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Ein schottisches Schloss, ein verfluchter Highlander und jede Menge Leidenschaft!
Mara McDougall hat den Spuk gründlich satt. Als Tourguide für Geisterführungen kennt sie jede Gruselgeschichte - und glaubt an keine davon. Doch als sie in einem Antiquitätengeschäft auf ein prachtvolles Himmelbett stößt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Denn das Bett wird bewacht - vom attraktiven und längst verstorbenen Highlander Sir Alexander Douglas.
Einst von Maras Vorfahren verflucht, ist Alex dazu verdammt, jeden Nachkommen der Familie MacDougall zu vertreiben - koste es, was es wolle. Als Mara völlig unerwartet ein Schloss in den schottischen Highlands erbt, prallen zwei Welten aufeinander. Sie soll den letzten Wunsch der verstorbenen Schlossherrin erfüllen, doch dabei kommt ihr Alex, der immer noch bei ihr spukt, gehörig in die Quere. Sie kann ihn weder ausstehen noch ignorieren ... vor allem nicht, wenn er ihr Herz so zum Stolpern bringt. Zwischen ihnen entbrennt das Feuer der Leidenschaft, und je näher sie sich kommen, desto mehr gerät Alex’ Schwur ins Wanken.
Kann eine Liebe bestehen, wo einst ein Fluch begann?
»Herrlich! Fesselnd, lustig und sexy.« Romantic Times Magazine
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Seitenzahl: 425
Veröffentlichungsjahr: 2026
Cover
Grußwort des Verlags
Über dieses Buch
Titel
Widmung
Danksagung
Eine persönliche Anmerkung an die Lesenden
Zitat
Prolog
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebtes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Epilog
Anmerkung der Autorin
Über die Autorin
Weitere Titel der Autorin
Impressum
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Ein schottisches Schloss, ein verfluchter Highlander und jede Menge Leidenschaft!
Mara McDougall hat den Spuk gründlich satt. Als Tourguide für Geisterführungen kennt sie jede Gruselgeschichte – und glaubt an keine davon. Doch als sie in einem Antiquitätengeschäft auf ein prachtvolles Himmelbett stößt, gerät ihre Welt aus den Fugen. Denn das Bett wird bewacht – vom attraktiven und längst verstorbenen Highlander Sir Alexander Douglas.
Einst von Maras Vorfahren verflucht, ist Alex dazu verdammt, jeden Nachkommen der Familie MacDougall zu vertreiben – koste es, was es wolle. Als Mara völlig unerwartet ein Schloss in den schottischen Highlands erbt, prallen zwei Welten aufeinander. Sie soll den letzten Wunsch der verstorbenen Schlossherrin erfüllen, doch dabei kommt ihr Alex, der immer noch bei ihr spukt, gehörig in die Quere. Sie kann ihn weder ausstehen noch ignorieren … vor allem nicht, wenn er ihr Herz so zum Stolpern bringt. Zwischen ihnen entbrennt das Feuer der Leidenschaft, und je näher sie sich kommen, desto mehr gerät Alex’ Schwur ins Wanken.
Kann eine Liebe bestehen, wo einst ein Fluch begann?
Sue-Ellen Welfonder
Wie wird man einen Highlander los?
Aus dem Englischen von Myra Frost
Mit viel Liebe für Pat Cody und Karen Stevens, meine Autorinnenschwestern, die besten Reisebegleiterinnen und Kolleginnen, die sich für das Paranormale begeistern. Ihr seid liebe Freundinnen von unschätzbarem Wert, und ich würde mit niemand anderem Orte erkunden wollen, an denen es spuken soll. Für all die schönen Geisterstunden, die wir in den USA und jenseits des Großen Teichs erlebt haben, danke ich euch von ganzem Herzen.
Dieses Buch wurde ursprünglich von Penguin NAL veröffentlicht. Danke an die Leser und Rezensenten, die dieses Buch bei seiner Erstveröffentlichung geliebt haben. Eure Begeisterung hat mir so viel bedeutet. Ich hoffe, dass Ihr die Geschichte auch jetzt wieder genießen werdet.
Liebe und Dank an meinen gut aussehenden Ehemann Manfred für seine Unterstützung und seinen unermüdlichen Enthusiasmus, und an meinen verstorbenen Jack Russell Terrier, Em. Er wurde über alle Maßen verwöhnt, und das zu Recht. Heutzutage regiert meine Autorenkatze Snuggles meine Welt.
Bitte beachtet, dass dies ein fiktives Werk ist und nicht die kalte, harte Realität widerspiegeln soll. Die folgenden Seiten enthalten Fantasy-Elemente wie Geister und Flüche, Legenden, Mythen und Magie, Zeitreisen und so weiter. Macht Euch daher darauf gefasst. Außerdem stammt diese Geschichte aus einer Zeit, in der es noch keine Dinge gab, die ich manchmal als moderne Unannehmlichkeiten empfinde. Ihr werdet also auf Erinnerungen an diese Zeit stoßen, wie etwa einen Hotelangestellten, der eine Nachricht für einen Gast aufruft, Reisewecker, keine Smartphones und Weiteres. Natürlich hätte ich diese Dinge einbauen können, aber ich habe mich dafür entschieden, die Geschichte in der langsamen Welt zu belassen, in der sie entstanden ist. Da dies ein Liebesroman ist, gibt es auch expliziten Sex. Da es sich um einen von mir geschriebenen Liebesroman handelt, enthält er weder das F-Wort noch Vulgärsprache. Vor allem aber ist diese Geschichte voller Liebe zu Schottland. Am Anfang gibt es auch einen Abstecher nach London. Einige Londoner Schauplätze basieren lose auf meinen Lieblingsorten. Die reale Welt findet sich auf den Seiten dieses Buches nicht wieder, sondern nur ein Abbild der Welt, wie ich sie mir wünsche. Ich hoffe, Ihr werdet es genießen, dort Zeit zu verbringen.
Ich wünsche Euch Hochlandmagie,
Sue-Ellen Welfonder
»Nur wenige Frauen können einem Schotten widerstehen. Keine Frau kann einem Highlander widerstehen.«
~ Eine Wahrheit, die jede lebende Frau kennt.
Westliche Highlands
In der Nähe von Oban, 1312
Er hatte gewusst, dass man den MacDougalls nicht trauen konnte.
Hätte er doch nur rechtzeitig herausgefunden, wie viele von ihnen dort waren.
Nun standen Sir Alexander Douglas und sein gesamtes Aufgebot an Männern in einer tiefen Schlucht, dem gefährlichsten Weg in das benachbarte Territorium, vor ihrem jeweiligen Ende.
Sie befanden sich mitten im Kampfgetümmel, umgeben von sterbenden, fluchenden Männern und schreienden, verängstigten Pferden. Ihr Schicksal war besiegelt – durch Pech, schlechtes Urteilsvermögen und Alex’ irrigen Glauben, dass sein Hinterhalt unentdeckt bleiben würde.
Das und die Ehre, die es ihm verbot, die Befehle eines Königs zu verweigern.
Wütend riss er sein Pferd herum, schwang seine Klinge, die bereits rot vor Blut war, ohne Unterlass. Und doch war es nicht genug. Er saß tatsächlich in der Falle und verfluchte jeden MacDougall, der auf ihn zukam. Er schlug so viele nieder, wie er konnte, und starrte auf die steil abfallende Schlucht, die so schnell zu einem wirbelnden Tumult aus Tod und Zerstörung geworden war.
Näher und näher kamen sie. Ein endloser Strom von MacDougalls, der aus jeder versteckten Spalte floss und sich in einer wilden, tödlichen Flut den Berghang hinunter ergoss, wie er es nie zuvor gesehen hatte.
Seine Männer waren ebenso kämpferisch, aber selbst mit den besten Waffen und Fähigkeiten hatten sie keine Chance.
In nur wenigen chaotischen Augenblicken fand eine Reise, die so vielversprechend hätte sein sollen, ein schwindelerregend brutales Ende. Um ihn herum lag fast sein gesamtes Gefolge erschlagen und zerschmettert auf dem Boden, unfähig, der erdrückenden Wildheit der heranrasenden Massen, dem wilden, bergab gerichteten Angriff der MacDougalls standzuhalten.
Diejenigen, die noch standen oder vom Rücken ihrer Pferde aus kämpften, wussten genau, wer an diesem Tag gewinnen würde.
Dann, inmitten des schwertschwingenden Getöses, kam ein stolzer MacDougall bis auf wenige Meter an Alex herangespurtet, eine Handvoll scharfäugiger, Piken tragender Clanmitglieder dicht auf seinen Fersen.
»Hah, Douglas! Ich grüße dich!«, rief der Mann, und seine Augen blitzten höhnisch. »Es ist ein schöner Tag zum Sterben, nicht wahr?«
»Ihr erweist Eurer Sache keinen Dienst, Sir Colin«, gab Alex zurück, der den Mann vom Verhandlungstisch wiedererkannte und der ihn nun an diesen erbärmlichen Punkt gebracht hatte. »Eher sterbe ich, als dass ich meinen Namen so beschmutzt sehe, wie Ihr den Euren beschmutzt habt.«
Kalt und arrogant warf der MacDougall einen Blick auf Alex’ Schwert, und sein höhnisches Grinsen verriet auch ohne Worte, dass ihm nicht entgangen war, dass die Spitze der großen Klinge abgebrochen war.
»Lass deine Waffe fallen, Mann. Sie ist jetzt so nutzlos wie dein Leben«, spottete er und nickte zustimmend, als seine Gefolgsleute mit gesenkten Piken und bereitgehaltenen Schwertern auf Alex zustürmten. »Schade, dass du es nicht besser wusstest, als in unser Gebiet zu reiten.«
Mit zusammengekniffenen Lippen blickte Alex trotzig drein. Sie würden ihn eher in Stücke reißen, bevor er zugeben würde, dass er es tatsächlich besser gewusst hatte. Es war sein König gewesen, der gute Robert Bruce, der auf die Ehre der MacDougalls gehofft hatte. Als nachsichtiger Monarch hatte er darauf vertraut, dass der querulante Clan die in Frieden ausgestreckte Hand ergreifen und die seit Langem andauernde Fehde zwischen den beiden großen Häusern beenden würde.
»Deine Fehleinschätzung hat deine Männer das Leben gekostet«, stichelte Colin weiter. »Und auch dein eigenes.«
»Ihr werdet für Euren Verrat büßen, das verspreche ich Euch!« Alex zuckte zusammen, war sich der zunehmenden Stille und der damit einhergehenden üblen Vorahnung bewusst.
Es würde keinen Sieg geben, keine unerwartete Wendung seines Schicksals und, alle Götter waren seine Zeugen, auch kein Nachgeben.
Ein Douglas stand aufrecht, bis er fiel.
»Du bist es, der es bereuen wird!« Einer der Lanzenträger trieb sein Pferd an und rammte seine Speerspitze in Alex’ Oberschenkel.
Alex ignorierte den Schmerz, konzentrierte sich auf ihren Anführer und begegnete Colins Blick mit seinem eigenen glühenden. An der Schulter des Mannes schimmerte eine runde Rubinbrosche, deren glitzernde Edelsteine das gleiche tiefe Rot hatte wie der Fleck, der sich an Alex’ Bein ausbreitete.
»Bei einer so feinen Beute, die hier herumliegt, glaube ich nicht, dass wir viel zu leiden haben werden.« Colin deutete auf den blutgetränkten Abhang, die tiefe Schlucht, die jetzt mit den Leichen von Alex’ Männern und den zerschmetterten Überresten seines Gepäcktransports übersät war. »Aye, eine gute Beute.«
Alex strotzte vor Zorn und schluckte die Galle in seiner Kehle hinunter. »Zu gut für Euresgleichen.«
Die Männer waren bereits auf der Suche nach Waren unter den Gefallenen, die es sich zu ernten lohnte. In der Tat ein reicher Gewinn, der zum großen Teil aus der sperrigen Ladung stammte, die Alex trotz der gefährlichen Reise unbedingt hatte mitnehmen wollen.
Der größte Preis, ein prächtig geschnitztes Himmelbett, war für die Reise sorgfältig demontiert und mit all seinem luxuriösen Drumherum verpackt worden.
Sein Hochzeitsgeschenk an eine Braut, die er nie sehen würde.
Ein symbolisches Angebot des guten Willens für eine Frau, die er nicht wollte, für die er aber einen Eid geleistet hatte.
Als ihn die Galle fast erstickte, warf er sein spitzenloses Schwert weg und wollte sich auf den MacDougall stürzen. Am liebsten hätte er seine Hände um den Hals des Unholds geschlungen, doch eine ringförmige Phalanx von stahlköpfigen Piken hielt ihn davon ab. Vor allem die, die sich gegen seine Kehle pressten.
Er richtete sich so weit auf, wie es die stoßenden Speerspitzen zuließen. »Eure Lady Isobel hat diese Verbindung angestrebt!«, rief er mit harter Stimme, und der Zorn brannte heiß in ihm. »Sie wollte, dass Euer Haus in der Gunst des Königs steht.«
Die Männer, die ihn umringten, grinsten.
»Meinst du?« Colin hob die Brauen. »Es war ihr Vater, der ein solches Bündnis befürwortete, und er, Gott hab ihn selig, ist nicht mehr. Die Wahrheit ist, dass Lady Isobel in mich verliebt ist, seit wir beide in den Windeln steckten. Sie hat uns geschickt, um dich abzufangen.«
Mit brennendem Nacken kämpfte Alex darum, nicht den Verstand zu verlieren. Ein fast unmögliches Unterfangen angesichts des unnatürlich verdrehten Körpers seines jüngsten Knappen, der nicht weit von den Füßen des MacDougalls entfernt lag und dessen arme Augen blicklos in den Himmel starrten.
Andere aus seinem Gefolge lagen in der Nähe, einige zu Haufen aufgeschichtet, alle gleich still. Gute und stolze Männer, zu Dutzenden erschlagen.
Alex schauderte, sein Magen kribbelte. »König Robert wird Euch am nächsten Galgen baumeln sehen wollen«, schwor er mit einer Stimme, die scharf genug war, um Granit zu schneiden. »Jeden Einzelnen von euch.«
Colin zuckte übertrieben mit den Schultern. »Das bleibt abzuwarten, aber ich glaube es nicht. Sieh her, das ist der Blutstein von Dalriada«, prahlte er und rieb mit den Fingerknöcheln über die Brosche an seiner Schulter. »Eine heilige Reliquie, die von Kenneth MacAlpin, dem ersten König der Schotten, überliefert und in einem Kampf bei Dalrigh dem Mantel von Bruce entrissen wurde. Ihr Besitz ist der Stolz aller MacDougalls.«
Alex kniff die Augen zusammen, und seine Kehle verengte sich. »Ich habe kein Interesse an Eurer Brosche, egal wie sie in Eure Hände gekommen ist.«
»Och, das solltest du aber.« Die Lippen des anderen kräuselten sich vor Bosheit. »Da du gleich tot bist und es keine Zeugen gibt, die uns widersprechen könnten, werden wir behaupten, du hättest dich am Vorabend deiner Hochzeit mit dem Blutstein von Dalriada aus dem Staub gemacht. Nicht einmal dein aufstrebender König wird einen Mann rächen, der seine Braut so beschämt hat.«
»Der Fluch der Götter soll über dich hereinbrechen!«, brüllte Alex, während sich die bittere Wahrheit in den Worten des Feiglings in seinem Innersten festsetzte.
Colin stieß ein freudloses Lachen aus und deutete mit einer Hand auf den wachsenden Haufen an Beute. »Ah, Lady Isobel wird sehr erfreut sein über deine Brautgeschenke«, spottete er, und ein wölfisches Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus. »Dein Hochzeitsbett scheint ein schönes Stück zu sein. Wir werden es gut gebrauchen können.«
»Du wirst nicht eine einzige Nacht in meinem Bett verbringen«, zischte Alex, während die Wut in seiner Brust aufwallte. »Nicht voller Wonne. Das schwöre ich beim Grab meiner Mutter.«
Unbeeindruckt nahm Colin seine Brosche ab und warf sie Alex zu. »Schwöre besser auf etwas anderes als ein leicht bekleidetes Luder.«
»Wenn du Manns genug wärst, gegen mich zu kämpfen, würde ich dir dafür die Zunge herausreißen, MacDougall«, knurrte Alex voller Zorn.
»Der Blutstein von Dalriada ist magisch«, erklärte Colin, der sich sichtlich amüsierte. »Manche sagen, er enthält das Blut des Heiligen Kolumban. Andere schwören, dass die Brosche durch das Volk der Fae zu MacAlpin kam. Ein Feenvolk, das versprach, dem Träger drei Wünsche zu erfüllen, solange ein Jahr und ein Tag zwischen den Beschwörungen vergehen.«
Alex starrte den Mann an, von dem er wusste, dass er sein Mörder sein würde. Ein roter Schleier trübte seine Sicht und seine Finger umklammerten die Brosche so heftig, dass die Nadel tief in seine Handfläche sank.
Colin spottete weiter, sein Tonfall war fast jovial. »Wenn die Überlieferung stimmt, könntest du selbst einen letzten Wunsch äußern.«
»Ich werde dich zuerst in der Hölle sehen«, knurrte Alex und wehrte sich gegen die Männer, die ihn zu Boden zwangen. Aber all seine Kraft und Wut waren den stoßenden Speerspitzen nicht gewachsen.
»Teufel«, zischte er und blickte sich wütend um. »Damit werdet ihr nicht durchkommen.«
»Manche würden sagen, das sind wir schon.« Colin hob sein Schwert. »Ich werde für deine Seele beten, bevor ich Isobel heute Nacht in dein Bett bringe.«
»Du wirst die Stunde bereuen, in der du dich in mein Bett begeben hast«, schwor Alex und blickte dem Tod ins Gesicht. »Ich werde dich und deine Leute bis ans Ende aller Tage verfolgen, das schwöre ich.«
»Wir werden sehen«, sagte Colin und holte zum Schlag aus.
»Verdammter MacDougall-Bast…«, begann Alex, bevor er unter einem Hagel von blitzendem Stahl zusammensank und seine letzten Worte für immer verstummten.
Sein Fluch über die MacDougalls jedoch manifestierte sich bis in alle Ewigkeit.
London, Gegenwart
Verdammte MacDougall-Bastarde.
Mara McDougall zuckte bei dem wütenden Schimpfwort zusammen. Ihr Puls raste, sie drehte sich um, sah aber niemanden. Nichts als Gerümpel und Staub starrte sie an. Ein muffiger Ladenraum, vollgestopft mit dem Ausrangierten anderer Leute, jeder vermeintliche Schatz stumm wie ein Grab.
Doch sie hätte schwören können, dass jemand die Worte direkt hinter ihrem Ohr geflüstert hatte.
Ein männlicher Jemand mit einer sehr tiefen Stimme.
Eine Stimme mit einem vollen, die Zehen kräuselnden Akzent, den sie nicht genau zuordnen konnte.
Sie drückte eine Hand auf ihre Brust und versuchte, sich zu beruhigen. Hoffentlich geriet sie nicht so aus der Fassung wie die Personen, die sie in den letzten zwei Wochen durch die englische Landschaft begleitet hatte.
Die längsten vierzehn Tage ihres Lebens.
Mit einer Geduld und Stärke, von der sie nicht wusste, dass sie sie besaß, hatte sie eine Gruppe von Möchtegern-Geisterjägern durch mehr Schlösser, Herrenhäuser und Pubs, in denen es angeblich spuken sollte, getrieben, als sie zählen konnte. Sie hatte unsinnige Diskussionen über kalte Stellen, graue Damen und andere Gestalten, die in der Nacht ihr Unwesen trieben, über sich ergehen lassen müssen. Um ihres Geschäfts willen hatte sie sogar Interesse vorgetäuscht.
Jetzt hörte sie schon Stimmen, die nicht da waren.
Die kostbare Zeit, die sie allein verbrachte, wurde immer knapper. Und obwohl diese spezielle Reise ihrem Reiseunternehmen Exclusive Excursions einen stattlichen Gewinn eingebracht hatte, war es nun genug.
Das war nicht amüsant.
Sie hatte weder Zeit noch Lust, imaginäre Dinge zu hören, und wenn ihre derzeitigen Kunden ein Beispiel für die Art von Leuten waren, die das taten, dann wollte sie nichts mit solchen zweifelhaften Fähigkeiten zu tun haben.
Schaudernd wurde sie sich des schwachen Pochens eines herannahenden Kopfschmerzes bewusst und rieb sich die Stirn. Bald würde sie sich von den Geisterjägern trennen. Noch ein Tag, ein viel zu langer Flug über den Atlantik, und sie würde sie nie wiedersehen, sich keine ihrer haarsträubenden Geschichten mehr anhören müssen.
Dennoch ließ sie der so real klingende Fluch in jede Ecke des schwach beleuchteten Hinterzimmers von Dimbleby’s Antique and Curio Shoppe spähen.
Eine einfache Vorsichtsmaßnahme, nur um sicher zu sein, dass sich nichts außer Unordnung und ein paar sehr guten, verstaubten Stücken mit ihr im Raum befand. Nachdem sie alle möglichen Verstecke unter die Lupe genommen hatte, wandte sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem ungewöhnlichen Himmelbett zu, das sie zuvor begutachtet hatte.
Auf all ihren Reisen hatte sie noch nie etwas so Bemerkenswertes gesehen. Aus feiner alter Eiche gefertigt und vom Alter geschwärzt, dominierte die schiere Präsenz des Bettes den Raum.
Es musste alt sein, wirklich uralt.
Ehrfürchtig atmete sie ein und fuhr mit den Fingerspitzen an einem der reich geschnitzten Pfosten entlang. Das gealterte Holz fühlte sich kühl und seidig an und bescherte ihr einen aufregenden Schauer.
Wie viele Jahrhunderte hatte es gedauert, bis eine solche Patina entstanden war? Wessen geschickte Hände hatten das komplizierte Muster aus Disteln und Eichenblättern, das das massive Kopfteil und den Himmel des Bettes zierte, so liebevoll gestaltet?
Sie seufzte, ein wehmütiges Lächeln umspielte ihre Lippen. Wer war bereits in einem solch königlichen Bett geboren worden, gestorben oder hatte dort Liebe gemacht? Die Möglichkeiten waren so endlos wie ihre Fantasie.
»Prächtig, hm?«
Erneut zuckte Mara zusammen, und ihre Augen weiteten sich. Zum zweiten Mal an diesem Tag lief ihr ein Schauer den Rücken hinunter. Aber jetzt klang die männliche Stimme hinter ihr nicht wütend.
Und schon gar nicht so samtig und tief.
Lediglich sehr englisch und mit dem leichten Anflug von Überlegenheit, den manche Antiquitätenhändler an den Tag legen.
Mara richtete sich auf, holte tief Luft und unterdrückte das Aufflackern von Verlegenheit, das solche hochmütige Personen manchmal in ihr auslösten.
Dann drehte sie sich um, und der Anflug von Unsicherheit verflog.
Die hochkultivierte Stimme gehörte einem eher unscheinbaren Mann in den Fünfzigern. Er war von schlanker Statur, trug einen zerknitterten hellgrauen Anzug und hatte sein schütteres Haar sorgfältig über eine kahle Stelle auf dem Kopf gekämmt.
Und obwohl er so aufrecht stand, als hätte er einen Besen verschluckt, überragte Mara ihn um gut fünf Zentimeter.
Zum ersten Mal froh über ihre Größe, nickte sie zustimmend. »Ja, es ist erstaunlich. So etwas habe ich noch nie gesehen.« Sie warf einen Blick auf das Bett. »Ist es im Tudorstil?«
Der Mann rieb sich das Kinn. »Könnte sein, aber ich vermute, es ist älter, vielleicht aus dem 14. Jahrhundert. Es würde mich auch nicht überraschen, wenn es noch älter wäre. Es ist einzigartig, das schönste mittelalterliche Möbelstück, das man außerhalb eines Museums finden kann.«
Er musterte sie mit scharfen blauen Augen. »Ich fürchte, es ist ziemlich teuer.«
»Oh, ich will es nicht kaufen«, sagte Mara und wünschte, sie könnte es doch. »Ich habe es nur bewundert. Kennen Sie seine Geschichte?«
»Nur das, was ich vermuten kann, Fräulein …?«
»McDougall. Mara McDou…« Ein schallendes Krachen unterbrach sie mitten im Wort, der laute Knall hallte durch den Raum und ließ die Glas- und Porzellanantiquitäten erzittern.
Mara erstarrte. Ihre Nerven erwachten wieder zum Leben, und ein eisiges Kribbeln breitete sich überall in ihr aus. Sie sah den Engländer an, aber er schien völlig unbeeindruckt zu sein.
»Es ist nur das Fenster.« Er deutete auf das milchige, doppelflügelige Fenster auf der anderen Seite des Raumes. »Es ist ein bisschen wackelig und fällt manchmal von selbst zu«, fügte er hinzu und zog eine Augenbraue hoch. »Ich hoffe, es hat Sie nicht erschreckt?«
»Nein, überhaupt nicht«, platzte Mara heraus, die nicht zugeben wollte, dass das Geräusch sie sehr wohl aus der Fassung gebracht hatte.
Sie rieb sich die Arme und bedauerte, keinen Sweater zu tragen. Einen Jumper, wie die Briten sagen würden. Himmel, plötzlich war ihr eiskalt. So sehr, dass sie kaum glauben konnte, dass ihre Zähne nicht klapperten.
Sie hoffte, dass sie sich nicht die Erkältung von Nellie Hathaway eingefangen hatte. Die geisterjagende Buchhalterin aus Pittsburgh nieste ununterbrochen, seit sie die Nacht auf einem Friedhof außerhalb von Exeter verbracht hatten.
»Es ist ein bisschen kalt hier drin«, sagte sie und versuchte immer noch, sich die Gänsehaut wegzureiben.
»Kalt?« Der Mann warf ihr einen fragenden Blick zu. »Aber es ist doch ziemlich stickig, meine Liebe.« Wie zum Beweis holte er ein weißes Leinentaschentuch hervor und tupfte sich die Stirn ab. »Es heißt, dies sei der heißeste Juni, den wir seit Jahrzehnten hatten.«
Mara biss sich auf die Zunge. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht. Es war so kalt, dass sie kaum klar denken konnte. Nur ein Inuit würde den Raum auch nur halbwegs warm finden.
»Erlauben Sie mir, mich vorzustellen«, sagte der Mann, der ihr Unbehagen offensichtlich nicht bemerkte. »Donald Dimbleby, der Inhaber, zu Ihren Diensten. Es ist eine Freude, eine junge Amerikanerin zu sehen, die sich für Antiquitäten interessiert.«
Mara blinzelte, entschlossen, sich auf ihn zu konzentrieren und nicht auf die Eiseskälte im Raum. »Viele Amerikaner mögen Antiquitäten.«
Donald Dimbleby schniefte. »Ah, aber interessieren sie sich für die Herkunft und die Geschichte eines Stücks oder wollen sie nur ein kurioses Souvenir vom guten alten England mit nach Hause nehmen?«
»Ich könnte dieses Bett nicht mit nach Hause nehmen, selbst wenn ich es mir leisten könnte. Ich hätte keinen Platz dafür«, sagte Mara und dachte dabei an ihre winzige Wohnung in Philadelphia.
Das riesige Bett würde nicht in ihr Wohn- und Schlafzimmer passen – selbst wenn sie alles andere wegwerfen würde, um Platz dafür zu schaffen. Ein Anflug von sinnlosem Bedauern durchfuhr sie bei diesem Gedanken, aber sie schob ihn beiseite und strich mit der Hand wieder über den Bettpfosten.
Zu ihrer Überraschung fühlte er sich jetzt unter ihrer Berührung warm an.
Leicht erhitzt und irgendwie aufgeladen, als ob ein starker elektrischer Strom unter der glatten Oberfläche des Holzes zischte und spränge.
»Sie kennen die Geschichte des Bettes nicht?« Sie blickte den Inhaber an, ihre Finger kribbelten.
»Leider konnte ich seinen Ursprung nicht ausfindig machen. Das ist sehr bedauernswert, denn ich bin sicher, dass es einen faszinierenden Hintergrund hat.« Er zog eine Brille aus seiner Tasche und setzte sie auf, bevor er sich dem kunstvoll geschnitzten Kopfteil zuwandte.
»Sehen Sie sich das an.« Er berührte mit einem Finger die anmutigen Wirbel der dekorativen Blätter. »Das sind Eichenblätter. Sie stehen für Tapferkeit. Solche Symbole wurden mit großer Sorgfalt ausgewählt, weil die dargestellten Eigenschaften in direktem Zusammenhang mit dem Träger standen. Daher können wir davon ausgehen, dass das Bett einer fürstlichen Familie oder vielleicht einem Ritter gehörte.«
Einem Ritter. Maras Herz machte einen Sprung, allein das Wort brachte ihr Inneres in Aufruhr. »Das erkennen Sie an den Verzierungen?«
Mr. Dimblebys Gesicht errötete vor Freude. »Wappenkunde ist ein Hobby von mir.« Er warf einen spekulativen Blick auf das Kopfteil. »Also, die Disteln könnten bedeuten, dass das Bett aus …«
»… Schottland stammt?«, ergänzte Mara und war sich dessen sicher.
Schließlich hatte ihr von der Ahnenforschung besessener Vater sie oft genug in Verlegenheit gebracht, indem er ihr bescheidenes Vorstadthaus mit Schottenmustern und Disteln ausstattete und sie sogar einmal mit einem Frühlingsurlaub in Fort Lauderdale bestach, wenn sie Distelbordüren an die Badezimmerdecke malen würde.
Der Inhaber zog seine Brille ein Stück herunter und sah sie über die Ränder hinweg an. »Ganz recht«, stimmte er zu. »Die Distel steht für Schottland. Aber obwohl ich das Bett auf einer Antiquitätenmesse in Edinburgh erworben habe, glaube ich eher, dass es seinen Ursprung in England hat.«
Mara strich mit einem Zeigefinger über eines der Eichenblätter. »Warum? Weil die Eiche mit England assoziiert wird?«
Auch das wusste sie. Wegen ihrer Leidenschaft für mittelalterliche Geschichte und auch, weil sie so viele Touren durch englische Landgüter begleitet hatte.
Doch Donald Dimbleby schüttelte den Kopf. »Könnte sein, aber ich würde sagen, wegen der feinen Handwerkskunst des Bettes.« Seine Stimme hatte einen leichten Anflug von Herablassung angenommen. »Nichts gegen unsere nördlichen Nachbarn, aber ich fürchte, dass die Engländer damals in der Herstellung solcher Stücke viel fortschrittlicher waren. Dieses Bett zum Beispiel lässt sich mit erstaunlicher Leichtigkeit komplett auseinandernehmen und wieder zusammensetzen. Die Schotten wären zu dieser Zeit nicht so geschickt gewesen.«
»Meine Vorfahren kamen aus Schottland«, sagte Mara, und ein arktischer Luftzug traf sie mitten ins Gesicht. »Ich war aber noch nie dort.«
Mr. Dimbleby schenkte ihr ein nachsichtiges Lächeln. »Bei einem Namen wie McDougall und einem so schönen Kupferton ihres Haares hatte ich schon vermutet, dass Sie schottische Wurzeln haben. I…«, er brach ab, da ein Telefon schrill läutete.
»Wenn Sie mich bitte entschuldigen«, sagte er und verschwand bereits durch eine geöffnete Tür auf der anderen Seite des Raumes, die er fest hinter sich schloss.
Allein gelassen wandte sich Mara wieder dem Bett zu.
Es faszinierte sie. Sie griff mit beiden Händen nach einem der Pfosten, stützte ihre Wange auf dessen Festigkeit und schloss die Augen, versuchte sich das Bett so vorzustellen, wie es vor Jahrhunderten gewesen sein musste.
Mit einer lebhaften Vorstellungskraft gesegnet, beschwor sie bald einen schneidigen Ritter in einem Kettenhemd herauf, der ein blondes Mädchen eine Wendeltreppe hinauftrug und sie dann sanft auf das prächtige Bett hinunterließ.
Was dann passieren würde, war der Stoff, aus dem Träume sind, vielleicht sogar Legenden. Sie sah vor ihrem inneren Auge, wie der Ritter seine Dame entkleidete, stellte sich vor, wie er ihre Nacktheit bewunderte. Er würde sie auf eine Art und Weise berühren, die eine wunderbare Wärme und ein prickelndes Vergnügen in ihrer Mitte hervorrufen würde. Dann würde er sich ebenfalls entkleiden, sie fest an sich ziehen und sie mit so viel heißer Leidenschaft küssen …
Wie gern wäre sie die Dame eines solchen Galans gewesen.
Ein solches Bett wäre perfekt für jeden Mittelalterliebhaber.
Diese längst vergangenen Tage waren vorbei, aber das Himmelbett hatte weitergelebt, und sie konnte fast seinen Herzschlag unter ihren Fingern spüren. Ein Puls oder ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, und das war eine Verbindung, die sie geradezu prickelnd fand.
Auf ihren Armen bildete sich wieder Gänsehaut, aber dieses Mal hatte ihr Frösteln nichts mit der Kälte zu tun.
Es waren köstliche Schauer, die ihren Atem beschleunigten und kleine heiße Schübe der Freude mit sich brachten. Für eine Liebhaberin alter Dinge, wie sie es war, fast orgastisch.
Sie brauchte keine Designer-Schuhe oder die neueste »In«-Tasche.
Antiquitäten hatten es ihr angetan, die Vergangenheit reizte sie mehr als alles, was das moderne Zeitalter zu bieten hatte.
Sie holte tief Luft und verinnerlichte den Traum vom Ritter und seiner Dame, den sie gesponnen hatte.
Hätte sie doch nur im Zeitalter der Romantik und des Rittertums gelebt.
Stattdessen war sie Mara McDougall, eine glücklose Frau, die dazu bestimmt war, ein Geschäft zu führen, das manchmal ihre Nerven strapazierte, nur damit sie gelegentlich einen Hauch und einen Blick auf die längst vergangene Welt erhaschen konnte, die sie so faszinierte.
Sie stieß einen schweren Seufzer aus. Ob es ihr gefiel oder nicht, sie lebte im Hier und Jetzt. Und wenn sie England nach dieser Reise wiedersehen wollte, sollte sie besser keine Höhenflüge machen. Mit einer Kombination aus harter Arbeit und Kreativität hatte sie Exclusive Excursions zu einem halbwegs florierenden Unternehmen aufgebaut.
Kein Grübeln über was wäre wenn und darüber, was hätte sein können.
Irgendwie würde sie diesen letzten Abend überleben, an dem sie für die stolzen Kreditkarteninhaber der Gesellschaft der unerschrockenen Geisterjäger die Mutterhenne spielen würde. Und wie immer würde sie sich die Monate bis zur nächsten Tour mit fleißiger Werbung und Planung vertreiben. Und ehe sie sich versah, würde sie schon wieder im nächsten Flugzeug nach London sitzen.
Alles andere war unwichtig.
Mit einem Anflug von Bedauern stieß sie sich vom Bettpfosten ab. Sie hatte gerade noch genug Zeit, um die U-Bahn zur Victoria Station zu nehmen, die paar Blocks zu ihrer Frühstückspension zu laufen und sich dann für die nächtlichen Festivitäten fertig zu machen.
Sie hatte keine Zeit mehr, über Ritter in Kettenhemden zu fantasieren, die verführerisch und lasziv lächelten und hitzige Blicke versprühten. Sie brauchte nicht daran zu denken, was sie mit ihren Händen tun würden. Wie heiß sie eine Frau küssen, sie um den Finger wickeln und zum Schmelzen bringen würden.
Sie musste weg hier.
Doch als sie sich zum Gehen wandte, prallte sie gegen eine Wand.
Eine solide, mit starken Muskeln bestückte Männerwand.
Wahrscheinlich war dies der schönste Mann, den sie je gesehen hatte. Und zweifellos der größte. Himmel, sie musste den Kopf zurücklegen, um sein Gesicht zu sehen. Etwas, das sie weniger oft getan hatte, als sie zugeben wollte, denn sie war nicht gerade eine kleine Person.
Mara starrte ihn an, und ihr Herz machte peinliche Purzelbäume. Er trug eine eng anliegende braune Hose und eine langärmelige Tunika im gleichen Farbton mit einem breiten Ledergürtel, der tief um seine Hüfte geschlungen war. Feine braune Stiefel vervollständigten sein Outfit, und einen verblüffenden Moment lang glaubte sie, das Aufblitzen eines Langschwerts an seiner Seite zu sehen.
Aber sie blinzelte, und das Schwert war verschwunden, nur er und seine dunkle, wilde Schönheit blieben zurück. Seine Intensität umhüllte sie, kühn und verführerisch, sein durchdringender Blick schien ihre Kleidung wegzubrennen, bis sie sich …
… nackt vorkam.
Vielleicht sogar ein bisschen kribblig.
Es kam nicht jeden Tag vor, dass der bloße Blick eines Mannes sie so sehr aufwühlte. Sie fühlte sich erregt, köstlich verschlungen. Das waren prickelnde Empfindungen, bei denen sie besser nicht verweilen sollte, also biss sie sich auf die Lippen, bevor sie einen Seufzer ausstieß und damit riskierte, ihm zu verraten, wie sehr sie sich von ihm angezogen fühlte.
Wie leicht könnte ihre lange vernachlässigte Weiblichkeit heiß und schmerzhaft werden, wenn er nicht bald aufhörte, sie auf eine Weise anzusehen, die ihr das Gefühl gab, als wäre er direkt aus ihren heißesten Träumen gekommen, um sie zu verführen.
Sie versuchte nicht zu erröten und musterte ihn ebenfalls, wobei ihr Blick ebenso kühn über ihn glitt.
Er war nicht nur viel größer als jeder andere Mann, den sie je gesehen hatte, er war einfach mehr als perfekt. Er sah sogar wie ein Ritter aus, mit seinem vollen kastanienbraunen Haar, das seine breiten Schultern umspielte, und einer so unbeschreiblichen Kraft, die ihn durchströmte, dass sie kaum atmen konnte.
Sie zwang sich, genau das zu tun, und widerstand dem Drang, die Hand auszustrecken und ihre Finger in seinem Haar zu vergraben. Nur um zu sehen, ob es echt war. Mit den schimmernden Strähnen, die die Farbe von sonnengewärmtem Honig hatten, und dem glänzenden Schimmer jeder einzelnen Strähne, hatte sein Haar tatsächlich eine unheimliche Ähnlichkeit mit einem verwegenen Helden auf einem verstaubten alten Museumsporträt.
Aber mehr noch als seine stramme Statur und sein gutes Aussehen war es die Anziehungskraft seiner unglaublich intensiven Augen, die sie in ihren Bann zog.
Seegrüne Augen, in denen eine Frau ertrinken könnte.
Sie könnte für immer hineinschauen.
Leider wirkte er nicht gleichermaßen entzückt. Er verströmte Abneigung, und er hatte die Arme in einer unfreundlichen Haltung vor der Brust verschränkt. Schlimmer noch, jetzt, da er sie praktisch zum Schmelzen gebracht hatte, vergeudete er jeden Zentimeter seiner Attraktivität, indem er sie mit einem eisigen Blick fixierte.
Keine heißen, den Körper entlangstreifenden Blicke mehr, die sie betörten und heiße, flüssige Lava durch ihre dunkelsten, geheimsten Stellen kribbeln ließen.
Sein brennender Blick enthielt jetzt nur noch Arroganz.
Vielleicht sogar Wut.
Verärgert richtete sich Mara auf. Sein Aussehen war ihr völlig egal, solange er sie anstarrte, als hätte sie die Pocken. Mit klopfendem Herzen strich sie sich das Haar über eine Schulter, ihre Anspannung wuchs. Vielleicht könnte sie ein paar Pfunde abnehmen, aber so schlimm war es dann auch nicht.
Oder hatte er sie vielleicht reden gehört und mochte keine Amerikaner?
Wenn ja, gab es eine einfache Lösung.
Sie würde ihn mit ihrem Charme beeindrucken.
»Hallo«, sagte sie und zeigte ihr schönstes Lächeln. »Ich bin Mara McDougall.«
Er verharrte mit steinerner Miene und machte sich nicht einmal die Mühe, die Begrüßung zu erwidern. Wenn überhaupt, vertiefte sich sein Stirnrunzeln.
Mara schluckte, befeuchtete ihre Lippen. Vielleicht erwartete er, dass sie sich entschuldigte? Immerhin war sie in ihn hineingestürzt, und das mit erheblicher Wucht.
Ja, das war sicherlich sein Problem.
Er wollte eine Entschuldigung.
»Hören Sie, es tut mir leid, dass ich Sie angerempelt habe.« Sie war froh, ihm diesen Gefallen tun zu können. »Es wird nicht wieder vorkommen.«
»Mit Sicherheit nicht«, stimmte er ihr zu und trat näher. »Das Bett gehört mir, Frauenzimmer. Fort mit dir.«
Mara blinzelte verwirrt. »Was?«
»Verschwinde«, wiederholte er.
Da war wieder dieser Ton. Warm, reichhaltig und butterweich. Der reinste schottische Akzent, den sie je gehört hatte, und jetzt erkannte sie die musikalische Kadenz, von der sie vorher nur einen Hauch mitbekommen hatte. Und er sprach derart nervtötend sexy, dass ein weiterer kleiner Lustschauer durch ihren Bauch fuhr.
Ihr Herz klopfte gegen ihre Rippen.
Aber Frauenzimmer und verschwinde?
Ganz zu schweigen von den verdammten MacDougall-Bastarden.
Empört wich Mara ein paar Schritte zurück. »Gutes Aussehen und ein heißer Akzent sind kein Freibrief für Unhöflichkeit«, sagte sie und warf ihm einen Blick zu, von dem sie hoffte, er würde noch mehr ausdrücken.
Sie hätte es nicht für möglich gehalten, aber sein finsterer Blick verdunkelte sich noch mehr. Mit feindseliger Miene richtete er sich zu seiner vollen Größe auf, zog die Schultern zurück und starrte sie an.
Sie straffte ihre eigenen Schultern und erwiderte seinen Blick. »Und das Bett gehört nicht Ihnen. Es gehört Herrn Dimbleby, und es ist zu verkaufen. Vielleicht kaufe ich es sogar.«
Er verengte seine Augen. »Du bist eine MacDougall.«
»Und? Was hat mein Name damit zu tun?« Mara klopfte ungeduldig mit einem Fuß auf den Boden. »Ich weiß bereits, dass Sie McDougalls nicht mögen.«
»Keiner dieser Leute wird jemals in meinem Bett schlafen. Ich verbiete es.«
»Dieser Leute? Und Sie verbieten es?« Mara spürte, wie ihr die Kinnlade herunterfiel. »Soll das ein Scherz sein?«
Er trat dicht an das Kopfteil heran. »Ich narr’ dich nicht«, sagte er und richtete den Blick seiner grünen Augen bedrohlich auf sie.
Mara schüttelte den Kopf. »Sie narren mich nicht? Was ist das denn für ein Englisch?«
»Des Königs Englisch«, erklärte er, und sein Blick brannte sich förmlich in sie hinein. »Zumindest, wenn er sich herablässt, diese verdorbene Sprache zu sprechen.«
»Des Königs Englisch?«, echote Mara. Sie legte ihre Fingerspitzen auf ihre Schläfen und drückte fest zu. Entweder bildete sie sich dieses Gespräch ein, oder einer von ihnen war nicht ganz richtig im Kopf, und sie hoffte, dass es nicht sie war. »Was ist mit Königin Elisabeth passiert?«
Zu ihrer Überraschung blinzelte er, und eine Regung, die fast an Ratlosigkeit grenzte, glitt über sein Gesicht. Doch der leicht verwirrte Blick verschwand im Nu und wurde durch einen weiteren grimmigen Gesichtsausdruck ersetzt.
Ein Blick, der so vernichtend war, dass sie beschloss, sich aus dem Staub zu machen. Sie hatte in letzter Zeit genug Kontakt zu Spinnern gehabt. Sie brauchte keine Begegnung mit weiteren, schon gar nicht mit einem derart ungehobelten. Ob er nun ein unwiderstehliches Etwas an sich hatte oder nicht, spielte keine Rolle. Er hatte Glück, dass sie die Zurückhaltung besaß, ihm nicht zu sagen, dass er sich verpissen sollte.
Entschlossen zu gehen, bevor ihr Temperament das Zucken unter ihrem linken Auge auslösen konnte, rauschte sie an ihm vorbei und schaffte es bis zur Hälfte von Dimbleby’s, bevor sie stehen blieb.
Der finster dreinblickende Kerl hatte ihr den einzigen freien Nachmittag auf dieser Höllentour verdorben, und das sollte sie ihm nicht durchgehen lassen.
Sie mochte an ihre Grenzen gestoßen sein, aber sie war eine McDougall.
Die McDougalls waren keine Feiglinge.
Sie wartete also gerade lange genug, um ihre beste »Lass dich nicht mit jemandem aus Philadelphia ein«-Miene aufzusetzen, dann drehte sie sich um und kehrte in das Hinterzimmer zurück.
Aber der sexy Mann war weg.
Verschwunden, als hätte es ihn nie gegeben.
Ihre Empörung schlug in etwas um, das sich auf ärgerliche Weise wie Enttäuschung anfühlte, und sie suchte den überfüllten Raum ab, ging sogar auf ein Knie, um unter das massive Himmelbett zu schauen. Doch die Anstrengung bewies nur, wie gut Staubmäuse an dunklen, geschützten Orten gediehen.
Der heiße Schotte mit dem umwerfenden Akzent und dem finsteren Gesichtsausdruck war nirgends zu sehen.
Ebenso seltsam war, dass der Raum sich warm und stickig anfühlte.
Von der betäubenden Kälte, die nur wenige Augenblicke zuvor geherrscht hatte, war nichts mehr zu spüren.
Der gesunde Menschenverstand sagte ihr, dass das nicht wahr sein konnte, aber trotzdem lief ihr ein Schauer über den Rücken – bis sie die geschlossene Bürotür im hinteren Teil des kleinen Raums entdeckte.
Erleichterung überflutete sie, schnell und süß.
Sie hatte den Bezug zur Realität nicht verloren.
Der Rüpel hatte sich nur in Mr. Dimblebys Büro geschlichen, und was sie betraf, konnte er dort ruhig bleiben.
Einen verlockenden Moment lang überlegte sie, zur Tür zu gehen und sie aufzureißen, aber sie verwarf den Gedanken ebenso schnell wieder.
Der hübsche Teufel war die Energie nicht wert.
Viel besser wäre es, sie würde sich an ihn als den perfekten Abschluss eines weniger guten Tages erinnern und zu ihrem Bed-and-Breakfast zurückkehren. Wenn sie sich beeilte, hatte sie noch Zeit zu duschen und sich umzuziehen, bevor sie ihre Geisterjäger zum Berkeley Square zu ihrem Abschiedsessen und ihrer Séance begleiten musste.
Doch kurze Zeit später nahm ihr Schicksal eine noch wildere Wendung, als sie im Lounge-Bereich des Buxton Arms stand und die gekritzelte Nachricht las, die ihr der Rezeptionist bei der Abholung ihres Schlüssels überreicht hatte.
Bitte rufen Sie Mr. Percival Combe, Rechtsanwalt, an. Dringend.
Maras Brauen zogen sich zusammen. In der Nachricht war eine Londoner Adresse angegeben, aber wer war Percival Combe? Und was könnte ein Anwalt wohl von ihr wollen?
Doch die Nachricht konnte nicht für jemand anderen bestimmt gewesen sein. Wie viele Mara McDougalls von Exclusive Excursions könnten sich schon in dem kleinen Gasthaus aufhalten?
Nur eine, und das wusste sie genau.
Verblüfft stieg sie die steile, mit Teppich ausgelegte Treppe zu ihrem Zimmer im dritten Stock hinauf. Es überraschte sie nicht, dass in dem Moment, als sie die Tür öffnete, das Telefon klingelte. Und als sie sich auf die Bettkante sinken ließ und nach dem Hörer griff, warnte sie jeder Instinkt, dass etwas Wichtiges passieren würde.
»Mara McDougall«, meldete sie sich und schloss die Augen.
»Ah, Miss McDougall«, antwortete jemand vornehm. »Percival Combe hier, von Combe und Hollingsworth. Ich bin so froh, dass ich Sie erwischt habe.«
Mara riss die Augen wieder auf. »Das muss ein Irrtum sein«, sagte sie und war sich gar nicht sicher, ob sie wissen wollte, worum es ging. »Wenn es hier um meine aktuelle Tour geht …«
Sie wich zurück, ihre Handflächen wurden feucht. Auf keinen Fall wollte sie ihre England-Tour des Mysteriösen und Unerklärlichen mit einem Londoner Anwalt besprechen.
»Das hat nichts mit Ihren Geschäften zu tun«, sagte er und klang dabei sehr geschäftlich. »Zumindest nicht direkt. Und Sie sind die junge Frau, die ich gesucht habe. Ihr Vater war so freundlich, mir Ihre Reiseroute mitzuteilen.«
In Maras Magen breitete sich ein mulmiges Gefühl aus. Wenn sich ein Anwalt die Mühe gemacht hatte, ihren Vater in Philadelphia zu kontaktieren, dann war etwas ganz und gar nicht in Ordnung.
»Miss McDougall, wäre es Ihnen recht, wenn Sie heute Abend mit mir im Wig and Pen Club zu Abend essen würden? Ich habe etwas sehr Wichtiges mit Ihnen zu besprechen.«
Maras Herz klopfte vor Besorgnis. »Was für eine Art von Wichtigkeit?«
»Das möchte ich lieber nicht am Telefon besprechen, aber Sie können sicher sein, dass es nichts Schlimmes ist. Ganz im Gegenteil.« Er machte eine Pause, um Luft zu holen. »Ein Fahrer kann um halb sieben bei Ihrem Hotel sein, und er wird Sie auch sicher zurückbringen, nachdem wir zu Abend gegessen und die Sache besprochen haben.«
»Ähm …« Sie zögerte, doch ihre Neugierde übermannte sie. Ein Abend in einem exklusiven Restaurant in der Strand war auf jeden Fall besser als die Teilnahme an einer Dinnerséance mit fünfzehn Möchtegern-Hellsehern.
Außerdem würden sie zu sehr damit beschäftigt sein, nach Geistern zu suchen, als dass es sie interessieren würde, ob sie da war oder nicht. Trotzdem musste sie sich etwas einfallen lassen. Sie konnte nicht einfach abhauen, ohne sicherzustellen, dass der Abend reibungslos verlief.
Sie konnte sich keine verärgerten Kunden leisten.
Nicht einmal, wenn sie verrückt waren.
Mr. Combe räusperte sich. »Ich hoffe, es macht Ihnen nichts aus, aber ich habe durch einen meiner Freunde bei der britischen Fremdenverkehrsbehörde arrangiert, dass er Ihre … äh … Schützlinge heute Abend zu dem Dinner und der Séance am Berkeley Square begleitet.«
Hitze schoss in Maras Nacken. »Sie haben an alles gedacht«, sagte sie, ihr Puls pochte vor Verlegenheit.
Er wusste von ihrer Tour. Vielleicht würde er jetzt denken, dass sie wie ihre Kunden an Geister, Feen und wer weiß, was sonst noch auf den Britischen Inseln spuken sollte, glaubte.
Du lieber Himmel.
Mara holte tief Luft und strich ihren Pony zurück. »Sehen Sie, Sir, ich bin mir nicht sicher, ob mir das gefällt …«
»Miss McDougall, ich muss unbedingt mit Ihnen sprechen. Deshalb war es notwendig sicherzustellen, dass wir uns treffen können.« Er schwieg einen Moment. »Ich weiß auch, dass dies Ihr letzter Abend in England sein sollte.«
Mein letzter Abend sein sollte?
Mara blinzelte, ihr Herz schlug wie wild. Er hatte es so gesagt, als ob sie bleiben könnte.
Als ob sie nicht schon am nächsten Morgen nach Newark zurückfliegen würde.
Sofort verflog ein großer Teil ihrer Verlegenheit und wurde durch eine Welle flatternder Erregung ersetzt. Wenn das, was er zu sagen hatte, es ihr ermöglichte, ein paar Tage länger in London zu bleiben, war sie voll und ganz dafür.
»Können Sie um halb sieben fertig sein?«, erkundigte sich Percival Combe.
Mara lachte fast laut auf.
Visionen von Harrods und Covent Garden und langen Spaziergängen durch den Hyde Park tanzten durch ihren Kopf. Himmel, sie würde ihre Seele für ein paar zusätzliche Stunden in London verkaufen.
»Miss McDougall?«
Sie umfasste den Hörer fester, ihr Entschluss stand fest. »Ich werde bereit sein, ja.«
Ich werde so was von bereit sein.
»Ich habe was?«
Mara starrte Percival Combe ungläubig an. Ihre Gabel glitt ihr aus den Fingern und fiel klappernd auf ihren Teller, wobei durch ihre Ungeschicklichkeit zwei Erbsen durch die Luft flogen. »Ein ganzes Schloss?«
Auf das Nicken des Anwalts hin schluckte sie, und ihr Gesicht erglühte, als schockierte Stille den geheiligten Wig and Pen Club erfasste und die anderen Gäste ihre Köpfe drehten, um sie anzustarren. Nicht, dass es ihr etwas ausmachte. Solche Neuigkeiten waren ein paar hochgezogene Augenbrauen durchaus wert.
Wenn sie es glauben könnte.
Bei ihrem Glück hatte sie das wahrscheinlich falsch verstanden.
Sie hatte es nicht einmal geschafft, jemanden zu finden, der bereit war, in Exclusive Excursions zu investieren, obwohl sie vor nicht allzu langer Zeit gehofft hatte, einen Partner zu gewinnen.
Wer würde ihr ein Schloss hinterlassen?
Da sie nicht einmal halbwegs davon überzeugt war, dass das jemand tun würde, krümmte sie ihre Finger um die Armlehnen ihres Stuhls und beugte sich vor. »Würden Sie das bitte wiederholen?« Sie hoffte, dass ihr das Misstrauen nicht ins Gesicht geschrieben stand.
Percival Combe lächelte. »Mit Vergnügen«, erwiderte er und klang dabei so, als seien solche erstaunlichen Enthüllungen etwas ganz Alltägliches. »Meine verstorbene Klientin hat Ihnen ihren Besitz, Ravenscraig Castle, vermacht.«
Mara sah ihn an und dachte nach. Irgendetwas beunruhigte sie und nicht nur die Unwahrscheinlichkeit, über Nacht Erbin geworden zu sein. »Das ist außerordentlich schwer zu glauben.« Sie unterdrückte einen Seufzer und wünschte, ihre Zweifel wären nicht so deutlich spürbar. »Da, wo ich herkomme, erbt man nicht einfach so Schlösser.«
»Nein, ich glaube nicht, dass man das tut.«
»Richtig, und wenn es jemals jemand getan hat, kann ich mir keinen unwahrscheinlicheren Kandidaten vorstellen.« Skepsis durchströmte sie, und sie suchte in seinem Gesicht nach einem Anzeichen dafür, dass sie jemandem zum Opfer gefallen war, der einen verdrehten Sinn für Humor hatte.
Aber da war nichts.
Ganz im Gegenteil, er schien der Inbegriff von Aufrichtigkeit zu sein. Mit seinem freundlichen Gesicht, seinen ergrauten Haaren und seinen strahlend blauen Augen wirkte der Anwalt in den Sechzigern alles andere als der Überbringer von Unwahrheiten.
Trotzdem musste sie es wissen. »Sind Sie sicher, dass das kein Scherz ist?«
»Sie haben mein Ehrenwort«, versicherte er ihr. »Lady Warfield war fest entschlossen, Ravenscraig an Sie zu übergeben.«
Maras Augenbrauen hoben sich. »Lady Fiona Warfield?«
Er nickte.
»Ach du liebe Zeit«, keuchte Mara und überlegte, was sie sagen sollte.
Sie kannte Lady Warfield.
Die exzentrische alte Frau besaß … nein, hatte wohl Wychwood Hall in den Cotswolds besessen und hatte Mara freundlicherweise erlaubt, Führungen durch ihr Haus zu machen. Manchmal begleitete sie die Gruppen, weil sie angeblich eine Vorliebe für Amerikaner hatte.
Zu Mara war sie immer besonders nett gewesen.
»Es tut mir leid zu hören, dass sie verstorben ist«, sagte sie und erinnerte sich an den lebhaften Gang und die strahlenden Augen der Frau. »Das wusste ich nicht. Wychwood stand nicht auf meiner aktuellen Reiseroute. Wie … ich meine …«
»Sie ist gestern vor einem Monat im Schlaf verstorben«, erwiderte der Anwalt und verstand ihre unausgesprochene Frage. »Ganz friedlich, wie man mir mitteilte.«
Mara nickte dankend. »Sie war eine bemerkenswerte Frau. Ein bisschen unkonventionell, aber das hat mir gefallen.« Sie schluckte gegen die plötzliche Hitze in ihrer Kehle an. »Wir haben uns gut verstanden, aber ich kann mir nicht vorstellen, warum sie mich in ihrem Testament hätte bedenken sollen.«
»Sie hatte ihre Gründe.« Der Anwalt trank einen Schluck Wein. »Es wird Sie vielleicht überraschen, dass sie glaubte, Sie recht gut zu kennen.«
Mara zog die Brauen zusammen. »Ich wüsste nicht, wie.«
»Aber Sie haben doch selbst gesagt, dass sie unkonventionell war.« Er stellte sein Glas ab und lächelte. »Ist es so überraschend zu erfahren, dass sie den gleichen Charakterzug in Ihnen sah?«
Zumindest das machte Sinn.
Mara wusste, was er meinte.
Sie ging ihren eigenen Weg im Leben und war sogar stolz darauf. Sie war sie selbst, und da sie nicht mit einem silbernen Löffel im Mund geboren worden war, arbeitete sie hart, um ihre Ziele zu erreichen. Sie war sich auch bewusst, dass die Dinge, die für sie am wichtigsten waren, andere oft nicht interessierten.
»Lady Warfield bewunderte Ihren Elan.« In Percival Combes Stimme lag ein Hauch von Nostalgie. Er beugte sich vor und fixierte sie mit einem aufmerksamen Blick seiner blauen Augen. »Selbst wenn sie Sie nicht auf Ihren Touren durch Wychwood begleitete, beobachtete sie Sie manchmal aus der Ferne. Sie schätzte es, wie Sie mit ihrem Personal umgingen.«
»Ich verstehe.« Mara tat es nicht, nicht wirklich.
Sie behandelte die Mitarbeiter und Freiwilligen von Wychwood genauso wie alle anderen.
Aber vielleicht war das schon genug.
Ein Blick zur Seite zeigte ihr nicht nur die schön gedeckten Tische mit ihren flackernden Kerzen und dem glänzenden Silber, dem Schimmern des Kristalls. Ihr inneres Auge erfasste die Stimmung und Untertöne, die in vornehmen Lokalen so häufig anzutreffen waren. Das ständige Getue der Schickeria, die darum wetteiferte, die Nonchalance der anderen zu übertreffen.
Obwohl sie sich in solchen Kreisen durchaus zu Hause gefühlt hatte, hätte Lady Warfield die hochnäsigen Blicke, die immer noch auf Maras Tisch gerichtet waren, mit einem Schmunzeln quittiert.
Wahrscheinlich hätte sie selbst die Augenbrauen hochgezogen und ihr Glas erhoben, um denjenigen, die sie anstarrten, zu zeigen, dass sie ihren Snobismus gesehen und missbilligt hatte.
»Hat sie es deshalb getan?« Mara blickte dem Anwalt fest in die Augen. »Weil wir ein paar Weltanschauungen teilten?«
»Unter anderem.« Percival Combe legte den Kopf schief, sein Gesichtsausdruck war genauso ernst wie der ihre.
»Was sonst noch?«
»Nichts Unangenehmes, das versichere ich Ihnen.«
Mara bezweifelte dies. »Vielleicht würde ich das lieber selbst beurteilen.«
Sie wusste, was kommen würde.
Der Haken.
Es musste einen geben. Nichts kam ohne Bedingungen. Sie roch eine Auflage so sicher, wie sie gewusst hatte, dass ihr matschiges Gemüse wie gekochte Pappe schmecken würde, noch bevor sie es probiert hatte.
»Was muss ich also tun?« Sie lehnte sich zurück und wartete auf den Schlag. »Was ist der wahre Grund dafür, dass ich eine Begünstigte bin?«
Percival Combe seufzte. »Lady Warfield mochte Sie. Für ihre Entscheidung spielte jedoch noch etwas eine Rolle. Es war Ihr Name, Miss McDougall. Ganz einfach Ihr Name.«
»Mein Name?«
»Wussten Sie, dass Lady Warfield Schottin war?«, fragte er und schaute sie wieder aufmerksam an.
Maras Augen weiteten sich. »Ich hatte ja keine Ahnung.« Sie schüttelte den Kopf, wirklich fassungslos. »Sie hat Schottland nicht ein einziges Mal erwähnt, und sie hat mit englischem Akzent gesprochen.«
»Einem kultivierten Akzent«, sagte der Anwalt und beobachtete sie über den Rand seines Weinglases. »Sie stammte aus Oban in den westlichen Highlands, obwohl das nicht viele wussten. Sie wurde geboren als MacDou…«
»MacDougall?« Mara verschluckte sich fast an ihrer Überraschung.
Percival Combe stellte sein Glas ab und nickte.
Maras Gesicht wurde heiß. Jetzt wusste sie, warum der Name Ravenscraig sie beunruhigt hatte.
Es war die angestammte Heimat ihres Clans.
Zumindest der Sitz des Chieftains, dem ihr Zweig der MacDougalls entstammte. Ihr Vater hatte sogar ein verblasstes gerahmtes Bild des Schlosses über seinen Schreibtisch gehängt. Ein Foto, das er sorgfältig aus einer schottischen Zeitschrift ausgeschnitten und nicht selbst fotografiert hatte, sehr zum Bedauern von Hugh McDougall. Niemand in ihrer Familie hatte sich jemals eine solche Reise leisten können, und in den letzten Jahren hatte sich der Gesundheitszustand ihres Vaters als zu schlecht erwiesen, um den Transatlantikflug zu riskieren.
Dem am nächsten waren sie mit dem Kauf eines, wenn auch bescheidenen, Hauses in der One Cairn Avenue gekommen. Und trotz des schottisch klingenden Namens lag die Straße in einer Arbeiterecke von Philadelphia, nicht in Schottland.
»Leider teilte Lady Warfields Ehemann, Lord Basil, ihre große Liebe zu ihrem Heimatland nicht«, sagte der Anwalt. »Aus Ergebenheit ihm gegenüber erlaubte sie ihm, sie zu anglisieren. Eine Entscheidung, die sie in späteren Jahren bereute.«
Mara bewegte sich voller Unbehagen. Sie hegte auch keine große Zuneigung zu Tartans und Dudelsäcken und zog London mit all seinen Faszinationen den Torfmooren und Schafen vor.
Ihre Nerven wurden immer angespannter. »Sie hat doch wohl nicht gedacht, dass wir verwandt sind?«, fragte sie, wobei ihre Stimme eine Spur höher klang als sonst. »Mein Vater verbringt seine ganze Zeit mit der Erforschung unserer Abstammung. Er würde bei einer direkten Blutsverwandtschaft mit den MacDougalls von Ravenscraig in Ohnmacht fallen, aber unsere Linie geht auf John den Einwanderer zurück, einen verarmten Bauern, der Schottland Mitte des 18. Jahrhunderts verließ.«
»Lady Warfield wusste das«, gab der Anwalt zu und wirkte leicht enttäuscht. »Wir haben Nachforschungen über Sie angestellt, in der Hoffnung, eine Verbindung zu entdecken, auch wenn diese noch so gering ist. Doch als unsere Bemühungen scheiterten, wollte sie immer noch, dass Sie Ravenscraig bekommen.«
»Aber warum?« Mara war es ein Rätsel. »Es muss doch einen tieferen Grund geben.«
Der Anwalt stieß einen Seufzer aus. »Wenn Sie Schottland so gut kennen würden wie Ihr Vater, dann wüssten Sie, dass Familie für einen Schotten alles ist.« Seine Miene wurde wieder ernst. »Das Clansystem ist großzügig und lässt eine Vielzahl von Namensschreibweisen zu. Jeder Clan hat Mitglieder, die über den ganzen Erdball verstreut sind, und doch bleibt das Band stark.«
»Ich weiß«, erwiderte Mara und sah ihren Vater einen Moment lang über seine Papiere und Bücher gebeugt, ein Plaid über den Knien und Eifer in den Augen. »Die millionenstarke schottische Diaspora, jeder stolz durch und durch und immer mit Sehnsucht nach dem heimatlichen Tal.«
