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Die wahre Geschichte von Ingrid wird nicht nur Stoma-Patienten Mut machen, sondern auch vielen anderen Lesern, die schwierige Lebensphasen meistern müssen. Das Buch erzählt authentisch, lebhaft, witzig und humorvoll, wie sich von einen Tag auf den anderen ihr Leben total veränderte.
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Seitenzahl: 83
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Vorwort
Wie alles begann
Im Krankenhaus
Karl
Zu Hause und mein Alltag mit Karl
Fynn
Stoma Alltag
Beruf
Partnerschaft
Enkel
Ein Spanier, ein Ungar und ich – meine Hunde, mein Leben
Meine Reise nach Andalusien
Angekommen
Wieder Daheim
Rückverlegung
Meine hoffentlich letzte Operation
Die Entstehung dieses Buches
Nachwort
„Stoma“, ein nicht allen geläufiges Wort, eher bekannt unter „künstlicher Darmausgang“, eine furchtbare Vorstellung, auch für mich!
Mir war das sehr wohl ein Begriff, aber ich brachte das nur mit älteren oder krebskranken Menschen in Verbindung. Niemals hätte ich geglaubt, dass es auch junge oder gesunde Menschen treffen könnte. Vor allem nicht von heute auf morgen und vor allem nicht mich!
Mit diesem Buch möchte ich all den vielen Stomaträgern, egal ob jung oder alt, ob krank oder gesund, Mut machen, ihnen zeigen, wie so ein Leben, mit nur etwas positiver Einstellung, doch ganz gut zu meistern ist.
Dazu möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, nämlich meine Geschichte.
Ich hatte ein Ileostoma, die Fachbegriffe könnt ihr gerne beim Herrn Google nachlesen, mir war das nämlich komplett egal, Stoma bedeutet für mich, Beutel am Bauch, aus welchen Gründen auch immer.
Als ich damit konfrontiert wurde war ich auch erst mal überfordert. Als ich wieder klar im Kopf war und begonnen hatte mich damit auseinanderzusetzen und abzufinden, konnte ich keine Information im Netz finden, die mich auch nur einen kleinen Schritt weitergebracht hätte. Sicher gab es Fachliteratur, dann Broschüren, mit Erfahrungsberichten, wie toll das doch alles klappt, aber so weit war ich ja noch nicht. Darum dachte ich, dann muss ich wohl selber ein Buch schreiben,
Es sollte kein trockenes, fachliches Buch werden, nein, sicher nicht, weil das ja gar nicht zu mir gepasst hätte.
Eher eine amüsante Unterhaltungslektüre, die den Alltag mit einem Stoma, mit alle seinen Tücken beschreibt und den einen oder anderen doch mal zum Schmunzeln bringt. Denn je eher man das Stoma akzeptiert, desto leichter lebt es sich mit ihm.
In meiner Zeit als Stomaträger, auch Beuteltier genannt, habe ich sehr viele nette Leute, vor allem über die sozialen Netzwerke kennengelernt.
Immer wieder ist mir aufgefallen, dass manche versuchen es zu vertuschen, sich selber verstecken oder sich gar dafür schämen.
Das versteh ich nun absolut nicht, ich hätte ohne Stoma wohl nicht überlebt, und ich werde mich ganz gewiss nicht für etwas schämen, das mir das Leben gerettet hat, ganz sicher nicht!
Lieber einen Beutel am Bauch als einen Zettel am Zeh!
Dieses Buch widme ich vor allem meinen Chirurgen Oberarzt Dr. Murr mit seinem Team,
der Station 6 im Klinikum Vilshofen,
meinem Partner Sigi,
meiner Mama, als Überraschung zu ihrem Geburtstag
meinen Freundinnen Monika Ehmann
und Andrea Oswald
Ich war gerade mal 51 Jahre alt, natürlich in der Blüte meines Lebens.
Mutter von drei erwachsenen Kindern, Oma von drei tollen Enkelsöhnen, in einer harmonischen Beziehung, die hier in der Geschichte auch eine große Rolle spielt.
Beruflich war ich bereits seit über zwanzig Jahren erfolgreich als selbstständige Propagandistin.
Ihr wisst nicht was das ist? Ihr kennt sie alle. Das sind die freundlichen Damen, die euch im Einkaufsmarkt, mit strahlendem Lächeln im Gesicht, hinter einen Stand stehend fragen, ob ihr probieren wollt.
Ich kannte jeden Markt, egal ob Real, Edeka, Rewe, Kaufland oder Globus in Niederbayern und der Oberpfalz. In all den Jahrzehnten musste ich mich niemals für einen Einsatz bewerben, ich hatte immer Anfragen und gute Einsätze
Ja genauso eine war ich. Und ich liebte meinen Job mit Herz und Seele.
Es war immer toll, wo immer ich hinkam, freute sich jeder, alle kannten mich.
Es passierte mir oft, wenn ich in einen neuen Markt musste, oder eine Neueröffnung hatte, dass mich der Marktleiter herzlich begrüßte und sagte, es würde ihn freuen, dass ich für ihn einen Einsatz machte, mein guter Ruf würde mir schon vorauseilen.
Ähnliches passierte auch bei Events oder Messen. Der Manager sagte dann zu meinen Standnachbarn: „Hängt euch rein, die Firma, mit dem Stand zwischen euch, schickt sein bestes Pferd ins Rennen.“
Mir lag der Job einfach. Bevor meine Kolleginnen die Kunden nur angesprochen hatten, hatte ich schon verkauft.
Mein großes Hobby waren meine beiden Hunde, mit denen ich viel Zeit verbrachte. Ich kümmerte mich auch liebend gerne um Auslandshunde, Pflegehunde und Hundesitting.
Wenn es mir die Zeit erlaubte verbrachte ich am liebsten die Zeit mit meinen drei Enkeln. Basteln, Wände und Fenster bemalen war unsere schönste Beschäftigung.
Wobei meine Enkel auch gerne, wie wir vier es nennen, einfach nur Schmarrn machen. Das geht halt nur bei Oma Ingrid!
Man konnte eigentlich sagen mein Leben war im grünen Bereich.
Ich hatte manchmal ein leichtes Ziehen in der linken Leistengegend, dem ich aber nicht sonderlich viel Beachtung schenkte. Dazu fühlte ich mich immer öfters matt und ausgelaugt, aber da ich ja die fünf vorne dran hatte, schob ich alles erst einmal auf die eventuell beginnenden Wechseljahre.
Meine Kondition lies zunehmend nach, naja bei meinem Kampfgewicht von 92 kg bei knapp 1,70 Größe auch nicht sehr verwunderlich. In der Fachsprache unserer Götter in Weiß nennt sich das Adipositas, blödes Wort, wenn man die Übersetzung liest.
Hunger hatte ich ja immer, essen konnte ich auch immer. Wenn ich auf etwas Lust hatte, kam es schon mal vor, dass ich mir in der Nacht auch mal Spagetti gemacht habe, warum auch nicht, ich sagte mir immer: „Irgendwo auf der Welt ist jetzt bestimmt Mittag, dann tu ich halt so, als lebte ich dort.“
Bestimmt haben sie bei mir im Hirn, als ich entstanden bin, den Impuls für das Sättigungsgefühl vergessen! Aber wer kennt das nicht, deftiges Frühstück, in der Arbeit noch Ungesundes dazu. Abends wird gekocht, vorm Fernseher noch was Süßes oder Salziges, und nein, ich war ja auch kein Kind von Traurigkeit, ich habe einfach nur gelebt!
Dazu noch meine Zigaretten, also es gab ja für alles eine Erklärung, meinte ich zumindest. Wie es in meinen Inneren schon wütete, konnte ich ja zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
Die Schmerzen in meiner Leiste kamen immer öfter. Klar, dachte ich, hab mich in der Arbeit wohl verrissen, weil ich doch immer auch schwer heben musste, und mit einer Schmerztablette ließ sich das doch schnell beheben.
Es gab ja auch wichtigere Dinge als im Wartezimmer eines Arztes zu sitzen: die Arbeit, die Tiere, die Enkel. Ich nahm mir für alles Zeit, nur nicht für mich und meine Gesundheit.
Und so kam es wie es kommen musste, am 16.Juni 2017 konnte ich morgens nicht mehr gerade stehen vor Schmerzen. Ich machte mich also in gebückter Haltung im Bad fertig, schließlich musste ich ja zur Arbeit.
Es gab aber auch jemanden in meinen Leben, der sich Sorgen um mich machte, nämlich mein Freund Sigi, der mir ja wochenlang schon predigte, ich solle zum Arzt gehen.
Er machte mir dann die Ansage, wenn ich nicht zum Arzt ginge, würde er den Notarzt anrufen und mich abholen lassen. Oh nein, das wollte ich lieber nicht riskieren! Also rief meinen Arbeitgeber an, sagte, ich würde später kommen. Ich war ja der Meinung, ein Spritzchen würde genügen, ich müsste nur noch schnell zum Arzt.
Jedoch sollte alles ganz anders kommen.
Beim Arzt stellte sich dann schnell heraus, dass ich sofort, aber wirklich sofort, ins nächste Krankenhaus müsste, die schmerzende Stelle in der Leiste war extrem druck-empfindlich und bereits rot unterlaufen.
So nahm nun das Schicksal seinen Lauf.
Im Krankenhaus angekommen, wurde gleich bei den ersten Untersuchungen klar, dass es sich hier nicht gerade um etwas Harmloses handelte, sondern um einen Leistenabszess.
Ich wurde sofort notoperiert.
Der Abszess wurde gespült und erst mal eine Drainage gelegt. Ich wurde nach 10 Tagen entlassen, wohl schon mit der Aussicht, dass eine weitere Operation unumgänglich wäre, da die Ursache eine gedeckte perforierte Sigmadivertikulitis war. Die Operation war jedoch nicht gleich möglich, weil meine Entzündungswerte so hoch waren, und dann der Heilungsprozess nicht gut gewesen wäre.
Das Wort Stoma fiel da zum ersten Mal und ich war am Boden zerstört.
Mir ging es nach der ersten Operation sehr gut, ich konnte schon am nächsten Tag wieder aufstehen und ein paar Tage später rumspringen wie ein junges Reh, na ja das junge Reh ist etwas übertrieben gewesen, aber wie ein alter Rehbock schon auch, genau das ist ein guter Vergleich.
Ich musste aber warten bis zur nächsten Darmspiegelung. Ein paar Wochen, bis sich alles in meinen Bauch ein bisschen beruhigt hatte. Klar, ich hatte eine offene Wunde, aus der noch immer Eiter ablaufen konnte. Sicher ging ich arbeiten, wieso auch nicht, natürlich machte ich, außer Schwimmen, alles genau so wie vorher. Ich nahm auch ab, was mir ja total gefiel, nur merkte ich, dass ich sehr schnell müde und ausgelaugt war, aber bei einer offenen Wunde ja verständlich.
Zum Glück war auch Oberarzt Dr. Murr wieder da, er hatte leider zum Zeitpunkt meiner Notoperation Urlaub.
Ihn bekniete ich natürlich, er möge doch laparoskopisch operieren und bitte ohne Stoma.
Anfang September hatte ich dann endlich die Operation, laparoskopische Rektosigmoidresektion und Exzision der Leistenfistel und es verlief alles ohne Komplikationen und natürlich ohne Stoma, oh, was war ich froh.
Jedoch kam es 2 Tage später postoperativ zu peranalen Blutungen, bei einer weiteren sofortigen eingeleiteten Operation zeigte sich dann eine abgedeckelte kleine Colonperforation.
Dann ging die Tragödie erst richtig los, ein Albtraum begann, von nun an ging alles schief was nur schief gehen konnte. Es war, als ob der Teufel HIER geschrien hätte, nur war ich noch nicht bereit. Und wenn mich jemand ruft, heißt es noch lange nicht, dass ich mich umdrehe. Ich habe immer schon immer das Gegenteil von dem gemacht, was man von mir wollte oder erwartet hat, so auch dieses Mal.
Wach wurde ich wieder auf der Intensivstation, eh noch benommen, aber mein erster Gedanke war, Decke hoch! Stoma gesehen, Decke wieder runter, einfach nur körperlich und auch psychisch am Ende.
