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Dieser Band enthält folgende Western: Pete Hackett: Todgeweiht am Pecos Neal Chadwick: Die Teufelinnen von Virginia City Ein Marshal. Ein Bordell. Ein Pakt mit dem Teufel. Town Marshal Jim Cranston ist ein Mann, der auf Messers Schneide tanzt. Bei Tag sorgt sein Colt für ein brüchiges Gesetz in den staubigen Straßen von Virginia City. Bei Nacht gehört seine Aufmerksamkeit der Blue Creek Ranch – seinem gut laufenden Bordell und der einzigen Heimat, die er kennt. Doch der Frieden ist trügerisch. Sein Erzfeind, der skrupellose Saloonbesitzer Greg O’Kieran, will alles, was Cranston besitzt: seine Ranch, seine Stadt und sein Leben. Als die geheimnisvolle und wunderschöne Isabella de la Rocha in die Stadt reitet, bringt sie mehr als nur ihre dunklen Augen mit – sie bringt den Schatten des berüchtigten Outlaws El Escorpión mit sich, eines Mannes, der so brutal ist, dass selbst die Wölfe vor ihm fliehen. O’Kieran wittert seine Chance und schmiedet eine blutige Allianz, die Virginia City in die Hölle zu stürzen droht.
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Seitenzahl: 307
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Western Doppelband 1065
Copyright
Todgeweiht am Pecos: Pete Hackett Western Edition 146
Die Teufelinnen von Virginia City: Western
Titelseite
Cover
Inhaltsverzeichnis
Buchanfang
Dieser Band enthält folgende Western:
Pete Hackett: Todgeweiht am Pecos
Neal Chadwick: Die Teufelinnen von Virginia City
Ein Marshal. Ein Bordell. Ein Pakt mit dem Teufel.
Town Marshal Jim Cranston ist ein Mann, der auf Messers Schneide tanzt. Bei Tag sorgt sein Colt für ein brüchiges Gesetz in den staubigen Straßen von Virginia City. Bei Nacht gehört seine Aufmerksamkeit der Blue Creek Ranch – seinem gut laufenden Bordell und der einzigen Heimat, die er kennt. Doch der Frieden ist trügerisch. Sein Erzfeind, der skrupellose Saloonbesitzer Greg O’Kieran, will alles, was Cranston besitzt: seine Ranch, seine Stadt und sein Leben.
Als die geheimnisvolle und wunderschöne Isabella de la Rocha in die Stadt reitet, bringt sie mehr als nur ihre dunklen Augen mit – sie bringt den Schatten des berüchtigten Outlaws El Escorpión mit sich, eines Mannes, der so brutal ist, dass selbst die Wölfe vor ihm fliehen. O’Kieran wittert seine Chance und schmiedet eine blutige Allianz, die Virginia City in die Hölle zu stürzen droht.
Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
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U.S. Marshal Bill Logan
Band 24
Western von Pete Hackett
U.S. Marshal Bill Logan – die neue Western-Romanserie von Bestseller-Autor Pete Hackett! Abgeschlossene Romane aus einer erbarmungslosen Zeit über einen einsamen Kämpfer für das Recht.
Über den Autor
Unter dem Pseudonym Pete Hackett verbirgt sich der Schriftsteller Peter Haberl. Er schreibt Romane über die Pionierzeit des amerikanischen Westens, denen eine archaische Kraft innewohnt, wie sie sonst nur dem jungen G.F.Unger eigen war – eisenhart und bleihaltig. Seit langem ist es nicht mehr gelungen, diese Epoche in ihrer epischen Breite so mitreißend und authentisch darzustellen.
Mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren ist Pete Hackett (alias Peter Haberl) einer der erfolgreichsten lebenden Western-Autoren. Für den Bastei-Verlag schrieb er unter dem Pseudonym William Scott die Serie "Texas-Marshal" und zahlreiche andere Romane. Ex-Bastei-Cheflektor Peter Thannisch: "Pete Hackett ist ein Phänomen, das ich gern mit dem jungen G.F. Unger vergleiche. Seine Western sind mannhaft und von edler Gesinnung."
Hackett ist auch Verfasser der neuen Serie "Der Kopfgeldjäger". Sie erscheint exklusiv als E-book bei CassiopeiaPress.
***
"Lauft!", brüllte Doug Palmer und schwang die Peitsche. Die Kutsche rumpelte und schlingerte, die Hufe trappelten ein dröhnendes Stakkato, die Peitsche knallte. Unter den Rädern wurde eine wallende Staubfahne hochgewirbelt. "Lauft, ihr Ziegenböcke!"
Die sechs Pferde legten sich ins Geschirr und rasten mit aufgerissenen Mäulern dahin. Aber so sehr Doug Palmer die Gespannpferde auch antrieb, die sechs Maskierten auf ihren Pferden holten sie ein. Der Reitwind bog die Krempen ihrer Hüte vorne senkrecht in die Höhe. Die Halstücher, die sie sich vor die Gesichter gebunden hatten, flatterten. Doug Palmer schlug mit der Peitsche nach einem der Banditen, der auf seiner Höhe auf seinem Pferd dahindonnerte. Ein Colt krachte, der Mündungsstrahl stieß auf Doug Palmer zu. Er stürzte kopfüber vom Bock und kam unter die Räder. Führerlos raste die Concord dahin ...
Bob Floyd, der Begleitmann des Kutschers, klammerte sich fast verzweifelt am Geländer des Kutschbockes fest. Er wurde auf der harten Holzbank durch und durch geschüttelt. Nicht besser erging es den drei Passagieren in der Kutsche. Es waren zwei Männer und eine Frau, die ein dunkles Kostüm trug. Entsetzen prägte die Mienen. Die Frau stieß entsetzte Schreie aus.
Und dann kam die Kutsche zum Stehen. Zwei der Banditen war es gelungen, die Gespannpferde zu stoppen. Wiehern erklang. Die Tiere stampften erregt. Einer der Kerle riss vom Sattel aus den Schlag der Stagecoach auf. "Aussteigen!", kommandierte er. "Und falls jemand von euch eine Waffe besitzt, sollte er sie stecken lassen. Raus jetzt, vorwärts!"
Die beiden Männer und die Frau kamen nacheinander ins Freie. Niemand wagte auch nur falsch mit der Wimper zu zucken. Der Begleitmann musste vom Bock klettern und sich zu den Passagieren stellen. Bob Floyd hatte die Hände in Schulterhöhe erhoben, um zu dokumentieren, dass er nicht an Gegenwehr dachte.
Vier der Banditen hielten sie in Schach.
Zwei Maskierte waren abgesessen. Einer brach den Wagenkasten auf, der mit einem Vorhängeschloss gesichert war. Da stand eine kleine, eisenbeschlagene Geldtruhe. Die Maskierten hoben sie heraus. Einer von ihnen lachte triumphierend auf. Das Halstuch über seinem Mund blähte sich ein wenig. "Wenn wir richtig informiert wurden, dann sind in der Kiste 40.000 Bucks! Die Dummköpfe in Lubbock waren sicher der Meinung, dass kein Schwein diesen Haufen Geld in einer stinknormalen Linienkutsche vermutet."
Sie stellten die Truhe auf die Erde. Auch sie war mit einem Vorhängeschloss gesichert. Der Bursche, der eben gesprochen hatte, schoss es kurzerhand auf. Sein Kumpan klappte den Deckel in die Höhe.
Banditen, Fahrgäste und Bob Floyd stauten den Atem gleichermaßen. Dann schnappte einer der Postkutschenräuber: "Heavens, damit haben wir ausgesorgt bis ans Ende unserer Tage." Dann schwang er herum, lief zu seinem Pferd und schnallte die Satteltaschen los. Er holte auch die Satteltaschen vom Pferd seinen Komplizen, der die Passagiere und Bob Floyd in Schach hielt. Er warf die Satteltaschen Bob Floyd vor die Füße. "Füll das Geld hinein, mein Freund. Mach schon. Schließlich wollen wir hier keine Wurzeln schlagen."
Bob Floyd bückte sich nach den beiden Satteltaschenpaaren, hob sie auf, ging zu der Geldkiste, die bis oben mit gebündelten Banknoten gefüllt war, und beugte sich über sie.
So viel Geld hatte der Kutschenbegleiter in seinem ganzen Leben noch nicht auf einem Haufen gesehen.
Die prallgefüllten Taschen reichte er dem Banditen. Der hängte sie sich über den abgewinkelten Unterarm und trug sie zu seinem Pferd, warf sie über den Widerrist des Tieres und saß auf.
Der andere stieß hervor: "Okay, Leute. Nun marschiert los. Wenn ihr flott geht, könnt ihr in zwei Stunden in Canyon sein. In der Stadt stellt man euch sicher einen Wagen oder ein paar Pferde zur Verfügung, damit ihr weiter nach Amarillo kommt."
"Ich möchte nach Doug sehen", entrang es sich Bob Floyd. "Wir können ihn nicht einfach hier liegen lassen. Bitte ..."
Der Bandit überlegte kurz, dann rief er: "Jack, sieh nach dem Kutscher."
Einer der Wegelagerer zog sein Pferd herum, gab ihm den Kopf frei und kitzelte es mit den Sporen. Er ritt zu der reglosen Gestalt hin, die mitten auf der von tiefen Spurrinnen zerfurchten Straße lag. Der Bandit kletterte vom Pferd, drehte den Kutscher auf den Rücken, richtete sich auf und rief: "Tot. Sieht übel zugerichtet aus."
Er war mit einem Satz wieder im Sattel und kam zurück.
Ohne jede Gemütsregung sagte der Bandit, der breitbeinig und mit angeschlagenem Colt vor Bob Floyd stand: "Du hörst es, Hombre. Du kannst ihm nicht mehr helfen. Jetzt schwingt die Hufe. Du, Lady, kannst die drei Gentlemen unterwegs ja etwas aufmuntern."
Der Maskierte lachte anzüglich, ließ den Colt einmal um den Finger rotieren und stieß ihn ins Holster. Dann ging er zu der Kutsche und kappte die Leinen der Gespannpferde. "Die nehmen wir mit!", rief er. "Das sichert uns einen guten Vorsprung."
*
40.000 Dollar!
Das war eine Summe, von der ich gar keine richtige Vorstellung hatte. 40.000 Dollar verdiente ich als U.S. Marshal etwa in 100 Jahren.
Ich bin Bill Logan. Seit geraumer Zeit reite ich für das 'District Court for the Northern District of Texas'. Die Suche nach meinem Bruder Robin hatte mich in den texanischen Panhandle verschlagen. Hier war ich hängengeblieben. Es gab eine Frau, die mich liebte, und ich hatte in Joe Hawk, meinem Teamgefährten, den besten Freund gefunden, den sich ein Mann wünschen kann.
Jerome Frederick Humphrey war unser Boss. Humphrey war Bundesrichter, genau gesagt oberster Richter des Distriktgerichts. Er war so etwas wie das Synonym für Recht und Ordnung im Panhandle.
Jetzt saßen wir Humphrey in seinem Büro im Court House von Amarillo gegenüber. Soeben hatte er uns eröffnet, dass die Stagecoach, die zwischen Lubbock und Amarillo verkehrte, überfallen worden war, dass der Kutscher ermordet wurde und dass die Banditen 40.000 Dollar geraubt hatten.
"Es waren sechs Maskierte", erklärte der Richter. "Und es handelt sich nach der Beschreibung des Kutschenbegleiters um die Stirling-Gang, die den hold-up ausführte ..."
"Ich dachte, die Banditen waren maskiert", warf Joe dazwischen.
"Richtig", nickte der Richter. "Aber es gibt Dinge, an denen man einen Mann identifizieren kann, selbst wenn man sein Gesicht nicht sieht. Bob Floyd kennt die Stirlings angeblich recht gut. Und er schwört Stein und Bein, dass es die Brüder waren, die den Überfall zusammen mit einigen Komplizen verübten."
Jeff und Tate Stirling. Ich hatte von den beiden schon gehört. Sie hausten mit einer Handvoll heruntergekommener Strolche auf einer kleinen Ranch am Tule Creek. Und da sie die Ranch nicht bewirtschafteten, wurde gemunkelt, dass sie sich mit Viehdiebstahl und kleinen Wegelagereien über Wasser hielten.
"Sie müssen über einen Informanten verfügen", sprach wieder der Richter. "Einer der Kerle soll wortwörtlich gesagt haben: ‚Wenn wir richtig informiert wurden, dann sind in der Kiste 40.000 Bucks.‘ Also gilt es, bei der Zweigstelle der 'Bank of Texas' in Lubbock wie auch bei der Zweigstelle in Amarillo Ermittlungen anzustellen. Außerdem sind wir natürlich gefordert, die Bande zu stellen und der Bank das Geld wieder zu beschaffen."
Joe und ich nickten synchron. Erwartungsvoll fixierten wir unseren Boss.
Ein feines Lächeln kräuselte dessen Lippen. "Natürlich will ich Sie beide nicht damit belasten, nach Lubbock zu reiten und die Bediensteten der 'Bank of Texas' dort unter die Lupe zu nehmen. Sie sollen auch nicht hier in Amarillo mit derartigen Ermittlungen aufgehalten werden. Für Sie, Logan, Joe, hat die Verhaftung der Mörder und Räuber Priorität."
"Dann brechen wir also noch heute auf und reiten zum Tule Creek", gab ich zu verstehen. "Und dann sehen wir weiter."
"Hals- und Beinbruch, Logan, Joe", wünschte uns der Richter, dann verabschiedeten wir uns.
Eine halbe Stunde später saßen wir Bob Floyd im Office des Depots der Overland Mail Company gegenüber. Wir waren fix und fertig für den Ritt zum Tule Creek, um den Stirling-Brüdern und ihrem Anhang einen etwas intensiveren Blick unter den Hutrand zu werfen.
"Woran erkannten Sie die Stirling-Brothers?", wollte Joe wissen.
"An ihrer Größe, ihrer Figur, ihren wasserblauen Augen, an ihrer Art zu sprechen und – an ihren Pferden. Sie trugen den A.S.-Brand. A.S. für Amos Stirling. Das war der Vater Jeffs und Tates. Er ist vor drei Jahren gestorben. Seitdem verkommt die Stirling-Ranch."
"Yeah, das wissen wir", sagte Joe. "Sie würden also jeden Eid drauf schwören, dass die Stirlings den Hold up ausführten?"
"Jeden. Die drei Passagiere haben die Outlaws beschrieben. Danach wird Ihnen jeder, der die Stirling-Brüder kennt, bescheinigen, dass es sich nur um sie handeln kann."
"Wussten Sie, dass mit der Kutsche 40.000 Dollar befördert wurden?", fragte ich.
"Dass wir die Geldkiste an Bord hatten, wusste ich. Man hat Doug und mich informiert, als sie fünf Minuten vor Abfahrt der Concord eingeladen wurde. Dass sich ein Vermögen in ihr befindet, davon hatten wir keine Ahnung."
"Schickt die 'Bank of Texas' ihre Gelder immer so leichtfertig durchs Land?", fragte Joe. "Ich meine, ohne Bewachung, einfach im Gepäckkasten der Stagecoach?"
"Nach Meinung der Verantwortlichen der Bank in Lubbock ist das weniger auffällig, als wenn eine bewaffnete Eskorte das Geld befördern würde", erwiderte Bob Floyd. "Auch wurden die Gelder absolut unregelmäßig mit der Kutsche befördert. Wir wurden immer erst kurz vor der Abfahrt informiert. Eine Regelmäßigkeit, nach der die Banditen den Überfall planen hätten können, gab es nicht."
Ich schaute Joe an. "Was untermauert, dass die Banditen einen Informanten gehabt haben mussten, der genauestens Bescheid wusste. Und das kann nur jemand von der Bank sein."
"Das herauszufinden will der Richter Scott Baldwin und Deadlock überlassen", murmelte Joe. Er klatschte in die Hände. Zeichen dafür, dass er die Befragung Bob Floyds für beendet betrachtete. "Hast du noch eine Frage an Floyd, Logan-Amigo?"
"Nein." Ich rückte meinen Patronengurt zurecht. "Sollten wir die Brüder nach Amarillo bringen, werden wir sie Ihnen und den Fahrgästen gegenüberstellen müssen, Floyd."
"Diese Hurensöhne haben Doug kaltblütig vom Kutschbock geknallt!", knirschte Bob Floyd. "Doug war mein Freund. Ich bete zu Gott, dass seine Mörder gehängt werden. Ich will in vorderster Reihe stehen ..."
Ich versetzte ihm einen leichten Schlag auf die hagere Schulter. In seinen Augen konnte ich eine ganze Gefühlswelt erkennen. Seine Empfindungen reichten sicherlich von der Trauer um Doug Palmer bis hin zum mörderischen Hass auf Doug Palmers Mörder.
"Wenn Jeff und Tate Stirling Dougs Mörder sind", grollte Joes Organ, "dann werden sie auch zur Rechenschaft gezogen, Floyd. Und jeder, der ihnen geholfen hat."
Wir verließen das Postkutschendepot und schwangen uns auf die Pferde, die im Hof am Holm standen. Wenig später verließen wir Amarillo in südliche Richtung. Wir mussten durch den Paloduro Canyon, dann weiter nach Süden bis nach Tulia, und von dort am Creek entlang nach Westen zur Ranch der Stirlings.
Wir benötigten für den Trail zwei Tage.
Dann lagen die Gebäude der A.S.-Ranch vor uns.
Sie lag ausgestorben und verlassen vor unseren Blicken.
Alles mutete Grau in Grau an, war heruntergewirtschaftet und dem Verfall preisgegeben. Die Türen der Schuppen hingen schief in den Angeln. Die Dächer waren zum Teil eingebrochen. Neben den Gebäuden wucherte teilweise hüfthohes Unkraut. Das Holz der Schuppen und des Stalles zeigte dunkle Fäulnisflecken. Lediglich ein Corral war noch instand.
Bei einer Gruppe von Kastanienbäumen sah ich eine niedrige Umzäunung, die zwei Gräber umgab. Auch der Zaun war zusammengebrochen. Verfaulte Zaunlatten lagen am Boden. Die Grabhügel wiesen keinerlei Schmuck auf. Die beiden Kreuze trugen keine Namen.
Joe und ich ritten zwischen die Gebäude. Jeder hielt seine Winchester in der Faust. Ich hatte sie quer vor mir über dem Sattel liegen. Ehe wir aus dem Schutz der Hügel geritten waren, hatten wir durchgeladen. Eine Tür bewegte sich im Wind und knarrte. Staubfontänen trieben über den Hof. Feines Prasseln erfüllte die Luft, wenn der feine Sand gegen die Bretterwände getrieben wurde.
Der Hauch von Tod und Verfall, den alles hier verströmte, schien mich zu streifen. Etwas Beklemmendes lag in der Luft. Ich verspürte körperliches Unbehagen.
Obwohl die verfallende Ranch menschenleer anmutete, ließen wir in unserer Wachsamkeit nicht nach. Mit helläugiger Reglosigkeit blickte Joe sich um. Mein Blick tastete sich über Türöffnungen und Fensterhöhlungen hinweg. Meine Instinkte arbeiteten. Mein Sinn für die Gefahr meldete sich jedoch nicht.
Die Stirling-Brüder und ihre Kumpane hatten die Ranch verlassen.
Ich ließ mich vom Pferd gleiten und reichte Joe die Leinen. "Ich sehe mal im Haus nach."
Modriger Geruch schlug mir entgegen, als ich das Ranchhaus betrat. In der Wohnstube gab es einige grob zusammengezimmerte Möbel. Staub lagerte auf allem. Spinnennetze zogen sich in den Ecken. Ein Blendladen hing nur noch an einem Angel vor dem glaslosen Fenster. Ich ging in die Küche. Mir bot sich hier ein ähnliches Bild. Leere Schnapsflaschen lagen oder standen herum. Auf dem Herd stand eine schwarze Eisenpfanne mit dem schimmligen Rest einiger Rühreier.
Ich verließ das Ranchhaus wieder.
"Ausgeflogen!", rief ich Joe zu und schritt zum Bunkhouse, einem flachen Bau mir drei Fenstern. Ich betrat es. Fünf Betten standen da. Zerwühlte, löchrige Decken lagen herum. Hier und dort gab es Spuren im Staub. Ein Schrank stand offen. Er war leer. Ansonsten herrschte hier derselbe Zustand wie im Haupthaus: Staub, Spinnenweben, Modergeruch ...
Ich war froh, wieder an die frische Luft zu gelangen.
"Was nun?", kam es von Joe, als ich wieder auf Whirlwind, meinem Schecken, saß.
"Der Überfall hat zwischen Tulia und Canyon stattgefunden", versetzte ich nachdenklich. "Wahrscheinlich sind die Kerle gar nicht mehr auf die Ranch zurückgekehrt. Ich an ihrer Stelle hätte mich nach New Mexiko abgesetzt. Die Grenze ist von Tulia etwa 80 Meilen entfernt."
"Warum sollten sie sich überhaupt absetzen?", fragte Joe zweifelnd.
"Weil die Brüder sich denken konnten, dass Bob Floyd sie trotz ihrer Maskerade erkannt hat. Und da sie sowieso den Ruf genießen, Banditen zu sein, haben sie es wohl vorgezogen, sich keiner Befragung durch Gesetzesmänner zu unterziehen, sondern das Weite zu suchen."
"Sollen wir aufs Geratewohl nach New Mexiko reiten?", fragte Joe, es klang zweifelnd und wenig begeistert.
"Es gibt auf dem Weg nach Westen einige kleine Ortschaften und Ansiedlungen", murmelte ich. "Irgendeinen dieser Orte müssen sie angeritten haben, um sich mit Proviant und allem Notwendigen für eine längere Flucht zu versorgen. Vielleicht können wir irgendwo die Spur der Bande aufnehmen."
"Auch wir sind nicht für einen längeren Trail gerüstet, Logan-Amigo", wandte Joe ein.
Ich holte eine Landkarte aus meiner Satteltasche und breitete sie auf dem Rücken Whirlwinds aus. Es war eine Karte des Panhandle, in die alle Ortschaften, Flüsse und markanten geographischen Punkte eingezeichnet waren.
"Darum wird uns unser erster Weg nach Dimmitt führen", sagte ich und tippte mit dem Zeigefinger auf eine Stelle im Südwesten. "Das Nest liegt am Rand des Llano Estacado. Dort kriegen wir sicherlich alles, was wir brauchen."
*
Es war Abend, als wir Dimmitt erreichten. Es gab in dem Ort einen Saloon, ein Hotel, einen Store, eine Kirche und einen Mietstall. Der Rest waren etwa zehn Häuser, die ohne jede Ordnung erbaut waren und zwischen denen die von Spurrinnen zerfurchte, staubige Fahrstraße hindurch verlief.
Wir begaben uns zunächst in den Mietstall, damit unsere Pferde versorgt wurden. Außerdem wussten die Stallmänner meistens über alles Bescheid, was sich im Ort abspielte, vor allem, ob Fremde angekommen waren.
Der Stallmann von Dimmitt war ein alter, zahnloser Zausel mit einem grauen Bartgestrüpp im zerklüfteten Gesicht, dessen Haut an die Rinde einer alten Flusspappel erinnerte. Kleine, listige Äuglein musterten uns neugierig, schätzten uns ein und erforschten uns.
Joe hatte ihn gefragt, ob er die Stirling-Brüder vom Tule Creek kenne.
Wir beobachteten ihn. Sein Bartgestrüpp klaffte auseinander und er näselte: "Sie waren vor drei Tagen hier, Marshals. Zusammen mit vier Kerlen, denen ich bei Nacht nicht unbedingt über den Weg laufen möchte. Sitzen Sie den Kerlen im Nacken? Was haben sie ausgefressen?"
"Postkutschenraub und Mord", erwiderte ich. "Wann sind sie weitergeritten? Äußerten Sie gegebenenfalls, wohin sie sich von hier aus wenden wollten?"
"Ho, Postkutschenraub", krächzte der Oldtimer und schabte sich am Hals. "Wie viel haben sie denn erbeutet?"
"40.000."
Der Stallmann ließ einen anerkennenden Pfiff erklingen. "Eine Menge Geld."
Mir entging nicht der Ausdruck einer jähen Habgier in seinen grauen, wässrigen Augen. "Beantworten Sie meine Fragen, Mister", murmelte ich. "Wann haben die Banditen den Ort wieder verlassen, und wohin haben sie sich gewandt?"
"Sie haben sich nur eine gute Stunde hier aufgehalten", erhielt ich zur Antwort. "Während ich ihre Pferde versorgte, gingen sie in den Store. Yeah, richtig ..." Der Stallmann nickte wiederholt. "Ich wunderte mich schon, weshalb Jeff und Tate ihre Satteltaschen immerzu über der Schulter hängen hatten. Sie waren prall gefüllt. Da war sicher das geraubte Geld drin."
"Kamen sie mit Vorräten für einen längeren Ritt aus dem Store zurück?"
"Ja. Sie hatten drei kleine Leinensäcke voll. Tate Stirling meinte, dass die Vorräte wohl bis Clovis reichen würden."
"Wie weit ist es von hier nach Clovis?", erkundigte ich mich.
"Zwischen 50 und 60 Meilen", antwortete der Stallmann. "Eher 60."
"Thanks." Wir ließen die Pferde im Mietstall und begaben uns zum Store.
Die Lady, die uns dort bediente, erklärte uns, dass sie sich an die Kerle erinnern könne, dass diese aber kaum etwas gesprochen hatten, so dass sie uns nicht weiterhelfen könne.
Wir kauften einige Dinge, die wir für einen 60-Meilen-Ritt benötigten, dann kehrten wir zum Mietstall zurück.
Ein Bursche von etwa 25 Jahren war jetzt bei dem Alten. Der Stallmann sprach auf ihn ein. Als er uns gewahr wurde, brach er ab. Er machte zwei Schritte auf uns zu. "Eure Pferde habe ich versorgt. Ich wusste nur nicht, ob ich ihnen die Sättel und die Zaumzeuge ..."
"Schon in Ordnung", unterbrach ich ihn. "Wir reiten sofort weiter."
Der jüngere Mann beobachtete uns verstohlen. Er stand so, dass ich ihn nur von der Seite sehen konnte. In seinem Gesicht wucherten tagealte Bartstoppeln. Er sah heruntergekommen und nicht gerade Vertrauen erweckend aus. "Ist das Ihr Sohn?", fragte ich den Stallmann.
"Mein Neffe", näselte er. "Jimmy hilft mir manchmal hier im Stall. Ein guter Junge ..."
Für mich sah er eher aus wie ein Tagedieb.
Aber ich sagte nichts. Ich hängte den Proviantbeutel an das Horn meines Sattels und saß auf.
Auch Joe kletterte aufs Pferd. Sein Falbe trat unruhig auf der Stelle.
"Macht insgesamt einen Dollar", gab der Stallmann zu verstehen.
Ich bezahlte. Dann ritten wir. Dimmitt blieb hinter uns zurück.
"Hast du den habgierigen Blick in den Augen des Oldtimers gesehen, als du die geraubte Summe nanntest?", fragte mich Joe.
"Klar. Wir sollten öfter mal einen Blick hinter uns werfen, wenn wir nach Westen ziehen. Dieser Jimmy, den uns der Stallmann als seinen Neffen vorstellte, gefiel mir ganz und gar nicht. Ebenso wenig sein seltsames Verhalten. Er war penibel darauf bedacht, nicht von vorne gesehen zu werden."
*
Die Banditen lagerten am Running Water Creek. Sie hockten auf ihren Sätteln und rauchten. Eine Whiskyflasche ging im Kreis herum. Zwischen ihnen brannte ein niedriges Lagerfeuer. Die Pferde waren in einem Seilcorral untergebracht.
Es war ein hartbeiniges Rudel. Ihre Augen blickten wachsam, und ihre Mienen waren geprägt von der Erfahrung außerhalb eines Lebens von Recht und Ordnung. Sie waren wie Wölfe ...
Die zuckenden Flammen warfen Licht- und Schattenreflexe in die verwegenen, stoppelbärtigen Gesichter.
"Ich frage mich, weshalb wir nicht nach Clovis geritten sind?", maulte Jack Bailey, ein hagerer Mann mit einem knochigen Gesicht und einem kräftigen Pferdegebiss. "Außerdem will ich, dass endlich die Beute aufgeteilt wird, Jeff."
Er hatte den Blick auf Jeff Stirling gerichtet.
Jeff war der Anführer des Rudels. Tate, sein jüngerer Bruder, hatte ihm ebenso zu gehorchen wie die vier anderen Banditen. Jeff Stirling war ein 35-jähriger Mann mit weißblonden Haaren und einem kantigen Gesicht, das von einem Paar wasserhellen Augen beherrscht wurde. Alles an ihm mutete gefährlich, wild und unberechenbar an.
"Die Beute wird aufgeteilt, wenn wir endgültig in Sicherheit sind", sagte Jeff Stirling ruhig. "Noch müssen wir davon ausgehen, dass uns irgendein Sternschlepper, vielleicht auch ein ganzes Aufgebot, auf den Hacken sitzt. Das ist auch der Grund, weshalb wir nicht nach Clovis geritten sind, Jack. In einer Stadt spürt man uns leichter auf als in der Wildnis. Also ..."
"Zum Henker damit!", knirschte Jack Bailey. "Ich brauche keinen, der meinen Anteil an der Beute verwaltet und mir erklärt, was ich tun und lassen soll. Über dieses Alter bin ich hinaus. Was meint ihr?" Bailey schaute die anderen Banditen der Reihe nach herausfordernd an. "Ihr wollt doch sicher auch euren Anteil endlich ..."
"Vergiss es, Jack", knurrte Jeff Stirling. "Wir wenden uns morgen nach Süden und verschwinden nach Mexiko. Wenn wir jenseits der Grenze sind, teilen wir, und jeder kann seines Weges ziehen."
"Verdammt, Jeff, ich frage mich, was du wirklich im Schilde führst", kam es abgehackt über Cash Mulligans Lippen. "Kann es sein, dass du gar nicht daran denkst, mit uns zu teilen?"
Jeff Stirling zog an seiner Zigarette, inhalierte tief den Rauch, stieß ihn aus und antwortete: "Das ist Unsinn, Cash. Ihr kriegt euer Geld." Er warf den Zigarettenstummel ins Feuer und erhob sich. Seinem Bruder, der ihn beobachtete, warf er einen unergründlichen Blick zu.
"Ich will überhaupt nicht nach Mexiko", knurrte Jack Bailey. "Also rück meinen Anteil heraus, Jeff, und morgen früh trennen sich unsere Wege. Ich ziehe nach Westen, nach Arizona. Dort ..."
Jeff Stirling hatte sich halb abgewandt. Ein brutaler Zug hatte sich in seinen Mundwinkeln eingekerbt. Er zog den Colt und richtete ihn auf Bailey. "In Ordnung, Jack. Verschwinde. Wenn du ins Arizona-Territorium willst – kein Mensch hält dich auf."
Die Metallteile des Revolvers in der Faust des Banditen schimmerten im Licht fast genauso frostig wie seine Augen.
Jack Bailey spürte den Anprall einer mitleidlosen Strömung. Sie ging von Jeff Stirling aus wie etwas Animalisches. "So ist das also", presste Bailey hervor. "Wahrscheinlich hattest du nie vor, die 40.000 Bucks mit uns zu teilen. Du bist ein dreckiger Hurensohn, Jeff!"
Wie von Schnüren gezogen erhob sich Jack Bailey. Er nahm die Beine etwas auseinander und krümmte den Oberkörper leicht nach vorn, als suchte er festen Stand. "Ja, Mulligan hat Recht, Jeff. Du hast uns nur ausgenutzt. Und sobald du dich in Sicherheit gewähnt hättest ..."
Es knackte metallisch, als Jeff Stirling den Hahn des 45ers spannte. Die Trommel drehte sich klickend um eine Kammer weiter. Die Wucht der jähen, tödlichen Gefahr versiegelte Jack Baileys Lippen. In seinen Augen zeigte sich ein verunsichertes Flackern. Bailey zog die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute darauf herum.
Jeff Stirling ließ seine Stimme erklingen: "Steh auf, Tate, und sattle unsere Pferde. Ich halte diese Dummköpfe in Schach. Wir beide verschwinden."
Tate Stirling erhob sich. Er schaute etwas verständnislos drein, und nur langsam begriff er, was Jeff von sich gegeben hatte. Dann aber war es bei ihm durch, und er griff nach seinem Sattel, der am Boden lag ...
Jeff Stirling sagte: "Legt ab. Aber vorsichtig. Zwingt mich nicht, auf euch zu schießen."
"Die Hölle verschlinge dich!", fauchte Cash Mulligan und riss den Colt aus dem Holster. Das Eisen schwang hoch, die Mündung stach ins Ziel.
Bei Jeff Stirling brüllte der Sechsschüsser auf. Cash Mulligan wurde von der Wucht des Treffers nach hinten umgestoßen. Seine Hand öffnete sich und der Colt entglitt ihr.
Sofort richtete Jeff die Waffe auf Jack Bailey, dessen Rechte wie der zustoßende Kopf einer Klapperschlange zum Revolver zuckte.
Bailey erstarrte mitten in der Bewegung. In seinem Gesicht arbeitete es krampfhaft. Sein Zahnschmelz knirschte.
"Mach schon, Tate!", drängte Jeff Stirling.
Am Boden wand sich Cash Mulligan vor Schmerzen. Er stöhnte und röchelte und presste die linke Hand auf die zerschossene Schulter. Blut quoll zwischen seinen Fingern hervor.
"Ablegen!" So herrschte Jeff Stirling seine Kumpane an. Seine Hand mit dem Sechsschüsser pendelte von einem zum anderen. Ein höhnisches Grinsen brach sich Bahn in seine Züge. "Der nächste, der auf krumme Gedanken kommt, kriegt das Blei zwischen die Augen. Also macht, was ich sage."
Der Hass begann in den Gemütern der Banditen, die hereingelegt werden sollten, zu wüten. Er kam in rasenden, giftigen Wogen und ließ die Kerle innerlich erbeben. Aber angesichts der schussbereiten Waffe in Jeff Stirlings Faust und seiner kompromisslosen Entschiedenheit wäre es selbstmörderisch gewesen, etwas zu versuchen. Also zogen sie vorsichtig die Colts und schleuderten sie fort. Die Gewehre folgten.
"Sehr gut", lobte Stirling mit einer kaum zu überbietenden Ironie im Tonfall. "Tate, wir nehmen die Pferde dieser vier Dummköpfe mit. Die Sättel brauchst du ihnen nicht aufzulegen."
Auch Dale Wolters und Steven McGilloch hatten sich erhoben. Ihre Mienen waren düster verkniffen, waren nur noch Physiognomien des mörderischen Hasses. Er sprach aus jedem Zug ihrer Gesichter und brach aus ihren Augen.
Tate Stirling führte die Pferde heran.
"Versucht nicht, unsere Spur aufzunehmen", warnte Jeff Stirling, als er im Sattel saß. "Seht lieber zu, dass ihr nicht geschnappt werdet. Nachdem Doug Palmer bei dem Überfall erschossen wurde, wäre euch der Galgen sicher."
Sie trieben die Pferde an.
Von Tate Stirling führte eine Longe zu einem der vier sattellosen Tier. Lassos, die um ihre Hälse lagen, verbanden die Pferde miteinander.
Ehe ihre Kumpane in der Finsternis zwischen Strauchwerk, Geröll und Felsklötzen ihre Waffen fanden, waren Jeff und Tate Stirling in der Wildnis verschwunden und mit der Finsternis verschmolzen. Nur noch der ferne, trappelnde Hufschlag verkündete, dass sie sich nach Süden gewandt hatten.
"Diese dreckigen Bastarde!", keuchte Jack Bailey. "Ich werde nicht ruhen, bis sie beide tot vor mir im Dreck liegen und ich auf ihre Kadaver spucken kann."
"Zunächst mal brauche ich einen Doc, der mir die Kugel aus der Schulter holt", röchelte Cash Mulligan.
"Yeah", murmelte Dale Wolters, "wir bringen dich nach Clovis. Und dann sehen wir weiter."
*
Je weiter wir nach Westen kamen, umso felsiger und wilder wurde das Land. Die Vegetation wurde spärlicher. Tafelfelsen erhoben sich, dazwischen Hügel mit ruinenähnlichen Felsformationen auf den Kuppen. Geröllhänge schwangen sich nach oben. Dorniges Strauchwerk wucherte zwischen den Felsen. Inseln büschelartigen Grases bedeckten den Boden.
Wir befanden uns in den nördlichen Ausläufern des Llano Estacado, dieser wüstenhaften, fast baumlosen Gegend der südlichen Great Plains. Ein menschenfeindliches Gebiet, in dem die Gefahr überall lauern konnte und der Tod allgegenwärtig war.
Der Wind kam uns entgegen. Er trieb Staubwolken heran. Die Nacht verbrachten wir an einem reißenden Creek, dessen Bett zwischen Kalksteinfelsen verlief.
Am Morgen zogen wir weiter, und acht Stunden später ritten wir zwischen die ersten Häuser von Clovis. Wir befanden uns seit etwa zehn Meilen auf dem Gebiet New Mexikos. Unsere Sterne waren also nicht mehr viel wert. Dennoch nahmen wir sie nicht ab.
Wir ritten um Sheriff's Office, um den Gesetzeshüter dieses Distrikts über den Grund unseres Hierseins zu unterrichten. Als U.S. Deputy Marshals konnten wir nur mit ausdrücklicher Billigung des Town Marshals oder Sheriffs in Clovis tätig werden. Maßten wir uns Dinge an, die ihm nicht gefielen, hatte er sogar das Recht, uns einzusperren.
Das war so.
Und darum absolvierten wir bei ihm unseren Antrittsbesuch.
Der Name des Town Marshals war Matt Delaney. Er bot uns in seinem Office Plätze an. Wir erklärten ihm abwechselnd, was uns nach Clovis geführt hatte. Er runzelte die Stirn.
"Gestern früh kamen vier Figuren in die Stadt", gab er zu verstehen. "Sie hatten keine Pferde, und einer von ihnen hatte ein Stück Blei in der Schulter. Mir erzählten sie, dass sie in der Nacht überfallen worden waren und man ihnen die Tiere gestohlen habe. Ich hatte keinen Grund, es anzuzweifeln, auch wenn mir die vier Kerle ganz und gar nicht gefielen."
"Nannten sie ihre Namen?", fragte ich.
Matt Delaney nickte. "Einer heißt Jack Bailey, der Verwundete heißt Mulligan. Die Namen der beiden anderen habe ich mir nicht gemerkt. Die Kerle interessierten mich kaum noch, nachdem sie mir zu verstehen gaben, dass sie Clovis so schnell wie möglich wieder verlassen wollten. Sie gehören nämlich zu der Sorte, die ich von hinten lieber sehe als von vorne."
"Bailey, Mulligan, Wolters und McGilloch", knurrte Joe. "Das sind ihre Namen. Wo finden wir das Quartett?"
"Drei wohnen in McMullens Boardinghouse. Der Verwundete liegt beim Doc in der Krankenstation."
"McMullens Boardinghouse? Beschreiben Sie uns den Weg dorthin, Marshal?"
Matt Delaney schürzte die Lippen. "Ich zeige ihn euch. Gehen wir."
Wir nahmen unsere Gewehre und verließen das Office. Dieser Matt Delaney war ein Mann nach meinem Geschmack.
Neugierige Blicke folgten uns. Vor McMullens Boardinghouse standen zwei Pferde am Holm. Soeben verließ ein Mann das Gebäude. Er nickte grüßend zu uns her. Wir gingen hinein. Es gab eine Rezeption, hinter der ein glatzköpfiger Mann saß. Seine Brauen hoben sich, und er sagte mit schiefem Grinsen um die Lippen: "Es hat sicher nichts Gutes zu bedeuten, wenn gleich drei Gesetzesmänner hier aufkreuzen."
"Howdy, Price", grüßte Delaney. "Wir wollen zu Jack Bailey und seinen Gefährten. Sind sie im Haus?"
Auf der Treppe war ein Geräusch zu vernehmen. Mein Kopf ruckte herum, und ich sah gerade noch einen Mann um die Ecke des Obergeschosses verschwinden. Sofort stürmte ich los. Während ich die Stufen hinauf rannte, lud ich das Gewehr durch. Als ich die Treppe überwunden hatte und am Beginn des Korridors stand, sah ich an dessen Ende gerade noch einen Mann durch eine Tür verschwinden. Sie wurde krachend zugeschlagen.
Ich schaute nach unten. Joe stand am Fuß der Stiege.
Ich bedeutete ihm, nach draußen zu laufen und die Außentreppe zu sichern.
Joe verließ die Halle. Der Town Marshal folgte ihm.
Ich schob mich hart an der Wand entlang in den Flur hinein. Die Winchester hatte ich an der Hüfte im Anschlag. Hart krümmte sich mein Zeigefinger um den Abzug.
Und dann vernahm ich polternde Schritte. Ein Schuss peitschte, und dann verschmolzen mehrere Detonationen ineinander. Geschrei erklang.
Ich warf mich gegen die Tür, sie flog auf, ich sprang sofort zur Seite. Keinen Augenblick zu spät. In dem Zimmer donnerte ein Schuss, die Kugel pfiff in den Korridor und hämmerte ein handtellergroßes Loch aus der gegenüberliegenden Wand.
Ich äugte um den Türstock. Sofort krachte es aufs Neue. Im Zimmer hörte sich der Schuss an wie eine Explosion, die das Haus in seinen Fundamenten zu erschüttern drohte. Aus dem Türstock wurde ein Span gefetzt. Und wieder klatschte das Blei gegen die Wand. Verputz und Mauerwerk spritzten. Kalkstaub schwebte zu Boden.
Ich hörte Joe brüllen: "Waffe weg und Hände hoch! Ich hab dich vor der Mündung!"
Im Zimmer wurde eine Verwünschung gemurmelt.
Eine andere Stimme erklang: "Nicht schießen! Ich gebe auf. Ich komme hinunter!"
"Auch du solltest Vernunft annehmen, Mister", rief ich. "Du hockst in dem Zimmer wie eine Ratte in der Falle. Also streck die Waffen und komm mit erhobenen Händen in den Flur."
"Wer seid ihr?", kam es rau zurück.
"Ich bin U.S. Marshal Bill Logan aus Amarillo. Im Hof befindet sich mein Kollege Joe Hawk. Wir wissen, dass ihr zusammen mit den Stirling-Brüdern die Postkutsche überfallen und 40.000 Dollar geraubt habt."
"In New Mexiko ist euer Stern einen Dreck wert. Holt uns, Logan. Aber glaub mir, dass ihr Federn lassen werdet."
Seiner Formulierung entnahm ich, dass sie sich mindestens zu zweit in dem Raum befanden. Ich sagte: "Möglich, dass wir Federn lassen, mein Freund. Aber ihr werdet tot sein. Wo sind überhaupt eure Freunde, die Stirling-Brüder?"
Ich erhielt keine Antwort auf meine Frage. Stattdessen vernahm ich Geflüster. Dann rief der Bursche: "Werdet ihr uns nach Texas zurückbringen, wenn wir uns ergeben?"
"Natürlich. Nach Amarillo. Dort wird man euch vor Gericht stellen."
"Heh, Logan, den Kutscher hat Jeff Stirling erschossen."
"Ich kann dir keine Zugeständnisse machen. Aber ihr werdet garantiert einen fairen Prozess bekommen. Mein Wort drauf. Und wenn ihr jetzt Vernunft annehmt, dann wird sich das sicherlich positiv für euch auswirken."
"Jeff und Tate sind mit der Beute abgehauen, Logan. Jeff Stirling hat Mulligan eine Kugel in die Schulter geknallt."
"Ergebt euch. Über alles andere reden wir ..."
"Na schön. Wir kommen hinaus. Halt nur den Finger ruhig, Logan. Wir geben auf. Die Gewehre und Revolver lassen wir im Zimmer zurück."
Fußbodendielen ächzten, Stiefelleder knarrte.
Dann trat einer in den Korridor. Er hielt die Hände in Schulterhöhe.
Ich hatte mich an der Stirnwand des Flurs aufgebaut und hielt die Winchester waagrecht. "Geh zur Treppe", kommandierte ich.
Der Bursche wandte sich nach links. Sein Kumpan verließ den Raum, ebenfalls die Hände erhoben. Er schaute verkniffen zu mir her. Seine Lippen waren zusammengepresst und bildeten nur noch einen dünnen, blutleeren Strich.
Ich gab ihm mit dem Gewehr das Zeichen, seinem Komplizen zu folgen. Langsam ging ich hinterher, dirigierte die beiden die Treppe hinunter, und unten nahm sie Matt Delaney, der Town Marshal, in Empfang.
Draußen wartete Joe mit dem dritten der Kerle. Joe war wohlauf. Der Bandit stand ein wenig schief da und presste die Rechte gegen seine linke Seite. Mein Freund und Kollege hielt den Burschen mit dem Colt in Schach. Er sagte: "Sie wollten über die Außentreppe fliehen. Die beiden anderen schafften es zurück ins Zimmer. Ihn hat eine Kugel gestreift."
Wir brachten die drei hinter Schloss und Riegel. Während der Marshal im Office zurückblieb, begaben wir uns zum Haus des Arztes.
Cash Mulligan lag in einem Raum, in dem insgesamt vier Betten standen. Er hörte schweigend zu, als Joe ihm erklärte, dass er verhaftet sei.
Ich fragte den Arzt, ob die Schulterwunde der Inhaftierung entgegenstand.
Der Doc meinte: "Ich kann sicher auch ein- oder zweimal am Tag im Jail nach ihm sehen. Nein, ich glaube nicht, dass die Verletzung seine Inhaftierung behindert."
Der Doc erntete von Mulligan für diese Worte einen giftigen Blick.
"Danke." Ich wandte mich Cash Mulligan zu. "Ziehen Sie sich an, Mulligan. Sie haben es gehört. Sie sind haftfähig."
Schließlich hatten wir die vier Banditen hinter Schloss und Riegel. Wir führten ein Verhör durch. Sie bestätigten uns einhellig, dass Jeff Stirling den Kutscher ermordet hatte. Was das Ziel der beiden Brüder anbelangte, so erfuhren wir, dass sie sich wahrscheinlich nach Mexiko abzusetzen gedachten.
Den Überfall auf die Stagecoach gestanden die vier Banditen. Matt Delaney setzte ein Protokoll auf, das Joe und ich wie auch die Kerle unterschrieben. Als wir mit dem Marshal wieder alleine im Office waren, meinte Joe: "Wenn wir warten, bis Mulligan transportfähig ist und wir die Kerle nach Amarillo geschafft haben, sind die beiden Stirlings über alle Berge."
"Darum solltet ihr die Kerle einstweilen in Clovis zurücklassen und den Stirlings sofort folgen", gab Matt Delaney zu verstehen.
Das war ein Vorschlag, mit dem Joe und ich uns auf der Stelle anfreundeten.
Wir ritten noch am selben Tag los ...
*
Schon in Bluit, einer kleinen Ansiedlung 50 Meilen südlich von Clovis, nahmen wir zwei Tage später die Spur der Brüder auf. Sie waren in eine Schießerei verwickelt gewesen, bei der ein Mann schwer verletzt worden war. Auslöser war ein Pokerspiel, bei dem Jeff Stirling betrogen haben sollte. Das Aufgebot, das die Brüder verfolgt hatte, war bei Morton wieder umgekehrt.
Morton lag nordöstlich von Bluit, und zwar auf texanischem Boden.
Warum hatten die beiden Brüder ihre Flucht nicht nach Mexiko fortgesetzt?
Eine Antwort auf diese Frage fanden wir nicht.
Wir ritten nach Morton.
Joe blickte hin und wieder hinter sich. Einmal sagte er: "Ich glaube, Logan, wir werden verfolgt. Und ich denke, es ist Jimmy, der Neffe des Stallmannes von Dimmitt, der uns auf den Fersen sitzt."
Ich wendete das Pferd und beobachtete das Terrain in die Richtung, aus der wir kamen. Sehen konnte ich nichts. "Wie kommst du darauf? Ich kann nichts erkennen."
"Ich hab einige Male Staubfahnen gesehen. Sie können allerdings auch von Wild aufgewirbelt worden sein."
Ich schaute mich von nun an öfter einmal um, konnte aber nichts entdecken, was auf einen Verfolger hingewiesen hätte, so dass ich davon ausging, dass es wohl tatsächlich Wild gewesen war, das den Staub aufwirbelte, den Joe gesehen hatte.
Es war zur Zeit des Sonnenunterganges, als wir in Morton ankamen. Der rote Abendsonnenschein auf den Felsen verblasste allmählich. Aus Mulden und Felsnischen schlich die violette Dämmerung. Überall woben Schatten zwischen den Hügeln. Der rote Horizont färbte sich langsam dunkel, und die zerklüfteten Berggrate im Westen stießen spitz und bizarr in den Himmel – wie verwitterte Grabsteine in einem weiten, wilden Land.
In der Nähe dieses Ortes hatte das Aufgebot aus Bluit die Fährte der beiden Banditen verloren.
Wir brachten zuerst unsere Pferde in den Mietstall. Der Stallbesitzer, der den Job des Stallburschen selbst versah, gab auf unsere Fragen zu verstehen: "Nachdem die Männer aus Bluit aus Morton abgezogen waren, tauchten gestern Mittag zwei Hombres auf, die aussahen, als hätten sie einen ziemlich harten Ritt durch die Wildnis hinter sich. Sie nannten sich Hank Brewster und Larry Donovan. Niemand hier im Ort wagte daran zu zweifeln. Aber ich denke, es waren die beiden Kerle, die in Bluit für Furore sorgten und hinter denen Sie her sind, Marshals. Die beiden sahen sich sehr ähnlich, wie Brüder sich eben ähnlich sehen."
"Gibt es kein Gesetz in Morton?", fragte ich.
"Nein. Der Deputy hat sein Büro oben in Goodland. Und die beiden Kerle sahen nicht so aus, als wäre mit ihnen gut Kirschen essen. Eins ihrer Pferde lahmte und sie tauschten es bei mir gegen einen Apfelschimmel ein. Dort ist das Pferd ..."
Der Stallmann wies auf einen Braunen in einer der nächsten Boxen.
Ich ging hin. Der Braune trug den A.S.-Brand.
Der Stallbursche sprach weiter: "Es war jener, der sich als Brewster ausgegeben hatte. Er zahlte noch 30 Dollar drauf."
"Wann haben die beiden den Ort wieder verlassen?", fragte Joe. "Und in welche Richtung sind sie geritten?"
"Sie ritten noch gestern am Nachmittag weiter, Marshals, nachdem sie eine Stunde im Stroh geschlafen hatten. In welche Richtung – hm ..." Der Stallmann massierte sich mit Daumen und Zeigefinger den Nasenrücken. Er schaute nachdenklich. Dann murmelte er: "Ich habe die beiden miteinander flüstern hören. Wenn ich mich nicht irre, dann sprachen sie vom Pecos und von einem Mann namens Haggan."
Joe und ich wechselten einen schnellen Blick.
"Vom Pecos River oder von der Ortschaft Pecos?", fragte ich.
