Vom Tretroller bis zum Ferrari - Fred Weidemann-Gust - E-Book

Vom Tretroller bis zum Ferrari E-Book

Fred Weidemann-Gust

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Beschreibung

Über 50 Jahre ist der Autor bereits mit unterschiedlichen Autos und Motorrädern in Deutschland und Europa unterwegs. Seine Erlebnisse rund um die Fahrzeuge, sein Werdegang und die prägenden Momente durch Familie und Freunde hat er hier im Buch zusammengefasst. Es geht um leidenschaftliches Schrauben, um Reisen und das Handeln mit Autos - eben eine "Auto"- Biographie.

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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Danksagung

Ich danke zuerst meiner Frau Renate, dass sie die Geduld mit mir hatte, während ich dieses, doch teilweise eher nur mit männlichem Humor zu verstehende Buch schrieb.

Dass sie es dann, neben meiner Tochter Chrissi, auch noch korrigierte, rechne ich ihr besonders hoch an. Genauso toll, wie die aktive Unterstützung bei der Bildergestaltung durch meine Tochter Josi.

Dann danke ich Henry Ford, dass er es mit der Erfindung der Fließbandfertigung, sogar jedem mittellosen Deppen ohne Benzin im Blut ermöglicht hat, Auto zu fahren.

Außerdem danke ich Enzo Ferrari und Sergio Pininfarina für ihre zeitlos schönen Ferrari Formen im letzten Jahrhundert!

Heute kommt ja leider, nicht nur aus der Autostadt Maranello, meistens nur noch Einheitsbrei an Autodesign heraus...

Vorgeschichte

Im Jahr 2014 löse ich den Hausstand meiner Eltern auf, damit das Haus veräußert werden kann. Alles muss jetzt verschenkt, verkauft oder auf den Müll befördert werden. Dazu habe ich die eigentlich unangenehme Pflicht, bei jedem Gegenstand zu entscheiden, was mit ihm passieren soll.

Auf dem Dachboden finde ich beim Entrümpeln auch eine große Kiste mit allen möglichen Autounterlagen von meinen eigenen Autos aus meiner Jugend. Ich komme ins Träumen und stelle fest, dass ich doch schon ziemlich viele Autos besessen habe, in meiner Jugend damit auch ganz schön wilde Dinge angestellt habe und viel rumgekommen bin...

Plötzlich kommt mir eine Idee. Warum soll ich über die Autos, die Erlebnisse und die Erinnerungen damit nicht einmal ein Buch schreiben?

Gesagt, getan! Hier ist es also...

Inhaltsverzeichnis

1960 - der Anfang

1963 - mit Tretroller und Kindertrecker

1964 bis 1969 - auf'm Absetzkipper, Autowaschen im Wald und biedere Familienfeste

1969 - Fahrradfahren und zu Fuß gehen

1977 - 2 Gänge, 3 Gänge und kaputte Speichen

1978 - NSU Prinz, VW Split Window und andere Schrauber - Anfänge

1979 - Ford Taunus Turnier, viel Auto fürs Geld

1979 - Südfrankreich mit Citroen DS und ohne Zeltgestänge

1980 - ein Kfz.-Lehrling mit VW Porsche 914

1983 - Studentenzeiten mit Triumph Spitfire MK4, VW Bullys, Datsun Bluebird und Mercedes L319

1985 - Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, als durch mehr Hubraum - also Citroen CX

1990 - die Wende in Chemnitz mit VW Passat und VW Bully T3

1994 - Dozentenzeiten mit Porsche 924 und Moto-Guzzi SP 1000

1998 - Hannover – Stuttgart mit Suzuki Alto und Citroen BX

1998 - Wintercamping im Wohnwagen in Potsdam und Mercedes 300 TE Sportline

1999 - Berliner Zeiten mit VW Golf 2, Mercedes 190D, Porsche 911, MBK Scooter 125 und „Bonsai Ferrari“ Toyota MR2

2001 - Die Dienstwagenära

2005 - Neuanfang mit BMW K100 und Porsche 964

2015 - Ferrari und was kommt dann…?

Nachwort

1960 – der Anfang

Wir schreiben den 23. Dezember 1960. In Salzgitter, der eigentlich nur bei „echten“ Salzgitteranern bekannten Arbeiterstadt mit den ehemaligen „Hermann Göring Stahlwerken“ bei Hannover, liegt in diesem Jahr ziemlich viel Schnee und es ist saukalt da draußen.

Um 16 Uhr 23 verändert sich mein Zustand hier deshalb auch radikal... ich komme zur Welt!

Und da liege ich dann im gleißenden Licht im Krankenhaus und bin ab sofort auf mich selbst gestellt.

Plötzlich werde ich nicht mehr einfach und angenehm von Mama in deren Bauch durch die Welt getragen, sondern nun ist es, auch gefühlt, ziemlich kalt und ich muss strampeln, um mich überhaupt bewegen zu können. Wie anstrengend ist das denn...?

Es muss dringend eine Veränderung her. Denn das gefällt mir so gar nicht, einfach nur plärrend und untätig auf dem Rücken liegen zu müssen.

Ich lerne also ganz schnell krabbeln, meine Motorik funktioniert auch ziemlich gut dabei, aber wirklich zufriedenstellend ist das für mich nicht.

Ok, die nächste Entwicklungsstufe mit dem Laufen ist da ja schon ein besserer Anfang zur frühen Selbstständigkeit, nur das ich nun erst mal häufig auf die Nase falle und mir blaue Flecken hole. Zu ungestümer Bewegungsdrang, lerne ich schnell, führt direkt wieder schmerzhaft in die Waagerechte. Das finde ich dann nicht so prickelnd und ich sehe mich gezielt nach alternativen Fortbewegungsmitteln um. Doch als Baby muss man es erst einmal beim Schauen belassen, denn die blöden Erwachsenen entscheiden da noch wann man (Mann) reif für eine mechanisierte Forstbewegungsunterstützung sein soll. So ein Quatsch, befinde ich für mich, kann aber leider nichts dagegen tun als Warten und Quengeln, wie es nur kleine Kinder in wahrhafter Perfektion zu Stande bringen...

1963 – Mit Tretroller und Kindertrecker

Mein lieber Onkel Fritz, der jüngere Bruder meiner Mutter, ist von Beruf Feuerwehrmann, was mich als Kind natürlich sehr begeistert. Er hat als Erster ein Einsehen und schenkt mir im Frühjahr 1963, gerade als der Schnee weg ist und die ersten Sonnenstrahlen wieder Kraft haben, einen hölzernen Tretroller mit kleinen, „voll gummibereiften“ Kullerrädern auf roten Felgen!

Jupp! Was habe ich mich gefreut! Endlich ein eigenes Fahrzeug mit dem es nun gilt, ab sofort die Welt zu erkunden.... Ganz schnell habe ich meine kurze Lederhose für draußen angezogen. Um die nötige Dankbarkeit zu zeigen, wird Onkel Fritz kurz umarmt, und dann geht es sofort raus in den Garten, um mit dem Roller schwungvoll über die Wiese zu preschen.... zumindest habe ich das voll motiviert vor. Gut geht das aber nur grad bis zu dem Rasenrand, denn dort hakt das Vorderrad hinter die Grasnarbe, der Lenker dreht sich fast komplett um die eigene Achse und ich mache einen schönen Schwan über denselben...Aua, das tut richtig weh und der Spaß an DIESEM Gerät ist mir sofort gründlich vergangen. Ich stelle ihn in die Ecke und rühre ihn auch in den Folgemonaten kaum noch einmal an. Fortan spiele ich doch lieber wieder im Sandkasten mit meinen kleinen Gummiautos. Mit denen kann ich mir wenigstens das Selbstfahren schön gefahrlos in meiner Fantasie ausmalen.

Ich baue mit dem Sand große Straßensysteme auf unserer Terrasse und träume von Reisen auf ihnen mit meinen Spielzeugautos.

Das Onkel Fritz dann doch nochmal einen ganz entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung meiner Autoverrücktheit haben wird, ist hier noch nicht abzusehen.

Es dauert aber zum Glück auch nicht lange, bis meine Familie ein Einsehen hat und mir noch zu Ostern in diesem Jahr, also immer noch weit vor meinem dritten Geburtstag, wieder einen Tretroller schenkt. Diesmal aber einen richtig großen blauen, mit Luftreifen versehenen Roller aus Metall. Der macht echt etwas her und ich kann auch schon grad knapp über die auf die niedrigste Stufe eingestellte Lenkstange gucken. Yippie! Jetzt kann es ja endlich richtig losgehen...! Da sind die Ostereier nun wirklich völlig uninteressant geworden und das familiäre österliche Beisammensein auch.

Aber erstmal geht gar nix gleich los, denn zuerst muss ich mir einen Vortrag meines Vaters, über die Vorteile des großen Radstandes dieses Rollers anhören. Danach erklärt er mir auch noch die hier verbaute Sicherheitsbegrenzung, welche die Lenkbewegung einschränkt. Suppi, was für ein Generve von meinem Altvorderen!

Ok, auch das geht vorbei und dann endlich den Roller in das Freie geschoben und „Saus!“ Ab durch die Mitte, sprich durch unseren größenmäßig doch eher überschaubaren Garten des Reihenmittelhauses mit gerade einmal 25 Quadratmeter Rasen. Ordentlich trete ich aus und komme mit den Luftreifen auch tatsächlich gut voran über Stock und Stein.

Jetzt kann ich Mutter auch in der Folge mal zum Einkaufen in den benachbarten „Vivoladen“ begleiten und den Roller dort im Fahrradständer stolz abschließen.

Aber auch, wenn das mit dem Tretroller nun schon ganz gut geht, blicke ich doch auf den Spielplätzen in unserer Wohngegend sehnsüchtig den vierrädrigen „Ketcars“ und vor allem aber den roten oder grünen Kindertreckern mit Pedalen hinterher.

Ich bin schon als Junge immer mehr den schönen Formen verfallen, als der reinen Funktion. So kommt es, dass ich, obwohl ich weiß, dass ein „Ketcar“ eine viel besser funktionierende „Fahrmaschine“ ist, ich mich trotzdem lieber für einen schönen roten Plastiktrecker erwärme. Auch wenn dieser viel schwerer zu treten und deshalb auch langsamer ist.

Zu meinem 3. Geburtstag am 23.12.1963 ist es dann tatsächlich und endlich soweit...ich bekomme nichts! Jedenfalls nichts Großes außer ein paar Süßigkeiten und Socken und so...

Meine Eltern haben sich diesmal etwas Besonderes einfallen lassen, sagen sie, und versprechen mir, das ich morgen, also Weihnachten, dann etwas ganz Großes bekomme. Es sei so, dass der Weihnachtsmann in diesem Jahr meinen Geburtstag mit Weihnachten zusammengelegt hat, um mir so ein größeres Geschenk machen zu können!

Na prima, das heißt eben einfach noch warten auf den nächsten Tag...

Und für so einen dreijährigen Junge, wie ich das hier bin, ist das Warten noch richtig hart.

Aber auch die Zeit geht rum, und irgendwann ist auch für mich Weihnachten gekommen. Als der Tannenbaum damals noch mit echten, weißen Wachskerzen endlich brennt, „Oh-Tannebaum“ vom Plattenteller dröhnt und das elektrische Licht im Wohnzimmer abgedunkelt wird, trete ich durch die Tür und da steht er...!

Ein knallroter, in Plastik nachgebildeter Porschetrecker mit Tretpedalen, lacht mich an. Ich bin echt begeistert und bedanke mich schnell beim Weihnachtsmann, oder wem auch immer, der dafür halt zuständig ist, den Trecker gebracht zu haben. Ich will dann sofort aufsteigen und losfahren.

Natürlich habe ich die Rechnung wieder einmal ohne Berücksichtigung der Einwände meines perfektionistischen Vaters gemacht...

Er erklärt mir kleinem Mann mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blick, dass dieses Fahrzeug innerhalb des Hauses gar nicht zu bewegen sei, weil sonst die teuren Möbel beschädigt werden könnten. Zum Abschluss sagt er dann: „Wir können aber morgen einmal schauen, ob man draußen damit fahren kann...!“ Damit ist für ihn das Thema erledigt, meint er, und wendet sich ab.

„Tolle Wurst“, denke ich! Da ja Weihnachten auch dummerweise immer im Winter ist, und wo insbesondere 1963 auch noch richtig viel Schnee liegt und wo man deshalb mit dem netten Trecker auf nicht geräumten Wegen kaum draußen fahren kann, sind diese Aussichten auf morgen für mich völlig inakzeptabel. Ich bekomme deshalb einen, wie ich meine, berechtigten und wie ich hoffe, auch herzzerreißenden, ganz lauten Heulkrampf.

Na bitte, geht doch! Mutter kann das nicht allzu lange ertragen und da sie das eigentliche, wenn auch inoffizielle Familienoberhaupt bei uns ist, muss mein Vater gezwungenermaßen einen Kompromiss eingehen. Ich bekomme die Erlaubnis, mit dem Trecker jetzt doch im Haus zu fahren, aber nur, solange ich nicht gegen ein Möbelstück fahre oder sonst wie anecke...!

Mein Vater glaubt, damit habe sich das Problem für ihn erledigt. Er kann sich natürlich nicht vorstellen, dass ich das als Dreijähriger lange hinbekomme. So sieht er sich vor seinem inneren Auge schon den Trecker nach kurzer Zeit konfiszieren um damit seine Ruhe zu bekommen.

Das muss doch funktionieren, denke ich mir jedoch und entwickele fortan eine große Geschicklichkeit schnellstmöglich im Haus um alle Ecken und sogar durch die Küche zu fahren. Immer bedacht darauf, durch beherztes Bremsen, knapp vor den Möbeln stehen zu bleiben und keines der „edlen Stücke“ zu berühren. Es klappt auch in den nächsten Tagen sehr gut und so bleibt der Trecker im Winter ganz im Haus und mein Vater muss sich halt an das Gerumpel von den Rädern mürrisch gewöhnen.

Der Trecker ist dann auch viele Jahre mein Freund, dabei muss er ganz viel arbeiten und verschleißt natürlich auch im Laufe der Zeit. Als dann sogar das Lenkrad irgendwann abbricht, weil das Plastik hart und mürbe geworden ist, ist er eigentlich fertig und ich bin sehr traurig.

Obwohl ich ja sonst nicht so gerne bei den oft mit Wutausbrüchen verbunden Schraubarien meines Vaters im Bastelkeller weilte, bin ich ihm in dieser Situation aber doch sehr dankbar, dass ihm zu dem defekten Lenkrad etwas einfällt und er mir den Trecker repariert.

Mit einem an die Lenkstange festgekeilten Rad von einem alten Kinderwagen als Ersatz, rettet mein Vater den Trecker vor der frühzeitigen Verschrottung und so geht es dann doch noch eine Zeitlang weiter mit meinem Treckerleben.

Man glaubt es kaum, aber er bleibt mir sogar noch bis nach meiner Einschulung erhalten. Dann bekommen ihn meine mittlerweile auch herangewachsenen, kleinen Cousinen. Dort segnet ihn später endgültig das Zeitliche...

1964 bis 1969 - auf'm Absetzkipper, Autowaschen im Wald und biedere Familienfeste

Neben dem vielen Treckerfahren, schaue ich mir aber natürlich immer auch schon sehr interessiert, die richtigen Autos meiner Onkels an, besonders wenn ich einmal mitfahren darf.

Bei meinem Vater muss ich nicht nach Autos gucken. Denn er geht auch nur zu Fuß - so wie ich…

Aus Kostengründen fährt er mit einem Kollegen auf einem zweisitzigen 200er Heinkel Roller hinten drauf zur Arbeit und sonst eben Fahrrad. Erst 1969, im stolzen Alter von schon 49 Jahren, kauft er sich dann doch noch ein erstes eigenes Auto.

Es ist ein alter gebrauchter 1200er VW Käfer „Export“, Baujahr 1962 in Rubinrot.

Vorher, im Mai 1967, kommt aber erst einmal wieder Onkel Fritz bei uns vorbei, um mich zu einem Ausflug in einen Tierpark abzuholen. Wegen seiner Scheidung vor einigen Monaten ist das schicke, fast neue „Karman Ghia“ Coupe, dass er vorher gefahren hat, nun Geschichte. Ein alter Ford Taunus „17m P3“ in himmelblau - im Volksmund auch Badewanne genannt – oder offiziell von Ford als „Auto der Vernunft“ beworben - ist dafür jetzt sein aktueller, fahrbarer Untersatz.

Ich liebe dieses Auto sofort über alles. Die breite, vordere Sitzbank, die große runde Panoramafrontscheibe, die imposante Lenkradschaltung und die sänftenartige Federung haben mich schwer beeindruckt.

Ich denke von diesen Fahrten damals mit meinem Onkel im komfortablen P3, kommt zum Beispiel auch meine spätere Liebe zu dem einzigartigen Fahrwerk von Citroen „DS“ und „CX“...

Onkel Fritz ist jedoch zu dieser Zeit überhaupt nicht glücklich über seinen „sozialen Abstieg“ mit dem alten Taunus. Er sagt, dass dieser Wagen schon ziemlich verrostet ist, was ich überhaupt nicht sehen kann und was für meinen Onkel als gelernter Automechaniker doch eigentlich auch kein Problem darstellen sollte, oder? Er schämt sich aber offenbar aus irgendeinem Grund für den Wagen und will ihn schnellstens ersetzen, sobald er wieder etwas mehr Geld hat. Schade eigentlich, doch im Nachhinein verstehe ich, was meinen Onkel damals so reagieren ließ.

Die Familienfeste bei meinen Großeltern sind nämlich eigentlich eine, aus heutiger Sicht, bühnenreife Show gewesen, die man auch im Fernsehen als Comedy-Soap zeigen könnte.

Den ganzen Tag wird gegessen und getrunken und dazwischen meist ziemlich viel dummes Zeug erzählt.

Es beginnt mit dem Mittagessen um Punkt zwölf. Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle angereist sein!

Darauf legt mein Großvater sehr großen Wert. Und hier, wie auch zur Kaffeetafel um exakt vier und zum Abendbrot um sechs Uhr, holt Opa immer zuerst den Wetzstein raus und schärft jedes Messer daran einzeln. Er wetzt im wahrsten Sinn des Wortes die Messer, damit sie auch richtig scharf sind.

Sobald alle Familienmitglieder am Tisch zusammensitzen, geht es dann auch schnell zur Sache. Die Familienrunde besteht zu dieser Zeit meistens aus den Eltern meiner Mutter, ihren zwei Schwestern, deren Männern und auch Onkel Fritz - der kleine Bruder meiner Mutter. Mein anderer Onkel, Albert, auch kurz nur „Bert“ gerufen, gibt meistens den Ton an. Er ist ein oft cholerischer Bayer, der zu mir aber immer nett ist, und den es nur nach Niedersachsen wegen der Arbeit verschlagen hat. Als Elektriker im hiesigen Stahlwerk, genannt „die Hütte“, verdient er zur damaligen Zeit ganz gutes Geld, wie man bei uns in Salzgitter sagt. Außerdem schneidert seine Frau „rein privat“ und ohne Rechnung Klamotten für die halbe Dorfgemeinde.

Das Auto ist für Bert ein reines Statussymbol. Daher fährt er zu dieser Zeit einen roten, 1965 neu gekauften und von ihm sehr gepflegten untere Mittelklasse VW „1500 S“.

Das Auto wäscht er nur von Hand mit Regenwasser, weil dieses weicher ist, sagt er! Häufig und am liebsten stellt er dazu das Auto gleich direkt in den Wald und schöpft das Wasser direkt aus einem Bach.

Nur in Notfällen seift er den Wagen vor seiner Garage aus der eigens dafür aufgestellten Regentonne ein, und lässt die ganze Drecksbrühe dann einfach in die Kanalisation fließen.

Mit diesem Auto fährt er nicht zur Arbeit, sondern dahin nimmt er natürlich immer den Linienbus. Nicht um Geld zu sparen, sondern einzig und allein um das Auto zu schonen!

Den VW holt er nur an regenfreien Wochenenden regelmäßig zwischen Frühstück und Mittagessen aus der Garage, um sich reinzusetzen und dann ganz allein auf der Autobahn von Salzgitter nach Seesen bis zur dortigen Raststätte zu rasen. Dabei versucht er auf der Überholspur alles an gegnerischen Fahrzeugen zu „versägen“, was irgendwie geht. Seine Schreierei im Auto dabei hört ja niemand außer ihm, was auch gut ist. An der Autobahn Ausfahrt Seesen angekommen, dreht er ohne Pause gleich um und prügelt dieselbe Strecke von circa 50 km genauso zurück wie bei der Herfahrt, um anschließend pünktlich zum Mittagessen wieder zu Hause zu sein. Nur wenn er erfolgreich alles überholt hat, was sich dummerweise zur gleichen Zeit auf der Autobahn befunden hat, hat er gute Laune, sonst eben nicht. Insbesondere nicht an dem unglücklichen Tag, als ihm bei der bescheuerten und sinnlosen Heizerei, der ja bekanntermaßen eh fragile Motor des „1500 S“ um die Ohren fliegt. Er muss sich daraufhin in eine Werkstatt einschleppen lassen und dort wird ein neuer Motor eingebaut – ein teurer Spaß. Nicht aber, dass er jetzt daraus etwas gelernt hat! Nein, er schiebt den Motorschaden einzig auf schlechten Sprit.

Und auf keinen Fall hat seine Fahrweise etwas damit zu tun... Daher wechselt er als Folge lediglich seine Stammtankstelle und verändert natürlich nicht sein Fahrverhalten...

Ich habe jedoch das Vergnügen, auch unter der Woche, wenn er keine Schicht hat, von ihm abgeholt zu werden, um einfach so durch die Gegend zu heizen.

Besonders gefällt mir eine Kuppe bei Seesen auf der Landstraße, wo er mit dem „1500er“ vorher richtig Gas gibt und wir dann förmlich oben drüber springen.

Oder wir klauen zusammen Runkelrüben am Feldrand für meine zwei Meerschweinchen, die ich von ihm geschenkt bekommen habe.

Ich mag ihn sehr gerne.

Noch viel besser ist allerdings, dass er seinen bayrischen Alabasterkörper keinem damals üblichen Chlor in den Badeanstalten aussetzen will und deshalb nie in den öffentlichen Bädern badet. Stattdessen sucht er jede Gelegenheit, um in Baggerseen oder Teichen zu schwimmen, auch wenn ihn dabei der eine oder andere Blutegel anfällt. Als kleiner Junge freue ich mich natürlich immer, wenn er mich zu einem solchen abenteuerlichen Ausflug mitnimmt.

Ich erinnere mich noch genau an einen Baggersee, der in der Nähe der durch die „Wunderrettung“ einiger Bergleute 1962 berühmt gewordenen Grube „Lengede“ ist.

Dort bauen wir einmal gemeinsam, in einem stilgelegten Tagebau, ein großes Floß auf leeren Ölfässern mit rumliegenden Planken aus dem ehemaligen Bergbau. Damit haben wir viel Spaß im Wasser und beim Sonnen.

Noch mehr Spaß habe ich allerdings, wenn Onkel Bert damals auf seinen Streifzügen nach neuen Badeidyllen durch die industrialisierte Natur dieser Gegend auch alte Müllkippen entdeckt, in denen Schrottautos entsorgt werden. So liegen in Lengede am Strand eines weiteren Baggersees zum Beispiel einfach ein von der Klippe gestürzter NSU „Prinz 1“ und ein Fiat „600“.

In einer Laune beschließen wir die Lenkräder für mich zum Spielen abzubauen. Das vom Prinz ist leider schon gebrochen. Onkel Bert sagt deshalb, dass sich der Aufwand, es zu demontieren, nicht lohnt.

Er verspricht, dafür noch ein anderes aufzutreiben. Das Fiat Lenkrad bekommen wir aber gut ab und es soll mich ab diesem Zeitpunkt in meinem Kinderzimmer durch die nächsten Jahre begleiten.

Für das NSU Lenkrad, das ich gerne gehabt hätte, bringt er tatsächlich auch bald Ersatz. In einer anderen, freien Müllkippe liegt ein Mercedes „180 Ponton“ ohne Türen. Dieses Lenkrad können wir damals einfach abschrauben und mitnehmen. Was für ein Wahnsinn, dass dieses interessante Auto hier einfach vermodert ist. Die Krönung im „Lenkräderabbau“ ist dann ein Magirus „Rundhauber“.

Dieser LKW ist offenbar nach Fertigstellung einer Baustelle irgendwie defekt übriggeblieben und wie damals so viele Fahrzeuge, wenn sie nicht mehr gebraucht wurden, in der Gegend stehen gelassen worden. Seine Türen sind offen. Dennoch bekommen wir auch mit „schwerem Gerät“, sprich einem großem „Engländer“, das Lenkrad nicht ab. Schade!

Meinem Onkel bin ich für die anderen abgebauten Lenkräder jedoch ewig dankbar.

Bei den Familienfeiern im Hause meiner Großeltern tönt Onkel Bert schon bald, dass er sich als nächstes einen „großen“ Ford Capri oder vielleicht sogar einen VW Porsche „914“ kaufen will. Natürlich wieder ganz neu!

Ich frage mich dabei im Stillen, was so ein alter Mann - mit seinen damals knapp 40 Jahren - mit einem Auto will, das doch eher laut Werbung für Jugendliche gedacht ist? Trotz der großen Töne wird es dann später bei ihm auch nur ein züchtiger Audi „100 GL“, mit gerade einmal zwei Türen und nicht mal ein fesches Audi „100 Coupe S“.

Mein Onkel Fritz kann bei diesen Träumereien und den Protzereien finanziell einfach nicht mithalten und schämt sich deshalb nur weiter für seinen alten Ford „P3“.

Insbesondere dann, wenn der dritte im Bunde, mein Onkel Paul, dann auch noch kräftig in das gleiche Horn stößt.

Als einfacher Lokführer auf einer kleinen Güterlok bei einer Privatbahn, sieht er sich trotzdem in Salzgitter als sehr wohlhabenden Mann. Denn mit einer „studierten Frau“, nämlich einer Lehrerin, die dummerweise auch noch mehr verdient als er, haben sie zusammen schon ein hübsches Einkommen. Von ihm stammt übrigens auch der feinsinnige Spruch an seine Gattin, als diese auf einem der Feste bekundet, dass sie gern doch ein Kind bekommen würde: „Frau, was willst Du? Willste wirklich ein Kind haben oder doch lieber Wohlstand...?!“

Der Mann hat eben den Durchblick und fackelt deshalb auch nicht lange. Als ihn sein erst 1967 neu gekaufter weißer VW „1600 Stufenheck“ beim Anspringen mehrfach im Stich gelassen hat, legt er sich sofort wieder ein neues Auto zu. Den VW gibt er für einen Witzpreis in Zahlung. Diesmal gibt es aber keinen, wie er sagt „popeligen VW“ mehr, sondern jetzt holt er sich einen noblen weißen BMW „1800“ – die sogenannte „neue Klasse“. Seitdem spricht er nur noch mit vor Stolz geschwellter Brust von seinem „Blau-Weißen“ und Onkel Fritz wird dabei von ihm als ganz arme Sau schief von der Seite angeschaut.

Die ist er ja irgendwie auch. Denn nach der Scheidung, bis zu seinem frühen Tod, ist er eigentlich immer hoch verschuldet und muss den Taler deshalb mindestens zweimal umdrehen, bevor er ihn für irgendetwas ausgeben kann.

Mir allerdings gibt er ganz viel fürs Leben mit, indem er mich auch regelmäßig zu Ausflügen abholt. Mal geht es in einen Tierpark, mal zu irgendwelchen Sehenswürdigkeiten. Oder er lässt mich einfach auf seinem Absetzkipper LKW mitfahren.

Als unversteuerten Nebenjob, an seinen freien Tagen bei der Feuerwehr, fährt er bei einem kleinen Kommunalspediteur, um sich ein wenig Taschengeld „schwarz“ dazu zu verdienen. Ich mag ihn auch wirklich gern.

Und auch meine ersten Gehversuche später in der Lehre, als Automechaniker mache ich abends in seiner Garage, die ich mir gern unter den Nagel reiße, um nach Feierabend dort zu schweißen und zu schrauben.

Nur wenige Zeit später wird es ihm, und vor allem aber meiner Oma, die im selben Haus wohnt, doch zu viel und ich muss mich nach meiner ersten eigenen Werkstatt umsehen.

Aber so weit ist es ja noch nicht. Noch lausche ich staunend bei den Familienfeiern den Protzgesprächen, die die Männer nach mehreren Bieren und Schnäpsen zu späterer Stunde immer intensiver führen.

Ich bilde mir dazu meine eigene Meinung. Für mich wird schnell klar, dass ich da meinen eigenen Weg finden muss. Denn dieses Gelaber finde ich nicht sehr imponierend und die Autos der „Angeberonkels“ erst recht nicht.

Da kommt mir zur späteren autobesessenen Entwicklung ein Zufall zur Hilfe. Auf einem der regelmäßigen und von mir eigentlich so gehassten, sonntäglichen Spaziergängen mit meinen Eltern im nahen Hainberg, springe ich ein bisschen neben den Wegen durch den Wald.

Hinter einer kleinen Kuppe stutze ich kurz, denn dort steht völlig unerwartet ein alter abgemeldeter VW Bulli „T1“- ein echter „Split Window“ - den wohl Waldarbeiter ausgemustert und hier nur noch als Frühstücksquartier abgestellt haben.

Damals ist es normal gewesen, nicht mehr gebrauchte Autos einfach am Wegrand stehen zu lassen und sich nicht die Mühe zu machen, sie ordentlich zu entsorgen. Auch der Polizei ist das zu dieser Zeit meistens noch völlig Wurscht, und bis sich mal ein Schrotthändler erbarmt, sie abzuholen, stehen sie einfach rum.

Der „T1“ ist zu diesem Zeitpunkt noch komplett und nicht abgeschlossen. Daher kann ich die Fahrertür ohne Probleme öffnen, auf dem herrlichen, völlig verschlissenen Fahrersitz Platz nehmen und Autofahren spielen. Als ich mich umschaue, sehe ich genug Platz, um mir auch ein Bett und eine kleine Küche vorstellen zu können. Das hier ist endlich ein Auto, was mir durch und durch gefällt und zugleich nützlich erscheint – viel besser, als die Kisten meiner Onkels. So was will ich später haben!

In den folgenden Wochen kann ich mich sogar für die Sonntagsspaziergänge begeistern und bringe meine Eltern auch dazu, immer einige Zeit an dem Bulli zu verweilen, damit ich darin spielen und träumen kann. Leider gibt es auch damals schon „Autospechte“ und so nimmt der Bus von Woche zu Woche an Substanz ab, bis er nahezu komplett ausgeschlachtet und dann eines Tages sogar verschwunden ist. Sehr schade und aus heutiger Sicht unverzeihlich, wie damals mit solchen Ikonen umgegangen wird!

Und umso mehr wurmt es mich heute, dass ich meinen eigenen, später erworbenen „Split Window“ auch nicht retten kann.

1969 - Fahrradfahren und zu Fuß gehen

Zuerst einmal beginnt für mich aber von 1969 bis 1976 eine lange Zeit der Fußmärsche.

Nur notgedrungen benutze ich diverse Fahrräder, die ich nicht mag, deshalb einfach verschleiße und mit denen ich dennoch fahren muss. Eigentlich bin ich noch nie gerne Fahrrad gefahren, irgendwie muss ich jedoch die knapp sechs Kilometer zu meiner Schule überbrücken und Busfahren ist teuer. Häufig schimpfe ich, wenn wieder einmal das Licht nicht geht, und ich mühselig den „Kupferwurm“ an meinem blöden Fahrrad suchen muss. Unsere Polizei in Salzgitter versteht nämlich insbesondere bei Kindern und Jugendlichen überhaupt keinen Spaß, wenn das Licht nicht funktioniert, und macht dann Ärger bei den Eltern.

Eine ziemlich unbefriedigende Situation für mich. Daher sehne ich schon lange vorher meinen 18. Geburtstag herbei, um endlich den Führerschein machen und dann Autofahren zu können.

Zwischenzeitlich spiele und träume ich jedoch nur mit den Lenkrädern von meinem Onkel Bert. Dabei stelle ich zwei Stühle nebeneinander und mache „Brumm, brumm“, wenn ich hochkonzentriert lenke.

Auch nutze ich jede Gelegenheit - neben dem „T1“ im Wald - in anderen alten, ausgemusterten und in der Gegend abgestellten Schrottfahrzeugen zu spielen.

Ein Ford „12 m“ aus dem Baujahr 1964 steht mehrere Monate unverschlossen bei dem Lokal des Schäferhund Vereines, der Stammkneipe meines Onkel Fritz. Er riecht so schön nach altem Auto und hat sogar eine interessante Lenkradschaltung. Ich stelle mir vor, wenn ich da am Steuer sitze, wie ich mit ihm über die Landstraße cruise. Wenn Fritz hier „auf ein Bier geht“, nimmt er mich öfter mit, ich kann dann in dem Ford so lange spielen, bis er wieder aus der Kneipe rauskommt und mich anschließend nur wenig oder auch mal mehr betrunken mit seiner Ford „Badewanne“ nach Hause fährt.

Das ist zwar auch schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht wirklich erlaubt gewesen, so alkoholisiert Auto zu fahren, es stellt aber für Fritz kein Problem dar. Denn er kennt damals die meisten Polizisten in unserer Stadt durch seine Rettungswagen Fahrerei persönlich und die werden ihn schon nicht kontrollieren, sagt er. Er wird auch tatsächlich nie angehalten, und so komme ich zu den Touren gerne mit, bis der abgestellte Ford auch irgendwann weg ist.

Meine Schulfreunde fangen nun schon nach ihrem 15. Geburtstag an, mit ihrem ersten Mofa durch die Gegend zu fahren. Das reizt mich jedoch eher wenig. Mit 25km/h durch die Gegend zu tuckern und für so ein neues Gefährt, das zudem kaum schneller als ein Fahrrad ist, auch noch mein emsig gespartes Geld zu verschleudern, ist nichts für mich.

Zu dieser Zeit habe ich als begeisterter Papier-Schiffsmodellbauer bereits eine gute Fingerfertigkeit erlangt. Ich bastele damit also lieber in meine Spielzeug „Wiking“ VW Busse im Maßstab 1:87 schon einmal verschiedene Traum-Campingausstattungen aus Pappe in Miniatur. Dabei jongliere ich maßstabgerecht gerne mit den beschränkten Platzverhältnissen, um hier für meine späteren Campingbedürfnisse eine optimale Möblierung zu entwickeln.

Mir ist zwar klar, dass ich mir mit den hoffentlich bald erreichten achtzehn Jahren noch keinen „teuren“ VW Bus leisten kann, aber Träume sind ja eigentlich auch dafür da, irgendwann einmal in die Realität umgesetzt zu werden.

1977 – 2 Gänge, 3 Gänge und kaputte Speichen

Eigentlich mehr aus Spaß - oder vielleicht auch nur, weil meine Schulfreunde den Mofa Führerschein schon gemacht haben - gebe ich mir einen Ruck, und melde mich im Frühjahr 1977 mit 16 Jahren gleich für den Führerschein „IV“ für Mokick und Kleinkraftrad an.

Er ist wirklich nicht schwierig. Lediglich eine theoretische Prüfung mit ein paar Fragen muss ich ablegen und damit habe ich ihn schnell bestanden. Praktische Fahrstunden gibt es in dieser Klasse zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich bin ja außerdem schon 16 Jahre alt und dürfte nun eigentlich auch gleich mit so einem Fahrzeug losfahren, aber ein teures, neues Mokick bis 40km/h will ich mir nicht mehr kaufen. Und die, zu dieser Zeit besonders bei Versicherungen und Eltern berüchtigten „offenen 50er“, also Kleinkrafträder mit 50ccm, ohne Geschwindigkeitsbegrenzung, reizen mich und meinen „Sparstrumpf“ auch erst eher wenig. Sie haben eine schlimme Unfallstatistik und sind deshalb in der Versicherung extrem teuer.

Ich will ja eigentlich auch nur auf mein erstes, gebrauchtes Auto sparen und gar nicht mehr mit diesen wetterabhängigen Vehikeln rummachen und dafür auch noch viel Geld ausgeben...

Ja, eigentlich - wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wäre.

Genau bis zum Herbst 1977, also noch ein gutes Jahr bis zum richtigen Autoführerschein, halte ich die Wartezeit durch.

Am 15.09.1977 komme ich dann doch einmal wieder bei einem alten Jugendfreund, der nur zwei Tage später als ich geboren wurde, in Gebhardshagen vorbei. Dieser erzählt mir nebenbei, dass er noch ein altes Moped von seinem Opa im Keller stehen hat, er selbst es aber nicht fahren und es deshalb schnell verkaufen will.

Er weiß auch nicht, ob es wirklich noch fährt, aber dafür ist es halt billig. 30 D-Mark will er dafür nur haben!

Plötzlich bin ich wie elektrisiert. Ich weiß nämlich schon, dass die alten Dinger noch nicht einmal unter die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 km/h für neue Mopeds fallen und trotzdem ganz billige Versicherungen haben, einfach weil es nicht mehr so viele alte Mopeds gibt.

Also, nichts wie runter in seinen Keller und da steht es: Mein erstes Moped! Das ist mir sofort klar!