Weimarer Tagesnotizen 1958 - 1973 - Helmut Holtzhauer - E-Book

Weimarer Tagesnotizen 1958 - 1973 E-Book

Helmut Holtzhauer

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Beschreibung

"Wenn sich heute die Stiftung Weimarer Klassik mit der großen Zahl an Gebäuden, Parks, Schlössern und Sammlungen neben der Stiftung Schlösser und Parks Berlin- Brandenburg und den Kunstsammlungen Dresden als dritter großer kultureller Leuchtturm darstellt, so sollte man immer daran erinnern, daß ihre Entstehung ein Werk Helmut Holtzhauers gewesen ist." (Paul Raabe, 2005) Helmut Holtzhauer (1912 - 1973) war von 1954 bis 1973 Generaldirektor der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur und Vizepräsident bzw. Präsident der Goethe-Gesellschaft in Weimar. In den Tagebucheinträgen der Jahre 1958 bis 1973 notiert er Arbeitsaufgaben, Reflexionen auf tagespolitische Ereignisse, Reiseeindrücke, Resümees von Gesprächen mit unterschiedlichsten Zeitgenossen innerhalb und außerhalb der DDR. Die als Gedankenstützen gedachten Notizen vermitteln einen differenzierten Einblick in die Arbeits- und Gedankenwelt eines außerordentlich vielseitigen, seine kommunistische politische Herkunft nie verleugnenden Menschen. Diese Aufzeichnungen sind eine Fundgrube für die Erschließung des historischen Geschehens in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, fernab aller offizieller oder klischeehafter Darstellungen dieser Zeit. In diesen Tagesnotizen wird das vorbildgebende Ethos eines unermüdlichen, ganz seiner Arbeit hingegebenen Menschen deutlich.

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EPUB

Seitenzahl: 1211

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Helmut Holtzhauer – Weimarer Tagesnotizen 1958 - 1973

Helmut Holtzhauer

Weimarer Tagesnotizen 1958 - 1973

Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Martin Holtzhauer, Konrad Kratzsch und Rainer Krauß

© 2017 Martin Holtzhauer

Umschlag: Martin Holtzhauer unter Verwendung des Portraits Helmut Holtzhauer von Wilhelm Rudolph

Redaktionsschluß: Mai 2017

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

978-3-7439-3897-7(Paperback)

978-3-7439-3898-4(Hardcover)

978-3-7439-3899-1(e-Book)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung der Herausgeber unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhalt

Vorwort

1958

1959

1960

1961

1962

1963

1964

1965

1966

1967

1968

1969

1970

1971

1972

1973

Anmerkung der Herausgeber

Abkürzungen

Helmut Holtzhauer - biographische Daten

Buchpublikationen von Helmut Holtzhauer

Bildnachweis

Personenverzeichnis

Vorwort

„Wir schätzen ohnehin die Gegenwart zu wenig, tun die meisten Dinge fronweise ab, um ihrer los zu werden. Eine tägliche Übersicht des Geleisteten und Erlebten macht erst, daß man seines Tuns gewahr und froh wird, führt zur Gewissenhaftigkeit. Was ist die Tugend anderes als das wahrhaft Passende in jedem Zustande? Fehler und Irrtümer treten bei solcher täglichen Buchführung mit sich selber hervor, die Beleuchtung des Vergangenen wuchert für die Zukunft. Wir lernen den Moment würdigen, wenn wir ihn alsobald zu einem historischen machen.“ 1

„Daß die folgende Darstellung niemand ein Anstoß sein werde, das wird nicht erwartet. Wer der Geschichte sich weiht, dem muß es um die Wahrheit zu tun sein und das Wohl der Menschheit, nicht um Gunst. Es ist schön, der Gegenwart zu gefallen; besser ist es, der Zukunft zu genügen.“ 2

Tagebücher können ganz private Reflexionen über den Alltag sein, Tagebücher können darauf angelegt sein, Wichtiges oder vermeintlich Wichtiges der Nachwelt zu überliefern. Helmut Holtzhauers Tagesnotizen sind nicht mit dem Blick auf eine Nachwelt entstanden. Sie sind meist kurze, gänzlich ungeschminkte Notizen über das tägliche Geschehen und An- und Bemerkungen zu aktuellen Geschehnissen. Möglicherweise sollten sie, vor allem in späteren Jahren, auch Gedächtnisstützen für eine Autobiographie werden, auf die es verschiedene Hinweise gibt. Über die Gründe, warum keine Aufzeichnungen aus den Jahren 1945 bis 1957 vorliegen, warum die Tagebücher aus den Zuchthausjahren in Waldheim 3 keine Fortsetzung fanden, kann nur spekuliert werden.

Vom Tode Helmut Holtzhauers 1973 bis zum Jahr 2000 waren die hier vorliegenden Tagesnotizen versiegelt im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar aufbewahrt, dann wurden sie als Typoskript für wissenschaftliche Untersuchungen freigegeben, allerdings waren vorher schon einige Siegel von unbefugter Hand erbrochen.

Der hundertste Geburtstag von Helmut Holtzhauer am 2. Dezember 2012 und der vierzigste Todestag im Dezember 2013 gaben den Anlaß, diese privaten Aufzeichnungen eines ungewöhnlich vielseitigen und politisch engagierten Menschen einer breiteren Öffentlichkeit vorzulegen – aufgrund unerquicklicher Umstände verschleppte sich die Drucklegung über Jahre.

Wenn man heute, fast ein halbes Jahrhundert nach den letzten Eintragungen, die teils sehr knappen, teils ausführlicheren, oft längere Pausen („1. Januar 1965. Freitag. Das alte Jahr war so gehetzt, daß selbst diese kargen Notizen meistens ausfielen.“) aufweisenden Tagesnotizen liest, vermitteln sie einen aufschlußreichen Blick auf eine versunkene Welt. Dieser Blick erfolgt aus einer besonderen Perspektive, aus der Perspektive eines Menschen, der sich mit all seiner Kraft für die Bildung einer humanistischen, sozial gerechten Gesellschaftsordnung einsetzte, eines Menschen, der auf Grund seines Lebenswegs, seiner Erfahrungen und seiner Bildung willens und in der Lage war, durch den oberflächlichen Anschein von Dingen und politischen Abläufen zu dringen. Die Tagesnotizen zeigen einen Menschen, der an den Widersprüchen seiner Zeit und am Widerspruch zwischen angestrebtem Ideal und Wirklichkeit litt und trotzdem unermüdlich weiter arbeitete, auf einen Menschen, der „immer strebend sich bemühte“. - In einem Brieffragment4 aus dem Strafgefängnis Zwickau steht: „Dann habe ich wieder einmal Ranke durcharbeiten können. ‚Aus zwei Jahrtsd. dt. Geschichte‘, und schließlich aktuelle Fragen: Neubau der arabischen Welt, eine politische Geschichte des Nahen Ostens. Heute wird an der Vervollständigung der Aufgabenlösungen5gearbeitet und dann, wie an jedem Abend, lese ich Kants ‚Allg. Naturgeschichte‘. Du kennst ja die Kant-Laplacesche Theorie vom System des Weltalls. Wenn man die Leistung Kants aber als hervorragendes und notwendiges Produkt einer gesellschaftlichen Arbeit betrachten kann, und als Basis einer wissenschaftlichen Arbeit, die seit 1755 - dem Erscheinungsjahr - zu immer neuen Erkenntnissen führte, so wird einem die Abhängigkeit der wissenschaftl. Entwicklung von den ökon., soz. und polit. Verhältnissen offenbar…Man muß ein großes Werk auch als Ausfluß der Zeit, in der es geschaffen wurde, begreifen.“ (Hervorhebung MH)

Die Person Helmut Holtzhauer, wie sie aus den Tagesnotizen hervortritt, zeigt keinen durchschnittlichen DDR-Bürger. Er ist nicht vorrangig Kulturpolitiker, er ist nie nur Institutsleiter oder Wissenschaftler. Aber er ist alles das, und das ist das Besondere an ihm.

Ein Passus aus Friedrich Engels Einleitung zu „Dialektik der Natur“ lag ihm besonders am Herzen: „Fast kein bedeutender Mann lebte damals [in der Renaissance], der nicht weite Reisen gemacht, der nicht vier bis fünf Sprachen sprach, der nicht in mehreren Fächern glänzte. … Die Heroen jener Zeit waren eben noch nicht unter die Teilung der Arbeit geknechtet, deren beschränkende, einseitig machende Wirkungen wir so oft an ihren Nachfolgern verspüren. Was ihnen aber besonders eigen, das ist, daß sie fast alle mitten in der Zeitbewegung, im praktischen Kampf leben und weben, Partei ergreifen und mitkämpfen, der mit Wort und Schrift, der mit dem Degen, manche mit beidem. Daher jene Fülle und Kraft des Charakters, die sie zu ganzen Männern macht. Stubengelehrte sind die Ausnahme: entweder Leute zweiten und dritten Rangs oder vorsichtige Philister, die sich die Finger nicht verbrennen wollen.“6

Dieses Menschenbild war Helmut Holtzhauer Ideal und Maßstab. Der Bildung einer Gesellschaft kenntnisreicher, selbstbewußter, in ihren auf rationalen Überlegungen beruhenden Urteilen freier und doch parteiergreifender Menschen widmete er alle seine Kraft. In einer autobiographischen Notiz schreibt er 1973: „Das Ziel ist, die Epoche der deutschen Klassik wissenschaftlich neu zu erschließen, vor allem auch die internationalen und sozialgeschichtlichen Zusammenhänge herauszuarbeiten, die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit allgemeinverständlich darzustellen und unter den Werktätigen zu verbreiten sowie die Sachzeugen der Klassik in einem beispielgebenden Zustande den Besuchern und Benutzern aus der DDR und aus dem Auslande darzubieten.“

Pausen, ein „Abschalten“ in seiner Arbeit kannte der unermüdliche Arbeiter nicht, das sieht man, wenn man seine Notizen aus den Urlauben, aus dem Krankenhausaufenthalt oder von Reisen liest. Typisch für Helmut Holtzhauer ist der Eintrag vom 24. Dezember 1965: „Endlich Weihnachtsfeier- und damit Arbeitstage, die ungestört sind.“, oder die Eintragung zu einem Kuraufenthalt in Bad Elster: „Erste Lektüre des Goethe-Schiller-Briefwechsels, dem ich täglich 5 Stunden (ca. 100 Seiten) widmen möchte.“ (8. September 1965).

Auch der Anspruch an seine wissenschaftliche Leistung war hoch und nicht von Selbstzweifeln frei: „Wiederaufnahme der Arbeit an den WKF, die mir recht schwer fällt, da es am rechten Handwerkszeug wie an den Kenntnissen fehlt.“ (23.6.1966) Was ihm fehlte und was er glaubte, daß es seine bei aller Bekanntheit stets gespürte Isoliertheit zu überwinden helfe, seinem Wesen aber fremd war, formulierte er mit deutlicher Selbstironie in einer Tagesnotiz als „Maximen“ - aber nie versuchte er, die dort aufgeführten Charaktereigenschaften in die Tat umzusetzen.

Im Unterbewußtsein und in den Träumen wirkten die Verletzungen, Enttäuschungen, Unaufrichtigkeiten bis hin zum Verrat durch vermeintliche Genossen und Ängste aus der Nazizeit fort und führten zu manchmal ungerechtfertigten Urteilen - wer mag es zu ermessen, was es bedeutet, nach einer Verurteilung zu fünf Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ 1941 erneut verhaftet und vor den sogenannten „Volksgerichtshof“ zitiert zu werden und dann wieder, in dem Gesellschafts- und Staatssystem, das er mitzuformen wünschte, von „guten Genossen“ von der Kreisebene bis zum Politbüro seiner Partei beargwöhnt zu werden…

Helmut Holtzhauer war Autodidakt, was ihm immer wieder, meist abwertend vorgehalten wurde, weil seine soziale Herkunft und die wirtschaftlichen Bedingungen um 1930 ein Hochschulstudium nicht gestatteten. Er empfand dies als Mangel, aber nie als Grund, auf dem Gelernten auszuharren sondern beharrlich seinen Bildungshorizont zu erweitern - die Aufzeichnungen aus dem Zuchthaus Waldheim, aus dem Strafgefängnis Zwickau, selbst aus der Untersuchungshaft kurz vor dem völlig ungewissen Urteil des „Volksgerichtshofs“ belegen dies nachdrücklich: „Denn ich gestehe, daß es neben der Technik noch manches andere Gebiet gibt, für das ich mich begeistern könnte. Doch ist für mich Konzentrierung mehr nötig als alles andere, wenn ich mich nicht verzetteln will. ‚Erbärmlich scheint uns wohl der Mann, der alles weiß und der nichts kann.‘“7

Aus den Tagesnotizen erfährt man, wie er immerfort seine umfangreichen Kenntnisse erweiterte, und wer ihn kannte, zollte ihm auch auf wissenschaftlichem Gebiet Respekt. Aber für vieles, was über ihn geäußert wurde, trifft, was er 1956 im Vorwort zu Heine-BDK-Ausgabe über Heinrich Heine schrieb, im übertragenen Sinne auch für ihn zu: „Über die Widersprüche, das Hin und Her der Neigungen und Entscheidungen Heines wurde viel gesagt und geschrieben. Mit erstaunlichem Spürsinn wurden alle seine Schwächen an den Tag gebracht; aber die Versuche dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß dem literarischen Wortführer der bürgerlichen Revolution in Wirklichkeit die Konsequenz unverziehen blieb, mit der er gegen die bestehenden Mächte focht.“8 Bestehende Mächte, das sind auch Selbstgenügsamkeit und Selbstüberschätzung, Schematismus, die Ängste kleiner Geister, überflügelt zu werden, die Scheu, Unzulänglichkeiten eingestehen zu müssen, Neid, geistige Enge. Und Vieles, was er geleistet hat, wurde nicht gesehen, auch im Nachhinein falsch zugeschrieben, weil nicht aktenkundig. (Ich erinnere mich gut an die zahllosen „dienstlichen“ Gespräche mit Gästen aus aller Welt, die in meiner elterlichen Wohnung geführt wurden, an die Vorbesprechungen zu Vorstandssitzungen der Goethe-Gesellschaft, die am Schachbrett und bei qualmender Wachsmuthscher Zigarre zwischen Präsident und Vizepräsident geführt wurden.)

Die große Fülle an durchgearbeiteter Literatur belegt, wie Helmut Holtzhauer seine Kenntnisse, die er für seine wissenschaftliche, denkmalpflegerische, wissenschaftspolitische Arbeit als unabdingbar betrachtete, in alle Richtungen zu erweitern bemüht war. Diese Haltung erwartete er auch von Mitarbeitern in seinem Institut, von den Funktionsträgern in seiner Partei, der SED, und in den Staatsorganen der DDR. Aus dieser oft enttäuschten Erwartung sind die zahllosen Konflikte, die bisweilen auch ungerechten Bewertungen zu erklären, die ihm und anderen das Leben schwer machten und die ihm die Anerkennung, die seine Lebensleistung verdiente, zu Lebzeiten, ja bis heute verwehrten. Dazu kommt, daß Teile seiner Tätigkeit als Repräsentant der DDR-Kulturpolitik in den frühen fünfziger Jahren ihm bis heute unreflektiert angelastet und seine Weimarer Tätigkeit bewußt marginalisiert oder abgewertet werden. Zu seinem Wirken in der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten, das ihm bis auf den heutigen Tag unhinterfragt angekreidet wird, schrieb er auf einem gesonderten, autobiographischen, nicht in den Tagesnotizen enthaltenen Blatt: „Versuch, den Begriff des sozialistischen Realismus in Theorie und Praxis zu klären: … an den eigenen Schwächen in Theorie und Praxis gescheitert.“ Die Tagesnotizen belegen, wie er daran arbeitete, diese Schwächen in Theorie und Praxis systematisch und mit enormem Fleiß, in einer bewundernswerten Breite der Arbeitsfelder zu überwinden. Mehr als dreißig Jahre nach dem Tod von Helmut Holtzhauer schreibt Paul Raabe: „Schon 1955 konnte Generaldirektor Helmut Holtzhauer in Weimar neue kulturpolitische Wege gehen: Die Gründung der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten (NFG) der klassischen deutschen Literatur hatte zur Folge, dass die Klassikerstätten auch außerhalb der Stadt - die Dornburger Schlösser, Großkochberg bis hin zu dem Goethe-Theater in Bad Lauchstädt - in das Unternehmen einbezogen wurden. Zwar hat die DDR Ende der achtziger Jahre nach diesem Beispiel noch Nationale Forschungs- und Gedenkstätten Johann Sebastian Bach der DDR und Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts in Berlin gegründet, doch Weimar blieb unter den Kultureinrichtungen der DDR etwas Ungewöhnliches.“ 9

Helmut Holtzhauer verstand sich als Kommunist. Und als solcher sah er im Marxismus nicht eine Vorlage, die in einer Exegese in die Realität umzusetzen sei, sondern als wissenschaftliche Methode, bei der aus der Analyse gesellschaftlicher Prozesse praktische Handlungsweisen abzuleiten möglich wären. Und Unmut über die fortschreitende Erstarrung der kommunistischen Bewegung in den sogenannten sozialistischen Staaten, über den allerorten manifesten Schematismus und Dogmatismus findet sich in den Tagesnotizen zuhauf. Dazu kamen bei Helmut Holtzhauer stets zwei unverrückbare Grundhaltungen: die strikte Ablehnung eines Nationalismus oder Rassismus jeglicher Couleur und ein ausgeprägter Antiklerikalismus.

Eine Gemeinschaft von aktiven, gleichberechtigten, wenn auch unterschiedlich befähigten Menschen war ihm wichtiger als eine Selbstbefriedigung des Ego, Nützlichkeit für die Gesellschaft wichtiger als Eigennutz oder forciertes Gruppeninteresse. Die Ebenbürtigkeit aller Menschen hatte er tief verinnerlicht: eine herausgehobene Stellung in der Gesellschaft könne nur erworben, nicht ererbt werden.

In diesem Sinne geschah die Beschäftigung mit der klassischen deutschen Literatur, insbesondere mit Goethe, für ihn nicht um Goethes Willen, also alles andere als „Goethe-Kult“, sondern weil sich in dieser vielschichtigen Persönlichkeit ihre Zeit, eine umbruchreiche Epoche, spiegelte: Das Jahrhundert Goethes war eine Zeit von Aufklärung, Emanzipation, Revolution, Gegenrevolution, Diktatur, Rückzug ins Individuelle, Restauration, wie es auch Helmut Holtzhauer in seiner Lebensspanne erlebt hatte. Und so ist es nicht vermessen zu sagen, daß diese Tagesnotizen eines einem kommunistischem, humanistischem Weltbild verpflichteten Menschen den eingangs postulierten nicht alltäglichen Blick auf eine ebenfalls widerspruchsvolle Zeit eröffnen. „In der deutschen Geistestradition gab es als ein mächtiges Moment die Feindseligkeit gegen jede Form der ‚Aufklärung‘ und damit einhergehend gegen Liberalismus, Individualismus, Rationalismus und Abstraktion - also auch gegen jede Form eines ökonomischen Denkens, für das anderswo Bentham oder Ricardo standen. Die mit dieser Geistestradition einhergehende organische Vorstellung von Geschichte und Gesellschaft fanden ihren Ausdruck schließlich in der deutschen Romantik, die ursprünglich eine militant reaktionäre Strömung war.“10 Dieser Gedanke, sowohl in Bezug auf das Jahrhundert Goethes als auch auf das zwanzigste, hätte sicherlich die Zustimmung Helmut Holtzhauers gefunden.

. - .

An dieser Stelle möchte ich meinen Dank an und meine Hochachtung für meine Mitstreiter ausdrücken. Mit großem Eifer sind sie ans Werk gegangen, ließen sich von teils herben Rückschlägen nicht entmutigen, haben Quellen gesucht und verglichen und ungezählte Stunden ihrer Freizeit geopfert: Dr. Konrad Kratzsch ermittelte vor allem die bibliographischen Daten zur Lektüre von Helmut Holtzhauer und recherchierte in der Klassik Stiftung Weimar, Rainer Krauß, der den Anstoß zur Veröffentlichung gab und der die treibende Kraft in diesem Unterfangen war, lieferte Fakten und Informationen zu den notwendigen Anmerkungen und ermittelte zusammen mit Konrad Kratzsch die allermeisten Daten zu den mehr als 1300 in den Tagesnotizen erwähnten Personen. Dank gilt den ehemaligen engen Mitarbeiterinnen von Helmut Holtzhauer, Frau Ingeborg Frech und Frau Margit Hänse, sowie Frau Traute Seidel, die wertvolle Hinweise beisteuerten, und den unnennbar Vielen, die uns mit biographischen Angaben zu zahlreichen in den Tagesnotizen genannten Personen halfen.

Martin Holtzhauer

Berlin, 2017

1958

1. Januar 1958

Viele, zu viele Menschen sind an der Zeit krank. Sie möchten mit allen ihren Kräften bauen, helfen, sich einordnen, aber sie sehen, das Werk gerät nicht recht. Und sie können es nicht verbessern.

Plutarch „Moralia“11 gelesen: „Von der Geschwätzigkeit“.

Im Institut die letzten Posteingänge durchgesehen. Diejenigen, denen man sich besonders verbunden fühlte, haben sich nicht gerührt. Umgekehrt haben die anderen zumindest die Formen gewahrt.

Das vergangene Jahr brachte schwere Verluste12, am schmerzlichsten sind aber die persönlichen Enttäuschungen.

Arbeit der nächsten Tage besonders gut vorbereitet.

2. Januar 1958

Donnerstag

Verschiedene Besorgungen erledigt. Einkäufe.

Vorgänge im Institut erledigt. Emmerich13 kündigt zum Ende des Monats. Will als deutschsprachiger Lektor für ein oder zwei Jahre nach Rumänien gehen.

3. Januar 1958

Freitag

Weihnachts- und Neujahrspost aufgearbeitet. Der „Stumme-Band“14 gefällt den meisten Empfängern.

Eva Fleischer und Rudolf Fischer bei Kaysers. Wenig befriedigende Plauderei.

5. Januar 1958

Mit Wadepuhl und Emmerich im Hotel Newa15 getroffen. W. bringt weitere Fotokopien und Manuskripte mit. Bis 14 Uhr.

Bei Magritz. Einige theoretische Fragen. Realismus. Koexistenz und Ideologie. Argumente.

Rückfahrt nach Weimar. Stürmisch, regnerisch, Glatteis.

Dempes Bericht über das Nietzsche-Archiv16 zu Ende gelesen. Grandiose Naivität oder Unverschämtheit.

Beutler, Essays, Lili17 gelesen.

Ankunft in Weimar 2130.

6. Januar 1958

Posteingänge erledigt. Bemerkenswerter Brief von Lübbecke. Vorschläge des Archivs für Faksimile-Ausgaben durchgesehen. Sehr konventionell nach dem Ausstellungskatalog18 ausgewählt. Prometheus und Divan-Gedicht zunächst akzeptiert.

Inaugural-Dissertation von Frau Topfmeier19 durchgesehen. Brave Katalogarbeit ohne wissenschaftliche Fragestellung. Bin gespannt, was der Doktor-Vater [sagt], der jede Beschäftigung (Betreuung) der Arbeit vor dem Abschluß abgelehnt haben soll. Frau Topfmeier könnte an den Beständen arbeiten.

Besuch von Frau Dr. Tschakarow, Sofia, auf Empfehlung von Hohendorf, Potsdam. Germanistin. Deutschlehrerin.

Für Jakubowski Bericht von den Forschungsstätten, etwa 10 Seiten, geschrieben. Eigentlich Aufgabe für einen Mitarbeiter. Bericht für Jahrbuch der Republik geschrieben20.

„Sonntag“21 und Artikel Wagner-Mückenberger gelesen. Erschreckende Einfalt.

7. Januar 1958

Von Wadepuhl zwei umfangreiche Manuskripte aufgenommen (Principessa della Rocca. Enrico Heine u. Mes dix ans d’Exil)

Mit Böhm Perspektivplan der BDK nochmals besprochen. Sollten wir uns nicht doch auf unsere Periode (1750 - 1850) beschränken?

Einladung zu Stadträtin Beek für 10 - 12 Uhr abgelehnt.

Mit Emmerich Übergabe der Materialien (Fotokopien) ans Archiv besprochen. Kündigung definitiv per 31.1.1958. Sachlich eine Einbuße, persönlich nach seinen groben Fehlern in der Leitung der BPO und in der Bürositzung verständlich.

Mit M. [Marta] Poschmann den Fortgang der „Soziologie“ besprochen. Vierteljahresberichte erbeten.

Schneider u. verschiedene Besorgungen.

Dr. Blumenthal. Über den Stand und die Aussichten der Schiller-Nationalausgabe22 gesprochen. Sie sollte die Redaktion, später die Herausgeberschaft der Ausgabe übernehmen. Die Akademie23 in die Ausgabe einbeziehen.

Beratung der Neugestaltung GNM (Raum 4 u. 7) vorbereitet.

8. Januar 1958

Mittwoch

Vormittag Post erledigt. Unterschriften.

Weiterer Fortgang der Neugestaltung des GNM. Raum 7 inhaltlich, Raum 3 formal abgeschlossen. Menzel versucht, das Verhältnis Goethe-Schiller als Höhepunkt der Klassik darzustellen und dabei den - negativen, kantschen - Einfluß Schillers auf Goethe herauszuarbeiten.

Nachmittag Tagespost. Zeitungen.

Problem des soz. Realismus. Marx u. Engels exzerpiert24. Kritik an H. [Hans] Kochs Entgegnung auf Kipphardts Diskussionsbeitrag („Sonntag“ v. 5.1.58) niedergeschrieben. Referat für Schriftstellerverband (Probleme des Realismus) vorbereitet.

Bis 21 Uhr.

Spaziergang mit Renate. Nachrichten gehört.

Bis 2345 in Beutler, Essays, Lili, gelesen.

9. Januar 1958

Donnerstag

800 Aussprache mit Hermann Fischer in sehr kameradschaftlicher Form. Verhältnis

Parteimitglied - Leitung, Leitung und Mitglied. Problem Scholz25.

1000 Vorstand des Schriftstellerverbandes. Vorbereitung des Referats Hammer und der Ergänzung durch Ho. [Holtzhauer] „Über sozialistischen Realismus“.

Lektüre: Paul Reimann, Über realistische Kunstauffassung26.

Exzerpte aus Shdanow27, Über Kunst und Wissenschaft, Lenin28, Kulturrevolution.

Post durchgearbeitet. Artikel für Jakubowski korrigiert und absenden lassen.

Am Referat „Über soz. Realismus“ gearbeitet.

2000 Vortrag Dr. Hahn: Bettinas politische Ansichten29.

Mit Dr. Hahn und Mitarbeitern geplaudert30.

10. Januar 1958

Freitag

800 Sprechstunde: Kiese, Stellungnahme zum Produktionsplan des ARION Verlags31, anschließend Rücker, Fortsetzung der Besprechung. Dr. Deiters bittet um Übernahme der Kleist-Gedenkstätte in Frankfurt/O. in die NFG.

1400 Fortsetzung der Vorarbeiten zu dem „Versuch über den soz. Realismus“. Paul Reimann „Über realistische Kunstauffassung“, und Shdanow „Kunst u. Wissenschaft“, Marx und Engels gelesen.

1630 Dr. Wachsmuth. Goethes Stellung zu dem Problem Freiheit und Notwendigkeit32.

W. meint, daß Goethes Folgerung „Entsagung“ (Resignation oder Selbstbescheidung) sei. W. bietet 500,- für Honorar Bräuning-Oktavio33. Mitteilung, daß Flach34 nach Bonn gehe. (Auskunft Grumach).

2200 - 2400 an Referat soz. Realismus gearbeitet.

11. Januar 1958

Sonnabend

830 Böhm. Aufgaben für Wersig, Halle. Gewerkschaftsfragen. Dr. Vulpius ist bereit, die „Leihgabe Vulpius“ zu verkaufen.

Posteingang und Vorlagen aus dem Hause bearbeitet.

1030 Schriftstellerkonferenz Thüringens. „Versuch über den sozialistischen Realismus“35 vorgetragen. Nachmittag Aussprache. Einige plumpe, rabaukenhafte Vorstöße von den sogenannten „jungen Autoren“. Viele Ansprüche, wenig Leistung. Ende 18 Uhr.

Am Abend ein wenig gekramt. Beutler, Essay über Lilly beendet. Goethes Briefe aus Waldeck, Weihnachten 1776, gelesen. Vergeblich den Geburtsort Ehm Welks auf der Karte gesucht (im Vergleich zu „Mein Land, das ferne leuchtet“36). Riesen- oder Liesenbrow37?

12. Januar 1958

Sonntag

930 Fortsetzung der Schriftstellerkonferenz. Im Vordergrund der Aussprache stehen persönliche Anliegen. Ende 1400.

Renate ist völlig erschöpft und niedergeschlagen. Tiefe Depression. Wir müssen einen Weg für Martin und Renate suchen, da der Kleine unter den Tränen der Mutti leidet. Spätnachmittag. Regnerisch. Rundfunkkonzert, nicht ohne Störungen.

Der Entwurf Böhms (Programm der BDK) und Jerickes Einleitung zum Führer durch das GNM38, müssen heute noch durchgearbeitet werden. Nur immer die Wäsche anderer Leute waschen!

13. Januar 1958

Montag

1300 Beratung über „Laternenfest“ in Erfurt.

14. Januar 1958

Dienstag

8 Uhr. Nach Leipzig. Schaller, Institut für Erwachsenenbildung. Anregende Unterhaltung. Sch. versucht, ein marx. Erziehungssystem zu entwickeln.

11 Uhr. Frings. Problem Blumenthal u. Flach besprochen. Will im Falle Bl. helfen, im Falle Flach nicht. Empfiehlt Besprechung mit Steinitz.

13 Uhr. Mit Schaller Unterhaltung fortgesetzt.

15 Uhr. Bei Lauter, der leider in Berlin ist. Fahrt nach Potsdam. Ankunft 18 Uhr. Leider kommt Frieder [Schlotterbeck] erst 2130. Angeregte Unterhaltung, auch über Forschungsfragen.

Die Ankunft war deshalb interessant, weil unmittelbar vor dem Hause die rechte Vorderradfeder brach und das Rad umkippte. Befriedigung, daß das nicht früher geschehen.

Lenin, Kinderkrankheiten39 gelesen.

15. Januar 1958

Mittwoch

8 Uhr. Fahrt mit der S-Bahn nach Berlin. Exel mit der Reparatur beauftragt. Mit Frieder durch die grauen Straßen gelaufen.

11 Uhr. Besprechung mit Abusch, Wendt, Rudolph über Bibl. Dt. Klassiker und Lit. Feiern. Die Unkenntnis über die konkreten Dinge (Arbeit des Instituts, Publikationen usw.) erschreckend. Im allgemeinen kompromißlerisch gestimmt. Schwacher Versuch, auf die Arbeit in Weimar Einfluß zu nehmen. Mehr Eitelkeit, Zwang als Neigung und Verständnis.

1500 bei Edith [(Dita) Nell-Schellenberger], Piana und Reinhardt getroffen. Piana jagt nach Nachlässen. Verantwortungslos im Versprechen, gänzlich unfähig, Wert von Unwert zu unterscheiden. Berichtet, daß eine kritische Brecht-Ausgabe unter Leitung von Beißner und Grumach geplant sei. P. kommt am Freitag nach Weimar.

1900 Kühn. Herzlich und nichtssagend. Das Alter und die schwache Gesundheit wirken sich aus.

2147 Rückfahrt nach Weimar. Uhse, Mexikanische Erzählungen40 gelesen. Sehr gut. Kritischer Realismus? Ein schwieriges Kapitel.

16. Januar 1958

Donnerstag

3 Uhr morgens nach Weimar zurückgekommen.

Post der letzten beiden Tage erledigt. Viele Vorlagen, Bericht und Diktate vor mir. Dazu Besprechungen und Einladungen zu Sitzungen.

Briefe an Buchwald, Uhse, Mayer, Lübbecke u.a.

Literatur für Wunsch u. Wirklichkeit41 ausgesucht.

Wenig Quellenmaterial zur ökonom. u. gesellsch. Situation.

In Fürnbergs „Fest des Lebens“42 gelesen. Warum jetzt erst. Wie wenig kennen wir uns.

20 Uhr. Müllers Einleitung zur Stifterausgabe43 gelesen.

17. Januar 1958

Freitag

830 Post erledigt. Diktate.

930 Piana u. Dietzel aus Berlin. Besprechung über die möglichen Sammelgebiete der Archive. P. teilt mit, daß eine historisch-kritische Ausgabe der Werke Brechts unter wissenschaftlicher Beratung Grumachs und Beißners erfolgen soll. Widerspruch zwischen Forderung an Volksausgaben und wiss. Ausgaben.

Dudda berichtet über seine Konflikte mit Dr. Jericke.

Mit Schleif zum Mittagessen, wobei seine Goetheforschungen besprochen werden.

Dr. Schreckenbach berichtet über den Nachlaß Schweitzer.

1530 Diktate, Post erledigt.

2000 Uhr Lotte Fürnberg. Fragen des Nachlasses u. der Edition.

2200 Stellungnahme zur Stifter-Einleitung von Prof. Müller. Bis 2 Uhr gearbeitet. „Nachsommer“44 ist noch zu lesen.

18. Januar 1958

Sonnabend

830 Mitteilung über die Anwesenheitskontrolle. Wieder heftig geworden.

Böhm die Stellungnahme zu Müllers Stifter-Einleitung erläutert. Auf seinen Arbeitsstil hingewiesen und ihn vermahnt, höheren Anforderungen an seine Leistungsfähigkeit keinen Widerstand von vornherein entgegenzusetzen.

Post erledigt. Abgespannt, reizbar und misslaunig. Wie können wir die Produktivität erhöhen?

1600 mit Thomas auf den Ettersberg. Kräftige Ausarbeitung durch das Auf und Ab. Bis 1800.

Stiller Abend. Zeitschriften gelesen. Müde und abgespannt. Dummer Kopf.

19. Januar 1958

Sonntag

900 Teilnahme an der Gründung des Pionier-Kreisverbandes45 in Weimar. Vorstand aus viel alten Genossen zusammengesetzt. Keine Lehrer. Veranstaltung konventionell langweilig. Mit Martin u. Alena nach Hause.

Zeitungen und Zeitschriften gelesen.

1400 Besuch von Uhlitzschs. Freudiges Wiedersehen. Angeregte Unterhaltung. Gegenseitige Anregungen. Über theoretische Arbeiten als Hauptaufgaben der Kunstpolitik gesprochen. Proletarischer Sozialismus in der Periode des Aufbaus ist berufliche Arbeit, Verhalten im wichtigsten gesellschaftlichen Verhältnis.

U. blieben über Nacht. Bis 12 Uhr Unterhaltung.

20. Januar 1958

Montag

Diktate.

Erläuterung der Anwesenheitskontrolle. Absolute Teilnahmslosigkeit.

Bearbeitung von Vorgängen aus dem Hause.

Beratung über Republikflucht Flach46.

Böhm mit der intensiveren Arbeitsweise vertraut gemacht.

1500 Auf Fuchs- u. Dachsspuren am Ettersberg. Herrliches Sonnen- u. Schneewetter, gehobene Stimmung, kräftige Bewegung. Der junge Bauer versucht, mich zur Beschaffung eines Gewehres (für die Dauer-Jagd) zu überreden. Jagdleidenschaft.

1730 Parteileitung. Unendlich langweilend u. deprimierend, da offenbar von allen als Last empfunden. Ende 2000.

Stifter, Katzensilber47 gelesen. Langweilig u. kindisch.

21. Januar 1958

Dienstag

Post erledigt. Diktate.

Mit Emmerich Heine-Ausgabe48 besprochen. Über die Strenge in einer liberalen Politik und die Liberalität in einer strengen (konsequenten Politik) gesprochen. Republikflucht Flach.

Vorbereitung auf Beratung im GNM. Besonders was das Verhältnis Goethe-Schiller angeht. Einige allgemeine Forderungen: möglichst keine Tischvitrinen, in jedem Raum einen Schwerpunkt bilden, Literaturangaben zu den Libretti, mehr marxistische Literatur. 1700 Gewerkschaftsfragen, bis 2000

An Vorbereitungsarbeiten für GNM-Beratung. „Katzensilber“ von Stifter gelesen. Unangenehm kindertümelnder Stil und Problemlosigkeit.

22. Januar 1958

Mittwoch

900 Leitungssitzung: Republikflucht Flach, Kreisplan Weimar (Führungswesen), Tagesordnung der nächsten Sitzung.

1000 GNM. Neugestaltung. Verhältnis Goethe-Schiller. Kritik des Librettos zu Raum 7 (Charakterisierung von Personen u. Zuständen). Raum 8 (Reformversuche).

1430 Post.

1500 Prof. Jahn, Leipzig, erbittet Teilnahme an Ausstellung der Cranachkommission durch Bildnisse.

1600 Rücker. Stifter: Briefe. Borchardt49, Buchwald.

Diktate.

2000 Lessingfeier im Schloß

23. Januar 1958

Donnerstag

1000 Post, Diktate.

Prüfer: Dornburg50 (Personal, Bewirtschaftung)

1700 Erfurt. Gen. Rölz. Angelegenheit Scholz dargelegt. Insbesondere das Missverständnis im beiderseitigen Verhältnis geklärt. Weiterfahrt nach Mühlhausen.

2000 Vortrag in Dingelstädt51. Schwacher Besuch. Eisig kalt. Rückkehr 100.

24. Januar 1958

Freitag

Post, Diktate.

Schnuchel: Autorenkonferenz der „WB“ besprochen.

Henning: Seine Wertschätzung im Institut hervorgehoben, um Selbstvertrauen zu steigern.

1100 Hans Mayer. Persönliche Probleme. Fragen der BDK. Versucht darzulegen, daß Auftreten in Westdeutschland diplomatischer Dienst für DDR ist und daß man sich auf Diplomaten verlassen muß. Keine persönlichen Eskapaden statthaft. Falsch, Vorträge für soz. Länder ab- und für kapitalistische Länder zuzusagen. Personalvorschläge für NFG. Doktorarbeit Klingenberg52. Bis 1430.

Post. Diktate.

Stifter, Nachsommer gelesen.

25. Januar 1958

Sonnabend

900 Bezirksparteikontrollkomission

LPG53-Jahresendabrechnung (unter Teilnahme des Bezirkstagsabgeordneten) 900 Parteimäßige Vorberatung der Beiratssitzung, vor allem: Stifter-Ausgabe u. Perspektivplan.

1000 Beiratssitzung

1400 Kolloquium über „Verantwortung des Geistes für die Entwicklung der Nation“. Beitrag über bürgerlichen u. soz. Humanismus.

1900 Mitgliederversammlung des Klubs der Intelligenz54

25. Januar 1958

Sonnabend

900 Vorbesprechung für Beiratssitzung. Einschränkung der BDK. Einschätzung der Stifter-Einleitung von Müller, dem ein Brief geschrieben wurde.

1000 Beiratssitzung. Lange, aber freundschaftliche Aussprache mit Müller über Stifter. Herausarbeitung der wesentlichen Meinungsverschiedenheiten. Sog. „mitgehende Interpretation“, die keine progressiven und reaktionären Entwicklungszüge mehr kennt. Völlig ohne Klassenstandpunkt. Grundlage der gemeinsamen Arbeit.

Post erledigt. Diktate.

1600 Fuchsjagd auf dem Ettersberg. Herrliche Natur. Waldeinsamkeit. Aber keine Jagdausbeute, was auch ziemlich gleichgültig ist.

2000 Lotte Fürnberg zu Besuch.

26. Januar 1958

Sonntag

Mit den Kindern gespielt. Von 10 - 12 Uhr im Schloß. Über einige Mitarbeiter orientiert. Handrick ein kleiner Gauner und Rückversicherer. (Unter falschen Angaben nach Westdeutschland, gibt als Adresse statt Stalinstraße Schwanseestraße an, arbeitet über St. Zweig und vernachlässigt Institutsaufgaben, nimmt „Freizeit“ in Anspruch, obwohl er seine Doktorarbeit bereits im Juni einreichte usw.). Emmerich nicht besser. Was ist mit der Jugend los? Ein Abbild der Alten.

1400 Zur Fuchsjagd auf dem Ettersberg. Rückkehr gegen 1800. Gut erfrischt.

2000 Renate aus Fürnbergs „Fest des Lebens“ vorgelesen.

In Stifters „Nachsommer“ gelesen.

27. Januar 1958

Montag

800 Post erledigt, Diktate.

1000 Pilling. Kulturplan der Stadt Weimar besprochen. Ökonomische Probleme vom 18. - 20. Jhdt. Traditionen der Arbeiterbildungsbewegung. Bürgerl. Reformversuche im 20. Jhdt.

Emmerich. Angebot Galleys auf gesamtdt. Ausgabe der Werke Heines55. Sollte dies jetzt noch möglich und zweckmäßig sein? An Mayer, Kaufmann u. Kaiser geschrieben. 1400 Fahrt nach Leipzig. Tödliche Erkrankung von Max Bugla. Krebs? M.B. 40 Jahre alt. Bei Hartmanns und Erika56.

1930 Rückfahrt. Hajo Holborn: Der dt. Idealismus in sozialgeschichtlicher Beleuchtung57. Gedanken über die Trennung von Kirche u. Staat u. d. atheistische Propaganda niedergeschrieben.

Briefe geschrieben. Alberner Artikel von Jakubietz über „zeitgenössischen Realismus“ in der Leipziger Volkszeitung v. 26.1.58.

29. Januar 1958

Mittwoch

800 Post, Diktate.

1000 Lebhafte Beratung über GNM-Neugestaltung. Raum 14, literarischer Niederschlag der franz. Revolution. Menzel wird empfohlen, zwei Werke ihrer Entstehungsgeschichte nach zu zeigen (evtl. Reinecke Fuchs u. Wilhelm Meister).

1500 Leitungssitzung - Wiss. Arbeitsplan - Arbeitsmoral. Vorbereit. der Schillerfeier 1959.

1730 Staatssekretariat f. Hochschulfragen teilt durch Referenten mit, daß Emmerich für Berlin vorgesehen ist.

1830 Sippel bringt „Spiegel“-Nietzsche-Artikel58.

1900 Aufarbeitung von Post.

2100 - 2400 Spiegel-Artikel durchgearbeitet. Schrecklich müde und gereizt.

30. Januar 1958

Donnerstag

800 nach Dornburg. Guter Fortgang der Gartenarbeiten. Neuaufbau des Giebels und Abputzen des Goethe-Schlosses beraten. Sitzung mit Vorstand59 und Gästen für Sonntag nach der Hauptversammlung im Rokoko-Schloß geplant.

1430 Unterschriften im Institut.

1500 Fahrt nach Heiligenstadt. Enttäuschendes Stadtbild. Offensichtlicher Einfluß der katholischen Kirche. Völliger Zusammenbruch der [von] Kulturbund und Kulturarbeit [meint: geleisteten Arbeit]. Kulturelle Veranstaltungen durch die Kirche.

Schwach besuchter Vortrag. Aussprache bis 2300. Rückkehr bei Nebel und Glatteis 200 morgens.

31. Januar 1958

Freitag

900 nach Tambach-Dietharz. Am Berge im Schnee festgefahren. Gegen 1400 wieder flott. Ebertswiese im Sonnenschein. Schöne Lage.

Bruford. Gesellschaft der Goethezeit60 gelesen. Reiche Materialsammlung. Bruford verwahrt sich gegen eine materialistische Darstellung. Kann sie aber nicht vermeiden. Exzerpte.

2230 zu Bett.

Bedenklich reizbar und jähzornig. Abklingen erst am Abend. Die Wirkung von sec-atropin von Anfang des Jahres völlig vorüber. Übermüdung vom Vortage, angestrengte Aufräumungsarbeiten. Empfindliche Reaktion auf unberechtigte Kritik.

Es wird zu viel über Arbeit geredet, aber selten verstanden, sie zu leisten.

1. Februar 1958

Sonnabend

800 Brief an Müller. Grundfragen der Lit.-Wissenschaft.

915 Erste Ski-Tour. Zum Hünberg. Glänzende Aussicht zum Inselsberg, zur Hohen Rhön, Schmücke. Sonnenbad. Das Skilaufen geht schlecht. Ängstlich und verkrampft. Nur Langlauf macht wirklich Freude. Bis 12 Uhr.

1330 Den Rennsteig entlang bis zur Straße Tambach-Dietharz/Schmalkalden und zurück. Etwas am Hang geübt. Bis 1600.

Anschließend Briefe geschrieben. Post und Vorgänge aufgearbeitet.

1900 Oppenheimer, Atomkraft und menschliche Freiheit61 gelesen.

2. Februar 1958

Sonntag

930 Skiwanderung durch Nebel und Sturm. Stark verharschter Schnee. Reizvolle Bergund Talwanderung bis 1200. Dann Briefe geschrieben.

Müde und abgespannt.

1515 Skiwanderung zum Sperrhügel bis 1800.

1800 Bruford, Gesellschaftliche Grundlagen der Goethezeit. Das Goethezeit-Museum62 stellt sich als eine Illustration dieses Buches dar. Die Unverschämtheit, mit der das Tatsachenmaterial dieses Buches für eigene Forschung ausgegeben wurde, ist frappant.

Für die Gestaltung des GNM in seinen allgemeinen Abschnitten ist das Buch unentbehrlich.

Gelesen und exzerpiert bis 2200.

3. Februar 1958

Montag

930 Skiwanderung zum Spieß[berg]haus. Wechselnd Sonne und dunkle Wolken. Auch dieser Teil des Rennsteigs reizvoll. Schöne Blicke zum Inselsberg. 2 ½ Stunden. Sehr müde und schlapp.

1430 Vorgänge aufgearbeitet. Stellenplan. Donnerstagsvorträge63. Tätigkeits- u. Qualifikationsmerkmale. Briefe. Bis 1900.

1930 Oppenheimer, Atomkraft gelesen. Politisch naiv. Zur Frage der Wissenschaft schöne und wichtige Gedanken.

2100 Weiter an Vorgängen gearbeitet. Donnerstagsvorträge u. Festschrift64 für Dr. Jericke. Wunderbar blaues Mondlicht über dem Schnee. Die Arbeit geht schleppend. Keine klaren Gedanken. Stille Diskussionen um Parteifragen. Befürchtung, daß die Mediokritäten innerhalb und außerhalb des Instituts unangenehme Winkelzüge machen.

Eine Gruppe von angehenden Studenten mit einem Arzt gibt ein überraschend armseliges Bild geistigen Lebens. Kein Lied, kein Gesellschaftsspiel, das Findigkeit, Schlagfertigkeit oder Wissen erfordert, kein gemeinsames Lesen, kein Gestaltungsversuch. Jede Gruppe des Jugendverbands hat, woher sie auch kam, mehr Geist und Beweglichkeit entwickelt. Nur Rommé, Mensch-ärgere-dich-nicht und andere fertige Spiele beherrschen das Feld.

4. Februar 1958

Dienstag

930 Fußwanderung durch den Winterwald nach Tambach-Dietharz. Rückfahrt nach Weimar.

Zu Hause. Post erledigt, Fragebogen für Partei geschrieben.

1750 Buchwalds abgeholt. Anschließend mit Buchwalds zusammen bis 2200. Allgemeine Fragen der Literaturwissenschaft.

5. Februar 1958

Mittwoch

900 Kreisleitung65. Vorbereitung der Parteiwahlen im Institut besprochen, bis 1200. Sehr deprimierende Unterhaltung. Die Kreisleitung wünscht für sie bequeme, d.h. gut berichtende und nicht mit der Institutsleitung zu eng verbundene Genossen, deshalb soll Klingenberg nicht in die BPO-Leitung.

Obwohl am Mittwoch vor 8 Tagen eine ausführliche, wie mir schien sachlich gut fundierte und freundschaftliche Aussprache über Institutsprobleme stattfand, die auch die Trennung von Drechsler [Drexler], Heydeck und Kändler vorsah und der alle zustimmten (und die Ziehn u. Jericke begründeten), sind am folgenden Tag drei Genossen zur Kreisleitung gegangen und haben erklärt, sie wären nicht einverstanden. Es ist widerlich, dieses Ausmaß von Feigheit und Schamlosigkeit zu beobachten.

1230 Mittagessen mit Buchwalds. Anschließend Beratung über Fachprobleme. Schiller-Ausgabe, Lessing-Ausgabe, Goethe: Naturwissenschaften, Stier, künftige Gestalt des Beirats. Bis 1800.

2000 Kayser, der seiner Leipziger Tätigkeit sehr ungern entgegengeht66.

6. Februar 1958

Donnerstag

Einpacken. 1100 Abfahrt mit Renate und Martin nach Ebertswiese. In Weimar liegt Schnee. Aber im Gebirge ist das Wetter unverändert. Ankunft im Hotel gegen 1300.

Mit Martin erste Rodeltour und mit Renate kleiner Spaziergang. Hang stark vereist.

Am Nachmittag mit Martin Skiwanderung. Er ist stark angestrengt, trotz der 6 km. Bruford, Gesellsch. Grundlagen der Goethezeit gelesen.

7. Februar 1958

Freitag

Mit Martin Skiwanderung, mit Renate Spaziergang. Martin stark erkältet, muß ins Bett.

In Gesellschaft einer Anzahl von Ur-Spießern: Ärzten und Geschäftsleuten. Alles ist Geschäft, Essen, Kleiden, Trinken und bescheidene (geistig bescheidene) Unterhaltung. Bruford exzerpiert. Möchte GNM-Kollektiv einladen, einen Wochenendkursus hier oben zu veranstalten, um die Arbeit zu fördern und die persönlichen Beziehungen zu verbessern. Am Abend Bruford gelesen und weiter exzerpiert.

Im ND67 Kommuniqué des 35. Plenums. Vorbereitung des V. Parteitags. Opportun-Gruppe68 unschädlich gemacht, die die Parteilinie ändern wollte. Neumanns Referat durchgearbeitet. Notizen zu Berichtswahlversammlung.

Bruford zu Ende gelesen. Letztes Kapitel schwach, im übrigen ausgezeichnete Materialsammlung.

8. Februar 1958

Sonnabend

Den ganzen Vormittag Briefe geschrieben. BDK und Schillerjahr, Donnerstag-Vorträge vorbereitet.

Am Nachmittag Ski gelaufen. Wetterumschlag. Es regnet. Am Abend Bruford exzerpiert. Heftige Handgelenk- und Armschmerzen. Sehnenscheidenentzündung? Keine Zeitungen. Hamburger Goethe-Ausgabe69. Kommentar zu Dichtung und Wahrheit gelesen. Nicht sehr aufschlussreich.

Welchen Rang, oder besser welche Bedeutung kommt Brecht bei der Schaffung einer sozialistischen Literatur zu? Läßt er sich mit Gorki vergleichen? Kaum, denn die Schattenseiten des Lebens, die Gorki zeichnet, sind nicht aus der Lust am Wühlen im Schmutz hervorgegangen.

9. Februar 1958

Sonntag

Zeitung gelesen.

Mit Martin gespielt.

Bericht des Politbüros und Beschluß [der KPdSU] sowie Interview mit Chruschtschow gelesen.

1400 Skiwanderung, die Martin und Renate trotz der kurzen Strecke überanstrengt haben. Mit Band 6 von Morris, Der junge Goethe70, bekannt gemacht.

2030 Mit Renate zwei Partien Schach gespielt. 2300

10. Februar 1958

Montag

Die Arbeitsweise ist sehr extensiv. Bis 8 oder 830 schlafen. Infolge der Trödelei des Kleinen spätes Kaffeetrinken.

1000 Bruford exzerpiert, Briefe abgefertigt, Jerickes Einleitung in den Wegweiser durchs Goethehaus korrigiert. Bis 1330.

Nach dem Mittagessen Skiwanderung zu Dritt. Weite, völlig abgetaute Wiesenflächen. Im Wald firniger Schnee. Schöner Rundblick vom Hünberg.

Von 1630 Bruford, statistische Angaben, exzerpiert. Vorarbeiten zur Neugestaltung des GNM. Bis 1800.

Mit Trunz’ Goethe-Ausgabe, Band 1071, Autobiographische Schriften, Dichtung u. Wahrheit, bekannt gemacht.

2100 Dichtung und Wahrheit zu lesen begonnen. „Wunsch und Wirklichkeit“72 scheint nochmals zurücktreten zu müssen.

„Wer nicht geschunden wird, wird nicht erzogen.“ Komödie des Menandros: Motto zu Goethes D.u.W. [Dichtung und Wahrheit]. Man sollte ans ZK über den Versuch schreiben, die Arbeit des Instituts dadurch zu hemmen, daß maßlose, d.h. unrealistische Forderungen gestellt werden und die Mitarbeit verringert wird.

11. Februar 1958

Dienstag

Ab ½ 10 Uhr gearbeitet. Dichtung und Wahrheit, 1. Buch mit den Anmerkungen von Trunz, die doch reiches Tatsachenmaterial bringen.

1115 Fußwanderung zu den Spitter-Wasserfällen, eine dreistufige Kaskade von insgesamt etwa 25 m Höhe, die sich infolge der Schneeschmelze ganz ordentlich ausnimmt. Martin sieht den ersten Wasserfall in Natur. Heimkehr 1330.

Ab 1500 weiter an Dichtung u. Wahrheit, von einer kleinen Bastelei für Martin unterbrochen bis 1830.

Mittag Zeitungen. Beschluß zur Gewerkschaftsarbeit. Das wesentliche scheint die Produktionsberatung (und damit die Kontrolle) durch die Gewerkschaft zu sein.

12. Februar 1958

Mittwoch

Martins 10. Geburtstag. Die Vorfreude war groß, wurde aber durch viele Aufmerksamkeiten der Erwachsenen noch vergrößert. Er fühlt sich nun ordentlich als großer Junge. Renate wurde gegen Abend immer niedergeschlagener. Minderwertigkeitsgefühle. Beide wollen die Gelegenheit einer Fahrt nach Weimar benutzen, um den Aufenthalt hier oben abzubrechen. Anhaltendes Tauwetter.

Am Abend sehr ruhig, aber nett beisammen gesessen. Etwas Wein getrunken. Dichtung und Wahrheit, 3. u. 4. Buch gelesen.

Der Gedanke, Dichtung und Wahrheit für die Jugend, d.h. für Kinder von etwa 8 - 12 Jahren, zu bearbeiten, wird immer stärker. Man müsste die klassischen Bearbeitungen (griechische Sagen, deutsche Sagen, Robinson usw.) studieren.

13. Februar 1958

Donnerstag

Rückfahrt nach Weimar.

Die Landschaft bei den Drei Gleichen, der Sonnenschein und die Vorfrühlingsatmosphäre lösen ein Gefühl der Ruhe und der Zufriedenheit aus.

1230 Mittagessen mit Buchwald und Frau; B. berichtet über seine Besprechung mit Stier. Stier will um eine Unterredung nachsuchen und einen Bericht seiner Tätigkeit mit dem Ziele einreichen, das Material (Geschäftsakten) an die NFG zu übergeben. Die Republikflucht Flachs habe ihm die Augen dafür geöffnet, daß Fl. stets das GSA als eine Sache der Akademie betrachtet habe.

Teucher, Dresden, hat meine Auffassung über das Vorwort R. Buchwalds zur Auswahl aus Goethes Schriften z. Naturwissenschaft unterstützt73. Nun habe es Rücker übernommen, die Kürzungen dem Bearbeiter klar zu machen. So ein Tropf!

1400 Mit Klingenberg Stellungnahme zum Exposé Bartsch besprochen. Böhm bezeichnet

B.’s Vortrag als „Biographismus“.

1530 Kolloquium mit B. [Buchwald]. Maßloser Zorn über die Stumpfsinnigkeit oder Befangenheit der Teilnehmer.

2000 Sämtliche Referate und Beschlüsse gelesen.

14. Februar 1958

Freitag

Noch einiges Material für den Institutsbericht zusammengestellt. Post erledigt. Rückfahrt nach Ebertswiese.

11 - 1330 Fußwanderung im Spittergrund und nach Nesselhof. Reizende Vorfrühlingslandschaft, von allen Seiten Schmelzwasser, Sonne, Kraftgefühl.

1515 Swanidze, Stalin74 gelesen*). Aufschlussreiche Details von einem kleinlichen Standpunkt aus. Bis 1900.

*) „Er hat uns gezeigt, was wir leisten können. Wenn es möglich ist, eine neue Pflanzensorte zu züchten, so geht das auch mit neuen Tierarten, und auf der obersten Stufe der Leiter mit neuen Menschenarten. Die Aufgabe künftiger Generationen wird sein, rasch eine von uns physisch völlig verschiedene menschliche Spezies zu entwickeln, ohne dabei auf den Ablauf der natürlichen Entwicklung zu warten, der für den Rhythmus der heutigen technischen Entwicklung viel zu langsam ist. Der Mensch muß aus einem irdischen Wesen in ein Wesen des Sonnensystems verwandelt werden ... Als ich diese Idee zum ersten Mal von einem der größten Naturforscher unserer Zeit, Professor Langevin hörte, hielt ich sie auch für utopisch.“ S. 164

Briefe wegen Film-Exposé75 und der Säkularausgabe76.

Bruford exzerpiert.

15. Februar 1958

Sonnabend

Sehr ausgedehnte Wanderung nach Pappenheim. Schmerzen in der linken Kniekehle. Trotzdem viel Freude am Laufen und Steigen.

Den Nachmittag verplempert. „W.B.“ IV, 195777, gelesen. Schlechtes Gesamtverzeichnis. Bruford exzerpiert.

Am Abend Faschingsfeier der Gäste.

Nachricht, daß H. Lauter 1. Bezirkssekretär in Leipzig werde, mit großer Befriedigung um seinet- und des Bezirks willen aufgenommen. P.W. [Paul Wandel] geht nach China.

16. Februar 1958

Sonntag

Lange geschlafen. Das Bein schmerzt, so daß sich wohl Wanderungen verbieten.

Die beiden Hauptwerke, mit denen sich zu beschäftigen lohnt, da sie über reiches Material verfügen, sind „Dichtung u. Wahrheit“ u. „Grundlagen der Gesellschaft der Goethezeit“. Die Arbeiten zu „Wunsch u. Wirklichkeit“ müssen 8 Tage zurücktreten, obwohl aus dem Wochenendkursus nichts wird. Sollte Dr. J. [Jericke] nicht diplomatisch erkrankt sein, um der Beratung mit seinen Mitarbeiterinnen aus dem Weg zu gehen?

17. Februar 1958

Montag

800 Briefchen an Renate.

1000 zum Nesselhof. Schneetreiben wechselt mit Sonnenschein. Winterliches Bild.

1300 Bruford exzerpiert.

1530 Auf den mittleren u. vorderen Hünberg. Sonne und Schnee.

1700 Bruford exzerpiert bis 2100. Abgeschlossen.

2100 Dichtung u. Wahrheit. 4. Buch.

Unten haben sich Lehrlinge vom VEB Gotha versammelt. Niemand ist dabei, der Faschingsverkleidung und gemeinsames Tun anregt. Der Wirt verteilt bunte Mützen. Das Radio quäkt. Die Jugend trinkt sich Stimmung an.

18. Februar 1958

Dienstag

Briefe geschrieben (Mayer, Landeshauptarchiv, Landesbibliothek).

Schneegeriesel. Rehe im Wald. Auf dem vorderen Hünberg.

Libretto für Raum 1 (deutsche Zustände am Ende des 18. Jhdts).

Auf dem Hünberg. Heftiger Wind. Schneeschauer. Hinterer Hünberg. Blick auf Schmalkalden.

Am Libretto für Raum 1 geschrieben. Anordnung entworfen. Druckbild für den Katalog GNM78 entworfen. Mit kurzer Unterbrechung am [Wort fehlt; wahrscheinlich: Libretto] gearbeitet bis 23 Uhr. Libretto abgeschlossen u. zur Post gegeben.

Viel Freude an der Arbeit.

Warum äußert sich im Institut kleinbürgerliche Intrige? Anstatt Probleme wie Entlassung von Mitarbeitern, Ergänzung der BPO-Leitung, Beschlussfassung zu den Donnerstagsvorträgen, Entschließungen u. Bericht parteimäßig zu behandeln, d.h. in den dafür vorgesehenen Gremien, wird die Sache von einigen Genossen abgemacht, die sich in diesen Fragen einig sind u. die anderen [werden] sorgfältig umgangen. Widerliche Kleinbürger-Methoden.

19. Februar 1958

Mittwoch

Langlauf zum Heuberg-Haus und zurück. Von 930 - 13 Uhr auf den Brettern.

1430 Dichtung und Wahrheit, 5. Buch nebst Anmerkungen und Exzerpten.

1 Stunde Langlauf auf der Wiese (17 - 18 Uhr). Brief an Renate.

Von 2000 an Dicht. u. W., 5. Buch, 6. Buch, 7. Buch begonnen. Bis 2230

20. Februar 1958

Donnerstag

Am Vormittag im Schneetreiben Langlauf um die Hünberge. 2 ½ Std. Ich glaube, ich überanstrenge mich. Die Ärzte-Kleinbürger-Gesellschaft fährt ab.

Viel, jedoch unwesentliche Post eingegangen. Erledigt. 1300 - 1600. Nochmals auf den Brettern. Der Schnee pappt. Vielleicht Tauwetter. Heftiger Wind und Verwehungen. Dichtung und Wahrheit, 7. Buch. Geringe Aufnahmefähigkeit, wahrscheinlich wegen des schlechten Nachtschlafs.

An Hans Lauter geschrieben. Eine schöne Aufgabe, den Leipziger Bezirk zu leiten.

Wissenschaftlich arbeiten. Das Büro sollte keine Sitzung ohne Vortrag eines kompetenten Wissenschaftlers zu einem der ökonomischen, politischen oder auch kulturellen Probleme vorüber gehen lassen. Keine Arbeitsberichte, sondern Stand oder Entwicklung und offene Fragen eines Gebietes und Vorschläge zu ihrer Lösung. Mehr Vertrauen zu den Wissenschaftlern. Der Schaden infolge Betrugs oder Fehlern dürfte wesentlich geringer sein als der, den Unfähigkeit, Unkenntnis und damit Vertrauensverlust anrichten.

21. Februar 1958

Freitag

Am Vormittag kleine Skitour.

DuW [Dichtung und Wahrheit] 7. u. 8. Buch79. Die erste Maschinenschrift zum Libretto und Katalog Raum 1, 2 u. 4 durchgearbeitet.

Am Nachmittag, bei schwerem, nassen Schnee zum Adler. Besuch durch Dr. Hahn. Bericht über den Ankauf der Boie-Briefe80. Verhalten zum Spiegel-Artikel „Nietzsche“ präzisiert. Hahn will die Verfassernamen feststellen.

DuW gelesen.

22. Februar 1958

Sonnabend

Vorfreude auf die Fahrt mit Renate und den Jungens.

Pulverschnee. Zauberhafte Fahrt an den Hängen über dem Kirchtal. Sonnenschein.

Am Nachmittag Fahrt über den Hünberg zum Tambacher Feld. Böser Sturz. Trotzdem herrliche Abfahrten über die Wiesen. Anstrengende schnelle Lauftour.

Zur Arbeit zu müde. Zeitungen gelesen.

23. Februar 1958

Sonntag

Vorfreude auf die Ankunft von Renate, Thomas u. Martin. Skier in Ordnung gebracht und nach Nesselhof geschleppt. Trotz bedecktem Himmel guter Pulverschnee.

Gemeinsamer fröhlicher Anstieg. Üben am Hang. Am Nachmittag mit Renate gemeinsamer Langlauf. Schöne Stunden. Dann noch frohe Abfahrt zum Nesselhof. Noch drei Tage getrennt.

Aufstieg bei beginnender Dunkelheit mit allen Gedanken bei den Drei.

Den Abend durch langweiliges Geschwätz mit den Hausgästen verdorben.

24. Februar 1958

Montag

Abspannung als Folge der Anstrengungen des vergangenen Tages. Am Vormittag kein Ski-Lauf.

DuW [Dichtung und Wahrheit], 8. Buch81 abgeschlossen und Notizen für GNM Raum 4. Briefe geschrieben. W. [Wachsmuth] teilte mit, daß sich wiederum über ein Beratungsergebnis hinweggesetzt und nun, lt. Mitteilung des KB-Sekretariats die Goethe-Gesellschaft gespalten werden solle82. Wozu dann die Beratungen? Eine Goethe-, Schiller-, Shakespeare-Gesellschaft hat in der DDR kaum eine Daseinsberechtigung, als Instrument der gesamtdeutschen Arbeit wohl eine Bedeutung.

2. März 1958

Sonntag

Verschiedene Hausarbeiten. Arbeitsergebnisse von der Ebertswiese geordnet. Briefe geschrieben u. Institutsfragen behandelt.

Katalog zur Eichendorff-Ausstellung der Bayr. Ak. d. Schönen Künste83 durchgearbeitet. Biographie E’s gelesen (von Schodrok84).

Kleiner Spaziergang mit Renate. Mit den Kindern geplaudert.

Bericht der Leitung der BPO durchgelesen. Schwerer Affekt.

In vollkommener Umkehrung der Tatsachen hat sich in der kleinlichsten und gehässigsten Weise unter dem Vorwand der Parteiinteressen die persönliche Unbeliebtheit gegenüber dem Gen. H. [Holtzhauer] entladen. Ein Schanddokument der Parteiintrige.

Nacht teilweise schlaflos. Schwer erschöpft. Wie lange wird das noch gehen?

3. März 1958

Montag

Post erledigt.

Prüfer: weitere Grundstücksankäufe für die künftige Erweiterung. Finanzierung der Vulpius-Leihgabe85.

[Marta] Poschmann: Über den Stand der Arbeiten an der Geschichte der Goethe-Institute: Durcharbeitung d. Akten. Methode des Exzerpierens und der Materialsammlung. Fallen gelassen zunächst die Arbeit am Aktenplan.

Krause: Personalfragen W. Korn, Berlin.

Neugestaltung GNM - Maquette Raum 1.

1900 Zirkel junger Sozialisten86. (Was sind Klassen?) Vorgelesen aus „Die dritte Front“87. Briefe geschrieben.

4. März 1958

Dienstag

1000 Böhm: ausführliche Beratung des Entwurfs: Ziele und Grundsätze der BDK. Beratung über den Fortgang der Arbeit, vor allem die Lessing-Ausgabe88 betreffend.

1200 Eingangspost.

GNM-Neugestaltung: Katalog-Ms. zu Raum 1 bis 2300

6. März 1958

Donnerstag

Fahrt nach Leipzig. Messe. Ausstellungsgelände, Hansa-Haus.

1500 Rudolf Fischer, Eva, Gretel u. Karl Kayser.

1830 Ernst Eichler

Rückfahrt.

Unterhaltung wenig erfreulich. Alles schlägt sich mit persönlichen Schwierigkeiten und Intrigen oder Unzulänglichkeiten herum. Wer ist glücklich, eine Aufgabe meistern zu können, ohne Neid, Mittelmäßigkeit und Unkenntnis wie unüberwindliche Mauern vor sich zu haben?

7. März 1958

Freitag

900 Diktate, Post

1000 Krause. Forschungsauftrag „Schillers Pathos“.

1100 Henning. Parteileitung. Geschäftsordnung Fotothek. Heine-Bibliographie89.

1200 Quanz. Unbedeutende Schiller-Relikte.

1500 Vorgänge aus dem Haus.

1600 - 1830 Dr. Jericke und Frau. Großer Goethe-Haus-Führer90. Verschiedene Arbeitsaufgaben. Ersatz Danz.

2000 - 2300 Dr. Hahn u. Frau. Nietzsche-Archiv. Liszt-Archiv. Arbeit Dr. Stolpe. Archivsituation.

Gen. Zaisser im Alter von 65 Jahren gestorben.

8. März 1958

Sonnabend

800 Feierstunde Frauentag91

1000 Dr. Femmel: Katalog zur Ausstellung Zeichnungen des jungen Goethe. Reise nach Italien. Verzeichnung der Bestände92.

1100 Prof. R. Fischer, Arnstadt. Arbeitsplan u. Arbeitsweise. Personalfragen.

9. März 1958

Sonntag

Bericht der Leitung der BPO durchgearbeitet und mit Anmerkungen versehen.

10. März 1958

Montag

Fieber. Schüttelfrost.

Post erledigt. Nicht arbeitsfähig.

1600 Beratung mit Parteigruppenorganisatoren u. Parteileitung über den Jahresbericht. Bis nachts 3 Uhr. Völlig erschöpft, vor allem, da alle eingehende u. logische Argumentation am Nichtwollen, an der vorgefassten Meinung der Mehrheit scheitert.

Hat es noch Sinn, auf diesem Niveau und mit dieser ekelhaft-spießigen Zielsetzung der Kameraderie um den Preis einer guten Arbeitsleistung zu arbeiten. Sisyphosarbeit. Triumph der Mittelmäßigkeit. Oder muss man eben von dieser Tatsache ausgehen und ihr Rechnung tragen, um auch da zu führen?

11. März 1958

Dienstag

Fahrt nach Berlin muß ausfallen. Fieber. Schlapp.

Falladas „Blechnapf“93 zu Ende gelesen. Ein scheußliches Buch mit seinem Fatalismus und seiner Einführung in die Halb- und Unterwelt.

Briefe geschrieben.

Ins Bett.

12. März 1958

Mittwoch

Fieber, Bett.

1400 Rudolf Fischer, Eva Fleischer. Unterhaltung infolge der Sorgen u. des Ärgers der beiden ein bisschen pessimistisch, sonst aber sehr wohltuend.

2200 Nach dem Konzert R. F. [Rudolf Fischer] u. E. F. [Eva Fleischer], aufgeräumt und fröhlich.

13. März 1958

Donnerstag

Fieber. Im Bett. Post erledigt.

E.T.A. Hoffmann, Kater Murr94 gelesen.

An Neugestaltung GNM, Katalog, gearbeitet.

„Ansprache zur Jugendweihe“95 begonnen.

14. März 1958

Freitag

Den ganzen Tag im Bett.

Institutspost erledigt.

1600 Lotte Fürnberg. Manuskript „Vierblättriger Klee“96

1730 Klingenberg. Über Redaktionssitzung u. Personalfragen.

E.T.A. Hoffmann, Kater Murr gelesen.

15. März 1958

Sonnabend

Fieberfrei. Post erledigt.

1100 Dr. Rudloff-Hille und Rakebrand. Galerieprobleme. R.-H. möchte ein DDR-Inventar der Kunstwerke durch einen Musterband Dresden eröffnen.

Stellungnahme zum Bericht der BPO-Ltg. niedergeschrieben.

Sonja [Matthäus]

Wieder ziemlich matt.

1700 Alfred Kurella und Sonja Matthäus. Angeregte Unterhaltung mit K. über Erziehungsfragen und das Problem Masse: Kunst.

2200 Radiomusik.

17. März 1958

Montag

800 Diktate

Böhm: Zur BDK

Klingenberg: Bericht über Neubearbeitung des Berichts der BPO. Beratung vom [zum] Sonnabend (Regierungsbesuch).

Post erledigt.

1500 Manuskript zum Katalog Raum 1

2000 Kayser

22. März 1958

Sonnabend

900 Post, Diktate

1100 Eintreffen der ungar. Delegation. Zusammensein bis 1400. Liszt-Haus. Führung. Konzert Hinze-Reinhold. Gruft.

1800 Emilia Galotti. Guter, nicht besonderer Hellberg-Film. Einige Fehlbesetzungen (Prinz, Appiani, Galotti).

2100 Ansprache zur Jugendweihe entworfen.

23. März 1958

Sonntag

Fahrt nach Berlin vorbereitet.

1400 Nach Berlin. Artikel Dahlke über Emilia Galotti gelesen97. Professoraler Quark, der neben dem schöpferischen Werk steht, ohne es zu begreifen.

1800 Dita [Edith Nell-Schellenberger]

1900 Hotel

2000 Uhse. Über Thomas Manns Artikel zum 1. Weltkrieg (Drittes Reich)98.

2200 Kurt Kühn. Ein getreuer Haudegen.

24. März 1958

Montag

900 Bodo Uhse. Dichterlesung in Weimar.

1000 Abusch. Verhältnis Ministerium - NFG zu klären gesucht.

1100 Beratung Goethe-Gesellschaft. Starke sektiererische Auffassungen (Lewin, Bergmann, Scholz).

1600 Mit Schulmeister u. Wachsmuth über neuen Vorstand der Goethe-Gesellschaft beraten.

1800 Johanna Rudolph. Vergebliches Gespräch über BDK.

1900 Magritz. Linolschnitte u. Zeichnungen99.

Das Ausführen, vor allem wenig angenehmer Aufgaben, soll den anderen überlassen werden. Brief Abuschs und konstantes Ausweichen J.R.’s [Johanna Rudolph] vor der Frage, warum sie nicht Stier zu sich bestellen. Eine Erscheinung, die sich bei vielen ihrer Freunde wiederholt.

25. März 1958

Dienstag

800 Von Berlin weggefahren

1000 Groß-Glienicke [Frieder Schlotterbeck] bis 1300

1600 in Weimar. Uhse, Söldner u. Soldat100 gelesen.

2000 am Manuskript GNM, Raum 1 gearbeitet.

26. März 1958

Mittwoch

800 Post, Diktate

830 Dr. Rogge, der einen Auftrag haben möchte.

900 Pilling, spricht von seinem Promotionsthema101

1000 Kollektiv GNM: Raum 1 u. 14 (erste Verarbeitung des Revolutionserlebnisses durch Goethe) bis 1200

1430 Post erledigt

1600 Demonstration u. Kundgebung102

Manchmal hat man den Eindruck, daß für wirkliche, produktive Arbeit kein Verständnis besteht und daß ein negatives Auswahlprinzip (Charakterschwäche und Unfähigkeit) besteht.

27. März 1958

Donnerstag

800 Dornburg. Mit Leepin über die Notwendigkeit, material- und gewerksmäßig größte Sorgfalt auf die Instandsetzung des Schlosses zu richten, gesprochen. Provisorische Abschalung des Nebenraums der unteren Halle. Gestaltung des provisorischen Imbissraums.

1100 Burg Kapellendorf.

1200 Post, Diktate

1500 Ansprache Jugendweihe. Briefe.

Gestaltung GNM. Korrektur des Jahresberichts.

2000 Lotte Fürnberg u. ihre Schweizer Gäste.

10. April 1958

Mittwoch

800 Fahrt nach Leipzig. Erste Exkursion mit Mitarbeitern des Instituts (GNM-Kollektiv für Neugestaltung des GNM).

Völkerkundemuseum. Gute, nicht überwältigende museologische Arbeit. Wie fast alle Museen ausschließlich rückwärts gewandt.

Länderkundemuseum.

Museum für Kunsthandwerk

Stadtgeschichtliches Museum.

1930 Kammerspiele: Laternenfest

Beisammensein

2300 Rudolf Fischer/Kayser

11. April 1958

Donnerstag

900 Museum der bildenden Künste

Graphiksammlung. Archiv der Universität

Lisbeth [Elisabeth Hartmann] aufgesucht.

Bei Eichler

Franz-Mehring-Buchhandlung

1700 Rückfahrt

Materialsammlung erfolgreich. Persönliches Verhältnis gut.

11. April 1958

Freitag [Donnerstag]

Ein Baum mag noch so hoch in die Lüfte ragen und noch so stark den Stürmen trotzen, die Würmer, die an seinem Stamme nagen, bezwingen ihn am Ende doch.

2000 Mit Thalheim, Klingenberg u. Streller die Programmatische Erklärung der Zeitschrift103 beraten.

Erörterung von Fragen der Didaktik u. der großen u. kleinen Form.

Thalheim gliedert das Drama nach dem Ideengehalt: historisches, politisches u. Ideendrama.

12. April 1958

Sonnabend

800 mit Kiese und Böhm den Produktionsplan 1959 der „BDK“ und des Arion-Verlags beraten.

900 Stier erklärt sich bereit, die Geschäftsführung des Verwaltungsausschuß niederzulegen und die Unterlagen an die NFG zu übergeben. Es stellt sich heraus, daß die uns seinerzeit übergebene Abschrift des Verlagsvertrags schwere Abschreibfehler enthält.

1000 Redaktionssitzung der „WB“. Korrektur des Entwurfs für eine programmatische Erklärung. Vorbereitung auf die nächste Redaktionssitzung u. die Autorenkonferenz am 1.6.1958. Bis 1300

2000 Kriegk, Brüder Senckenberg104 gelesen.

Fall Agricola

Senckenbergs Einschätzung Textors.

13. April 1958

Sonntag

1000 Ansprache zur Jugendweihe

1400 Sowjet. Veteranendelegation.

1530 Dr. Mehnert, Berlin. Er orientiert sich über die wichtigsten Vorgänge an der Universität Leipzig 1945/1946105. Verwiesen an wiss. Archiv der Universität: Dr. Drucker u. an Verwaltungsarchiv Gen. Lindner.

1900 „Urfaust“ im Nationaltheater mit Renate, anschließend mit Kayser, Gottschalk, Köhler usw. zusammen.

2000 bulgarische Delegation von Widerstandskämpfern.

14. April 1958

Montag

900 Bezirksleitungssitzung106

Berichte der Kreisleitungen Gotha und Nordhausen.

Mit Gen. Dose über den stellvertr. Direktor der NFG be[ge]sprochen. In Frage kommen z.Zt.: Dr. Hossinger, Dr. Schmidt (Päd. Inst. Erfurt), Piana.

16. April 1958

Mittwoch

800 Post, Diktate

900 Klingenberg, Bericht Kreisleitung

930 Prüfer, Verwaltungsfragen

1000 GNM-Neugestaltung. Raum 15, Raum 9. Problem des Realismus

1300 Frau Phillipsborn. Brunnenfigur für Dornburg

1400 Parteigruppe: Goethe-Gesellschaft

Schreckliche Unsicherheit J.R.’s [Johanna Rudolph]. Abenteuerlich und undurchdacht. 1800 Kaufmann: Über die Heine-Ausgabe bis 2000107

2100 Zeitungen, Zeitschriften

17. April 1958

Donnerstag

800 Häckel, Bln. Über eine Information Kurellas, Weimarer Institute betreffend. Häckel möchte eine Dokumentensammlung Miskiewicz unterbringen.

900 - 1200 Paul Reimann, Prag. Über die Weiterführung der Literatur-Diskussion.

1200 - 1330 Prof. Schreinert, Göttingen.

1330 - 1500 Lewin, Berlin. Über zentrale Weimar-Probleme. Schiller-Ausgabe108, Heine-Ausgabe, Nietzsche-Archiv, Liszt-Ausgabe109, Westdtld.-Politik, Stellung des Instituts, in ideologische Offensive der Partei

1500 Rücker, Böhm. Hauptfragen der Lessing-Ausgabe110.

1630 Post, Diktate

1700 Balser, Heidelberg. Lessing-Ausgabe.

1800 - 2200 Reimann, Prag. Österreichische Literatur. Volksausgaben.

18. April 1958

Freitag

800 Büro d. Kreisleitung [,] Vorbereitung der Kreisdelegiertenkonferenz

Prof. Meyer, Amsterdam, Drechsler [Drexler], Ziehn, Henning, Rücksprachen

800 Post, Diktate

830 Stephan. Fotothek

930 Bürositzung, Bericht an das Büro.

„Es gibt Genossen, die arbeiten (produktiv arbeiten) und Genossen, die über Arbeit reden (auch eine Arbeit). Die ersteren sind schlechte, die letzteren gute Genossen.“

(Aus einem Szenarium)

1000 Gartenhaus

1100 Neudietendorf - Herrnhuter Anlage. Molsdorf. Schloß Gottern

1700 Post, Diktate

1800 Zeitschrift f. Philosophie

1900 Balser u. Frau

19. April 1957 [1958]

Sonnabend

Bezirksleitungssitzung d. FDJ

21. April 1958

Montag

800 Hochschuldelegiertenkonferenz Architektur

900 Kulturkommission der BL bis 1700

Berlin DAK. Ausgabe der Werke Fürnbergs

22. April 1958

Dienstag

900 Post, Diktate

1000 Beratung über die wiss. Aufgaben des Instituts. Populärwiss. Vorträge, Lehrerkonferenzen

Arb.-Gr. Literaturgeschichte, Normierung der Forschung

1500 Exzerpte (Weber, Religionssoziologie111) bis 1830

2100 - 2300 Weber, Religionssoziologie (Pietismus)

23. April 1958

Mittwoch

800 Post, Diktate

900 Dr. Čermák, Prag. Verlagsvorhaben.

930 Dr. Hahn, Seminar in Jena

1000 GNM-Neugestaltung

Klassischer Realismus

Verhältnis Goethe-Schiller

1300 Dr. Jericke, Einrichtung Gabelbach112

1430 Weber, Religionssoziologie

1630 Kreisleitung

1715 Klub: Schnorkomittee

Die Zersplitterung und das Unbefriedigende halb oder viertel gelöster Aufgaben wachsen ständig.

24. April 1958

Donnerstag

800 Post, Diktate

830 Schnuchel: Gewerkschaftsfragen

1000 Gramm: Telefongespräch wegen Bericht KL an Delegiertenkonferenz 1000 Dornburg, Besprechung wegen Putz u. Aufbau

1315 Gramm: Westreise besprochen

1530 GNM, Neugestaltung Raum 2

1900 Arzt

2000 Archivverwaltung

Ein charakteristisches Merkmal der „radikalen“ Literatur- u. Staatsfunktionäre ist, daß sie selten um der Sache, sondern stets um die persönliche Placierung streiten. So ließen sie in der Beratung um die Goethe-Gesellschaft den Gedanken an die Redaktion des Jahrbuchs fallen.

1. Mai 1958

Donnerstag

730 Betriebsfeier

900 Demonstration113

1600 Beisammensein im Klub (Kaffeeklatsch)

1800 Mit Martin ins Ilmtal gefahren.

2000 Buchwald, Deutsches Schicksal114 gelesen

2. Mai 1958

Freitag

800 Post, Diktate

930 Eisele, Goethe-Gesellschaft

1000 Kahler, Leipzig, wegen Vortrags- u. Führungswesen

1130 Vorlagen aus dem Hause bearbeitet

1500 Zahnarzt

1700 Gartenarbeit

Briefe an Buchwald, Lübbecke

3. Mai 1958

Sonnabend

800 Kreisdelegiertenkonferenz115

Die Fähigkeit zu verallgemeinern fehlt, weil die Selbständigkeit des Urteils u. Handelns fehlt. Oberflächliche Einschätzungen. Keine Erkenntnis der Ursachen und keine Schlussfolgerungen.

Moderne Quelle des Opportunismus: das Eindringen kleinbürgerlicher Elemente und Ideen in die Partei. bis 1900

Dita zu Besuch. Abgespannt, starke Kopfschmerzen.

4. Mai 1958

Sonntag

1100 Jugendweihe116 in Gotha.

Eine geschickte und auf Wirkung beruhende Veranstaltung.

1500 Fortsetzung der Delegiertenkonferenz.

Versagen von Krauß. Organisatorische u. politische Hilflosigkeit der Leitung. Die Konferenz wählt Krauß wegen seines anmaßenden, aggressiven und provozierenden Verhaltens aus der Leitung heraus. Korrektur der Wahl nach Kritik an Krauß u. Begründung. bis 2200

Wir leben wie Maulwürfe, blind gegen das Sonnenlicht, blind gegen das Leben der Menschen, von denen wir nicht wissen, was sie tun und denken, weil wir von ihnen abgekapselt sind.

5. Mai 1958

Montag

800 Post, Diktate

900 Prüfer: Ankauf der Leihgaben Vulpius.

1000 Böhm: Beratung über eingereichte Manuskripte (Mommsen117, Kraft118, Bräuning-Oktavio119)

1200 Femmel: Höher-Einstufung der wiss. Hilfskraft

1500 Leitungssitzung. Goethe-Gesellschaft, Urlaubsfragen, Pensionierung von überalterten Mitarbeitern.

1800 Zahnarzt

Briefe

6. Mai 1958

Dienstag

800 Post

900 verschiedene Besprechungen

Welcher Zustand herrscht in der Partei. Der Karrierismus, bis zum offenen Betrug, treibt tolle Blüten. Sehe ich diese Zustände aus einer zu kurzen Entfernung, sozusagen aus der Froschperspektive? Fast alle Fragen werden vom Standpunkt „wie ergeht es mir“ gelöst oder verschleppt.

1900 Kleiner Spaziergang mit Renate und Martin

2000 H. Mayer, Spinozas Wirkung120 gelesen (amerikan. Neopositivismus). Erschöpft, zeitig schlafen gegangen.

2315 Anruf Fischer: Karl Krause gestorben.

F. hat deprimierende Erfahrungen auf der England-Tournee des Gewandhauses gesammelt.

7. Mai 1958

Mittwoch

730 Zahnarzt

im Garten gesät, Blumenbeete zurecht gemacht.

1100 Zahnarzt, Behandlung fortgesetzt

1130 Post erledigt

1300 Erfurt, Beratung der Kulturkommission Jugendweihe

Kinder von Republikflüchtigen auf Oberschule

Realismus-Diskussion

Viele Fragen angerissen, keine zu Ende gedacht

bis 1800 anschließend mit Dose Kleinigkeiten besprochen

2000 Weimar

Marx/Engels, Einleitung zur dt. Ideologie121 gelesen.

Neue Zeit122, über Opportunismus gelesen

8. Mai 1958

Donnerstag

Feiertag123

Ein Jahrhundert dt. Literaturkritik (Xenien)124 angelesen

1030 Fahrt nach Kranichfeld, Stiefelburg. Verregnet. Schwüle, mich sehr erschöpfende Atmosphäre.

1700 Briefe an Lübbecke u. Buchwald

1900 Ballusek „Dichter im Dienst“125 und „Deutsche über Deutschland“126 gelesen.

Zu unbedeutend, um als Einleitung zum Prospekt über die BDK zu dienen.

An der programmatischen Erklärung (Prospekt) für die BDK gearbeitet bis 2200

9. Mai 1958

800 Fahrt nach Leipzig mit Renate u. Martin. Bummel durch die Stadt. Eichler

1400 Beisetzungsfeier Karl Krause

1600 Zoo

1800 Eichler. Wichtige Belegstellen für polytechnische Erziehung bei Marx u. Engels127.

2000 Fischer u. Goldhammer (Gewandhaus in England)

2200 Rückfahrt nach Leipzig [Weimar]

11. Mai 1958

Sonntag

Zeitschriften u. Zeitungen

Prawda-Artikel über den Parteitag Jugoslawiens

1500 Stadelmann/Fischer: Bildungswelt dt. Handwerker um 1800128, ein Versuch, Marx wieder auf den Kopf zu stellen. Z.B. „die Aufklärung ist eine riesige Bildungsbewegung, die über die Menschen kommt und sie auf ihrem Wellenrücken eine Zeitlang trägt ...“ (S. 12)

Herrliche Frühlingstage, warm, sonnig, später Regen.

Renate ist furchtbar nervös. Fortgesetztes Tadeln der Kinder.

12. Mai 1958

Montag

800 Fahrt nach Marburg mit Dr. Hahn

1200 Gang durch die Stadt

1500 Vorbesichtigung der Auktionsgegenstände

1930 Beisammensein mit Mecklenburg und anderen Interessenten

13. Mai 1958

Dienstag

Auktion Stargard129 1000 - 1800

2000 Empfang bei Stargard

14. Mai 1958

Mittwoch

900 nach Frankfurt gefahren

1000 Städelsches Kunstinstitut, Holzinger nicht anwesend

1200 Prof. Beutler Goethe-Museum

1800 Bad Homburg mit Lübbeckes.

Bd. I Claudius Werke130

15. Mai 1958

Donnerstag

1000 Abfahrt von Bad Homburg. Mit Dr. Hahn im Kranzler131 getroffen. 1200 Abfahrt von Frankfurt

1600 Ankunft in Weimar

Spaziergang mit Renate

Zeitungen, Zeitschriften

Versuch eines faschistischen Putschs in Frankreich

Sputnik III gestartet (1327 kg)

16. Mai 1958

Freitag

Post, Diktate. Verschiedene Besprechungen

1100 Huppert, Wien, Unterhaltung bis 1300

1500 Arbeitsbesprechungen

2000 Majakowskiabend mit Dirrmoser u. Hugo Huppert.

Spärlicher Besuch

Anschließend Beisammensein bis 2400

17. Mai 1958

Sonnabend

800 Post, Dienstbesprechungen, sehr gehetzt u. nervös

1300 nach Leipzig, bis 1800 zurück

2000 Zeitschriften gelesen

18. Mai 1958

Sonntag

1000 Jugendweihe in Gotha, anschließend mit Renate u. Martin in Schloß Friedenstein.

1500 Dr. Huppert, Wien, u. Lotte F. [Fürnberg]

2000 Stalin, Über Revisionismus132 gelesen

Problem des Rechtsopportunismus im Bezirk

19. Mai 1958

Montag

800 Erfurt. Bezirksleitungssitzung bis 2400

Umbildung des Büros aufgrund rechtsopportunistischer Fehler. Das Niveau ist sehr niedrig. Die Diskussion ist lustlos. Außer den Kritisierten spricht kein verantwortlicher Genosse. Theoretische Verallgemeinerungen und Schlussfolgerungen draus fehlen völlig. SPD-Flugblatt beschäftigt sich mit dem wieder ans Licht gezogenen „Stalinisten“ Holtzhauer (im Westteil des Bezirks abgeworfen)133.

20. Mai 1958

Dienstag

Der erste wirklich warme u. sonnige Tag. Leider wird er wieder im Zimmer verbracht, dazu müde vom vorhergehenden Tag.

25. Mai 1956

Pfingsten

Im Garten beschäftigt.

Rudolf und Eva Fischer kommen. Fahrt nach den Drei Gleichen, danach nach Berka. Herrliche Sonnenwärme, schöne Landschaftsbilder.

26. Mai 1958

Montag

Pfingsten

Die Polizei führt mich „zur Feststellung der Personalien“ ab. Die formalistische Rechthaberei ist unbeschreiblich.

Mit Martin u. Renate nach Bad Berka. Martin u. Karlchen spielen. Wir wandern. Buchfahrt, Felsenburg, Blankenhain, Großkochberg, Rudolstadt, Bad Berka.

Die Lage in Frankreich ist stets Gesprächsthema.

2100 Thomas nach Jena gebracht.

27. Mai 1958

Dienstag

800 Post, Diktate

930 Dr. Jericke, über die Möglichkeit, die Schiller- u. d. Theaterarbeit von Buchwald134 weiterzuführen.

1030 Klingenberg/Böhm Stand und Aufgaben der BDK, Vorbereitung der Schlusssitzung des Beirats

1200 Danz Erneuerung des Einzelvertrags

1500 Meyer-Hepner: Magistratsprozeß, Manuskript135

1600 Parteileitung: BDK, Arion-Vlg., W.B.

2000 Rede Chruschtschows u. Grotewohls zur Tagung der Warschauer Vertragsstaaten

In Frankreich steht der Faschismus vor der Tür. Der Krieg rückt immer näher.

Pressekonferenz vorbereitet.

28. Mai 1958

Mittwoch

700 Parteisitzung (Kreis)

800 Post, Diktate

28. Mai 1958

Mittwoch

Post, Diktate

Besprechungen

1500 Parteiorganisation, Gesetze über Lohnerhöhung u. Aufhebung des Kartensystems136

1600 Schiller-Nat.-Ausgabe, Vorgänge studiert

1730 - 1900 Belegschaftsversammlung, Gesetze d. Volkskammer

2000 Zeitungen, Nachrichten Frankreich

Konzept zum Eröffnungsvortrag

Mit Martin erste ernste Schwierigkeit, der Junge ist in einer Krise, Gegensatz Wollen u. Wirklichkeit, lässt in der Schule nach; schwindelt grob u. unlogisch

29. Mai 1958

Donnerstag

800 Konzept zur Eröffnungsansprache „Goethezeichnungen“ geschrieben.

900 Post, Diktate

900 Erfurt BL-Kulturkommission

1000 Beiratssitzung, Auflösung u. spätere (innerbetriebliche) Neukonstituierung unterbrochen durch

1100 Dr. Wachsmuth

1500 Parteigruppe Goethe-Gesellschaft

1700 Ausstellungseröffnung

„Ich bin jetzt ganz Zeichner ...“137 große Anteilnahme, allgemeine Zustimmung; Andruck vom 1. Corpus-Band138 vorgelegt

2000 Hotel Elephant, Beisammensein.