Von Windeln verweht - Esther Howoldt - E-Book

Von Windeln verweht E-Book

Esther Howoldt

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Beschreibung

Jede Geburt ist etwas ganz Besonderes. Esther Howoldt, Hebamme und vierfache Mutter, erzählt berührende und dramatische Geschichten rund um Geburt, Schwangerschaft und Wochenbett. Ob es um die Fernsehmoderatorin geht, deren Mann den Kreißsaal für einen Filmset hält, oder um die Frau, die ihr Kind eingeklemmt zwischen Bett und Kommode zur Welt bringt – die Autorin ermöglicht einen ebenso unterhaltsamen wie staunenswerten Einblick in den Alltag einer Hebamme.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Die in diesem Buch beschriebenen Ereignisse haben sich so zugetragen, wie geschildert. Zum Schutz von Persönlichkeitsrechten wurden einzelne Namen geändert.

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

1. Auflage 2013

ISBN 978-3-492-96332-9

© Piper Verlag GmbH, München 2013 Umschlaggestaltung: Mediabureau Di Stefano, Berlin Umschlagmotiv: Franziska Biermann Datenkonvertierung: CPI – Clausen & Bosse, Leck

PROLOG: GIMME FIVE!

Meine Lieblingszahl ist die Fünf. Von allen einstelligen Zahlen ist sie für mich die harmonischste. Die anderen Ziffern sind mir entweder zu eckig oder zu rund. Nur die Fünf kriegt mühelos die Verbindung von Rundungen mit Ecken und Kanten hin. Gewissermaßen schaffe ich als Hebamme auch eine solche Verbindung. Ich helfe anderen Frauen, dass eines der einschneidendsten Ereignisse im Leben eine möglichst harmonische, runde Erfahrung wird: die Schwangerschaft und die Geburt. Und sieht die Fünf mit ihrem Bäuchlein nicht auch ein bisschen aus wie eine Schwangere?

Apropos Fünf! Apropos Schwangere! Da sind wir ja gleich mitten im Thema: dem wohlgeordneten Chaos meines Lebens als Hebamme. Um fünf Uhr fünfzig wurde ich heute früh von einer SMS geweckt. Als Beleghebamme begleite ich »meine« Frauen auch durch die Geburt, darum muss ich natürlich immer erreichbar sein, man weiß ja nie, wann es losgeht. Mein Handy liegt darum auch nachts stets in Hörweite. Pling machte es also, und ich schälte mich aus dem Bett. Etwas erstaunt, denn normalerweise rufen die Frauen an, wenn sie Wehen haben und schicken keine SMS.

Die Nachricht kam aber auch nicht von einer wehenden Frau, sondern von einer, die ich zwei Tage zuvor entbunden hatte. Sie gedenke, am nächsten Vormittag das Krankenhaus zu verlassen und wollte wissen, wann ich denn dann zu ihr nach Hause kommen würde. War das zu fassen? Diese Mitteilung hatte nicht noch zwei Stunden Zeit? Dafür musste man mich wecken? Ich knallte das Handy zurück auf die Kommode und wackelte mit vor Ärger erhöhtem Puls zurück ins Bett, aus dem meine sechsjährige Tochter Liv mir verschlafen entgegenblinzelte. »Musst du in den Kreißsaal, Mama?«, fragte sie ängstlich. »Nein, mein Schatz«, antwortete ich und strich ihr über die weizenblonden Locken. »Alles okay. Schlaf weiter.« Beruhigt kuschelte sich Liv an mich und schlummerte sofort wieder ein. Was man von mir nicht sagen konnte. Ich war sauer. Mein Herz schlug viel zu schnell und trotz vor Müdigkeit brennender Augen war erst mal an Schlaf nicht zu denken. Also autogenes Training. Tief einatmen: Ich bin ganz ruhig und entspannt. Mein rechter Arm ist warm und schwer … Es muss irgendwo zwischen linkem Fuß und Oberschenkel gewesen sein, da kriegte ich doch noch die Kurve und segelte ins Reich der Träume. Schätzungsweise zwanzig Minuten später, um zehn vor sieben, klingelte der Wecker. Obwohl, genau genommen klingelte er nicht, er sang »Good Morning!« von Kanye West. »Von wegen Good Morning«, zischte ich den armen Herrn West an und haute unsanft auf die Ausschalttaste. Jetzt war ich noch wackliger auf den Beinen als um zehn vor sechs, dafür hatte ich keine Option mehr, mich noch einmal hinzulegen. Ich ging also rüber und weckte meine Großen.

Ich habe vier Kinder. Meine Söhne Leon und Tristan stammen aus meiner ersten und einzigen Ehe und sind heute 19 und 17 Jahre alt, von ihnen lebt nur Tristan noch zu Hause. Meine Töchter heißen Mathilda, zwölf, und Liv, das ist die Sechsjährige, die Sie ja gerade schon kennengelernt haben. Die Mädchen stammen aus anderen Beziehungen.

Wenn man mich als Teenager gefragt hat, wie viele Kinder ich gerne haben wollte, dann habe ich natürlich fünf gesagt. Aber nicht nur weil es meine Lieblingszahl war. Ein Einzelkind konnte ich mir noch nie vorstellen. Mit fünf Kindern hat man eine kleine Horde – und ich mag Horden. Wenn man zu sechst oder zu siebt am Tisch sitzt, dann ist die Stimmung immer locker, keiner steht unter genauer Beobachtung, keiner kann sich zu wichtig nehmen. Dafür sind einfach viel zu viele da.

Die Fünf habe ich bis jetzt noch nicht geschafft, und mit fortschreitendem Alter – ich bin jetzt 41 – rückt diese Zahl auch Jahr für Jahr in weitere Ferne. Nun bin ich also alleinerziehende Mutter von vier Kindern und stehe jeden Morgen um kurz nach sieben auf – und manchmal auch um fünf Uhr fünfzig.

Ich wanderte die nächste halbe Stunde zwischen Küche, Bad und Kinderzimmer hin und her, bis alle aus den Betten waren und ihre Brote hatten. Dabei musste ich jedes Mal an dem Poster von Alfred Hitchcock vorbei, das bei uns im Flur hängt und von dem er den Betrachter mit weit aufgerissenen Augen und drohendem Zeigefinger mahnt: Nimm dich zusammen! Das ist mein Motto, denn mein Leben ist manchmal ganz schön anstrengend. »Als ich so alt war wie ihr, da hat mich niemand geweckt und mir mein Pausenbrot geschmiert, das musste ich alles selbst machen«, hörte ich mich sagen, als ich für Tristan Käse auf sein Pausenbrot hobelte. Ach, was habe ich diese »Als ich in deinem Alter war«-Sätze früher gehasst – und jetzt sagte ich sie selbst, ohne es zu wollen. Mein sechzehnjähriger Sohn Tristan zog darauf nur eine Augenbraue hoch und servierte mir ein trockenes »Ach Mudda …«. So hätte ich in seinem Alter auch mal reagieren sollen!

Irgendwann zwischen Broteverteilen und Zähneputzen hörte ich wieder das vertraute Pling. Als Mathilda wie immer als Letzte das Haus verlassen hatte (»Hast du auch dein Brot, deine Schlüssel, deinen Kopf?«), schaffte ich es endlich, einen Blick auf mein Handy zu werfen. Die kleine Hoffnung, es könne sich bei der Nachricht um die eines heimlichen Verehrers handeln, der mich am morgigen Abend bekochen wollte, löste sich schnell in nichts auf: Die Nachricht war von einer meiner Teilnehmerinnen im Rückbildungskurs, Miriam. Sie könne leider wieder nicht zum Kurs kommen. Der Kleine sei gestern geimpft worden und quengele noch sehr. Ob sie die verpassten Stunden denn nachholen könne? Und ob ich mich mal melden könne?

Na klar, das machte ich doch gerne – später!

Als Hebamme wird man den ganzen Tag angerufen oder bekommt SMS. Auch am Abend oder am Wochenende. Um von meinem Job leben zu können, betreue ich sieben bis zehn Frauen pro Monat. In einem Betreuungszeitraum von durchschnittlich sechs Monaten – von der ersten Vorsorge bis zur letzten Nachsorge – sind das etwa 60 Frauen. Wenn von diesen 60 Frauen nur jede auch nur einen Anruf pro Monat tätigt oder eine SMS schickt, dann sind das schon 60 Anrufe oder Textnachrichten pro Monat. Jede Frau ruft mich aber im Laufe eines Monats mindestens vier Mal an und schickt mindestens ebenso viele SMS …

Ich ging zurück ins Schlafzimmer und weckte Liv. Meine kleine Tochter hatte aber noch keine Lust aufzustehen. »Mama, können wir noch ein bisschen gammeln?«, fragte sie hoffnungsvoll. Das fragt sie eigentlich immer. Also schlüpfte ich zu ihr unter die Decke und wir lümmelten noch ein paar Minuten im Bett herum, bis mein Blick auf den Wecker fiel und ich zum Appell blies.

Liv verschwand im Bad, ich war gerade dabei, ihr Pulli und Jeans herauszusuchen, da klingelte das Handy.

»Hi Esther, Fiona hier. Du, der Kleine hat seit heute Morgen so einen wunden Po. Müssen wir da irgendwas machen?«

»Aber Fiona, ich komme doch nachher sowieso zu euch!«, entgegnete ich, leicht genervt. Um halb eins nach der Rückbildung hatte ich mit Fiona nämlich einen Termin. Musste sie mich da um viertel nach acht anrufen? Ein wunder Po war ja nun nicht lebensbedrohlich. Aber so sind sie eben, die jungen Eltern. Jede Hautschuppe wird zur Katastrophe, jedes Pickelchen zum Weltuntergang. Also sagte ich: »Ich schaue es mir nachher an. Mach den Po erst mal gut sauber und trocken und trag dünn eine Pflegecreme auf.«

Knapp zwanzig Minuten später war es Liv und mir gelungen, ohne weitere Zwischenfälle im Auto anzukommen. Wir hörten unsere absolute Lieblings-CD von Alexandra. Dabei singen wir immer mit, so gut wir können. Mitten »Auf dem Weg nach Odessa« klingelte das Telefon schon wieder. Tanja war dran. Sie sei ja drei Tage über ihrem errechneten Termin und hätte jetzt gerne, dass das Kind kommt, was sie denn da machen könne. Ich erklärte ihr, dass ich im Auto säße und später zurückriefe.

»Musst du in den Kreißsaal, Mama?«, tönte es bangend vom Rücksitz, nachdem ich aufgelegt hatte.

»Nein, jetzt nicht«, gab ich zur Antwort.

»Aber später?«, wurde nachgehakt.

»Ich glaube nicht, mein Schatz.«

»Mama, ich will nicht, dass du in den Kreißsaal gehst!«

»Ich weiß, Liv, aber manchmal muss ich das. Heute aber nicht, glaube ich. Ich hol dich später vom Kindergarten ab, okay?«

»Du holst mich ab?«, jubelte es von hinten.

»Ja.«

»Mama, machst du die Musik jetzt wieder laut?«

Ich musste grinsen: Liv hatte alles Wichtige geklärt, jetzt konnte sie wieder zum vergnüglichen Teil übergehen.

Inzwischen war es fast viertel vor neun und wir waren beinahe am Kindergarten angekommen. Aber wer sich zu früh freut, den bestraft das Leben genauso wie die Zuspätkommenden. Heute Morgen galten für uns wohl beide Kategorien – ich würde jetzt gern sagen, dass das eine Ausnahme war, aber das wäre glatt gelogen. Gerade fuhren wir durch eine ziemlich enge Straße, als plötzlich aus einem der schrägen Parkplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein silberner Audi rückwärts hervorschoss. Direkt vor mir war alles dicht, dort wurde mit Warnblinker in zweiter Reihe geparkt. Die Fahrerin des silbernen Audis hatte kaum den nötigen Radius, um auszuparken – aber sie probierte es trotzdem. Folglich legte sie den Verkehr in beiden Richtungen lahm. Sie kurbelte eine Ewigkeit hin und her, geschlagene fünf Minuten – dann fuhr der Wagen, der in der zweiten Reihe geparkt hatte, endlich weg. Der silberne Audi konnte raus und alle anderen weiter. Rücksicht? Wozu denn!

Um 8 Uhr 52 parkte ich beim Kindergarten (nicht in zweiter Reihe!) und um fünf vor neun saß ich bereits wieder hinterm Lenkrad. Um neun hatte ich mein erstes Gespräch in der Praxis, herrje, ich musste mich beeilen. Nun ging es Gott sei Dank endlich flott voran – ungefähr hundert Meter bis zur nächsten Straßenkreuzung. Hier hatte sich eine lange Schlange bis zur Hauptstraße gebildet.

»Ist wohl nicht mein Tag«, murmelte ich gereizt. (Okay, ich gebe es zu. In Wirklichkeit habe ich: »Was ist das denn schon wieder für eine verdammte Scheiße?« gerufen.)

Um neun hatte ich es fast bis zur Praxis geschafft und freute mich schon, wie durch ein Wunder doch noch rechtzeitig zu kommen – als ein Müllauto direkt vor mir in die Straße einbog.

Mein Lenkrad hat jetzt eine leichte Beißspur oben in der Mitte.

Ich kam nur ganz leicht abgehetzt in der Praxis an, fünf Minuten zu spät. Zum Glück war von meinem Neun-Uhr-Termin noch nichts zu sehen. Oder war die Dame möglicherweise schon wieder gegangen? Vielleicht war ja Rebecca schon da und hatte sie hereingelassen? Rebecca ist meine Schwester, sie gibt bei uns die Shiatsu-Kurse, sie ist in unserer kleinen Praxisgemeinschaft morgens oft die Erste. Schnell befühlte ich die Klinke: Fehlanzeige, es war noch abgeschlossen. Ich holte tief Luft und sperrte die Praxis auf. Gleich links hinterm Eingang liegt unser Behandlungsraum. Meine Hebammenkollegin Eva und ich haben das Zimmer liebevoll »Vorfreuderaum« getauft. Darin befindet sich ein kleiner Schreibtisch, an dem wir die Gespräche mit unseren Patientinnen führen und das bequeme Bett, das immer fürchterlich quietscht, wenn die Schwangeren sich darauf für die Untersuchung niederlassen. An der Wand darüber hängt ein Bild, das mein Sohn Tristan mir vor Jahren einmal gemalt hat. In Acryl auf Leinwand zeigt es einen afrikanischen Elefanten, der mit wehenden Ohren auf den Betrachter zugelaufen kommt, es sieht aus, als würde er jeden Moment aus dem Bild herauslaufen. Der Hintergrund ist ganz in Orange gehalten und fügt sich prima in die sonnenwarmen Töne des Zimmers ein. Außerdem gibt es einen Kardiotokographen, kurz CTG, mit dem sowohl die Herztöne eines ungeborenen Babys als auch die Wehentätigkeit gemessen werden können, und eine Waage, die zur Freude der meisten Frauen stets zwei Kilo weniger anzeigt als andere Waagen. Dazu eine Regalwand von Ikea und unsere Pflanze, die leider nie genug Wasser bekommt, weil immer eine von uns denkt, die andere habe sie schon gegossen.

Ich hängte meine Jacke und Tasche an die Garderobe und schloss erst einmal alle Räume auf. Neben unserem »Vorfreuderaum« befindet sich der Kursraum. Darin liegen grüne, rote und blaue Gymnastikmatten und Bälle, die wir für unsere Kurse brauchen. Eva und ich bieten hier Rückbildung, Geburtsvorbereitung und Babymassage an. Ein Kronleuchter hängt von der hohen Stuckdecke, Weidenkörbe, in denen sich Decken und Kissen stapeln, stehen in den Ecken.

Rechts neben dem Kursraum gelangt man in Rebeccas Shiatsu-Raum. Shiatsu hat nicht direkt etwas mit einer Hebammenpraxis zu tun, ergänzt unsere Arbeit aber ganz wunderbar. Mit Shiatsu lassen sich Schmerzen bekämpfen, Schwangere finden durch die Massage wieder Ruhe und sogar die Entwicklung von Babys wird gefördert. Es hilft, wenn wir als Hebammen nicht mehr helfen können. Ich selbst habe dank der Shiatsu-Behandlung meine Rückenschmerzen in den Griff bekommen. Die Atmosphäre bei Rebecca ist etwas ganz Besonderes. Wenn ich mich abregen muss, brauche ich nur hier einzutreten. So war es auch an diesem Morgen. Ich schloss auf und knipste die Beleuchtung an. Sanft erhellten die versteckten Lampen hinter den schwarz gerahmten Paravents aus weißem Reispapier den Raum. Es wirkte, als würde mich die kleine dicke Buddhafigur hinter den Futons direkt angrinsen. Nur die Ruhe, schien Buddha zu sagen, das Leben ist ein langer ruhiger Fluss. Ich spürte förmlich, wie mein Puls in den Ruhebereich sank. Worüber hatte ich mich noch einmal aufgeregt?

Daneben gibt es noch unseren Warteraum mit einer kleinen Teeküche. Ich bin eigentlich nicht so der Typ, der sich selbst einen Tee kocht. Aber wenn mir jemand – meist ist es Rebecca – einen vor die Nase stellt, dann freue ich mich. Als ich in meiner Aufsperr-Runde dort angekommen war, hörte ich, wie die Tür ging. Rebecca kam herein.

»Na, das war ja mal wieder ein Verkehr heute, was?«, schnaufte sie. »Ich habe meinen Termin um Viertel vor neun absagen müssen, weil ich seit Bad Vilbel im Stau stand. Ich war übrigens die ganze Zeit hinter dir, hast du mich nicht bemerkt?«

Ich schüttelte den Kopf: »Nein, aber ich glaube, ich werde gerade versetzt. Ich hätte jetzt eigentlich ein Vorgespräch für eine Nachsorge im August.«

Da hetzt man sich ab und zum Schluss kommen die Damen nicht. »Vielleicht steckt sie auch im Stau?«, schlug Rebecca vor. »Hör doch mal den AB ab, vielleicht hat sie ja draufgesprochen?« Ich seufzte. Eigentlich sollten Absagen immer aufs Handy gehen, leider halten sich viele nicht daran, sondern besprechen unseren Anrufbeantworter in der Praxis. Oder genauer: Im Shiatsu-Raum. Dort steht das Telefon, weil Rebecca auch für Eva und mich die Termine vergibt und die Kurse einteilt. Wir hörten also den Anrufbeantworter ab. Es war nur eine Nachricht drauf. Die war von Samstag und stammte von Frau Klüter, meinem Neun-Uhr-Termin. »Hallo Frau Howoldt, ich muss unseren Termin am Montag absagen, ich hatte heute eine Fehlgeburt.« Die Dame war natürlich entschuldigt, das tat mir sehr leid – Fehlgeburten sind im frühen Stadium der Schwangerschaft leider keine Seltenheit.

Ich ging schnell meinen Kalender durch. Wenn noch mehr Telefongespräche notwendig waren, erledigte ich das am besten gleich. »Weißt du was«, sagte ich zu Rebecca. »Jetzt rufe ich mal diese Frau Porl an. Die hatte vor zehn Tagen Entbindungstermin und hat sich immer noch nicht bei mir gemeldet.«

Frau Porl hatte im Spätherbst ein Vorgespräch mit mir geführt. Sie suchte eine Hebamme für die Nachsorge, ihr Baby sollte im Februar zur Welt kommen. Zu meinen Frauen, die ich zur Geburt begleite, nehme ich jeden Monat noch zwei Frauen an, die nur eine Nachsorge wünschen. Mehr schaffe ich nicht. Zusammen mit meinen Geburtenfrauen sind das sieben bis neun Nachsorgen im Monat. Damit ist die Grenze erreicht, die ich guten Gewissens betreuen kann, auch wenn Eva und ich wesentlich mehr Anfragen bekommen. Frau Porl hatte sich rechtzeitig gemeldet, und ich hatte noch einen Platz frei. Wie allen anderen hatte ich ihr erklärt, dass sie sich jederzeit melden könne, wenn in der Schwangerschaft etwas vorfiele. Ansonsten sähen wir uns, wenn das Baby auf der Welt sei.

»Porl«, meldete sich eine weibliche Stimme.

»Ja, guten Tag. Esther Howoldt mein Name. Spreche ich mit Tanita Porl?«

»Das ist richtig«, klang es betont freundlich aus dem Hörer.

»Ich habe Sie bei mir als Nachsorge für diesen Monat in meinem Kalender und der Geburtstermin ist ja nun schon zehn Tage vorüber. Ich wollte mal nachfragen, ob das Baby denn immer noch nicht da ist?«

»Doch, doch, das Baby ist schon da.«

Die Dame klang merklich ertappt und fuhr nervös-freundlich fort: »Ich habe mir nur überlegt, dass ich das auch alleine schaffe und eigentlich gar keine Hebamme brauche.«

Na, super, dachte ich. Vielen Leuten ist irgendwie nicht klar, dass Hebamme mein Beruf ist und nicht mein Hobby.

»In diesem Fall wäre es sehr nett gewesen, wenn Sie da abgesagt hätten, für mich bedeutet das jetzt einen Verdienstausfall«, sagte ich und ich spürte, wie Ärger in mir aufstieg. Ich fragte mich, ob Frau Porl auch eine Waschmaschine bestellte und dann bei der Lieferung sagte: Och, nö, ich hab’s mir anders überlegt.

»Das wusste ich nicht, dass ich da absagen muss, das war mir nicht klar, das tut mir leid.«

Frau Porl klang jetzt richtig kleinlaut. Sie räusperte sich. »Ich bin ja auch schon wieder am Arbeiten, weil ich ja selbstständig bin …«

»Das bin ich auch«, sagte ich. »Tschüss, Frau Porl.«

Ich legte auf. Rebecca hatte die ganze Zeit neben mir gestanden und mit dem Kopf geschüttelt. Solche Geschichten sind leider kein Einzelfall. Eigentlich müssten wir Hebammen mit unseren Frauen Verträge machen. Viele Kolleginnen tun das auch. Aber irgendwie scheue ich mich nach wie vor davor. Dass sich ein Plan ändert oder eine persönliche Situation, das ist ja an sich kein Drama. Aber die Tatsache, dass man uns Hebammen – oder Shiatsu-Praktikerinnen – auflaufen lässt, ist einfach nicht fair. Wir sind am Ende immer die Dummen.

Aber jetzt hatte ich keine Zeit mehr, mich aufzuregen, denn es klingelte es an der Tür: Mein Neun-Uhr-dreißig-Termin. Melanie erwartete ihr zweites Kind und statt zum Arzt zu gehen, kam sie für die Vorsorgeuntersuchungen lieber zu mir. Solches Vertrauen freut und ehrt mich. Während wir im Vorfreuderaum zugange waren, hörte ich, wie die Eingangstür immer wieder auf- und zuklappte. Langsam füllte sich die Praxis. Eva steckte kurz den Kopf zur Tür herein, sie brauchte Nadeln für die Akupunktur.

Nach Melanie kam eine junge Frau zum Vorgespräch, die ihr erstes Kind erwartete und im vierten Monat war. Ich erklärte ihr, was es bedeutet, eine Beleghebamme zu haben, und wie wir zusammenarbeiten würden. Dass ich sie im Krankenhaus so lange begleiten würde, bis sie mit Kind auf dem Arm in ihrem Zimmer läge und dass ich dann zur Nachsorge zu Mutter und Kind nach Hause käme. Zum Schluss legte sie sich auf das quietschende Bett. Ich tastete nach ihrer Gebärmutter und zeigte ihr, bis wohin diese bereits gewachsen war. Dann hörten wir gemeinsam die Herztöne ihres Babys, maßen ihren Bauchumfang und den Abstand zwischen ihrer Symphyse – der Schambeinfuge – und ihrer Gebärmutter. Die obere Kante der Gebärmutter markiert den sogenannten Fundusstand, daran lässt sich der Schwangerschaftsfortschritt ablesen.

Die junge Frau verließ zufrieden die Praxis. Jetzt war es Zeit, zu meinen Rückbildungsmädels hinüberzugehen, die sich inzwischen versammelt hatten. Von neun angemeldeten Frauen waren immerhin sieben da – nicht schlecht. Die Babys lagen auf Decken in der Nähe ihrer Mütter, einige schliefen, die anderen sahen uns zu, wie wir mit unserem Aufwärmprogramm starteten. Eine Viertelstunde turne ich immer fleißig mit.

Als wir bei der dritten Übung angelangt waren, war plötzlich ein lautes Knurren zu hören: mein Magen. Ein paar Teilnehmerinnen kicherten. Mir fiel ein, dass ich – wie gewöhnlich – noch nichts gegessen hatte. Ich verschwand kurz in die Teeküche, auf der Suche nach den Keksen, die Rebecca immer so gewissenhaft besorgt. Den zweiten Keks knabbernd erschien ich wieder im Kursraum und stellte die Keksdose für alle zugänglich in die Mitte des Raumes.

»Was soll das denn? Wir sollen doch abnehmen, dachte ich!«, tönte Kira gespielt empört aus der ersten Reihe, aber eigentlich schielten alle Turnerinnen verzückt in Richtung Dose.

»Das ist zur Motivation gedacht«, konterte ich augenzwinkernd. »Dann strengt ihr euch noch mehr an.«

Nach dem Warm-up begannen wir mit den eigentlichen Übungen für den Beckenboden. Spätestens nach der zweiten Übung habe ich immer das erste Kind auf dem Schoß, so war es auch heute. Klein-Daniel quengelte rum, kurz darauf folgte Baby Nina. Ich setzte mich mit den Kleinen auf einen Gymnastikball und gab, sanft auf und ab schaukelnd, meine Anweisungen. Wenn mehr als zwei Kinder unruhig werden, wird es kritisch, weil ich ja nun mal leider nur zwei Arme habe, auch wenn ich mehr gebrauchen könnte. Die besonders unruhigen nehme ich mir auf den Ball und hopse mit ihnen den Rest der Stunde. Stillen kann ich die Bande leider nicht, wer Hunger hat, muss von der Mama versorgt werden. Aber meistens bekommen wir es erstaunlicherweise ganz gut hin, dass alle Frauen ihre Übungen absolvieren können.

Nach dem Kurs verabschiedete ich mich und machte mich auf den Weg zu meinen Nachsorgen. Weil ich immer noch nichts Gescheites gegessen hatte, sprang ich schnell beim Bäcker gegenüber hinein. Ich sah mir abwechselnd die belegten Brötchen und die süßen Hefeteilchen an und konnte mich nicht entscheiden. Die noch recht junge Verkäuferin mit den wippenden roten Locken strahlte mich wie immer an. Ich habe mich schon oft gefragt, wie sie das macht, dass sie immer so vergnügt wirkt. Sie ist das krasse Gegenteil des Verkäufers, der bei dem 400 Meter von unserem Hebammenladen entfernten Bäcker bedient. Der wirkt so emotions- und freudlos wie ein platt gefahrener Frosch. Leider gibt es nur dort diese spiralförmig gedrehten Hefeteilchen mit Quarkfüllung, die ich so gerne esse und die der Bäcker unglücklicherweise »Käseschnecken« getauft hat. Dazu muss man wissen, dass »Schnecke« in Hessen und Umgebung auch ein umgangssprachlicher Ausdruck für das weibliche Geschlechtsteil ist. Ich gehe also in Frankfurt als Frau in einen Laden und verlange eine Käseschnecke. Müsste der Typ sich nicht jedes Mal wegschmeißen vor Lachen? Ich habe es mal eine Zeit lang damit versucht, nur darauf zu deuten: »Ich hätte gern so eines da.« Darauf kam dann prompt: »Sie möchten eine Käseschnecke?« Seitdem bestelle ich die Käseschnecken wieder direkt.

Nun, hier beim lachenden Lockenkopf gab es keine Käseschnecken – wenigstens keine zum Essen (Himmel, das muss am Job liegen, wir Hebammen sind so verdorben!) –, und ich war mir immer noch nicht im Klaren darüber, was ich wollte. »Was darf’s denn sein?«, fragte also die nette Dame. »Soll es satt machen oder soll es richtig befriedigen?« Das war das Stichwort! »Befriedigen! Auf jeden Fall!«, antwortete ich und entschied mich im Bruchteil einer Sekunde für ein Teilchen mit Mandarinen. Bis zum Auto hatte ich das Ding bereits inhaliert. Dann fuhr ich los, zum wunden Po. Der Po war allerdings gar nicht wund, sondern nur leicht gerötet. Ich erklärte der Mutter, wie sie ihr Kind möglichst nur mit warmen Wasser reinigen und den Po auf niedriger Stufe trocken föhnen solle, bevor sie die Windel zumachte, damit der Kleine nicht feucht eingepackt wird. Nach zwanzig Minuten konnte ich mich verabschieden und mich zum nächsten Hausbesuch aufmachen. Sowohl dieser jungen Mutter als auch der nächsten ging es – samt den Kindern – hervorragend. Um kurz vor halb drei kam ich bei der letzten Nachsorge heraus. Ich stieg in mein Auto, aber fuhr nicht direkt los. Jetzt hatte ich endlich ein paar Minuten, um Tanja anzurufen, die so ungeduldig auf ihr Kind wartete. Ich fragte sie nach den letzten Untersuchungen beim Arzt, erkundigte mich nach den Kindsbewegungen und ihrem allgemeinem Wohlbefinden. Alles war fein – nur Tanja hatte keine Lust mehr, die dicke Kugel vor sich herzuschieben. »Je ungeduldiger du bist, umso länger lässt das Kind auf sich warten«, erklärte ich ihr. »Wehen setzen erfahrungsgemäß dann ein, wenn man aufgehört hat, andauernd darauf zu warten.«

»Hm …«, brummte Tanja. Sie war ganz klar nicht zufrieden mit meinen Ausführungen. Ich fuhr fort: »Tanja, wenn du willst, dass das Baby so schnell wie möglich kommt, geb ich dir den Tipp: Verabrede dich mit Freundinnen. Oder geh mit deinem Mann noch mal schön essen. Aber schränk dich vor allem sexuell nicht ein. Dann wird das schon bald …« Inzwischen war ich am Supermarkt angekommen. Das Handy immer noch am Ohr lief ich durch die Gänge. Nachdem Tanja endlich aufgelegt hatte, überlegte ich, was fehlte. Heute war unser Pizzatag. Eine Woche machen wir die selbst und in der nächsten gehen wir in unsere kleine Stammpizzeria. Dort waren wir vorige Woche gewesen, heute mussten wir also selber ran. Ich suchte schnell Hefe, Tomaten und die restlichen Zutaten zusammen und eilte zur Kasse. Liv musste bis 15 Uhr im Kindergarten abgeholt werden.

Meine Jüngste empfing mich mit der Frage, ob sie heute bei uns zu Hause mit Tamara spielen könne. Da sich keine Geburt angekündigt hatte, sagte ich ja. Ich war gerade dabei, Liv ihre Jacke hinzuhalten, da klingelte das Telefon schon wieder. Meine größere Tochter Mathilda war dran. Sie wollte wissen, wann ich denn nach Hause käme. »Quasi jetzt – also wie immer!«, sagte ich, leicht verwundert über die Frage. »Ach so!«, kam es zurück. Soeben hatte ich Liv und ihre Freundin im Auto verstaut, da bimmelte es schon wieder. Himmel, hörte das irgendwann noch einmal auf? Diesmal war Tristan dran. »Warum bist du nicht auf dem Weg zum Schwimmen?«, fragte ich mit einem Anflug von Schärfe in der Stimme. Er habe sein Schwimmzeug zunächst nicht gefunden, erklärte er, jetzt würde er vermutlich zu spät kommen. Ach, darum ging’s: den Taxiservice ›Mama‹!

»Okay«, erwiderte ich. »Ich bin auf dem Weg nach Hause. Komm schon mal runter, ich fahre dich schnell. Und sag deiner Schwester bitte, dass ich ein paar Minuten später komme.«

»Mama, kann ich »Die drei ???« hören?«, kam es jetzt von der Rückbank. »Nein, Liv, Tamara ist dafür noch zu klein.«

Von hinten war kurz ein mosernder Laut zu hören, doch dann fingen die beiden Mädchen an, sich etwas zu erzählen. Vor der Haustür angekommen, sprang Tristan mit seiner Sporttasche ins Auto und stellte im Radio erst einmal seinen Lieblingssender »Planet« an.

»Böh, das ist doof, das will ich aber nicht hören«, motzte Liv und funkelte ihren großen Bruder sauer an.

Ich holte tief Luft. Manchmal ist es wirklich nicht so einfach, die Interessen aller Kinder unter einen Hut zu bekommen, aber irgendwie scheine ich es meistens zu schaffen.

Um 16 Uhr kamen wir zum zweiten Mal wieder zu Hause an. Liv und Tamara verschwanden in Livs Zimmer zum Spielen, Mathilda kam aus ihrem heraus. Es stellte sich heraus, dass weder die Meerschweinchen versorgt, noch die Hausaufgaben gemacht waren.

»Dann aber mal zackig«, forderte ich sie auf. Sie zog ein Gesicht und trollte sich in Richtung Meerschweinchenkäfig. Während Mathilda die Meerschweinchen fütterte und sich anschließend an ihre Hausaufgaben setzte, brachte ich den Müll hinunter und räumte die Spülmaschine erst aus und dann wieder ein. Mein Handy klingelte. Miriam war dran. Stimmte ja, die hatte ich noch nicht zurückgerufen. Der Kleine hing nach der Impfung immer noch ziemlich durch. Während ich ihr ein paar Tipps gab, kamen Liv und Tamara fröhlich in die Küche gehopst und wollten etwas zu essen. Ich drückte ihnen Apfelstückchen und ein paar Butterkekse in die Hand und die zwei zogen zufrieden von dannen. Inzwischen war es Viertel vor fünf. Ich erinnerte Mathilda ans Ballett.

»Kannst du mich nicht fahren, Mama?«, fragte die direkt.

»Nein, unmöglich. Liv hat eine Freundin da, die beiden kann ich kaum allein lassen. Außerdem ist es totaler Schwachsinn, die Strecke im Berufsverkehr zu fahren, da bist du mit der Bahn schneller.«

»Aber Tristan hast du auch zum Schwimmen gefahren.«

»Da war ich ja auch noch unterwegs.«

»Manno.«

Okay, ich geb’s zu, dass jede und jeder genügend Aufmerksamkeit bekommt, ist manchmal ein wirkliches Jonglage-Kunststück. Mathilda moserte noch eine ganze Weile vor sich hin, bis sie schließlich schmollend die Wohnung verließ. Nachdem ich eine Maschine Wäsche im Kurzprogramm angestellt und eine andere von der Leine genommen und zusammengelegt hatte, begann ich, Schinken, Salami und Gemüse für die Pizza zu schneiden. Liv und Tamara gesellten sich zu mir und schnippelten fleißig mit. Ich nahm gerade die Hefe aus dem Kühlschrank, als mein Handy zur Abwechslung mal wieder klingelte. Tanja war schon wieder dran. Sie hätte jetzt vermehrt Schleimabgang (ja, so ist das als Hebamme, da darf man nicht empfindlich sein, die Anruferinnen wissen ja nicht, dass ich gerade koche), sie wollte nur schon einmal Bescheid sagen, das Kind käme ja bestimmt jetzt bald. Ich erklärte ihr, dass das trotzdem noch Tage dauern könne: »Wie gesagt: Geh aus, mach es dir schön mit deinem Mann!«

»Mama, musst du jetzt in den Kreißsaal?«, fürchtete sich Liv, als ich aufgelegt hatte. »Nein, Schatz, muss ich nicht. Wir machen jetzt Pizza, okay?«

Während der Teig aufging, holte ich die Wäsche aus der Maschine. Gerade hatte ich das letzte T-Shirt auf die Leine gehängt, da klingelte es an der Tür und am Festnetz gleichzeitig. Ich drückte den Türöffner, während Liv ans Telefon ging. Am Telefon war meine Lektorin, die wissen wollte, wie es denn nun mit dem Buch aussähe, an der Tür Tamaras Vater. Da ich die Lektorin nicht schon wieder vertrösten wollte, warteten Tamaras Vater und der Pizzateig eine geschlagene halbe Stunde, bis ich wieder zur Verfügung stand. In der Zwischenzeit war auch Tristan wieder da und jammerte, wann das Essen denn fertig sei. Nach dem Schwimmen ist er immer komplett ausgehungert. Ich entschuldigte mich bei Tamaras Vater und bei Tamara, die gerne mit uns Pizza gegessen hätte. Die zwei gingen ohne Pizza nach Hause, und ich konnte mich nun tatsächlich deren Fertigstellung widmen. Um 19 Uhr war auch Mathilda wieder da und wir konnten zu aller und vor allem Tristans großer Freude unsere Pizza verzehren.

Inzwischen sind die Kinder im Bett (okay, sie sind zumindest in ihren Zimmern). Ich sitze im Wohnzimmer am Schreibtisch, genieße die Ruhe und tippe diese Zeilen in meinen Computer. Nun haben Sie mich schon bei einem ganz normalen Tag in meinem Leben begleitet. Falls Sie darin eine Geburt live und in Farbe vermisst haben: Keine Sorge, lesen Sie einfach weiter. Von Geburten werde ich noch jede Menge erzählen.

Vor ein paar Minuten, es war zehn vor elf, hat mein Telefon übrigens zuletzt Pling gemacht. Mira bat um Auskunft, wann sie mich anrufen könne. Sie hätte heute erfahren, dass man einen Blasensprung vor der 36. Schwangerschaftswoche haben könne, und wollte dringend wissen, wie sie sich in solch einem Fall verhalten müsse. Ich habe ihr nur ganz kurz geantwortet, dass ich sie sich keine Sorgen machen solle und ich sie morgen anriefe. Denn jetzt habe ich Feierabend und falls nicht Tanjas Kind genauso ungeduldig ist wie ihre Mama und nicht – zum Beispiel – morgen früh um fünf Uhr fünfzig auf die Welt zu kommen gedenkt, habe ich vielleicht ein paar ruhige Stunden. Stunden, in denen ich schlafen kann, bis Kanye West mich mit einem melodischen »Good Morning« weckt.

AUCH UMLEITUNGEN FÜHREN ZUM ZIEL

Ich würde jetzt gern sagen, dass ich immer schon Hebamme werden wollte, aber das wäre nicht ganz die Wahrheit. Hebamme war einer dieser Berufe wie Molekularbiologe oder Polarforscher. Ich wusste vage, dass es so etwas gibt, aber wie man dazu wird, war mir schleierhaft. Allerdings dachte ich auch nicht groß darüber nach: Mit mir schien das nichts zu tun zu haben.

Fakt ist, dass ich Kinder liebte und dass ich mich nach dem Abi – in der Annahme, dass sich irgendwann schon ein Berufswunsch materialisieren würde – für Pädagogik und Psychologie an der Uni in Frankfurt einschrieb. In diesem ersten Jahr an der Uni war ich vor allem auf der Suche nach mir selbst – wie so ziemlich alle in meinem Semester.

Dann verliebte ich mich.

Es passierte ausgerechnet in einem Kurs zur Fußreflexzonenmassage, den ich neben der Uni belegt hatte. Der schöne Michel war der einzige Mann im Kurs und aus irgendeinem Grund hatte er nur Augen für mich. Dann ging alles ziemlich schnell. Michel und ich zogen zusammen. Schon nach ein paar Monaten sah es so aus, als sei ich schwanger – er machte mir direkt einen romantischen Heiratsantrag. Eine Woche später stellte sich die Schwangerschaft zwar als Fehlalarm heraus, geheiratet haben wir trotzdem. Kurz drauf erwartete ich dann wirklich ein Baby. Mein Traum von den fünf Kindern war auf dem Weg, wahr zu werden – nun ja, zumindest schon mal zu einem Fünftel.

Aber es passierte noch etwas anderes, etwas Unerwartetes: Mit dem Baby im Bauch fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich komplett. Als ich meinen ältesten Sohn Leon an einem Augusttag in dem Krankenhaus zur Welt brachte, in dem ich heute auch meine Frauen entbinde, war ich gerade mal 22 Jahre alt.

Bereits ein Jahr später war ich mit meinem Sohn Tristan schwanger. Ein willkommener Unfall. Ein zweites Mal spürte ich diese Faszination des wachsenden Lebens in mir und die unglaublichen Veränderungen, die in meinem Körper vorgingen, und ich merkte: Etwas Spannenderes gab es nicht für mich. Der Stoff an der Uni dagegen schien mir staubtrocken und hatte für mein Gefühl wenig mit dem wirklichen Leben zu tun. Tristan war erst kurze Zeit auf der Welt, als ich beschloss, das Studium sein zu lassen. In mir war in der Zwischenzeit ein ganz bestimmter Berufswunsch herangereift, und den Grundstein dafür gelegt hatte Maja.

Maja war die Hebamme gewesen, die die Nachsorge nach Tristans Geburt übernommen hatte – bei Leon zwei Jahre vorher hatte ich keine eigene Hebamme gehabt und mir nach der Geburt alles selbst beigebracht. Das Stillen, das Baden, das Behandeln eines wunden Pos, alles. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, dass ich Hilfe hätte bekommen können. Erst als sich Maja so liebevoll um mich und Tristan kümmerte, hatte ich auf einmal begriffen, dass »Hebamme« ein richtiger eigenständiger Beruf ist. Bis dahin hatte ich Hebammen für Krankenschwestern mit Zusatzausbildung gehalten.

Maja war ungefähr in meinem Alter und ihre Fröhlichkeit war immer ansteckend gewesen. Egal, was sie tat, sie behielt dabei immer ihre lebensbejahende Leichtigkeit. Gleichgültig, ob sie Tristan wog, seinen Nabel begutachtete oder sich die Naht an meinem Dammschnitt ansah.

Maja hatte im Kreißsaal Dienst getan, aber sie hatte als Nachsorgehebamme auch Frauen – wie mich – nach der Geburt zu Hause besucht. Maja war jemand, der anderen Frauen half, auf ganz bodenständige Art. Maja sorgte dafür, dass winzige Wesen einen guten Start ins Leben bekamen. Ihr Beruf war sinnvoll und nah am Menschen. Das war etwas ganz anderes als die verkopfte Langeweile und das Geschwafel an der Uni!

Hebamme?! Das war’s!

Zunächst ergatterte ich im Marienkrankenhaus, wo ich meine Söhne bekommen hatte, einen Praktikumsplatz. Über drei Wochen begleitete ich dort den Nachtdienst. Meine Söhne mussten tagsüber betreut werden, also hatte ich nur nachts Zeit – heute ist es mir ein Rätsel, wann ich wohl damals geschlafen habe.

Man ließ mich natürlich bestenfalls bei Geburten zusehen, aber alles, was ich mitbekam, fand ich spannend. Obwohl es mitten in der Nacht war, war im Kreißsaal fast immer etwas los. Das Krankenhaus schlief nie. Da waren Frauen, die ebenso ängstlich wie vorfreudig der Ankunft ihres Babys entgegenfieberten und die mit der Geburt am Beginn eines ganz neuen und besonderen Lebensabschnitts standen. Ärzte, die bei möglichen Komplikationen zur Stelle waren, damit die neuen Erdenbürger sicher und unversehrt im Leben ankamen. Anästhesisten, die mit ein paar Handgriffen Schmerzen nehmen konnten. Die winzigen Neugeborenen, die die ersten Momente ihres Lebens hier verbrachten.

Und natürlich die Hebammen.

Sie waren wie die weisen Frauen einer Dorfgemeinschaft. Sie hüteten altes und erprobtes Wissen über das Kinderkriegen. Sie gaben dem klinischen Geschehen menschliche Wärme und sie strahlten trotz aller Hektik in jedem Moment zuversichtliche Ruhe aus.

Na ja, zumindest einige von ihnen.

Im Anschluss an das Praktikum hatte ich dann tatsächlich eine Ausbildung als Hebamme begonnen und mittlerweile neigte sich bereits das zweite von drei Ausbildungsjahren dem Ende zu. Es war Sommer und warm, kurz vor den großen Ferien. Ich saß im Aufenthaltsraum für Hebammen und Hebammenschülerinnen und machte eine kurze Essenspause. Verwundert bemerkte ich, dass mir mein Butterbrot gar nicht schmeckte, stattdessen fühlte ich Übelkeit in mir aufsteigen. Schnell war er da, der Gedanke: Shit, du bist schwanger! Sofort schaltete sich meine interne Zensur ein: Unsinn, das Einzige, was du bist, ist paranoid.

Meine Ehe mit Michel war in der Zwischenzeit auseinandergegangen, und ich war mit meinem neuen Freund Robert gerade erst ein paar Monate zusammen.

Meine Regel war zwar noch nicht lange überfällig, aber gewundert hatte ich mich trotzdem. Robert wollte keine eigenen Kinder, wenigstens nicht in den nächsten Jahren. Auch bei mir hielt sich der Wunsch nach weiterem Nachwuchs gerade in Grenzen, meine Ausbildung ging vor. Ich hatte also verhütet. Allerdings hatte ich ungefähr in der Mitte des vergangenen Zyklus zum ersten Mal in meinem Leben plötzlich Zwischenblutungen gehabt. Schon da war mir der Gedanke gekommen, ob die da oben im Himmel irgendwelche Pläne hatten, in die ich nicht eingeweiht war.

Ich legte das Brot beiseite und stand auf. Vielleicht war die Übelkeit ja nur psychosomatisch. Ja, wahrscheinlich war sie das! Eine Folge meiner Anspannung. Doch als ich kurze Zeit später das Gebäude verließ, spürte ich einen leicht spannenden Schmerz in meinem Busen. Das sowieso schon recht enge Oberteil der weißen Schwesterntracht schien heute besonders eng, und da ich an der frischen Luft ein wenig forscher unterwegs war als im Kreißsaal, wippte die Brust bei jeden Schritt ein wenig auf und ab. Jedes Mal gab es einen leichten, ziehenden Schmerz.

Du bist schwanger, dachte ich, das kann doch gar nicht sein …

Zehn Tage später erhielt ich dann bei meiner Gynäkologin die Gewissheit. Schon der Tastbefund war eindeutig. Das, was ich da verschwommen auf dem schwarz-weißen Ultraschallbild sah, räumte auch den letzten Zweifel aus dem Weg: Da war der Embryo, das Herzchen schlug!

Auf dem Weg nach Hause warf ich im Auto R.E.M. in den CD-Player und drehte die Lautstärke hoch. Das mache ich immer, wenn ich mich irgendwie abreagieren muss. Einerseits freute ich mich wie verrückt und hatte das Gefühl, dass alles so sein sollte. Aber das Kind hatte sich wirklich den ungeeignetsten Moment ausgesucht, um sich auf den Weg zu machen.

There’s a problem, feathers, iron, sang Michael Stipe.

Probleme sind dazu da, gelöst zu werden, dachte ich, plötzlich kämpferisch. Das Baby würde Ende März auf die Welt kommen, kurz nach Anbruch des letzten Halbjahres der Ausbildung. Die Prüfungen standen also an, wenn das Kleine gerade mal drei Monate alt war. Das waren sowohl schriftliche und mündliche Prüfungen als auch die Betreuung einer Geburt im Kreißsaal.

Fall on me, what is it up in the air for?It’s gonna fall!,behauptete Michael Stipe, als ich an einer Ampel halten musste.

Während ich wartete, dass es Grün wurde, trommelte ich nervös mit den Fingern aufs Lenkrad und überlegte. Wenn ich das, was für die Hebammenprüfung zu lernen war, vor der Geburt meines eigenen Kindes in meinen Schädel prügelte, war die Situation eigentlich gar nicht so übel. Ich wusste aus Erfahrung, dass ein Baby während der ersten sechs Lebensmonate relativ leicht von jemand anderem betreut werden kann – schließlich hatte ich schon mein Vordiplom an der Uni durchgezogen, als Leon gerade mal zwei Monate alt war.

Nein, das Problem lag woanders. Das Problem war die Hebammenschule selbst. Ich wusste ganz genau, was die Schulleitung sagen würde, wenn ich erzählte, dass ich ein Baby erwartete. Man würde mir garantiert ans Herz legen, ein Jahr zu pausieren. Erst mal das Kind zu bekommen und dann wieder einzusteigen. Das war aus Perspektive der Schule nur logisch, denn als Schwangere darf man wegen der – ausgesprochen theoretischen – Infektionsgefahr nicht im Kreißsaal eingesetzt werden.

Für mich schien eine Pause allerdings keine gute Alternative zu sein: Wenn ein Kind erst einmal ein Jahr alt ist, läuft und krabbelt es herum und ruft die ganze Zeit nach der Mama. Mal ganz abgesehen davon wollte ich die Ausbildung endlich vom Tisch haben. Ich wollte arbeiten dürfen!

Damit stand mein Entschluss fest: Ich würde die Schwangerschaft für mich behalten. Jedenfalls solange es nur ging. Dann konnte man weitersehen.

Robert machte erwartungsgemäß keinen Freudensprung, als er von meiner Schwangerschaft hörte, aber nach anfänglicher Grummelei gab er schließlich Ruhe und akzeptierte, dass er Vater wurde.

Die Sommerferien der Hebammenschule begannen auch nicht gerade gut, denn ich fing mir einen furchtbaren Darmvirus ein und nach zehn Tagen Virus, ich war in der zwölften Schwangerschaftswoche, war der Muttermund verstrichen und zentriert – ein Befund wie in der Eröffnungsphase einer Geburt. Die Zeichen standen auf Fehlgeburt. Alles, was ich tun konnte, war zu hoffen und das Bett zu hüten.

Nur langsam normalisierte sich mein Zustand wieder.

Nach den Ferien wagte ich es einmal in einem leeren Kreißsaal kurz den Kardiotokographen – das CTG-Gerät – anzuschalten und den Herzschlag meines Babys zu hören. Ich war zwar erst im vierten Monat, aber die isolierende Speckschicht an meiner Bauchdecke war ja nicht gerade üppig. Tatsächlich konnte ich mein Kind ganz kurz und leise hören: Dedum, dedum, dedum. Glück und Hoffnung strömte mir in diesem Moment durch alle Poren. Was sitzt, das sitzt, hatte eine Freundin mal gesagt, an diese Aussage klammerte ich mich. Ein Kind, das unter solch unmöglichen Umständen entstanden war, das wollte auch geboren werden. Das konnte mich jetzt nicht einfach wieder so verlassen.

Als ich im fünften Monat war, war ich auf der Säuglingsstation der Uniklinik eingesetzt, die wir alle nur »Kinderzimmer« nannten. Hier war leider die weiße enge Schwesternkleidung angesagt. Ich hatte in den vergangenen Wochen die durch die Krankheit verlorenen Pfunde wieder zugelegt und konnte das Baby jetzt auch spüren. Wo die Hose zu stramm saß, stupste es oft dagegen. Ich krempelte dann den Bund ganz nach unten, unter den Bauch. Doch wenn ich mich streckte oder hinsetzte zeichnete sich mein Bäuchlein unter der Uniform ab. Mir blieb nichts anderes übrig, als die Kolleginnen einzuweihen und zu hoffen, dass sie dichthalten würden.

Und das taten sie.

EIN PAAR KOLLISIONEN

Der Spätsommer mit seinen langen schönen Abenden verabschiedete sich allmählich, und während die Tage kühler wurden und die Herbstregen einsetzten, ging es mir besser und besser.

Bis zu einem Abend im Oktober.

Ich hatte, wie leider so oft, Spätdienst. Das war die einzige Dienstzeit, die sich nicht gut mit dem Mutterdasein verbinden ließ, und ich tauschte ihn, so oft es ging. Heute war das nicht möglich gewesen, aber es war ausgesprochen ruhig auf der Station, es gab nichts mehr zu tun. Die wenigen Babys waren bei ihren Müttern. Brigitte war die diensthabende Kinderkrankenschwester, eine liebe und fürsorgliche Person.

»Esther, fahr nach Hause zu deinen Jungs, ich hab das hier im Griff!«, sagte sie.

So fuhr ich statt wie gewöhnlich um halb elf schon gegen halb zehn auf der A 66 in Richtung Frankfurt. Es hatte geregnet, die Fahrbahn glänzte im Licht der Scheinwerfer, aber ich kannte die Strecke aus dem Effeff und fuhr zügig durch die Dunkelheit. Ich war glücklich über die geschenkte Stunde: Zeit war etwas, was mir wirklich immer fehlte.

Auf einmal sah ich, wie sich einige Fahrzeuge weiter vorn ein weißer Kombi aus der Reihe der Fahrzeuge löste und um die eigene Achse drehte. Wie in Zeitlupe rotierte dieser Pkw und kollidierte mit einem roten Kleinwagen, der auf der regennassen Fahrbahn nun ebenfalls zu kreiseln begann wie eine Billardkugel, die angestoßen worden war. Es sah aus wie ein unwirklicher Tanz, passend zu Paolo Conte, der aus meinen Lautsprechern schallte.

Meine automatische Reaktion erstaunt mich noch heute. Ich legte keine Vollbremsung hin, weil mir unbewusst wohl klar war, dass ich das Auto dann nicht mehr würde lenken können. Stattdessen bremste ich mit viel Gefühl stotternd ab und manövrierte meinen kleinen Fiat zwischen den Pirouetten drehenden Unfallwagen hindurch. Schließlich rollte ich auf dem Standstreifen am rechten Fahrbahnrand aus. Ich wolle gerade aufatmen, da nahm ich im Rückspiegel einen BMW wahr, der wohl weniger Geschick beim Bremsen bewiesen hatte. Er raste in einen der beiden Unfallwagen hinein und rotierte anschließend genau auf mich zu. Dummerweise war ich ja gerade im Schritttempo angelangt und konnte nicht mehr ausweichen. Ich hatte nicht mal mehr Zeit, einen Schreck zu bekommen, so schnell krachte der BMW im stumpfen Winkel in meine Fahrerseite. Der Sicherheitsgurt straffte sich mit einem Ruck um meinen babyrunden Leib.

Paolo Conte ließ sich nicht beirren: Er sang weiter, als sei nichts geschehen. Der CD-Player war definitiv nicht beschädigt. Ich hatte Glück im Unglück: Die Fahrerseite meines Autos war ziemlich nach innen gewölbt, aber das war alles. Der Rest und vor allem ich selbst mit meinem Baby im Bauch war unversehrt. Jedenfalls fühlte ich mich so, als ich über die Beifahrerseite aus dem Wagen kletterte. Auch keiner der anderen Betroffenen schien ernsthaft verletzt zu sein.

Schon näherten sich mit lautem Tatütata Feuerwehr, Polizei und natürlich der Rettungswagen, bald blinkte der Asphalt wie ein Discoboden im rotierenden blauen Licht. Ich fröstelte. Ein junger Sanitäter sprang aus dem Rettungswagen und lief sofort auf mich zu. Sein Blick blieb an meinem Bauch hängen, der sich unter dem Pulli wölbte: »Sie sind schwanger?« Es war mehr eine Feststellung als eine Frage. »Dann muss ich Sie bitten, mitzukommen, damit Sie im Krankenhaus untersucht werden können.«

»Muss das denn wirklich sein?«, fragte ich gereizt. »Ich fühle mich gut, ich muss nach Hause zu meinen Kindern.«

»So sind die Vorschriften«, gab er nur zurück.

»Und mein Wagen?«, erkundigte ich mich.

»Der kann hier erst mal stehen bleiben, den können Sie oder jemand für Sie später abholen oder er wird abgeschleppt. Je nachdem. Wir sagen der Polizei Bescheid, dass wir Sie mitnehmen.«

Ich seufzte, schnappte mir ärgerlich meine Handtasche vom Beifahrersitz und folgte ihm zum Krankenwagen.

Ende der Leseprobe