinen an mich heran oder in mich hinein sehen. Ich war es gewohnt, Entscheidungen selbst zu treffen. Kamen mir Zweifel, so holte auch ich mir Rat. Es war wieder als hörte ich meine innere Stimme, die sprach: ,,Was von allein kommt, geht auch von allein“. Damit war für mich klar, ich werde abwarten. Und so verging wieder einige Zeit. Nichts geschah, alles war wie sonst. In einem allerdings hatte ich mich geirrt, er ließ nicht locker und begann immer wieder dasselbe Gespräch.
Ich war aber nicht im Geringsten daran interessiert, ich wollte in Ruhe gelassen werden, und so rutschte es mir eines Tages plötzlich heraus: ,,Schluss mit der Debatte, kein Wort mehr!“ Nun hoffte ich, meine Ruhe zu haben, alles verlief wie sonst immer. So verging die Zeit, etwa ein halbes Jahr. Er hatte eingesehen, dass es zwecklos war in mich einzudringen, ich habe eben meinen Kopf für mich, kann gut oder falsch sein. Irgendwann kam die Zeit und mein Körper, mein Innerstes sagten mir: ,,Tu was, tu was!“ Ich gab mich geschlagen.
Hausarzt, Brustgeschichte, ein Mann, das fehlte noch. Zum Arzt gehen wollte ich ja, aber in dem Falle war mir eine Frau doch lieber, warum kann ich heute nicht mehr sagen. Ich passte den richtigen Zeitpunkt ab, ging zu einer Ärztin, um mich vorzustellen. Mit dem Ergebnis der Untersuchung war ich zufrieden.
Als sie das Etwas abtastete sagte sie: ,,Das sieht bzw. fühlt sich eigentlich nicht gefährlich an, zumal es beweglich ist, wahrscheinlich eine Geschwulst, die mühelos entfernt werden kann.“ Sie gab mir eine Überweisung für einen Chirurgen, damit er mich untersuchen und diagnostizieren sollte. Im Oktober 1990 stellte ich mich dem Chirurgen vor. Nachdem er mich untersucht hatte, setzte ich mich auf dem Stuhl ihm gegenüber. ,,So ist es mir noch nicht möglich, eine Diagnose zu stellen, nur nach einer sehr genauen Untersuchung werde ich mich äußern.“ Ich wollte sofort wissen, was Das bedeute, ich will dann sowieso immer gleich alles ganz genau wissen.
Seine Antwort ließ nicht lange auf sich warten: “Sie werden bei uns stationär aufgenommen, es wird in ihrer Brust ein Schnellschnitt gemacht, eine Gewebeprobe entnommen und zur Analyse eingeschickt. Erst dann wissen wir genau, womit wir es zu tun haben. ,,Und dann?“ Aber damit hatte ich bei ihm kein Glück. Es kam mir zwar sehr verdächtig vor, doch was wollte ich machen, also Schicksal nimm deinen Lauf. ,,Am besten Sie kommen gleich morgen zu uns“. Aber das ging nun doch wirklich nicht und so kam prompt meine Antwort: ,,Also nein, ich brauche noch ein Nachthemd und übermorgen ist der 31.10. – Feiertag! Wer legt sich da schon freiwillig ins Bett?“ Wir haben uns gütig geeinigt, es wurde der 1. November. Nun hatte ich nur noch Eines zu meistern, vielleicht das Schwierigste, wie sagte ich es meiner Mutter? Sie ahnte von alldem nichts. Das ist auch so ein Wesenszug an mir, alles mache ich erst mal mit mir selbst aus, da lasse ich wie schon einmal gesagt, keinen in mich hineinschauen. Gutes gebe ich natürlich wie jeder andere gerne von mir. Hätte ich ihr schon eher etwas gesagt, sie hätte sich nur Sorgen gemacht. Dann war es soweit und ich fuhr ins Krankenhaus nach Bischofswerda.
Aufnahme, Gespräche und Fragebögen, alles was so dazugehörte ließ ich geduldig über mich ergehen.
Endlich kam der alles entscheidende Augenblick, das Gespräch mit dem Arzt, der am nächsten Tag den Eingriff vornehmen würde. ,,Wie sie bereits wissen, beginnen wir mit einem Schnellschnitt und der Entnahme einer Gewebeprobe. Nach deren Untersuchung werden wir entscheiden, wie es weiter geht.“ ,,Was kommt dann, ich möchte es schon jetzt wissen, so genau wie möglich.“ Ich bekam meine Antwort. ,,Sollte sich etwas Bösartiges zeigen, bedeutet dies Operation und Entfernung dessen, soweit es möglich ist.“ ,,Warum haben Sie mir das nicht schon bei unserem Gespräch vor 2 Tagen gesagt?“ ,,Können Sie sich vorstellen, wie viele schon wie Sie jetzt vor mir saßen und eine solche Nachricht nicht verkrafteten, fast den Kopf verloren. Aber ich doch nicht! Woher sollte er das wissen, er kannte mich ja noch nicht.
