Unerwartet - Una Gonschorr - E-Book

Unerwartet E-Book

Una Gonschorr

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Beschreibung

Von einem Arzt des Deutschen Krebsforschungszentrums gebeten, über ihren beeindruckenden Weg der Heilung ein Erfahrungsbuch zu schreiben, um den so wichtigen Einfluss des Glaubens an Heilung zu vermitteln, ermutigt diese Autobiographie, das unmöglich Geglaubte für sich selbst zu ermöglichen. Jegliches Gift kann in heilende Medizin verwandelt werden. Una Gonschorr, Sängerin, Schauspielerin, Komponistin und Autorin, erhielt mit Beginn der weltweiten Pandemie 2020 die Diagnose Brustkrebs.

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Seitenzahl: 235

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Hinweise:

Die Inhalte in diesem Buch wurden von der Autorin selbst erfahren und recherchiert, sie dienen der Inspiration. In keiner Weise ersetzen sie eine ärztliche Konsultation oder Diagnose. Eine Erfolgsgarantie sowie eine Haftung für eventuelle Nachteile und Schäden, die aus den im Buch gegebenen Hinweisen resultieren, können seitens der Autorin und des Verlages nicht übernommen werden. Bitte besprechen Sie sich mit Ihrem behandelnden Arzt.

Ich widme dieses Buch

meinem langjährigen Freund und Mentor

Yoshiharu Matsuno

und allen Menschen

mit gesundheitlichen Herausforderungen.

Inhalt

Vorwort

Prof. Dr. med. Guido Arno Matschuck MHBA

Danksagung

Einleitung

1

Unerwartete Diagnose Mut und Vertrauen

2

Chemo? Ja oder nein? Ein unerwartet wundervoller Augenblick

3

Unerwartete Unterstützungen: Suppe, Turbane und heilendes Herz

4

Pferde, Eichhörnchen und Hon nin myo

5

Unerwartet: Neues Leben ohne Herzschrittmacher!

6

Anschlussheilbehandlung Das Segelschiff

7

Wieder Zuhause Glück als Ursache

8

Papa Visualisieren

9

Patch Liebe, Freundschaft, Lebensfreude

10

Mama Mutter Natur

11

Buddhismus Das Unmögliche möglich machen

12

Kreativität Liste an Dingen, die mich unterstützen

Anmerkungen

Vorwort

Was ist eigentlich „Gesundheit“? Woher kommt sie? Woraus besteht sie? Kann man Gesundheit „herstellen“, kann man Gesundheit lernen?

Die Weltgesundheitsorganisation definiert Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens“ – also auf keinen Fall einfach nur als „nicht krank“ im medizinischen Sinne.

Es existieren unzählige Wege zu vollständiger Gesundheit – und sicher noch mehr gute und schlechte Ratgeber dazu. Ein Blick in die entsprechende Abteilung eines Buchladens reicht, um dies zu erahnen.

Nur: wie in aller Welt soll man denn anfangen? Was ist wichtig, was Scharlatanerie? Was hilft nur dem Einen, der Anderen aber nicht? Und gibt es vielleicht einen universellen Schlüssel, wahrhaftige Gesundheit – also eben mehr als nur die „Abwesenheit von physischer Krankheit“ – zu finden?

Una Gonschorr ist Entrepreneurin, Sängerin, Darstellerin, Komponistin, Regisseurin, Managerin. Und Buddhistin. Das Leben hat Una durch Situationen geschleudert, die andere Menschen zerstört hätten. Emotional, sozial und gesundheitlich.

Una haben diese Situationen gestärkt. In diesem Buch erzählt sie in ihrer eigenen Tonart, was sie gelernt hat und lässt uns teilhaben. Dies ist kein „Ratgeber“. Es ist die Geschichte einer unglaublich vielseitigen Frau, die durch größte Widrigkeiten immer stärker und gelassener geworden ist. Ein Buch, das helfen kann.

In einem besonderen Moment der Dunkelheit in meinem eigenen Leben habe ich selbst Hilfe bekommen von Una und Patch. Unaufgefordert. Und von „rotzfrechem Humor“.

Es war nur ein einziger Satz – aber ich habe in der Sekunde ein Stück Heilung erfahren. Etwas instinktiv gelernt, was mich noch heute, nach Jahren, im harten Medizineralltag schützt.

Ich empfehle, dieses Buch zu lesen. Schnell zu lesen. Einzuatmen, sozusagen. Und wirken lassen.

Prof. Dr. med. Guido Arno Matschuck MHBA

Internist & Kardiologe, Intensivmediziner

Danksagung

Ich widme dieses Buch voller Dankbarkeit meiner Freundin Kyle und ihrem Mann Christopher. Sie waren die gesamte Zeit konstant an meiner Seite.

Ich danke meiner Mutter, die mich täglich ermutigte und in der Fröhlichkeit hielt.

Ebenfalls danke ich auch Marianne und meinem Bruder sowie Mitgliedern und Freunden der buddhistischen Laienorganisation Soka Gakkai International, Yoshi, Yette, Heike, Sabine, Marcella, Gerald, Morris, Ulli, Yoko, Eva, Margot, Heidi, Deborah, Nuriye und so vielen mehr, die unablässig für meine Gesundheit und Lebensfreude chanteten.

Ich danke Frau Dr. Siedentopf für ihre einfühlsame Art und dass sie mit mir diesen Weg gemeinsam gegangen ist.

Von ganzem Herzen danke ich meinen Ärztinnen Sabine Merge und Dr. Gesine Dörr für ihre Freundschaft, konstante Fürsorge und Unterstützung.

Auch Prof. Dr. Guido Matschuck war an meiner Seite, und dafür danke ich ihm sehr.

Einen herzlichen Dank an die Ärztinnen und Ärzte des Heidelberger Universitätsklinikums des Forschungsbereiches Onkologie, die mich baten, dieses Buch zu schreiben.

Ich danke Anja, Micha, Rolf und allen, die mich begleitet haben.

Die Dankbarkeit ist es, die mich ermutigt, meine Erfahrung zu teilen.

Einleitung

Als ich mich entschloss, dieses Buch zu schreiben, war mir als allererstes der Titel klar: „Unexpected. Unerwartet“. Ich berichte von der Diagnose Brustkrebs, über den Verlauf und welche Überraschungen und Bereicherungen ich unerwarteter Weise erfuhr.

Eines möchte ich gleich zu Anfang sagen: Es geht nicht um „meinen Kampf gegen den Krebs“, sondern um „meinen Kampf für ein glückliches Leben“.

Ich lade dich ein, was ich erlebt habe, noch einmal mit mir Revue passieren zu lassen. Ich schreibe über dramatische Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend. Und wie mir das Mantra „Nam Moho Renge Kyo“1 und das buddhistische Studium durch Lebenskrisen geholfen haben.

Auch wenn es am Anfang meiner Lebensgeschichte herausfordernde Passagen gibt, sind sie doch nur wie eine dunkle Nacht, die einen wundervollen Tag ankündigt. Meine Erzählung ist nicht chronologisch, doch gibt es einen grünen Faden der Hoffnung.

Meine Gedanken und Erkenntnisse, von denen wir sicher einige teilen, erklären ein Stück weit meinen Umgang mit der Herausforderung Brustkrebs.

Auch wenn man sich mit dem Thema Krebs zwangsläufig in diesem Leben schon einmal auseinandergesetzt haben mag, so glauben doch sicher viele, dass sie niemals dieses schwere Los treffen wird. So dachte ich zumindest. Dieser Kelch würde bestimmt an mir vorübergehen! Ich hatte schon so viele andere Krankheiten durchgemacht, da bliebe ich sicher vor einer Krebserkrankung verschont…

Nun denn, wäre dem so gewesen, säße ich jetzt nicht hier und schriebe dieses Buch.

Meine Erfahrung mit dieser Erkrankung hat vielen Menschen Mut gemacht. Zuerst wollte ich mich zurückziehen und auf keinen Fall etwas darüber in den Sozialen Medien schreiben. Einige Freunde baten mich jedoch, meine Reise mit ihnen zu teilen und sie auf dem Laufenden zu halten. Da bot sich Facebook an, da ich hierüber als Sängerin und Entertainerin weltweite Freundschaften pflege. Also teilte und berichtete ich fast täglich.

Meine starke Lebenskraft überraschte nicht nur mich. Auch die Schwestern der onkologischen Praxis, in der ich die Chemotherapie bekam, fragten mich, wie man so fröhlich und stark sein könne. Meine liebe Freundin Kyle sagte zu mir, dass sie durch mein Verhalten ihre Angst vor einer Krebserkrankung verloren habe. Sie war es, die mich bat, dieses Buch zu schreiben. Aber auch meine Onkologin ermutigte mich. Eine Ärztin des Universitätsklinikums Heidelberg hat mich ebenfalls eindringlich gebeten, über bestimmte Faktoren zu berichten. Sie könnten zum Beispiel das Thema „Glauben“ nicht so einfach vermitteln. Glaube ist aber oftmals entscheidend.

Es gibt vieles, was wir wissen, doch bedeutet das noch lange nicht, dass wir unsere Erkenntnisse auch anwenden. Der Weg zu unserer Weisheit führt oft über den Glauben und das Vertrauen. Jetzt wäre eine gute Zeit, diesen Weg zu gehen.

Ich schreibe über meine Entwicklung vom „Ertragen“ hin zu dem starken Willen, jedes Gift in Medizin zu verwandeln, von der Angst hin zum Mut und von der Krankheit hin zur Gesundheit und zu wahrer Lebensfreude.

Meine persönlichen Erlebnisse geben einen Einblick in mein Leben. Jeder Mensch macht eigene Erfahrungen, und alle sind unterschiedlich. Doch es gibt Grundlegendes, was uns allen zugutekommen kann.

So hoffe ich, dass meine Worte eine Ermutigung für dich sind, egal in welcher Herausforderung du gerade steckst!

Gesund und glücklich, das schaffst du!

Kapitel 1

Unerwartete Diagnose Mut und Vertrauen

Es war ein sonniger Samstagnachmittag, an diesem 11. November 1967. Gunda Gonschorr saß im Flur des Albrecht-Achilles-Krankenhauses, denn ihre Wehen hatten eingesetzt. Am Ende des Ganges stand ein voller Aschenbecher und verbreitete seinen Gestank. Dazu mischten sich Ölfarbendämpfe, da ein Bereich der Station gerade frisch gestrichen wurde. Meine Mutter bat die Schwestern, ob sie sich vielleicht in einen Raum legen könnte, in dem es frische Luft gäbe. Man brachte sie in den Kreißsaal und legte sie dort auf eine Liege. Eine Hebamme stellte fest, dass es bis zur Geburt wohl noch ein bisschen dauern würde. Deswegen könnte sie im Dienstzimmer noch etwas essen. Nun ja, ich wollte nicht warten. Es ging schnell, dreimal pressen und ich war da. So erblickte ich um 14 Uhr das Licht der Welt. Ich war lang und dünn und somit hatte meine Mutter keinerlei Schmerzen.

Mit fünfeinhalb hatte ich einen schweren Unfall. Mein Bruder und ich waren alleine zu unserer Tante und unserem Onkel unterwegs. Die Türen der Berliner U-Bahn konnte man damals schon problemlos während der Fahrt öffnen, was auch viele Menschen taten. Es war üblich, in Fahrtrichtung aus dem noch rollenden Zug zu springen. Das Abteil war sehr voll und jemand hatte die Türen schon im Tunnel geöffnet. Ich stürzte aus dem in den Bahnhof einfahrenden Zug. Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, ob ich von alleine sprang, hinausfiel oder geschoben wurde. Ich schlug mit dem Kopf auf den Boden auf. Im Rettungswagen nahm ich kurz meinen Bruder wahr und wurde wieder ohnmächtig. Man stellte im Krankenhaus fest, dass ich mir das Schläfenbein gebrochen hatte.

Während der Untersuchung erlebte ich einen besonderen Moment, in dem ich ganz sicher außerhalb meines Körpers gewesen sein muss.

Keine Angst, es geht jetzt nicht in eine esoterische Richtung. Ich beschreibe einfach, was ich erlebt habe. Ich bin eher eine Freundin von Wissenschaften und Fakten.

Also, ich sah Ärzte und Schwestern um meinen Körper stehen, und das von oben. Ich fühlte mich pudelwohl. Alles war friedlich und behaglich. Es war ein Moment, in dem mir klar wurde, dass ich so zwar kein leckeres Vanilleeis essen können würde, dies aber auch egal war, da ich mich komplett erfüllt fühlte. Doch ich spürte, dass ich weiterleben sollte, und mein Bewusstsein rutschte wieder in die Ohnmacht.

Diese Erfahrung prägte mein weiteres Leben auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Einerseits spürte ich eine extreme Verbindung mit allem, was mich umgab. Andererseits brachte es mich an einen Punkt, an dem ich nicht ausreichend für mein eigenes Leben kämpfte. Ich hatte wohl im Hinterkopf, dass, wenn es zu schwierig sein würde, ich ja wüsste, wo der „Ort“ sei, an dem es angenehm ist. Ich weiß es nicht genau. Doch auf jeden Fall brachte dieses Erlebnis nicht nur Positives mit sich. Ich wusste nun zumindest, dass es da noch mehr gibt und unsere Reise immer weiter geht. Unsere Energieform mag sich ändern, doch Energie verschwindet nicht.

Ich verbrachte zwei lange Monate im Krankenhaus, brav im Bett liegend und mich kaum bewegend.

Auf Grund einer Hirnhautentzündung, die häufig bei Kindern nach einer Schädelverletzung auftritt, brachte man mich in ein Isolierzimmer. Keine Fenster, die Wände vergilbt und die Klingel, um eine Krankenschwester zu rufen, war kaputt.

So weinte ich eines Nachts, als ich auf die Toilette musste und niemand kam. Das Bett war vergittert, da machte ich hinein. Als endlich eine Schwester kam, schimpfte sie arg mit mir, warum ich mich nicht gemeldet hätte.

Es gab aber auch sehr nette Menschen, die sich um mich kümmerten. Eine junge Frau, die mich regelmäßig besuchte, brachte mir einmal kleine holländische Keramik-Schuhe von der „Grünen Woche“ mit, einer Landschaftsmesse in Berlin. Ich habe sie heute noch. Sie sind für mich ein Symbol des Mitgefühls.

Als meine Eltern mich aus dem Krankenhaus abholen wollten, konnte ich nicht mehr laufen. Ein Schock. Schnell war klar, dass ich mich acht Wochen lang kaum bewegt hatte und somit meine Muskulatur verkümmert war. Ich musste länger in der Klinik bleiben und lernte Schritt für Schritt wieder zu gehen.

Ich habe also schon früh intensive Erfahrungen mit dem Gesundwerden gemacht. Trotz allem verlor ich nicht meine Fröhlichkeit.

Als Kind ist so ein schlimmer Unfall und längerer, teils einsamer Krankenhausaufenthalt beängstigend und prägend. Als Erwachsene mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert zu werden und eine schwierige Operation vor sich zu haben, ist auch beängstigend. Zudem war ich wieder alleine im Krankenhaus.

Es war das Jahr 2020, die Zeit von Corona COVID 19, und Besuche waren in Kliniken nicht erlaubt. Doch gab es jetzt einen wesentlichen Unterschied gegenüber der Zeit in der Kindheit. Dazu später mehr.

In meiner Jugend brach ich mir im Sportunterricht beim Volleyball den kleinen Finger und beim Bockspringen den Unterarm. Außerdem stellte man fest, dass ich die Schilddrüsenerkrankung Hashimoto Thyreoiditis habe. Als Erwachsene erlitt ich drei Schleudertraumata durch unverschuldete Autounfälle, eine schwere Aspergillose (Schwarzschimmelpilz-Vergiftung), die mich fast das Leben kostete und einen doppelten Bandscheibenvorfall mit halbseitiger Lähmung, die sich zum Glück wieder zurückbildete. Als beide Impulsgeber im Herzen zeitweise aussetzten (Sick Sinus mit AV Block III) brachte mir das einen Herzschrittmacher ein.

Man stellte auch fest, dass ich einen sehr hohen IGg2 Wert hatte, was anzeigte, dass mein Immunsystem fehlgeleitet war.

War es bei all dem nicht verständlich, dass ich glaubte, ich würde sicherlich nicht auch noch Krebs bekommen?!

Doch es gab noch mehr, was mir widerfuhr. Aber ich möchte mit meinen Erfahrungen nicht abschrecken, sondern aufzeigen, dass man alles ins Positive wandeln kann.

2019 hatte ich extrem häufig Migräneanfälle und bekam dafür entsprechende Medikamente. Ich verlor an Gewicht und ging daraufhin zu meinem Gastroenterologen. Er meinte, ich würde mir wohl das Essen abgewöhnen. Das konnte nicht sein, denn ich aß wie immer. Doch er ließ von seiner Meinung nicht ab.

Im Herbst spürte ich einen Knoten in der rechten Brust, glaubte aber, dass ich wegen des Gewichtsverlustes eine Zyste, die wir schon lange unter Beobachtung hatten, jetzt einfach stärker fühlen würde. Zudem bekam ich immer heftigere Schulterschmerzen. Auch hier dachte ich, dass es von einem kleinen Unfall herrührte, den ich mit zwei Pferden hatte.

Ein Wallach ärgerte eine Stute, sie machte einen Sprung zur Seite und schubste mich. Ich stürzte auf meinen Brustkorb und die rechte Schulter. Nach einiger Zeit wurden die Schmerzen unerträglich. Ich wachte nachts unter Tränen auf. Daraufhin ging ich zu meinem Orthopäden. Er hatte den Verdacht auf eine „Frozen shoulder“. Doch meine geschwollenen Lymphknoten in der rechten Achsel passten nicht ins Bild. So schickte er mich zum Ultraschall in die Schlosspark-Klinik.

Der dortige Arzt hatte früher schon meine Brust untersucht. Eine ca. 1 cm große Zyste in der rechten Brust stand seit mehreren Jahren unter Beobachtung. Er schallte also meine Lymphen, und ich bat ihn, wenn ich schon einmal da war, auch meine Brust zu kontrollieren. Ich sehe heute noch seinen blassen Gesichtsausdruck. Der Knoten war fast 4 cm groß. Er leitete sofort weitere Untersuchungen in die Wege.

So lernte ich meine Onkologin kennen. Eine wundervolle Frau. Sie erwies sich als einfühlsam, dabei aber auch sehr klar. Ich sagte ihr bei der ersten Untersuchung, dass es sicher nichts Schlimmes sei. Doch sie entgegnete sofort: „Doch, das ist was Schlimmes!“. Ich wiederholte meine Meinung, dass es das nicht sei. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass - egal - was es ist, alles o.k. sein würde. Sie machte eine Biopsie, und wir mussten einige Tage auf das Ergebnis warten.

Es kam der Tag der Laborbefunde. Meine Mama begleitete mich, und das bedeutete mir sehr viel. Ich war immer noch optimistisch und befürchtete nichts Dramatisches. So traf mich die Diagnose unerwartet. Es sollten die rechte Brust amputiert und Lymphknoten entnommen werden.

Ob eine Chemotherapie und eine anschließende Bestrahlung notwendig seien, würde man nach der OP entscheiden.

Mein Kreislauf fuhr in den Keller. Ich musste mich hinlegen. Ein starkes Gefühl vermittelte mir, dass wir meine Brust nicht abnehmen müssten. Ich sagte der Ärztin, dass mein Körper mir mit diesem Schwächeanfall deutlich zeigen würde, dass wir nicht ganz auf dem richtigen Weg wären. Die Onkologin holte meine Mutter dazu und erläuterte ihr die Situation. Dies tat sie sehr liebevoll und einfühlsam. Wir einigten uns, dass sie brusterhaltend operieren würde.

Ich hatte schon so viele Krankheiten und Unfälle und einige unglaublich positive Heilungen erlebt. Scheinbar Unmögliches war möglich geworden. Ich konnte z.B. nach einer halbseitigen Lähmung auch ohne Bandscheiben OP wieder laufen, eine Aspergillus-Vergiftung heilte ohne Medikamente aus, und 30 Jahre nach meinem Unterarmbruch wurde der schiefe Arm nach Faszientherapie wieder gerade.

Dafür hatte ich auch eine wunderbare Basis in meinem Leben.

Mit 16 Jahren lernte ich den Buddhismus Nichiren Daishonins2 kennen. Ich fing an zu chanten3, so nennt man das Rezitieren des Mantras „Nam Myoho Renge Kyo“. Ich werde sicher in diesem Buch hin und wieder buddhistische Texte zitieren und des Öfteren über „Gift in Medizin verwandeln“ schreiben. Auch wie ein buddhistischer Freund es als penetranten Optimismus benennt, wird man hier und da spüren.

Ich möchte betonen, dass es hier nicht um Hokus Pokus geht. Wir alle glauben an irgendetwas. Selbst wenn wir glauben, dass wir nichts glauben, so glauben wir halt, dass wir nichts glauben.

Jede Erkrankung bietet uns eine große Chance, unseren Glauben zu hinterfragen und zu prüfen. Ich nutzte mit der Krebsdiagnose die Chance, meinen Glauben an ein glückliches Leben zu vertiefen.

So viele buddhistische Freunde chanteten mit unerschütterlicher Kraft für meine Genesung. Andere beteten oder sendeten Energie. Ich fasste Mut.

Christopher lud mich spontan für drei Tage nach Paris ein, wo er mit seiner Frau Kyle und einer gemeinsamen Freundin Urlaub machte. Wir verbrachten drei herrliche Tage in der Stadt der Liebe. Es war wie ein Traum. Diese Metropole verzaubert. Aber auch ihre Menschen und dieses fantastische Essen sind très bon! Wir wohnten bei Christophers Schwester. Lola, ihr schwarze Katze, legte sich abends immer zu mir ins Bett. Erstaunlich war, dass sie ihre Pfötchen auf meine rechte Brust und die Lymphknoten legte. Das geschah dreimal in der Zeit.

Es war eine eindrucksvolle Reise, und ich bin unendlich dankbar dafür.

So ging ich optimistisch in die Klinik. Vor der OP musste noch eine Mammographie gemacht werden, um Marker wegen der Verkalkungen zu setzen. Diese sollten mit dem Tumor zusammen entfernt werden.

Schon vor der Untersuchung durfte ich mich wieder im Mutigsein trainieren. Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst, jedoch letzten Endes über seine Ängste zu triumphieren.

Ich lag im Bett auf dem Gang vor dem Untersuchungsraum. Bei der Patientin vor mir schien es Schwierigkeiten zu geben, denn sie schrie. Ich bekam Angst. Doch ich kämpfte dagegen an und sagte mir, dass meine Untersuchung problemlos verlaufen wird.

Ich chantete für die Dame. Der Arzt lief aus dem Zimmer und bemerkte mich. Er klopfte im Vorbeigehen leicht auf meine Schulter und sagte so etwas wie: „Ist ein bisschen schwierig!“

Und wieder überkam mich eine Welle der Angst. Doch ich sagte mir, nein, das wird anders bei mir sein. Es half mir sehr, die Situation so zu betrachten, wie ich es aus Studien des Buddhismus kannte. Die „Negativität“ versuchte hier, sich an meinem Leid zu ergötzen und mich zu quälen. Ich sagte mir innerlich: „NEIN! Das lasse ich nicht zu!“

Eine Frau wurde auf ihrem Bett liegend an mir vorbei geschoben. Sie schaute mich an und sagte: „Keine Angst, ich war davor dran, und es war nicht so schlimm!“

Das beruhigte mich sehr. Ich stellte wieder einmal fest, wie wichtig es ist, sich auf das Positive zu konzentrieren.

Doch auch meine Markierung sollte nicht so einfach werden. Der Arzt wollte schon abbrechen. Er sagte, er würde die Betäubung nicht ins Gewebe bekommen. Ich war aber auf Mut eingestellt und entgegnete ihm mit ruhiger Bestimmtheit, dass er es noch einmal versuchen sollte. Er würde es sicher schaffen. Und ja, zum Glück hat es dann auch funktioniert.

Kurz vor der OP kam meine Chirurgin mit den Bildern der Mammographie zu mir und setzte sich auf mein Bett.

Sie zeigte mir das erste Bild und sagte, dass sie bei dieser Ansicht meinen würde, dass wir es schaffen werden. Bei dem zweiten Bild allerdings würde ihr ganz anders.

Das Feld der Verkalkungen war 6,5x7 cm groß. Das gesamte Gewebe müsste entfernt werden.

Ich nahm ihre Hand und sagte, dass sie sich überhaupt keine Sorgen machen müsste, da so viele Menschen für uns chanten, beten und Energie senden. Es würde ganz sicher alles gut verlaufen. Sie antwortete mit den Worten: „Ihr Wort in Gottes…“, dann lachte sie und änderte den Satz: „…in Buddhas Ohr!“

Was für einen hohen Lebenszustand ich in diesem Moment verspürte! Ich war wirklich absolut ruhig und klar.

Eine „LMAA“-Tablette lehnte ich ab, denn ich hatte den Wunsch, dem gesamten OP-Team bei vollem Bewusstsein CDs von meinem letzten Musical „APONIS Verwandlung“ zu schenken.

Ich leite den gemeinnützigen Verein „namu Art for Life Network e.V.“4. Seit 2005 mache ich mit allen Mitwirkenden Musical- und Gesangsaufführungen für schwer kranke Kinder in Krankenhäusern und Hospizen. Dafür schreibe und komponiere ich Geschichten mit Musik und arbeite viele Stunden mit Peter Gasper im Tonstudio.

APONI ist eine kleine dicke Raupe, die so gerne fliegen möchte. Doch sie ist klein und sie ist dick und hat zum Fliegen kein Geschick. So viel sei verraten: sie erfährt eine wundervolle Verwandlung.

So hatte ich mir wohl auch vorgestellt, dass meine Brust hinterher vielleicht schöner aussehen würde als zuvor. Ein lieber Freund äußerte scherzhaft den gleichen Gedanken. Er war die gesamte Zeit an meiner Seite, wenngleich auch alle Kontakte nur per Handy stattfinden konnten.

Die heutigen technischen Möglichkeiten waren für mich ein Segen und eine große Unterstützung. Mich auf die Dankbarkeit darüber zu konzentrieren, war allemal besser, als Zweifel aufkommen zu lassen.

Im OP-Saal waren alle unglaublich herzlich und mitfühlend.

Nach dem Eingriff kam die Chirurgin zu mir. Sie sagte, dass sie es kaum glauben könne. Sie habe tatsächlich geschafft, meine Brust zu erhalten. Und so blieb ich optimistisch, was die Pathologie und das Aussehen meiner Brust anbelangte.

Ich fand immer wieder kleine Glücksboten in meinem Krankenzimmer. Am ersten Tag war da, im kühlen März, ein gelber Marienkäfer. Ich setzte ihn raus, da die trockene Heizungsluft sicherlich nicht so gut für ihn war. Am folgenden Tag war wieder ein Glückskäfer an der Scheibe. Dieser war rot. Nach der OP war ich nicht fit genug, um auch ihn an die frische Luft zu setzen. Doch tags darauf konnte auch er in die Freiheit. Am selben Tag tauchten dann noch zwei Käferchen auf und auch diese durften durch das Fenster hinaus. Am vorletzten Tag meines Aufenthaltes entdeckte ich wieder zwei Marienkäfer, und abermals öffnete ich ihnen den Weg in die Natur.

Am Nachmittag kam dann eine Schwester in mein Zimmer und brachte mir ein Päckchen. Es war von Sarah, einem lieben Teammitglied unseres Vereins.

Sie hat selbst schon viel erlebt und weiß, wie herausfordernd so ein Krankenhausaufenthalt sein kann. Dann noch zu Corona-Zeiten. Kein Besuch. Alleine. Da war ich über die kleinen Glückskäfer und dieses Päckchen sehr erfreut. Als ich die Überraschung öffnete, fand ich unter einer Karte und selbstgebastelten Geschenken eine Tüte „Schokoladen-Marienkäfer“! Ich lachte herzlich.

Am nächsten Morgen kam meine Ärztin zu mir und sagte, sie hätte gute und schlechte Nachrichten.

Das Gute war, dass diese Art von Tumor nicht die Haut befiel und meine Entscheidung, brusterhaltend zu operieren, somit richtig gewesen war. Die schlechte Nachricht war, dass trotzdem das gesamte Brustdrüsengewebe noch entfernt werden müsste, da laut Pathologie am Operationsrand noch veränderte Zellen nachzuweisen gewesen waren. Man bezeichnet dies als R1 Resektion. Doch zuvor würde ich 24mal Chemotherapie und nach der zweiten OP 28mal Bestrahlung erhalten. Dann, einige Zeit später, könnte man mit Eigengewebe einen Wiederaufbau anstreben.

Diese Diagnose und ihre Konsequenzen zogen mir den Boden unter den Füßen weg. Ich wollte auf gar keinen Fall eine Chemotherapie machen. Doch gerade in diesem Punkt war meine Ärztin sehr klar. Daran gab es für sie keinen Weg vorbei. Ich war schockiert. Zu Hause konnte ich nur noch weinen.

Kapitel 2

Chemo? Ja oder nein? Ein unerwartet wundervoller Augenblick

Angst und Panik gepaart mit Hoffnungslosigkeit… so kann ich das Gefühl beschreiben, das ich drei Tage und Nächte lang fühlte. Ich hatte Todesangst vor einer Chemotherapie. Ich zitterte und war komplett verkrampft. Ich versuchte Atemübungen zu machen, um mich etwas zu entspannen.

Am dritten Tag paarte sich das Gefühlschaos mit Wut. Ich chantete wie eine Löwin und forderte von meinem Leben augenblicklichen Schutz. Sofort sollte mir geholfen werden, denn diesen Lebenszustand würde ich nicht länger ertragen. Mit diesen verkrampften und lähmenden Emotionen würde ich meinem Körper nur noch mehr schaden.

Wenn man das Lebensgesetz von Ursache und Wirkung schon öfter bewusst wahrgenommen hat, dann ist es nach solch einem kräftigen Daimoku (so nennt man das Wiederholen von Nam Moho Renge Kyo) doch nicht ganz unerwartet, dass sich alles in Bewegung setzt.

An diesem Tag geschah das in Form von Telefonanrufen. Vier meiner buddhistischen Freunde riefen mich nacheinander an. Ein Gespräch war ermutigender als das andere. Yoshi, der selbst gerade eine Krebsbehandlung erfuhr, ermutigte mich, unbedingt zu siegen. Ich hätte noch eine Aufgabe. Er sagte mit kräftiger und einfühlsamer Stimme: „Una, du bist stark und Daimoku ist stärker als die Angst!“

Noch zwei weitere Anrufe waren extrem bewegend. Sabine, die auch Ärztin ist und viele Krebspatienten und Krebspatientinnen behandelt, sagte zu mir: „Una, das kannst du besser!“.

Am Abend spürte ich Entspannung, neue Kraft und die Entschlossenheit, egal was auch passieren würde, auf jeden Fall zu siegen. „Ich werde gesünder denn je und ICH entscheide was passiert!“

Der Tag des Verbandswechsels stand an. Ich würde zum ersten Mal sehen, wie die Brust ausschaute. Tja, das mit der schönen Verwandlung… war so nichts. Dreiviertel der Brust sah sehr gut aus, aber ein Viertel fehlte. Ehrlich gesagt, sah es schlimmer aus als ich es mir vorgestellt hatte. Doch war das nicht egal? Es sollte ja eh noch das restliche Brustdrüsengewebe entnommen werden.

Doch zu allererst einmal das Wichtigste. Chemotherapie: ja oder nein? Ich wusste nur eines. Ich musste mir 100% klar darüber sein, ob ich sie machen wollte oder nicht. Das sagte ich auch meiner Ärztin. 99% würden mir nicht ausreichen. Ich musste es schaffen, 100% klar und entschlossen zu sein, ansonsten würde ich die Chemo nicht machen. Es war mir klar, dass mir diese Therapie mit einer falschen Einstellung mehr schaden als nützen würde.

Es vergingen bange Tage mit viel Grübeln und ich chantete intensiv. Ich bekam sehr viele, extrem unterschiedliche Meinungen, von: „Auf jeden Fall machst du das!“, bis hin zu: „Auf gar keinen Fall machst du das! Ich will dich nicht verlieren!“. Dass wir uns gerade mitten in einer weltweiten Pandemie befanden, machte die Situation nicht leichter.

Wegen meines Immundefektes und der Herzvorerkrankung gab es berechtigte Zweifel, ob diese Therapie mir vielleicht mehr schaden als nützen würde.

Ich hatte viele Berater, und alle wollten nur das Beste für mich. Doch mir wurde zunehmend klar, dass ich diese Entscheidung ganz alleine treffen musste. Ab einem gewissen Punkt ließ ich mich ganz und gar ins Vertrauen fallen, dass die ersehnte Klarheit beim nächsten Arztgespräch einfach da sein würde.

Der Tag kam schneller als gewollt. Und auf einmal war es da, das Gefühl der klaren Entschlossenheit. Es ging nicht darum, ob ich die Chemo machte oder nicht, sondern nur darum, ob ich daran glauben konnte, dass ich gesund werden würde. Und das wollte ich zu 100%. „Ich werde es machen, und es wird gut! Ich werde die Erfahrung von Yoshi wiederholen oder sogar toppen.“

Yoshi hatte schon einige Chemotherapien hinter sich, doch seine Kraft und Lebensfreude hatten dadurch noch eher zugenommen. Wenn er mir immer erzählte, wie ausgesprochen gut es ihm ging, hatte ich fast die Vermutung, dass er das nur tat, damit er mich im Glauben nicht entmutigte.

Yoshi chantete seit seiner Jugend und kam vor vielen Jahren aus Japan nach Deutschland, um hier von dem Buddhismus zu erzählen. Er ermutigte schon so viele Menschen, ihr Leben zu meistern.

Er bat mich, an das Unerklärliche zu glauben. Egal, wie ich mich entscheiden würde, er wäre an meiner Seite. Meine liebe Freundin Gesine bestärkte mich eindringlich, die Chemo zu machen. Diese Therapie sei wichtig. Mein Glaube würde mir da durchhelfen. Sie ist Chefärztin der Kardiologie und hatte durch ihre vielen Erfahrungen vielleicht einen klareren Blick.

Als ich das Sprechzimmer meiner Onkologin betrat, schaute sie mich fast aufgeregt und fragend an. „Und? Was machen wir?“ Ich antwortete nur: „Darf ich dann im Sommer nicht in die Sonne?“

„Dann machen wir es? Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen, liebe Frau Gonschorr!“ Sie hatte wahrlich mitgefiebert, wie ich mich entscheiden würde. Das war ein gutes Gefühl und gab mir noch ein Stück weit mehr Sicherheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Dann erklärte sie mir das Procedere. Ich musste einen Port implantieren lassen. Über diesen würde die Chemo in meinen Körper gelangen. Wenngleich auch jeder Eingriff ein gewisses Risiko mit sich bringt, so ist dieser dank Propofol kein großes Thema. Und am Ende aller Behandlungen wird er ja wieder herausgenommen.