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Unzertrennliche Freunde, Gottfried und Hans-Peter, erleben eine glückliche Kindheit in Tübingen. Sie verwandeln in ihrer Fantasie die Stadt in ihr Land: Das Tierland. Sie regieren dieses Spielland als Oberlohräte zwischen 1957 und 1965. Im Coronajahr 2020 kommen wichtige Dokumente aus dem Tierland zum Vorschein: Zeitungen, Tagebücher, Akten, Landkarten, Bücher. Gottfried erzählt in 93 Briefgeschichten seinen Enkeln von dieser wunderbaren Welt. Erlebnisse in Familie, Schule und Stadt spiegeln sich in den Ereignissen im Tierland, ebenso das Zeitgeschehen der Nachkriegszeit. Mit originellen Gedanken, bunter Kreativität, Humor und Lebensfreude sind die Freunde unterwegs auf ihrem Weg ins Jugend- und Erwachsenenalter und erinnern sich bis heute gegenseitig gerne an diese für sie so wichtige Zeit.
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Seitenzahl: 354
Veröffentlichungsjahr: 2022
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They want to have a good story about their life. And this is what people really want.
Daniel Kahnemann
Sie wollen eine gute Erzählung von ihrem Leben. Und das ist es, was Menschen wirklich wollen.
Daniel Kahnemann
Inhaltsverzeichnis
Der Schatz im Keller
Das Blinkerle
Eine wunderbare Freundschaft und der Anfang des Tierlandes
Zank und Streit zwischen Menk und Tier
Die Lohräte
Spiel mit Worten
Kleine Menschen und ganz groß
Die Tiere gratulieren ihrem früheren Oberlohrad
Wie spielt man Tierland im Haus?
Die grüne Kommode
Regierungsgebäude I und II
Alles fährt nach Fahrplan
Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam
Die Wand muss weg!
Expedition zum Vogelsee
Seppels Tod
Die Insel im Keller
Zweimal dasselbe
Eifersucht
Die Petwinpalme
Das Institut zur Erforschung des Tierlandes
Der Fluss Sai – die Wasserader des Tierlandes
Das Tierland macht Urlaub
Unterwegs im Tierland
Peinlich
Vergiftete Schokolade
Landkarten
Wo das Salz wächst
Wie aus der Petwin die Glücklichen Inseln wurden
Mein Name ist Hase
Die Gayk-Wäldchen
Wir konnten nicht aus unserer Menschenhaut schlüpfen
Streng und gerecht – das Tierländische Gesetzbuch
Das Wahrzeichen von Nepten
Die Urgeschichte
Unsere Sprache Tierländisch.
Märchen und Wahrheit
Die goldene Kugel
Glatteis – der unsichtbare Tod
Das Telephonieren geht so …
König Babar
Die Wahl auf dem Dachboden
Unfallanzeigen vorrätig in der Tübinger Chronik
Eilbus verunglückt bei der Avinsula
Feinkost Armbruster
Der Weg zwischen Bärenhaupt und Bärenarmbrust
Fremdsprache und Lottogewinn
Neuland
Musik im Hause Mohr
Saumäßig schlechter Gesang
Der Siebenschnauzer
Die ältesten Zeitungen der Tierwelt
Die Mohren mit und ohne Locken
Geld regiert die Tierwelt
Über den guten Geschmack
Die schauerlichen Zwerge
Das Wunderland der Tiere und die Wirklichkeit des Menschenlebens
Grenzenlose Bosheit
Die Tierländische Schrift und der menkische Geheimdienst
Seit wann schreibt man Tier mit Th?
Die Windmühle
Weitere Rechtschreibprobleme und die eh-Schreibung
Gutstriche und Schlechtstriche
Die rettende Idee
Wie fromm sind Tierländerinnen und und Tierländer?
Gottfried in der falschen Kirche
Krieg und klirrende Kälte
Die Rolle der Eltern
Professor Andreas Flitbähr
Strafzettel
Die Scheibe klirrt, Gottfried zittert. Hoffentlich ist er versichert.
„Schau dir die Kirche mal von außen an!“
Elisabeth Schäfer – die erste Bürgermeisterin im Tierland
Von der Spielstraße zur Stadtautobahn
Vom Adler bis zum Z.
Spuren des Tierlands in Tübingen
Das Ende des THIERLÄNDISCHEN GERNERALANZEIGERS
Das tierländische Wirtschaftswunder
Kein Spielraum!
Thierländische Außenpolitik
Ein Sommermorgen im Schönbuch
Aktion GEPU
Ein Schneeball auf Pfarrers Brille
Ein geschwänzter Gottesdienst und eine selbstgebastelte Kanzel
Das Weihnachtsfest aller Thiere und die Entdeckung der Musik
Das Tierland kämpft ums Überleben
Der Orgel geht die Puste aus
Rast und Ruh
In der Komponistenwerkstatt
So etwas soll nicht mehr vorkommen!
Derselbe Wunsch auf zwei Wunschzettfeln
Es weihnachtsmannt alles
Das Tierland geht sang- und klanglos zu Ende
Nachwort
Inhaltsverzeichnis
Tübingen, den 28. März 2020
Liebe Enkel,
Opa bleibt zuhause. Das muss sein wegen Corona. Gut, dass wir telefonieren können und uns von Garten zu Garten zuwinken. Man muss Abstand halten und kann nicht mehr gemütlich zusammensitzen. Dabei hätte ich Euch was zu erzählen. Wenn es nicht in gemütlicher Runde sein kann, so geht es vielleicht in Briefen. Ja, das will ich tun: Ich will euch eine Fortsetzungsgeschichte erzählen. Mir macht es Spaß, diese Geschichte zu erzählen, denn sie handelt von mir. Opas erzählen gerne von sich selbst. Die Geschichte erzählt von der Zeit, als ich Kind war. Das ist lange her. Die Geschichte beginnt aber in der Gegenwart. Vor wenigen Tagen gab es einen sensationellen Fund.
Mein Schwager Friedemann in München hat in seinem Keller einen Schatz entdeckt. Natürlich war er in einer rätselhaften, alten Schachtel versteckt. Er öffnete die Schachtel und fand lauter Zettel. Die meisten waren mit der Hand geschrieben, einige mit Schreibmaschine. Alle waren überschrieben mit: TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN. Sie stammen aus den Jahren 1961, 1962 und 1963, sind also ungefähr 60 Jahre alt. Bei einigen Zetteln stand in der rechten oberen Ecke ganz klein mit Bleistift: „Elisabeth“. Elisabeth ist meine Schwester, Friedemanns Frau, die leider schon gestorben ist.
Friedemann wusste sofort: Dieser Fund hat mit Gotfried zu tun und schickte mir die vielen Zetel nach Tübingen. Ich war überrascht und überglücklich: Das sind Elisabeths Exemplare der TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN. Jetzt bekomme ich sie wieder geschenkt: Zeitungen aus einem fernen, verborgenen, längst vergessenen Land, dem Tierland. Was steht in diesen Zeitungen? Wo war dieses Land?
Der Inhalt der Schatzkiste: Zeitungen aus dem Tierland
Tübingen, den 29. März 2020
Ihr Lieben,
heute geht es um drei Reisen: eine quer durch Deutschtand, eine zurück in meine Kindheit und eine ins rätselhafte Tiertand.
Mein siebter Geburtstag war ein ganz besonderer Tag. Wir feierten ihn am 3. April 1957 in unserer Wohnung in Kiel im Schwanenweg 10: meine Mutter, meine älteren Geschwister Elisabeth, Andreas und Bernhard und Großmutter. Nur mein Vater fehlte. Mein Vater war weit weg in Tübingen. Kiel liegt ganz im Norden von Deutschland und Tübingen im Süden. Er schaute sich dort eine neue Arbeitsstelle an. Nach vielen Gesprächen wusste er: Ich nehme den Ruf an und werde Professor für Germanistik in Tübingen.
„Jetzt muss ich diese Neuigkeit ganz schnell meiner Familie erzählen, vor allem Gottfried, dem Geburtstagskind“, dachte er. Ihr hättet jetzt euer Smartphone aus der Tasche gezogen, eine Nachricht geschrieben oder angerufen. Das aber gab es damals noch nicht. Telefon gab es schon, aber wir hatten keines. Deshalb ging mein Vater zur Stadtpost und sagte zu der Frau am Schalter: „Ich will ein Telegramm aufgeben.“ Die Frau gab ihm ein Blatt Papier. Er schrieb seine Botschaft: auf und verwendete ganz wenige Wörter. Telegramme musste man nach der Anzahl der Wörter bezahlen, jedes Wort war teuer. Dann gab er den Zettel der Frau am Schalter und bezahlte. Während er weiter durch Tübingen schlenderte, tippte die Frau die Botschaft: in eine Maschine. Über elektrische Leitungen flog sie nach Kiel und kam dort auf dem Postamt als Fernschreiben an. Die Frau am Schalter klebte die Botschaft: auf ein Formular, rief dem Telegrammbrieft:räger zu: „Nimm dein Fahrrad und fahre zum Schwanenweg 10 zu Gottfried Mohr und gib dort das Telegramm ab.“
Es klingelte im Schwanenweg an der Haustür. Elisabeth öffnete und rief: „Ein Telegramm für Gottfried!“ Stolz öffnete ich den Umschlag und ... halt! ... lesen konnte ich noch nicht, ich war ja noch nicht in der Schule ... meine Mutter las mir vor: „GRUSS AUS DER NEUEN HEIMAT TÜBINGEN. DEIN VATER.“
Meine Geschwister jubelten. Ich verstand die rätselhafte Botschaft nicht. Mutter erklärte mir, was das heißt: neue Heimat Tübingen. Da wusste ich: Wir ziehen um, weg vom Schwanenweg mit dem riesigen Garten, weg von Kiel mit der Förde und den Linienschiffen der weißen und blauen Linie. Mir wurde klar, dass dies mein letzter Geburtstag in Kiel war. Und Tübingen – ich wusste nur, dass es sehr weit weg ist, tausend Kilometer mindestens. Ich war unglücklich und musste weinen.
In den Sommerferien kamen zwei Möbelwagen mit Anhänger der Firma Walter und Söhne aus Tübingen. Auf der Fahrertür war ein ovales Bild: Tübingen – die Neckarfront mit Hölderlinturm und Stiftskirche. Die Lastwagen brachten Sack und Pack nach Tübingen. Die anderen fuhren mit der Eisenbahn. Großmuter und ich fuhren extra. Wir sollten uns Zeit lassen, damit wir beim Umzug nicht im Wege stehen. In Tübingen trafen wir uns alle wieder.
Kurz vor Schulbeginn meldeten mich meine Eltern in der Schule an. Sie nahmen mich an der Hand und gingen mit mir den neuen Schulweg von der Mörikestraße in die Münzgasse gleich bei der Stiftskirche. Dort war die Melanchthonschule. Mein Vater sagte: „Pass gut auf, Gotfried, wie der Weg geht. Du musst ihn bald alleine finden.“ Wir gingen die Mörikestraße hinunter bis zur ersten großen Kreuzung. Dort mussten wir rechts abbiegen. Wo rechts und links ist, merkte ich mir so: rechts ist da, wo ich in der Ellenbogenbeuge das Mutermahl habe. Nach der Abbiegung kam eine gefährliche Kreuzung. Deshalb blinkte in der Mite über der Kreuzung ein gelbes Blinklicht. „Merke dir das Blinkerle“, sagte mein Vater. Er konnte schon schwäbisch schwätzen. Weiter ging es geradeaus bis zum Ammerbrückle, dann links die Lange Gasse hinauf bis zur Stiftskirche.
Der Direktor, Herrn Zwirner, erwartete uns. Ich fand ihn von der ersten Minute an nett. Meine Eltern sagten ihm, dass es für ihren Gottfried nicht leicht wird mit dem unbekannten Schulweg. Da hatte Herr Zwirner eine Idee: „Ich schaue mal, ob es in der 2. Klasse Mitschüler gibt, die in derselben Gegend wohnen wir Sie.“ Er schaute in die Liste und rief gleich erfreut: „Ja, die Braun-Zwillinge, der Hans-Peter und die Annerose, die wohnen in der Sigwartstraße 13. Die werden dem Gottfried helfen.“ Er wird sich dabei gedacht haben: Die helfen gerne, es sind ja Pfarrerskinder!
Beim Mittagessen saß die ganze Familie zusammen: Elisabeth, Andreas und Bernhard, Großmutter, Mutter, Vater und ich. Vater erzählte von dem Besuch bei dem netten Herrn Zwirner. Zuerst aber beschrieb er noch einmal den Schulweg:
„Also, Gottfried, du gehst bergab bis zur ersten Kreuzung, dann rechts.“
„Rechts ist da, wo der Leberfleck ist“, dachte ich.
„Dann am Blinkerle vorbei“, sagte mein Vater weiter.
„Du musst dir einfach besondere Punkte merken“, meinte Elisabeth.
„Gute Idee“, sagte Großmutter, „zum Beispiel: du gehst geradeaus, wo der schwarze Hund am Laternenpfahl angebunden ist.“
„Und du biegst links ab“, meinte mein Vater, „wo die Frau mit dem Kinderwagen steht.“ Alle lachten. Ich brauchte eine Weile bis ich merkte, was daran so komisch war.
Die Kreuzung mit dem Blinkerle ist die Kreuzung Hölderlin-straße/Gmelinstraße, wo heute der Kupferbau steht. Das Blinkerle gibt es nicht mehr. Vielleicht aber ist der schwarze Hund noch immer dort am Laternenpfahl angebunden.
Tübingen, den 30. März 2020
Liebe Homeshoolingkinder,
was homeschooling ist, haben wir alle vor einem Monat noch nicht gewusst. Jetzt seid Ihr die Zuhause-Schule schon gewohnt. Ich nehme Euch heute mit in die Melanchthonschule an meinem ersten Schultag in Tübingen.
Ich betrat das Schulhaus mit ziternden Knien. Mein Lehrer, Herr May, erwartete mich und führte mich ins Klassenzimmer. Alle Kinder der zweiten Klasse starrten mich an. Herr May sagte: „Gotfried soll sich neben eines von den Braun-Zwillingen, HansPeter oder Annerose, setzen!“ Annerose streckte sofort den Arm in die Höhe. Ich hätte mich lieber zu Hans-Peter in die Bank gesetzt, nicht neben ein Mädchen. Aber Annerose hat sich in den ersten Tübinger Schulwochen fürsorglich um mich gekümmert; und Hans-Peter wurde nur wenige Tage später mein Freund, und zwar so ein Freund, wie ich lange gemeint habe, dass es nur einen einzigen im Leben gibt. Und obwohl ich später noch mehr Freunde gefunden habe, erzählen diese Briefe auch die Geschichte einer ganz besonderen und wunderbaren Freundschaft, die bis heute lebt.
Wir wohnten in der Mörikestraße 24. Acht tupfengleiche Holzhäuser standen da in einer Reihe. Unseres war das oberste. „Wohnschrank“ nannten es meine Brüder spötisch. Wir bewohnten das ganze Haus vom Dach bis zum Keller: Unter dem Dach wohnte Elisabeth, im ersten Stock haten Muter und Vater Schlaf- und Arbeitszimmer, daneben war das Kinderzimmer der beiden Kleinen: Bernhard und Gotfried. Im Erdgeschoss waren Wohnzimmer, Küche und Bad. Andreas hate sein Reich im Keller mit eigenem Klo, das er mit vielen Spinnen teilen musste.
Von diesem Lebensmitelpunkt aus habe ich die Welt entdeckt. Die kleine Welt im Haus und die weite Welt draußen auf der Straße, auf der man damals noch Federball spielen konnte. Aber zu dieser Welt um mich herum habe ich mir auch noch eine eigene Spielwelt erfunden: das Bärenland. Greifbar war diese Welt in zahlreichen Spielzeugfiguren, lauter Bären aus Holz, Porzellan oder Stoff, für die ich Häuser, Gärten und Burgen baute. Diesen Bären gab ich auch ihre Lebensgeschichten. Sie lebten mit mir zusammen und erlebten im Spiel, was mir in der Wirklichkeit passierte und was ich mir erträumte. Das Bärenland war mein Heimatland in meiner blühenden Fantasie.
Anders war es mit Hans-Peter. Er war kein Bär. Er war mein Freund. Wir trafen uns an jedem Vormitag in der Schule. Wir trafen uns jeden Nachmitag außer Sonntags von viertel nach drei bis viertel nach sechs entweder bei ihm in der Sigwartstraße oder bei mir in der Mörikestraße. Wir erfanden eine Geheimsprache für die Uhrzeit. Drei Uhr hieß „Düse“ und sechs Uhr hieß „Düsa“. Noch heute, wenn ich um 15.15 Uhr auf die Uhr schaue, denke ich: „Es ist viertel nach Düse.“
Schon bald spielen wir zusammen Bärenland. Unsere Wohnungen wurden zu zwei Städten. Das Kinderzimmer in der Mörike-straße war die Hauptstadt: Bärenhaupt. Das Kinderzimmer in der Sigwartstraße war die Stadt . ? Wir überlegten einen Namen: Soll sie Bärenpeter heißen oder Bärenbraun? Beides fanden wir blöd. Da fiel uns ein, dass es ja eine Stadt in Deutschland gibt, die Braunschweig heißt. So bekam Hans-Peters Wohnung den Ortsnamen: Bärenschweig. Wichtige Plätze in unserer Umgebung verwandelten sich in Städte und Dörfer, deren Namen alle mit Bären... anfingen. Bärenarmbrust war in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Familie Armbruster hatte dort ihren Kolonialwarenladen. Ich spielte oft mit den Töchtern Susanne und Ursula. Auf halbem Weg zwischen Bärenhaupt und Bären-schweig plätscherte am Rand des Stadtfriedhofes ein kleiner Brunnen. Der Ort hieß Bärenbrünnele. Gegenüber von Hans-Peter wohnte Ulrich Hermann, ein weiter Spielkamerad von uns. Vor der Einfahrt zu seinem Haus stand ein gemauerter Pfahl, der dem Ort den Namen gab: Bärenpfahl.
Wenn aber zwei gleich dickköpfige Jungen miteinander spielen, kann es nicht sein, dass der eine das Spiel vom andern einfach nur mitspielt. Es muss ein neues Spiel erfunden werden. So wurde aus dem Bärenland das Tierland. Die Gründungsgeschichte des Tierlandes erzählt, dass in grauer Vorzeit die Bären des Bärenlandes sich mit allen anderen Tieren zu einem gemeinsamen Tierland vereinigt haben, weil die Menschen sie bedrohten. Übrigens: Menschen hießen auf tierländisch Menken und ihr feindliches Land heißt Menkenland.
Hans-Peter und ich lebten im Alter von sieben bis vierzehn im Tierland. Das war unser Land, unsere Traumwelt und die andere Hälfte unseres Lebens. Im Tierland gab es alles, was es in einem richtigen Land auch gibt: Häuser, Autos, Eisenbahnen, Flüsse und das Tiermeer. Es gab brave Tiere und wilde Tiere, es gab hohe Tiere, die was zu bestimmen hatten, und Arbeitstiere, die die Kutschen zogen. Es gab Läden, Kirchen und einen Galgen. Durch das Tierland floss ein großer Fluss, wie der Neckar durch Tübingen. Er hieß die Sai. Bärenschweig und Bärenpfahl lagen an den Ufern der Sai. Ohne Fantasie allerdings sieht man den breiten Fluss nicht, stattdessen nur den fließenden Autoverkehr.
Ein Zeitung hatte das Tierland nicht von Anfang an. Als Siebenjährige waren wir noch nicht fit genug im Lesen und Schreiben. Aber nach unserem 11. Geburtstag wurden die TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN geboren. Die ersten Nummern vom 18. April bis zum 25. April 1961 hat Hans-Peter geschrieben. Hans-Peter musste sich ziemlich anstrengen. Bei den ersten sechs Ausgaben ist vier Mal das Datum falsch, und die Ausgabe vom 25. April ist nur noch ein kleines Zettelchen. Da kam Ulrich Hermann aus Bärenpfahl zu Hilfe. Er wurde der Redakteur der Zeitung. Von seiner Hand geschrieben finden sich über 150 Aus -gaben in meiner Erinnerungsschachtel. Die Zeitungen möchte ich euch in den nächsten Briefgeschichten zu lesen geben. Mir kommen dabei viele Erinnerungen, Hans-Peter geht es genauso. Wir telefonieren dauernd.
Mörikestraße 24 (Bärenhaupt) und Sigwartstraße 13 (Bären-schweig)
Tübingen, den 31. März 2020
Ihr Lieben,
Für die Zuhause-Schule habe ich heute morgen eine tolle Matheaufgabe im Radio gehört: „Was kommt bei drei mal sieben raus?“ Antwort: „Ganz feiner Sand!“ Wer hätte das gedacht?
Was kommt beim Zuhause-Lernen raus? Manche sagen: Nicht so viel, wie man in der Schule lernt. Mag sein, nicht so viel -aber dafür was anderes. Für manche ist das andauernde Zuhausebleiben ganz schön nervig. Wenn ich genervt bin, verziehe ich mich ins Tierland. Kommt Ihr mit? Wir lesen miteinander die ersten Nummern der TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN:
Dienstag, den 18. 4. 61 TL TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN
Die Krise in Riesenstang hat sich verstärkt!
Die Verstärkung der Krise in Riesenstang hat einen mächtigen Aufschwung genommen. Die Menken holen aus einem bisher unbekannten Lager immer wieder neue Streitkräfte so werden allmählich die Riesenstanger zurückgedrängt. Bärenhaupt und Bären-schweig haben ein großes Heer dorthin zur Verstärkung geschickt. Man hofft die Menken aus Tierland vertreiben zu können.
• SOLIST auf der Flöte / Hans-Peter Braun / im Regierungsgebäude
Mittwoch, den 18. 4. 1961 TL TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN
Menkisches Geheimlager entdeckt!
Das Geheimlager der Menken ist dadurch entdeckt worden, daß sich ein unerfahrener Soldat auf die tierische Seite verirrt hatte. Er gab das Geheimlager an um wieder befreit zu werden. Einen halben Kilometer von Riesenstang entfernt liegt – Bärenschirm. Dort ist das unterirdische menkische Geheimlager. Man hat es sofort erobert. Dadurch werden die Menken bald aus Tierland vertrieben sein.
Donnerstag, 19. April 1961 TL TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN
Die Menken haben Friedensvertrag unterschrieben
Der Riesenstanger Bürgermeister bot den Menken einen Friedensvertrag an. Die Menken unterschrieben sofort. Riesenstang ist nun wieder vereinigt. Die Menken sagten sie wollten uns in allen Fällen helfen. Da sich dieses zugetragen hat sind alle Tiere herzlich eingeladen (heute!) nach Riesenstang
• Student mit Namen Miky Maus sucht Zimmer in Bärenschweig
• CELLIST Gottfried Sebastian Mohr im Regierungsgebäude Nr. 2
Freitag, 20. 4. 61 TL TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN
Heute stellte man fest, daß die Menken, das innere Riesenstangs gar nicht besetzen wollten sondern nur den Riesenstangern mit der Dornenhecke zum Schutz verhelfen. Es sind auf menkisch gesagt „Tierschützer“. Weil dort viele, viele Angriffe gewagt worden waren stellten sie sich ein. Als die Menken an der Stadtmauer bauten zogen alle Riesenstanger aus. Man versuchte sie einzuladen aber die Tiere sahen es als Verlockung an. Die Tore der Menken waren weit geöffnet und ohne Wache. Eines Tages griff das Tierländische Heer ein. Da mußten die Menken eine Gegenwehr finden und haben sich das Geheimlager gebaut. Ein Menke ging ins tierische Lager und versuchte den tierischen Soldaten klarzumachen, daß sie Tierschützer sind. Keiner glaubte es ihm. Aber nun ist doch alles so gut gegangen, daß diese kleine Gruppe menkischer Tierschützer zu ihrem Ziel und Zweck kam.
• Bei der Zählung von Autos mit Kerzenantrieb war das „Resultat“ genau 999 Autos
Eigentlich sind Menschen tierlieb, Kinder sowieso. Auf unserer Terrasse frühstücken die Vögel im Vogelhaus. Das Eichhörnchen versteckt eine Walnuss. Kater Mio streift: durch das Gras und schaut, was die Mäuse machen. In meiner Kindheit war mein vierbeiniger Freund der Dackel Seppel, der Familienhund von Familie Braun.
Hans-Peter und ich lebten mit den Tieren zusammen im Tierland. Meine Geschwister spielten manchmal mit. Unsere Eltern lebten nicht im Tierland. Sie hielten sich da raus. Die Welt des Tierlandes gehörten den Kindern, und das war gut so. Aber so wie es zwischen Kindern und Eltern Konflikte gibt, so gab es Streit zwischen dem Tierland und dem Menkenland. Die Stadt Riesenstang war die größte Stadt Tierlands. Sie lag nahe bei Bä-renschweig hinter der Neuen Aula, dem Hauptgebäude der Universität. Zwei riesig hohe Straßenlampen beleuchteten dort die Bushaltestelle und tun es bis heute. Von diesem Wahrzeichen bekam die Stadt ihren Namen.
Der Krieg zwischen Menkenland und Tierland war – welch ein Glück! – ein Irrtum. Die bösen Menken waren in Wirklichkeit hilfsbereite Tierschützer. Solche Erfahrungen machten wir damals auch in unserem Kinderleben. Es gab Streit mit den Menken, Streit mit Eltern und Geschwistern. Streit war manchmal richtig schlimm, aber er löste sich immer wieder überraschend zum Guten auf.
Die Menken haben damals wirklich die Stadtmauer von Riesen-stang zerstört. Es gab nämlich hinter der Neuen Aula am Gehweg der Hölderlinstraße eine schöne, hohe Mauer. Wenn ich mit meiner Mutter in die Stadt ging, durft:e ich dort „Mäuerchen laufen“, zuerst an der Hand später ganz alleine. Die Straße wurde verbreitert, die Mauer wurde abgerissen und durch eine Hecke ersetzt.
Wenn Hans-Peter und ich uns heute über die Zeitungsartikel von damals unterhalten, dann erinnern wir uns oft an die Ereignisse, die hinter der Zeitungsmeldung stehen. Es sind Ereignisse aus unserem Familienleben, Ereignisse aus dem Stadtgeschehen Tübingens und Ereignisse aus der Weltpolitik. Unsere Erinnerungen ergänzen sich: Manchmal fällt Hans-Peter etwas ein. „Das weiß ich nicht mehr“, sage ich. Manchmal fällt mir etwas ein. „Das weiß ich nicht mehr“, sagt Hans-Peter.
Bei der ersten Ausgabe der TIERLÄNDISCHEN ZEITUNG steht hinter dem Datum die Abkürzung TL. Ab der nächsten Ausgabe steht da BS/BP. TL heißt Tierland, BS Bärenschweig, BP Bärenpfahl. Wenn man eine Zeitung mit der Hand schreibt, muss man mit Buchstaben sparen. Deshalb liebten wir Abkürzungen. Jede tierländische Stadt hate eine Abkürzung. Sie war gleichzeitig das Autokennzeichen. Praktisch, was!
Die erste Ausgabe der TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN
Tübingen, den 1. April 2020
Ihr Lieben,
kein Aprilscherz: Eine weitere Schachtet ist aufgetaucht. Sie stand gestern vor meiner Tür mit folgendem Begleitbrief:
„An Oberlohrad a. D. Gottfried Mohr (bei Behrenschum) Absender: Oberlohrad a. D. Hans-Peter Braun (Menkenland, Bühl)
Geheimdokumente zur historischen Auswertung!!!“
Ein neuer sensationeller Fund: nicht nur weitere Exemplare der TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN, sondern auch Akten aus den Tierländischen Ministerien, Landkarten des Tierlandes, Bücher aus dem Tierländischen NORIS-Verlag.
Hans-Peter und ich, wir waren zwei Menschenkinder unter den Tieren. Was war unsere Rolle? Natürlich waren wir die Chefs. Wir waren die Lohräte. Lohrat ist die Bezeichnung des höchsten tierländischen Amtes. Lohrad ist die Abkürzung für: Landes-OberHauptRegierungsAmtsDirektor. Es gab auch den Titel Luhrat(d): LandesUnterHauptRegierungsAmtsDirektor.
Drei Lohräte bildeten die Regierung des Tierlandes: Es waren dies Hans-Peter Braun, Gottfried Mohr und ... Der dritte Lohrad war zunächst Petz, ein himmelblauer, fast lebensgroßer Stoffbär. Als Familie Braun den Dackel Seppel bekam, war es klar, dass das einzige lebendige Tier, das in unseren Familien lebte, das dritte Lohradsamt bekommen muss: Lohrat Seppel Langschnauz. Später wurden Andreas Mohr und Ulrich Hermann zu Lohräten gekrönt. Lohräte und Luhräte bildeten das Kabinett: Hans-Peter war Wirtschaftsminister, ich Finanzminister, Andreas Verkehrsminister.
Wie man Lohrat richtig schreibt, ist ein Rätsel. Von der Abkürzung her gesehen müsste man LOHRAD mit h in der Mitte und d am Schluss schreiben. Oft aber schrieb man aber ein t am Schluss, weil man Regierungsrat ja auch nicht mit d schreibt. Die Mehrzahl Lohräte schrieb man immer mit t, weil Lohräde doof klingt. Also: Das Durcheinander war die Regel und wird auch in diesen Briefgeschichten konsequent angewendet! Weil man Lohrad und Luhrad leicht verwechseln kann, hat sich eingebürgert, von Oberlohräten und Unterlohräten zu sprechen.
Eine Zeit lang war mein älterer Bruder Bernhard Unterlohrad. Das kommt mir wie ein Witz vor: Ich der Boss und er der Untergebene. Bernhard war nicht nur der Ältere, er war auch der Stärkere und wir teilten ein Zimmer. Da kam es zu gewaltigen Balgereien, bei denen ich immer den Kürzeren zog. Zu helfen wusste ich mir nur durch einen Trick: Wenn meine Niederlage unabwendbar war, riss ich mir die Brille vom Gesicht. Dann erschrak Bernhard, so meinte ich wenigstens, weil er befürchtete, die Brille könnte kaputt gehen, und gleichzeitig kam Mutter angerannt mit der Drohung: „Ich hau euch beide windelweich!“ Sie hat die Drohung nie wahr gemacht, aber sie hat gewirkt.
Es gab auch Zeiten, in denen Bernhard und ich friedlich miteinander gespielt haben. Am 29. Mai 1961 lesen wir in den TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN: In Bärenhaupt wurde von demUnterlorat B. Mohr eine neue Kleinburg und ein Turm zur Wasserversorgung gestiftet. Am 3. Juni 61 lesen wir: In Bärenhaupt wurde eine neue Fabrik gebaut. Es werden dort Dampfmaschinen mit Turbinen hergestellt. Diese geniale Idee stammt von Unterlorat B. Mohr, der sich nun auch als Erfinder beschäftigt. Dass ich der Chef über meinen Bruder war, das galt nicht in der Familie, nur im Tierland. Das war überhaupt das Gute am Tierland: In diesem Land war ich nicht der Kleine, sondern kam ganz groß raus, war nicht still und schüchtern, sondern hatte was zu sagen.
Wie regieren Oberlohräte? Wie alle Politiker auf der Welt. Sie halten Sitzungen. Die Zeitung berichtet davon:
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 29. 5. 1961
Sitzung der Loräte in Bärenhaupt
Im Tierland wurde mit anderem Maß gemessen als bei den Menschen. Wenn ein Mensch einen Kilometer läuft, dann ist das für eine Maus viel weiter. Eine Maus hat schon nach 200 Metern das Gefühl, einen Kilometer gelaufen zu sein. Deshalb ist ein Tierkilometer 200 Menkenmeter lang. Genauso ist es mit der Zeit. Man sagt: Ein Menschenjahr sind sieben Hundejahre. Im Blick auf die Vielfalt der Tiere haben wir entschieden, dass die Zeit für Tiere doppelt so schnell vergeht. Ein Menkentag sind zwei Tiertage, ein Menkenjahr zwei Tierjahre und so weiter.
Oberlohrad Seppel Langschnauz und Oberlohrad Hans-Peter Braun reden miteinander auf Augenhöhe
Tübingen, den 2. April 2020
Liebe Enkel,
kluge Menschen wissen, dass es auch kluge Tiere gibt: schlaue Füchse, weise Eulen, listige Schlangen. Dumme Menschen meinen, dass es dumme Esel gibt. Im Tierland gab es nur schlaue Tiere. Alle konnten lesen, zum Beispiel die TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN:
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP den 26. 4. 61
Neue 100 Vögel vom Menkenland eingetroffen
Auf der Oase Avinsula sind 100 neue Vögel vom Menkenland eingezogen, weil im Menkenland ihre Nester zerstört worden sind. Auf der Avinsula werden deshalb die Loräte, S. Langschnauz, G. Mohr und H. P. Braun eintreffen um die neuen Gäste zu begrüßen.
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 27. 4. 61
Ein Wahl von Menken schwer VERLETZT
Im Süden des Tiermeeres wurde ein schwer verletzter Blauwahl gefunden. Wahrscheinlich ist er von den Menken angeschossen worden. Er schwamm bewußtlos auf dem Meer. Ein tierisches Dampfschiff mit100 Passagieren entdeckte den zu Tode getroffenen Wahl. Der Kapitän nahm jenen ins Schlepptau und im nächsten Hafen transportierte man ihn ins Krankenhaus. Er wurde obwohl es schon 22.30 Uhr war auf der Stelle untersucht. Man gab dem gerade aufgewachten Leidenden eine gut wirkende Schlaftablette. Tatsächlich entdeckte man mehrere Einschüsse. Der Arzt operierte sofort. Die Operation verlief erfolgreich. Man hofft den Wal wieder zu Kräften zu bringen. Wenn er gesund ist, zieht seine, sofort nach dem Auffinden benachrichtigte Familie und er in den Norden des Tiermeeres. Im südlichen Teil des Meeres aber wurden Wachen aufgestellt.
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 28. 4. 61
Musikwoche in Bärenschweig von Montag – Mittwoch
In Bärenschweig wird gerade die Bühne für die Vorführungen der Bärenschweiger Musikwoche aufgebaut. Sei werden auf dem Marktplatz von Petwin stattfinden. Es werden voraussichtlich viele Tiere auch aus weiterer Umgebung diesen Vorführungen zuhören wollen. Die Gruppe zieht am nächsten Donnerstag nach Bärenhaupt weiter um dieselbe Musikwoche dort zu halten. Die Aufführungen stehen unter dem Thema: „Tierische Musik für alle!“ Die Leitung steht unter Herrn Brumbär.
• Man plant die Tierl. Nachrichten von 5 auf 10 Pf zu erhöhen. Bitte schreiben Sie Ihre Meinung an die Redaktion. (BS)
Katzen sagen: miau, Hunde: wau, Vögel: pip, Kühe: muh, Frösche: quak, Fische sagen gar nichts. Wie war das im Tierland? Wie konnte ein Elefant mit einer Giraffe reden, ein Affe mit einem Bär? Die TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN erschienen in deutscher Sprache. Das verstanden alle Tiere von der Mücke bis zum Elefant. Trotzdem gab es tierländische Wörter. Das waren zunächst die Ortsnamen. Ortsnamen zu erfinden, machte Spaß. Wisst ihr noch, warum Bärenschweig Bärenschweig hieß? Oft bekamen Orte wegen irgendeiner merkwürdigen Besonderheit ihren Namen: Riesenstang wegen den überlangen Straßenlaternen, Bärendachrinne wegen einer Dachrinne, aus der bei Regen ein Wasserfall sprudelte, Bärengerste, weil dort Familie Gerstenberg wohnte. Der beste Ortsname war für uns der, über den wir am längsten lachen konnten.
Das meistgebrauchte tierländische Wort war: Menke. Das besondere Verhältnis Menk und Tier war ein Dauerthema im Tierland. Wir mussten aufpassen, dass wir in der Schule nicht mal aus Versehen Menke sagten, wenn wir Mensch sagen wollten.
Im Gymnasium lernten wir fremde Sprachen. Hans-Peter lernte Lateinisch, ich lernte Englisch. Dieses neu erlernte Wissen ließen wir gerne in unsere Tierlandfantasien einfließen. Vogel heißt auf lateinisch Avis, Insel heißt Insula. So entstand der Ortsname für die Neckarinsel: Avinsula, die Vogelinsel. Vogel heißt auf Englisch bird. Der Hauptbahnhof bekam den Namen: Birden. Vom Hauptbahnhof fahren die Züge nach Stuttgart, Horb und Sigmaringen. So ist es in echt. Im Tierland verwandelten sich die Eisenbahnen in Verkehrsflugzeuge. Der Tübinger Hauptbahnhof war logischerweise der Flughafen. Die Stadt hieß Birden, weil Flugzeuge dort wie die Vögel abfliegen. Wir fuhren Ballonroller oder Fahrrad. Das waren in der tierländischen Wirklichkeit abwechselnd Eisenbahnen, Schnellbusse oder unsere Staatskarossen. Im Tierland erfüllten wir uns den Kindertraum und wurden Lokomotivführer und Busfahrer.
Ein paar Jahre später habe ich dann auch Latein gelernt. Meine Vorkenntnisse aus dem Tierland haben mir da nicht viel geholfen. In den Klassenarbeiten habe ich lauter Fünfen geschrieben; und der strenge Herr Rieber, unser Lateinlehrer, hat mir mehr Angst eingejagt als Freude an der fremden Sprache geweckt.
Begeistert haben uns altertümliche Wörter. Die haben wir gerne für unser Tierland übernommen. Deshalb war die Bezeichnung der tierländischen Währung: Taler und Kreuzer. Diese Spinnerei nahm zu, je älter wir wurden. In späterer Zeit bekamen die TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN den altmodischen Namen: TIERLÄNDISCHER GENERALANZEIGER.
Tübingen, den 3. April 2020
Ihr Lieben,
heute ist mein 70. Geburtstag. Vor 60 Jahren war mein 10. Geburtstag. Von dem will ich heute erzählen:
An meinem zehnten Geburtstag habe mir vorgenommen: „Gotfried, vergiss nie, dass du an diesem Tag so glücklich warst wie noch nie.“ Dabei erinnere ich mich nicht an tolle Geschenke, die gab’s sicher auch, auch nicht an leckere Kuchen, die gab’s sicher auch. Ich erinnere mich daran, wie ich mich gefühlt habe, nämlich groß, richtig groß.
Hans-Peter und ich sind an diesem Tag mit unseren Ballonrollern in die Altstadt gefahren zu unserem Lieblingsfahrradgeschäft: Fahrrad Vetter in der Hirschgasse. Wir haben uns vom eigenen Geld Katzenaugen gekauft, die man an die Schutzbleche schrauben konnte und die dann bunt in der Sonne funkelten. Der Fahrradhändler zwickte mit einer Zange die Löcher in die Schutzbleche und wir haben sie angeschraubt. Das konnten wir. Wir waren ja jetzt groß: 10 Jahre alt.
So viele Dinge konnten wir selbständig machen. Wir konnten allein in die Stadt fahren und ganz Tübingen entdecken. Wir konnten unsere Roller reparieren und zur Staatskarosse aufmotzen. Wir hatten unsere Freundschaft. Zu zweit waren wir unbesiegbar. Wir konnten über jede Kleinigkeit lachen und wenn wir lachten, konnten wir nicht mehr aufhören. Unsere Fantasie kannte keine Grenzen. Zum Beispiel, wenn wir uns Namen für tierländische Orte ausdachten. Der tierländische Ort auf dem Tübinger Marktplatz beim Neptunbrunnen hieß Nepten. Die Stadt Mausen war dort, wo das Haushaltswarengeschäft Dinkel bis heute ist. Dort konnte man Mausefallen kaufen. Wir waren ganz schön verrückt. Andere sagten: Jetzt spinnen die wieder.
Für meinen Roller habe ich zum Geburtstag eine Vorderbremse bekommen, die vom Fachmann eingebaut wurde. Auf einer der ersten Fahrten wollte ich Hans-Peter zeigen, wie gut die Bremse funktioniert. Ich sauste das Ammerbrückle runter und machte kurz vor der Treppe eine Vollbremsung mit der Vorderbremse. Der Roller bäumte sich auf. Ich machte einen Kopfsprung über die Lenkstange und landete auf dem Asphalt. Hans-Peter schaute mich an mit einem vom Entsetzen entstellten Gesicht. Ich war beeindruckt von so viel Mitgefühl und sagte mir: „Jetzt darfst du nicht heulen, das verkraftet der nicht!“ So habe ich tapfer die Schmerzen ertragen und mit Hans-Peter den Unfallhergang aufs Kleinste rekonstruiert. Das machten wir immer so. Und ich hab ihm auch gesagt, wie toll ich sein vom Mitleid entstelltes Gesicht gefunden habe. „Ach was, Mitleid!“, sagte Hans-Peter, „dein Sturz sah so komisch aus. Ich habe mir mit aller Gewalt das Lachen verkneifen müssen.“ Kann man einem Freund böse sein, der so ehrlich ist?
Aber zurück zu meinem Glücksgefühl am 10. Geburtstag. Ich glaube dieses Gefühl ist typisch für Zehnjährige. Zehnjährige sind besondere Kinder. Sie sind Alleskönner. Sie rennen wie der Blitz. Sie fahren Roller wie der Teufel. Sie entdecken das Ammertal, das Neckartal, den Schönbuch – alles auf eigene Faust. Sie schrauben auseinander, was vor ihre Schraubenzieher gerät. Für ihre geschickten Finger ist keine Bastelarbeit zu kompliziert. Sie können Lesen, Schreiben und Rechnen, können alles beschreiben und alles berechnen. Sie wissen, wo es für zehn Pfennig die besten Brausestäbchen zu kaufen gibt. Vieles, was ihnen früher ein Rätsel war, können sie jetzt verstehen und die noch verbleibenden Rätsel lösen sie bis übermorgen. Sie lassen sich keine Bären mehr aufbinden, keine Osterhasen und keine Weihnachtsmänner.
So fühlten wir uns, Hans-Peter und ich. Wir waren die Größten: Landesoberhauptregierungsamtsdirektoren. Das Tierland wuchs und blühte unter unserer Regierung. Davon erzählt die Entdeckung des neuen Erdteils: Paludien. Wir haben uns mit unseren Rollern über die Stadtgrenze Tübingens hinaus gewagt ins Ammertal Richtung Unterjesingen. Ganz allein, ohne Erwachsene, ohne Menken!
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 2. 5. 61
Auf Tierlandsonderfahrt neuen Erdteil entdeckt
Die Tierlandsonderfahrt ist unter der Führung von den Lohraten H.P. Braun und G. Mohr und von den UnterLohraten B. Mohr und U. Hermann sehr schön gewesen. Kurz hinter der Westgrenze entdeckten jene einen neuen Erdteil, der versumpft erst noch aufgeschlossen werden muß. Er trägt noch keinen Namen. Die Aufschlussarbeiten sind schon begonnen worden.
Der Sportbericht
Im gestrigen Fußballspiel, wo der UnterLohrat B. Mohr gegen der UnterLohrat U. Hermann spielte, siegte G. Mohr mit 3 Toren. Eine Menkin war im Tor. Das Spiel wurde auf der Brunsstraße ausgetragen.
Wer’s glaubt, wird selig! Dass ich irgendwann einmal im Fußball ein Tor geschossen haben soll, ist eine tierländische Zeitungsente.
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 4. 5. 61
Im BS – Institut neuer Untersuchungsapparadt erfunden!
Im Bärenschweiger Institut wurde nach langjähriger Arbeit endlich ein neuer Untersuchungsapparat erfunden. Der Apparat hat die Ausmaße eines Menk. Autos. An der Oberfläche ist eine Öffnung, wo man hineinsehen kann. So sieht man einen Gegenstand z. B. einHaar, das auf das andere Ende gelegt worden ist, vergrößert. Der Apparat hat den Namen Mikroskop erhalten.
• Der am Samstag entdeckte Erdteil hat inzwischen den Namen Paludien bekommen.
Paludien verdankte seinen Namen Hans-Peters Lateinkenntnissen. Das lateinische Wort Palus heißt Sumpf. Paludien heißt also Sumpfland.
Gottfried, das glückliche Geburtstagskind
Tübingen, den 4. April 2020
Liebe Enkel,
meinen 70. Geburtstag hätte ich gerne anders feiern wollen, nämlich mit Euch. Aber unter Coronabedingungen blieb uns nichts anderes übrig als uns von ferne zuzuwinken. Ihr habt das ja alles miterlebt, aber ich schreibe es trotzdem auf. Ich denke: Wenn Corona vorbei ist, dann wird schnell alles wieder normal sein. Dann werden wir vielleicht vergessen, wie es war, als eine Gefahr in der Luft lag, unsichtbar in anderen Menschen, die uns, ohne es zu wollen, anstecken und krank machen können, schwer krank. Dann werden wir vielleicht vergessen, wie es war, als wir uns vor den Gesichtern, die uns nahe kamen, fürchten mussten, und unsere Gesichter hinter Masken versteckten, eine Zeit, in der das pulsierende Leben zurückgedreht war, wie ein Radio, das im Hintergrund kaum hörbar vor sich hindudelt, wo wir fast nur noch zu Hause waren und nicht wussten, wie lange wir das aushalten. Wir müssen uns einen Knoten in die Erinnerung machen und uns sagen: Das will ich nicht vergessen.
Obwohl ich seit über 50 Jahren nicht mehr in der Politik des Tierlandes aktiv bin, besuchte mich am Vormitag ein Bussard von der Avinsula, setzte sich im gebührenden Coronaabstand auf einen Ast der Eiche vor der Terrasse und überbrachte mir die Glückwünsche der Vogelwelt. Am Abend kam ein würdiger, älterer Kater, Ehrenvorsitzender der TKP (Tierländischen Katzenpartei), und wagte, nachdem er mir höflich gratuliert hatte, Kritik an meinen Geschichten über das Tierland: „Keine einzige Katze kommt in deinen Geschichten vor“, schimpfte er. Ich muss zugeben, der Kater hat recht. Katzen spielten im Tierland keine Rolle. Weder in der Liste sämtlicher Bürgermeister des Tierlandes noch im tierländischen Telefonbuch steht eine Katze. Ich kann mich dafür nicht entschuldigen, es war so. Die Lohräte HansPeter Braun und ich waren keine Katzenfreunde. Lohrat Seppel Langschnauz hatte auch nichts für Katzen übrig. Katzen hatten ihren Platz im Tierland nur im Nachtleben.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem 10. und einem 70. Geburtstag? Am 10. Geburtstag spürst du: Das Leben liegt vor dir und du wirst es schaffen, denn du bist groß, schlau, fit und nicht allein. Am 70. Geburtstag schaust du zurück: 70 Jahre und ein reiches Leben liegen hinter dir. In den vielen Jahren hast du keine einzige so alle Menschen betreffende Krisensituation erleben müssen, wie wir sie jetzt erleben. Du hast 70 Jahre im Frieden gelebt. Welch ein Glück! Welch ein Geschenk!
Gestern Abend ist mir ein sehr altes Foto von meinem Vater in die Hand gekommen: Sein Kinderzimmer in Köln. Mein Vater spielt mit seinem Vater mit der Eisenbahn. Der Vater meines Vaters, mein Großvater, ist 1915 im ersten Weltkrieg gefallen, da war mein Vater acht. Meine Großmutter und mein Vater haben von ihm erzählt, was für ein toller Vater er war und wie gerne er mit seinem Wolfgang gespielt hat.
Nie habe ich meinen Vater die so naheliegende Frage gestellt: „Vater, hast du deinen Vater manchmal vermisst?“ Ich weiß leider nicht, was er geantwortet hätte. Oder doch? Ich stelle mir vor, ich würde eine Geschichte erfinden, in der Gottfried seinen Vater fragt: „Vater, hast du deinen Vater vermisst?“ Und jetzt weiß ich, was er antwortet: „Jeden Tag!“ Und ich sehe, wie er seinen Kopf wegdreht und ich weiß, dass er Tränen in den Augen hat, wie er manches Mal Tränen in den Augen hatte, wenn ihn die wunderbare Musik von Schubert tief berührt hat.
Mein Großvater spielt Eisenbahn. Mein Vater schaut nach den Katzen
Tübingen, den 6. April 2020
Liebe Enkel,
jetzt bin ich 70 Jahre alt und habe 70 Jahre Frieden erleben dürfen. Als ich 10 war, war der schreckliche 2. Weltkrieg gerade mal 15 Jahre vorbei. Meine Kindheit lag in der Nachkriegszeit. Die Erwachsenen sprachen oft über den Krieg und machten sich Sorgen um den zerbrechlichen Frieden. Das hat auch uns beschäftigt. Man merkt es, wenn man die TIERLÄNDISCHEN NACHRICHTEN liest:
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 5. 5. 61
Menken erobern bis zum Tiermeer Tierisches Land
Gestern abend traf die erschreckende Nachricht in Bärenschweig ein, daß die Menken tierisches Land bis zum Tiermeer und sogar beinahe bis zur Avinsula erobert hatten. Der Lohrat H.P. Braun hat sofort Heere zur Front geschickt. Die tierschützenden Menken haben sofort ihre Waffen ergriffen, um gegen ihre eigenen Stammesgenossen zu kämpfen und haben die beiden Regierungsgebäude wieder zurückerobert.
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 6. 5. 61
Menken erobern Vogelsee!
Die Menken haben verbissen um den Vogelsee gekämpft und bekamen es leider fertig, den Vogelsee zu erobern. Dieses schöne Stück Natur hofft man, wird doch hoffentlich nicht immer jetzt den Menken gehören. Tierland ist noch ganz betäubt von dem plötzlichen Schlag. Bei der Eroberung allein sind rund 2000 Tiere vermißt. Die Einwohner des Vogelsees sind ausgewandert. Wegen dieser Freveltat der Menken wurde ein Heer mit 2 000 Hornissen und eines mit 9 000 Elefanten an die Front geschickt. Man hofft dadurch die Menken zur Flucht zu bewegen.
Der Schreckensruf „Krieg!“ gellt wieder in unseren Ohren und durch unser Land. Laßt uns alle hofften, daß der Krieg bald aufhören möchte und wir unsere schönen Landschaften wiederbekommen!
TIERLÄNDISCHE NACHRICHTEN BS/BP, den 8. 5. 61
Führer der Menk. Heere von H.-P. Braun gefangen genommen
Inzwischen wurde ein großes Heer Heuschrecken zu den Menken gesandt um dort eine Heuschreckenplage zu verursachen. Den Unterführern des Menk. Heeres wurde mitgeteilt, daß ihr Anführer gefangen worden sei. Es wurde ihnen weiter mitgeteilt, daß die Heuschreckenplage aufhören werde, wenn sie einwilligen, daß die alten Grenzen wieder aktiv sind und der Vogelsee wieder tierisch ist. Es würde außerdem dann auch ihr Anführer vor dem Galgen bewahrt werden.
Täglich trafen wir uns bei Hans-Peter oder bei mir. Das Zeitfenster war klar: Von viertel nach Düse bis viertel nach Düsa (15.15 Uhr bis 18.15 Uhr). Unsere Wohnungen waren eng. HansPeter lebte im Dachstock in der Sigwartstraße mit zwei weiteren Geschwistern. Die älteren Geschwister waren schon aus dem Haus. Ich wohnte in der Mörikestraße. Das Holzhaus war vom Keller bis zum Dach mit uns vollgestopft. So haben wir für unser Tierland immer neue Plätze zum Spielen im Haus erobern müssen.
Unsere tierländischen Bürgerinnen und Bürger, unterschiedliche Tierfiguren aus Holz, Kunststoff, Porzellan, Stoff oder Ton, brauchten einen Lebensraum. Wir bauten ihnen auf der Tischplatte Häuser, Straßen und Landschaften. Da konnten sie ihren Berufen nachgehen und in ihren Familien glücklich sein. Berufe und Lebensumstände haben wir für jedes Tier ausgedacht. Die Tierwelt auf der Tischplate nannten wir Anlage. Eine tierländische Stadt musste nach unserer Vorstellung unbedingt eine Stadtmauer, ein Stadtor und eine Burg haben. Diese Anlage war also eine Mischung aus Puppenstube und Modelleisenbahn ohne Eisenbahn. Die Tiere hausten in den Häusern und brausten in ihren Autos durch die Straßen.
Die Tiere in Bärenhaupt und Bärenschweig waren greifbare Tierfiguren. Die Tierländerinnen und Tierländer draußen in den weiteren Städten gab es nur in unserer Vorstellung. Wir besuchten sie, wenn wir draußen spielten. Unsere Anlagen im Haus waren so etwas wie eine Nahaufnahme des großen, weiten Tierlandes. Das klingt ziemlich kompliziert, aber es versteht jedes Kind. Kinder können mühelos aus ihrer Playmobilwelt in die Le-gowelt, von ihrer Puppenstubenwelt in die Kaufladenwelt springen und aus all diesen Welten in die echte Wirklichkeit zurückkehren, wenn sie ein Honigbrot brauchen.
Ich stelle euch jetzt zwei Familien, Einwohnerinnen und Einwohner aus Bärenhaupt, vor. Die Figuren stehen noch bei mir im Wohnzimmer. Da gibt es ein Huhn, einen Gockel und ein Küken aus Porzellan. Das ist Familie Gockel. Der Vater Herman ist Bauunternehmer, seine Frau Wilhelmine ist Hausfrau, ihr Kind Wilhelm geht in die Schule. Sie wohnen Neustädterplats 6 in Bärenhaupt. Die andere Familie ist aus Holz geschnitzt, kunstvolle Figuren aus der Schweiz. Das ist Familie Kufleck. Der Vater Paul Kufleck hat einen Milchladen – so was gab’s damals in Tübingen noch. Seine Frau Marianne ist Hausfrau. Sie haben drei Kinder: Fleck, Swarz und Anerose. Die Angaben stammen aus dem Buch der Stadt Bärenhaupt. Die Rechtschreibung ist typisch Gottfried.
Tierland spielen im Haus bedeutete hauptsächlich bauen und basteln. War die Anlage fertig, stand sie meistens im Weg und musste schnell wieder verschwinden. Erwachsene nennen das Aufräumen. So wurden Bärenhaupt und Bärenschweig wieder und wieder aufgebaut und abgebaut und wurden jedes Mal ein bisschen größer und schöner.
Familie Gockel und Familie Kuhfleck aus Bärenhaupt. Auf dem Bild fehlen Herr Paul Kuhfleck und zwei seiner Kinder. Die Figuren sind verloren gegangen.
Tübingen, den 7. April 2020
