Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
In diesem Büchlein beschreibt der Hamburger Flegel, unglaubliche, heute kaum noch vorstellbare und witzige Episoden aus seinem Leben, die nicht in Vergessenheit geraten sollten.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 108
Veröffentlichungsjahr: 2019
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig (oder auch nicht)
Von Klopfer (G. Lampe)
Hauptdarsteller, oder härterer Kern. (Namen willkürlich aufgeführt):
Baby
Fred
Hatschi
Toni
Winni
Jockel (Der Würger)
Quitten Arno
Volker
Schlicki
Klopfer
Walter
Charly und Bruder
Knolle
Schwager
Forken Erwin
Michel
Fritz
Neger Eddy
Sander
Peter
Ralf
Schluppi
Norbert
Atsche
Bubi
Fußpilz Dieter
Gockel
Klaus
Pit
Gerdi
Werner
Buggy
Behni
Brandos
Menne
Klaus R.
Nebendarsteller:
Günter
Hoffman
Bauer Martens
Abbruch Rudi
Bodo
Ede
Manfred M.
Walter R.
Mützen Hubert
Klaus Martin
Pele
Uwe
Rolli
Willi
Zigeuner Otto
Dicken Menne
Die nicht Aufgeführten mögen entschuldigen, da mir momentan keine Namen mehr einfallen, und ich weiß, dass ich Namen und Geschichten vergessen habe.
Die Anfänge
Rahlstedter Gesellschaftshaus:
Das Rahlstedter Gesellschaftshaus war eine Kneipe an der Rahlstedter Straße in Hamburg, und direkt daneben war ein Tanzlokal mit dem Namen „Tina Lou“. Es war recht praktisch, denn man musste nur ein paar Schritte gehen, um vom einen in den anderen Laden zu wechseln. Otto hieß der Wirt im Gesellschaftshaus, und es fing eigentlich alles ganz harmlos an. Otto trug ein großes Tablett aus der Küche, mit Frikadellen, Koteletts und halben Hähnchen usw. darauf, um es am Tresen in die Kühlung zu stellen. Da es ein bisschen eng war, trug er es über seinem Kopf, aber als er es runternahm, war das ganze Tablett leer, und alle, die am Tresen saßen, kauten und grinsten ihn nur an. Oder er ging mal nach hinten in die Küche, dann nahm man sich schon mal eine Flasche aus dem Regal und schenkte sich was ein, bevor er wiederkam. Fred aß gerne Kartoffelsalat, aber wenn ihm dieser nicht schmeckte, was öfters vorkam, schmiss er ihn samt Teller in den sich drehenden Ventilator, dass Salatstücke gemischt mit Porzellanstücken durch die ganze Kneipe flogen. Aber es hielt sich alles in Grenzen. Nebenan im „Tina Lou“ war Fred M. der Geschäftsführer und es war so, dass am Wochenende Walter, Fred, Forken-Erwin usw. dort kellnerten und Live-Bands dort spielten.
Wenn die Musik mal nicht nach unserem Geschmack war, wurde einfach das Kabel gekappt, damit sie nicht mehr weiterspielen konnten.
Außerdem war der Geschäftsführer ein bisschen auf uns angewiesen, da wir bestimmten, wer und ob überhaupt jemand kellnern durfte.
Ab und zu fand auch ein Sängerwettstreit statt, bei dem Klaus und Knolle mitmachten. Klaus sang Lieder von Chuck Berry und Knolle trat als Screaming Lord Sutch auf. Er wurde mit einem Sarg auf die Bühne getragen und trug ein kurzes Tigerfell, dabei hatte er immer Unterhosen seiner Tante an (Knolle und Charly wohnten bei der Tante). Da die Unterhosen nie richtig passten, hing ihm immer ein Ei aus der Unterhose, was für großes Gejohle sorgte.
An einem Wochenende kam Knolle wieder als Screaming Lord Sutch aus seinem Sarg herausgestiegen, sang und ging kurz hinter die Bühne. Als er wieder die Bühne betrat, hatte er einen Kuhschädel mit Hörnern in seinen Händen und tobte damit über die Bühne. Forken-Erwin, der etwas ländlich hinter Stapelfeld wohnte, hatte ihm den besorgt und wir fanden es natürlich toll. Aber als wir die nächsten Tage dort waren, roch es irgendwie komisch und es fing immer mehr an zu stinken. Knolle hatte den Kuhkopf einfach hinter die Bühne geschmissen. Es war nun ein Gewimmel und Gewusel, der Kopf war voller Maden und stank bestialisch. Der Laden blieb eine Woche geschlossen, weil der Gestank nicht rausging.
Übrigens: Charly hatte einen dreibeinigen Hund und einen schwarzen Raben, der auf seiner Schulter saß und sein weißes Gewand vollschiss. Er wohnte später auf einem Boot, und rauchte gern mal eine, und wenn er bei sich eine Feier hatte, schoss er gern seine Wandlampen ab. Charly sagte irgendwann: „In diesem Leben arbeite ich nicht mehr“ – und das schaffte er auch.
Sein Bruder Knolle war später Ansager im „Eve“ auf dem Kiez, das in einem Hinterhof lag und einer der ersten Läden war (wenn nicht sogar der allererste), wo unter anderem Live-Acts auf der Bühne gezeigt wurden, und vieles andere mehr. Wenn man den Laden betrat wurde man von ihm durch das Mikrofon namentlich begrüßt, dass sich alle umdrehten, und es war immer sehr viel los. Ganz vorne am Schnüffelbalken wurden sogar immer einige Rollstuhlfahrer rangeschoben.
Freitags war nebenbei noch Wannentag, so dass Baby öfters auf die Bühne ging, um sich abseifen zu lassen.
Weil es auf der Bühne immer heftiger zuging, wurde der Laden aber von der Behörde zugemacht.
Nachdem man das „Eve“ schließen musste, war Knolle im „Joschiwara“, das direkt neben dem „Salambo“ lag.
Ganz vorne konnte man Schwarzweißfilme gucken und weiter hinten gab es Farbfilme, und dann gab es noch einen mit Bärenfellen ausgelegten Keller. Knolle und seine Freundin arbeiteten da und es wurden viele, hauptsächlich angetrunkene Gäste in den Keller gelockt, wo sie abgezockt wurden. Wenn die Gäste unten im Keller waren, stand der Kellner neben dem Gast, schlug mit einem Stock in seine offene Hand und sagte drohend: „Du willst doch bestimmt eine Flasche Sekt bestellen!“ Aus Angst taten es auch die meisten und hatten eine ziemlich dicke Rechnung.
Nachdem es immer mehr Anzeigen hagelte, kamen wir auf die Idee, es genauso anzumalen wie nebenan das „Salambo“ (nämlich in Zebrastreifenmuster).
Wenn jetzt die geprellten Gäste, die eine Anzeige machten, die meisten taten es nicht, weil es ihnen peinlich war, mit der Polizei davorstanden, wussten sie nicht mehr genau, wo sie reingegangen waren.
Und wenn Knolle mit seinem langen Ledermantel zum Einkaufen an der Wursttheke stand, machte es ihm überhaupt nichts aus, sich ein Nasenloch zuzuhalten und kräftig auf den Boden zu schnäuzen, dass die anderen Leute aufpassen mussten, nicht in den grünen, schleimigen Haufen zu treten.
Als er später bei seiner Tante mal ausgezogen war, wohnte er in Billstedt in einem Hochhaus. Tierhaltung war nicht erlaubt, aber er hatte drei kleinere und einen größeren Hund. Weil er keinen Ärger bekommen wollte, packte er die vier Hunde, wenn er wegging, in zwei größere Koffer und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten. Wenn Leute dann im Fahrstuhl zustiegen und sagten: „Hallo, wollen Sie wieder verreisen?“, sagte er: „Nur ein kleiner Ausflug.“ Er kam ja abends wieder und fuhr mit den Koffern wieder nach oben. So lange konnte er es auch nicht mehr verbergen, weil die Hunde auch mal Laut gaben. Also bekam er die Kündigung und wohnte wieder bei seiner Tante.
Wir wollten eines morgens zu viert, Baby, Charly, Knolle und ich, zu ihnen nach Hause und gingen die Oldenfelder Straße entlang, und Charly sagte auf einmal: „Da kommt unsere Tante, die will zur Arbeit fahren.“
Da sie nicht wollte, dass die beiden schon am frühen Morgen Leute mit nach Hause brachten, sagte er: „Pass auf, wir gehen alle ganz dicht hintereinander, das merkt sie nicht, die kann schlecht gucken.“
Ich vorneweg, gingen wir im Gleichschritt zu viert dicht hintereinander auf der anderen Straßenseite an der Tante vorbei, die nur kurz rüber guckte und nichts bemerkte.
Nun will ich nicht so weit abschweifen, also kehren wir zum Rahlstedter Gesellschaftshaus zurück.
Nachdem Otto sich genug über uns geärgert hatte und ihm noch jemand seine brennende Zigarre in den Mund schob, hörte er auf.
Horst und Elke waren die neuen Pächter. Mit den beiden kam man sehr gut aus und es war alles normal. Dann zogen die beiden aus familiären Gründen weg und danach kam ein Wirt mit dem Namen „Baby“. Nicht unser Baby von der Liste.
Nach kurzer Zeit hatten wir ein neues Motto, es hieß „Nacht der langen Messer“: Wir trafen uns am Freitag ab mittags in der Kneipe und gingen am Sonntagabend erst wieder raus. Das passte dem Wirt natürlich überhaupt nicht, und irgendwann Samstagnacht hielt er einen Revolver in der Hand und wollte uns damit rausjagen. Wir überwältigten ihn kurzerhand und fesselten ihn mit einem Abschleppseil an einem Heizkörper. Danach legte sich erst einmal jeder auf den Tresen unter den Zapfhahn und ließ sich Bier in den Mund laufen. Es gab schon leichte Rangeleien zwischen uns, weil keiner es abwarten konnte, wieder als Nächster dranzukommen.
Jedenfalls machte es mehr Spaß, als sich einfach eine Flasche aus dem Regal zu nehmen. Genau deshalb fesselten wir ihn ab und zu, ohne einen Anlass dafür zu haben.
Zu dieser Zeit quartierten Baby und ich uns in der Kneipe ein (das Gesellschaftshaus hatte oben noch Zimmer). Da der Wirt erst gegen Mittag kam, gingen wir schon morgens in die Kneipe. Von unserem Zimmer aus konnten wir im Treppenhaus nach unten gehen, dort befand sich eine Außentür, für die wir einen Schlüssel hatten, und zur anderen Seite konnte man die Kneipe betreten, die ja noch geschlossen hatte, sodass wir ganz alleine da waren. Aus Langeweile haben wir einmal die Lampenschalen sauber gemacht, Löcher reingebohrt und die Schalen mit Rotwein gefüllt. Wir setzten uns darunter, und es tropfte uns von oben in den Mund. So warteten wir in der Kneipe, bis der Wirt und die ersten Verrückten wieder eintrafen.
Der Wirt hatte auch einen sogenannten Koch, der kleine Sachen zum Essen zubereitete. Da wir dort wohnten, sagten wir öfters, er soll uns was zum Essen machen. Aber als wir eines Tages zu ihm in die Küche gingen, um Bescheid zu sagen, dass er uns etwas brutzeln sollte, stand dieser direkt neben dem Herd und pinkelte dort in die Ecke. Es gab ordentlich Haue von uns, denn wer weiß, was der die ganze Zeit mit unserem Essen gemacht hatte.
Dann gingen wir nach nebenan ins „Tina“, dort gab es eine Garderobe, wo man eine Nummer bekam, wenn man seine Jacke, den Mantel usw. abgab. Wir nahmen uns einfach die Rolle und gingen wieder zurück. Wir wollten unsere Zimmer stundenweise vermieten und jedem eine Nummer von der Rolle abreißen, der für das Zimmer bezahlte.
Gute Idee, aber es lief nicht so an, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Da keiner bezahlte, alle nur anschreiben ließen, gab der Wirt schließlich auf.
Als Nächster kam Udo O. Man muss sich das etwa so vorstellen, dass bei der Eröffnung alles neu und blitzblank aussah. Es waren weiße Tischdeckchen auf den Tischen, auf denen kleine Blumenvasen mit Blümchen standen, wirklich nett, aber als einem von uns versehentlich die Zigarettenasche auf das weiße Deckchen fiel, regte er sich furchtbar darüber auf. Etwa 14 Tage später hatte sich das Blatt etwas gewendet. Die Deckchen waren verschwunden, und so langsam übernahmen wir wieder alles.
Es verging noch eine Woche, dann war es so weit, dass Udo unrasiert hinter dem Tresen stand mit seinen geweiteten Augen. Wir hatten ihn mit Tabletten versorgt, Preludin, Captagon und Pervitin (Pervitin haben im Krieg die Piloten genommen, damit sie nicht einschlafen – wenn man von den Tabletten welche einnahm, konnte man mehrere Tage durchmachen, ohne zu schlafen). Udo bekam von uns Tabletten, und wir schenkten ihm immer einen ein und konnten sonst machen, was wir wollten.
Udo war glücklich und wir auch. Seine Frau kam einmal in die Kneipe und wollte Udo wohl bekehren. Aber er lächelte nur und sagte, er fühle sich pudelwohl, holte aus und haute ihr mit der Faust eins aufs Auge. (Sie ließ sich daraufhin scheiden.) Einmal kam sogar die Gesundheitsbehörde in die Kneipe und er bekam Auflagen, die er erfüllen musste, weil es alles nicht mehr so sauber war.
Dann kamen die nächsten Wirte und es lief immer gleich ab. Wir schlossen Wetten ab, wie lange der neue Wirt es aushalten würde. Manche blieben zwei Monate, andere einen Monat, und einer hat schon nach einer Woche aufgehört.
Nebenan im „Tina“ lief es auch nicht viel anders, man nahm sich einfach was zu trinken und bezahlte nicht.
Es gab auch noch das „Western Story“, der Besitzer hieß Egon und ich kam sehr gut mit ihm aus. Wenn Egon nicht da war, stand Paul D. hinter dem Tresen, und wenn es zur vorgerückten Zeit leerer wurde und er dachte, er wäre unbeobachtet, nahm er sein Glasauge raus, putzte es und tat es wieder rein. Michael und Forken-Erwin kellnerten auch da. Im „Western“ hatten Hatschi und ich ein Versteck in einer Sitzbank. Etwas Hasch und Tabletten, die wir auch verkauften (ab und zu auch mal selber probierten). Da wir oft auf dem Kiez waren, belieferten wir auch einige Nutten. Einmal, als wir auch Geld brauchten und keine Ware mehr hatten, gingen wir in die Apotheke und kauften Tabletten, die genauso aussahen. Es waren aber Durchfalltabletten, und nachdem wir unser Geld hatten, sind wir erst mal abgehauen und haben uns nicht mehr blicken lassen.
Als wir nach etwa fünf Wochen wieder hinfuhren, hatte sich der anfängliche Ärger gelegt und man schmunzelte darüber.
Fred hat für Egon öfters Geld eingetrieben, und ich war auch mal mit. Egon wollte immer, dass er mit seinem Mercedes-Sportwagen fuhr, aber Fred wollte unbedingt mit seinem Opel fahren. Schließlich fuhren wir mit einem Revolver im Handschuhfach nach Neumünster. Dort angekommen fuhren wir zwei Lokale an, nahmen gefüllte Briefumschläge ohne Schwierigkeiten entgegen und machten uns an die Rückfahrt Es war, glaube ich, die B75 oder 404, und es war überall stockdunkel, keine einzige Laterne.
