Von Dünen, See und Strand - Werner Bitter - E-Book

Von Dünen, See und Strand E-Book

Werner Bitter

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Beschreibung

In den beiden ersten Geschichte blicke ich auf die Ursprünge der Insel Juist, beginnend im ausgehenden Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Ich versuche Leserinnen und Lesern eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie menschliches Leben dort ausgesehen hat. Die von mir ausgewerteten Unterlegen geben Einblicke in interessante, gelegentlich amüsante, aber zum Teil auch tragische Begebenheiten die ich erzählend darstelle und kommentiere. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts sah es auf Juist nicht viel anders aus als in den letzten des vergangenen. Das wirtschaftliche Leben war vom Niedergang der Seeschifffahrt gekennzeichnet. Die im Zusammenhang mit Napoleons Kriegsführung errichtete Kontinentalsperre unterband jeden Seehandel mit England. Das führte zum vollständigen Zusammenbruch des einzigen Wirtschaftszweiges, der Seeschifffahrt. Anhand von Kirchenbüchern und alten Dokumenten aus dem Familienbesitz habe ich versucht das Leben auf Juist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts darzustellen, beginnend mit der Suche nach meiner Ururgroßmutter, die vom Festland kam, einen Sohn mitbrachte und den Juister Fährschiffer heiratete. In vier Geschichten habe ich versucht das Leben meiner Juister Urgroßeltern nachzuvollziehen und aufzuzeigen, wie sich das Leben auf der Insel während ihrer Lebenszeit veränderte. Zwischen 1850 und 1900 wurde aus einem ärmlichen Inseldorf ein angesagtes Nordseebad, besucht von Königen und Fürsten. Dieser Erzählzeitraum endete mit dem Beginn des 1. Weltkriegs. Ich, der Urenkel, mache nun einen Zeitsprung und setze meine Geschichten über Juist mit einem Blick auf das Ende des 2. Weltkrieges und der schwierigen Nachkriegsjahre fort. In größeren Zeitsprüngen, der Enkel ist erwachsener geworden, hat die Insel verlassen und kehrt nur während seines Urlaubs zurück, versuche ich aufzuzeigen, wie ich als älter werdender "Buten-Juister" meine Heimatinsel wahrnehme.

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Seitenzahl: 229

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Werner Bitter

Von Dünen, See und Strand

Geschichten und Geschichtlichesüber die Insel Juist

© 2021 Werner Bitter

Autor: Werner Bitter

Verlag: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN:

978-3-347-42660-3 (Paperback)

 

978-3-347-42661-0 (Hardcover)

 

978-3-347-42662-7 (e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

„… Juist ist nicht einmalig schön. Es ist eine Insel der Treue. Man stillt hier nicht seine Neugier, man hakt Juist nicht ab, um das nächste Mal auf die nächste ostfriesische Insel zu fahren. Das ist das Risiko, das man mit Juist eingeht. Juist ist unvergleichlich! Ich kenne keine andere Nordseeinsel, ich werde keine weitere kennenlernen,

ich habe mich ein für allemal entschieden: Juist.

Mein Urteil ist subjektiv. Wo man liebt, darf man nicht objektiv sein….“

Christine Brückner

aus Juist, ein Lesebuch

Inhalt

Vorwort

Ursprünge I

Ursprünge II

Spurensuche

Familiengründung

Tant Haukes Huus

Lebenslinien

Kindheitserinnerungen

Strandjen

Sommerabend

Pferdeinsel

Von See und Sand

Spätherbsttage auf Juist

Vorwort

Juist, wie viele Geschichten, Berichte, Reiseeindrücke und sogar Gedichte sind schon über dich, meine Heimatinsel, geschrieben worden. Töwerland wirst du auch genannt, Zauberland soll das bedeuten und selbst zur schönsten Insel Norddeutschlands bist du schon gewählt worden. Ein Zauberland im alten Fabelsinne bist du nicht Juist, aber als zauberhaft magst du allen erscheinen, die deine Gestalt, deine Lage in der See und deine besondere Natur mit einem Süßwassersee in der Dünenlandschaft lieben.

Habe ich all dem, was bereits erzählt oder berichtet wurde etwas Neues, noch nicht Gehörtes, nicht Gelesenes hinzuzufügen? Ja, schon, aber das war nicht die Absicht mit der ich die kleinen Geschichten niederschrieb. Als ich während meiner höheren Jahre begann Gedanken und Eindrücke während meiner Inselaufenthalte festzuhalten, geschah das ohne ein Ziel zu verfolgen. Erst als ich durch die Lektüre von Aufzeichnungen über das historische Juist und durch das Studium alter Dokumente über das Haus der Ur-Großeltern immer mehr Notizen gesammelt hatte, reifte der Entschluss daraus Erzählungen zu formen. Das was entstanden ist lässt sich grob in drei Teile gliedern. Ein erster Teil mit dem Blick in die Frühzeit der Insel, im mittleren Teil schaue ich auf das Leben meiner Juister Familie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der sich vollziehenden Wandlung eines von der Seefahrt geprägten Inseldorfes zu einem Seebad. Der dritte Teil ist in neuerer Zeit angesiedelt und betrifft mein eigenes Leben. Er behandelt meine Kindheitserinnerungen an Juist in den ersten Nachkriegsjahren, sowie meine Sicht auf meine Heimatinsel als erwachsener und älter gewordener Mensch.

Etwas Naturgegebenes, sehr Naheliegendes und vor allem Elementares für ostfriesische Inseln sind See und Sand. Vermutlich weil ich von Kindheit an damit vertraut bin, habe ich nicht viel über ihre Bedeutung nachgedacht. Beides gehörte zum Leben, wie der Wind und die Wolken. Erst als ich das bereits erwähnte Material auswertete und die Geschichten niederschrieb wurde mir wirklich bewusst, wie elementar See und Sand für das Werden und Vergehen unserer Nordseeinseln ist, und wie sie das Leben beeinflussen.

Werner Bitter

Juli 2021

Ursprünge II

Die Geschichte meiner Heimatinsel beschäftigte mich wieder in diesen Tagen an der See. Den Ursprüngen menschlichen Lebens hier wollte ich auf die Spur kommen. Nicht weiter bin ich damit gelangt als die mir zur Verfügung stehenden Quellen es zulassen. Immerhin, einiges Wissen ließ sich zusammentragen. Bereits im ausgehenden Mittelalter lebten Menschen auf der Insel Juist, das lässt sich mit einiger Sicherheit sagen. Zu Beginn der Neuzeit mehren sich die Informationen über das Leben auf der Insel. Im vorhergehenden Kapitel habe ich es knapp zusammengefasst dargestellt.

Juist war wohl, einen anderen Grund gibt es nicht, wegen des Gestüts für den Landesherrn von besonderer Bedeutung. Insofern kam den Vögten als verlängerter Arm der herrschaftlichen Verwaltung eine besondere Funktion zu. Der älteste überhaupt bekannte ostfriesische Inselvogt war Evert van Pylsum, Amtman up der Juest der mindestens von 1516 bis 1534 dieses Amt bekleidete heißt es in De Juest, Zur Kulturgeschichte des alten Eilands. Seine Amtsgeschäfte hat er wohl von Emden aus geführt, wo er ein angesehener Bürger und in den 20er Jahren des 16. Jahrhunderts auch Stadtbaumeister war. Über seine soziale Stellung gibt ein erhaltener Heiratsvertrag seiner Tochter Swane Auskunft, die er 1534 einem Ede Jeltkins zur Frau gab. Als Mitgift erhielt sie ….ein halbes Haus in Emden, zwei Ochsen im Werte von je 20 Gulden, eine Stallkuh, und eine Ausstattung <wall gekledet, so een borgers dochter to steiht>. Von Zeit zu Zeit, möglicherweise auch nach vom Landesherrn vorgegebenen Weisungen, hat er sich zur Insel übersetzen lassen, um nach dem Rechten zu sehen. Ob Tochter Swane wohl gerne einmal mitgefahren wäre frage ich mich. Sicher hat der Vater gelegentlich von seinen Reisen berichtet. Vielleicht hat es sie auch gegraust, wenn der Vogt seine Berichte mit übertrieben finsteren Geschichten über das Leben auf der Insel würzte. Für Menschen die in einer befestigten Stadt lebten, müssen Inseln, mit den wenigen dort in Hütten ähnlichen Behausungen lebenden Personen, sehr exotisch gewesen sein.

Die Nachfolger des Evert van Pylsum lebten offenbar überwiegend auf der Insel, waren nicht selten auch Insulaner. Die älteste bekannte Bestallungsurkunde für einen Juister Vogt datiert vom 4.5.1631. Sie wurde für einen Joris Janßen ausgestellt und vom Landesherrn eigenhändig unterzeichnet. Sie sagt viel darüber aus wie damals auf der Insel gelebt wurde, daher will ich sie in Auszügen und mit Kommentaren hier wiedergeben.

Unter 1) heißt es da, der Vogt möge einen leiblichen Eid schwören, … daß er Uns und Unseren Erben getreu, hold und gehorsam sein möge … Nun, dies ist leicht gesagt, aber unter den herrschenden Bedingungen sicher nicht immer leicht umzusetzen. Der Graf nimmt den Pluralis Majestatis für sich in Anspruch nehme ich verwundert zur Kenntnis. Seine Vorfahren waren ostfriesische Häuptlinge, er ist nun „Wir“ und von Gottes Gnaden.

Ein Verzeichnis möge er anlegen heißt es unter 2), zur genauen Erfassung aller Einwohner des Eilandes, woher sie gebürtig, wie lange schon auf der Insel, sowie umfassende Auflistung ihres Besitzes usw. … damit Wir jederzeit wissen, wie auf dem Eyland gelebet werde. Warum um alles in der Welt will der Landesherr diese Details von kaum zwei Dutzend ärmlichen Haushaltungen wissen frage ich mich. Wenn man allerdings erfährt, wie argwöhnisch selbst der kleinste Handel überwacht, der unter der Hand erfolgte Verkauf von Kaninchenfellen geahndet, oder die nicht ausreichende Lieferung von Fisch oder Schlachtvieh empfindliche Strafmaßnahmen auslöst kann man ermessen, wie engmaschig der Hof seine Untertanen überwacht, um seinen Haushalt in Ordnung zu halten.

…Keinem Neuen möge er erlauben auf dem Eyland zu wohnen und ihm gar Land Weide und Schifffahrt zu gebrauchen gestatten … heißt es unter 3), es sei denn mit dem Segen der fürstlichen Beamten. Auch hier wird wieder das Prinzip der Überwachung sichtbar. Ein nicht registrierter Untertan könnte ausschließlich zu eigenem Vorteil wirtschaften und den Hof um den ihm zustehenden Anteil bringen.

Dass ein jeder treu, fromm und aufrichtig lebe,