Valley - Tal der Wächter - Jonathan Stroud - E-Book

Valley - Tal der Wächter E-Book

Jonathan Stroud

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Beschreibung

Drei verfeindete Häuser, zwei fast furchtlose Helden, ein von Gott vergessenes Tal – und ein unfassbares Geheimnis …

Der junge wagemutige Hall und seine ungestüme Freundin Aud leben in einem weiten, friedlichen Tal, das umgeben ist von tiefen Wäldern und mächtigen Bergen. Doch der freundliche Schein trügt. Das Tal steht nämlich unter einem besonderen Bann: Alle Wege, die aus ihm herausführen, werden bewacht von mächtigen und bedrohlichen Fabelwesen, die jedem gefährlich werden, der sich ihnen nähert. Deshalb ist es nach dem Gesetz der Ahnen aufs Strengste verboten, einen Weg in die Welt außerhalb zu suchen. Gepackt von Neugierde und Abenteuerlust wagen Hall und Aud sich dennoch an die Grenzen ihres Tals. Nur ist das, was sie dort erwartet dunkler und gefährlicher als alles, auf das die Geschichten der Alten sie vorbereitet haben.

• Gefährliche Fabelwesen, alte Legenden und ein dunkles Tal voller Geheimnisse

• Zwei starke Helden kämpfen gemeinsam gegen eine unsichtbare Macht

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Seitenzahl: 570

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Inhaltsverzeichnis
 
TEIL I
Kapitel 1
Kapitel 2
 
Copyright
Karte des TALS
mit den Häusern der zwölf Helden
WENN DU VERSPRICHST, gut aufzupassen, erzähl ich dir noch einmal von der Schlacht am Troldfelsen. Aber wehe, du zappelst wieder so herum und machst Unsinn, dann hör ich gleich wieder auf!
Damals, kurz nachdem die Siedler hergekommen waren, es ist schon lange, lange her, trieben die Trolde noch im ganzen Tal ihr Unwesen, von der Flussmündung bis zum Steilgebirge. Nach Einbruch der Dunkelheit waren kein Haus, kein Kuhstall, kein Heuschober vor ihnen sicher. Ihre unterirdischen Gänge führten kreuz und quer unter den Feldern und Wiesen hindurch bis unter die Türen der Höfe. Kaum eine Nacht verging, ohne dass Kühe von den Weiden und Schafe von den Berghängen verschwanden. Männer, die spätabends noch unterwegs waren, wurden in Sichtweite ihrer Häuser unter die Erde gezerrt. Frauen und Kleinkinder wurden aus ihren Betten geholt, und am nächsten Morgen fand man ihre Decken, die nur noch zur Hälfte aus dem Boden schauten. Niemand wusste, wo sich das nächste Troldloch auftun würde oder was man dagegen unternehmen sollte.
Als Erstes machten sich die Angehörigen jedes Hauses daran, ihre Anwesen mit schweren Granitplatten zu pflastern - die Halle, den Stall, die Innenhöfe und so weiter, damit die Trolde nicht mehr durchkamen. Anschließend errichteten sie hohe Mauern rings um die Gebäude und stellten Wachposten auf. Das schuf Abhilfe. Trotzdem hörte man nachts die Trolde immer noch unter den Steinfliesen klopfen und scharren und nach irgendeinem Durchschlupf suchen. Es war kein schönes Leben.
Sven, der bedeutendste Held des Tals, ein vor Kraft strotzender junger Mann, hatte schon so manchen Trold im Zweikampf erschlagen und die Straßen von Wegelagerern, Wölfen und anderen Gefahren gesäubert. Aber nicht jeder war so tüchtig wie er, und Sven fand, es sei nun an der Zeit, dem Elend ein für alle Mal ein Ende zu bereiten.
Darum rief er eines schönen Mittsommertags die anderen Helden zusammen. Alle zwölf versammelten sich auf einem Feld auf halber Höhe des Tales, ungefähr dort, wo heute Eiriks Hof liegt. Anfangs ließen sie erst einmal tüchtig die Muskeln spielen und hantierten rauflustig mit ihren Schwertknäufen.
Dann erhob Sven die Stimme: »Freunde, es ist kein Geheimnis, dass wir seinerzeit so manche Meinungsverschiedenheit hatten. Mein Bein trägt immer noch die Narbe von deinem Speer, Ketil, und ich könnte mir vorstellen, dass dir immer noch der Hintern von meinem Pfeil wehtut. Heute jedoch plädiere ich für einen Waffenstillstand. Die Trolde geraten allmählich außer Rand und Band. Ich schlage vor, dass wir uns zusammentun und sie aus dem Tal vertreiben. Was haltet ihr davon?«
Wie nicht anders zu erwarten, fingen alle erst einmal an, zu hüsteln und zu brummeln, und gaben sich alle Mühe, Svens Blick auszuweichen, aber schließlich trat Egil vor. »Sven«, sagte er, »deine Worte haben mein Herz getroffen wie Pfeile. Ich bin dabei.« Da schlossen sich ihm auch die Übrigen, teils aus Verlegenheit, teils, um ihren Mut zu beweisen, einer nach dem anderen an.
Dann fragte Thord: »Was du sagst, ist alles schön und gut, aber was springt für uns dabei heraus?«
»Wenn wir einen Pakt schließen, das Tal zu schützen«, antwortete Sven, »wird es uns von da an für alle Zeiten gehören. Na, wie hört sich das an?«
Die anderen waren der Meinung, das klänge sehr gut.
Dann fragte Orm: »Wo wollen wir uns ihnen zum Kampf stellen?«
»Ich wüsste schon, wo«, erwiderte Sven und führte die anderen über das Feld zu einem mächtigen Felsen, der halb umgestürzt im Lehm lag. Weiß der Himmel, wie er dort hingekommen war. Er war so groß wie ein halbes Haus, gerade so, als hätte ein übermütiger Riese ein Stück aus dem Bergmassiv oberhalb des Tals herausgebrochen und durch die Gegend geschleudert. Der Felsen liegt so auf der Seite, dass er wie ein Keil aus dem Feld ragt.
Damals hieß der Felsen nur »der Keil«, heute ist er allgemein als »Troldfelsen« bekannt. Unten ist er mit Gras und Moos bewachsen, der obere Teil ist kahl. Er ist von niedrigen Kiefern umstanden und ein, zwei Bäume haben sogar obendrauf Halt gefunden. Das Haus Eirik hält heutzutage dort seine Versammlungen ab.
»Freunde«, sagte Sven, »lasst uns vor unserem gemeinsamen Kampf gegen die Trolde Blutsbrüderschaft schließen. Damit wir uns hinterher im Kampf gegenseitig, so gut es geht, beschützen.«
Sie zogen die Schwerter und jeder ritzte damit in den Unterarm seines Nebenmannes, sodass ihr Blut am Fuß des Felsens auf die Erde tropfte. Die Sonne ging gerade unter.
»Das passt ja gut«, sagte Sven. »Jetzt brauchen wir nur noch abzuwarten.«
Die Männer standen Seite an Seite am Fuße des Felsens und spähten über die Felder.
Nun war es so, dass sich die Mauern um die Höfe als ausgesprochen nützlich erwiesen hatten, um die Trolde fernzuhalten. Deshalb wütete der Hunger in ihren Mägen und sie gierten nach Menschenfleisch. Als sie das vergossene Blut witterten, eilten sie von nah und fern herbei. Aber zunächst hörten die Männer davon nichts.
Nach einer Weile meinte Sven: »Die Trolde sind faul geworden. Wenn wir die ganze Nacht hier rumstehen, erkälten wir uns noch.«
Und Rurik meinte: »Bis wir wieder heimkommen, haben die Frauen das ganze Bier ausgetrunken. Das macht mir Sorgen.«
Und Gisli meinte: »Dein Feld ist aber ganz schön holprig, Eirik. Ich finde, wenn wir mit den Trolden fertig sind, sollten wir dir einen Gefallen tun und es alle zusammen pflügen.«
Im selben Augenblick vernahmen sie ein leises Geräusch, eine Art heiseres anhaltendes Summen. Es kam ringsum aus der Erde.
»Prima«, sagte Sven. »Mir wurde schon langweilig.«
Während sie gewartet hatten, war über Styrs Witwe (das ist der Berg mit dem Buckel, den man aus Gudnys Fenster sieht) der Mond aufgegangen und goss sein helles Licht über das Land. Jetzt sah man überall auf dem Feld die Nesseln und Grasbüschel wackeln, als sich die Trolde darunter durch die Erde buddelten. Schon bald wogte das ganze große Feld wie ein aufgewühlter See. Obwohl die Männer mit ihren Stiefeln auf massivem Felsgestein standen, wichen sie ein Stückchen zurück.
Dann meinte Gisli: »Tja, die Arbeit haben wir uns schon mal gespart. Bis morgen früh ist Eiriks Feld bestens umgepflügt.«
Während Gisli noch sprach, barst plötzlich der Boden vor seinen Füßen, dass die Erdklumpen nur so flogen, ein Trold schnellte hervor, packte ihn mit seinen langen mageren Händen am Genick und zog ihn hinunter auf das Feld. Dann biss er ihm die Kehle durch. Das alles geschah so schnell, dass Gisli nicht mal mehr ein Schrei entfuhr.
Im selben Augenblick schob sich eine Wolke vor den Mond und die Männer konnten nichts mehr sehen.
Mit gezückten Schwertern wichen sie noch ein Stück auf dem Felsen zurück und lauschten, wie Gisli sich im Todeskampf wand. Er war nicht sofort tot.
Da schwoll das unterirdische Summen mit einem Mal zu einem wahren Gebrüll an und rings um den Felsen flogen die Erdklumpen. Hunderte Trolde schnellten aus dem Boden und griffen mit ihren Klauenfingern nach den Männern. Sven und seine Gefährten kletterten den Felsen noch ein Stück weiter hinauf, denn sie wussten, dass Trolde den Erdboden nur höchst ungern verlassen. Doch schon bald hörten sie deren Klauen am Stein scharren.
Daraufhin schwangen sie ihre Schwerter - auch wenn sie die Hand vor Augen nicht sehen konnten - und konnten zu ihrer Genugtuung etliche Troldköpfe den Felsen hinunterpoltern hören. Aber für jeden gefallenen Trold schnellte ein weiterer aus dem aufgewühlten Feld. Es wurden immer mehr, die mit gefletschten Zähnen und ausgestreckten langen, dürren Armen die Männer bedrängten.
Stück für Stück zogen sich diese weiter auf den Felsen zurück, und obwohl dessen Flanken steil und schroff abfielen, kletterten die Trolde hinterher. Der Held Gest, der am Ende der Reihe stand, trat zu nah an den Rand. Ein Trold packte ihn am Knöchel und zerrte ihn in die tobende Meute hinunter. Er wurde nicht wiedergesehen.
Die übrigen zehn Helden waren allmählich erschöpft und fast alle verwundet. Inzwischen waren sie beinahe schon auf der mit Kiefern bestandenen Kuppe des Felsens angelangt, und ihnen war klar, dass es hinter ihnen steil in die Tiefe ging. Aber die Trolde drangen unaufhaltsam auf sie ein, bleckten die Zähne, fuchtelten mit den Klauenhänden und jaulten vor Gier.
»Tja«, sagte Sven da, »schade, dass es nicht heller ist, damit wir endlich wach werden und ordentlich kämpfen. Ich bin nämlich ein bisschen eingedöst und die kleine Erholung hat mir gutgetan.«
Er hatte kaum ausgeredet, da kam der Mond hinter den Wolken hervor und tauchte das Schauspiel in seinen kalten Schein, als habe er Svens Worte vernommen. Darum tragen Svens Nachfahren bis heute schwarzsilberne Kleidung.
Und im selben Augenblick war alles deutlich zu erkennen: der hohe, steile Felsen, dessen Flanken schwarz von gefallenen Trolden waren, das mit Gruben und Löchern übersäte Feld, aus dem immer noch mehr Feinde emporschossen, die Felskuppe, die kaum zehn Schritt breit war und auf der zehn blutüberströmte Männer immer noch die Stellung hielten.
»Freunde«, sagte Sven da, »wir haben Mittsommer. Diese Nacht kann nicht ewig dauern.«
Daraufhin brachen alle zehn in lauten Jubel aus, verdoppelten freudig ihre Anstrengungen und nicht einer von ihnen wich noch einen Fußbreit in Richtung Abgrund zurück.
 
Der Morgen dämmerte, die Sonne entstieg dem Meer. Und als es hell wurde, entriegelten die Bewohner des nahe gelegenen Hauses, die kein Auge zugetan und die ganze Nacht angstschlotternd in ihren Betten gelegen hatten, die Tore und wagten sich hinaus auf die Felder. Inzwischen war es dort totenstill.
Die Leute bahnten sich einen Weg zwischen den Gruben und Löchern, und als sie an den Felsen kamen, fanden sie an dessen Fuß die toten Trolde liegen wie einen Haufen Spreu.
Als sie aufblickten, sahen sie hoch über sich zwölf Männer auf der Felskuppe stehen. Allerdings schien die Morgensonne unterdessen so blendend hell, dass sie nicht ganz sicher sein konnten. Darum machten sie sich sogleich an die Ersteigung des Felsens, doch als sie oben angekommen waren, fanden sie zehn Männer tot in einer Reihe liegen. Ihre offenen Augen waren gebrochen, ihre noch warmen Hände hielten die Schwertknäufe umfasst.
So! Das war die Geschichte, wie sie sich wirklich zugetragen hat. Seit jenem Tag hat es kein Trold mehr gewagt, in unser Tal einzudringen, auch wenn sie unser Tun und Treiben von den Hügeln herunter voller Gier verfolgen.
Reich mir den Bierkrug! Von dem vielen Reden ist meine Kehle ganz trocken geworden.
TEIL I
1
Sven war noch ein Wickelkind, als er mit den Siedlern ins Tal kam. Sie waren so lange durch die verschneiten Berge gewandert, dass ihre Gesichter von der Sonne dunkelbraun verbrannt waren. Als sie endlich durch liebliche grüne Wälder hinabstiegen, rasteten sie auf einer friedlichen Lichtung. Der kleine Sven saß im Gras und schaute sich um. Was sah er da? Himmel, Bäume und seine schlafenden Eltern. Und eine große schwarze Schlange, die sich mit entblößten Fangzähnen hinter einem umgestürzten Baum hervorschlängelte und seine Mutter in den Hals beißen wollte. Was tat der kleine Sven? Er streckte die Händchen aus und packte die Schlange am Schwanz. Als seine Eltern aufwachten, erblickten sie einen lächelnden Sven, der eine erwürgte Schlange wie einen Strick in den Händen hielt.
Da sagte Svens Vater: »Dies ist ein unmissverständliches Omen. Unser Sohn wird einmal ein großer Held. Sobald er alt genug ist, werde ich ihm mein Schwert und meinen Silbergürtel schenken, damit wird er in jeder Schlacht siegen.«
Svens Mutter sagte: »Dieses Tal wird ihm gehören. Lassen wir uns hier nieder, an diesem Ort werden wir unser Glück finden.«
So geschah es. Die anderen Siedler verteilten sich über das Tal, aber unser Haus, das vornehmste und größte, wurde hier errichtet.
 
 
 
 
Hal Svensson kam am frühen Nachmittag der Wintersonnenwende zur Welt, als schneeschwangere Wolken so tief über Svens Haus hingen, dass man die Ausläufer der Berge nicht mehr sah. Während seine Mutter in den Wehen lag, drückten die Schneewehen so gegen die alten Troldmauern, dass diese teilweise einstürzten. Manche Leute meinten, es bedeute, der Kleine wäre zu Großem bestimmt, andere hielten es eher für ein böses Omen. Der Bauer, dessen Schweine von der eingestürzten Mauer erschlagen wurden, hatte dazu keine eindeutige Meinung, er verlangte lediglich von den Eltern des Kleinen eine Entschädigung. Bei der Versammlung im darauffolgenden Jahr trug er die Angelegenheit dem Schiedsgericht vor, aber seine Klage wurde aus Mangel an Beweisen abgewiesen.
Als Hal größer wurde, lenkte seine Amme Katla seine Aufmerksamkeit auf den Tag seiner Ankunft in dieser Welt. Sie schnaubte und schnalzte angesichts der düsteren Zusammenhänge missbilligend mit der Zunge. »Ein höchst bedenklicher Tag ist die Wintersonnenwende«, verkündete sie und stopfte die Decke seines Kinderbettchens um ihn fest. »Bälger, die an diesem Tag geboren werden, fühlen sich oft von dunklen Geheimnissen angezogen, von Hexerei und dem Einfluss des Mondes. Hüte dich und gib dem nicht nach, sonst führt es dich und alle, die dir lieb und teuer sind, unweigerlich ins Verderben. Abgesehen davon, mein lieber Hal, ist alles in bester Ordnung. Schlaf schön.«
Trotz des tobenden Schneesturms war Hals Vater, der sich von der Hebamme die Nachgeburt hatte geben lassen, kaum dass die Nabelschnur durchtrennt war, damit bergauf gestiegen. Nach der Klettertour, die ihm drei erfrorene Finger bescherte, gelangte er zu den Hügelgräbern und warf die Opfergabe zwischen die Steine, damit sich die Trolde daran laben konnten. Allem Anschein nach hatte es ihnen geschmeckt, denn vom ersten Tag an trank das Neugeborene tüchtig an der Brust. Der kleine Junge wuchs und gedieh und blieb den ganzen Winter über von Krankheiten verschont. Er war das erste von Astrids Kindern, das nach Gudnys Geburt drei Jahre zuvor am Leben blieb, und allein das war für alle Angehörigen des Hauses ein Anlass zu großer Freude.
Im Frühjahr gaben Hals Eltern zu Ehren ihres jüngsten Kindes ein großes Fest. Die Wiege stand auf dem Podium in der großen Halle, und die Gäste zogen daran vorbei, um dem Kind ihre Hochachtung zu erweisen. Arnkel und Astrid saßen auf den Richterstühlen und nahmen die Geschenke entgegen, Felle, Kleidung, geschnitztes Spielzeug und eingemachtes Gemüse, während die kleine Gudny steif und stumm neben ihrer Mutter stand, das blonde Haar zu einem ordentlichen Zopf geflochten. Hals großer Bruder Leif, der Erbe des Hauses und aller Ländereien, kümmerte sich nicht um die ganzen Feierlichkeiten, sondern balgte sich unter dem Tisch mit den Hunden um irgendwelche Reste.
Die Kommentare an der Wiege fielen überschwänglich und lobend aus, doch in den Winkeln der Halle, wo Eyjolf und die anderen Knechte die Bierfässchen gestapelt hatten und sich der Lampenrauch in trägen Schwaden sammelte, wurden gewisse Zweifel laut.
»Der Kleine sieht irgendwie merkwürdig aus.«
»Er sieht seiner Mutter überhaupt nicht ähnlich.«
»Schlimmer noch, seinem Vater auch nicht. Er erinnert mich eher an seinen Onkel.«
»Also, dann noch eher an einen Trold! Astrid kann Brodir nicht ausstehen, das weiß doch jeder.«
»Kräftig ist der Kleine jedenfalls. Hört nur, wie er brüllt!«
Hal wuchs heran, aber seine Andersartigkeit gab sich leider nicht. Sein Vater, der schwarzmähnige Arnkel, hatte breite Schultern und sehnige Glieder, eine hochgewachsene, Achtung gebietende Gestalt, sowohl in der Halle als auf dem Feld. Seine Mutter Astrid hatte die hellen Locken und den rosigen Teint ihrer Familie aus dem Untertal. Auch sie war groß und schlank und von einer Schönheit, die den dunkelhaarigen Mitgliedern von Svens Haus fremd, ja unheimlich war. Leif und Gudny waren Miniaturausgaben ihrer Eltern. Sie waren beide schlank, anmutig und gefällig anzuschauen.
Im Gegensatz dazu war Hal von Anfang an eher klein und gedrungen, ein kräftiger Junge mit breiten Händen und einem wiegenden Gang. Sein Teint war sogar für einen aus den Bergen ziemlich dunkel, und in seinem Gesicht saßen eine freche Stupsnase, ein trotzig vorspringendes Kinn und weit auseinanderliegende, vor Wissbegier funkelnde Augen, mit denen er unter seinem ungebärdigen schwarzen Schopf hellwach in die Welt hinausblickte.
Beim Essen setzte der Vater den kleinen Hal auf seinen Schoß und ließ sich voller Stolz und Zärtlichkeit gefallen, dass die dicken Fingerchen des Kleinen seinen dichten, drahtigen Bart erforschten und daran zogen, bis seinem Besitzer die Tränen in die Augen stiegen. »Der Junge hat Kraft, Astrid!«, schnaufte Arnkel. »Und Temperament für zwei. Hat dir Eyjolf schon erzählt, dass er ihn im Stall erwischt hat? Mitten zwischen Hrafns Hufe hat er sich gestellt und den Hengst am Schwanz gerupft!«
»Und wo war Katla, als unser Kind in Lebensgefahr schwebte? Na, ich werde ihr wegen ihrer Unachtsamkeit die Ohren lang ziehen!«
»Schimpf nicht mit ihr. Sie wird allmählich kurzatmig und ist manchmal ein bisschen tüdelig. Gudny kann ihr ja helfen, auf ihren kleinen Bruder aufzupassen, was, Gudny?« Arnkel fuhr seiner Tochter durchs Haar, worauf sie den Kopf wegdrehte und mürrisch von ihrer Handarbeit aufsah.
»Nö. Er hat in meinem Zimmer rumgeschnüffelt und meine Multbeeren aufgegessen. Soll Leif doch auf ihn aufpassen.«
Aber Leif war draußen auf der Wallgrabenwiese und warf mit Steinen nach den Vögeln.
 
Damals waren Astrid und Arnkel zu sehr mit ihren Pflichten in Haus und Hof beschäftigt, als dass sie sich selbst um das tägliche Wohlergehen ihres Jüngsten hätten kümmern können. Diese Aufgabe fiel Katla zu, der weißhaarigen, runzelgesichtigen alten Amme. Sie kümmerte sich um Hal, wie sie es zuvor bei Leif und Gudny und davor auch beim Vater der Kinder getan hatte. Katla war steif und gebeugt wie ein Galgen, eine schlurfende Gewitterhexe, bei deren Anblick die Dienstmägde kreischend die Flucht ergriffen. Aber ihre mandelförmigen Augen blickten wach und sie war ein unerschöpflicher Quell des Wissens. Hal liebte sie heiß und innig.
Morgens brachte sie bei Kerzenschein die Schüssel mit warmem Wasser in Hals Zimmer, zwängte ihn nach dem Waschen in Jacke und Hose, kämmte ihn und brachte ihn zum Frühstück in die große Halle. Dort hielt sie sich in seiner Nähe auf, saß mit nickendem Kopf in der Sonne, während er auf dem Fußboden mit Holzklötzchen spielte. Meistens döste sie ein, worauf sich Hal prompt hochrappelte und davonwackelte, um die Zimmer hinter der Halle zu erkunden oder sich im Hof herumzutreiben, wo sich das Geläut von Grims Amboss mit dem Surren der Webstühle vermischte und von wo aus er die Männer hoch oben am Berghang arbeiten sehen konnte. Von Svens Hof aus sah man die Hügelketten auf beiden Seiten des Tales und die niedrigen, dunklen, unregelmäßigen Buckel, die sich oben auf den Hügelrücken erhoben. Hinter diesen Hügelgräbern lagen die sogar an klaren Tagen dunstig verhangenen Berge, deren steile weiß gesprenkelten Flanken sich weiter oben dem Blick entzogen.
Auf dem verwinkelten, weitläufigen Anwesen verlief sich Hal oft. Dann streunte er in Gesellschaft der Hundemeute vergnügt zwischen Werkstätten, Hütten, Schweinekoben und Viehställen umher, bis ihn der Hunger wieder in Katlas schützende Umarmung trieb. Abends aßen sie abseits von der übrigen Familie in der Küche, einem behaglichen Raum voller köstlicher Dämpfe und Düfte, mit breiten Bänken und zerschrammten Tischen, wo sich der Widerschein des Feuers in unzähligen aufgehängten Töpfen und Pfannen fing.
Dort erzählte Katla und Hal lauschte.
»Dein Aussehen hast du zweifellos von der väterlichen Seite geerbt«, sagte sie oft. »Du bist das Abbild deines Großonkels Onund, der damals, als ich noch ein Mädchen war, den Steilhang bewirtschaftet hat.«
Das musste unvorstellbar lange her sein. Es gab Leute, die behaupteten, Katla sei schon über sechzig.
»Onkel Onund...«, wiederholte Hal. »War er sehr stattlich, Katla?«
»Er war der hässlichste Mann der Welt und hatte einen dementsprechend äußerst schwierigen Charakter.Tagsüber war er einigermaßen umgänglich und eigentlich eher ein Schwächling, so wie du womöglich eines Tages. Aber nach Einbruch der Dunkelheit wuchsen ihm Bärenkräfte, und er hatte gelegentlich ungezügelte Wutanfälle, bei denen er erwachsene Männer durchs Fenster schleuderte und die Sitzbänke in seiner Halle zertrümmerte.«
Das fand Hal spannend. »Woher hatte er auf einmal solche Kräfte?«
»Überwiegend vom Saufen. Bis ihn eines schönen Tages ein wütender Pächter im Schlaf erwürgte. So unbeliebt war Onund, dass der Rat seinen Mörder lediglich zu einer Strafe von sechs Schafen und einer Henne verurteilte. Zu guter Letzt hat der Bursche auch noch Onunds Witwe geheiratet.«
»Ich glaub nicht, dass ich nach meinem Großonkel Onund komme, Katla.«
»So hochgewachsen wie er bist du schon mal nicht.Aber da - wie du grade eine Schnute ziehst und mich böse anfunkelst! Du bist Onund wie aus dem Gesicht geschnitten. Man braucht dich nur anzusehen, dann sieht man gleich, dass du wie er anfällig für das Böse bist. Du musst gegen die unseligen Triebe ankämpfen, die er dir vererbt hat.Aber erst einmal musst du deinen Kohl aufessen.«
 
Es dauerte nicht lange, bis Hal herausfand, dass seine Familie, Onund vielleicht ausgenommen, bei allen Angehörigen von Svens Haus überaus angesehen war. Das war einerseits durchaus vorteilhaft, da ihm sämtliche Türen offen standen. Er durfte nach Belieben zwischen den säuerlich riechenden Bottichen der Gerberin Unn umherschlendern und sich die aufgehängten, im Wind flatternden Häute besehen, er durfte in Grims heiße, dunkle Schmiede spazieren und zusehen, wie die Funken unter dem wuchtigen Hammer dämonengleich tanzten, er durfte sich zu den Waschfrauen an den Fluss hinter der Mauer setzen und ihrem Geplauder über Rechtsstreitigkeiten, Hochzeiten und andere Häuser weiter unten im Tal am Meer lauschen. An die fünfzig Leute lebten auf dem Anwesen, und als er vier Jahre alt war, kannte Hal jeden Bewohner mit Namen und zudem seine Eigenheiten und kleinen Geheimnisse. Dieses kostbare Wissen erwarb er sich viel müheloser als seine Geschwister.
Andererseits trug ihm seine Vorzugsstellung auch unerwünschte Aufmerksamkeit ein. Schließlich war er Arnkels Zweitältester. Sollte Leif einem Unfall oder einer Krankheit zum Opfer fallen, war Hal der Hoferbe. Das bedeutete, dass er oft im unpassendsten Augenblick daran gehindert wurde, seinen Lieblingsbeschäftigungen nachzugehen. Fürsorgliche Bedienstete hoben ihn immer wieder von der Troldmauer, wenn er schwankend darauf entlangbalancierte, man ließ ihn nicht auf einem umgekippten Trog und mit einer Mistgabel als Ruder über den Gänseteich paddeln, und andauernd holte man ihn gerade vor der schönsten Rauferei mit den älteren, größeren Jungen weg.
Wenn Letzteres vorkam, wurde er zu seiner Mutter gebracht, die meistens mit Gudny in der großen Halle saß, nähte und dabei die Stammbäume aufsagte.
»Was ist denn jetzt schon wieder, Hal?«
»Brusi hat mich beleidigt, Mutter. Ich wollte mich mit ihm prügeln.«
Ein tiefer Seufzer. »Womit hat er dich denn beleidigt?«
»Das mag ich nicht sagen. Es eignet sich nicht zur Wiederholung.«
»Hal...!«, sagte seine Mutter, diesmal in ernsterem, lauteren Ton.
»Wenn du’s unbedingt wissen willst: Er hat zu Ingrid gesagt, ich wär ein stummelbeiniger Sumpfkobold! Was gibt’s da zu lachen, Gudny?«
»Ach, nichts. Nur dass Brusis Beschreibung so herrlich zutreffend ist, kleiner Hal. Ich finde das lustig.«
»Hör zu, Hal«, sagte seine Mutter geduldig, »Brusi ist doppelt so alt und doppelt so groß wie du. Ja, auch wenn er dich gekränkt hat! So etwas musst du einfach überhören. Warum? Weil er dich, wenn du mit ihm Streit anfängst, ungespitzt in den Boden rammt wie einen Zelthering, und das wäre beschämend für einen Nachkommen von Sven.«
»Wie soll ich denn sonst meine Ehre verteidigen, Mutter? Oder die Ehre derer, die mir nahe stehen? Was soll ich tun, wenn Brusi Gudny eine eingebildete, eitle kleine Sau nennt? Soll ich das auch überhören?«
Gudny schnaubte und legte ihre Stickerei weg. »Hat Brusi das wirklich gesagt?«
»Noch nicht. Aber lange kann’s nicht mehr dauern.«
»Mutter!«
»Sei nicht so frech, Hal. Um seine Ehre zu verteidigen, braucht man nicht unbedingt Gewalt anzuwenden. Schau dir die Wand an!« Hoch oben über den Richterstühlen waren Svens ehrwürdige, dick mit Staub bepuderte Waffen aufgehängt. »Die Zeiten, als sich ein Mann noch um seiner Ehre willen zum Narren machen musste, sind längst vorbei. Du als Arnkels Sohn musst mit gutem Beispiel vorangehen! Stell dir nur vor, Leif stößt etwas zu. Dann wirst du selbst Schiedsherr, als... als wievielter, der in gerader Linie von unserem Urahn abstammt, Gudny?«
»Als achtzehnter«, sagte Gudny prompt und setzte eine selbstgefällige Miene auf. Hal schnitt ihr eine Grimasse.
»Braves Mädchen. Als achtzehnter in Folge, nach Arnkel, Thorir, Flosi und allen anderen davor, und das waren alles bedeutende Männer. Was deinen Vater betrifft, so ist er es noch.Willst du denn nicht werden wie er, Hal?«
Hal zuckte die Achseln. »Er bestellt seine Rübenfelder bestimmt fabelhaft und wendet den Misthaufen mit überragender Geschicklichkeit. Aber ehrlich gesagt finde ich sein Vorbild nicht besonders nacheifernswert. Mir wäre jemand wie...« Er stockte.
Gudny sah von ihrer Stickerei auf. »... wie Onkel Brodir lieber, stimmt’s, Hal?«, ergänzte sie.
Da schoss Hals Mutter das Blut ins Gesicht und sie schlug mit der flachen Hand auf den Tisch. »Jetzt reicht’s aber! Kein Wort mehr, Gudny! Und du verziehst dich lieber, Hal! Wenn du noch mehr Scherereien machst, sage ich es deinem Vater und der haut dir den Hintern voll.«
 
Hal und Gudny hatten schon als kleine Kinder festgestellt, dass sie nur ihren Onkel Brodir zu erwähnen brauchten, wenn sie ihre Mutter aus der Fassung bringen wollten. Sie, die als Schiedsherrin mit den unverschämtesten Mördern und Dieben gleichmütig umgehen konnte, fand schon die Erwähnung seines Namens geschmacklos und unerträglich. Ihr Schwager war ein rotes Tuch für sie, auch wenn sie nie über die Gründe dafür sprach.
Was Hal betraf, so machte die eigentümliche Macht, die sein Onkel besaß, diesen nur noch interessanter. Hals Begeisterung für ihn hatte Brodir schon ausgelöst, als der noch ganz klein war - und zwar mit seinem Bart. Den ließ Brodir wachsen, wie er wollte. Hals Vater beispielsweise beugte sich regelmäßig in einem feierlichen Zeremoniell über einen Zuber mit heißem Wasser, blinzelte durch den Dampf in eine blank polierte Metallscheibe und rasierte sich gründlich Hals und Wangen, ehe er alles Übrige mit einem kleinen Messer stutzte. Sein Schnurrbart war sorgsam gezwirbelt, sein Kinnbart immer auf die Länge seiner Zeigefingerkuppe getrimmt. Die übrigen männlichen Bewohner des Hofes folgten seinem Beispiel, nur Kugi, der Schweinehirt, nicht, denn auf dessen Kinn spross kein einziges Haar, auch wenn er schon erwachsen war - und Brodir. Brodir legte niemals Hand an seinen Bart. Sein Bart wucherte wie ein Ginstergestrüpp, in dem Krähen nisten, wie wilde Efeuranken, die einen Baum erwürgen. Hal war hingerissen.
»Sich den Bart zu stutzen, ist eine Unsitte aus dem Untertal«, verriet ihm Brodir. »Hier bei uns gilt das seit jeher als unmännlich.«
»Aber bis auf dich tun es alle.«
»Klar, die machen es deinem Vater nach, und der ist von Astrid beeinflusst, die von unten an den Flussbiegen stammt, wo die Leute so schütteres Haar haben, dass der Seewind es ihnen vom Kopfe bläst. Bei denen kommt es sowieso nicht drauf an, ob sie sich frisieren und rausputzen.«
Abgesehen von seinem Bart, war Brodir noch in vielen anderen Punkten grundverschieden von Hals Vater. Man konnte sich nur schwer vorstellen, dass die beiden überhaupt verwandt waren. Arnkel war kräftig, Brodir hingegen beinahe schmächtig zu nennen (auch wenn er zu einem Bierbäuchlein neigte) und er hatte ein pausbäckiges, teigiges Gesicht (»Das hat er auch von Onund geerbt«, lautete Katlas Urteil). Wo Arnkel Autorität ausstrahlte, hatte Brodir so gar nichts davon und schien auch noch froh darüber zu sein. Zwar war er der Zweitgeborene, aber er hatte nie einen der kleineren Höfe für sich beansprucht, die über die Ländereien von Svens Haus verstreut lagen. In seiner Jugend hatte er angeblich das ganze Tal bereist, inzwischen war er auf dem Hof sesshaft geworden, ging mit den Männern aufs Feld und trank allabendlich mit ihnen. So kam es, dass er an den meisten Abenden heiser und zu derben Scherzen aufgelegt oder aber schroff und abweisend war.Von Zeit zu Zeit schwang er sich auf sein Pferd Raufbold und blieb tagelang weg, bis er mit leuchtenden Augen und unglaublichen Geschichten im Gepäck wieder zurückkehrte.
Vor allem dieser Geschichten wegen liebte ihn Hal.
An Sommerabenden, solange Brodir noch nüchtern war und die untergehende Sonne noch die Bank vor der großen Halle wärmte, saßen sie dort nebeneinander, schauten zu den Südhängen hinauf und unterhielten sich. Dann ließ sich Hal von den fruchtbaren Flussbiegen erzählen, jener Gegend des Tals, wo sich der Fluss gemächlich dahinwälzte und das Vieh und die Bauern gleichermaßen wohlgenährt waren, er hörte von der breiten Flussmündung weiter unten, wo die Häuser auf hohen Steindämmen errichtet waren, sodass es beim Frühjahrshochwasser aussah, als trieben sie mitsamt ihren qualmenden Schornsteinen wie Boote oder Inseln auf den Fluten. Er erfuhr auch von den weiter oben gelegenen Nebenflüssen, wo sich das Tal zwischen Wasserfällen und Felsgeröll verlor, wo das Gras kargem Schiefergestein wich und außer Bergpiepern und Buchfinken keine Tiere mehr lebten.
Irgendwann landete Brodir aber immer beim bedeutendsten aller Zwölf Häuser, dem Geschlecht von Sven, und seinen Anführern, den Oberhäuptern und Schiedsherren, ihren Auseinandersetzungen und Liebesangelegenheiten und ihren Gräbern oben auf den Hügeln. Vor allem erzählte er von Sven selbst und von dessen unzähligen atemberaubenden Abenteuern, von dessen Streifzügen ins Hochmoor, als man dort noch hindurfte, und von der großen Schlacht am Troldfelsen, als er und die weniger bedeutenden Helden die Trolde zum Kampf forderten und sie aus dem Tal und in höher gelegene Gegenden vertrieben.
»Siehst du das Hügelgrab dort oben?«, fragte Brodir seinen Neffen dann immer und wies mit dem Becher in die Richtung. »Inzwischen sieht es beinahe wie ein ganz gewöhnlicher Hügel aus, mit dem ganzen Gras, das drauf wächst. Aber so begrub man damals alle Helden, auf dem Hügelkamm oberhalb ihres Stammsitzes. Weißt du, in welcher Haltung Sven begraben wurde?«
»Nein, Onkel.«
»Auf einem steinernen Sitz, das Gesicht dem Hochmoor zugewandt und das Schwert senkrecht in der Hand. Und weißt du auch, warum?«
»Um die Trolde abzuschrecken.«
»Richtig. Ein für alle Mal. Hat auch geklappt.«
»Gibt es denn auch noch woanders im Tal Hügelgräber?«
»Von der Flussmündung bis zum Steilgebirge, auf beiden Seiten.Wie brave Kinder tun wir es den Helden nach und verteidigen die Grenze. Im ganzen Tal gibt es so viele Steinhügel wie Blätter an einem Baum im Sommer und jeder ist über einem verstorbenen Sohn oder einer Tochter eines Hauses errichtet.«
»Ich will einmal wie Sven werden!«, verkündete Hal entschlossen. »Ich will große Taten vollbringen, von denen man noch lange spricht. Bloß oben auf dem Hügel will ich lieber nicht enden.«
Brodir lehnte sich zurück. »Heutzutage ist es nicht so leicht, große Taten zu vollbringen. Das wirst du noch merken. Wo sind die Schwerter denn alle geblieben? In den Hügelgräbern oder an den Wänden, wo sie vor sich hinrosten! Unsereinem ist es nicht mehr möglich, Sven nachzueifern...« Er trank einen großen Schluck Bier. »Von einem frühen Tod vielleicht abgesehen.Wir Svenssons sterben alle jung. Aber das hat dir deine Mutter bestimmt schon erzählt.«
»Nö.«
»Nanu! Dabei ist sie doch so versessen auf unsere Familiengeschichte! Dann hat sie dir also nicht von meinem großen Bruder Leif erzählt? Was ihm zugestoßen ist?«
»Nein.«
»Hm...« Brodir blickte nachdenklich in seinen Becher.
»Onkel!«
»Die Wölfe haben ihn gefressen, da war er grade mal sechzehn.« Brodir rieb sich schniefend die Nase. »Für die Wölfe war es ein schlimmer Winter gewesen und für Leif sollte es ein noch schlimmerer werden. Es geschah weiter oben im Tal, auf dem Land der Gestssons, aber das Rudel war aus dem Troldmoor heruntergekommen, darum konnte unsere Familie nicht auf Fahrlässigkeit klagen … So ist das nun mal. Dann gab es in der Generation davor noch Björn...«
»Auch Wölfe?«
»Ein Bär. Ein einziger Prankenhieb, als Björn oben bei Skaftis Felsen Multbeeren sammelte. Aber es ist ihm immer noch besser ergangen als seinem Vater Flosi, deinem Urgroßvater.Was für ein elender Tod.«
»Was denn für einer, Onkel?«
»Ein Bienenstich. Flosi ist schauerlich angeschwollen … Sein Schicksal taugt leider nicht für Heldenballaden. Aber Kopf hoch, Kleiner! Du brauchst keine Bange zu haben. Das sind alles recht außergewöhnliche Todesfälle.«
»Da bin ich aber froh.«
»Ja, unsereiner stirbt meistenteils an Maßlosigkeit.« Er hob den Becher und klopfte mit dem Finger drauf. »Zu viel hiervon. Ist uns in die Wiege gelegt.«
Hal baumelte mit den Beinen. »Mir nicht, Onkel.«
»Das hat dein Großvater Thorir auch immer gesagt. Ist aber trotzdem dran gestorben. Auf der Hochzeit deiner Eltern, nebenbei bemerkt.«
»Hatte er zu viel getrunken?«
»Das auch. Er ist auf der Suche nach dem Pisshaus aus Versehen in den Brunnen gefallen. Keine schönen Aussichten... Ich glaube, ich mache noch einen kleinen Gang zum Bierfässchen. Und für dich, mein Kleiner, ist längst Schlafenszeit.«
 
Als Kind fand Hal die Schlafenszeit den schönsten Abschnitt des Tages, denn da konnte er in Ruhe über alles nachdenken, was er tagsüber erlebt hatte. Er lag unter seiner Wolldecke und schaute zum Fenster am Fußende seines Bettchens hinaus, sah die kalten Sterne über den dunklen Schattenrissen der Berge leuchten und lauschte den leisen Stimmen aus der großen Halle, wo seine Eltern ihre abendlichen Schlichtungsgespräche abhielten.Wenn Katla hereinkam, um die Kerze auszupusten, fragte er sie alles, was ihm gerade in den Sinn kam.
»Erzähl mir von den Trolden, Katla.«
Bis auf die flackernde Kerze auf dem Wandbord war das Zimmer dunkel. Die Falten im Gesicht der Amme waren tief und beschattet wie Furchen in einem winterlichen Acker, ihr Kopf schien aus dunkel gemasertem Holz geschnitzt. Ihre Stimme lullte ihn in den Schlaf.
»Ach ja, die Trolde... Ihre Gesichter sind schwarz wie die feuchte Erde unter einem Stein... Sie riechen nach Grab und meiden das Sonnenlicht... Sie lauern im Hügel, bis sich eine unvorsichtige Seele zu weit hinaufwagt. Dann springen sie heraus! Wenn du auch nur einen Schritt weiter als bis zu den Hügelgräbern gehst, Hal, schnellen sie aus der Erde und ziehen dich mit hinunter, da kannst du schreien, so viel du willst... Na also, du schläfst ja schon fast. Dann puste ich mal die Kerze aus... Wie bitte, mein Kleiner?«
»Hast du selber schon mal einen Trold gesehen, Katla?«
»Nein, Sven sei Dank!«
»Ach so... Hast du schon mal irgendwas anderes Gruseliges gesehen?«
»Noch nie! In meinem hohen Alter betrachte ich es als Wunder und Segen, dass mir das bislang erspart geblieben ist. Aber ich kann dir verraten, dass ich nicht einfach nur Glück gehabt habe. Nein, ich treffe schon mein Leben lang kluge Vorkehrungen, um alles Übel von mir fernzuhalten. Jedes Frühjahr streue ich Blumen auf die Grabhügel meiner Eltern und stelle Opfergaben unter die Trauerweiden, um das Kleine Volk gnädig zu stimmen. Außerdem meide ich Apfelbäume um die Mittagszeit, wende den Blick von den Schatten der Hügelgräber ab und erleichtere mich niemals, wirklich niemals, am Ufer eines Baches oder unter einem Beerenbusch, damit ich das darin wohnende Geschöpf nicht kränke. An meinem Beispiel kann man sehen, dass gesunder Menschenverstand und Umsicht ihre Wirkung nicht verfehlen. Und wenn du ein langes Leben haben willst, rate ich dir, es genauso zu halten. Nein, keine Fragen mehr, mein lieber Hal! Ich puste jetzt die Kerze aus!«
Nicht dass Hal ein zurückhaltendes, anspruchsloses Kind gewesen wäre, im Gegenteil, er war von klein auf ausgesprochen selbstbewusst und eigensinnig. Aber er wusste auch, wann er still zu sein hatte. Tag für Tag und Jahr für Jahr lauschte er den Geschichten über Svens Haus. Und Nacht für Nacht woben sich die Fäden einer jeden Geschichte in sein Leben und seine Träume, so wie sich die Fäden auf dem Webstuhl seiner Mutter miteinander verwoben.
2
Dass Sven etwas Besonderes war, zeigte sich von Anfang an. Schon als Kind war er stärker als jeder erwachsene Mann und konnte einem Ochsen mit bloßen Händen das Genick brechen. Auch war er stolz und leidenschaftlich, und wenn sein Temperament die Oberhand gewann, war mit ihm nicht gut Kirschen essen. Einmal warf er einen vorlauten Knecht kurzerhand über einen Heuhaufen. Nach diesem Vorfall ging er immer dann, wenn ihn der Zorn übermannte, auf Troldjagd. Einmal kam er, da war er nicht älter als du, nach einer Rauferei mit einem Trold heim und hatte eine Klaue im Oberschenkel. Der Trold hatte ihn auf einem Feld so tief unter die Erde gezogen, dass Sven bis zu den Achseln voll Lehm waren, aber Sven hatte sich an einer Baumwurzel festgehalten und die ganze Nacht lang so ausgeharrt, bis die Sonne über dem Eckzahn aufging. Da schwanden dem Trold die Kräfte und Sven konnte sich losreißen. Die Klaue in seinem Bein entdeckte er erst, als er wieder zu Hause war. »Ich habe Glück gehabt«, sagte er. »Der Trold war jung und noch nicht so stark wie ein ausgewachsener.«
Nein, ich weiß nicht, wo die Troldklaue geblieben ist. Frag mir nicht immer Löcher in den Bauch.
Auch mit vierzehn war Hal noch klein, gedrungen und kräftig. Obwohl ihn nur noch zwei Jahre vom Mannesalter trennten, war er kaum halb so groß wie sein Bruder Leif. Wenn er sich auf die Zehenspitzen stellte, reichte er Gudny bis zur Schulter.
Dafür war er mit einer eisernen Gesundheit gesegnet. Weder die Schwarze Kränk noch das Schweinefieber, weder die Flecksucht noch ein Dutzend anderer Krankheiten, die das Obertal immer wieder heimsuchten, befielen ihn. Seine körperliche Widerstandskraft wurde begleitet von einem besonders wachen Verstand, der sich in allen seinen Gedanken und Handlungen ausdrückte und sich häufig an den alltäglichen Einschränkungen des Hauses rieb.
Die meisten Angehörigen der Sven-Familie waren wortkarg und geduldig, innerlich und äußerlich durch das raue Wetter in der bergigen Gegend abgehärtet. Der Wechsel der Jahreszeiten und die immer wiederkehrenden Arbeiten auf Hof und Feld hatten sie geprägt, sie kümmerten sich um das Vieh, um Aussaat und Ernte und gingen ihrem Handwerk nach, wie zuvor ihre Eltern. Ungeachtet ihrer Stellung ließen Arnkel und Astrid weder für sich noch für ihre Kinder Ausnahmen gelten und waren sich für keine Arbeit zu schade. Trotzdem entging es niemandem, dass Hal keinen großen Eifer an den Tag legte, ihrem Beispiel zu folgen.
»Hat heute schon irgendwer Hal gesehen?«, fragte Arnkel missgelaunt, wenn sich die verschwitzten, mit Strohhalmen übersäten Männer zum abendlichen Bier im Hof versammelten. »Auf meinem Feld hat er nicht mitgearbeitet.«
»Auf meinem auch nicht«, erwiderte Leif. »Ich dachte, er sollte heute den Frauen beim Heurechen helfen.«
Der Brotbäcker Bolli kam über die Steinplatten gewatschelt. »Ich kann euch verraten, wo er war! Er war hier auf dem Hof und hat mir Haferkuchen stibitzt!«
»Hast du ihn dabei ertappt?«
»Ich hab ihn so gut wie gesehen! Als ich grade am Ofen zugange war, gab es vor meiner Tür auf einmal ein schauerliches Gekreisch. Ich bin rausgerannt und da hatte jemand eine Katze mit dem Schwanz an den Riegel gebunden. Hat’ne ganze Weile gedauert, bis ich die Schnur abhatte. Und was musste ich sehen, als ich wieder reinging? Eine Stange mit einem Haken vorne dran, die grade durchs Fenster verschwand und fünf prächtige Kuchen aufgespießt hatte! Ich bin sofort zum Fenster gelaufen, aber der Übeltäter war schon weg.«
Arnkel machte ein finsteres Gesicht. »Bist du sicher, dass es Hal war?«
»Wer soll es denn sonst gewesen sein?«
Die anderen Männer gaben ein müdes, zustimmendes Raunen von sich. »Das geht schon das ganze Jahr so!«, bestätigte Grim, der Schmied. »Nichts als Scherze, Diebereien und Streiche auf Kosten anderer Leute! Er heckt wie besessen einen Unsinn nach dem anderen aus.«
Die Gerberin Unn nickte. »Meine Ziege! Geklaut und oben auf den Felsen festgebunden, wisst ihr noch? Angeblich wollte er einen Wolf anlocken!«
»Und was war mit den Fallen, die er im Obstgarten aufgestellt hat?«, ergänzte Leif. »Damit wollte er angeblich ›einen Wichtel fangen‹!« Wen hat er stattdessen gefangen? Mich! Meine Knöchel tun mir heut noch weh!«
»Wisst ihr noch, die Disteln auf dem Abort?«
»Und meine Hosen an der Fahnenstange?«
»Strafen scheinen ihn nicht abzuschrecken, alle Drohungen prallen an ihm ab!«
Arnkels Bruder Brodir hatte schweigend zugehört. Jetzt stellte er seinen Becher auf den Tisch und wischte sich mit dem Handrücken den Bart. »Ihr nehmt das alles viel zu ernst.Was ist schon dabei? Der Kleine hat Fantasie und langweilt sich, weiter nichts. Er sucht das Abenteuer, ein bisschen Abwechslung.«
»Abwechslung? Da kann ich ihm behilflich sein!«, entgegnete Arnkel. »Geht den Jungen suchen und bringt ihn her!«
Trotz wiederholter Prügel rissen die Beschwerden über Hals Betragen den ganzen Sommer über nicht ab. Daraufhin gab der verzweifelte Arnkel seinen Sohn in die Obhut von Eyjolf, seinem obersten Diener.
 
Eines Abends, als Katla ihrem Schützling eben das Nachthemd über den Kopf zog, wurde er in die große Halle gerufen. Sein Vater, der gerade mit den täglichen Schiedssprüchen fertig war, saß auf seinem Richterstuhl und hatte die Reitgerte in der Hand. Hal warf einen flüchtigen Blick darauf und schaute fragend zu Eyjolf hinüber, der mit selbstzufriedenem Grinsen neben dem Podium stand.
»Eyjolf verlangt Genugtuung für dein heutiges Verhalten, Hal, und hat mich zum Schlichter berufen«, verkündete Arnkel.
Hal schaute sich beklommen um. Außer ihnen war niemand sonst in der Halle. Durch das Westfenster fiel goldenes Licht herein und funkelte auf den Schätzen des Helden. Der Kamin war nicht geschürt, im Raum wurde es kühl. Der Stuhl neben seinem Vater war leer.
»Wenn es sich um eine Schlichtung handelt, sollte dann nicht Mutter hier sein?«
Arnkels Miene verfinsterte sich. »Ich gehe davon aus, dass ich diesen Schiedsspruch auch ohne die Unterstützung deiner Mutter fällen kann. Um deine Taten zu beurteilen, braucht man die Gesetze nicht in- und auswendig zu kennen. Nun denn, Eyjolf, trage deine Beschwerde vor.«
Der Altknecht war fast so alt wie Katla. Gebeugt und hager, wie er war, richtete er den Blick vorwurfsvoll und ohne jedes Mitgefühl auf Hal. »Edler Arnkel, auf Euren Wunsch habe ich Hal wichtige, grundlegende Arbeiten verrichten lassen, vor allem in den Latrinen, auf den Misthaufen und an den Färberbottichen. Seit drei Tagen schon führt er mich an der Nase herum und schikaniert mich mit äußerster Dreistigkeit. Als ich ihn heute anwies, die Ställe auszumisten, ist er mir entwischt und in den Gesindetrakt gerannt. Als ich hinterhergelaufen bin, hatte er eine ganze Reihe von Fallen und Hinterhalten vorbereitet. Erst bin ich über einen verborgenen Draht gestolpert, dann bin ich auf den mit Butter bestrichenen Steinfliesen ausgerutscht, anschließend habe ich mich vor einem selbst gebastelten Gespenst erschreckt, das in einer Ecke versteckt war, und als ich schließlich in meine Kammer gewankt bin, bekam ich einen Eimer Spülwasser über den Kopf, der auf der angelehnten Tür stand. Zur Belustigung aller auf dem Hof war ich gezwungen, den Kopf mehrmals hintereinander in die Pferdetränke dort zu stecken. Und wen musste ich sehen, als ich wieder aufblickte? Hal, der feixend auf dem Dach von Grims Schmiede saß! Angeblich hielt er nach Trolden Ausschau.«
Als Eyjolf Letzteres vorbrachte, machte er dabei eine ganze Reihe von schützenden Zeichen. Hal, der betont gleichgültig zugehört hatte, war mit einem Mal hellwach.
»Was treibst du da, alter Eyjolf? Musst du denn jede einzelne Körperöffnung schützen, wenn du von Trolden sprichst?«
»Schweig, du unverschämter Bengel! Ich schütze mich lediglich vor ihrem unheilvollen Einfluss. Es hat ewig gedauert, bis ich den Jungen überreden konnte, wieder vom Dach herunterzukommen, Arnkel. Er hätte herunterfallen und sich das Genick brechen können, was Schande über Euch und mich sowieso gebracht hätte. So hat es sich zugetragen, das ist die Wahrheit. Ich verlange Genugtuung und eine Tracht Prügel für Hal.«
Arnkel antwortete mit der tiefen Stimme, derer er sich auch sonst als Schiedsherr bediente: »Nun, Hal, da hast du dir ja eine Menge zuschulden kommen lassen. Es macht mir großen Kummer, dass du dir hintereinanderweg mangelnde Achtung für einen geschätzten Diener, Unachtsamkeit gegenüber deinem eigenen Leben und dreiste Missachtung der übernatürlichen Gefahren, die uns umgeben, geleistet hast. Hast du dazu irgendetwas zu sagen?«
Hal nickte. »Ich möchte auf Eyjolfs Fehlverhalten hinweisen, Vater. Er hat nämlich nicht erwähnt, dass er mir fest versprochen hat, dir nichts davon zu berichten. Erst auf sein Versprechen hin bin ich vom Dach geklettert und habe den ganzen Tag lang die Ställe ausgemistet.«
Hals Vater kratzte sich den Bart. »Mag sein, aber das macht deine Schandtaten nicht ungeschehen.«
»Dazu möchte ich noch etwas sagen«, entgegnete Hal. »Zum einen war ich oben auf dem Dach keineswegs in Lebensgefahr. Du selber hast schon oft gesagt, dass ich flink und trittsicher wie eine Ziege bin. Das Dach hat dabei auch keinen Schaden genommen. Dass ich mich so mit den Trolden beschäftige, rührt daher, dass ich mehr über die Gefahren wissen möchte, die uns bedrohen, und zeugt eben gerade nicht von dreister Missachtung. Und was meine mangelnde Achtung gegenüber Eyjolf angeht, hat die ja
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1. Auflage 2009
© 2009 für die deutschsprachige Ausgabe cbj, München Alle deutschsprachigen Rechte vorbehalten © 2009 Jonathan Stroud
Die englische Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel: »Heroes« bei Random House Children’s Books, London Übersetzung: Katharina Orgaß und Gerald Jung Lektorat: Martina Patzer Umschlagkonzeption: Hauptmann & Kompanie, Werbeagentur, München - Zürich MP · Herstellung:WM
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