Wahre Kreise schließen sich - Walther Thür - E-Book

Wahre Kreise schließen sich E-Book

Walther Thür

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Beschreibung

"Wahre Kreise schließen sich" Lebens-Folgen eines sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche Ein Plädoyer für die Wahrheit Erzählt und reflektiert wird die autobiographische Lebensgeschichte von Walther Thür. Ausgehend vom Jahr 2010, in welchem der Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland öffentlich wurde, erzählt der Autor seine persönliche Biographie, die von einem sexuellen Missbrauch, ausgeübt durch einen katholischen Priester, in der Kindheit überschattet wurde. Reflektiert werden die Kindheit, Jugend und das Erwachsenenalter des Autors. Die nachhaltigen Folgen des Missbrauchs, komorbide Begleiterkrankungen als auch die Schwierigkeiten, dem Leben eine sinnvolle Struktur zu geben, werden für den Leser spürbar und sichtbar. Eingebettet in die vorliegende Biographie sind immer wieder Gedichte und Illustrationen, die der Autor im Laufe der Jahre geschrieben und skizziert hat. Als Protagonisten treten in der erzählenden Biographie auf: Die allgemeine Presse; Tom, der begleitende Schutzengel; Pfarrer U., der Missbrauchstäter und Walther, der Betroffene. Das Geschriebene möge der Wahrheit Raum geben und andere Betroffene ermutigen, die Wahrheit auszusprechen.

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Seitenzahl: 215

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Walther Thür

Wahre Kreise schließen sich

Lebensfolgen eines sexuellen Missbrauchs

innerhalb der Katholischen Kirche

© 2021 Walther Thür

ISBN Softcover: 978-3-347-51943-5

ISBN Hardcover: 978-3-347-51944-2

ISBN E-Book: 978-3-347-51946-6

Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Germany

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Halenreie 40-44, 22359 Hamburg, Deutschland.

Widmung

- Allen Betroffen, den Lebenden und den Toten

- Meiner lieben Ehefrau Hannelore

- Meinen Eltern

- Meinen Kindern

- Der Wahrheit und den Wahrheitsliebenden

Inhaltsverzeichnis

Warum dieses Buch?

Das Jahr 2010

Auch Jesus hatte sein Lieblingsjünger

Kinderzeit

Dein Schrei

Der 2. April 2010

Umzug nach Mannheim

Kindererholungsheim

Erste Heilige Kommunion / St. Elisabeth

Walther, der Messdiener – mea culpa

Ein neuer Pfarrer

Erste Grenzüberschreitungen

Das Jahr 1971

Sichtweisen

1974 - 1978 / Die Zeit in Sasbach

Für Dich

Sinn-Unsinn, Du bist allein

Abitur 1978 / Entscheidungen

Tod

Ich weiß es nicht

Der Sprung in der Schüssel

Sie kappen Dir die Wurzeln

Stimme des Lebens

Umzug nach Weinheim

Das beladene Jahr 2010

Gedanke

Zöllner und Pharisäer

Erschlagen und erschöpft

Auszeit in Ostfriesland

Abschied

Besuch in Freiburg 2010

Festgelegt

Samstag, 16. Mai 2016

In meine Tränen mich versenken

Die Missbrauchsstudie MHG

30. Oktober 2018 / ZI

Gespräch mit Erzbischof Stefan Burger

am 28.10.2020

Wertschätzung meiner Wegbegleiter

Erstaunlich / Drittes Buch von Pfarrer Ullmer

Verzeihung

Das Thema Vergebung

Ein letzter Brief an Pfarrer Fritz Ullmer

Schlussworte

Anhang

Warum dieses Buch ?

Um es vorweg klarzustellen. Es geht nicht um „Abrechnung“, es geht nicht um „Zurückschlagen“, es geht nicht um „Vergeltung“, vielmehr geht es um „Aussprechen“, um ein „Mitteilen“ der zum großen Teil unausgesprochenen Wahrheit. Sinn und Ziel ist es, dem verehrten Leser neue Sichtweisen zum Tabu-Thema „Sexueller Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche“ zu eröffnen.

Ich erzähle ausschließlich meine Geschichte, allerdings doch auch auf eine gewisse Art „stellvertretend“ für zahlreiche Missbrauchsopfer innerhalb der katholischen Kirche, denn viele haben keine Stimme mehr; sie sind verstummt und mutlos; sie leiden bis zum heutigen Tag; sie sind gefangen von Drogen und Alkohol, die wohl ältesten Antidepressiva der Welt; sie haben in Ihrer Verzweiflung den Freitod gesucht; sie sind tot.

„Wahre Kreise schließen sich“.

Der Titel könnte auch lauten: Die Wahrheit holt uns immer wieder ein. Früher oder später. Die Betonung liegt auf „wahr“, sprich Wahrheit, und darum soll es in diesem Buch gehen.

Wenn wir der Wahrheit in unserem Leben, auf dieser Welt, keinen Raum mehr geben, dann stellt sich die Frage der Sinnhaftigkeit unseres Daseins immer wieder neu.

Es geht nicht darum, Geschehenes „groß oder klein“ zu machen, sondern es aussprechen zu dürfen – ohne ein Wenn und Aber – es geht schlichtweg um die Wahrheit.

Und – wir sind es nachfolgenden Generationen schuldig, allen voran den Kindern schuldig, Mut zu machen, die Wahrheit auszusprechen, der Wahrheit Licht zu geben. Vielleicht wird die Welt dadurch etwas angstfreier und wahrhaftiger.

Die katholische Kirche hat sogenannte „Leitlinien zur Prävention von sexuellem Missbrauch“ erarbeitet.

Hier geht es um „Leid-Linien“, die ein sexueller Missbrauch mit sich bringt.

Die Biographie, die Vita eines Betroffenen, wird wesentlich geprägt und bestimmt durch ein erfahrenes Trauma, das ist mir mittlerweile nach vielen Jahren und Jahrzehnten klar geworden.

Freilich liegt das Geschehene, das „Unsägliche“, in der Vergangenheit und es gibt keinen „Reset-Knopf“. Es ist kein Neustart möglich. Aber es gibt Möglichkeiten, das erlittene Unrecht mit professioneller Unterstützung aufzuarbeiten, zu akzeptieren und eventuell „einzuordnen“ in den persönlichen Lebensweg.

Eine Möglichkeit ist auch das expressive Trauma-Schreiben, das Unsagbare mitteilbar zu machen. Dieser Herausforderung möchte ich mich hiermit stellen.

Margot Käßmann, Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der EKD, bringt es in ihrem Buch „Sorge Dich nicht Seele“ in gewisser Weise auf den Punkt, wenn sie schreibt: „ Denn das, was wir verdrängen, bedrängt unsere Seele. Wenn wir die schmerzhaften Punkte, Entscheidungen, Entwicklungen, Verstrickungen benennen, sie aussprechen, mit anderen besprechen, nehmen wir ihnen einen Teil ihrer Macht.“

Das Jahr 2010

Ein wahrer Tsunami bricht über die katholische Kirche in Deutschland ein. Manche sprechen von einem Erdbeben, andere von einem gewaltigen Vulkanausbruch.

Der Jesuiten-Pater Klaus Mertes, Rektor des Canisius-Kollegs der Jesuiten in Berlin, deckt Missbrauchsfälle auf. Die Lawine kommt ins Rollen, weitere Verdachtsfälle sexuellen Missbrauchs werden öffentlich.

- Missbrauch im Jesuiten-Kolleg St. Ansgar / Hamburg

- Missbrauch im Bonner Aloisius- Kolleg

- Missbrauch im Jesuiten-Kolleg St. Blasien

- Missbrauch in nahezu allen Bistümern der katholischen Kirche

- Missbrauch im Benediktinerkloster Ettal

- Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen

- und und und….

Die Medien überschlagen sich mit Missbrauchsfällen und -berichten. Der Trierer Bischof Ackermann wird sogenannter „Sonderbeauftragter für Missbrauchsfälle“.

Der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof von Freiburg, Robert Zollitsch, entschuldigt sich bei den Missbrauchsopfern.

Auch ich erhalte am 04.05.2010 ein Schreiben vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, vom seinerzeit zuständigen Domkapitular.

„Sehr geehrter Herr Thür,

Sie wurden im Alter von 13 Jahren das Opfer sexueller Übergriffe durch Pfarrer Ullmer in Mannheim Gartenstadt.

Pfarrer Ullmer hat die Übergriffe Ihnen gegenüber nie geleugnet. Aber erst jetzt wurden sie öffentlich bekannt. Pfarrer Ullmer bereut die Tat zutiefst und bittet Sie noch einmal um Verzeihung.

Was geschehen ist, kann freilich nicht ungeschehen gemacht werden. Sie leiden bis heute unter der Last der damaligen Ereignisse und tragen schwer an Getanem, Gesagtem und Geschriebenem.

Ich möchte Ihnen mein persönliches Bedauern aussprechen über das Ihnen im Rahmen der Kirche und der Seelsorge zugefügte Unrecht, durch das Sie so sehr Schaden erlitten haben. Als Beauftragter des Erzbischofs bitte ich Sie um Verzeihung.

Über ein Zusammentreffen und ein Gespräch mit Ihnen würde ich mich freuen. Das Zustandekommen liegt jedoch ganz in Ihrer Freiheit.

Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie ein Gespräch mit uns wünschen oder was wir für Sie tun können.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Eugen Maier

Domkapitular „

Ich nahm die Einladung zu einem Gespräch an.

Nahezu zweimal wöchentlich flimmert ein "Missbrauchs-Talk" über das Fernsehen in deutsche Wohnzimmer. Wochenlang beherrscht das Thema Missbrauch sämtliche Medien, steht ein Tabuthema im Focus der Öffentlichkeit. Immer wieder neue, entsetzliche Nachrichten und Schlagzeilen. Eine aufwühlende Zeit für die Kirche, sicher, aber auch für die Betroffenen und die noch lebenden Täter.

Die Kirche ist um Ihre Reputation bemüht. Der "Image-Schaden" ist groß, aber er soll minimiert werden.

Zwischenfrage: War Jesus Christus eigentlich auf Image aus? Ich glaube „Nein“, denn sonst wäre er nicht am Kreuz gestorben; ein absoluter "Imageverlust", seine Anhänger und Jünger waren am Boden zerstört. Wie konnte er, der neue Messias, nur so "enden". Heute wissen wir als Christen, es war nicht das Ende - es war der Beginn.

Auch mich persönlich durchschüttelte diese Medienpräsenz und wirbelte mein Gefühlsleben ziemlich durcheinander. Ich war in großer Not.

Vier Jahrzehnte hatte ich diesen "Missbrauchs-Rucksack" mit mir geschleppt, vier Jahrzehnte gingen mir immer wieder die Kräfte aus, vier Jahrzehnte habe ich nichts ausgesprochen, es sei denn der Alkohol löste meine Scham und Angst und ich sprach die Vergangenheit an; aber wer glaubte schon einem Betrunkenen, einem aus der Spur Geratenen. Meine Biographie wurde durch den Missbrauch wesentlich geprägt.

Früher Alkoholkonsum mit nahezu allen Folgen, zum Teil beziehungsunfähig, Depressionen, Suizidgedanken als auch -versuche, Selbstzerstörung, Isolierung und Abkapselung.

Warum landete "mein Fall" über eine Presseerklärung des Täters und der Kirche öffentlich in den Medien ohne mich auf irgendeine Weise einzubinden, geschweige denn, mich das vorab wissen zu lassen.

Die katholische Kirche als auch der Täter gingen in die Offensive, der ich völlig wehrlos ausgeliefert war.

Wer denn hatte den Täter beim zuständigen Dekan angezeigt?

Ich war es in jedem Fall nicht, aber der "wahre Kreis" schloss sich dennoch.

Ich war der "Nestbeschmutzer", der "Verräter", der anmaßende „Pharisäer“, derjenige, welcher an dem hoch gelobten und beliebten Priester an der "Täter-Person" rüttelte und das Denkmal ins Schwanken brachte; so zumindest in den Augen vieler Außenstehender. Der Täter war (und ist) eine von vielen geliebte und hochgeachtete kirchliche Instanz.

Hier ein kurzer Auszug aus der Presseerklärung (wnoz) vom 20. April 2010:

Ein großes Foto schmückte den Artikel. Der reuige Sünder und sein zuständiger Dekan. Später warf man mir, der ich von alledem nichts wusste, vor: „Das hat er nicht verdient…“

Pfarrer Ullmer holt die Vergangenheit ein.

"Die katholische Kirche im Dekanat Heidelberg-Weinheim kommt nicht zur Ruhe. Nun musste der ehemalige Dekan Ullmer eingestehen, dass er als junger Pfarrer einen 14-jährigen Jungen zweimal unsittlich berührt hat.

(Anmerkung des Verfassers: Unsittlich berührt? Und im Übrigen, ich war dreizehn Jahre alt!)

Unter anderem sagte Pfarrer Ullmer: „Ich bereue zutiefst den damaligen Missbrauch. Ich bedauere aber auch, dass ich nun mit schuld bin am Imageschaden meiner Kirche……"

(Erneut meine Frage: War Jesus Christus eigentlich auf Image aus?)

Die Seelsorgeeinheit von Pfarrer Ullmer wurde eingeladen, um "Trauerarbeit" zu leisten.

Am Mittwoch, den 21. April 2010 erscheint nachfolgender Artikel in den Weinheimer Nachrichten:

"Katholische Kirche: Missbrauch durch den ehemaligen Dekan Ullmer erschüttert die Gemeinden an der Bergstraße.“

„Fassungslosigkeit, Trauer und das Gefühl ein Erdbeben zu erleben - so beschrieben gestern Bergsträßer Katholiken ….ihre Reaktion auf die Nachricht, dass der ehemalige Dekan Ullmer den Missbrauch eines 14-jährigen Jungen (Anm. des Verf.: Ich war 13)

zugegeben hat. Besonders für die Bachgemeinden…..war es ein regelrechter Schock. Es sei für die meisten einfach `unfassbar`, sagte Pfarrer W., der heute für die Bachgemeinden zuständig ist,…und fügte hinzu: `nicht im Entferntesten hätte ich das gedacht`. Deshalb sehe er jetzt für seine Gemeinden eine Trauerarbeit vor sich. Man müsse damit umgehen lernen, dass ein Mensch, der vielen nahe stand, so etwas getan habe.

W. betonte, dass er den ehemaligen Weinheimer Dekan als überzeugenden Priester kennengelernt habe, der außerordentlich beliebt gewesen sei. Deshalb gehe es jetzt darum, gemeinsam mit den Gemeinden die nächsten Schritte zu vollziehen. Einerseits wolle man die Wertschätzung für sein Wirken …formulieren, anderseits die Trauer über das, was vor fast 40 Jahren passiert ist……… Wie gestern bekannt wurde, hatte Pfarrer Ullmer allerdings schon während seiner Tätigkeit an der Bergstraße dem damaligen Opfer eine Wohnung in einer Einrichtung seines Dekanats vermittelt (Anmerkung des Verf: Hört sich nach Entschädigung / Wiedergutmachung an…war es aber nicht…ich hatte mich um die ausgeschrieben Hausmeisterstelle ordentlich beworben.) Dekan Dr. J. Dauer wollte sich dazu gestern auf Rücksicht auf das Opfer nicht äußern…"

(wnoz, 20. April 2010)

Schön. Wo blieb ich? Auch ich wollte Trauer- bzw. Trauma-Arbeit leisten. Im Spätjahr 2010 machte ich mich eigenständig auf die Suche nach professioneller Hilfe. Ich spürte und wusste, dass ich diese Überschwemmung meiner Gefühle nicht allein bewältigen konnte. Ich hatte Glück, mein persönlicher Schutzengel, Tom, war wohl wieder am Werk und ließ mich nicht allein. Ich lernte Dr. Peter Hofmann kennen, Facharzt für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Chemie zwischen uns stimmte, ich konnte reden. Im Übrigen, die Kosten trug meine Krankenkasse, die katholische Kirche war hier "außen vor".

Herr Dr. Peter Hofmann begleitete mich bis zum Sommer 2016, dann veränderte er sich aus beruflichen Gründen und wechselte an ein Facharztzentrum in der Nähe von Passau.

Offen gestanden, er fehlt mir.

Im Zeitraum von 2010 bis 2018 folgten:

Eine erste Traumatherapie 2013 in Isny-Neutrauchburg, die ich allerdings bereits nach einer Woche aufgrund eines Sportunfalles abbrechen musste. Diagnose: Trümmerbruch im rechten Oberschenkel. Operation in Wangen, Anschlussheilbehandlung in Bad Rappenau. Seitdem Grad der Behinderung GdB 50 mit Merkmal G (gehbehindert); ein weiteres "kleines Trauma" ereilte mich somit, aber ich hadere nicht damit.

Im Sommer 2015 unternahm ich einen zweiten Anlauf bzgl. einer Traumatherapie in Isny im schönen Allgäu.

Eine weitere 6-wöchige Traumatherapie folgte dann im Sommer 2018.

Vieles konnte ich "mitnehmen". Ich begann, mich selbst zu verstehen, mein "Inneres Kind" tauchte auf. Ich lernte, meine Gefühle achtsam wahrzunehmen und versuchte, den sexuellen Missbrauch irgendwie zu integrieren in meinen Lebensweg. Aber das alles waren noch Anfänge, ich arbeite weiterhin daran.

Am 9. September 2018 kehrte ich aus meiner letzten Therapie heim. Ich ging sofort wieder meiner Arbeit nach, wurde ich doch auch als arbeitsfähig entlassen.

Am Dienstag, den 25. September 2018, wurde bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda eine Missbrauchsstudie zum jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland vorgestellt.

Titel der Studie:

"Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz".

2010 bis 2018, ganze acht Jahre also benötigt die katholische Kirche, um diese Studie vorzustellen.

Die in Auftrag gegebene Studie offenbart Schmerzliches:

"Im Zeitraum von 1946 bis 2014 gab es in den deutschen Diözesen mindestens 3677 Betroffene von sexuellen Übergriffen. Die Taten werden mindestens 1670 Beschuldigten zur Last gelegt, vor allem Priestern.

Erstellt wurde die Studie von einem Forschungskonsortium unter der Leitung von Prof. Dr. Dressing, Mannheimer Psychiater und Forensiker am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim".

Im Jahr 2015 hatte ich Herrn Dressing persönlich angeschrieben und meine Bereitschaft signalisiert, an der damals geplanten Studie teilzunehmen, war und ist es doch auch mein Anliegen, sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche weniger zu begünstigen.

Freilich, es wurden zwischenzeitlich neue Leitlinien zu Prävention von sexuellem Missbrauch erarbeitet, es gab Schulungen für Kleriker und Mitarbeiter, es gab Hotlines, es gab Ansprechpartner für Betroffene. Dennoch ist klar und offensichtlich, dass sich die Kirche schwer tut, sich diesem Thema aufrichtig zu stellen; die nun veröffentlichten Studienergebnisse machten deutlich, dass alle bisherigen Verfahren nicht ausreichten.

"Kardinäle im Büßerhemd.

`Erschüttert und erschrocken` sei er über die Ergebnisse der Studie zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx. Kirchliche Amtsträger müssten jetzt verstärkt auf die dunklen Seiten ihres Lebens und des Lebens der ganzen Kirche schauen".

(WN/OZ, Mittwoch, 26. September 2018)

Stellvertretend für die vielen Betroffenen, die lebenden als auch die toten, möchte ich aussprechen, was geschieht, wenn sexueller Missbrauch wie ein Dorn in der Lebensbiographie steckt.

Den vielen Außenstehenden, den meist klaglos Kirchentreuen, der Institution Kirche, den Ahnungslosen, den "Kleinrednern", den "Ver-Urteilenden" der Opfer mögen neue Sichtweisen aufgehen.

Wie eingangs bereits betont, hier wird aus meiner Sicht nicht abgerechnet mit der Kirche und seinen Tätern. Hier wird "nur" versucht auszusprechen, was geschah - mit welchen Folgen.

Das "tut" mir persönlich gut und befreit auf eine gewisse Weise - (in Fachkreisen spricht man vom "expressiven Traumaschreiben") - und ein Kreis, ein "Wahrer Kreis" schließt sich.

Wahre Kreise schließen sich / Leidlinien und Lebens-Folgen eines

sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen

Kirche. Ein Plädoyer für die Wahrheit

Auch Jesus hatte seine Lieblingsjünger

„Und Du musst wissen: Auch Jesus hatte seine Lieblingsjünger.“

Ein Satz, der mich nie mehr so richtig los ließ, der mein Leben lange Jahre, Jahrzehnte, begleitete und immer wieder „auftaucht". Kreise schließen sich. Warum geschieht, was geschieht? Wer lenkt, wer denkt? Wer führt uns? Die meisten Sinnfragen werden ohne endgültige Antwort bleiben, aber oft ist es auch schon wichtig, die Fragen überhaupt zu stellen, sie zu platzieren im Labyrinth des Lebens. Die Grundfragen des Lebens, die uns berühren, uns begleiten und sich auftun, wenn wir wach und achtsam unsere individuellen Lebenswege gehen. Warum bin ich so wie ich bin? Wer bin ich? Was bestimmt mein persönliches Mensch-Sein? Welchen Sinn hat mein, unser Leben? Welchem Sinn möchte ich „gelebt“ haben?

Es war ein Karfreitag im Jahr 2010, der 02.04.2010, um genau zu sein, mein Stiefsohn Benny hatte Geburtstag, aber wie in jedem Jahr wollte ich auch heute an der Karfreitagsliturgie in der Kirche teilnehmen. Ich fand keine Begleiter, war es doch auch ein trauriger, düsterer und dunkler Anlass – das Sterben Jesu Christi. Das Gotteshaus war gerade mal um etwa ein Drittel gefüllt. Kühl, nüchtern, geradezu kalt und keinerlei Blumenschmuck. Das Kreuz mit einem nüchternem Tuch verhüllt, der Tabernakel geöffnet und leer. Die Orgel würde stumm bleiben – tot eben.

Bedrückt öffnete ich die große, nahezu gewaltige Eingangstür der Kirche, die schwer hinter mir zuschlug. Die hinteren Reihen waren kaum besetzt und so fand ich - allein auf einer Bank - einen ruhigen, behüteten Platz. Das wollte ich auch so, innerlich ahnend und spürend, dass mich während der anstehenden Trauerfeier etwas sehr emotional berühren und treffen würde.

Herzliebster Jesu, was hast Du verbrochen, dass man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? Was ist die Schuld, in was für Missetaten bist Du geraten?“

Ein Passionslied, das ich schon als kleiner Ministrant oftmals gesungen hatte und dessen Text mir inne war und den ich nahezu gänzlich auswendig kannte.

Kinderzeit

Es war nicht gerade kalt, eher für die vierte Jahreszeit sogar etwas zu mild, leichter Regen. Ein Gemisch aus dieser depressiv anmutenden und melancholischen Luft eines Spätjahres im Emsland, in Papenburg.

Ein Freitag – ein Nikolaus-Tag –der sechste Dezember des sich neigenden Jahres 1957. Es war mein „Geburts-Tag“. Meine Eltern wollten mich wohl erst Klaus nennen, aber vorausschauend, dass das kleine Menschenkind fürderhin seinen Namenstag, seinen Tag der Geburt und dann auch noch den zumindest für Kinder einträglichen Nikolaustag mit all seinen Gaben bewältigen müsse, entschieden sie sich, mir den Namen Walther zu geben.

Ich kam über eine sogenannte „Zangengeburt“ zur Welt. Für die Mutter als auch für mich, das Kind, eine schmerzhafte und anstrengende Angelegenheit.

Es war die Zeit der erheblich ansteigenden Geburtenzahlen in Deutschland. Diese Generation, welche während der späteren Nachkriegszeit zur Welt kam, bezeichnete man als den sogenannten „Babyboom“, - hineingeboren in ein eher optimistisch geprägtes Zeitalter.

Der Zweite Weltkrieg war seit 12 Jahren vorbei, die Nachwehen, Scherben und Risse aber natürlich noch spürbar.

Der Aufschwung zum `Wirtschaftswunder Deutschland´ stimmte positiv – generell galt, dass die Volkswirtschaften der westlichen Länder in einem atemberaubenden Tempo und Takt wuchsen. Meine Geburtsstadt war Papenburg. Diese schöne Stadt Papenburg ist die nördlichste Stadt des sogenannten Emslandes, direkt angrenzend an Ostfriesland und ich fühle mich bis heute auch mehr als Ostfriese denn als Emsländer, wuchs ich doch auch vorwiegend in Emden, direkt an der Nordsee, auf. Papenburg ist die wohl älteste und vor allem auch längste Fehnkolonie in Deutschland. Wunderbar anmutige Kanäle prägen bis heute das Stadtbild. Auch meine Eltern waren gebürtige Papenburger und wuchsen in der Friesenstraße auf.

Stadt Papenburg / Segelschiff „Friederike von Papenburg“

Zur Zeit meiner Geburt wohnten meine Eltern allerdings in Lingen, etwa 70 Kilometer südlich von Papenburg, war doch Vater dort in der ansässigen Raffinerie als Chemielaborant tätig. Meine Mutter zog es allerdings vor, ihren Sohn Walther in Papenburg das Licht der Welt erblicken zu lassen, war doch die Geburt damals noch etwas schwieriger und so konnte Mutter auf die Unterstützung ihrer Eltern hoffen, denn ein erstes Kind, auch ein Sohn, war schon da und wollte ebenfalls versorgt werden.Bereits im zarten Alter von etwa erst 6 Monaten erkrankte ich schwer. Ich zog mir eine Lungenentzündung und Rippenfellentzündung zu, eine in den Jahren 1957/58 sehr ernstzunehmende und zugleich lebensbedrohliche Situation. Eigentlich stand eine stationäre Aufnahme im Krankenhaus an, aber der zuständige Kinderarzt empfahl meiner lieben Mutter, den „Kleinen“ doch lieber zuhause zu pflegen und im wahrsten Sinne des Wortes in Watte zu packen. Zusätzlich wurde mir eine große Menge an Penicillin zugeführt, das neue Wundermittel der Medizin, denn erst im Zweiten Weltkrieg erzielte das Penicillin den Durchbruch. Eine Nebenwirkung stellte sich allerdings ein, denn als Kind entwickelte ich für die nächsten Jahre eine starke Resistenz gegenüber Antibiotika, aber ich wurde gesund, vor allem auch durch die Betreuung meiner Mutter. Eine solch intensive und liebevolle Betreuung wäre im Krankenhaus nicht möglich gewesen und rückblickend muss ich feststellen, dass hier wohl zum ersten Male mein persönlicher Schutzengel, hier natürlich „materialisiert“ in Form meiner Mutter, auf den Plan gerufen wurde und es würde nicht das letzte Mal sein. Dieser persönliche Schutzengel, davon bin ich überzeugt, begleitet mich bis zum heutigen Tag – und – er hatte und hat viel zu tun. Darum an dieser Stelle ein „Danke“ an IHN. Meinem Schutzengel gab ich eines Tages den Namen „TOM“—steht für „to me“ – für mich!

Walther mit etwa 14 Monaten auf dem Weg ins Leben

Zwischen den Jahren 1997 auf 1998, es ging mir zu dieser Zeit nicht gut und ich war in einer psychischen Krise, schrieb ich einen kleinen Gedichtband und untermalte denselben mit eigenen Illustrationen. Unter anderen ist auch nachfolgendes Sprach-und Illustrationsbild dort zu finden:

Dein Schrei

Du kommst zur Welt - Mit einem Schrei

Der hallt - Mit Dir

Dir nach - Durch`s ganze Dasein.

Du schreist – -nach Nahrung

schreist – nach Liebe

schreist - -nach Geborgenheit.

Verhallt Dein Schrei ungehört, – verzage nicht;

denn Einer ist und immer war,

der Dich geworfen auf die Welt,

der stets Dich hört, - der Dich begleitet

- lautlos, doch spürbar.

Er weiß um deinen Schrei, - denn Er ist da,

vergiß das nie.

Ich war also der „Zweitgeborene“ – es folgten später noch ein weiterer Bruder sowie eine Schwester, das Nesthäkchen der Familie. Im Jahr 1961 zog die bis dahin noch vierköpfige Familie nach Emden, wo der Vater eine neue Stelle antreten konnte, und hier beginnen auch meine bewussten Erinnerungen, die unbewussten sind im Hirn auf einer Datei hinterlegt, die ich bis dato noch nicht so richtig ausfindig machen konnte.

Die Stadt Emden ist die größte Stadt Ostfrieslands, liegt direkt an der Emsmündung und die Einwohner heißen Emder. Für mich ist klar: Ich war also ein Emder!

In Emden wohnten wir in der Straße mit dem klangvollen Namen „Am Herrentorswall“.

Wall-Brücke über den Beginn des Ems-Jade-Kanals zwischen Rotem Siel und Kesselschleuse

Vor unserer Haustür lag ein deichförmig angelegter Wall; dahinter, direkt angrenzend, lag (und liegt heute noch) ein schön angelegter Schwanenteich, ein schmuckes, kleines Naherholungsgebiet. Den Wall nutzen wir Kinder im Winter zum Schlitten-Fahren, im Sommer tummelten wir uns im Grünen, fingen zum Leidwesen unserer Mutter Kaulquappen aus dem Teich oder den angrenzenden sogenannten Schlooten, setzen sie in damals noch vielfach vorhandenen Einmachgläser ab (natürlich mit Wasser angefüllt) und verstauten diese kleinen Aquarien dann auch mal zuhause im Kühlschrank oder aber in sonstigen kindgerechten „Verstecken“. Allein der Herrentorswall hatte aber für uns Kinder noch mindestens zwei weitere Attraktionen. Zum einen stand dort, unweit unseres Zuhauses, eine Windmühle, die sogar noch zum Teil in Betrieb war, - zum anderen lag in circa 50 Metern Entfernung eine kleine Sauerkrautfabrik, zu der auch eine tennisplatzgroße Halle gehörte. In dieser Halle durften wir hin und wieder, vorausgesetzt es wurde nicht mehr dort gearbeitet, unsere Rollschuhe (Inline-Skater gab es noch nicht) mühsam über die Schuhe ziehen und unsere Kreise drehen, bot doch der feine Hallenboden die für uns optimale Grundlage, um endlich auch mal „Tempo zu machen“. Vielleicht liegt es ja mitunter am „Dasein der Sauerkrautfabrik“, dass ich bis heute gerne Sauerkraut, egal ob warm oder kalt, esse, lag doch oft der typische Geruch in der Luft. Manches Mal nahm uns auch der Sauerkrautfabrikant oder einer seiner Mitarbeiter mit auf die Reise. Dann durften wir auf einem für uns Kinder riesigen Anhänger Platz nehmen, der seinerseits von einem Traktor gezogen wurde, und unternahmen eine „Kutschfahrt“ durch Stadtteile von Emden.

Die Windmühle und deren Betreiber inspirierte uns Kinder, zumeist im Sommer als „Kaufleute“ oder kleine „Unternehmer“ aufzutreten. Wir bastelten uns aus Pappkartons eigene kleine Kaufläden und boten dann unsere Ware direkt oben auf dem Wall feil. Es handelte sich um Bonbons oder ausrangierte Spielsachen oder aber auch sehr oft um Murmeln, denn das „Murmel-Spiel“ war zu der Zeit noch sehr beliebt und für den ein oder anderen auch einträglich, gewann doch der Sieger beim Spiel gläserne Murmeln, die für uns Kinder von unschätzbarem Wert waren ob ihres schönen Aussehens.

So schön zeigte sich der Herrentorswall in Emden im Winter

In dieser behüteten, kleinen und damals noch ruhigen Hafenstadt Emden wuchs ich bis etwa zum siebenten Lebensjahr auf. Hier lernte ich auch Tretroller fahren, die Vorstufe zum Radeln, machte erste Erfahrungen mit dem Wasser, denn das ein oder andere Mal „landeten“ oder fielen wir entweder in den Schwanenteich oder aber in einen der Schloote, nicht gerade zur Freude der Mutter, stand doch ein ausgiebiges Bad und auch eine intensive Reinigung der Kleider an. Wie gesagt, ich unternahm hier meine ersten Versuche auf einem sogenannten Lauf- bzw. Tretroller, die erzieherische Vorstufe zum Fahrradfahren. Eines Tages stürzte ich mit dem Roll-Gefährt so unglücklich, dass ich mir einen Nasenflügel am offenen Lenker aufriss und man denselben einfach „zur Seite klappen“ konnte. Der Kinderarzt nähte und verklebte alles fachgerecht und es verheilte auch wunderbar – eine körperliche Erfahrung, die mich zeit meines Lebens positiv begleitete. Äußerliche Wunden, besonders die der Haut, heilten stets vortrefflich gut und hinterließen kaum oder selten sichtbare Narben.

Aber wie heilte wohl meine Seele, wie „heilen“ verletzte Seelen grundsätzlich?

„Weils aber nicht besteht in eignen Kräften, fest die Begierden an das Kreuz zu heften, so gib mir deinen Geist, der mich regiere, zum Guten führe“

Der 2.April.2010

Das Passionslied war längst verklungen, eine gewisse, auch spürbare Schwermut lag in der Kirche, - auf den Menschen.

Die Karfreitagsliturgie war voran geschritten. Die biblischen Lesungen waren vorgetragen, der eigentliche „Höhepunkt“, die Wortfeier mit der Verkündigung des Leidensevangeliums Jesu Christi wurde in verteilten Rollen vorgelesen.

Nun folgten die sogenannten „Großen Fürbitten“, welche ausdrücklich die Anliegen der Kirche, der Welt und aller Notleidenden vor Gott tragen sollen. Ich wurde innerlich unruhig, spürte meine Zittrigkeit, ohne dass sie nach außen, für andere wahrnehmbar, drang. Schwermut und Wehmut zugleich nahmen mich gefangen, hatte ich doch Tage zuvor der Presse entnehmen können, dass Bischof Dr. Stephan Ackermann aus Trier alle Mitglieder der Katholischen Kirche eingeladen und gebeten hatte, eine besondere Fürbitte in die Karfreitagsliturgie am 02. April 2010 einzufügen. Sie betraf auch mich.

Den Text hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann, verfasst. "Die Kartage sind eine Aufforderung zu Reue und Gebet", erklärte er.

„Lasst uns beten für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden; wir beten auch für diejenigen, die schuldig geworden sind und sich schwer versündigt haben an jungen Menschen, die ihrer Sorge und Obhut anvertraut waren. Beuget die Knie. – Erhebet euch.

Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist in seinem Leiden selbst ein Opfer von Unrecht und Gewalt geworden; wegen unserer Sünden wurde er bis ins Herz verwundet. Sei mit deiner Liebe, deinem Trost und deiner Kraft allen nahe, denen großes Unrecht geschehen ist