War es das alles wert? - Manfred Strässer - E-Book

War es das alles wert? E-Book

Manfred Strässer

0,0
3,00 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Der schwäbische Unternehmer Manfred Strässer schildert sein bewegtes Leben in der Immobilien- und Touristikbranche, das ihn bis nach Südeuropa führte, wo er sich bis heute für zahlreiche neue Wege des FKK-Tourismus verantwortlich zeichnet.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Veröffentlichungsjahr: 2021

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Manfred Strässer

War es das alles wert?

Ein bewegtes Leben im Rückblick

© 2021 Manfred Strässer

Lektorat: Susanne Hülsenbeck

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-27987-2

Hardcover:

978-3-347-27988-9

e-Book:

978-3-347-27989-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Idee, meine Memoiren aufzuschreiben, kam nicht von mir, darauf wurde ich von einem Gast in Euronat, dem Ferienparadies an der französischen Atlantikküste, aufmerksam gemacht.

Bei einer Hausbesichtigung kamen wir ins Gespräch und ich erzählte ihm oberflächlich von meinem Leben, denn er wollte wissen, wie es zu meiner Berufstätigkeit bei Euronat gekommen war. Seine Worte waren, ich höre sie noch heute: „Junger Mann, das, was Sie erlebt haben, dieses Auf und Ab, müssen Sie unbedingt festhalten.“

War es das alles wert? Jetzt, mit 83 Jahren, stelle ich mir diese Frage öfter. Verstehen lässt sich rückwärts, leben muss man vorwärts, so sagt man. Das ist leichter gesagt als getan.

Das Jahr 1938 war das Schicksalsjahr für Deutschland. Hitler wurde Oberbefehlshaber und somit der Alleinherrscher Deutschlands. Deutsche Truppen marschierten in Österreich ein. Das Münchner Abkommen sollte den Krieg verhindern, war jedoch nur eine Augenwischerei und das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben stand.

Sudetendeutsche kamen wieder ins Reich zurück, die Judenverfolgung war mit der Reichskristallnacht in vollem Gange. Im Boxkampf schlug Joe Louis nach zwei Minuten in der ersten Runde unseren Max Schmeling k. o.

Der einzige Lichtblick in diesem Jahr war die Geburt von mir – Manfred Strässer – in Göppingen.

Gott sei Dank wurde ich nicht Adolf getauft.

Mein Vater Ernst war zu dieser Zeit Polizeibeamter in Göppingen. Meine Mutter Erika kam aus Möckmühl im Kreis Heilbronn aus einem wohlbehüteten Elternhaus.

Durch die berufliche Tätigkeit meines Vaters mussten wir oft umziehen. Wir wohnten in Göppingen, Künzelsau, Markelsheim bei Bad Mergentheim, Besigheim und bei Kriegsende in Winnenden, dem Geburtsort meines Vaters und Wohnort meines Großvaters, auch ein ehemaliger Polizist.

In Besigheim erlebte ich 1944 einen Bombenangriff auf den Bahnhof. Als der Bombenhagel niederging, befand ich mich mit meiner Mutter und meinem Bruder Klaus in einem Luftschutzkeller. Mein Vater war Gott sei Dank nicht dabei, denn so konnte er mit anderen Männern den Eingang zum Luftschutzkeller freischaufeln und uns herausholen.

Von dem Haus, in dem wir und andere wohnten, war nur noch der Keller übrig. Das Bahnhofsgebäude und die ganze Straße brannten. Wie uns später geschildert wurde, fielen erst Phosphor und dann Brandbomben.

Unsere zwei Schäferhunde, die neben unserem Wohnhaus in einem Zwinger untergebracht waren, waren nicht mehr da. Anscheinend, wie mein Vater uns erzählte, wurden sie freigelassen. Ich habe sie nie mehr gesehen.

Da wir nun keine Unterkunft mehr hatten, zogen wir ins elterliche Haus meines Vaters nach Winnenden.

Meine früheste Kindeserinnerung spielt in Markelsheim. Mein 4 Jahre älterer Bruder Klaus und ich unternahmen eine Schlittenfahrt. Klaus saß hinten, ich vorne. Wir fuhren einen leicht abfallenden Weg hinunter, als uns ein Fuhrwerk mit zwei Pferden entgegenkam. Klaus hatte sofort die Gefahr erkannt und sprang vom Schlitten. Ich fuhr weiter und landete direkt zwischen dem Pferdegespann. Die Pferde blieben ganz ruhig stehen, wahrscheinlich erging es ihnen wie mir: Ich war vor Schreck erstarrt. Der Bauer zog mich zwischen den Pferden heraus, mir war nichts passiert. Ich glaube, damals wurde mein Schutzengel geboren.

1945 kam mein Vater in Gefangenschaft und meine Mutter zog mit mir und meinen drei Geschwistern Klaus, Heide und Christel zu ihren Eltern nach Möckmühl. Meine Großeltern hatten dort ein Textilgeschäft. Hier verbrachte ich dann meine Kindheit und Schulzeit. 1946 kam mein Vater aus der Gefangenschaft zurück – die Familie war wieder beisammen. Bei meinen Großeltern ging es uns sehr gut. Wir hatten sogar ein Hausmädchen, das uns sehr verwöhnte.

Da mein Vater sehr streng erzogen worden war, verlangte er auch von uns Kindern viel – wir hatten es nicht leicht. Für mich gab es oft Hiebe und Wochenendarrest, da ich in der Schule nicht die Leistungen erbrachte, die er von mir erwartete. Zudem meinten die Lehrer, mit denen mein Vater ein sehr gutes Verhältnis hatte, dass ich nicht dumm, sondern nur faul sei.

Zu jener Zeit durften die Lehrer die Kinder noch schlagen. Bei uns gab es dann immer „Tatzen“: Es wurde mit einem Stock oder Lineal auf die Hände geschlagen. Wenn die Hände schon dick waren, schlugen sie auf den Hintern. Wir hatten herausgefunden, dass die Hände schneller dick wurden, rieb man die Hände mit Zitronensaft ein, und die Lehrer ließen von den Händen ab. Die Schläge auf den Hintern taten nicht ganz so weh. Meine Hände und mein Hintern scheinen besonders beliebt gewesen zu sein.

Beschwerte ich mich zuhause über die Schläge, gab es von meinem Vater, der sehr große Hände hatte, gleich noch eine Ohrfeige. Daher sagte ich lieber nichts.

Bei jedem Blödsinn, der in der Klasse gemacht wurde, waren mein Schulfreund Fritz und ich immer dabei. Noch heute erzählen die Klassenkameraden von unseren „Taten“.

Klavierunterricht hatte ich auf Wunsch meiner Eltern auch. Nach vielen Unterrichtsstunden, die ja nicht kostenlos waren, meinte mein Klavierlehrer, ich solle damit aufhören, bevor ich ihn zum Selbstmord treibe. Somit überließ ich das Klavierspielen meiner Mutter, die sehr gut spielen konnte.

Klavier spielen konnte ich also nicht, doch mit 11 Jahren lernte ich, zum Schrecken meiner Mutter, das Autofahren. Mein Vater, der nach seiner Gefangenschaft eine Fahrschule gegründet hatte, war von meinen wilden Fahrkünsten auch nicht begeistert, obwohl er mir das Fahren beigebracht hatte. Oft fanden sich Beulen am Auto und an mir.

Als ich 14 Jahre alt war, starb mein Vater während der Ausübung seines Berufes als Fahrlehrer. Seine Fahrschüler, die auf ihn warteten, mein Schwiegervater war zufällig auch darunter, mussten mit ansehen, wie er auf dem Weg zum Übungsgelände verunglückte. Infolge eines Schwächeanfalls verlor er die Kontrolle über sein Motorrad und fuhr direkt auf einen Baum. Das Motorrad prallte zurück und fiel auf ihn drauf.

Er hat den Unfall nicht überlebt.

Der Schwächeanfall war eigentlich vorauszusehen, denn mein Vater arbeitete 14 - 16 Stunden am Tag, Samstag und Sonntag gab es für ihn nicht. Sein Slogan war: Willst du zu etwas kommen, musst du auch etwas leisten. Immer wieder musste ich mir anhören: „Habe nie Angst vor dem Schmutz, mit Wasser und Seife wird alles wieder sauber. Wichtig ist der Erfolg. Das mit den gebratenen Tauben ist ein Märchen.“

Leider konnte er seine vorausschauenden Ideen nicht verwirklichen: Seine Idee war, und er war im Begriff gewesen, sie umzusetzen, einen Reisebus zu kaufen – der Omnibus war schon bei der Firma Drögmöller bestellt – und ein Tourismus-Unternehmen zu gründen, denn ihm war klar, dass die Menschen nach dem Krieg reisen wollten, und wenn nur in die nächstgrößere Stadt.

Durch seinen plötzlichen Tod kam alles anders. Meine Mutter stellte einen Fahrlehrer ein und führte die Fahrschule weiter. Für uns Kinder hatte sie daher nicht viel Zeit und so nahm ich alle Möglichkeiten wahr, mich negativ zu entwickeln.

Nach der Volksschule lernte ich in einer Autowerkstatt in Heilbronn Kfz-Mechaniker. Jeden Morgen musste ich um 7.00 Uhr mit dem Zug nach Heilbronn fahren und kam abends um 18.30 Uhr erst wieder nach Hause. Die Lehrjahre waren zu jener Zeit wirklich keine Herrenjahre! Nach der Lehre arbeitete ich noch zwei Jahre als Geselle in diesem Betrieb.

Im Jahre 1956 hatte ich die Wahl: Es war Pflicht, Dienst zu tun – entweder beim Grenzschutz, der Polizei oder bei der Bundeswehr oder zu verweigern. Verweigern kam für mich absolut nicht in Frage, denn ich hielt es für meine Pflicht, meiner staatsbürgerlichen Verantwortung nachzukommen. Dies hat jeder selbst für sich zu entscheiden, viele Bekannte versuchten mit allen Tricks, sich vor der Einberufung zu drücken.

Da meine Vorfahren alle bei der Polizei Dienst getan hatten, war für mich klar, dass auch ich diesen Weg einschlagen würde. Diese Entscheidung habe ich auch noch nie bereut. Die Aufnahmeprüfung war hart: ein 1000-Meter-Lauf in einer Zeit, die normal nur von Sportlern erfüllt werden konnte. Mein Glück war, dass bei meinem nicht sportlichen Start die Stoppuhr ihren Geist aufgab. Bewerber zum Polizeidienst gab es genügend, von 10 wurden nur drei eingestellt. Ich hatte Glück.

Die Zeit bei der Polizeischule in Göppingen war jedoch kein Honigschlecken. Ich, als verwöhntes Muttersöhnchen, musste auf einmal gehorchen und das machen, was von mir verlangt wurde. Oft musste ich, wenn die anderen Pause hatten, extra den Berg hinaufrobben. Wenn zuvor die Schafe auf dieser Weide gegrast hatten, war dies besonders schön. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit war ich ganz zufrieden, dass ich den Weg der Polizeilaufbahn eingeschlagen habe.

Die Bezahlung der Polizeischüler war minimal. Da ich jedoch in Stuttgart einen großen Bekanntenkreis hatte – hauptsächlich in der Autobranche –, war es mir möglich, günstige Gebrauchtwagen zu vermitteln, auch an Vorgesetzte (natürlich völlig selbstlos). So konnte ich damals einen Mercedes 220 S fahren, mein Hauptkommissar fuhr einen Opel-Kadett.

Das Auto war auf meine Mutter zugelassen, die inzwischen die Fahrschule verkauft hatte und in Stuttgart wohnte. Dass ich als Polizeischüler so ein großes Auto fuhr, gefiel meinen Vorgesetzten natürlich nicht. Ich musste es daher immer so parken, dass es keinem der Vorgesetzten auffiel.

Mein „Nebenverdienst“ und das Auto verschafften mir viele Freunde. Meine wahren Freunde jedoch lernte ich erst kennen, als ich durch einen tragischen Sportunfall für längere Zeit ins Krankenhaus musste.

Ich war in der Boxmannschaft der Bereitschaftspolizei eingegliedert und auch erfolgreich. In der Mannschaft war auch ein deutscher Schwergewichtsmeister, der später wegen einer Schlägerei seinen Dienst quittieren musste.

Bei einem Boxkampf erlitt ich schwere innere Verletzungen und habe lange Zeit im Krankenhaus verbracht. Hatte ich vorher 10 - 20 „Freunde“, besuchten mich jetzt nur wenige Kameraden, und zwar zwei, mit denen ich nie gerechnet hatte. Einer davon war der Bruder von unserem Bischof Fürst. Rudi war jahrelang mein Zimmerkollege. Wie sagte schon Adenauer: „Erfahrungen sind wie Samenkörner, aus denen die Klugheit wächst.“

In den letzten sechs Monaten bei der Polizei wurde ich im Polizeirevier als Sanitäter ausgebildet. Dies war zwar sehr lehrreich, doch ich konnte mir nicht vorstellen, dort zu bleiben. Ich wollte ja in den Einzeldienst und nicht als Krankenpfleger arbeiten, wenn es auch ein schöner, interessanter Beruf war, anderen zu helfen. Es war aber nicht mein Ding. Da ich nicht mehr im Außendienst tätig sein konnte, quittierte ich nach 4 Jahren meinen Dienst bei der Polizei.

Während meiner Zeit bei der Polizei lernte ich in Stuttgart auf einem Parkplatz einen Mann kennen, dessen Aufgabe es war, Leute für den Abschluss einer Rechtsschutz-Versicherung zu werben. Dieser Mann, Georg Samp, war für mein späteres Leben ausschlaggebend.

Ich traf ihn zufällig wieder. Als er erfuhr, dass ich nicht mehr im Polizeidienst war, lud er mich zu einem Informationsgespräch für eine eventuelle neue Stelle in die Zentrale nach Stuttgart ein.

Ich hörte mir das alles an – die Tätigkeit wurde natürlich gut verkauft und das Wissen über Gesetze bei einem Rechtsstreit waren mir ja in Göppingen beigebracht worden. Der Verdienst und die Vermittlungsprovision waren für meine Verhältnisse riesig und verlockend und so nahm ich als freier Mitarbeiter meine Arbeit dort auf.

Jeden Tag sprach ich, begleitet von Herrn Samp, Leute auf den Parkplätzen an, von morgens um 10.00 Uhr bis abends. Wider Erwarten machte ich gute Abschlüsse und verdiente somit auch gutes Geld. Unser Revier verlief bis in den Schwarzwald und ich war von unserem Rechtsschutz-Angebot total überzeugt. Somit konnte ich alles auch gut verkaufen, beispielsweise, dass jeder Autofahrer unseren Rechtsschutz benötigt, denn ein Rechtsstreit kann sehr teuer werden.

Herr Samp war ein guter Lehrmeister. Er konnte die Menschen so beeinflussen, dass sie den Rechtsschutz für lebensnotwendig hielten, ohne aufdringlich zu werden.

Unsere Umsätze beförderten Herrn Samp zum Direktor in Stuttgart. Somit tingelte ich alleine von Parkplatz zu Parkplatz und wohnte bei meiner Mutter in Stuttgart.

Mein Bruder Klaus hatte inzwischen das Geschäft meiner Mutter ausgeweitet, sich einen Omnibus gekauft und bat mich händeringend, bei ihm als Omnibusfahrer und KFZ-Mechaniker anzufangen, denn von Technik hatte er keine Ahnung. Um bei meinem Bruder zu arbeiten, benötigte ich jedoch den Omnibus-Führerschein.

Voraussetzung dafür war zu jener Zeit eine zweijährige Fahrpraxis mit dem Führerschein Klasse 2. Für mich war das kein Problem. Ich meldete mich bei unserem ehemaligen Fahrlehrer an. Zwei Fahrstunden genügten mir und auch die theoretischen Fragen waren mir noch von der Polizeischule bekannt. Die Prüfung fand in Heilbronn statt. Wie sich später herausstellte, hatte der Prüfer mit der Familie Strässer noch eine Rechnung offen. Mein Fahrlehrer und ich wunderten uns, warum sich die Prüfung so lange hinzog. Ich hatte das Gefühl, der Prüfer wartete auf einen Grund, mich durchfallen zu lassen. Er jagte mich mit dem Prüf-Omnibus kreuz und quer durch Heilbronn und stellte dazwischen immer wieder Fangfragen an mich.

Als mein Fahrlehrer ihn nach der Prüfung auf sein Verhalten ansprach, gestand der Prüfer, dass mein Vater ihn bei seiner Prüfung für die Klasse 3 aus dem Auto geworfen hatte. Dies war ihm wieder eingefallen, als er mich, den Junior, in den Fingern hatte. Trotzdem finde ich es stark, dass er dies nach der Prüfungsfahrt dem Fahrlehrer beichtete.

Jetzt hatte ich den Führerschein Klasse 2 und musste mir für die notwendige Fahrpraxis nur noch eine Arbeitsstelle als LKW-Fahrer suchen. Das war einfach, denn ich hatte ja genug Bekannte in Göppingen. Also kündigte ich meine Tätigkeit bei der Versicherung, um bei einer Spedition die notwendige Praxis für den LKW-Führerschein zu erlangen.

Die erste Arbeitsstelle war bei einer Spedition, die nur im Kreis Göppingen tätig war. Ich musste nicht nur fahren, sondern auch die Ware beim Empfänger abladen und vor Ort bringen, also Möbel und schwere Kohlensäcke schleppen, manchmal bis in den fünften Stock hoch.

Nach Wochen spürte ich vor lauter Schmerzen meinen Rücken nicht mehr und ich wechselte daher zu einer großen Spedition, die hauptsächlich vom Fernverkehr lebte. Meine Strecke führte mich meistens nach Hamburg oder ins Rheinland. Beim Verladen der Ladung musste ich natürlich mithelfen.

Oft kam es vor, dass ich mit einem großen LKW mit Anhänger allein auf die Reise geschickt wurde. Jeden Sonntag musste ich um 22.00 Uhr auf den „Bock“ und Feierabend war immer erst am darauffolgenden Samstagmittag, nachdem der LKW gewaschen war. Ich fuhr keinen Tag länger, als ich musste.

Im März 1963 heiratete ich in Göppingen meine erste Frau, die ich durch einen Freund kennengelernt hatte. Am 14. Oktober 1963 wurde unsere Tochter Anette geboren, die jetzt in der Nähe von Bad Reichenhall wohnt. Meine Frau fühlte sich jedoch in der Kleinstadt Möckmühl nicht wohl, in die ich zurückkehrte – unsere Scheidung wurde 1965 vollzogen.

1964 kam ich also wieder nach Möckmühl und arbeitete bei meinem Bruder Klaus. Das Omnibus-Geschäft war hart, wir hatten keine Garage, keine Hebebühne, und alle Reparaturen, die ich durchführte, fanden im Freien auf einem Parkplatz statt. Alles musste improvisiert werden und das bei Wind und Wetter, Regen und Schnee.

Das Omnibus-Geschäft ging langsam, aber stetig aufwärts. „Strässer-Reisen“ wurden mit der Zeit im Kreis Heilbronn und Umgebung ein Begriff. Für mich gab es nur eines: fahren, fahren, fahren.

Wie oft habe ich die Hallo-wach-Tabletten geschluckt!

Die Fahrzeugkontrollen waren zu jener Zeit ganz selten und bei Unternehmern wurde oft ein Auge zugedrückt. Der Erfolg zeigte sich daran, dass ein Bus nach dem anderen angeschafft werden konnte. Es lief so, wie sich das mein Vater das einmal vorgestellt hatte.

Die große Wende kam im Herbst 1968. Vor lauter Rückenschmerzen konnte ich kaum noch laufen. Das viele Fahren, kein freier Samstag und Sonntag und das Montieren im Freien hinterließen Spuren und zudem hatte ich oft noch Streit mit meinem Bruder.

Zu diesem Zeitpunkt tauchte wieder Herr Samp, genannt Schorsch, bei mir auf und bat mich, doch wieder nebenberuflich für ihn zu arbeiten. Er versprach mir eine gute Provision und meinte, dass ich die Materie aus dem Effeff kennen würde. Gesagt, getan.

Durch meinen großen Bekanntenkreis und auch durch das Busfahren konnte ich gute Verkaufsumsätze vorzeigen. Der Verdienst durch meine nebenberufliche Tätigkeit war nicht viel geringer als durch mein Hauptgeschäft, das Busfahren. Zudem war es viel einfacher. So kündigte ich den Job bei meinem Bruder und nahm am 1. Mai 1969 die Arbeit bei der Versicherung als mein Hauptgeschäft auf.

Rückblickend auf meine Omnibustätigkeit muss ich gestehen: Es war sehr schön, ich habe dadurch Städte und Länder kennengelernt und bin vielen interessanten Menschen begegnet. Drei Fahrten sind mir aus dieser Zeit besonders im Gedächtnis geblieben, die ich nie vergessen werde:

Die wichtigste Fahrt in meinem Leben war 1968 nach Berlin, denn bei dieser Fahrt lernte ich meine heutige Frau näher kennen. Gekannt hatten wir uns schon vorher, nur konnte ich nie bei ihr landen.

Als ich sie im Sommer 1967 bei einer Schwimmbadeinweihung in Adelsheim zum ersten Mal sah, war ich gleich von ihr angetan. Sie kam frisch aus dem Urlaub, war braun gebrannt und saß bei ihrem Bruder und dessen Freundin, die jetzt seine Frau ist. Ich versuchte, wie man so schön sagt, sie „anzubaggern“, doch sie ließ mich links liegen – angeblich hatte ihr Bruder sie vor mir gewarnt. Da ich schon immer ein guter Tänzer war, versuchte ich mein Glück mit Tanzen.

Zur späten Stunde lud ich sie für den nächsten Tag zum Tanztee ein. Sie sagte zu, doch sie wollte einen Bekannten mitbringen.

Am nächsten Tag holte ich sie und ihren Bekannten mit einem dicken Mercedes ab. Zu jener Zeit glaubte ich, der Bekannte sei ihr Freund, doch es stellte sich heraus, dass er nur als Anstandswauwau mitgenommen worden war. Er hat es sich natürlich auf meine Kosten gut gehen lassen.

Nach diesem Nachmittag, der sehr schön war, hatten wir wenig Kontakt. Ich sah sie manchmal auf dem Weg zu ihrer Arbeit, wenn ich die Schulkinder ins Gymnasium fuhr. Sobald ich sie sah, ließ ich die Kinder ihr winken, was sie sehr nervte. Im Nachhinein hat sie mir jedoch gestanden, dass sie immer gehofft hatte, mich zu sehn. Auf alle Fälle: Zwischen uns war Funkstille – ich hatte keine Zeit für ein Privatleben – bis zur Fahrt nach Berlin.

Wir fuhren fast alle 14 Tage nach Berlin. Ich war sehr überrascht, als ich plötzlich ihren Namen auf der Anmeldeliste für Silvester sah. Normalerweise fuhren mein Bruder und ich diese Route abwechselnd, doch jetzt bestand ich darauf, diese Silvesterfahrt zu machen. Die Sitzeinteilung habe ich natürlich so vorgenommen, dass Lydia direkt hinter mir saß. Es war eine Nachtfahrt und auf meinen Wunsch hin versorgte sie mich die ganze Nacht mit Vitaminen durch Orangen, Bananen und anderes Obst.

In Berlin hatten wir unser Programm. Zur Unterhaltung fuhren wir immer zur Hasenheide, dem damaligen Treffpunkt für Touristen, die vom dortigen Angebot immer begeistert waren.

Der Showmaster Richard, den ich gut kannte, begrüßte natürlich immer die Gäste von Strässer-Reisen aus dem Schwabenland. Bei der Unterhaltungsshow „Gretna Green“ suchte er wie immer Mitspieler, und zwar eine Frau und einen Mann. Da sich keiner meldete, erklärte ich mich bereit und nahm Lydia mit, die, im Gegensatz zu mir, überhaupt nicht wusste, um was es hier ging.

Wir folgten dem Showmaster auf die große Bühne und Richard begann seine Gretna-Green-Show – eine Trauung mit Amboss, Zylinder, Schleier, Gästen und Sekt. Lydia spielte die Braut, ich den Bräutigam.

Wir bekamen eine Heiratsurkunde ausgehändigt, auf der natürlich stand, dass diese Trauung nur Gültigkeit auf dem Areal Hasenheide hatte.

Keiner von uns glaubte, dass dies einmal Wirklichkeit werden würde, obwohl mein Freund Karlheinz mir schon damals prophezeite, dass Lydia meine Frau werden würde. Vier Monate danach waren wir tatsächlich verheiratet. Für einen späteren Hochzeitstermin war meiner Meinung nach keine Zeit mehr, denn im Sommer war immer Hochbetrieb und für mich war schon immer das Geschäft am wichtigsten.

Diese schnelle Entscheidung habe ich noch nie bereut. Wenn meine Frau damals gewusst hätte, dass Geschäft und Erfolg für mich an erster Stelle stehen, ich glaube, sie hätte mich nicht geheiratet.

Für mich war es ein Glücksfall und ich vermute, dass zu dieser Zeit mein Schutzengel so richtig aktiv wurde, denn ab unserer Hochzeit hatte ich beinahe nur Glück, und das bis heute.

Auch diese nächste Omnibusfahrt wird mir immer in meinem Gedächtnis bleiben: Ein Fußballverein, der jedes Jahr mit Strässer-Reisen eine Urlaubsfahrt unternahm, hatte seinen Vereinsausflug, eine Wochenendreise, gebucht, und zwar wie immer nach Österreich. Diesmal wollten wir die Großglockner-Rundfahrt machen und somit selbstverständlich den Gerlospass fahren – leider führte uns der Reiseleiter über den alten Gerlospass.

Wie vorgesehen, ging ich in das örtliche Fremdenverkehrsamt und holte mir dort, wie telefonisch bereits vereinbart, den mir zugeteilten Reiseleiter ab, welcher uns die schöne, bizarre Umgebung zeigen sollte. Wir fuhren also mit dem Magirus 50-Sitzer-Bus los. Das Wetter war wunderbar, die Weitsicht optimal – ein richtig tolles Reisewetter. Die Stimmung im Bus war hervorragend.

Ich fuhr die vom Reiseleiter mir vorgegebene Strecke zum ersten Mal. Zu dieser Zeit war mir nicht bekannt, dass dies die erste Führung unseres jungen Reiseleiters war, ich glaube, es wird auch schon die letzte gewesen sein. Ich vermute, dass er diese Strecke mit dem Motorrad abgefahren hatte, anders konnte es gar nicht gewesen sein.

Meine Fahrgäste und ich wunderten uns, dass die Bergstrecke immer enger wurde und Verbotsschilder mit „über 3,5 t gesperrt“ auftauchten. Meine fragenden Blicke wurden vom Reiseleiter mit einem „Weiterfahren!“ ignoriert. Es gab keine Leitplanken mehr und die Passstraße wurde so eng, dass es unmöglich war, die Türen zu öffnen. Rechts die Felswand, links der Abgrund.

Der Reiseleiter sagte zwar immer wieder, dass es nach der nächsten Kurve besser werden würde, doch dies traf nicht zu. Als die Situation immer gefährlicher wurde, gestand er, dass wir uns verfahren hätten. Ein Zurück gab es nicht und ein Aussteigen ebenso nicht, da, wie schon erwähnt, links der Abgrund, rechts die Felswand war. Im Omnibus herrschte Totenstille. Im Schneckentempo fuhr ich einfach weiter.

Bei den Kurven blieb mir nichts anderes möglich, als mit der Omnibus-Vorderachse etwa einen Meter über den Abgrund zu fahren, was nur möglich war, weil die Passstraßenunterlage gut befestigt und trocken war. Das Gleiche musste rückwärts gemacht werden. So quälte ich mich bald zwanzigmal um die Kurven.

Zu allem Übel kam noch eine kleine Holzbrücke, befahrbar bis 2,5 t. Ich schickte meine vorderen Fahrgäste nach hinten, um die Vorderachse zu entlasten und fuhr mit dem Bus mit der Vorderachse über die Brücke. Auf der Brücke blieb ich stehen, bis alle Fahrgäste auf meine Bitte hin in den vorderen Teil des Busses wechselten. Im Omnibus hätte man eine Stecknadel fallen hören, so still war es.

Als wir die Holzbrücke hinter uns hatten, fing eine Frau zu schreien an. Um eine Panik zu vermeiden, reagierte ich scharf und gab zu verstehen, dass ich alles im Griff hätte. So blieb es ruhig.

Wir fuhren Meter für Meter weiter, bis es endlich nur noch geradeaus ging, aber immer noch nur in Busbreite und ein Aussteigen war unmöglich. Der Reiseleiter und viele Fahrgäste, auch meine damalige Braut Lydia, waren schneeweiß.

Als es endlich möglich war, die Türe etwas aufzumachen, stieg als erstes die Frau aus, die einem Nervenzusammenbruch nahe war. Ich werde nicht vergessen, dass sie ihr Kind erst rief, als sie schon draußen stand.

Alle Fahrgäste stiegen aus und gingen die restlichen drei Kilometer zu Fuß. Auch als die Straße wieder breiter wurde, wollte niemand mehr in den Bus einsteigen. Meine Braut und der Reiseleiter blieben im Bus. Dieser hatte wahrscheinlich Angst, Prügel zu bekommen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie der Wirt von der Bergstation die Hände über dem Kopf zusammenschlug – er konnte und wollte nicht glauben, dass wir mit dem Riesenbus den alten Gerlos-Pass heraufgefahren waren.

Der Reiseleiter war nach dem Abstellen auf dem Parkplatz spurlos verschwunden. Wahrscheinlich hatte er Angst, von den Fahrgästen gesteinigt zu werden.

Diese Fahrstrecke habe ich nur gemeistert, weil es nur eine Möglichkeit gab: die Flucht nach vorn. Außerdem kannte ich den Omnibus genau und hatte zu jener Zeit noch sehr gute Nerven und ein wahnsinniges Selbstvertrauen. Das Zittern in den Knien kam erst ein paar Stunden später. Dass es nicht zu einer Panik kam, habe ich auch Lydia zu verdanken, denn sie blieb nach außen hin ganz ruhig und strahlte Zuversicht aus, die sich auf viele Fahrgäste übertrug. Der Abend nach dieser Fahrt verlief feuchtfröhlich und ging bis in die Morgenstunden. Heute, nach so vielen Jahren, wird von den Teilnehmern immer noch über diese Fahrt gesprochen.

Einmal hatte Thomas Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ einen Wettkandidaten, der auf einer Brücke einen Omnibus wenden musste. Auch er musste rückwärts und vorwärts über das Geländer hinausfahren, wie ich dies schon vor 40 Jahren notgedrungen getan hatte, und das sogar mit Fahrgästen und ohne Lenkhilfe.

Ich glaube nicht, dass ich heute noch die Nerven dazu hätte, solch eine Situation zu meistern. Und wenn ich eine Million bekommen würde, mit solch einem großen Bus würde ich nie mehr den alten Gerlos-Pass hinauffahren.

Jedes Mal, wenn ich, von Ulm kommend, die Strecke nach Stuttgart fahre, fällt mir die Omnibusfahrt ein, bei der ich im Auftrag eines Omnibusunternehmens aus Stuttgart Urlaubsgäste aus Österreich heimbrachte.

Nach dem Einkehrschwung in der Autobahnraststätte Ulm, der als Abschluss jeder Omnibusfahrt gemacht wurde, fuhren wir fröhlich in Richtung Heimat weiter nach Stuttgart.

Bei dieser Omnibusfahrt hatte ich als Reiseleiter einen alten Bekannten, Mike, jung an Jahren, ein Student, der mit diesem Job seine Kasse auffüllte. Er war bei den Reisegästen sehr beliebt und oft mit dieser Firma unterwegs.

Mike und ich hatten schon viele Fahrten miteinander gemacht und wir waren ein wirklich gutes Team. Wenn er als Reiseleiter eingeteilt war, versuchte er immer, Strässer-Bus-Reisen anzufordern.