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Die spannende und unterhaltsame Biographie von Senga Müller-Schiwur. Ihre Mutter und ihr Vater, durch russische Kriegsgefangenschaft an Leib und Seele krank, sind bereits mit mehr Kindern gesegnet, als ihr kleines Geschäft eigentlich ernähren kann. Dementsprechend kommt bei der Mutter über die erneute Schwangerschaft keine Freude auf - und dann auch noch Zwillinge. Senga ist folglich ein unerwünschtes Kind. In Kindergarten und Schule gibt es, wie auch zu Hause, noch die Prügelstrafe. Der Wunsch, geliebt zu werden, scheint nur erfüllbar, wenn man hart dafür arbeitet und so ist es auch eine Selbstverständlichkeit im Haushalt und im Geschäft zu helfen. Als Kind, für das ansonsten keine Zeit da ist und somit auch in die Obhut anderer gegeben wird, ist Senga leichtes Opfer für Missbrauchstäter. Die daraus resultierende Scheu vor Männern hat Identitätsprobleme zur Folge. Es ist eine Zeit, in der man junge Menschen in ,Zukunftsberufe' auf dem sozialen Sektor schiebt, ein Bereich, in den ein immer hilfsbereiter Mensch wie Senga auch gut passt. Ihr Leben scheint sich allmählich, trotz aller Widrigkeiten, so zu entwickeln, wie sie es sich gewünscht hat. Senga kann sich damit identifizieren, ,die Tante vom Jugendamt' zu sein. Doch dies ist noch lange nicht die letzte Station ihres Weges. Die sozialen Umwälzungen und Wirtschaftskrisen wirken sich auch immer wieder auf Sengas berufliches und privates Leben aus. Alles wird viel schwieriger als gedacht, vor allem, wenn aus Freundschaften sexuelle Rivalitäten entstehen und gleichzeitig die Arbeitsplätze und Arbeitgeber keine Sicherheit mehr bieten. Nach gescheiterten Ehen und einem turbulenten beruflichen Weg, auf dem sie sich bis zum Burnout engagiert, gerät Senga in die Mühlen eines Gesundheitssystems, das ihren Problemen weitere hinzufügt. Und dann ist da noch der ,ewige Geliebte', ein Verhältnis das ihren Ehen und mehreren Psychotherapien getrotzt hat ...
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Seitenzahl: 1428
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Dieses Buch widme ich meinem Mann, der mir, ein Jahr während des Schreibens, alle Arbeiten zuhause abnahm und mich in so manch trauriger Stunde tröstete.Und allen Freunden und Freundinnen, die immer sagten ich solle ein Buch schreiben. Ohne deren Zusprüche hätte ich wohl nicht angefangen! Vor allen Lothar Voß sage ich Danke!
Senga Müller-Schiwur
Meine Freundinnen und Freunde sagten mir immer wieder, ich solle doch mal ein Buch schreiben. Sie waren von meinem Schreibstil in Briefen jedes Mal überrascht.
Was sollte ich schreiben, was andere interessieren könnte? Meine Berichte aus Frankreich, dem wunderschönen Baskenland und die Pflegezeit meines dort lebenden alten Professors waren zu speziell, wenn auch sehr lehrreich.
Schließlich erkannte ich, dass meine eigene Lebensgeschichte einen immer wieder gut erkennbaren roten Faden hat.
Mir wurde klar, dass ein nichtgewolltes Kind einen ganz besonderen Lebensweg geht. Ablehnung, der Kampf um Anerkennung, die Sucht, geliebt zu werden, die Verletzungen, das „Ich-will-tot-sein-Gefühl“ und das Trotzdem-nicht-aufgeben kommen und gehen im Alltag ständig mit. Es ist ein sehr angespanntes Leben, das vor psychischen Erkrankungen keinen Halt macht. Der ewige Schrei „Ich will doch nur leben“ schwingt ständig mit!
Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die meine Geschichte teilen. Ich möchte ihnen Mut machen. Es hat trotz allem Nicht-gewollt-seins einen Sinn, zu leben. Vielleicht haben wir erst recht einen Auftrag in dieser Welt. Durch unsere Sensibilität sind wir möglicherweise viel eher in der Lage, Liebe zu leben.
Heute, im letzten Drittel meines Lebens, ist mir klar:
„Wer so schreit, kommt durch!“
Ich habe endlich das späte Glück gefunden und kann jetzt das Leben genießen!
Senga Müller-Schiwur
„Wer so schreit, kommt durch!“
Einleitung – So muss es am Anfang gewesen sein
1. Schwangerschaft, Geburt und Kleinkindalter
2. Die Kindergartenjahre und ein kranker Papa
3. Meine ersten vier Schuljahre, die Lehrer und Ferien auf dem Land
4. Ich verliere meinen Papa
5. Die Hauptschulzeit
6. Die Berufsfachschul – und Aufbauschulzeit
7. Die Fachoberschule und eine neue Freundin
8. Die Studienzeit, Frankreich und ein erster Freund
9. Meine erste große Liebe, die Enttäuschung und neue Erfahrungen
10. Meine zweite Liebe
11. Das Ende des Studiums und die Diplomarbeit
12. Meine erste Arbeitsstelle und Ruth
13. Die Jugendamtsjahre, zwei Kinder, eine verhängnisvolle Beziehung und eine neue Liebe
14. Jan-Paul - eine neue Liebe
15. Der Umzug nach Norddeutschland und ein schlechter Start
16. Bad Lauterberg und „Liebe ist möglich“
17. Die Folge des Sturzes
18. Erholung in Kottenstein
19. Die Operation
20. Jura – eine neue Aufgabe und ein entscheidender Brief
21. Advent und Weihnachten
22. Das Jahr 1988 und die Studentin der Rechtswissenschaft
23. Der Wunsch, geliebt zu werden
24. Ein schönes Wiedersehen und ein trauriges Nachhausekommen
25. Stephanie macht, was sie will
26. Umzug ins Ferienhaus
27. Der Alltag im Ferienhaus und erste Gespräche mit Hannes
28. Die Nachbarin
29. Weitere Gespräche bringen uns nicht weiter
30. Kurzbesuch im Haus
31. Die Sitzung
32. Endlich wieder zuhause
33. Stephanies Geburtstag
34. Eine traurige Feststellung und Erfahrung
35. Die Situation eskaliert
36. Freundschaftshilfe und ein wunderbarer Ring
37. Wieder im Haus in Kiefernhain
38. Studium, Taxischein, Weihnachtsmarkt und Benno
39. Der Streit um Kinder und Haus
40. Weihnachten in Kottenstein und der Umzug
41. Arbeit nicht für jeden Preis
42. Eine neue Stelle
43. Kontaktentzug
44. Eine kurze Italienreise und deren Folge
45. Mein neues Zuhause ist Christianshof
46. Die Scheidung und eine Reise in die Schweiz
47. Weihnachten in Puerto Plata
48. Irgendetwas hat sich verändert
49. Besuch im Club und die Befreiung
50. Eine Erfolgskur und dann ein Dilemma
51. Mit Diana nach Göteborg
52. Die Stellvertreterin
53. Urlaub mit Stephanie und Sebastian
54. Das neue Jahr und die Wahrsagerin
55. Meine Reise nach Ghana
56. Sammy, meine neue Liebe
57. Verreisen mit Sammy
58. Zurück in Deutschland
59. Eine seltsame Tropenkrankheit, oder was ist es?
60. Mein Männerkarussell
61. Mutters Geburtstag
62. Eine Reise mit Jörg nach Ostdeutschland
63. Geht noch alles seinen gewohnten Gang?
64. Die neue Hausleitung
65. Meine zweite Reise nach Ghana
66. Der ghanaische Alltag mit Sammy
67. Typhus und Malaria
68. Eine Fahrt nach Cape Coast, dem Kakum-Nationalpark und nach Ada – in der Volta Region
69. Schwierigkeiten im Immigration-Office und Abschied von Ghana
70. Entscheidende Veränderungen im Kurhaus
71. Wo ist Stephanie?
72. Diana ist todkrank
73. Pflege bis zum letzten Atemzug
74. Eine kurze Erholungspause
75. Saskia kommt ins Gymnasium und der Pflegedienst kommt
76. Der Geburtstag meines Vaters, und ein wichtiger Freund
77. Adieu, Diana
78. Danach
79. Ich werde umsorgt
80. Die Beerdigung
81. Sortieren, Auflösen, Abschiednehmen und eine Überraschung
82. Endlich wieder Zuhause und ein Wieder-Einleben in den Alltag
83. Das Bewerbungsgespräch auf Norderney
84. Das Kurtreffen und ein unerwarteter Besuch
85. Letzte Erledigungen in Kottenstein und das Diana-Vermächtnis
86. Fünf Tage mit Kati
87. Ich lerne Gunnar kennen und das Jahr geht wieder zu Ende
88. Das Neue Jahr, meine dritte Reise nach Ghana und Gunna zieht bei Timo ein
89. Endlich in meinem afrikanischen Zuhause
90. Obomeng
91. Mal ja, mal nein
92. Das Nigerianische Konsulat
93. Street-Kid-EV und Sammys erste Stelle
94. Kein Aufgebot
95. Gunnar macht keine Kompromisse
96. Ghanaischer Alltag, Ärger wegen des Führerscheins und ein neuer Schrank
97. Das liebe Geld und eine besondere Einladung
98. Malaria und wieder ein Abschied
99. Ankunft in Deutschland und wichtige Neuigkeiten
100. Das Liap
101. Eine große Enttäuschung
102. In der Tropenklinik
103. Schreckliche Nachrichten
104. Sammy meldet sich
105. Weihnachtsbesuch und Jahreswechsel
106. Endspurt im Liap und der Abschluss
107. Probleme in Obomeng und neue Pläne
108. Eine neue Stelle
109. Meine vierte Reise nach Ghana und Hochzeitsvorbereitungen
110. Die Hochzeit und Flitterwochen
111. Sammy ist endlich da
112. Der Trompeter von Christianshof und unsere kirchliche Hochzeit
113. Weihnachten und Jahreswechsel ohne Sammy und Warten
114. Reifen, nur noch Reifen
115. Sammy ist in Ghana und ich vermisse ihn
116. Die Katastrophe
117. Wieder eine neue Stelle für Sammy
118. Wieder ein Umzug und ich bekomme eine Stelle
119. Die schlechte Stimmung eskaliert
120. Ich lebe allein
121. Mit Hannes stimmt etwas nicht
122. Einladung und Reise nach Paris
123. Der Unfall
124. Bernhard und Marius feiern
125. Dauerstress und Sammys Cousin reist nach Italien
126. Die Freundin und afrikanisch ‚Liebe‘
127. Reha-Klinik, Abschied von Papa und Sammys Auszug aus der gemeinsamen Wohnung
128. Die Probleme enden nicht
129. Jan-Paul meldet sich wieder Es geht wieder los,- oder ein Neuanfang
130. Hannes arbeitet wieder und mein Zusammenbruch
131. Die psychiatrische Klinik und Depressionsstation
132. Die Psychotherapeutische Station
133. Der Unfall und meine zweite Scheidung
134. Jan-Paul besucht mich in der Klinik
135. Körperlich gesundheitliche Probleme
136. Eine Verlegung kommt in Betracht und ich mache einen folgenschweren Fehler
137. Die geschlossene Abteilung
138. Station 7 und alles wird klarer
139. Beginn meines neuen Lebens und wunderschöne Tage mit Jan-Paul
140. Mein neuer Alltag beginnt
141. Ärger mit dem ehemaligen Arbeitgeber
142. Vierzehn schöne Tage
143. Heimkommen ist schön, wenn man nicht einsam ist!
144. Ein Traumurlaub an der Ostsee
145. Langsam geht der Sommer zu Ende und ich reise überraschend nach Sylt
146. Eine Bewerbung mit Aussicht und Zwischenstopps
147. Meine Kur in Bad Salzuflen
148. Eine Woche mit Jan-Paul
149. Advent – Zeit des Wartens und neues Licht am Horizont
150. Mein Geburtstag mit Jan-Paul und das Jahr geht zu Ende
151. Das neue Jahr, eine neue Stelle, eine große Party und ein Konzert
152. Umzug auf die Insel und die neue Arbeit
153. Erstes Frei und Fahrt nach Nordrhein-Westfalen
154. Verliebt in die Insel und hoher Besuch
155. Schöne Tage auf der Insel mit Jan-Paul
156. Wieder ein Grund, nach Kottenstein zu reisen
157. Wieder auf der Insel und immer wieder Jan-Paul
158. Eine tödliche Erkrankung
159. Das Ende im Kurhaus und eine neue Unterkunft
160. Weihnachten und der Jahreswechsel auf der Insel
161. Neue Aussichten, eine Entscheidung, ein Brief, und Auflösen der Wohnung am Festland
162. Ein alter Freund
163. Der Umzug in mein neues Zuhause
164. Ein Wiedersehen mit Jan-Paul auf dem Weg zu Frederik
165. Eine gelungene Einzugsfeier und das Aus mit Frederik
166. Besuch einer alten Dame
167. Der nicht abgesandte Brief
168. Weihnachten und Jahreswechsel mit meiner Mutter auf der Insel
169. Eine unheimliche Vorhersage
170. Der Tod meines Bruders und seine Beerdigung
171. Jan-Paul kommt wieder einmal auf die Insel
172. Große Unruhen und Veränderungen
173. Bad-Dürrheim
174. Jan-Paul macht mir Sorgen
175. Und immer wieder Kottenstein und Jan-Paul, und ich bekomme nicht nur einen Vogel
176. Im Reisefieber
177. Mama ist sehr krank
178. Ihr letzter Ausflug und ein familiärer Eklat
179. Meine Mutter möchte, dass ich komme
180. Die Beisetzung
181. Es muss weitergehen, war nur noch mein Gedanke
182. Und es geht weiter
183. Das neue Jahr
184. Zum zweiten Mal Bad-Dürrheim
185. Die Rente ist durch
186. Wieder Krankheiten, Unsicherheiten und Verluste
187. Ich lege den Schalter endlich um
188. Meine ersten Monate in Frankreich
189. Zweite Halbzeit im schönen Baskenland
190. Abschied von liebgewonnenen Freunden
191. Neue Aufgaben, Besuche und wieder ein Unfall und Gutachten
192. Ein neuer Mann in meinem Leben
193. Und noch einmal Bad-Dürrheim und ein netter Besuch
194. Wieder bin ich krank, werde aber in die neue Familie aufgenommen
195. Ich falle wieder hin, mit großen Folgen
196. Mit Petit Rouge in Frankreich
197. Mein Pyramidenwunsch geht in Erfüllung
198. Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende
199. Drei auf einen Streich
200. Wer so schreit kommt durch, ein gutes Ende
Hinweis: Namen und Orte sind zum Teil geändert worden!
Liesel putzte den unebenen PVC-Boden des Tabakfachgeschäftes. Die Kunden hatten recht viel Schneematsch hereingetragen. Bis zum Abend war noch lang, die Pfützen konnten unmöglich bis dahin stehenbleiben. Und es war Heiligabend, da sollte alles besonders sauber und festlich sein.
Das Bücken fiel ihr heute schwer, irgendetwas stimmte nicht. Waren das die Wehen, sollte ich wohl schon das Licht der Welt erblicken wollen? Eigentlich konnte das nicht sein, meine Mutter hätte doch noch einen guten Monat Zeit gehabt. Aber Liesel erinnerte sich jetzt schlagartig an die ersten beiden Geburten. Bei der zweiten hatte es ähnlich angefangen.
„Otto, ich kann nicht mehr. Sag Hanni, sie soll den Laden weiter putzen, ich muss so schnell wie möglich ins Krankenhaus, die Geburt setzt ein. Ruf die Nachbarn, sie müssen mit dem Auto kommen. Und schicke Oma mit Undine und Konrad in die Kirche, sie sollen ‚Ihr Kinderlein kommet‘ singen.“
Mein Vater wurde nervös, als er sah, dass meiner Mutter sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich. Selbst die roten Äderchen wurden blass, die sonst immer durch die dünne Haut schimmerten, seit ihr bei ihrer Ausbildung zur Krankenschwester ein Spirituskocher explodiert war und das Gesicht verbrannt hatte. Er rief die Nachbarn, konnte aber nicht mit zum Krankenhaus, da das Geschäft bis zum Abend geöffnet bleiben musste.
Ich hatte es sehr eilig, fast hätte ich das Licht der Welt auf dem Weg ins Krankenhaus erblickt. Letztendlich schaffte es Mama gerade noch bis in die Klinik.
„Sie kommen aber verdammt spät, und dann auch noch in Ihrem Zustand! Wo ist Ihr Mutterpass?“
„Ich habe keinen.“
„Schnell, schnell, ich brauche Hilfe“, rief der Arzt. Eine Krankenschwester legte Liesel vorsichtig auf eine fahrbare Trage und schob sie zügig in den Kreißsaal.
„Die Geburt setzt ein, wo bleibt die Hebamme?“, brüllte der Arzt.
Und dann war ich da, am Heiligen Abend 1953 um 13:50 Uhr, nach 8 Monaten Dunkelheit. Mit den Beinchen zuerst war ich rausgerutscht.
„Was ist das denn?!“, rief die Hebamme. „Da ist doch noch was. Pressen, pressen, Sie müssen pressen!“
„Nein, es geht nicht“, erklärte der Arzt, „das Baby sitzt auf seinem Beinchen! - Zange! - Mutter und Kind sind in Gefahr, wir müssen das Bein abnehmen.“
Aber dann kam eine Sturzwehe, mein Bruder drehte sich im letzten Moment, und auch er war da. Es war der 24. Dezember 1953 um 14:05 Uhr, und Mama hatte es überstanden. Beide waren wir also Steißgeburten, so erzählte sie es uns später, und dass mein Bruder fast sein linkes Beinchen verloren hätte … Aber wir lebten!
Die Schwestern versorgten uns und betteten uns sofort in einen Brutkasten. Schläuche über Schläuche wurden angeschlossen. Widerlich! Angeblich war das nötig, weil wir so klein waren und zusammen nur 6 Pfund wogen. Wie schön war es doch in unserer warmen Höhle in Mamas Bauch gewesen! Ich schrie mir vor Unmut die Seele aus dem Leib.
Dr. Hundsgeburt kam mit besorgt gerunzelter Stirn zu meiner Mutter ins Zimmer und sagte hart und ehrlich: „Es sind zwei, Sie haben ein Pärchen, aber gratulieren können wir Ihnen noch nicht.“
Mama dachte nur, total erschöpft in ihren weißen Kissen liegend: Wer so schreit, kommt durch.
Juni 1953: Nein, das kann nicht sein, das darf nicht sein, ich will kein Kind mehr!, hatte Liesel verzweifelt überlegt, während sie in der kleinen Wohnküche am Esstisch saß und Kartoffeln schälte. Wie soll das gehen?! Undine ist acht, Konrad erst vier. Ich weiß jetzt schon nicht, wie ich die Familie satt bekommen soll. Aber ihre Periode war schon einmal ausgeblieben, und auch heute war sie wieder nicht gekommen.
Warum war Otto auch so gutmütig?! Hatte er sich denn so unbedarft auf diesen sogenannten Freund und Vermieter einlassen müssen, diesen Schuft? Dabei hatte Otto das Dach des Wohn- und Geschäftshauses nach dem Krieg so gut wieder aufgebaut! Das Bergische Fachwerkhäuschen strahlte in neuem Glanz, und das Tabakwarengeschäft lief auch wieder an. Per Handschlag hatte der Vermieter damals versprochen, dass Otto solange keine Miete zahlen müsse, bis die Kosten für den Wiederaufbau abgewohnt seien. Und was war?! Nach ein paar Monaten wollte er doch wieder Miete haben.
Und das ist nicht das Einzige, dachte Liesel.
Da war ja auch noch dieser unverschämte Großhändler, der überall Schulden machte. Die Tabakwaren, die er den Einzelhändlern geliefert und die Otto ihm korrekt bezahlt hatte, waren von den Gläubigern plötzlich aus ihrem Geschäft geholt worden. Otto hatte mit nichts dagestanden. Und einen Anwalt konnten sie sich erst recht nicht leisten.
Nein, ich darf nicht schwanger sein, dachte Liesel. - Warte ich noch mal einen Monat ab … Aber Liesel war schwanger. Sie ging nicht zum Arzt, und erzählte erst einmal niemandem davon. Sie lebte weiter wie bisher. Im Krieg hatte sie im Krankenhaus als Krankenschwester gearbeitet. Es hatte damals nichts zu essen gegeben, also wurde geraucht. So rauchte sie auch jetzt noch regelmäßig starke Zigaretten ohne Filter und ließ sich nicht anmerken, was in ihr vorging.
Aber irgendwann wäre es ja doch nicht mehr zu verbergen, und so musste sie es Otto schließlich sagen. Mein Vater runzelte sorgenvoll die Stirn, aber er tröstete Mama: „Das schaffen wir auch noch.“
Die Monate vergingen, es war Herbst geworden. Der Alltag ging weiter, mit viel Arbeit: Kinder und Oma versorgen, Wäsche mit der Hand auf dem Waschbrett waschen, wringen, aufhängen, kochen und Otto im Geschäft helfen. Oma Sophie, die Mutter meiner Mutter, schlief mit Undine zusammen in einem Zimmer. Oma wohnte reihum bei allen ihren Kindern jeweils für einige Monate, weil sie sich alleine keine Wohnung leisten konnte. Sie hatte, wie es in ihrer Generation üblich war, nie eine Arbeitsstelle gehabt, und nach Opas Tod hatte die knappe Witwenrente nicht gereicht. Sie nähte zum Dank für die Unterbringung fleißig Kleider und Hosen aus alten Mänteln und Stoffen, sie häkelte, strickte und stopfte für die Familie.
Liesel schonte sich nicht. Im achten Monat war ihr klar, dass es wohl Zwillinge wurden, sie fühlte rechts und links unter den Rippen zwei Köpfchen. Die Katastrophe war perfekt!
Sie wollte der Tatsache nicht ins Auge sehen, hielt ihren Mund, ja, erzählte noch nicht einmal ihrem Otto davon.
Unser Papa konnte es kaum fassen, er freute sich riesig über uns Zwillinge. Stolz und lachend zeigte er seiner Schwester, als sie in der Straßenbahn an ihm vorbeifuhr, zwei hochgestreckte Finger. Tante Lene verstand gar nichts, sie dachte nur: „Was hat er denn?“ und war später umso mehr überrascht.
„Wie sollen die Kinder denn heißen, vielleicht Maria und Josef, oder Adam und Eva?“, fragte Papa.
Unsere Mutter protestierte: „Nein, soviel Kirche kommt mir nicht ins Haus! Wir nennen die Zwei nach meiner jüngsten Schwester Senga und meinem jüngsten Bruder Bernhard. Sie werden schließlich die Paten.“
Mama wurde nach Weihnachten ohne uns aus der Klinik entlassen. Zuhause ging der Arbeitsalltag weiter. Uns Zwillinge im Krankenhaus zu besuchen, war nicht möglich. Die Besuchszeiten wurden damals streng gehandhabt, und unsere Eltern mussten sich um das Geschäft kümmern.
Bernhard und ich wurden gut versorgt, bekamen abgepumpte Muttermilch per ‚Essen auf Rädern‘, aber wir waren allein, ohne Elternliebe. Drei Monate lebten wir im Brutkasten steril so vor uns hin. Der Brutkasten war nur für das Personal zugänglich. Die Hygiene-Vorschriften waren sehr streng, jede Gefahr einer Ansteckung mit gefährlichen Keimen sollte vermieden werden. Die Wissenschaft hatte noch nicht erkannt, dass eine sterile Umgebung der Entwicklung des Immunsystems von Säuglingen schadet. Und man wusste außerdem noch nicht, wie wichtig die körperliche Nähe für die Psyche und die Entwicklung eines Kindes ist.
Dann durften wir nach Hause.
„Oh, was sind die süß!“ Unsere große Schwester Undine stand mit strahlenden Augen da und fühlte sich gleich als Puppenmutter. Unser Bruder Konrad dagegen betrachtete eifersüchtig die beiden Geschöpfe im Kinderbettchen und ging dann weg.
Er wollte die beiden Babys nicht, die liefen ihm nur den Rang ab.
Mama musste nun zügig den Tagesablauf neu planen, denn mit den Zwillingen kam noch mehr auf sie zu. Ab sofort bekam ich eine ‚Ersatzmutter‘: Mamas Freundin Hanni war beauftragt, mir die Flasche zu geben, während sie selbst Bernhard versorgte, denn er war der ängstlichere und kränklichere von uns beiden.
In unserem Fachwerkhaus befand sich im Parterre ein Flur-Raum zum Geschäft.
Daneben war die Wohnküche, in der sich das tägliche Leben auf ca. 12 m2abspielte, anschließend die Kochküche, von der man wieder in den Ladenflur kam und auch zur Treppe, die nach oben führte. Von der Kochküche gelangte man außerdem in einen kleinen angebauten Toilettenraum.
In der oberen Etage gab es einen langen Flur, von dem zwei Schlafzimmer nebeneinander abgingen. Im ersten schlief Undine, das zweite Zimmer war für die Eltern und Konrads Bett stand am Flurende, gegenüber dem Elternschlafzimmer. Am Fußende seines Betts fand nun auch unser Kinderbettchen seinen Platz.
Konrad war schon vor einiger Zeit zu Bett gebracht worden, als Mama uns schrecklich schreien hörte. Sie rannte nach oben und hörte nun auch Konrad: „Geht weg!
Geht weg!“ Sie war gerade noch rechtzeitig gekommen, bevor er geschafft hatte, uns aus dem Bettchen zu zerren. Wir waren ihm einfach im Wege.
Undine dagegen war erst einmal stolz, als Mama sie beauftragte, mit dem großen Zwillingswagen spazieren zu gehen. Alle Leute schauten hinein und lobten unsere Schwester, dass sie so lieb mit uns durch die Gegend schob. Doch bald war es für sie trotzdem nur noch eine lästige Pflicht. Undine war erst 9 Jahre und wollte auch lieber mal anderes tun.
Wir wurden gebadet, gewickelt, gefüttert und wieder weggelegt. Mama hatte wenig Zeit für uns. Umso wichtiger wurde es, dass wir bald laufen lernten. Ich kann mich noch gut erinnern, dass uns das Laufen erst einmal gar nicht gefiel. Wir waren faul.
In unserem schönen alten Korbwagen fühlten wir uns wohl und geborgen.
Mama, was machst du denn da mit uns, dachte ich und sah sie fragend an. Das ist aber nicht lieb von dir! Denn Liesel schob den fein aufgeputzten Kinderwagen mit unseren kuscheligen frischgewaschenen Kissen und Decken leer auf dem Bürgersteig die Straße entlang. Wir beide mussten rechts und links anfassen und laufen. Was sollte das denn?!
Wir besuchten die Nachbarn, und als wir wieder gingen, ließ Mama doch tatsächlich unseren Korbwagen einfach stehen! Wir weinten laut, aber Mama erklärte, beim Schuster im Haus wären zwei kleine Babys gekommen, die jetzt den Kinderwagen brauchten. Ich war besonders traurig. Es war, als hätte man mir das Liebste genommen. Aber auch für Bernhard muss es schlimm gewesen sein, denn ihm tat das linke Bein wohl immer noch von der Geburt weh. Wenn er stand, zog er es an, um es zu entlasten.
Unsere Tante Lene, Papas Schwester, war immer ganz lieb zu uns. Sie freute sich, wenn wir ab und zu sonntags zu Besuch kamen. Ihre Freude spürte ich schon als Zweijährige, sie tat mir gut, und ich fühlte mich bei ihr zuhause. Meine Cousine Marlis war ein Einzelkind und hatte ganz tolle Spielsachen.
Manchmal durfte ich mit ihrem knallroten Viersitzer-Tretauto fahren. Bernhard und ich stritten oft um den Fahrersitz. Onkel Waldemar schlichtete dann den Streit.
Das Kaffeetrinken dort war für uns etwas Besonderes. Alle Erwachsenen saßen um den großen ovalen Tisch, erzählten und lachten, und es gab Kuchen. Auch unsere ‚Papa-Oma‘ war dabei. Bei ihr saß ich oft sogar auf dem Schoß. Aber wir Kinder brauchten nicht stillzusitzen, wir durften mit unseren Kuchenstücken in der Hand in dem großen Zimmer herumlaufen. Bei uns zuhause war es viel enger, da mussten wir am Tisch sitzen bleiben.
Leider kam der Tag, an dem meine Tante und mein Onkel mit Marlis aus Kottenstein wegzogen. Ich begriff, dass sie sehr weit weg von uns sein würden, und weinte.
Schon sehr früh bemerkte ich, dass ich anders war als die anderen Mädchen in meinem Alter. Ich suchte für alles eine Erklärung, gab mich aber selten mit nur einer Erklärung zufrieden. Ich war besonders neugierig darauf, wie andere Kinder lebten, und wollte auch bei allen dazugehören. In meinem Inneren fühlte ich mich aber immer abseits, obwohl ich mit dabei war. Ich war die Aufmuckende, während Bernhard der Ängstliche war. Meine Mutter beschrieb uns als „die Heilige und ihr Narr“.
Mit drei Jahren kam ich in den Kindergarten. Eigentlich hatte ich mich darauf gefreut, aber was ich dann dort erlebte, machte mich traurig und hilflos.
„Ilse bilse, keiner will `se, kam der Koch, nahm sie doch, steckt sie in ein Ofenloch …“ Ilse war ein Mädchen in meinem Alter. Sie mochte einfach nicht hinunterschlucken, was sie im Mund hatte, und wurde bei jedem Frühstück von den anderen Kindern verspottet. Ilse tat mir sehr leid. Ich wollte sie beschützen.
Im Wasch- und Toilettenraum passte normalerweise immer eine der ‚Tanten‘ auf.
Meine Freundin Gudrun und ich bekamen einmal großen Ärger, weil wir zusammen in einer Toilettenkabine waren, dabei wollten wir nur nicht allein da drin sein. Die ‚Tante‘ aber unterstellte uns die streng verbotenen ‚Doktorspiele‘!
Als ich vier Jahre alt war, kam ich zu den ‚Mittleren‘. Tante Käte mochte mich nicht, das merkte ich sofort. Ich war ihr wohl zu ehrlich und hatte ein zu großes Gerechtigkeitsgefühl. Und wenn ich Recht hatte, wollte ich mit dem Kopf durch die Wand. Der Waschraum wurde mein täglicher Aufenthaltsraum, da ‚böse‘ Kinder immer eine Zeitlang dort eingesperrt wurden. Jedes Mal, wenn ich dort war, bekam ich außerdem eine Tracht Prügel. Es war wohl oft geschehen, denn ich war es bald schon gewohnt.
„Die Senga hat mir das Pferdchen weggenommen“, rief Ulrich. „Nein, das ist nicht wahr“, protestierte ich, „ich hatte es zuerst aus dem Schrank genommen!“ Vergebens. Tante Käte riss mich am Arm und steckte mich wieder einmal in den Waschraum. Komisch, dachte ich, als sie ging – diesmal kriege ich keine Tracht Prügel? - Mal gucken, ob ‚Oma Putz‘ wieder das Fenster auf hat, dann kann ich mich mit ihr unterhalten.
Oma Putz war meine Freundin geworden. Sie putzte im Kindergarten und hatte nebenan ihre Dienstwohnung. „Oma Putz, bist du da? Die hat mich wieder eingesperrt!“
„Ja, mein Kleines, ich habe es schon gehört.“ Oma Putz steckte ihren wuscheligen grauen Dauerwellenkopf durch das Fenster und lachte mich freundlich an: „Was war denn wieder?“ Ich schüttelte ihr weinend mein Herz aus. Sie verstand mich, konnte aber nichts tun.
Es schien mir jedes Mal wie eine Ewigkeit, bis ich den Waschraum wieder verlassen durfte, so auch heute. Als Tante Käte endlich kam, erwartete ich die Prügel, die ich vorhin nicht bekommen hatte, aber ich bekam sie auch jetzt nicht. Sie fasste mich grob an der Hand und zerrte mich in den Spielraum. Dort saßen alle Kinder im Kreis. Ich dachte, ich sei vielleicht schon so lange im Waschraum gewesen, dass jetzt der Abschlusskreis dran war, aber das war es nicht, was mir bevorstand. Diesmal sollte ich etwas Neues erleben. Tante Käte legte mich über ihren Schoß und zog mir die Unterhose herunter. Dann forderte sie ein Kind nach dem anderen auf, mir ordentlich einen Schlag auf den Po zu geben.
Ich weinte, war beschämt und erniedrigt. Alle, wirklich alle, sogar mein Bruder, gehorchten und schlugen zu. Nur meine Freundin Gudrun wollte erst nicht. Sie holte aus, stoppte dann aber und der Schlag war fast nur noch ein Streicheln. „Schlägst du wohl richtig!“, fauchte Tante Käte, und Gudrun musste noch einmal zuschlagen.
Mama stellte mich eines Abends auf den Küchentisch und sah sich meinen Po genauer an. Ihr war aufgefallen, dass er immer wieder rot war. Daraufhin sprach sie mit der Leitung des Kindergartens, und ich kam bald zu den ‚Großen‘. Tante Hannelore verstand mich. Ich liebte sie und sie versuchte, mir etwas Selbstbewusstsein zu geben. Sie sagte zu meiner Mutter, dass ich eine Kämpferin sei und meinen Weg gehen würde. Ich selbst war aber noch weit von solchen Einsichten entfernt und oft traurig. Wohl fühlte ich mich eigentlich nur, wenn am Abend im Kindergarten der Abschlusskreis draußen stattfand. Dann sangen wir Abendlieder und ich schaute mit einer unbestimmbaren Sehnsucht in den Himmel.
Eines Tages erzählte meine Schwester, dass der Verlobte von Tante Käte mit dem Motorrad tödlich verunglückt war. Ich wusste nicht, was das bedeutete, sah aber an den Gesichtern, dass etwas Schlimmes mit ihm passiert und Tante Käte traurig war.
Ich empfand zum ersten Mal Schadenfreude und Tante Käte tat mir nicht leid!
Nachmittags, nach dem Kindergarten, durfte ich manchmal noch mit Gudrun zu ihr nach Hause gehen. Dort war es schön, da war Platz zum Spielen.
Gerade tobten wir im Schlafzimmer der Familie herum, als es klingelte. Gudruns Mutter drückte den Türöffner und hörte jemanden die Treppe heraufkommen. Es war Undine! „Guten Tag, Frau Klein, ich möchte Senga abholen“, hörten wir sie sagen, und Gudruns Mutter bat sie herein. „Wo sind die Kinder denn“, fragte meine Schwester. „Die sind im Schlafzimmer, springen vom Etagenbett in das Ehebett und haben einen Heidenspaß“, sagte Frau Klein.
Als Undine hereinkam, versteckte ich mich unter dem großen Bett von Gudruns Eltern, ich wollte nicht nach Hause. Ich wollte bei Familie Klein bleiben und auch einen so lustigen Papa haben wie meine Freundin. Der konnte Klavier und Akkordeon spielen. Mein Papa war immer so still.
Tatsächlich war mein Vater sehr krank. Er bekam immer wieder Anfälle, die ihn ohnmächtig werden ließen. Wenn er wieder erwachte, wusste er nicht mehr, was er vorher getan hatte.
Einmal saß Papa, nach einem solchen Anfall wieder wach, in seinem Sessel am Rauchtisch, von dem er durch den Türschlitz in den Laden gucken konnte. Plötzlich stand er auf und ging zum Fenster auf die andere Seite der Wohnküche, um in den Garten zu schauen. „Liesel, jemand hat das Motorrad aus dem Garten geklaut, es steht nicht mehr da!“
„Otto, das steht doch im Flur, guck mal.“ Mama traute sich erst nicht, ihm zu sagen, dass er zusammengebrochen war. Später merkte Papa dann selbst, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Mein Vater war in russischer Gefangenschaft gewesen. Er hatte Hunger gelitten, Plünderungen und Diebstähle erlebt, Verletzungen ertragen müssen und Menschen sterben sehen. Völlig ausgemergelt war er nach dem Krieg zurückgekommen. Er selbst sprach aber nie wieder darüber. Seine Nerven hatten aber gelitten, er brauste schnell auf, wenn er sich aufregte. Und jetzt - erst recht nach der Enttäuschung mit seinem Vermieter und Lieferanten - vertraute er den Menschen kaum noch.
Außerdem hatte er einmal einen Schädelbasisbruch gehabt. Die Ärzte konnten damals noch nicht diagnostizieren, woher seine Anfälle kamen. Heute würde man sagen, es war eine Unfall-Epilepsie. Wir Kinder mussten immer leise sein und durften Papa nicht aufregen. Er war eigentlich nie für uns zum Spielen da.
Es gab aber auch schöne Momente mit ihm, und ich habe meinen Vater sehr geliebt.
Wenn Mama die Wohnküche geputzt und den Linoleumboden mit Wachs gebohnert hatte, war so ein Moment. Jetzt musste er ran: „Papa, bitte, nimm mich auf deine Füße.“ Mein Vater hatte Filzpantoffeln an, ich stellte meine kleinen Füße auf seine, und er rutschte mit mir durch die gebohnerte Küche. So wurde der Fußboden noch blanker. Wir tobten dabei so doll herum, dass Mama Einhalt gebieten musste.
Weihnachten mit Papa war immer wunderschön. Er freute sich wie ein kleines Kind, wenn wir uns freuten. Dabei waren die Geschenke sehr bescheiden, aber für uns immer etwas ganz Besonderes. Es gab für die beiden großen Geschwister je einen und für uns Zwillinge zusammen einen Teller mit Süßigkeiten und Apfelsinen. Außerdem gab es ein Geschenk für jeden und eventuell auch noch etwas Neues zum Anziehen.
Einmal bekam ich eine Puppe. Als ich im nächsten Jahr dann bei der Bescherung für mich nur eine Anziehgarnitur für sie fand, war ich enttäuscht. Bernhard hatte auch nur eine Kleinigkeit bekommen. Beide wurden wir ganz still. Dann sagte Papa, wir sollten doch mal etwas zu trinken aus dem Laden holen. Und da standen sie, die beiden ‚Pucki‘-Roller mit den Ballonreifen, die wir uns so gewünscht hatten!
Bei uns Zuhause wurde die Bescherung immer am ersten Weihnachtstag gefeiert, da das bei den Katholiken so üblich war. Vor der Bescherung hatte meine Mutter alle Hände voll zu tun. In der Kochküche stand eine Zinkwanne, in der wir gewaschen wurden, und dann zog Mama uns die Sonntagskleider an. Papa wurschtelte solange nebenan herum und klingelte dann mit dem Glöckchen. „Kinder, das Christkind war da, beeilt euch, Liesel, bist du fertig?“
„Otto, mach uns nicht verrückt, es dauert noch etwas!“, hieß es dann so gut wie immer. Papa konnte es kaum erwarten. bis endlich alle Kinder gewaschen und angezogen waren. Wenn dann die Türe aufging, stand er selbst noch in Hose, Unterhemd und Hosenträgern da statt in seiner Sonntagskluft!
Später saß er dann in seinem Sessel an seinem Rauchtisch, auf dem jetzt das Tannenbäumchen stand. Ich setzte mich auf seinen Schoß, und beide waren wir glücklich und zufrieden. Leider hielt dieses Glück nie lange an, denn nach der Bescherung und dem Frühstück ging der Alltag weiter, Papa machte auch Weihnachten das Geschäft auf.
Als wir Zwillinge 5 Jahre alt wurden, brachte uns unsere Mutter morgens in den Kindergarten. Sie hatte vergessen, dass er am Heiligen Abend geschlossen war, denn bei uns war der Laden ja immer geöffnet. Da standen wir nun vor der verschlossenen Tür. Ich fing an zu weinen und konnte nicht begreifen, dass wir wieder nach Hause mussten. „Alle Kinder feiern ihren Geburtstag im Kindergarten, nur wir nicht. Warum, Mama?“ Ich hatte mich so darauf gefreut! Die Mädchen bekamen immer ein geflochtenes Kränzchen und die Jungen einen Schiffchenhelm aus Papier mit langen bunten Bändern auf den Kopf, dazu gab es kleine Geschenke. Jetzt wollte ich keinen Geburtstag mehr haben. Bei uns zuhause wurde ja nicht gefeiert, denn der Laden war vor Weihnachten immer bis abends voller Kunden.
Gegen Mittag stand auf einmal ‚meine Tante Hannelore‘ in unserer Wohnküche.
„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ihr beiden. Ich kann euch doch heute nicht vergessen, wo doch der Kindergarten zu hat!“ Ich flog ihr in die Arme. „Hier, das ist für dich, Senga, und das ist für dich, Bernhard.“ Bernhard bekam seinen Helm und ich das Kränzchen aufgesetzt. Dann durften wir das Geschenk auspacken.
Tante Hannelore wusste genau, was für jedes einzelne Kind richtig war. Bernhard bekam eine helle, nach frischem Holz duftende Eisenbahn mit drei Waggons und ich ein Buch für Leseanfänger: ‚Uschi und ihre neun treuen Freunde‘. Die Freunde waren Hunde und hatten Namen nach dem Alphabet von A bis I. Ich mochte Hunde gerne, und Tante Hannelore wusste das! Jetzt war meine Welt wieder in Ordnung.
Mein Vater war oft im Krankenhaus. Der Krieg hatte wohl zu viel angerichtet. Sein Herz war nicht in Ordnung, er hatte Gelbsucht und vieles mehr. Sonntags vertrat Tante Hanni Mama im Geschäft, so konnten wir Papa besuchen. Ich ging gerne ins Krankenhaus, wollte Krankenschwester werden und helfen. Wenn die Besuchszeit zu Ende war, durfte ich mit den diensthabenden Schwestern oder Pflegern über die Station gehen, die Glocke schellen und in jedes Zimmer hineinrufen: „Liebe Besucher, die Besuchszeit ist zu Ende!“ Ich fühlte mich dann schon wie eine Krankenschwester.
Eines Sonntags fragte mich ein Pfleger, ob ich mit ihm Zigaretten kaufen gehen wollte. „Ich muss erst meine Mutter fragen“, sagte ich. Mama hatte nichts dagegen und so lief ich mit dem Pfleger zum Krankenhauskiosk. Auf dem Rückweg gingen wir durch die Tiefgarage, wo nur die Krankenwagen und Leichenwagen hineinfuhren. „Ich will dir noch was zeigen“, sagte der Pfleger. Ich war gespannt, denn dort unten war ich noch nicht gewesen.
Plötzlich machte er eine Tür auf, schob mich in den Raum und schloss hinter sich zu. Wir waren auf einer Toilette. Ängstlich schaute ich ihn an, als er sagte: „Du hast aber einen schönen Rock an, lass mal gucken. Und da ist ja auch ein Petticoat, wie hübsch. Du brauchst keine Angst haben. Was ich mache, ist schön.“
Mir blieb vor Angst die Stimme weg. Ich wollte schreien, bekam aber kein Wort heraus. Ich hörte draußen Menschen und sie konnten mir nicht helfen! Der Mann setzte mich auf seinen Schoß, ich spürte sein Glied. Er bewegte sich hin und her und hauchte in mein Ohr: „Hoppe, hoppe Reiter …“ Mir wurde schlecht, hatte das denn kein Ende … Immer wieder erzählte er, wie schön ich aussähe, sang und stöhnte.
Als er fertig war, bedrohte er mich: „Sag bloß niemandem etwas! Wenn du was erzählst, dann kommst du in ein Heim, und deine Eltern werden bestraft, weil sie nicht auf dich aufpassen können. Dein Papa ist viel zu krank und kann sterben, wenn du ihm was sagst!“
Ich fühlte mich wie gelähmt und sagen konnte ich gar nichts. Er fuhr mit mir im Personalaufzug zur Station. Ich begegnete einigen Krankenschwestern, die mich freundlich ansprachen, aber mein inneres lautes Schreien nahmen sie nicht wahr. Ich lief ans Bett meines Vaters und dachte, ich darf nichts sagen, sonst stirbt er. Innerlich platzte ich fast vor Scharm, Schmerz und Angst.
Erst zu Hause - meine Mutter kochte gerade für unser Abendessen Grießbrei – erzählte ich, was am Nachmittag passiert war. Mama tröstete mich: „Das musst du vergessen, mein Kind.“ Später erzählte sie mir, dass sie versucht hat, den Pfleger zu sprechen, aber der war erst in Urlaub und dann nicht mehr da. Sein Bild verfolgte mich jahrelang. Wenn ich sonntags in der Stadtkirche saß, glaubte ich oft, ihn in den hinteren Bänken im Hauptschiff gesehen zu haben.
Die Einschulung zu Ostern (damals fing ein Schuljahr immer zu Ostern an) war mir nicht wichtig. Ich weiß nur noch, dass ich mich hässlich fand. Ich hatte einige Milchzähne verloren, meine Haare wurden immer dünner, die Zöpfe sahen nicht mehr schön aus. Ich schielte, bekam eine Brille, war lang und mager. An mir war nichts mehr schön. „Brillenschlange, ätsch, du bist eine dünne Brillenschlange“, riefen die anderen Kinder. Außerdem war ich noch sehr verspielt und wäre lieber bei Tante Hannelore im Kindergarten geblieben.
Unser Klassenlehrer kam uns sehr alt vor, wir nannten ihn heimlich Opa Bauer. Er war sehr streng, aber auch sehr lieb. Ich mochte ihn schließlich und war dann doch gerne in der Schule. Ich ließ mich aber sehr gerne ablenken und konnte der Versuchung zu schwätzen nicht widerstehen.
Eines Morgens - ich saß in meiner Schulbank auf der Mädchenseite am Fenster und konnte es wieder einmal nicht lassen, mit meiner Nachbarin zu reden - erschreckte mich mein Lehrer, als er urplötzlich neben meinem Platz stand. Er sagte mit fester Stimme: „Senga, jetzt ist Schluss, ich habe dich oft genug ermahnt. Heute bleibst du nach der Schule hier. Du musst nachsitzen. Was du im Unterricht nicht lernst, darfst du danach lernen.“
Mir machte das nichts aus, ich war gerne in der Schule und antwortete: „Das ist mir doch egal!“
Lehrer Bauer war total baff, seine Strafe hatte ihr Ziel verfehlt. „Na, wenn dir das egal ist, dann kannst du nach Hause gehen.“
Ich ging wirklich nach Hause, erzählte dort von dem Vorfall aber nicht. Mein Zwillingsbruder verpetzte mich auch nicht. Vielleicht lag es daran, dass die Klassen damals in eine ‚Mädchenseite‘ und eine ‚Jungenseite‘ unterteilt waren und er den Vorfall gar nicht so genau mitbekommen hatte. Grundsätzlich aber hielten Bernhard und ich in kritischen Situationen ohnehin immer zusammen und beschützten uns gegenseitig gegenüber anderen Personen. Wir zankten uns allerdings manchmal auch ‚wie die Kesselflicker‘.
Für Karneval hatte meine große Schwester uns Zwillingen Kostüme genäht, so dass wir wie Zippel und Zappel aussahen, die beiden kleinen Wichtel aus unserer ersten Lesefibel. Opa Bauer war so begeistert, dass er mit uns durch die anderen Klassen ging und uns überall auf die Pulte stellte, damit man uns bewundern konnte. Ich war mächtig stolz und gefiel mir endlich einmal wieder.
In der zweiten Klasse hatte ich eine sehr nette junge und liebe Lehrerin, Fräulein Pinota. Sie mochte mich, wie auch Tante Hannelore mich gemocht hatte. Zu ihr konnte ich immer kommen, und sie förderte meinen Leistungswillen. Bei ihr wollte ich viel lernen und sie auf keinem Fall enttäuschen. Sie wohnte gleich bei uns um die Ecke bei ihrer Mutter und kam auch bei uns einkaufen. Oft besuchte ich sie am Nachmittag.
Ich hatte die Schulaufgaben fertig und durfte nach draußen zum Spielen. Schnell zog ich meinen karierten Anorak an, rief der Mama ein „Tschüss“ zu, verließ die Wohnung durch die Kochküche und dem Ladenflur und schon schloss ich hinter mir die Haustüre. Heute wollte ich wieder zu meiner Lehrerin. Ein Stückchen ging ich der Straße lang. An der Apotheke war die beste Stelle, die Fahrbahn zu überqueren. Ich schaute nach links und rechts und lief ganz vorsichtig über die befahrene Bundesstraße, auf der auch alle 10 Minuten der Linienbus fuhr. Einige Meter weiter bog ich links um die Ecke in die Straße ein, in der Fräulein Pinota bei ihrer Mutter wohnte.
Eine ihrer Nachbarinnen in dem Mehrfamilienhaus des Beamtenbauvereins sah mich aus ihrem Fenster.
Ich grüßte freundlich, hüpfte die paar Stufen zur Eingangstür hoch und klingelte.
Der Türdrücker summte, ich drückte die Tür auf. Der Hausflur war grau gekachelt und hatte einen groben rauen Steinboden, es roch nach verschiedenen Mittagessen.
Mit wenigen Schritten stand ich vor der Mutter meiner Lehrerin. Sie war eine schlanke kleine Frau mit graubraunem Haar und einem schmalen Gesicht. Immer, wenn ich kam, trug sie eine weiße Schürze, als wüsste sie, dass Besuch kommt und sie später Kekse und etwas zu trinken zu servieren hatte. „Guten Tag, ist meine Lehrerin da?“
„Ja, Kind, komm rein, meine Tochter ist da.“ Frau Pinota führte mich durch den dunklen Korridor in das Arbeitszimmer meiner Lehrerin.
Fräulein Pinota saß hinter ihrem großen dunklen alten Schreibtisch. „Na, willst du mir wieder einmal Gesellschaft leisten?“ Sie lachte. „Ich habe aber viel Arbeit, du musst ganz leise sein.“ Mir reichte es, wenn ich sie an ihrem Schreibtisch sitzen sah und ihr bei der Arbeit zusehen konnte. Manchmal durfte ich auch ihren Papierkorb ausleeren.
Ich war einfach glücklich, wenn ich bei ihr war, ich glaube, ich habe sie geliebt.
Eines Tages erzählte sie uns in der Schule, dass sie ab nun in einer anderen Stadt Lehrerin werde, und stellte uns unseren neuen Lehrer, Herrn Becker, vor. Ich war entsetzt und tief traurig. Warum musste sie mich verlassen?
Gott sei Dank war Herr Becker nett, sonst hätte ich es Fräulein Pinota nie verziehen.
Ich erinnere mich, dass er uns einmal einen neuen Mitschüler vorstellte und uns bat, den Jungen gut aufzunehmen. Der Neue saß in meiner Nähe, war immer braun angezogen und sah immer wüst und ungekämmt aus. Er tat mir leid, er war wohl arm. Ich hatte das Bedürfnis, mich um ihn zu kümmern. Er erzählte mir, er wohne im Wald, und das fand ich spannend, denn ich interessierte mich sehr für Tiere und die Natur.
Er war nicht lange in unserer Klasse, wo er verblieb, weiß ich nicht.
Spaß machte mir unser Schulgarten, den Lehrer Becker mit uns angelegt hatte. Wir gruben die Erde um, pflanzten Petersilie, Schnittlauch, Möhren und Kartoffeln. Es war schön, die Beete zu hegen und zu pflegen und zu sehen, wie die Samen plötzlich sprießen und die kleinen Pflanzen mit der Zeit wachsen. Wir lernten, dass die Regenwürmer die Erde umgruben und belüfteten. Hier sah ich, dass man sich die Natur mit eigener Hände Arbeit zunutze machen kann und im Gegensatz zum Unterricht ein sichtbares Ergebnis vorweisen konnte.
Viele Freundschaften hatten sich in der zweiten und dritten Klasse verfestigt. Ich gehörte zu keiner festen Gruppe, spielte mal hier und mal da mit. Zu gerne wollte ich zu Mechthild, Brunhilde Kirstin und Kati gehören. Die ließen mich aber nicht in ihren Kreis. Sie waren ‚richtige Mädchen‘. Ich dagegen verhielt mich eher wie ein Junge, kletterte gerne auf Bäume und spielte Fußball, aber ansonsten wusste ich nicht, warum sie mich ausklammerten, und war darüber sehr traurig. Jede einzelne sprach nur mit mir, wenn die anderen nicht dabei waren. Mama sagte: „Vielleicht sind die etwas Besseres, die Väter sind Beamte und verkehren in anderen Kreisen.“
Das verstand ich gar nicht. Mein Papa hatte doch ein Geschäft und war doch nicht weniger wert!
Nachmittags spielte ich nach wie vor mit meiner Freundin Gudrun. Wir nannten uns mittlerweile Max und Moritz. Gudrun war Moritz, weil sie lange Haare hatte, ich war Max. Wir kletterten auf Bäume, stahlen Äpfel, turnten auf den Garagen herum und ärgerten so die Nachbarn.
Bernhard und ich spielten wenig draußen zusammen. Er war mir zu langweilig, tobte nicht so herum wie ich und hatte vor allem Angst, was gefährlich sein konnte. Selten spielten wir oben in einem der Schlafzimmer zusammen mit der Eisenbahn oder mit der Puppe ‚Familie‘. Manchmal spielten wir mit Undine und Mama am Küchentisch Gesellschaftsspiele wie ‚Mühle‘ und ‚Mensch ärgere dich nicht‘. Konrad war selten dabei, er war mit dem Fahrrad unterwegs und bei Freunden. Ja, und Papa musste immer in den Laden.
In den Schulferien fuhren wir Zwillinge mit Tante Hanni nach Walding bei Trier.
Dort wohnte ein Bruder von ihr. Onkel Alfred und Tante Anni hatten eine Tochter im gleichen Alter wie wir. Wir wurden dort gerne aufgenommen, zumal wir uns prächtig mit Petra verstanden. Wir kannten sie gut, denn Petra war auch immer zu Besuch bei Tante Hanni in Kottenstein.
Ich fühlte mich in dem kleinen Dorf wie im Paradies. Am liebsten hielt ich mich bei den Bauern nebenan auf, spielte mit den Tieren und tobte mit Petra durch das Heu.
Als das Wetter mal nicht so gut war, spielten Bernhard, Petra und ich im Haus.
„Kommt, lasst uns mal ‚Doktor‘ spielen“, kam einer von uns auf die Idee. Klar war, dass wir uns dabei auszogen und uns überall genau untersuchten. Beim Arzt macht man das ja auch.
Tante Hanni war entsetzt, als sie uns dabei sah. „Was macht ihr denn da?!“ Wir bekamen direkt eine ordentliche Tracht Prügel und mussten für den Rest des Tages ins Bett. Ich hatte nicht verstanden, warum wir bestraft wurden, wir hatten doch nichts Böses getan.
Im Jahr darauf fuhren wir wieder in den Sommerferien nach Walding. Diesmal setzte uns Tante Hanni in Köln in den durchfahrenden Zug und bat den Schaffner, ein Auge auf uns zu haben. Wir wussten, dass wir auf unseren Plätzen sitzen bleiben sollten, bis er uns zum Aussteigen aufforderte.
Tante Anni und Onkel Alfred holten uns in Walding vom Bahnhof ab. Stolz und froh, die Fahrt gemeistert zu haben, fielen wir ihnen in die Arme! Ich freute mich, Petra wiederzusehen. Dort in Reinland-Pfalz waren noch keine Ferien. Petra musste also noch ein paar Tage in den Unterricht, und wir gingen einfach mit in ihre Schule.
An einem der nächsten Tage sah ich einen Schäfer mit einer großen Herde die Straße heraufkommen. Ich spielte gerade mit den Nachbarkindern auf dem Nachbarhof auf einem Sandhaufen, Schnell sprangen wir hinunter und liefen der Herde hinterher auf die Bergweide.
Der Schäfer blieb mit seinen Tieren den ganzen Tag auf der Weide. Auch ich hielt mich den ganzen Tag dort auf, lief nur schnell zu den Mahlzeiten heim. Abends sah ich, wie der Schäfer ein kleines Lamm in einen Sack steckte. Es hatte die Beinchen mit Bast umwickelt. „Sie können doch nicht das arme Lämmchen in den Sack stecken und den Sack zubinden!“, schrie ich ihn an. „He, hören Sie nicht, das ist doch schrecklich.“
Der Schäfer knurrte nur mürrisch, es sei nicht schnell genug, um mit der Herde zu laufen, die Beine seien noch zu schwach. Ich ging ihm wohl auf die Nerven, wollte er doch zügig weiter. „Dann nimm du doch das Schaf, ich schenke es dir, du kannst es haben“, fauchte er und stellte den Sack vor meine Füße.
Ich hatte ein Schäfchen gerettet! Glücklich nahm ich das Tier auf den Arm und brachte es zu Tante Anni und Onkel Alfred. „Was willst du denn mit dem stinkenden Schaf“, schimpfte die Tante und Onkel Alfred meinte: „Das Tier kann nicht hier bleiben, wir haben doch keinen Stall. Geh mal zum Nachbarn, der stellt es vielleicht in seinen Kuhstall.“
Dort durfte mein Schäfchen dann tatsächlich bleiben, und ich besuchte es jeden Tag.
Aber ich durfte es, obwohl ich die tollsten Vorschläge machte, wo ich es in Kottenstein unterbringen könnte, nicht mit nach Hause nehmen. Man versprach mir, gut für mein Schäfchen zu sorgen. Eines Tages erhielt ich per Post die Nachricht, es sei gestorben. Ich war todtraurig. Erst Jahre später verstand ich, dass es der Bauernfamilie wohl gut geschmeckt hatte.
Wieder Zuhause flogen die kommenden Wochen nur so vorüber. Undine hatte die Realschule mit Erfolg beendet und begann eine Ausbildung als Medizinischtechnische Assistentin. Ich sah meine beiden großen Geschwister kaum noch. Konrad hatte angefangen, mit dem Fahrrad Wein für einen Weinhandel auszufahren, um ein Taschengeld zu haben. Wenn er in der Wohnküche Schulaufgaben machte, waren wir Zwillinge schon damit fertig und tobten draußen herum.
Ich sehnte mich nach den Ferien, um wieder in mein geliebtes Dorf zu fahren!
Dieses Mal durfte ich schon im Herbst wieder dorthin, und das ganz alleine. Bernhard war auf Norderney in einer Kur, weil er immer so kränklich war. Ich hatte keine Angst, so alleine zu fahren. In Köln musste ich umsteigen. Damit ich auch wirklich den richtigen Zug bekam, fragte ich bestimmt dreimal bei den Schaffnern nach. Ansonsten wusste ich von Mama, dass ich nicht vom Platz im Zug weggehen sollte, und dass ich vor dem Aussteigen nicht zu nahe an die Tür gehen durfte.
Wieder verbrachte ich herrliche Ferientage mit Petra! Und am Ende meines Aufenthalts bekam ich ein Kätzchen geschenkt. Waldi, so nannte ich es, musste nun aber unbedingt mit nach Hause. So wurde die Katze in einen Schuhkarton mit vielen Luftlöchern gesteckt und trat mit mir die Fahrt an. Es war eine aufregende Reise. In Köln, beim Umsteigen, hielt der Karton nicht mehr, und ich hörte ein Kind rufen: „Mami, schau mal, da kommt ein Kätzchen raus.“ Schnell packte ich Waldi und trug sie von da an auf dem Arm weiter. „Na, hat die Katze denn auch eine Fahrkarte?“,
fragte der Schaffner. Ich bekam einen Schreck, aber er lachte schließlich. „Komm gut nach Hause, Kleine!“ Ich war erleichtert.
Endlich zu Hause, kam ich strahlend in unseren Laden. Mama und Papa bedienten gerade Kundschaft. Mama sah das Kätzchen, verzog ihr Gesicht und lotste mich direkt in die Wohnküche. „Ach du meine Güte, was sollen wir denn mit der Katze?
Hoffentlich regt sich Papa nicht auf.“
Ich kann mich nicht erinnern, dass Papa sich aufgeregt hat. Nur Mama meinte, die Katze könne schon allein wegen der Hauptstraße nicht bleiben. Waldi war so eine liebe kleine Katze, sie sprang in den Putzeimer und machte dort ihre ‚Geschäfte‘ hinein. Sie kratzte nicht, lief auch nicht ins Geschäft. Trotzdem war mein Glück eine Woche später zu Ende. Ich weinte, aber es half nichts. Meine Schwester brachte Waldi zu einer Kollegin, deren Eltern einen Bauernhof hatten.
Es war selbstverständlich, dass wir Zwillinge zur Ersten Heiligen Kommunion gingen. Aber schon der Kommunionunterricht, der einige Monate vor dem Fest begann und wöchentlich stattfand, gefiel mir überhaupt nicht. Ich wusste mit dem ‚Kirchenkram‘ nichts anzufangen. Nur die kleinen Geschichten auf der letzten Seite der ‚Kinderfreund‘-Heftchen waren spannend. Die Beichte vermittelte mir immer das Gefühl, ich sei ausschließlich schlecht und böse. Bernhard dagegen war sehr gläubig. Wenn ich nach dem Unterricht mal wieder schimpfte und alles blöd fand, dann sagte er: „Du ungläubiger Thomas, du kommst in die Hölle.“ Das machte mir dann doch ein bisschen Angst. Ich ärgerte ihn dann mit: „Und du bekommst eine Holzeisenbahn!“, denn er erwünschte sich sehnlichst eine elektrische – und schon war der Streit da. Bernhard ärgerte mich sowieso inzwischen gern. Das Blatt hatte sich gewendet: Jetzt war ich die ängstlichere. Wenn Bernhard mich abends von einer Freundin abholen sollte, weil ich Angst hatte, alleine durch die Dunkelheit zu gehen, erschreckte er mich immer. „Pass auf, da …! Da ist ein Buhmann!“ Ich weinte deshalb oft. Mama schimpfte dann mit meinem Bruder, was aber nicht viel änderte.
Einmal sperrte Bernhard mich sogar beim Versteckspielen im Kleiderschrank ein.
Wir zankten uns weiterhin ‚wie die Kesselflicker‘, wenn es aber darauf ankam, dann hielten wir zusammen wie sonst niemand. Wenn sich zum Beispiel ein Kind darüber lustig machte, dass Bernhard stotterte, wie er es von klein auf tat, war es nicht selten, dass ich dieses Kind verprügelte.
Durch unseren Geschäftshaushalt wurden wir sehr früh zur Selbständigkeit erzogen und mussten auch einige Aufgaben übernehmen. So war es selbstverständlich für meine Mutter, dass wir Zwillinge nach dem Mittagessen das Geschirr abwuschen.
Ich kann mich nicht erinnern, dass Undine oder Konrad einmal abwuschen und abtrockneten. Vielleicht hatten sie andere Aufgaben, an die ich mich nicht erinnere.
Wir gingen auch öfter gegenüber in das Lebensmittelgeschäft oder die Straße hinauf zum Bäcker oder ins Milchgeschäft zum Einkaufen. Die Milch holte ich am liebsten, denn die wurde damals in die mitgebrachte Milchkanne abgefüllt, und die konnte man wunderbar mit langgestrecktem Arm im Kreis herumwirbeln.
In meiner freien Zeit war ich meistens unterwegs. Nach den Schulaufgaben spielte ich draußen, ob es regnete oder schneite. Erst zum Abendessen kam ich wieder nach Hause. Abends saß nicht die ganze Familie am Tisch, wie mittags nach der Schule.
Meistens aßen wir Zwillinge zuerst. Mutti hatte uns Brote geschmiert oder eine Grieß- oder Milchsuppe gekocht. Danach mussten wir spätestens um 19:30 Uhr im Bett sein. Bis 20 Uhr durften wir noch lesen.
Eines Tages fand ich draußen einen kleinen Vogel, der aus dem Nest gefallen war.
Das Nest war leer, und es waren keine Vogeleltern mehr zu sehen. Ich machte dem Tierchen ein kleines Nest in einem Karton und stellte ihn in einen Hohlraum unter dem Dach des Toilettenhäuschens. Das Häuschen war mit unserem Haus direkt verbunden, es war irgendwann mal angebaut worden. Pflichtbewusst umsorgte ich das Vögelchen mit Regenwürmern. Jeden Morgen, wenn ich aufstand, rannte ich zuerst zur Toilette und pochte mit einem Besenstiel unter das Dach. Max piepste dann, und ich wusste, er lebt!
Eines Morgens kam kein Piepsen mehr. Max war tot. Ich weinte. Max bekam ein Grab im Garten. Als ich ihn beerdigte, weinte ich immer noch leise vor mich hin.
Nachbarskinder sahen das und lästerten. Mein Weinen wurde lauter und Papa hörte mich. „Hörst du wohl auf zu weinen“, schrie er und rannte aufgebracht auf mich zu.
Ich bekam Angst, weil er seinen Gehstock hoch durch die Luft wirbelte, und rannte weg. Papa hinter mir her. Aber er holte mich nicht ein. Lange traute ich mich nicht nach Hause. Als ich dann später erschien, war wieder alles in Ordnung. Papa hatte es nur nicht ertragen können, dass ich so geweint hatte … Für mich war die Geschichte ein weiteres schreckliches Erlebnis, wusste ich doch nicht mehr, ob mich überhaupt jemand verstand.
Viel freie Zeit blieb mir nicht, denn wir Zwillinge waren nicht nur für den Abwasch zuständig. Wenn Papa gut verkauft hatte und nicht mehr genug Ware im Geschäft war, fuhren wir mit einem Bollerwagen zu einem anderen Laden. Der Inhaber überließ unserem Vater das Fehlende dann zum Einkaufspreis, so dass Papa bis zum nächsten Besuch des Großhändlers wieder ausreichend Ware für seine Kunden hatte.
Später begriff ich, dass mein Vater nicht immer genug bestellen konnte, weil das Geld fehlte.
Für ältere Kunden boten meine Eltern Bringdienste an, die wir ‚Kleinen‘ dann gemeinsam oder auch allein übernahmen. Daraus entwickelte sich auch, dass wir für die älteren Damen Kohlen aus dem Keller holen und die Treppe putzen mussten. Für unsere Kunden wurde alles getan. Manchmal bekamen wir eine Tafel Schokolade oder ein paar Groschen als Dank. Wir freuten uns sehr, da wir kein Taschengeld bekamen. Oft waren mir diese Botengänge zwar lästig, andererseits war ich damit aber für meine Eltern wichtig.
Ein alter pensionierter Lehrer wollte seine Zigarren nach Hause gebracht haben. Er verhielt sich plötzlich komisch, drückte mich an sich und wollte mich küssen. Ich weiß nur noch, dass ich es ziemlich widerlich fand und alle Kraft einsetzte, um mich zu befreien. Zu Hause sagte ich nur, dass ich da nicht mehr hingehen würde.
Am Weißen Sonntag, dem Sonntag nach Ostern, gingen wir schließlich zur Kommunion. Für mich hatte das wenig Bedeutung, ich freute mich nur über die Verwandten, die zu Besuch kamen. Mein Vater war leider wieder im Krankenhaus.
Ein paar Wochen später brach ich mir beim Sturz während des Seilspringens (meine Lackschuhe mit Schleifen waren schuld) den linken Unterarm. Es war ein Sonntag.
Meine Mutter machte mir aus den Seiten einer Zigarrenkiste eine Holzschiene und schickte mich am nächsten Tag zur Unfallklinik. Ganz alleine fuhr ich mit dem Bus in die Stadt und fragte mich bis zur Klinik durch. Der Arzt staunte nicht schlecht, als ich alleine vor ihm stand. „Sag mal, wie hast du das denn hingekriegt?“ Väterlich sprach er auf mich ein. Ich sollte mich auf eine Trage legen. „So, und nun musst du laut Schäfchen zählen. Ich lege dir jetzt einen Narkose-Lappen auf die Nase, du wirst langsam einschlafen.“
Der Äther war widerlich, keine zehn Schäfchen hatte ich gezählt. Als ich wach wurde, hatte ich einen dicken Gipsarm. Mir war schlecht und zum Heulen zumute.
„Sechs Wochen musst du nun den Gips tragen, dann kommst du wieder. Ich nehme dir den Gips dann wieder ab. Jetzt bestellen wir dir erst einmal ein Taxi, damit du gut nach Hause kommst. Tschüss und alles Gute, du warst sehr tapfer.“
Die Autofahrt verschlimmerte die Übelkeit noch. Mutti bediente gerade Kundschaft und schickte mich in die Wohnküche. Bernhard war da und meinte plötzlich, mit Fliegenspray herumsprühen zu müssen. Ich merkte, dass ich mich übergeben musste, und stürzte hinaus in den Garten. Mein Zwillingsbruder wurde mächtig ausgeschimpft. Ich war allein dort auf der Wiese und weinte, bis ich endlich wenigstens einen Stuhl gebracht bekam, auf den ich mich setzen konnte.
Für die Ferien in diesem Sommer fuhren wir Zwillinge wieder gemeinsam nach Walding und gingen, wie ich es schon beim letzten Mal getan hatte, mit Petra für die letzten Tage vor ihren eigenen Ferien in ihre Schule Der Dorfpastor und Religionslehrer mochte mich überhaupt nicht. Es zierte sich nicht, als Mädchen in kurzer Lederhose herumzulaufen. Als katholisches Mädchen hatte ich Röcke und Kleider zu tragen, überhaupt benahm ich mich ja wie ein Junge.
Ich hatte schnell Spielfreunde gefunden und tobte mit den Jungen herum. Mein Bruder dagegen bot sich gleich als Messdiener an und stand beim Herrn Pastor hoch im Kurs.
In der Dorfschule war die Prügelstrafe Gang und Gäbe. In unserer Schule zuhause, so musste ich ein gutes Jahr später erfahren, wurde zwar auch noch geschlagen, aber bei uns war es doch eher die Ausnahme. In Walding dagegen wurde mein bester Freund fast täglich mit dem Stock regelrecht verprügelt. Für mich war das ein Grund, noch mehr mit ihm zusammen zu sein. Wir bauten nachmittags im Wald Höhlenbuden, spielten am Wasser und tobten durchs Gehölz. Siegfried nahm mich mit zu sich nach Hause. Er hatte acht Geschwister, seine Eltern hatten nicht viel Geld, aber trotzdem war ich dort herzlich willkommen. Ich durfte sogar mit zu Abend essen.
Am anderen Tag hatte sich schon herumgesprochen, dass ich bei seiner Familie gewesen war. „Katzenmetzgersfrau“ riefen von nun an die anderen Dorfkinder hinter mir her. Denn es ging das Gerücht herum, Siegfrieds Eltern würden Katzen schlachten und der Familie zu essen geben. Ich lief dem Anführer der Horde hinterher und verprügelte ihn mit meinem Gipsarm dermaßen, dass er die anderen Kinder zurückpfiff und nie wieder etwas gegen mich unternahm.
Kurz vor Ende der Sommerferien juckte die Haut unter meinem Gipsverband immer mehr. Es nutzte kaum noch etwas, mit einer langen Stricknadel darunterzugehen, um mich zu kratzen. Ich machte mir den Gips einfach ab. Wieder zurück in Kottenstein, wurde ich vom Arzt mächtig dafür ausgeschimpft. Ich hatte aber Glück, der Arm war richtig geheilt.
In den Herbstferien kam Petra zu Besuch zu ihrer Tante Hanni in Kottenstein. Tante Hanni war seit einem Jahr Witwe und freute sich jetzt ganz besonders auf den Besuch ihres Patenkindes, der Tochter ihres Bruders Alfred. Petra und ich waren mittlerweile 9 Jahre alt und richtig gute Freundinnen geworden.
Eines Nachmittags, wir spielten unten im Garten, rief Tante Hanni uns: „Kommt ihr beide mal eben nach oben? Ich habe eine Bitte!“ Sie bewohnte eine Drei-Zimmerwohnung mit Bad in einem Drei-Etagen-Haus des Beamtenbauvereins. Wir Zwillinge durften samstags öfters bei ihr baden, was immer ein Erlebnis war, da wir zuhause keine richtige Badewanne hatten. Schnell rannten wir in den ersten Stock zu ihrer Wohnung.
„Diese Flasche Stones Dover habe ich für Tante und Onkel Zeimatat gekauft“, sagte sie. „Bitte bringt sie schnell hin, aber vorsichtig und macht unterwegs keinen Blödsinn - nicht, dass die Flasche kaputt geht!“
Wir versprachen ganz vorsichtig zu sein und trugen die Flasche wie ein rohes Ei. Bei Familie Zeimatat angekommen schellte ich, und dann passierte es: Als Frau Zeimatat die Tür öffnete, ließ ich die Flasche fallen. Sie zerbrach in tausend Stücke und der gute Kräuterschnaps floss die Steintreppe hinunter. Wir Mädchen bekamen beide einen Lachanfall und kriegten uns nicht mehr ein. Es war einfach zu komisch. Da hatten wir so aufgepasst und dann …!
„Kinder, das ist doch nichts zum Lachen. Schämt euch, könnt ihr denn nicht einmal aufpassen?“ Frau Zeimatat schimpfte und schickte uns sofort nach Hause. Als wir Tante Hanni beichteten, was passiert war, bekamen wir beide eine Tracht Prügel, Petra bekam Stubenarrest und ich musste nach Hause gehen. Wir fanden das im Nachhinein sehr ungerecht und beschlossen, keine Flasche mehr wegzubringen.
Weihnachten näherte sich. Die vierte Klasse sollte ein Märchen zur Weihnachtsfeier aufführen. Herr Becker verteilte die Rollen. Ich hatte mich gemeldet und sollte ein Schaf spielen. Wir probten bei einer Klassenkameradin, deren Mutter Lehrerin auf einem Gymnasium war. Ich hatte großen Respekt vor dieser Frau, zumal sie sehr streng war. Die Proben liefen schließlich ein paar Tage vor der Aufführung schon ganz gut. Aber ausgerechnet am Morgen unseres Auftritts quälten mich Hals- und Kopfschmerzen. Ich schleppte mich trotzdem in die Schule.
