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Unsichtbar stark - Leben mit Morbus Basedow, Fibromyalgie und Depression Wie fuehlt es sich an, wenn der eigene Koerper nicht mehr mitmacht und niemand es sieht? In dieser autobiografischen Erzaehlung nimmt die Autorin die Leserinnen und Leser mit auf eine bewegende Reise durch die unsichtbare Welt chronischer Erkrankung. Was als scheinbare Erschoepfung nach der Geburt beginnt, wird zu einem langen Weg voller Schmerzen, innerer Kaempfe und dem Gefuehl, nicht ernst genommen zu werden. Die Diagnosen: Morbus Basedow, Hypoparathyreoidismus, Fibromyalgie - begleitet von Angst und Depression. Aerzte, die nach Laborwerten urteilen, aber nicht fragen, wie es einem wirklich geht. Eine Gesellschaft, die nur sichtbares Leid anerkennt. "Unsichtbar stark" ist ein ehrlicher und kraftvoller Bericht ueber das Nicht-Aufgeben, ueber Rueckschlaege, Hoffnung und den Mut, sich selbst neu zu begegnen. Ein Buch fuer alle, die selbst betroffen sind - oder endlich verstehen wollen, wie es sich anfuehlt, mit unsichtbaren Krankheiten zu leben.
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Seitenzahl: 80
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Für meinen Ehemann, der trotz eigener Krankheit mein Fels geblieben ist – in jeder Nacht, in jedem Zweifel, in jedem Schmerz.
Deine Stärke hat mich getragen, als ich selbst keine mehr hatte.
Für meine Kinder, die mich lieben, auch wenn ich nicht so funktioniere, wie andere Mütter es vielleicht tun.
Ihr seid mein Antrieb, mein Licht, mein Zuhause.
Für meine beste Freundin, die nie aufgehört hat, an mich zu glauben, obwohl sie am anderen Ende der Welt ist.
Deine Worte, dein Dasein, dein Verstehen waren mehr Trost, als ich je sagen konnte.
Für meine Eltern, die immer da waren, auch wenn sie mich nicht immer verstanden.
Eure Liebe war mein leiser Rückhalt.
Und für meinen Chef, der zum Freund wurde.
Danke, dass du zugehört hast, als ich sprach – und auch, als ich schwieg. Dein Vertrauen hat mir ermöglicht, meinen Weg weiterzugehen.
Vorwort
Wer ich war – bevor alles anders wurde
Wenn der Körper flüstert – und niemand zuhört
Isolation im weißen Raum
Diagnose ist nicht gleich Verstehen
Als die nächste Diagnose kam
Der Rückzug und der Absturz
Zwischen Hoffnung und Hilflosigkeit – der Kampf mit den gut gemeinten Ratschlägen
Ein neuer Blick – und der Mut zur Veränderung
Der Weg zu mir selbst – in kleinen Schritten
Zwischen Licht und Schatten – das neue Gleichgewicht
Rückkehr in die Normalität
Zwischen gestern und morgen – Leben mit mir
Brief an mein früheres Ich
Dieses Buch ist kein medizinischer Ratgeber. Es ist auch kein Leitfaden mit klaren Antworten. Es ist mein persönlicher Weg – durch Krankheit, Zweifel, Schmerzen und stille Kämpfe. Ich schreibe nicht, weil ich alles verstanden habe. Ich schreibe, weil ich glaube, dass geteilte Erfahrungen verbinden. Dass Worte heilen können, wenn wir uns darin wiedererkennen. Und weil ich lange Zeit das Gefühl hatte, mit all dem allein zu sein.
Fibromyalgie und Morbus Basedow sind Krankheiten, die man oft nicht sieht. Sie schreien nicht laut – sie flüstern. Und trotzdem können sie das Leben in seinen Grundfesten erschüttern. Dieses Buch erzählt, wie ich lernen musste, auf meinen Körper zu hören. Und auf meine Seele.
Es richtet sich an alle, die sich in einem System verloren fühlen, das schnelle Diagnosen und einfache Lösungen bevorzugt. An alle, die täglich kämpfen – gegen Schmerzen, gegen Zweifel, gegen Vorurteile. Und an die, die lieben, unterstützen, mittragen – auch wenn sie es oft nicht verstehen können.
Vielleicht findest du dich in meinen Zeilen wieder. Vielleicht fühlst du dich weniger allein. Wenn dieses Buch nur einem Menschen Mut macht, war es das Schreiben wert.
Ich habe lange gezögert, bevor ich angefangen habe, meine Geschichte aufzuschreiben. Zu persönlich, zu schmerzhaft, zu nah. Und doch – zu wichtig. Denn was ich in all den Jahren gelernt habe: Es gibt so viele von uns. Menschen, die leiden, ohne dass es jemand sieht. Die durch ihren Alltag gehen, als wäre alles in Ordnung, während im Inneren ein Sturm tobt. Nicht jeder Schmerz ist sichtbar. Nicht jedes Leiden hat ein Gesicht. Und nicht jede Krankheit passt in das Raster, dass unser Gesundheitssystem vorgibt.
Fibromyalgie und Morbus Basedow begleiten mich nun seit vielen Jahren. Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt wusste, was mit mir los ist. Die Ungewissheit, die Arztbesuche, die widersprüchlichen Diagnosen, die Blicke, das Nichternst-genommen-Werden – all das war fast noch zermürbender als die Symptome selbst. Ich fühlte mich wie ein Rätsel, das niemand lösen wollte. Wie ein Fall, den man weiterreicht, weil er nicht ins Schema passt.
Ich erinnere mich an Tage, an denen ich kaum aus dem Bett kam, weil jede Bewegung weh tat. An Nächte, in denen ich wach lag und mich fragte, ob das jetzt mein Leben ist. An die Einsamkeit, die sich breit macht, wenn man ständig erklären muss, warum man „schon wieder“ absagen muss. An das schlechte Gewissen, das wie ein ständiger Schatten über allem liegt. An die stille Hoffnung, dass es vielleicht doch nur Einbildung ist – weil das wenigstens bedeuten würde, dass man Kontrolle zurückgewinnen kann.
Dieses Buch ist mein Versuch, Ordnung in das Chaos zu bringen. Nicht im Sinne von Antworten – sondern im Sinne von Teilen. Von offenem Erzählen. Von dem, was zwischen den medizinischen Begriffen und Statistiken oft verloren geht: der Mensch dahinter. Seine Gedanken, seine Ängste, seine kleinen Siege im Alltag.
Ich schreibe für die, die das Gefühl haben, ständig stark sein zu müssen. Für die, die das Lächeln üben, obwohl ihnen zum Weinen zumute ist. Für die, die gelernt haben, ihre Schmerzen wegzuschweigen, weil sie niemand mehr hören will. Und auch für die, die sich immer wieder fragen: „Bin ich genug, so wie ich bin?“ – obwohl sie schon längst über sich hinausgewachsen sind.
Krankheit verändert. Nicht nur den Körper, sondern auch das eigene Selbstbild, die Beziehungen, die Träume. Ich habe mich oft fremd gefühlt in meinem eigenen Leben. Als würde ich zuschauen, wie jemand anderes mein Drehbuch spielt. Ich musste neu lernen, wer ich bin – jenseits der Rollen, die ich vorher hatte. Jenseits von Funktionieren, Erwartungen und vermeintlicher Normalität.
Und ich habe gelernt, dass Heilung nicht immer bedeutet, dass etwas verschwindet. Manchmal bedeutet Heilung, Frieden zu schließen mit dem, was ist. Sich selbst anzunehmen – auch mit den Brüchen. Sich nicht mehr zu erklären, zu rechtfertigen, zu entschuldigen. Sondern einfach zu sein. Mit allem, was dazugehört.
Es gibt kein Patentrezept für diesen Weg. Jeder geht ihn anders. Und doch verbindet uns etwas – dieses stille Wissen, dass wir mehr sind als unsere Diagnose. Mehr als unsere Schwäche. Mehr als die Blicke, die uns nicht glauben. Wir sind mutig, auch wenn es sich nicht so anfühlt. Wir sind stark, auch wenn wir manchmal zusammenbrechen. Und wir sind nicht allein, auch wenn es sich oft so anfühlt.
Wenn ich eines in dieser Zeit gelernt habe, dann ist es die Kraft der kleinen Gesten. Eine Nachricht, ein ehrliches „Ich glaube dir“, ein verständnisvoller Blick – das alles kann so viel mehr bedeuten als die besten Therapievorschläge. Es ist das Menschliche, das trägt. Die Verbindung. Das Zuhören ohne Urteil. Das Dasein, ohne zu reparieren.
Ich wünsche mir, dass dieses Buch genau das sein kann: ein Raum zum Atmen. Ein Ort, an dem du dich wiederfindest. Vielleicht nur in einem Satz, vielleicht in einem ganzen Kapitel. Vielleicht erkennst du dich nicht in meinen Krankheiten wieder – aber in den Gefühlen, den Fragen, dem Suchen. Und vielleicht schenkt dir das ein kleines bisschen Trost.
Denn darum geht es am Ende: um Menschlichkeit. Um Mitgefühl. Um das Zulassen von Schwäche, ohne den Wert eines Menschen daran zu messen. Um das Aushalten von Unsicherheit, ohne sofort eine Lösung zu brauchen. Und um das Wissen, dass wir alle auf irgendeine Weise auf der Suche sind – nach Verständnis, nach Zugehörigkeit, nach Frieden.
Ich danke dir, dass du dieses Buch in die Hand genommen hast. Dass du bereit bist, mit mir ein Stück Weg zu gehen. Vielleicht ist es kein leichter Weg. Aber vielleicht ist es einer, auf dem wir uns begegnen – ehrlich, verletzlich, verbunden.
Wenn dieses Buch nur einem Menschen das Gefühl gibt, gesehen zu werden, war es das Schreiben wert. Wenn es dir Mut macht, deine eigene Geschichte ernst zu nehmen, dann hat es seinen Sinn erfüllt. Und wenn es dich daran erinnert, dass du nicht allein bist, dann ist es genau das geworden, was ich mir erhofft habe.
Ich war eine Frau voller Energie. Ehefrau, Mutter, Freundin, Kollegin. Ich liebte meinen Beruf, organisierte Familienfeste, lachte viel, stand mitten im Leben. Mein Alltag war oft stressig – aber ich fühlte mich lebendig. Ich war sehr beschäftigt, aber erfüllt. Die Tage vergingen im Flug, und trotzdem schien jede Stunde voll zu sein: voller Aufgaben, voller Begegnungen, voller lebendiger Augenblicke. Ich war nie nur anwesend – ich war präsent. Jeder Tag brachte seine Herausforderungen: Meetings, Kinderbetreuung, Schulaktivitäten, Überraschungsbesuche von Freunden. Und dennoch – ich schöpfte Energie aus dem Strom des Lebens, aus dem Puls dieser permanenten Bewegung. Ich spürte das Leben in meinen Adern. Jede Aufgabe bedeutete Verantwortung, aber auch Sinn. Ich liebte die Rollen, die ich innehatte – Tochter, Ehefrau, Mutter, Freundin, Mitarbeiterin. Ich fühlte mich gebraucht. Und in diesem Gebrauchtwerden wuchs mein Selbstwertgefühl. Ich war jemand, auf den man sich verlassen konnte. Ich plante, ich hielt durch, ich funktionierte. Ich war zuverlässig wie ein Fels in der Brandung. Wenn es stürmte, hielt ich die Stellung. Ich war da – immer, wenn man mich brauchte. Ich liebte diese Rolle; ich mochte die Sicherheit darin, fest in meinen Handlungen verankert zu sein. Ich glaubte, das müsste immer so bleiben. Dass meine Kraft selbstverständlich sei. Ich nahm sie als unumstößlichen Teil von mir an – als wäre Energie ein unendlicher Strom, der niemals versiegt. Ich dachte: „Ich bin stark, ich packe das.“ Ich dachte: „Wer bin ich ohne meine Kraft?“ Und in dieser Überzeugung lag auch etwas Angst – Angst vor dem Verlust, wenn sie einmal schwinden würde.
