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In ihrem Buch "Wir Bonsfelder Kinder" hat Rose Goldmann ihre Kindheitserlebnisse in über 30 mit Fotos bebilderten Geschichten aufgeschrieben. Es ist die Zeit, nach dem 2. Weltkrieg, als Lebensmittel noch rationiert waren. Pakete von ihren Tanten aus Amerika waren ein seltener Luxus. Doch die Geschichten erzählen von Streichen und Erlebnissen, die Lebensfreude ausstrahlen. Mit unserer modernen Sicht auf die Dinge sehen wir die augenscheinliche Knappheit, merken aber auch, dass diese von den Kinder in den Geschichten nicht so wahrgenommen wird. Es waren die kleinen Dinge, die die großen Freuden brachten. Es ist vielleicht dieser Blick zurück, der uns heute eine Idee von Genügsamkeit und einfachen Freuden in unserer konsumorientierten Welt vermittelt.
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Seitenzahl: 61
Veröffentlichungsjahr: 2022
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1 Vorwort
2 Wir Bonsfelder Kinder
3 Meine erste Freundin
4 Das Freibad im Nizzatal
5 Opa Schäfer
6 Die Mädels und Jungs von der Hüserstraße
6.1 Eckhard
6.2 Harald
6.3 Bernd
6.4 Dietmar
6.5 Heinz und Reiner sind die Kleinsten
6.6 Ulla
6.7 Annemarie
6.8 Liesel
6.9 Annegret
6.10 Noch mehr Kinder
7 Unser Garten
8 Unsere Tiere
9 Der Cousin aus dem Osten
10 Fanny
11 Die Schule
12 Schulspeisung
13 Die Zeichenstunde
14 Bescherung
15 Aus Alt mach Neu
16 Badetag
17 Toiletten außer Haus
18 Die Schönheit aus der Natur
19 Ein Geschenk aus Übersee
20 Ein freudiger Tag
21 Jungenstreiche mit fatalen Folgen
22 Familie Meier
23 Die kleine Turnerin
24 Brave Jungs?
25 Eine Seefahrt, die ist lustig
26 Rodeln auf dem Böhmesweg
27 Sonntagsspaziergang
28 Die neuen Kleider
29 Überraschungen der Natur
30 Das Glaskugelspiel
31 Der Fellershof
32 Annemarie dreht auf
33 Bei Annegret Zuhause
34 Einladung zum Tanz in die Folkwangschule
35 Die Bonsfelder Schlittenfahrt
Viele schöne Geschichten über die Zeit von 1942 bis 1960, als wir alle noch Kinder waren, sind mir eingefallen, aber auch Gegebenheiten, zugetragen von Harald, Heinz und Dietmar, konnten meine Niederschrift ergänzen, dazu alte Bilder aus dem Album von Brigitte, und aus meinem Familienalbum. Über die dichterische Freiheit, die ich mir genommen habe, ist auch einiges hinzugefügt worden. Aber jede Geschichte hat einen wahren Kern und ist nicht veränderbar.
Die letzte Geschichte „Die Bonsfelder Schlittenfahrt“ stammt aus der Feder von Christel Münchow, sie zeigt den Zusammenhalt von Jung und Alt.
Wenige unserer Jahrgänge sind verzogen, zum Beispiel Annemarie und Annegret wohnen heute in Nord-Deutschland. Bernd zog nach Mainz und Eckhard später ins Münsterland. Dietmar hat in Langenberg und in Brandenburg eine Wohnung. Alle anderen wohnen in Langenberg oder in der näheren Umgebung.
Auch sind einige von uns gegangen, sie leben in meinem Buch in wahren Geschichten weiter.
Bei einem Kaffee oder einem leckeren Eis, was wir im Sommer oft in der Langenberger Altstadt genießen, ist Heinz auf die Idee gekommen und sagte: „Was hatten wir früher eine schöne Zeit, kein Computer kein Handy, aber wir waren immer gut drauf und zufrieden. Das sind doch schöne Erinnerungen, sie sollten nicht in Vergessenheit geraten. Rose, du musst sie aufschreiben.“
Erst war ich nicht begeistert, doch als ich darüber nachdachte, gefiel mir die Idee auch.
So wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen!
Eure Rose Goldmann
„Mama, Mama!“ ruft Sven, „Wo ist mein Handy?“
„Ja, wo hast Du es denn hingelegt?“
„Ich glaube, ich habe es auf den Wohnzimmerschrank gelegt, aber da liegt es nicht mehr.“
„Warte mal,“ sagt Marlene, Svens Mutter „ich rufe Dich von meinem Handy an.“
„Sven, es geht keiner ran. Du musst einmal im Garten suchen.“
„Ach Mama,“ sagt Sven, „ich wollte mich doch mit meinen Freunden verabreden, und jetzt finde ich mein Handy nicht, im Garten liegt es auch nicht“.
„Hast Du Dein Handy gestern mit zu Deinen Großeltern genommen?“
„Ja, Mama das kann sein. Ich rufe gleich einmal auf dem Festnetz bei Oma und Opa an.“
„Opa, ich bin es Sven, liegt mein Handy bei Euch?“
„Hallo Sven! Ja, gerade hat es hier irgendwo geklingelt, dann liegt hier wohl Dein Handy.“
„Opa kannst Du es mir schnell vorbeibringen?“
„Wieso bist Du so eilig? Seit wann vermisst Du es denn?“
„Opa, ich brauche es jetzt. Ich möchte mich mit meinen Freunden, Leon und Linda, zum Spielen verabreden.“
„Ja, dann geh doch aus dem Haus und spiele mit ihnen.“
„Opa wie sollen wir uns denn treffen, wenn keiner von dem anderen weiß?“
„Das verstehe ich nicht. Als ich Kind war ging man aus dem Haus und traf sich auf der Straße zum Spielen ohne Handy und alles andere kam von selbst.“
„Opa, das waren ganz andere Zeiten“.
Andere Zeiten
Meine erste Freundin ist Ulla K., wir sind gleichaltrig und beide sind wir im Besitz eines wunderbaren Puppenwagens. Natürlich gehörten auch Puppen mit den passenden Puppenkleidern dazu.
Meine Mutter ist eine gute Schneiderin und hat mir schöne Puppenkleider genäht. Ulla hat eine große Schwester, die auch gut nähen kann und so besitzt sie auch schöne Puppenkleider.
Unser Ziel ist heute der Schrebergarten von Familie K., er liegt auf der Oststraße und wir schieben stolz wie die erwachsenen Mütter, unsere Kinder vor uns her. Hier spielen wir den ganzen Nachmittag. Eine Nachbarin von gegenüber bringt uns ein Puppenkleid, gewaschen und gebügelt. Es ist ein Fund aus dem vergangenen Jahr, wir haben es vergessen. Danke Frau Goeres!
Brigitte und Reiner
Ulla sagte zu mir: „Rosemarie, meine Schwester möchte morgen mit mir zum Sender gehen, kommst du mit?“ „Viel Lust habe ich nicht, deine Schwester will immer alles bestimmen, wir müssen dann nach ihrer Pfeife tanzen. Aber alleine dürfen wir ja nicht bis zum Sender gehen, also komm ich mit.“
Der Großrundfunksender des WDRs steht seit 1926 auf dem Hordtberg. Durch einen Wirbelsturm bricht er 1935 zusammen und wird durch zwei aus Stahl errichtete Sendemasten ersetzt. Diese werden zum Kriegsende durch die Nazis gesprengt, damit die Anlage nicht für Propaganda der Alliierten verwendet werden kann.
Der neue, 180 Meter hohe Sender aus Stahl steht nun als Wahrzeichen von Langenberg auf dem Hordtberg und strahlt die Radio-Programme des WDRs Köln über das ganze Bundesland Nordrhein-Westfalen aus.
Als weitere Attraktion befindet sich der Bismarckturm hier oben, als Gedenken an den Reichskanzler Otto von Bismarck. Den gleichnamigen Aussichtsturm kann man besteigen und seinen Blick weit über das Land schweifen lassen.
Der nächste Tag auf dem großen Tummelplatz rund um den Sender mit seinen dicken Baumstämmen und vielen Plätzen zum Verweilen wird dann auch wunderschön. Luise, wie Ullas Schwester heißt, hat sich mit einem Freund verabredet und lässt uns spielen und auf Entdeckungen gehen und hat auch nichts zu meckern, denn jetzt sind wir ihr Alibi.
Ullas Familie
Das Freibad im Nizzatal gehört zu den schönsten Orten in unserer näheren Umgebung.
Mein Vater hat mir erzählt, dass die Kunden der Langenberger Geschäftsleute den Namen Nizzatal geprägt haben. Das Freibad wurde von jungen Männern in Eigenarbeit gebaut und betrieben. Das Wasser kommt aus den Bächen oberhalb des Schwimmbades ungefiltert in das Schwimmbecken.
Rosemarie, Bernd und Dietmar
Heute, bei schönem Wetter, werde ich von Frau Else eingeladen, zusammen mit ihrem Sohn Dietmar und dem Nachbarjungen Bernd, das wunderschön gelegene Freibad zu besuchen. Meine Mutter gab das o.k. Einen Badeanzug habe ich nicht, meine blaue Unterhose muss als Badehose herhalten.
Ich freue mich schon sehr auf das Planschen im großen Wasserbecken. Weil das Wasser nicht gefiltert wird, gibt es viel zu entdecken, denn kleine Fische, Kaulquappen und Blätter schwimmen im Wasser. Zuerst ist es unangenehm, aber dann haben wir Spaß an dem munteren Gewimmel. Als wir aus dem Wasser steigen, dient die mitgebrachte Wolldecke zum Verweilen auf der Badewiese. Der Tag geht viel zu schnell vorbei. Zur Erinnerung ist der Tag im Bild festgehalten.
