Wider das Vergessen - Manfred Klose - E-Book

Wider das Vergessen E-Book

Manfred Klose

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Beschreibung

Mit der Lesung des Autors "Von Mauern geprägt�� in der Polizeihistorischen Sammlung in Berlin anlässlich des 50. Jahrestags des Mauerbaus wurde die Plakatausstellung "Die heile Welt der Diktatur? Herrschaft und Alltag in der DDR" eröffnet. Dabei auch der während des Mauerfalls amtierende Polizeipräsident von Berlin. Von ihm kam auch die Anregung, das vom Autor vorgetragene Zeitzeugendokument mit "Wider das Vergessen" noch näher zu beleuchten. Wie der Autor, so erlebte auch er, in einer der kritischsten Phasen in der DDR vor dem Mauerfall, das Versagen z.B. der "Häupter" der katholischen Kirche, die sich aber nach der Wende nicht mehr daran erinnern wollten. Eine heile Welt glaubten auch die SED-Potentaten schaffen zu können. Die Menschen im Lande DDR mussten nur an das glauben, was sie verlangten. Ein Andersdenken konnte und durfte es da nicht geben. Die Versöhnungskirche in Berlin wurde abgerissen, damit Mauer und Stacheldraht Platz hatten. Jegliches Ausbrechen von Menschen musste ja verhindert werden. - In einer heilen Welt leben, das wollte man auch in der Ursprungs-Heimat des Autors, in Oberschlesien. Wie seine Eltern, wollten die meisten Menschen dort nicht wissen, was um sie herum geschah. Man wusste nichts von einem KZ Auschwitz. Man wollte darüber auch gar nichts wissen. Damit war aber der Boden gegeben für den Holocaust und der Tötung von Millionen Andersdenkenden, insbesondere von Juden. - Vor der Ausreise aus der DDR folgte der Autor einer Einladung dort lebender Sportfreunde. Und zusammen mit der 12-jährigen Tochter besuchte er dann auch dieses KZ-Lager, sich der Problematik bewusst, sie möglicherweise damit zu konfrontieren. Juden, auserwähltes Volk, gelobtes Land, Auszug der Israeli aus Ägypten waren Themen, für die sich der Autor schon in der Jugendzeit interessierte, bedingt zum Teil auch durch seine christliche Erziehung. Das waren auch die Themen der Antrittsvorlesung Schillers an der Jenaer Universität, die auch Studienstätte des Autors war. Schiller wurde danach ebenso kritisch bewertet wie Günter Grass nach der Veröffentlichung seines epischen Gedichts "Was gesagt werden muss". Dieses Gedicht war nach Ansicht des Autors primär dem Gedenken der Millionen in Auschwitz umgebrachten Juden gewidmet, damit mahnend, dass die Regierenden in Israel nicht aus einer falsch verstandenen priesterlichen Funktion heraus, die Bemühungen ihres eigenen friedvollen Volkes untergraben.

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Seitenzahl: 85

Veröffentlichungsjahr: 2013

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MANFRED KLOSE

WIDER DAS VERGESSEN

Persönliche Historie, Israel, Bezüge zu Günter Grass

VERLAG TREDITION GMBH HAMBURG

Hans-Jürgen,

Schiller, Rudolstadt, „Die Glocke“ und „Die Sendung Moses“ waren noch vor Kurzem für uns ein Diskussionsthema. Jahre zuvor hattest Du mich zur Lithografie „Rudolstadt und 20. Klassentreffen 12b“ angeregt. Es bleibt unvergessen.

© 2013 Manfred Klose

Autor und Illustration: Manfred Klose

Umschlaggestaltung: Manfred Klose

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-8495-7399-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erholsame Läufe und Rückblicke

Denkanstöße: Afghanistan und DIRCM

„Die Blechtrommel“ und „Was gesagt werden muss“ Meine persönlichen Bezugsmomente

Erinnerungen an meinen Vater

Elternhaus, jugendliches Verhalten und verschiedene Wege

Am Beispiel Hermann Hesse

Meine Schwarzaer Jahre

Danzig, Hindenburg, Kattowitz und Auschwitz

Hintergründe und Israel

Meine Berliner Lesung „Von Mauern geprägt“

Mauerfall und Deutsche Einheit

Schiller, Rudolstadt mit Schulerinnerungen,

Jena und „Die Sendung Moses“

Quellenverzeichnis

Vorwort

ehr als 20 Jahre seit dem Mauerfall sind mittlerweile ver-gangen. Mit: „Wir sind ein Volk“ wurde die friedliche Revolution in Deutschland eingeleitet. An die Stelle von Diktatur und Unfreiheit im Osten Deutschlands trat Demokratie und Rechtsstaatlichkeit und für viele Menschen ein Leben mit dem Anspruch auf Freiheit und Menschenwürde.

Mit der Wende wurde die deutsche Einheit vollzogen. Über den richtigen Weg dahin gab es verschiedene Auffassungen. Und neue zuzusätzliche globale Veränderungen und Herausforderungen folgten.

Mehr denn je galt und gilt dabei auch heute noch in Anlehnung an Wilhelm von Humboldt in etwas abgewandelter Form der Satz:

„Nur wer seine Vergangenheit kennt, kann seine Zukunft meistern“. Deshalb darf es ein Vergessen nicht geben, damit die Grundlage der Demokratie, die Freiheit des Einzelnen in Verantwortung, wahrgnommen werden kann.

Ich glaube, dass da neben Solidarität und maßvoller Toleranz vor allem Wachsamkeit und Mahnung vor anstehenden Gefahren, welcher Art und wo auch immer sie beobachtet werden, eingeschlossen werden müssen.

Mir war es erst nach meiner Ausreise in den westlichen Teil Deutschlands vergönnt, Günter Grass’ Roman „Die Blechtrommel“ zu lesen. Dieser war für mich so etwas wie ein Synonym für meinen eigenen Rückblick und Anlass, ihn in „Von Mauern geprägt“ und „Wider das Vergessen“ zu reflektieren.

Der Mauerfall war vor allem wohl auch ein Beginn einer allgemeinen Öffnung, vor allem der Öffnung der Menschen, nicht nur in Deutschland, zueinander, wobei inzwischen, glücklicherweise muss man sagen, auch Mauern in den Köpfen von vielen Menschen nach und nach verschwanden.

Ich glaube, dass der Zweck des epischen Gedichts „Was gesagt werden muss“ von Günter Grass auch eine Mahnung sein soll. Und mir scheint, dass es darüber hinaus auch Anstoß sein könnte zu mehr Miteinander in unserer mehr globalisierten Welt, politisch, wirtschaftlich und kulturell, um so auch Gefahren, wie etwa durch den Israel-, Iran- und auch den Syrien-Konflikt, möglicherweise besser abwenden zu können.

Erholsame Läufe

Ein langer Winter ist endlich vorüber. Die letzten Wochen und Tage heuer, im Frühjahr 2012, waren grau in grau, wenig animierend für ausgedehnte Wanderungen oder für meine geliebten regelmäßigen Läufe durch die herrlichen heimischen Wälder.

Die meisten meiner sportlichen Aktivitäten in den letzten 15 Jahren beschränkten sich darauf. Es war fast zur Regel geworden, dass ich mich zum Ausklang der Arbeitswoche, an den Freitagnachmittagen mit Arbeitskollegen benachbarter Institute am Ausgangstor meiner Dienststelle, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), zu 3-stündigem Laufen traf. Schon vor Laufbeginn freuten wir uns über das sich anschließende Pizza-Essen. Es war kurz zuvor bestellt und natürlich immer pünktlich und frisch gebacken geliefert worden. Für den ausgezeichneten Pizza-Bäcker von nebenan mittlerweile ein eingefahrenes Ritual.

Diese Aktivitäten, ganz gleich, ob in der Gruppe mit Kollegen, mit anderen Sportkameraden oder auch allein, sie waren zu etwas ganz Normalem geworden, zu etwas, was nicht mehr wegzudenken war. Es war etwas, was der Körper brauchte, was ich brauchte, um fit zu sein. Die anstehenden Tagesaufgaben, die oftmals mehr als 12- stündige Arbeiten im Labor oder am Computer in Anspruch nahmen, hätte ich ohne eine derartige mentale Stärkung, die Stress abbaute und Geist wie Körper für Neues frei machte, wohl kaum bewältigen können. Wie oft hatte ich von Menschen unterschiedlichster Prägung gehört, sie seien beruflich derart eingespannt, dass sie keine Zeit hätten, weder für das Working noch für das Joggen. Etwa dreimal in der Woche, eine halbe bis eine Stunde wäre da völlig unmöglich. Sie merkten aber dabei oft nicht, dass sie eine wesentlich längere Zeit für Telefonate mit dem Handy oder vor dem Fernseher verbrachten.

Mir ging es ähnlich wie vielen anderen, denen ich in diesen Jahren bei längeren Läufen, oft Marathonläufen, begegnete. Und ich erinnere mich noch genau an die Gespräche, die ich dabei führte. So unter anderem vor und während des Freiburg-Marathons mit einem an der dortigen Universität praktizierenden Mediziner oder später in Long Beach mit einem deutschen Physiker-Kollegen, der als Professor an der Harvard-Universität tätig war. Ihn begegnete ich bei meinem mor-gendlichen Laufen entlang der Uferpromenade von Long Beach nahe L.A.. Und wie ich war auch er, der seine Sporen in Deutschland verdient hatte, Teilnehmer der hier stattfindenden Konferenz über Laserforschung und neue elektronische Bauelemente. Er war Konferenz-Chair und keiner der Tagungsteilnehmer hätte geglaubt, dass dieser Mensch, der immer außerordentlich engagiert und frisch wirkte, trotz des frühen Tagungsbeginns - acht Uhr morgens - schon mehr als 10 km in seinen Knochen hatte.

Ich war von diesen Läufen auch deshalb vor allem angetan, weil sie mir besonders geeignet schienen, etwa einen Vortrag vor solch einer Konferenz Revue passieren zu lassen oder auch schwierige Sachverhalte frei von täglichen Anspannungen mit dem erforderlichen Abstand zu verstehen und zu bewerten. So oder so ähnlich war es auch, als ich mich entschied, einer Bitte meiner Bekannten und Kollegen, meist waren es die aus meinem unmittelbaren Arbeitsumfeld im Stuttgarter Institut, nachzukommen, autobiografisch und gewissermaßen retrospektiv über mich, mein Leben und das meiner Familie, über unmittelbar in der ehemaligen DDR Erlebtes, zu berichten. Und das geschah dann auch mit dem Schreiben und Veröffentlichen „Von Mauern geprägt - eine nicht ausschließliche 40 Jahres-Retro-spektive“ [1].

Der heutige April-Tag war ein besonders sonniger Tag. Nichts erinnerte an die Tage zuvor. Auf der Waldstrecke, die ich standardgemäß bei meinen Läufen passierte, hatte sich in den letzten Wochen ein Wandel vollzogen. Die erhöhten Temperaturen und die erhöhte Luftfeuchtigkeit hatten einen regelrechten Wildwuchs hervorgerufen. Der kleine Parkplatz auf halber Laufstrecke nahe dem von vielen Stuttgartern äußerst beliebten Dachswald im Stuttgarter Süden war jetzt von übermäßig wuchernden Hartriegel-, Esche- und Spitzahorn- Sträuchern überdeckt. Der vormals relativ breite Laufweg wurde dadurch stark eingeengt, war nun ganz anders als noch vor sechs Wochen. Das Vogelgezwitscher und das Balzen von Amseln, was zuvor fehlte, begleiteten mich jetzt. Und ich fragte mich, bin ich denn hier überhaupt richtig?

Am heutigen Tag beginnt meine Vorbereitung für den diesjährigen Köln-Marathon, wo ich im Marathon-Team des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt starte. Wie die Jahre zuvor, habe ich auch dieses Mal über den Sportbeauftragen der Verwaltungszentrale in Köln den Aufenthalt meines Stuttgarter Laufteams in der Sportkaserne im Militärflughafen Köln-Porz organisiert. Zu diesem Bundeswehr-Standort, besaß das DLR gute Verbindungen, denn viele Arbeiten, vor allem in der Laserforschung und Laseranwendung, wurden vom Bundeverteidigungsministerium (BmVg) finanziert.

Denkanstöße: Afghanistan und DIRCM

Unsere Ankunft und unseren Aufenthalt hatte ich schon wie einige Male zuvor im Standort Köln-Porz dem dortigen Wachpersonal rechtzeitig mitgeteilt. Am Eingangstor begrüßt man uns, die wir mit zwei Autos ankommen, als wären wir Führungskräfte dieser Einheit. Ein für uns mehr als ungewohntes Bild mit streng blickenden, salutierenden Soldaten, die uns mit knappen Handbewegungen den Weg weisen.

Die parkähnlichen Anlagen dieser Einrichtung bilden recht gute Voraussetzungen für unsere lockeren Trainingsläufe im Vorfeld des anstehenden Kölner Marathon-Spektakels. Ein kleines Restaurant gibt es hier auch und die Bäckerei, zwar schon außerhalb der Einheit, ist aber immerhin doch noch schnell zu erreichen. Es war Usus: Wer von uns nicht die Brötchen besorgt, ist für das Kaffekochen in der kleinen Küche des von uns bewohnten Blocks zuständig. Alles ist wohl aufgeteilt und von einer Art Teamgeist bestimmt.

Unsere Anwesenheit hier ist meistens während verlängerter Wochenenden, einen oder zwei Tage vor und einen Tag nach dem Kölner Lauf. Die meisten der hier stationierten Soldaten sind da bereits zu Hause oder auf dem Wege dorthin, so dass es in der Regel dann recht ruhig an diesem Standort zugeht. Zweimal kam es in den vielen Jahren aber doch vor, dass wir mit Aktionen konfrontiert wurden, die mit dem Abflug von Bundeswehreinheiten vor allem nach Afghanistan oder mit deren Rückkehr von dort verbunden waren. Und das war dann natürlich nicht geräuschlos, ging auch nicht unbeachtet an mir, an uns, vorüber.

Afghanistan war viele Jahre und ist auch heute noch in meinem Be-wusstsein so etwas wie ein neuralgischer Punkt. 1979, nach Über-nahme der Macht in diesem Land durch die Demokratische Volkspartei Afghanistans, begann hier der Bürgerkrieg mit unsäglichem Leid und ein Jahr später die Intervention von Einheiten der damaligen sowjetischen Armee. Ihr Ziel war es, den Bürgerkrieg zu beenden und Afghanistan stärker an die Sowjetunion zu binden. Mehr als 100.000 Sowjetsoldaten besetzten danach das Land. Der Militäreinsatz war aber ein hoffnungsloses Unterfangen und endete nach circa 10 Jahren mit der Aufgabe des Machtmonopols der Kommunistischen Partei Afghanistans und mit dem Rückzug der Einheiten der Sowjetarmee. Es gab in dieser Zeit mehr als eine Million Tote, darunter etwa 15.000 sowjetische Soldaten. Und mehr als 5 Millionen Afghanen verließen dabei das Land, ihr Land [2].

Bei meinen häufigen Besuchen in der ehemaligen Sowjetunion, wo ich in Kooperation mit russischen und polnischen Kollegen am Lebedev-Institut in Moskau und am Vereinigten Institut für Kernforschung in Dubna, nur ca. 200 km von Moskau entfernt, spektroskopische und kernphysikalische Untersuchungen an speziellen Festkörpern und Elektrolytlösungen durchführte, blieben für mich diese Aktivitäten natürlich nicht unbemerkt. Die damalige verbreitete Bewertung dazu durch die Instituts-Kollegen - soweit ich das wahrnehmen konnte - war dabei ähnlich zu derjenigen meines engeren Kollegenkreises in der DDR, und zwar völlig gegensätzlich zu den politischen Statements in den mir zugänglichen Medien, sowohl in denen der damaligen SU als auch in denen der DDR.