Weltschmerzmittel - Panti M. Baghbani - E-Book

Weltschmerzmittel E-Book

Panti M. Baghbani

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Beschreibung

Willkommen in meinem Mikrowellenpopcorn. Es ist ein bisschen verbrannt und zu viel für mich, mehr hat es mit der Welt allerdings nicht gemeinsam. Weltschmerz ist ein poetisches, aber auch diffuses Wort. Durch Social Media scrollen bereitet Weltschmerz; Nachrichten, Erwartungen, Rollen in der Gesellschaft, Sozialisation im Patriarchat, kapitalistische Leistungsansprüche; dass die Heidelbeeren aus Peru im Supermarkt günstiger sind als die aus Österreich. Manchmal helfen Bücher, Ausschlafen, Tattoos oder Selbstgespräche. Zumindest, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 30

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Jeder Inspo-Spruch ist cringy, wenn man lange genug über ihn nachdenkt.Mutters Wandtattoo

INHALT

Willkommen in meinem Mikrowellenpopcorn

Protokoll des Scheiterns

Therapiestunde

Marathon

Abwasch

Mindfuck

Herzgepopel

Weltschmerzmittel

Marmeladenglasmoment

Tinnitus

Verfickte Selbstverwirklichung

Das Herz schweigt

Uh no

Geständnisse auf Haftnotizen

Willkommen in meinem Mikrowellenpopcorn

Ja, hi, komm mit in meine Welt, nimm dir einen Stuhl oder setz dich besser gleich auf den Boden, ja, dort drüben geht, einfach da,wo Platz ist. Schmeiß deine Tasche ruhig irgendwohin. Ist sowieso ein bisschen chaotisch hier. Vorsicht, nicht über die Vollkommene Ehe stolpern – Bücher liegen hier überall herum. Sollte man mal wegpacken, also mit man meine ich mich, aber das klingt dann wieder so nach Zwang, also lassen wir das. Willkommen in meinem Leben, hieß so nicht ein Song von Sunrise Avenue oder doch Simple Plan? Passt beides nicht so gut. Irgendwo müssten hier noch CDs herumfliegen, zumindest gebrannte, vielleicht funktioniert die Stereoanlage noch, dann gibt es einen total passenden Soundtrack zu allem. So unfassbar relateable, wie dieser Song einfach mein ganz individuelles Lebensgefühl ausdrückt, so tiefgründig, so einfühlsam.

Jetzt können wir noch Mikrowellenpopcorn machen und Butter schmelzen, die man dann darüber kippen kann, weil der Fettgehalt von Mikrowellenpopcorn nie zufriedenstellend ist, also wirklich niemals. Und dann quatschen wir und mit wir meine ich schon wieder mich, was ich für ein krasses Leben führe, und mit krass meine ich total gewöhnlich, wobei ich hier alltägliche Sachen superromantisch verklären werde,umdas Bild eines sehr authentischen, ein bisschen leidensfähigen, aber eben immer noch lebensbejahenden Menschen zu zeichnen. Also genau so, dass es gerade die richtige Mischung aus sensibel, humorvoll und selbstbewusst ergibt. Ich könnte zum Beispiel bei meinem Beruf anfangen, weil alle Menschen immer bei ihren Berufen anfangen, um sich selbst darzustellen, so als wären ihre Berufe kleine Blackboxes, in die sie ihren Charakter stopfen, dass, wenn sie sich irgendwann plötzlich nicht mehr fühlen, sie sofort wissen, wo sie das Protokoll zu ihren Leben finden können:

Ja, ich wusste schon als kleines Kind, dass ich für Zahntechnik geboren wurde, es erfüllt mich mit so viel Stolz, in die Münder fremder Menschen zu blicken, meine große Leidenschaft sind übrigens Backenzähne; tatsächlich ist es unglaublich, mit wie vielen Menschen man als Angestellte im Einzelhandel in Kontakt kommt, doch wirklich, ich liebe die Kundengespräche, seit zwanzig Jahren verkaufe ich Schreibwarenartikel, es gibt keinen Füllfederhalter, den ich nicht schon selbst ausprobiert hätte; das Beste an meiner Arbeit ist es, die verklebten Tische zu reinigen, das hat etwas Meditatives,da spüre ich mich selbst am besten,und wofür schwärmst du so?

Ich wüsste noch mehr neoliberale Märchen, aber das Popcorn ist verbrannt und die CDs zerkratzt, also lassen wir das.

Willkommen in meiner Welt, dieser spätkapitalistischen Klimakatastrophe, in der wir eher an unsichtbare Hände als an Fußabdrücke glauben. Komm halt mit, ich weiß auch nicht, wohin, hoffentlich ist es schön.

„Wo liegt fucking Kaltenbach?“

Protokoll des Scheiterns