Venus in Krebs - Veneranda Taube - E-Book

Venus in Krebs E-Book

Veneranda Taube

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Beschreibung

Menschen werden untreu, sehnen sich nach anderen Welten und Neuanfängen. Was wird daraus? Keine "netten Liebesgeschichten"! Venus in Krebs erzählt von Maria, die übers Internet nach einem neuen Partner sucht. Als sie diesem zu dick ist, und sie ihren Weggang androht, degradiert er sie rüde zum Sexobjekt. Cathy, die sich unglücklich in Venedig verliebt, oder Thomas, der sich als junger Mann unwissentlich einer verheirateten Frau zuwendet, eine Ärztin die Familie und Existenz riskiert für abstruse Rollenspiele, sie alle finden nicht das große Liebesglück, sondern Bittersüßes. Am Ende ist es die Freundschaft zweier Frauen, die jeden Liebeskummer überstehen lässt. Alle Erzählungen basieren auf authentischen Begebenheiten. Nachdem die Autorin sie in vielen Jahren gesammelt hatte, fasste sie das Gehörte zu den vorliegenden Kurzerzählungen in einem Buch zusammen und interpretierte jede einzelne Geschichte zusätzlich in einem Gedicht. Der Wiener Fotograf Christian Hikade komplettierte diese durch stimmungsvolle Fotos. Die anonymisierten Protagonisten der fünf Kurzerzählungen berichteten Veneranda Taube nach der Lektüre, dass die literarische Aufbereitung ihres Schicksals sogar etwas wie "heilende Momente" in ihnen ausgelöst hätte.

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Seitenzahl: 105

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Veneranda Taube

Venus in Krebs

Bittersüße Episoden der Liebe

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Danke an

VORWORT

1. KAPITEL

2. KAPITEL

3. KAPITEL

4. KAPITEL

5. KAPITEL

Impressum neobooks

Danke an

Claudia, Christian,Jutta, Sabine

und Ursel

VORWORT

Über

Venus in Krebs,

die Entstehung der vorliegenden Erzählungen und ihre Protagonisten

Der Terminus „Venus in Krebs“ bezeichnet in der Astrologie eine Konstellation, die den Sternendeuter auf eine Liebesbeziehung schließen lässt.

Schon immer haben Menschen gern mit mir über Erlebnisse aus ihrem Leben gesprochen. Die vorliegende Episodensammlung ist eine Auswahl biografischer Erlebnisse ganz unterschiedlicher Persönlichkeiten, die diese mir im Laufe einiger Jahre erzählten.

Einige dieser Geschichten, jene schwierigen, die von Liebe und Treuebrüchen und den daraus resultierenden Verstrickungen handeln, und insbesondere von der Sehnsucht nach dem Ausbruch aus einer zu eng gewordenen Welt, schrieb ich mit eigenen Worten neu und fasste meine Empfindungen über das Gehörte zusätzlich in Gedichten zusammen. Alle Protagonisten empfanden nach dem Lesen eine Art wohltuendes „Abschließen“ mit teils sehr traumatischen Erfahrungen ihres Beziehungslebens.

Eine Frau berichtete mir, sie habe ihre Episode im Abstand von mehreren Tagen immer wieder zunächst nur sich selbst, später auch engen Freunden laut vorgelesen und dabei „endlich loslassen können“.

Der WienerFotograf Christian Hikadekomplettierte die nachfolgenden Episoden durch seine einfühlsamen Foto-Impressionen:

Die junge EngländerinBridgetverliebte sichin den 1970-er Jahren in den Austauschstudenten Thomas,der so schlechtes Englisch sprach, dass sein Vater ihn gleich nach dem Abitur in einen Sprachkurs nach Broadstairs schickte. Die erste große Liebe des jungen Abiturienten ist ihm bis heute unvergesslich.

Maria, Mutter 2-er Kinder und überfordert mit der Arbeit auf dem hessischen Pferdehof, den sie nach dem Tod ihres Mannes allein bewirtschaften muss, versucht, über das Internet einen neuen Partner zu finden. Sie gerät an einen Mann, der ihr übel mitspielt und braucht lange, bis sie die ungute Liaison aufgeben kann.

Die AmerikanerinCathybringt sich nach einer unglücklichen Liebesaffäre mit einem jungen italienischen Familienvater in Venedig fast um, träfe sie nicht wie aus dem Nichts auf einen „rettenden Engel“, der sie 26 Stunden nicht aus den Augen lässt.

ÄrztinBirthelässt sich von einer abstrusen Weinproben-Bekanntschaft zu Rollenspielen verführen und lebt lang verborgene sexuelle Fantasien in einem Doppelleben aus, das am Ende auch ihre Karriere gefährdet. Als sie endlich der Beziehung Verbindlichkeit geben möchte, erlebt sie eine bittere Enttäuschung.

Am Ende verdreht die rasante AutofahrerinMicaelaeinem Fernfahrer im Veneto den Kopf und legt viele Autokilometer zurück, um ihre Liebe immer wieder zu erfüllen. Ihre beste Freundin begleitet sie dabei und erlaubt der EpisodensammlungVenus in Krebs

1. KAPITEL

Bridget - Sommer in Broadstairs

No more mermaids but stranded and abandoned,

no more prince and no golden rings

no more devote if even remote love affair that

made ya´ fly and broke ya´ wings

no more twin to find, no more thoughts to share,

no more life to live, not a day to care

just leaving behind what´s not worth to remain

just wipe out what´s nothing but a ridiculous stain

just go home, my dear, leave behind all fear----

no more

.

There will come a time when you find the rhyme

to those words now still so false

there will be a dawn on this not far morn

when ya´ understand, that no one else

can take that pain away, can close ya´ eyes and say,

farewell, my dear, you´ve played it cool---

but you.

Go back where you felt home before all feeling´s gone

and don´t tell anyone, before it´s done

put your arms around ya´; no one else will do

dry your tears, my dear, no one else will do

no more crying soul, no more suffering

no more torture play, no more iron ring

killing you -----

but I loved you.

Never no more no mores.

1976 machte ich mein Abitur und kaum legte ich das Zeugnis auf seinen Schreibtisch, begann mein alter Herr skeptisch meine schlechte Englischnote zu bemängeln. „Das reicht nicht,“ sagte er, „nicht für den Betrieb, mein Junge, wenn du bei deinem alten Herrn einsteigen willst. Und fürs Studium erst recht nicht.“

Ich verkniff mir den Hinweis, dass er mich in ein altphilologisches Gymnasium gesteckt und vor meiner pragmatischen Mutter, die stattdessen für ein Wirtschaftsgymnasium plädierte, die Ideale der Antike hervorgehoben hatte. Nun konnte ich halt in Latein und Altgriechisch deklamieren ---- aber ein derart ironischer Hinweis meinerseits wäre so oder so in diesem Moment wirkungslos verpufft und hätte die etwas gereizte Stimmung noch mehr angeheizt. Also schwieg ich vornehm, während mein Vater seinen besten Freund anrief und ihn fragte, wo in England denn eigentlich dessen Tochter im letzten Jahr ihr Englisch aufgebessert hätte.

Ich wusste genau, was das bedeutete. Nichts würde aus der Wochen zuvor geplanten Sommertour nach Frankreich, die ich mir voller Vorfreude für die Monate nach dem Abitur vorgenommen hatte! Meine drei besten Kumpels aus der Schule würden ohne mich mit dem alten R4 und den frisch erworbenen Führerscheinen in die Normandie fahren müssen. Mich würde stattdessen ein langweiliger Aufenthalt in einem kleinen englischen Nest erwarten --- mit Sommercamp und Vormittagsunterricht an einer ferienbedingt leerstehenden, hochherrschaftlichen alten Schule inmitten lieblich-langweiliger grün-englischer Landschaften!

„Reizend,“ sagte meine Mutter, als ich gerade meine Sachen in meine zwei Reisetaschen und einen Seesack stopfte, mit denen ich drei Monate in Broadstairs auskommen wollte. Sie saß auf meinem alten Schreibtisch, baumelte mit den Beinen wie ein junges Mädchen und durchblätterte den farbenprächtigen Sommerkurs-Katalog einer wohlrenommierten Sprachenschule. „Ihr wohnt in englischen Familien, jede Gastfamilie ist vom Alter und sozialen Status auf ihren Gast abgestimmt! Du wirst bei einer Mrs. Walker und ihrer Tochter wohnen! Es ist ein zauberhaftes kleines Haus, schau nur!“

Ja wirklich, ganz zauberhaft! Undefinierbare Teerosen in einem Miniaturgarten rund um ein kleines weißes Häuschen herum, wie sie an den Küsten Südenglands zuhauf zu finden sind. MeinSommerhaus hingegen hatte ein schon etwas verblichenes altes Metzlerzelt sein sollen, und wenn´s abends mal sehr spät geworden wäre, hätten wir eben einfach im Auto gepennt. In den Dünen am Atlantik oder, bei unserem auf jeden Fall eingeplanten Aufenthalt in Paris, eben auch mal ein paar Nächte in einer billigen Pension.

„Das reicht dir nie,“ sagte meine Mutter, und zerrte alle von mir soeben verpackten Kleidungsstücke wieder aus meinen Reisetaschen heraus. „Ich mache das hier schon für dich,“ fuhr sie sanftmütig fort, „sonst gibst du zu viel Geld aus, weil du dir alles in Broadstairs neu kaufen musst.“ Wo sie Recht hatte, hatte sie Recht. Ich vertrödelte den letzten Abend vor meiner Abreise missgelaunt mit meinen Kumpels. Wir trösteten uns mit so vielen Pils, dass ich die erste Hälfte der mehrstündigen Busfahrt nach Calais am nächsten Morgen bierselig verschlief.

Auf der Fähre nach Dover wehte mir frischer Wind um die Nase. Einen Augenblick lang hatte ich in Calais gezögert. Ich hätte einfach meine zwei Reisetaschen aus dem Reisebus verlangen und mich aus dem Staub machen können, meine Freunde anrufen und ihnen sagen, dass ich bereits in Frankreich auf sie wartete... Aber dann entschied ich mich, ein wohlerzogener Sohn zu sein und ergab mich in das Schicksal eines klassischen Schülersommers in Broadstairs.

*

Toll war´s wirklich nicht. Meine Englischgruppe bestand nicht nur aus Schülern meines Alters. Mein Vater hatte mich für einen gemischten Kurs aller Altersklassen angemeldet, der insbesondere einen Schwerpunkt auf Wirtschaftsenglisch setzte. Endlich der Schule entronnen --- und nun saß ich schon wieder in einer. Noch dazu im ersten Sommer meines Lebens, in dem ich unabhängig und frei von allen Verpflichtungen hatte dem Nichtstun frönen wollen!

Am Nachmittag setzte mich der Busfahrer nach einem ermüdenden Programm zwischen Teetrinken, Stundenplänen und einem ersten Spaziergang durch Broadstairs an der Ecke der kleinen Sheffield Lane in einem Dorf unweit von Broadstairs ab. Hier wohnte meine Gastfamilie, die mich jetzt erwartete, nur zwei Busstationen von der Schule entfernt. Ich lief direkt aufs Meer zu und nahm mir vor, noch am selben Abend hinunter an den Strand und zwischen den Felsen spazieren zu gehen.

Sie standen am Gartentor und erwarteten mich. Sie standen neben ihren wohlgepflegten Rosensträuchern, irgendwie würdevoll und wie ich es von einem bürgerlich ländlichen Abbild der königlichen Familie in den 1970-zigern halt nicht anders hätte erwarten können. Ein schafsähnliches Wollknäuel, das mir sogleich voller Stolz als der hauseigene Hund Jimmy vorgestellt wurde, warf mich beim Ansprung fast um und kläffte vor lauter Freude ganz ohrenbetäubend dabei.

Aber etwas anderes brachte mich noch viel mehr aus dem Gleichgewicht. Ihre Augen waren beunruhigend schwarz, ihr Blick so unergründlich wie ihr Lächeln, als sie mir zur Begrüßung die Hand reichte. Sie war die jüngste Tochter meiner Landlady. Sie hieß Bridget, und sie sah aus wie eine junge Elizabeth Taylor mit schwarzen Augen und weißer Haut. Vielleicht duftet alles in England irgendwie nach Lavendel, wenn man sich nur lange genug viktorianische Literatur reinzieht.

Vielleicht hatten sie auch tatsächlich irgendwo Lavendel im Garten, und in den Handtuchregalen ihres altmodischen Bades lag er ohnehin in kleinen Säckchen verschnürt zwischen Stapeln sauberen weißen Frottees. Aber wenn Bridget nahe an mir vorbeiging, wenn wir uns auf der halsbrecherischen kleinen Treppe, die zum Dachgeschoss führte, aneinander vorbei drängeln mussten oder sie mir morgens auf einem Tablett meine Tee ans Bett brachte, obwohl ich das hasste --- dann dachte ich, ich stünde in der Provence, tauchte ein in ein blühendes Lavendelfeld in einem heißen Sommer und fühlte, wie mir langsam schwindlig wurde und kleine Irrlichter vor meinen Augen tanzten.

*

Es wurde ein wundervoller Sommer! Die Hälfte der Schulzeit schwänzte ich und stromerte stattdessen mit Bridget und ihrem alten Austin über die Landstraßen Englands zwischen eben all diesen lieblich grünen Hügeln hindurch, die gar nicht mehr so langweilig waren. Wie lange muss man neben einer englischen Prinzessin in einem englischen Auto durch englische Landschaften fahren, ehe man glaubt, man lebe seit König Arthurs Zeiten in diesem Land und müsse nur noch eine seiner wundervollen Urahninnen heiraten, um selbst ein echter König zu sein?

Natürlich war mir aufgefallen, dass Mutter Walker nicht ganz einverstanden mit dem Verhalten ihrer Tochter war. Oft, wenn ich schon ungeduldig draußen am Wagen auf Bridget wartete, bemerkte ich, wie die beiden Frauen aufgeregt mit einander zischelten. Sahen sie dann, dass ich ihren Zwist mitbekam, nahmen sie sich zurück und Bridget löste sich trotzig von der Bedrängnis durch ihre Mutter.

Ich liebte Bridget abends am Strand und im Austin und in welcher kleinen Frühstückspension auch immer wir das Wochenende miteinander verbrachten. Sie kam heimlich nachts in mein Zimmer, wenn ihre Mutter fest schlief und blieb bis zum Morgengrauen. Ich war 19 und zuhause in Deutschland war ich nichts als ein Kleinstadt-Pennäler mit gelegentlichen Schnellschussaffären nach samstäglichen Parties. Eine erste Jugendliebe hatte ich verlassen, als ich 17 war. Die Treulose hatte sich mit einem Nachbarn verlobt.

Jetzt war ich fast 19 und erwachsen und fest entschlossen, meine englische Prinzessin nie wieder los zulassen. Ich brannte lichterloh für sie und wenn ich ihren Kopf an meine nackte Schulter zog und mit meinen Händen ihre schwarzen Haare zerzauste, beschrieb sie mir, wie stark sie mein Herz schlagen hörte.

Etwas warnte mich stärker von Tag zu Tag, riet mir, ihr Fragen zu stellen, ihr meine Pläne mitzuteilen, aber alles schien so schwerelos und leicht, dieses einfach „mit ihr in den Tag hinein zu leben“, dass ich die mahnende innere Stimme immer wieder zurück in mein Unterbewusstsein verbannte.

Bridgets Mutter hatte resigniert. Sie behandelte mich englisch höflich, aber kühl, schließlich wurde mein dreimonatiger Logierbesuch in ihrem Haus ja auch gut bezahlt. Außerdem führte ich mich als angehender Schwiegersohn auf. Ich half beim Wäscheaufhängen, trug Einkäufe in die Küche, übernahm so unschönen Dinge wie das Kloputzen beim wöchentlichen Saubermachen und schaute nach dem Austin, wenn er muckte.

Mein Leben schien perfekt. Meine Zukunft klar. Ich würde Bridget heiraten. Ich würde in London oder in Oxford studieren, nicht auf irgendeiner piefigen deutschen Wirtschafts-Uni. Meine Zukunft lag in England. Ich musste es Bridget nur noch sagen.

*

An einem heißen Augustwochenende brachen wir zu ihrer Großmutter nach Ingleton auf. An diesem Wochenende wollte ich mit Bridget über eine gemeinsame Zukunft reden. Ich saß neben ihr auf dem Beifahrersitz, meine Hand auf der nackten Haut ihres Oberschenkels immer halb unter ihrem Rocksaum, und beobachtete ihr Profil, während sie aufmerksam und dennoch gelassen ihren alten Austin steuerte.