Wenn Glaube verboten ist - Todd Nettleton - E-Book

Wenn Glaube verboten ist E-Book

Todd Nettleton

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Beschreibung

Der US-Amerikanische Autor und Radiomoderator Todd Nettleton nimmt uns mit auf eine Reise zu Christen, die wegen ihres Glaubens unterdrückt und verfolgt werden. Auf den 40 Stationen dieser Reise begegnet er beeindruckenden Menschen, die trotz Unterdrückung und Verfolgung am christlichen Glauben festhalten. Aus diesen Begegnungen entstehen biblische Impulse, die einladen, den eigenen Glauben ganz neu zu reflektieren. Biblische Wahrheiten aus der Perspektive von Menschen, die wegen ihres Glaubens Leid und Verfolgung auf sich nehmen. Jeder Halt auf dieser 40-tägigen Reise enthält Inspiration und Ermutigung durch die Geschichte eines verfolgten Christen. Das Buch bietet Raum zur eigenen Reflexion und gibt Anregungen zum Gebet. Ein herausforderndes Andachtsbuch, das völlig neue Perspektiven bietet.

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Seitenzahl: 294

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Todd Nettleton

WENN GLAUBE VERBOTEN IST

40 Tage unterwegs mit verfolgten Christen

Übersetzt von Dr. Friedemann Lux

This book was first published in the United States by Moody Publishers, 820 N.

LaSalle Blvd., Chicago, IL 60610 with the title „When Faith Is Forbidden – 40 Days on the Frontlines with persecuted Christians“ copyright ©2021 by Todd Nettleton & Voice of the Martyrs. Translated by permission. All rights reserved.

Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel:

„When Faith Is Forbidden – 40 Days on the Frontlines with persecuted Christians“ Todd Nettleton / The Voice oft he Martyrs © Todd Nettleton & Voice of the Martyrs 2021

Obwohl alle Ereignisse in diesem Bericht den Tatsachen entsprechen, wurden einige Namen und identifizierende Details zum Schutz der betroffenen Personen geändert.

Die Bibelzitate der deutschen Ausgabe wurden entnommen:

NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten

LÜ: Lutherbibel revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

NLB: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen Hfa – Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®.

Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel.

O. Chambers, Mein Äußerstes für sein Höchstes, Neuhausen: Hänssler, 1998, S. 338 f.

© 2023 der deutschen Ausgabe: Brunnen Verlag GmbH

www.brunnen-verlag.de

Lektorat: Stefan Loß

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul

Umschlagfotos: Adobe Stock

Fotos Innenteil: privat

ISBN Buch: 978-3-7655-3630-4

ISBN E-Book: 978-3-7655-7681-2

Für Charlotte.

Jede der Geschichten auf diesen Seiten,

jede Reise nach Bangalore, Peking oder Baku

bedeutete für dich Tage als alleinerziehende Mutter,

Nächte, in denen du alleine im Bett lagst.

Und doch hast du mich immer wieder ziehen lassen,

mich betend in Gottes Hand gelegt.

Ich habe deine Opfer gesehen.

Unser himmlischer Vater hat sie auch gesehen.

Die Geschichten in diesem Buch sind die Frucht unseres Dienstes –

denn du warst auf Schritt und Tritt

als meine vollwertige Partnerin mit dabei.

Für alle,

die bereit sind, für Christus zu leben,

egal, was es kostet:

Ich hoffe, lieber Leser,

dass auch Sie dazugehören wollen.

Christus ist es wahrlich wert!

INHALT

Vorwort der deutschen Ausgabe

Tag der Abreise: Checkliste vor dem Flug

1. Tag: Außer unserer Kontrolle

2. Tag: „Früher habe ich ihn geschlagen“

3. Tag: „Wir haben alles, was wir brauchen“

4. Tag: „Ich bin ein lausiger Schwimmer“

5. Tag: „Das ist ja beides nichts Schlimmes!“

6. Tag: „Diese Hoffnung gibt mir immer wieder Kraft“

7. Tag: Von einem, der der Beste sein wollte – Teil 1

8. Tag: Von einem, der der Beste sein wollte – Teil 2

9. Tag: Verfolgung ist die Regel, nicht die Ausnahme

10. Tag: „Wir hatten lange gebetet …“

11. Tag: Angst in Eritrea

12. Tag: „Wenn Gott uns gebrauchen kann“

13. Tag: Heilige Gewohnheiten

14. Tag: Kugellöcher im Mantel

15. Tag: Ein Grabstein als Zeugnis

16. Tag: „Es war eine wunderbare Zeit“

17. Tag: „Er liebt Gott jetzt noch mehr“

18. Tag: Sag Ja zu Gottes Plänen

19. Tag: Die Gefängnisbibel

20. Tag: „Wir alle wissen es“

21. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 1

22. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 2

23. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 3

24. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 4

25. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 5

26. Tag: „Wenn die ganze Welt an Jesus glauben würde“

27. Tag: Eine Trauerpredigt

28. Tag: „Nehmen sie das als Toilettenpapier“

29. Tag: „Niemand wird das Evangelium stoppen!“

30. Tag: „In den Fuß-stapfen der Apostel“

31. Tag: „Ich will euch Ruhe schenken“

32. Tag: Können Sie beweisen, dass Sie Christen sind?

33. Tag: „Selbst der Koran sagt, dass Jesus wiederkommt“

34. Tag: Gefolterte Hände – Teil 1

35. Tag: Gefolterte Hände – Teil 2

36. Tag: Eine Predigt in Laos

37. Tag: „Wir vermissen ihn so sehr“

38. Tag: Von einem, der auf dem Friedhof schlief

39. Tag: Gebet für ihren Peiniger

40. Tag: Ein Erbe hinterlassen

Danksagungen

VORWORT DER DEUTSCHEN AUSGABE

„Durch meine Gefangenschaft haben die meisten Christen neuen Mut gewonnen.“ Paulus (Philipper 1,14).

„Wenn Glaube verboten ist“ nimmt den Leser mit auf eine 40-tägige Reise zu radikaler Nachfolge. Das Buch stellt jeden Tag Erlebnisse verfolgter Christen vor, verbunden mit Fragen, die den eigenen Glauben herausfordern. Es sind Fragen zum Nachdenken. Eigene Erkenntnisse können am Ende jedes Kapitels notiert werden. So wird das Buch zu einem kleinen Jüngerschaftskurs.

Der Autor, Todd Nettleton, ist Mitarbeiter der „Stimme der Märtyrer“ („Voice of the Martyrs“, kurz: VOM) in den USA, einer Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt. Als Christen bilden wir zusammen mit unseren bedrängten Mitchristen den einen Leib Jesu auf dieser Welt und können uns von daher nicht der Verantwortung entziehen, den leidenden Gliedern an diesem Leib beizustehen und für sie zu beten. Die Beziehungen zur verfolgten Gemeinde Jesu sind aber keine Einbahnstraße. Todd Nettleton macht sich zur „Stimme der Märtyrer“ und gibt so den geistlichen Segen weiter, den er durch Begegnungen mit ihnen empfangen hat.

Was Todd Nettleton da zu Papier bringt, liegt auch uns als „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ am Herzen: Christen im Westen sollen durch das Zeugnis der verfolgten Gemeinde zu mutiger Jesusnachfolge herausgefordert werden. Bei meinen Reisen zu verfolgten Christen durfte ich immer wieder erfahren: Eigentlich war ich gekommen, um die bedrängten Christen zu stärken und zu ermutigen; aber dann wurde ich selbst durch sie gestärkt und durch ihre geistliche Hingabe an Jesus neu herausgefordert. Der Mut dieser Christen, die trotz schlimmster Widerstände an Jesus festhalten und noch im Leiden eine Glaubensfreude haben, die ansteckend wirkt, bewegt mich immer wieder.

Diese Begegnungen haben mich gestärkt und oft auch beschämt: Wie leicht ziehen wir als Christen im Westen uns zurück, wenn die Gesellschaft, in der wir leben, das Wort Gottes nicht hören will. Wie schnell werden aus Sorge vor unangenehmen Konsequenzen Kompromisse geschlossen, obwohl uns noch keine Gefängnisstrafen und auch keine Schläge drohen. Wie schüchtern sind wir oft in unserem öffentlichen Zeugnis für Jesus, obwohl wir alle Freiheit hätten, viele Menschen auf ihn anzusprechen. Ja, es ist geradezu so, dass wir bei aller äußeren Freiheit doch allzu oft in einer inneren Unfreiheit und Scheu gefangen zu sein scheinen, wenn es um Jesus geht. Im paradoxen Gegensatz dazu hat die bedrängte Gemeinde trotz aller äußeren Unfreiheit oft einen großen inneren Freimut, Jesus zu bekennen – koste es, was es wolle. Das möchte ich von ihr lernen! „Wenn Glaube verboten ist“ macht Mut dazu.

Auch Ihnen eine gesegnete Lektüre.

Pastor Manfred Müller

Missionsleiter

Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. (HMK)

TAG DER ABREISE:

CHECKLISTE VOR DEM FLUG

„Sie alle, von denen wir jetzt gesprochen haben, haben Gott bis zu ihrem Tod vertraut, obwohl das, was er ihnen zugesagt hatte, dann noch nicht eingetroffen war. Sie erblickten es nur aus der Ferne, aber sie sahen der Erfüllung voll Freude entgegen; denn sie waren auf dieser Erde nur Gäste und Fremde und sprachen das auch offen aus. Wenn sich aber jemand als Fremder und als Gast bezeichnet, gibt er damit zu verstehen, dass er nach einer Heimat Ausschau hält. Hätten unsere Vorväter dabei an das Land gedacht, aus dem sie gekommen waren, so hätten sie ja genügend Zeit gehabt, dorthin zurückzukehren. Nein, sie sehnten sich nach etwas Besserem, nach einer Heimat im Himmel. Daher schämt sich Gott auch nicht, ihr Gott genannt zu werden; schließlich hat er im Himmel tatsächlich eine Stadt für sie erbaut.“

(Hebräer 11,13-16)

In 25 Minuten geht es los zum Flughafen. Ich hoffe, Sie sind bereit.

Hektik im Haus. Wie kriege ich meinen Koffer zu? Könnte ich das ein oder andere nicht doch zu Hause lassen? Ein erneuter Blick auf mein Smartphone: Wie wird das Wetter am Zielort werden? Die warme Jacke braucht viel Platz im Koffer; muss sie überhaupt mit? Brauche ich ein schönes Paar Schuhe für den Gottesdienst? Wird irgendjemand von mir erwarten, dass ich eine Krawatte trage?

Jedes Teil setzt eine neue Kosten-Nutzen-Analyse in Gang. Die Joggingschuhe wären nicht schlecht, falls das Hotel ein Fitnesscenter hat, aber auch sie nehmen wertvollen Platz weg. Wie gerne würde ich meine Arbeitsbibel mitnehmen, aber das Neue Testament für unterwegs ist viel kleiner und leichter – und bei Bedarf habe ich ja die ganze Bibel auf meinem Smartphone. Außerdem lasse ich immer gerne ein bisschen Luft im Koffer, denn ich bringe jedes Mal ein kleines Souvenir für meine Frau mit oder Geschenke für meine Söhne und für meine Schwiegertöchter.

Als Missionarssohn bin ich in einer Familie aufgewachsen, die viel reiste. Die Grundregel für das Gepäck war einfach: Was du nicht tragen kannst, musst du dalassen. Dies brachte manchen Stresstest mit sich, zum Beispiel, als wir Bestecke für zwölf Personen mit nach Papua-Neuguinea nahmen – im Bordgepäck! Ich versuche heute noch, mich an diese Regel zu halten: ein mittelgroßer Koffer zum Aufgeben und eine Handgepäcktasche mit meiner Kamera, Kopfhörer, E-Book-Reader, diversen Kabeln und Netzteilen und, wenn möglich, etwas Proviant und einem Extrahemd. Denn niemand garantiert mir, dass mein Koffer zur gleichen Zeit ankommt wie ich.

In zehn Minuten kommt das Taxi. Kannst du eben mal fest auf meinen Koffer drücken, damit ich den Reißverschluss zukriege?

Als ich noch ein Grünschnabel bei „Voice of the Martyrs“ (VOM – „Hilfsaktion Märtyrerkirche“) war, hatte ich altmodische Vorstellungen von Besuchen bei verfolgten Christen. Auf unserer ersten VOM-Reise nach China wollten wir uns mit einem Pastor treffen, der in den letzten drei Monaten immer wieder verhaftet wurde. Er leitete eine große nicht registrierte Gemeinde, die sich dienstags zum Gottesdienst traf. Pünktlich jeden Dienstagmorgen kam die Polizei, um ihn im Namen der Religionsbehörde zu verhaften, damit er nicht predigen konnte. Er blieb den ganzen Tag in Polizeigewahrsam (manchmal auch noch die Nacht), dann ließ man ihn wieder frei. Alles nur, damit er seine wachsende Gemeinde nicht leiten konnte.

Als wir auf dem Weg zu ihm waren, hatte ich das Bild eines armen, gebeutelten Pastors vor Augen. Ich dachte, dass es wohl ein großer Segen für ihn sein würde, wenn Ausländer kommen, um ihn aufmuntern. Denn zweifellos würde er tief entmutigt sein. Meine Vorstellungen hätten kaum weiter von der Realität entfernt sein können.

Als wir seine Wohnung betraten, strahlte er über das ganze Gesicht. Er freute sich unbändig, dass in seinem Viertel so viele Menschen zu Jesus Christus fanden und seine Gemeinde wuchs und wuchs. Wenn der Preis für seinen erfolgreichen Dienst ein paar Besuche von der Polizei und ein paar Nächte im Knast waren, was sollte es? Das war es ihm wert, wenn er erleben durfte, wie Menschenleben verwandelt wurden und das Reich Christi wuchs.

Ich weiß noch gut, wie er uns die Tasche zeigte, die er immer mit in die Kirche nahm und in der eine warme Decke und Wäsche zum Wechseln waren. Es war seine Gefängnisübernachtungstasche.

Ich schaute die Frau des Pastors an, während wir aus kleinen Tassen unseren Tee tranken. „Machen Sie sich keine Sorgen um ihn?“, fragte ich sie über unseren Übersetzer und zeigte auf ihren Mann.

„Warum sollte ich mir Sorgen machen?“, erwiderte sie. „Gott wird für ihn sorgen.“

Gott wird für ihn sorgen. Und für uns.

Seit diesem Besuch denke ich anders über meine Reisen. Verfolgte Christen schätzen es sehr, wenn andere Christen sie besuchen, aber sie brauchen mich nicht als den großen Tröster. Oft erwische ich mich dabei, dass ich bei meinen Besuchen denke: So eine Freude, wie du da auf den Gesichtern und in dem Leben dieser Menschen siehst, hättest du gerne auch. Ich besuche diese Menschen, um ihre Geschichten zu hören – als Lernender, der mehr erfahren will über ihren Glauben und über ihre Reise nach Hause, nach ihrer „Heimat im Himmel“. Und wenn ich dann wieder zu Hause bei meiner Familie bin, drängt es mich, die Geschichte ihres wahrlich erstaunlichen Glaubens weiterzuerzählen.

Guckst du mal eben nach draußen, ob das Taxi da ist?

Mit diesem Buch möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise. Vierzig Tage lang werden wir erleben, wie es ist, in Länder zu reisen, in denen es keine Religionsfreiheit gibt. Wir werden Menschen kennenlernen wie den tapferen chinesischen Pastor und seine Frau. Ich freue mich, dass Sie mitkommen, um die Geschichten einiger der Menschen zu hören, die ich in den letzten 23 Jahren kennengelernt habe.

Aber wenn Sie Christus nachfolgen, waren Sie natürlich schon auf einer Reise, bevor Sie dieses Buch öffneten. An mehreren Stellen – so in dem Abschnitt, mit dem wir heute begonnen haben – bezeichnet die Bibel die Menschen, die Christus nachfolgen, als Besucher, als Ausländer, als Menschen im Exil, ja als „Fremde“ auf dieser Erde. Wir sind hier nicht zu Hause, weil wir nicht von dieser Welt sind. Wir sind nur Durchreisende, unterwegs zu unserer eigentlichen Heimat: dem Himmel.

Wenn wir also gleich gemeinsam losziehen, um verfolgte Christen zu treffen, dann werden wir dabei hoffentlich auch manche Wahrheiten für unsere andere, wichtigere Reise lernen – unsere Reise in den Himmel.

Die erste Lektion lernen wir schon auf unserer Fahrt zum Flughafen: Nimm nicht zu viel Gepäck mit.

Viele Christen sind mit mehr Gepäck in ihrem Leben unterwegs, als ihnen guttut. Statt mit einem Koffer zum Aufgeben und einer Bordtasche versuchen sie, mit sechs Koffern und drei riesigen Bordtaschen zu reisen. Der Gepäckwagen, den sie im Flughafen vor sich herschieben, ist so hoch bepackt, dass sie gar nicht sehen, wohin sie ihn schieben. Sie denken mehr an den Ort, an dem sie gerade sind, als an ihr Ziel, und sie haben viel zu viele Sachen dabei. Und so wie die Fluggesellschaften die Passagiere für „Übergepäck“ zur Kasse bitten, zahlen diese Christen einen Preis für ihr vieles „Gepäck“.

Vielleicht klebt auf Ihrem Extrakoffer das Schild „Unversöhnlichkeit“; Sie wollen irgendjemandem nicht vergeben, und das macht Ihr Gepäck zu schwer. Vielleicht ist es auch Sünde, die Sie noch nicht bekannt haben. Vielleicht hält Ihr großer Besitz Sie davon ab, mehr über unsere eigentliche Heimat nachzudenken. Oder Ihr Terminkalender ist so voll, dass Sie nicht genug Zeit haben, um die Orte, die Sie besuchen, zu genießen.

Da kommt unser Taxi!

Wenn wir gleich unterwegs sind zum Flughafen, um unsere Reise gemeinsam zu beginnen, beten Sie doch darum, dass Gott Ihnen zeigt, wo Sie vielleicht mit zu viel Gepäck auf Ihrer Lebensreise unterwegs sind. Ich hoffe, dass die Zeugnisse unserer verfolgten Glaubensgeschwister Ihnen ein Segen und eine Herausforderung sein werden. Und ich hoffe, dass sie Ihnen helfen werden, an Ihre wahre Heimat zu denken und daran, wie Sie dort hinkommen.

Haben Sie alles? Ihren Pass? Ist da. Die Reiseroute? Ja. Geld? Eingesteckt. Okay, wir sind bereit. Streicheln Sie den Hund, küssen Sie ihre Liebste und die Kinder. Und dann geht’s los.

Zum Nachdenken

Wie oft denken Sie daran, dass Sie auf dieser Erde ein „Gast und Fremder“ sind, der sich nach einem „himmlischen Zuhause“ sehnt? Wie beeinflusst dieses Wissen heute Ihr Leben? Haben Sie nur leichtes Gepäck dabei auf Ihrer Reise nach Hause? Oder schleppen Sie sich mit Dingen ab, die Sie nicht brauchen, die nur Platz wegnehmen und die Ihren Koffer unnötig schwer machen?

Denken Sie über diese Fragen nach und notieren Sie Ihre Antworten in Ihrem Tagebuch (siehe unten). Was muss passieren, damit Sie sich vom unnötigen Gepäck befreien und es loslassen?

Gebet vor dem Start

Gott, bitte gehe mit uns auf unserer Reise. Öffne mein Herz für die Menschen, denen wir unterwegs begegnen werden, und benutze sie, um mir mehr von Deiner Wahrheit zu offenbaren. Erinnere mich immer wieder an das „bessere Land“, mein eigentliches Zuhause, und begleite und behüte mich auf der Reise dorthin. Bitte zeige mir, ob ich Gepäckstücke dabeihabe, von denen ich mich trennen sollte, und hilf mir, sie loszulassen.

Für Ihr Tagebuch

Aus meinem Tagebuch

19. Oktober 1998, kurz vor meiner ersten Reise für die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (VOM) in den Sudan.

Morgen in einer Woche werde ich mein schönes, behagliches Dasein in Bartlesville verlassen, um zehn Tage lang im Sudan Nahrungsmittel und Bibeln zu verteilen, an die 10.000 Meilen von meiner Komfortzone entfernt.

Die Frage, was mir auf dieser Reise alles passieren könnte, hat mich ins Grübeln gebracht. Als Erstes musste ich daran denken, dass ich vielleicht nicht mehr zurückkommen werde. Der Sudan ist ein gefährliches Land; die Regierungssoldaten dort hätten keine Skrupel, mir eine Kugel in den Kopf zu jagen.

Dieses Wissen, dass ich vielleicht nicht zurückkommen werde, hat meine Tage hier zu Hause kostbarer gemacht. Ich will jeden Augenblick mit Charlotte und den Jungs verbringen und ein vorbildlicher Ehemann und Vater sein, fürsorglich und mitfühlend. Ich werde den Fernseher ausschalten und mir mehr Zeit für das Miteinanderreden nehmen. Ich möchte meine Lieben immer wieder in den Arm nehmen und ihnen 25-mal am Tag versichern, dass ich sie liebe.

Aber dann meldete sich mein schlechtes Gewissen. Warum lebe ich nicht schon die ganze Zeit so? Warum brauche ich die Angst vor einer Reise in den Sudan, um der Mann zu werden, der ich eigentlich 365 Tage im Jahr sein sollte? Oder fühle ich mich nur im kriegsgeschüttelten Afrika in Gefahr und meine, dass mir in Amerika nichts passieren kann? Ist mir nicht klar, dass ich auch hier in den USA jederzeit zu Tode kommen kann? Durch einen betrunkenen Autofahrer, einen Unfall mit dem eigenen Auto, einen Amokschützen oder sonst ein Gewaltverbrechen? Warum setze ich mich nicht immer mit dem Gedanken auseinander, dass ich sterben könnte, sondern nur dann, wenn ich ins Ausland fliege?

Vielleicht ist das die Lektion dieser Reise für mich. Nicht davon auszugehen, dass ich morgen noch am Leben bin, sondern jeden Tag bereit zu sein, dieses irdische Leben hinter mir zu lassen und in die Ewigkeit zu gehen.

1. TAG

AUSSER UNSERER KONTROLLE

Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt.

(Sprüche 16,9)

Yei (Sudan), 1998

Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn man nach einem Interkontinentalflug am nächsten Morgen um 2:30 oder 3:00 Uhr hellwach ist. Ich habe eine Menge Theorien darüber gehört, wie man den Jetlag überlisten kann, aber bis jetzt hat keine funktioniert; bei mir ist es nach wie vor so, dass der Jetlag mich überlistet. Ich versuche tagsüber so viel Sonne mitzubekommen wie möglich, ansonsten hilft nur: Zähne zusammenbeißen.

Unser Team sollte während unserer Zeit im Sudan eigentlich nicht zuerst nach Yei fahren. Aber die erste Lektion auf Reisen ist, dass die Dinge manchmal nicht nach Plan laufen. Unser Ziel war es, nach Turalei zu fahren.

In Ayien, einem Dorf in der Gegend von Turalei, hatte Pastor Abraham Yac Deng eine Gemeinde von vierhundert sudanesischen Christen geleitet. In der ganzen Gemeinde gab es nur eine einzige Bibel – die kleine rote Taschenbibel von Abraham selber. Er war begeistert gewesen, als ein früheres Team der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ kistenweise Bibeln nach Turalei brachte. Jetzt hätte bald jede Familie in der Gemeinde ihre eigene Bibel – es war schier nicht zu glauben.

Ein Mitglied dieses Teams hatte Abraham gefragt, was sein Lieblingsbibelvers war, worauf er Römer 6,23 zitierte: „Denn der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod; aber das Geschenk, das Gott uns in seiner Gnade macht, ist das ewige Leben in Jesus Christus, unserem Herrn.“

Vier Tage nach diesem Gespräch mit Abraham und der Lieferung der Bibeln überfielen Kämpfer der islamistischen Mudschaheddin Ayien. Sie verbrannten die frisch gelieferten Bibeln, entführten über zwanzig Dorfbewohner und töteten Pastor Abraham mit einem Kopfschuss.

Das Team, zu dem ich gehörte, sollte – mehrere Monate nach diesem brutalen Angriff – die verbrannten Bibeln ersetzen. Doch die Landebahn von Turalei war nach heftigen Regenfällen an beiden Enden überschwemmt, und die Piloten waren sich nicht sicher, ob das trockene Stück in der Mitte lang genug war, um mit der zweimotorigen russischen Antonov, die wir gechartert hatten, sicher zu landen und wieder zu starten.

Unser Teamleiter beschloss also, unsere Reiseroute zu ändern und zuerst nach Yei zu fliegen; wir hofften, dass wir dann ein paar Tage später nach Turalei weiterreisen könnten. So weit, so gut. Aber jetzt saßen wir in Yei fest und konnten keine Transportmöglichkeit bekommen. Wir wollten die Bibeln zu den Soldaten der SPLA (Sudan Peoples’ Libaration Army, Sudanesische Volksbefreiungsarmee) bringen, aber der Lastwagen, den wir eigentlich mieten wollten, stand nicht zur Verfügung. Es gab noch einen anderen Wagen, aber sie warteten noch auf eine Benzinlieferung. Wir waren bei sehr freundlichen Missionaren untergebracht, die sich rührend um uns kümmerten – aber machten wir das, wofür wir gekommen waren? Definitiv nicht!

Schließlich konnten wir uns anderen Missionaren anschließen, die ebenfalls in unsere Richtung wollten. Aber nach zwei Stunden kamen wir an einen Fluss, der nicht auf den Karten verzeichnet war, und die Brücke war kaputt. Der erste Wagen fuhr in den vom Regen stark angeschwollenen Fluss und versuchte, ihn zu durchqueren. Er schaffte es bis in die Mitte des Flussbettes, dann wurde der Lastwagen trotz Allradantriebs von der Strömung erfasst. Die Insassen kletterten durch das Fenster auf das Dach, und wir, die wir noch am Ufer standen, konnten ihnen ein Seil zuwerfen, das den Wagen stabilisierte und es unseren Freunden ermöglichte, nass, aber sicher zurück an das Ufer zu gelangen.

Und so saßen wir wieder fest. Anstatt unsere Bibeln an die Soldaten zu verteilen, warteten wir darauf, dass die Wassermassen so weit zurückgingen, dass wir den Wagen aus dem Fluss ziehen konnten.

Gott, was machst du da? Wir arbeiten doch für dich! Wir wollen die Bibeln ersetzen, die der Feind vernichtet hat. Konntest du in Turalei den Regen nicht so lange aufhören lassen, bis die Landebahn wieder trocken war? Konntest du uns nicht einen Wagen besorgen, als wir einen brauchten? Konntest du den Wasserstand des Flusses nicht so niedrig halten, dass wir ihn mit den Autos durchqueren konnten?

Sicher, Gott kann alles, was er will. Er kann es regnen lassen oder den Regen stoppen. Er kann Flüsse austrocknen oder über die Ufer treten lassen. Aber als wir dort im Sudan waren, lief rein nichts so, wie wir es eigentlich geplant hatten. Warum?

Ich wollte, ich könnte es Ihnen sagen. Ich wollte, ich könnte Ihnen ein weltbewegendes Ergebnis unserer Reise nennen und erklären: „Das ist der Grund, warum Gott diesen Starkregen kommen ließ.“ Ich wollte, ich könnte Ihnen einen Soldaten nennen, dem wir (in einem Dorf, wo wir gar nicht hingewollt hatten) eine Bibel schenkten und der darauf der Billy Graham des Sudans wurde. Sicher, wir konnten Bibeln verteilen, auch wenn sie zum Teil erst in der Sonne getrocknet werden mussten, bevor man sie lesen konnte. Wir verteilten auch Lebensmittel, darunter Kraftnahrung mit viel Eiweiß in einem einfachen „Krankenhaus“, in dem Dutzende unterernährter Kinder betreut wurden. Wir hielten zusammen mit den Missionaren, die uns beherbergten, Andachten, und ich hoffe, wir waren ihnen ein Segen und eine Ermutigung.

Aber aufgrund von Umständen, auf die wir keinen Einfluss hatten, konnten wir die Ziele, die wir uns gesetzt hatten, nicht erreichen.

Auf die wir keinen Einfluss hatten. Ich mag diese Worte nicht. Ich möchte alles unter Kontrolle haben. Ich möchte Entscheidungen treffen. Ich möchte Pläne machen und sie dann zusammen mit anderen Menschen ausführen. Ich will auch das Ergebnis wissen. Ich will das Leben im Griff haben!

Aber ist, nachdem wir uns morgens für ein Marmeladen- und nicht für ein Honigbrot entschieden haben, nicht das meiste vom Rest des Tages etwas, das wir nicht bestimmen können? Geht es bei unserem ganzen Leben als Christ nicht gerade darum, die Kontrolle über unser Leben abzugeben an einen liebenden, heiligen Vater im Himmel, der unseren Lebensweg so lenkt, wie es am besten für uns ist? Wie es in Sprüche 16,9 heißt: Wir planen unseren Weg, aber Gott lenkt unsere Schritte. Glauben Sie das? Glaube ich das?

Es ist leicht, sich über all die Dinge aufzuregen, die wir nicht ändern können. Ein überfluteter Flugplatz. Ein Flugzeug, das Verspätung hat. Eine ganze Stadt, in der man kein Benzin auftreiben kann.

Oder näher an unserem Alltag: der neue Arbeitsplatz, der so perfekt ausgesehen hatte, und jetzt das … Der Arzt, der mir eröffnet, dass es noch ein paar Tests brauchen wird, bevor die Diagnose feststeht. Die rebellische Tochter, die ihre eigenen Wege geht, weit weg von Gott.

Nein, wir haben das Leben nicht im Griff. Auch nicht den Tod. Wir müssen es lernen, damit zu leben. Wir müssen zu Kurskorrek turen bereit sein, bereit, Gott unsere Pläne über den Haufen werfen zu lassen. Und wir werden nicht immer wissen, warum. Die Warum-Frage kann nur Gott beantworten. Auch darauf haben wir keinen Einfluss.

Zum Nachdenken

Gibt es in Ihrem Leben Bereiche, die Sie gerne im Griff hätten, aber die Sie, wenn Sie ehrlich sind, nicht im Griff haben? Welche Bereiche sind das? Was müssten Sie tun, um sie an Gott abzugeben?

Beschreiben Sie für Ihr Tagebuch einen dieser Bereiche und was es bedeuten würde, ihn noch diese Woche an Ihren himmlischen Vater, der Sie liebt, abzugeben und Ihre Schritte von ihm lenken zu lassen.

Gebet

Vater, ich gebe es zu: Ich möchte alles im Griff haben. Ich möchte meine Pläne machen und dann Deinen Segen dafür bekommen. Hilf mir, darauf zu vertrauen, dass Du das siehst, was ich nicht sehen kann. Hilf mir, mein Bedürfnis, selber die Fäden in der Hand zu halten, an Dich abzugeben und darauf zu vertrauen, dass Deine Pläne nur meinem Besten dienen. Hilf mir, jeden Tag neu Dein Angesicht und Deinen Willen zu suchen und Dich in mir und durch mich wirken zu lassen, damit Dein Wille geschieht – in meinem Leben und in dem meiner Mitmenschen.

Für Ihr Tagebuch

Aus meinem Tagebuch

31. Oktober 1998, Yei (Sudan) (an meine Frau, Charlotte).

… Ich bete für Dich. Ich habe Gott gebeten, seine Engel zu schicken als Schutzwall um unser Haus gegen die Angriffe des Feindes und alles Böse.

Hier ist der Rest der Geschichte: Während ich im Sudan war, wachte meine Frau (die erkrankt war) auf einmal mitten in der Nacht auf – und sah auf den Jalousien unserer beiden Schlafzimmerfenster ganz deutlich die Umrisse mehrerer Männer. Sie stand auf, um nachzuschauen, aber draußen war niemand. Sie verspürte keine Angst, sondern im Gegenteil einen tiefen Frieden. Sie legte sich wieder hin und schlief fest ein.

Wir glauben beide an Engel.

2. TAG

„FRÜHER HABE ICH IHN GESCHLAGEN“

Ich danke dem, der mir für meinen Auftrag Kraft gegeben hat, Jesus Christus, unserem Herrn; denn er hat mich als vertrauenswürdig angesehen und in seinen Dienst genommen – ausgerechnet mich, der ich ihn früher verhöhnt und seine Gemeinde mit äußerster Härte verfolgt hatte. Aber er hat sich über mich erbarmt, weil ich in meinem Unglauben nicht wusste, was ich tat. Geradezu überwältigend war die Gnade, die unser Herr mir erwiesen hat, und sie hat in mir einen Glauben und eine Liebe entstehen lassen, wie sie nur durch Jesus Christus möglich sind. Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen verdient. Und einen größeren Sünder als mich gibt es nicht!

(1. Timotheus 1,12-15)

In der Nähe von Allawa (Äthiopien), Oktober 2005

Das Wort Hadschi ist ein Ehrentitel in der muslimischen Welt; mit ihm bezeichnet man jemanden, der die große Pilgerfahrt nach Mekka (arabisch: die Hadsch) gemacht hat, die eine der fünf Säulen des Islam ist. Dass man einen christlichen Pastor Hadschi nennt, ist eine absolute Seltenheit.

Wir besuchten „Pastor Hadschi“ in seinem strohgedeckten Haus in Südäthiopien in einer Gegend, wo der radikale Islam die Kirche und die Christen zunehmend bedrohte. Eine Stelle an der Hauswand sah versengt aus. Vor einer Woche hatten Islamisten versucht, Hadschis Haus anzuzünden; er hatte das Feuer zum Glück löschen können.

Als wir in seinem Haus zusammensaßen und Orangenlimonade tranken, schienen Sonnenstrahlen durch Löcher im Strohdach. Sie stammten von den Steinen, die muslimische Nachbarn geworfen hatten, um Hadschi und die Seinen zu zwingen, entweder das Dorf zu verlassen oder zum Islam zurückzukehren. Zum Glück war niemand von Hadschis Lieben verletzt worden.

Hadschi kann den Hass der radikalen Muslime gut verstehen. Schließlich war er früher selbst einer von ihnen. Er war so gläubig gewesen, dass man ihn zum Studium nach Saudi-Arabien geschickt hatte.

Als wir vor dem Haus standen, legte Hadschi seinen Arm um den Evangelisten, der uns zu ihm gebracht hatte. Er nickte ihm zu, und dann sagte er fünf Worte zu uns, die ich nie vergessen werde: „Früher habe ich ihn geschlagen.“

Wie, bitte?

„Ja, ich habe ihn geschlagen.“ Und Hadschi erzählte uns, dass er früher eine Gruppe radikaler junger Islamisten geleitet hatte, zu deren heiligen Pflichten gegenüber dem Propheten es gehörte, Christen anzugreifen und zu drangsalieren. Eines ihrer Opfer war der Evangelist, der jetzt lächelnd vor uns stand mit Hadschis Arm auf den Schultern.

Trotz der Schläge hatte sich der Evangelist geweigert, seine Widersacher zu hassen. Er begegnete ihnen in Liebe, segnete sie und sprach über die Frohe Botschaft der Bibel. Diese Reaktion war Hadschi ein Rätsel gewesen. Wie konnte jemand, den man wiederholt verprügelt hatte, einen lieben, anstatt zurückzuschlagen?

Hadschis Herz kapitulierte schließlich vor der Botschaft des Evangeliums und der Liebe dieses Christen, den er drangsaliert hatte. Er tauschte den Hass und die Gewalt des Islam gegen einen Frieden ein, der alles Begreifen überstieg.

Seine muslimischen Freunde waren nicht erfreut, als sie von seiner Kehrtwende hörten. Ein ganzes Jahr verbrachte Hadschi im Gefängnis, und manches von dem, was er früher den Christen angetan hatte, passierte jetzt ihm selbst; jetzt war er derjenige, dessen Haus man mit Steinen bewarf und anzuzünden versuchte. Aber er weigerte sich, seinem Glauben an Jesus abzuschwören.

Einmal mehr war ich fasziniert von der Freude der Männer und Frauen der verfolgten Kirche in aller Welt. Hadschi ist ein glücklicher Mann. Er lächelt über das ganze Gesicht und lacht herzlich und viel. Er lebt nicht in ständiger Angst, obwohl die häufigen Drohungen, mit denen er leben muss, nur zu real sind. Er ist ein Mann, der gerne lebt, dessen Leben ein Abenteuer ist und der einem großen König dient.

Hadschis Zeugnis für Jesus ist königlich. Wer könnte besser geeignet sein, Muslimen Jesus zu bringen, als jemand, der früher selbst Muslim war, ja der die Hadsch nach Mekka gemacht hat und den die Imame zum Studium nach Saudi-Arabien geschickt hatten? Wer könnte den Menschen besser den Unterschied erklären zwischen einem Gott, der unsere guten und bösen Taten auf die Waage legt, um zu sehen, ob wir ins Paradies dürfen, und einem Gott, der weiß, dass alle unsere guten Taten unsere Sünde nicht aufwiegen können, und der deshalb seinen Sohn in die Welt sandte, um mit seinem eigenen Blut den Preis für unsere bösen Taten zu bezahlen und uns den Eintritt in den Himmel zu erkaufen?

Hadschis Geschichte ist kein Einzelfall. Einer der ersten großen Missionare der jungen Kirche war ein Mann, der so sehr für seine Religion brannte, dass er sich ihren Oberen als Jäger von Abtrünnigen zur Verfügung stellte. Und dann begegnete er dem, den er eigentlich verfolgte, und wurde für immer ein anderer.

Einer unserer Kontakte der „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ in Kolumbien zitiert gerne ein Sprichwort: „Ein Rennpferd läuft in beide Richtungen gleich schnell.“ Aus einem leidenschaftlichen Sünder wird oft ein leidenschaftlicher Christ. Und aus jemandem, der Christen geschlagen hat, kann durchaus ein Mensch werden, der sich als Diener des Königs bereitwillig schlagen lässt.

Nur zu leicht schreiben wir andere Menschen als geistlich hoffnungslose Fälle ab. Wir bewerten mit unseren Maßstäben: Dieser Mann hat ein Herz aus Beton, da dringt nichts durch. Jene Frau steckt so tief im Morast der Sünde, dass sie nie herausfinden wird. Was wir von Pastor Hadschi – und vom Apostel Paulus – lernen können, ist, dass keiner von uns unerreichbar ist für Gottes Gnade und Barmherzigkeit. Gerade die, denen Gott am meisten vergeben hat, sind oft die „Pferde“, die am schnellsten und weitesten laufen, um ihre Mitmenschen für Christus zu erreichen.

„Früher habe ich ihn geschlagen“, sagte der Pastor. Sagte der verfolgte Christ. Sagte der Reichsgottesarbeiter. Und lächelte dabei.

Zum Nachdenken

Gibt es Menschen, die Sie geistlich abgeschrieben haben und für hoffnungslose Fälle halten, die Gott nur die Zeit stehlen? Wer aus Ihrem Bekanntenkreis verhöhnt und verfolgt Jesus und seine Frohe Botschaft? Vielleicht ist genau dies der Mensch, den Sie nach Gottes Willen lieben und mit dem Evangelium erreichen sollen. Vielleicht möchte Gott ihn zu einem zweiten Paulus oder Pastor Hadschi machen, der Großes für sein Reich tun wird. Wie können Sie diesem Menschen so begegnen, dass die Liebe Christi durch Sie hindurchscheint?

Schreiben Sie sich den Namen dieses „hoffnungslosen Falles“ auf und überlegen Sie sich, was Sie noch in dieser Woche unternehmen können, um eine Brücke zu bauen, über die Sie ihm das Evangelium bringen können.

Gebet

Vater, mit meiner eigenen Kraft kann ich diesen Menschen nicht lieben. Manchmal kann ich es kaum ertragen, im selben Zimmer zu sein wie er! Bitte gib mir Deine Liebe zu ihm. Hilf mir, ihn mit Deinen Augen zu sehen, und schicke Deinen Heiligen Geist, damit er sein Herz weich macht.

Für Ihr Tagebuch

Aus meinem Tagebuch

Wir trafen uns auch mit zwölf Christen mit muslimischem Hintergrund – junge Leute, die nach ihrer Bekehrung zu Christus von ihren Eltern aus dem Haus geworfen worden waren. Sie wohnen jetzt in christlichen Familien und versuchen, ihre Schulausbildung abzuschließen. Für Kost und Logis benötigen sie nur vier oder fünf Dollar im Monat.

Können Sie sich vorstellen, von den eigenen Eltern aus dem Haus geworfen zu werden? Einem der Mädchen passierte das. Als sie 13 Jahre war, setzten die Eltern sie buchstäblich auf die Straße.

Wir lernten auch ein paar Männer kennen, deren Frauen sie verlassen bzw. vor die Tür gesetzt hatten, nachdem sie Christen geworden waren.

Für verfolgte Christen beten

Eines der wichtigsten Gespräche, die Menschen führen müssen, die vom Islam zum Christentum übergetreten sind (wie unser neuer äthiopischer Freund Hadschi), ist das, bei dem sie einem Verwandten oder Freund eröffnen, dass sie keine Muslime mehr sind, sondern Jünger von Isa al Masih (Jesus, dem Messias).

Dieses Gespräch kann sie das Leben kosten. Es kann aber auch eine Tür zur Weitergabe des Evangeliums öffnen.

BETEN SIE HEUTE für die neu bekehrten Christen in der muslimischen Welt, die sich gerade überlegen, wann und mit wem sie dieses entscheidende Gespräch führen sollen.

3. TAG

„WIR HABEN ALLES, WAS WIR BRAUCHEN“

Ich sage das nicht etwa wegen der Entbehrungen, die ich zu ertragen hatte; denn ich habe gelernt, in jeder Lebenslage zufrieden zu sein. Ich weiß, was es heißt, sich einschränken zu müssen, und ich weiß, wie es ist, wenn alles im Überfluss zur Verfügung steht. Mit allem bin ich voll und ganz vertraut: satt zu sein und zu hungern, Überfluss zu haben und Entbehrungen zu ertragen. Nichts ist mir unmöglich, weil der, der bei mir ist, mich stark macht. … Und was eure eigenen Bedürfnisse angeht, so wird derselbe Gott, der für mich sorgt, auch euch durch Jesus Christus mit allem versorgen, was ihr braucht (…).

(Philipper 4,11-13.19)

Nahe Irbil (Nordirak), Januar 2016

Wir sitzen in einem Zelt, das zu einem Lager von „Displaced Persons“ im Nordirak gehört. (DP sind Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten, aber nicht ins Ausland gehen mussten. „Flüchtlinge“ dagegen sind Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind und jetzt im Ausland leben.)

Als der ISIS die Ebene von Ninive überrollte, suchten Zehntausende Menschen – Christen, Jesiden, Schiiten und sogar Muslime, die wie der ISIS Sunniten waren – ihr Heil in der Flucht. Als wir den Nordirak besuchten, lebten die meisten in Zeltlagern. Die Lager sind nach Religionen getrennt: hier die Sunniten, dort die Schiiten, dahinten die Christen. Das Zelt, in dem wir sitzen, ist mitten im sunnitischen Sektor; umgeben von über eintausend sunnitischen Familien.