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Der legendäre Rockmusiker Wolfgang Ambros feiert sein 40.-jähriges Bühnenjubiläum. Er schaffte es 1971 mit dem Lied>Da HofaZwickts mi<1975 einen weiteren Nummer-Eins-Hit. Eine fulminante Musikerkarriere nahm ihren Lauf. In seinem authentischen Buch spricht er nicht nur über Höhen und Tiefen seines Lebens als Musiker, sondern zeigt auch seine private Seite: Er erzählt über sein Leben als Vater von Zwillingen, darüber wie er den Krebs besiegte und von seinem humanitären Engagement in Kenia. Plus CD mit exklusiv eingespielten Songs - das Fan-Package für alle Ambros- und Austropop-Fans.
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Seitenzahl: 265
Veröffentlichungsjahr: 2011
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Aufgezeichnet von
Andrea Fehringer & Thomas Köpf
Ich habe ein Leben gelebt, wie es in keinem Buche steht. Eigentlich habe ich auch geglaubt, dass das so bleibt. Ich wollte nie ein Buch schreiben, schon gar nicht eines über mich. Autobiografien sind immer so etwas Eitles. Und man kann viel über mich sagen, aber diese besondere Eigenschaft bringe ich nicht auf. Für mich schreibe ich das Buch also nicht.
Solche Lebensgeschichten dienen meistens dazu, sich selbst zu beweihräuchern, damit einen dann die anderen beweihräuchern. Das hätte es in meinem Fall eh nicht gespielt. Weil meine zahlreichen Kritiker alles, nur keinen Weihrauch für mich übrighaben. Ich seh sie schon die Augen verdrehen. Jetzt wird er bald sechzig, vierzig Jahre steht er auf der Bühne, das ist ein Anlass, aber noch lange kein Grund, um vorzutreten und zurückzuschauen. Aber sie werden weiterlesen, weil sie ja sonst keine Kritiker wären. Für sie schreibe ich das Buch also auch nicht.
Was natürlich die Frage aufwirft: Für wen dann? Wenn ich ein Lied schreibe, wende ich mich an meine Zuhörer. Wenn ich ein Konzert gebe, habe ich mein Publikum vor mir. Und plötzlich wusste ich, was mir fehlt: mein Gegenüber. Weil man das üblicherweise hat, wenn man seine Geschichten erzählt, selber kennt man sie ja. Man hat sie erlebt, aber erst wenn man sie aufschreibt, werden sie auch für andere Realität. Und dann habe ich hin und her überlegt, wie jemand ausschaut, dem ich mein Leben anvertraue, Mann, Frau, lustig, streng, bodenständig, abgehoben, kreuzbrav, rebellisch, jung, oder so wie ich. Wie ich mir so den Kopf zerbreche, wer er denn ist, mein Leser, bist auf einmal du vor mir gesessen.
Und seither unterhalten wir uns miteinander, in einer Art stummem Dialog. Ich erzähle so vor mich hin, dazwischen fragst du mich was, ich gebe dir ehrlich Antwort, manchmal wird’s sogar philosophisch, aber fad ist uns nie.
Leser: »Bist du bald fertig mit deinem Sermon?«
Ich wollte nur erklären, wieso ich mich letztlich doch entschlossen habe, das Buch …
Leser: »Ja, ja. Fang einfach an.«
Alsdann, du bist der Leser.
Ich habe ein Leben gelebt, wie es in keinem Buche steht, bis jetzt jedenfalls. Und ich schreibe es für dich.
Ich habe mein Leben lang mit dem Feuer gespielt. Und zwar allumfassend, im eigentlichen wie auch im übertragenen Sinn. Was immer nur brandheiß oder gefährlich ausgeschaut hat, hat mich schon interessiert. Dass es mich heute, mit sechzig, überhaupt noch gibt, ist eigentlich ein Wunder.
Katzen haben sieben Leben. Ich habe offenbar zwölf. Ich bin fast in einer Regentonne ersoffen, ich hab mich ums Haar mit Tollkirschen vergiftet, mich hat’s mit dem Roller zerfetzt, ich bin beinah an der Malaria krepiert, mich hat’s von der Leiter gewichst, ich hab mich mit dem Auto überschlagen, mich hat’s von einem Denkmal runtergehaut, ich bin mit dem Motorboot auf einen Felsen gekracht, mich hat’s mit den Skiern zerrissen, ich hab den Krebs besiegt, ich hab mich verbrannt und dann hab ich mich in die Luft gesprengt.
Leser: »Ja, richtig, das war doch bei dem Grillunfall vor ein paar Jahren.«
Siehst du, und genau das wurmt mich. Dass alle Zeitungen geschrieben haben: Grillunfall, Grillunfall. Stimmt nicht. Es war kein Grillunfall. Weil Grillen kann ich nämlich wirklich gut, man kann sagen, da bin ich ein Weltmeister. An diesem Tag, es war der 30. April 2004, war ich daheim, damals noch in der Pfalzau bei Pressbaum, und das Ganze ist nur passiert, weil ich mich über eine Frau geärgert hab.
Über eine gewisse Ingold. Ich war gerade frisch von meiner damaligen Frau, der Margit, getrennt, das heißt, sie hat mich kaltherzig verlassen, und das mit der Ingold war so eine On-off-Beziehung, nichts Ernstes, ich war eigentlich nicht unzufrieden. Bis das Telefon scheppert, mich aus dem Schlaf reißt und die Ingold mir erzählt, wie müde und fertig sie ist. Ich frag noch blöd: Warum? Und erfahre, dass sie und eine Freundin, die sich auch immer wieder was eingebildet hat bei mir, die halbe Nacht irgendwelche Spielchen veranstaltet haben, von der Sorte, die man als Mann überhaupt nicht braucht. Ein echter Bringer um neun in der Früh.
»Na, super, you made my day, danke«, sag ich zur Ingold, hau das Telefon weg und bin schon angefressen.
Ich geh zum Fenster und schau hinaus in meinen Garten, die Sonne scheint, es ist schon ziemlich heiß für April. Ich zieh mir eine kurze Hose und ein Leiberl an, seh den Berg an stattlichem Grünschnitt und sonstigem Geäst, der so übers Jahr zusammenkommt, und sag zu ihm: So, und jetzt bist du dran.
Das Haus in der Pfalzau steht mitten im Wald. Was sich da auf den dreitausend Quadratmetern Grund von den Hecken, Bäumen und Sträuchern ansammelt, werfe ich über den Bach und verbrenne es. Unter Zuhilfenahme von fünf Litern Benzin, normalerweise im November. Aber in dem Winter hat es schon sehr früh geschneit und das Zeug war so nass, dass man es nicht anzünden konnte, deshalb ist der Haufen noch im April da gewesen.
Ich marschiere also in die Garage, hole den Kanister und denke überhaupt nicht weiter. Zum Beispiel, dass es nicht vier, fünf, sechs Grad hat wie im November, sondern schon zwanzig. Eine Temperatur, bei der Benzin verdampft. Ich sehe nur, dass der Haufen gut abgetrocknet ist, weil es die ganze Woche lang schön war und die Sonne draufgeschienen hat, und trotzdem glaube ich, ich mache alles wie gewohnt.
Ich leer den Sprit drauf, pass aber in meinem Zorn nicht genau auf, wie viel. Ich leg die Lunte, ein bissel zu kurz. Ich spür, es ist windstill, aber eine leichte Strömung ist immer, und die kommt auch noch unüblicherweise von Osten. Ich steh genau in der falschen Richtung und noch dazu mitten in einer Benzinwolke, die ich nicht wahrnehme, sauer, wie ich bin. Ich zünde das Streichholz an, zack, schmeiß es hin und wusch, kommt mir eine Feuerzunge entgegen. Sie leckt mich genüsslich ab, von unten nach oben. Und dann fliegt das Ganze in die Luft.
Mich schleudert es weg, ins taufeuchte Gras, in dem ich mich geistesgegenwärtig wälze und damit selber lösche. Vor mir brennt das Feuer hinauf, kerzengerade, eine flammende Säule von sieben, acht Metern. Und ich lieg da am Rücken auf dem nassen Boden und denk mir: Das ist das schönste Feuer, das ich je gemacht hab.
An sich bilde ich mir ein, dass ich ein wirklich guter Feuermacher bin. Ich mache Feuer, seit ich denken kann. Und alles, was ich da falsch gemacht habe, habe ich auch gewusst, ich hab’s nur nicht bedacht nach dem depperten Telefonat.
Jedenfalls, ich rapple mich irgendwie auf, stolpere ins Haus, natürlich kein Mensch daheim, gehe ins Badezimmer und sehe mich im Spiegel. Aha, die Augenbrauen sind weg. Sonst hat es nicht so arg ausgeschaut, alles einigermaßen rot halt. Trotzdem ist mir klar: So ganz von allein wird das wahrscheinlich nicht weggehen. Und dann rufe ich die Rettung.
»Stellen Sie sich unter die Dusche«, sagt mir der Notarzt am Telefon, »in nicht zu kaltes Wasser, sonst kriegen Sie einen Herzinfarkt, kühlen Sie die Haut, die brennt sonst nach.«
»Leiwand«, sage ich und geh mich brausen.
In dem Haus in der Pfalzau ist das Bad so gebaut, dass du durch ein riesiges Fenster direkt auf die Einfahrt siehst. Eine Großzügigkeit, die insofern möglich war, als wir hinter einer hohen Hecke versteckt sind und kein Fremder Zublick hat. Bis die Rettung kommt, bin ich schon immer dunkler geworden, und der Schock hat auch nachgelassen. Sie bandagieren mir das Gesicht und legen überall Mull auf, dann höre ich, wie ein Sanitäter nach einem Hubschrauber telefoniert.
Wie der da ist, geht alles ganz schnell. Sie verfrachten mich hinein, geben mir eine Spritze, ich spüre, dass ich ganz diesig werde, und falle fast in Ohnmacht, denk mir aber: Es wird schon gehen, es wird schon gehen.
Es ist eigentlich nicht gegangen. »Da dürften wir gerade noch einmal Glück gehabt haben«, sagt mir der Primar im Allgemeinen Krankenhaus in Wien zwar, aber an den Seiten, an den Füßen, an den Oberarmen und im Gesicht bin ich völlig verbrannt. Am schlimmsten am Ellbogen. Dreißig Prozent der Haut hin, ein Raub der Flammen. Da ist klar: Wir müssen operieren.
Die Notärztin erklärt mir sinngemäß: Wir können das nicht einfach verheilen lassen, das wird so schiach, das verschrumpelt mir komplett. Entweder können sie Kunsthaut verpflanzen, gezüchtete Hautzellen, die in eine Flüssigkeit eingelegt wurden und sich dort vermehren. Wenn das nicht geht, das könne man aber erst feststellen, wenn ich schon im Koma bin, dann müssen sie mir was vom Hintern herausschneiden und transplantieren, deswegen brauchen sie von mir vorher die Genehmigung.
Sage ich zur Ärztin: »Geh, wenn Sie das verhindern könnten, mein Arsch ist mein Kapital.«
Bevor man mich noch in den OP schiebt, bringen sie die ganze Geschichte schon im Radio. Grillunfall, der Ambros hat sich angezündet. Und dann in allen Medien. Grillunfall, Grillunfall. Es verbreitet sich wie ein Lauffeuer, wenn du so willst.
Die paar Tage bis zur Operation wollen sie mich ruhig stellen und mir sogar die Leibschüssel unterschieben. Ich hänge zwar am Tropf, aber bewegen kann ich mich, also gehe ich allein aufs Klo. Ich mach die Tür auf, steh direkt vorm Spiegel und seh einen Neger. Das darf man an sich nicht mehr sagen, aber ich pfeif auf diese ganze Political Correctness. So lange, wie ich schon zeitweise in Afrika lebe, ist das bei mir kein Schimpfwort. Jedenfalls, ich schau mein Gesicht an und ich bin schwarz. Über Nacht hat sich das aufs Tiefste verfärbt. Habe die Ehre, denk ich mir, super, mein Lieber, mhm.
Zwei Wochen später sitze ich auf der Bühne in Purkersdorf, bei strömendem Regen. Und ich sage bewusst: sitze, weil mir die künstlichen Hautzellen den Arsch gerettet haben. Im Publikum klatscht das halbe Spital, meine Krankenschwestern und Ärzte waren alle zu dem Konzert eingeladen. Sie haben mich wunderbar hingekriegt. Nur meine Augenbrauen sind nimmer dieselben und ich stecke teilweise in einer fremden Haut.
Leser: »Seit dem Grillunfall.«
Sehr witzig. Also bitte, noch einmal: Ich war schon selber schuld an dem Unfall, keine Frage. Aufgrund meiner emotionalen Aufgewühltheit war ich sehr unvorsichtig, wie man halt so ist, wenn man etwas sehr gut kann.
Feuer machen ist eine Kunst, und um die zu beherrschen, musst du ein paar grundlegende Sachen wissen. Die hab ich quasi studiert, über Jahrzehnte hinweg. Pass auf, ich sag sie dir:
Die sieben Regelnfür das perfekte Lagerfeuer
Das klassische Lagerfeuer beginnt damit, dass man den Platz, auf dem es brennen soll, einkreist. Man muss eine Fläche festlegen, sie ebnen, von Unrat befreien, respektive säubern, und dann das Ganze mit Steinen umgrenzen. Je größer das Feuer, desto größer die Steine.
Danach macht man sich auf die Suche nach dem Holz. Die Wahl des Holzes ist das Um und Auf, ganz generell. Du nimmst trockenes, nach Möglichkeit am Baum verdorrtes Holz, das ist das allerbeste. Wenn du so was nicht findest: Such einfach weiter. Der Wienerwald zum Beispiel besteht hauptsächlich aus Buchen, es gibt schon Nadelhölzerbereiche, aber der Hauptanteil sind Buchen. Die sind insofern perfekt, weil sie hartes und fast rückstandsfrei verbrennendes Material darstellen. Jetzt gibt es in Buchenwäldern einen brutalen Verdrängungswettbewerb. Manche Buchen werden groß und viele, die aufgehen, wachsen in die Höhe, aber die anderen wachsen schneller, und irgendwann decken die einen die anderen zu. Dann kriegen sie kein Licht mehr und verdorren, bleiben aber als Stecken stehen. Das ist das Nonplusultra. Weil so ein Stecken in der Luft getrocknet ist und nicht auf dem Boden liegt, wo er von unten wieder feucht wird. Das ist der Idealfall.
Man sucht also genau solches Zeug: trockene Buchenhölzer. Wir reden jetzt vom Wienerwald, weil ich halt einmal von dort her bin. Ich könnte dir das auch weltweit erklären, da habe ich schon meine Entsprechungen. Also bis auf Asien, aber in Amerika, in Australien, in Afrika und in Europa ist es mir kein Problem. Wobei es in Afrika noch am schwierigsten ist, aber selbst dort geht es. Ich bin in der Lage, überall etwas Adäquates zu finden und damit Feuer zu machen. Aber wir schweifen ab. Das ideale Feuer im Wienerwald, sagen wir einmal so, besteht aus luftgetrockneten, abgestorbenen Buchenstämmen und einer guten Hand voll Reisig. Das findest du im unteren Bereich von Fichten und Tannen. Fichten sind sogar besser.
Die abgestorbenen Äste, die unten am Baum herausstehen, brichst du ab und formst sie zu einem nicht zu festen Bündel. Das sollte an sich, wenn du kein Papier zur Verfügung hast, schon reichen, um es mit einem Feuerzeug in Brand setzen zu können. Vorausgesetzt, es ist trocken. Aber viel einfacher geht es natürlich, wenn du zwei, drei Blätter einer Zeitung hast, die du locker zerknüllst. Manche Leute sind ja so unglaublich deppert und machen so Steinknödel. Das heißt, die knüllen die Zeitung bis zum Gehtnichtmehr zusammen, legen die Knödel einzeln auf und meinen, das brennt. Das kann nicht brennen. Da musst du so viel Luft wie möglich lassen und schauen, dass du einen Zipfel herausstehen hast, nachdem du Reisig drauf platziert hast.
Mit den dünneren Staberln versuchst du, eine Pyramide über das Ganze zu bauen. Du legst dickere Äste drüber und machst die Pyramide immer höher, bis zu einem Punkt, an dem das einzustürzen droht. Und dann hast du eben dieses kleine Zipferl, das du dir stehen gelassen hast. Das zündest du an, stellst dich hin und wartest. Von Brandbeschleunigern möchte ich einmal ganz gern abraten. Jetzt fängt es an, zu qualmen, weil das Reisig raucht, bevor es richtig Feuer fängt. Du wirst sehen: Langsam kommen die Flammen und das Feuer beginnt zu prasseln.
Die dürren Äste geben eine enorme Hitze ab. Sie brennen wie Sau, weil da eine Menge Öl drinnen ist. Das greift das erste Buchenholz sofort an und innerhalb von fünf Minuten hast du ein loderndes, kerzengroßes, wunderschönes Feuer. Irgendwann sind die untersten Schichten durchgebrannt und sie brechen in der Mitte ein. Dann kommen die oberen dran, die du so geschichtet hast, dass sie sollbruchartig ineinander zusammenfallen. Wenn du alles richtig gemacht hast, hast du unten genug Glut, dass die oberen Regionen Feuer fangen.
Irgendwann ist das hohe Feuer vorbei. Jetzt kommt einer der wichtigsten Momente überhaupt, weil dir vielleicht ein Trumm wegrollt. Wenn das passiert, musst du es sofort wieder richtig hinlegen. So, dass es wirklich schön weiterbrennt. Nur dann hast du ein einigermaßen stabiles Feuer, auf das du weiter aufbauen kannst. Aber wirklich erst, wenn das Konstrukt wieder Feuer gefangen hat und du weißt, jetzt hat es genug Hitze. Dabei passieren auch die meisten Fehler. Weil die Leute irrsinnige Trümmer draufhauen, die nie im Leben eine Chance haben. Nur ein ganz heißes, großes Feuer ist imstande, so ein Trumm auch überhaupt zu konsumieren, ansonsten löscht es das Ganze aus. Dann brennt das nur leicht an, es glost und das Feuer ist tot.
Ich bin ein Fisch aus dem Wald. Nicht, dass ich meine Tage nach dem Horoskop ausrichte, aber ich bin nun einmal geboren in dem Sternzeichen, konkret am 19. März 1952, in der Semmelweisklinik in Wien. Von dort hat man mich sofort nach Pressbaum verfrachtet. Der Ort liegt fünfundzwanzig Kilometer von Wien entfernt, mitten im Wienerwald.
Man kann es nicht als veritable Erinnerung bezeichnen, aber das Erste, was ich von damals noch im Gedächtnis habe, ist ein komisches Gefühl. Ich war ungefähr zwei und meiner Mutter Schilderungen zufolge ein sehr lebhaftes Kind, ohne Unterlass dabei, die Gegend zu erkunden. Links den Bach, rechts die Straße, dazwischen das Haus und vor allem die Regentonne genau davor.
An der Regentonne haben die Frauen das Wasser für die Gartenarbeit geholt. Damit sie ihre Gießkannen eintunken und wieder herausheben konnten, brauchten sie drei Stufen, sonst hätten sie nicht über die Tonne gereicht, die waren ja alle irrsinnig klein. Über diese Stufen bin aber auch ich als Gschrapp so weit hinaufgekommen, dass ich mich mit beiden Händen über den Rand ziehen konnte und natürlich kopfüber hineingefallen bin. Untergetaucht in das von der Sonne gewärmte Wasser, ich bin praktisch gefloatet da drin. Was mich allerdings nicht darüber hinweggetäuscht hat, dass mir langsam die Luft ausging.
Ich war drauf und dran zu ersaufen. Die Rettung kam in Gestalt meiner Mutter, sonst wäre das letal ausgegangen. Sie war Lehrerin, hatte gerade Hefte verbessert und zwei Sekunden nicht aufgepasst. Man muss das verstehen, sie war extrem beschäftigt, es waren halt andere Zeiten. Wir haben null gehabt, jeder musste arbeiten. Aber mit ihrem Instinkt wird sie doch was gespürt haben, ist in den Garten gelaufen und hat mich rausgezogen. Ich war fortan extrem mutterbezogen, vielleicht ja auch wegen dieser Episode.
Bald darauf sind wir übersiedelt, auf die andere Seite des Wientals, in die Linke Bahngasse direkt neben der Eisenbahn. Das muss für einen kleinen Buben toll gewesen sein, die Züge so vor der Nase, dass man hingreifen hätte können. Aber hängen geblieben ist mir was anderes. Es war eine Riesenaufregung, alle Leute aus dem Häuschen sozusagen. Sie sind raus aus ihren Gärten und in Trauben neben der Bahn gestanden, wo auf der Straße entlang des Bahngleises unendliche Mengen von Soldaten marschierten. Es waren die Russen, die 1955 abgezogen sind.
Es war das Ende der Besatzungszeit in Österreich, die ich da miterlebt habe, aber das habe ich natürlich erst später begriffen. Ich thronte auf irgendjemandes Schultern mittendrin in diesem Menschenauflauf, ich hörte, wie sie alle Hurra!, Hurra! schrien, und sah, wie der endlose Zug dahintrottete und die Soldaten im Pressbaumer Bahnhof in den Zug stiegen, einer nach dem anderen.
Meine nächste Station war Rekawinkel. Wir sind in der Zeit alle zwei Jahre umgezogen, diesmal in eine Schule, weil mein Vater dort Lehrer war. Das Haus steht heute noch, auf einem steilen Hang etwas oberhalb der Straße. Das Spannende war, dass die Nachbarsfamilie eine Tochter in meinem Alter hatte, die Marianne, mit der ich mich angefreundet und in weiterer Folge dann Doktor gespielt habe. Wir hatten viel Platz im Garten und damit viel Freiheit. Da konntest du irgendwo in den Bäumen verschwinden, es hat sich niemand so recht drum gekümmert. Es konnte sich auch niemand so recht kümmern, weil alle irrsinnig damit befasst waren, das Wirtschaftswunder in Gang zu bringen. Jeder hat geschaut, dass er irgendwo bleibt, und wir Kinder haben eine feine Kindheit gehabt.
Die zweite Attraktion neben der Marianne war ein Tretroller. Ganz primitiv aus Holz, ich weiß gar nicht, ob auf den Rädern schon Gummi drauf war. Mit dem hat’s mich fulminant zerlegt. Was jetzt einmal keine Schwierigkeit darstellt in der Gegend. Oben auf dem Rekawinkler Berg hast du das Wirtshaus, damals auch noch einen Greißler, danach geht die Straße wieder bergab und halb rechts führt fast parallel dazu ein schmaler Weg zu unserem Haus hinauf.
Das war natürlich ein Traum für mich. Ich bin auf dem Roller gestanden wie ein Ritter und habe mich hinuntergestürzt, den Tod verachtend. Nur einmal halt doch eine Spur zu wild und es hat mich aufgeprackt, ich hab mich überschlagen und war von oben bis unten zerschunden. Autoverkehr gab es noch kaum, aber trotzdem hatte ich immenses Glück, dass es mich nur auf dem Schotterweg zerbröselt hat und ich nicht auf die Straße geflogen bin, sonst wäre mir vielleicht doch ein Goggomobil über den Schädel gefahren. Das war der allererste richtige Stern, den ich gerissen hab.
Der zweite kam gleich im darauf folgenden Winter, in dem ich meine ersten Skier gekriegt habe. Mein Vater hat hinter dem Haus eine Piste freigetreten, mich hinaufgezogen, hingestellt und gesagt: »Da! Schneepflug fahren!«
Ich bin im Schuss runter. Mir hat es die Füße auseinandergerissen, Arme und Beine waren dort, wo sie von Natur aus auf keinen Fall hingehören. Ich weiß nur noch schemenhaft, dass ich meine Mutter schreien gehört habe, ich war damals nicht älter als vier.
Leser: »Unterbeschäftigt waren deine Schutzengel ja nie.«
Sicher sind da ein paar Dinge passiert, die ich hätte vermeiden können. Trotzdem will ich mir keinen akuten Leichtsinn unterstellen. Bei allem, was mir zugestoßen ist, war es nie so, dass ich einen Unfall herbeiführen wollte. Und bis heute habe ich mir dabei nie einen Knochen gebrochen, nicht einmal den kleinen Finger.
Leser: »Kompliment an deine Mutter, normalerweise hat man kein Einzelkind, um das man sich Sorgen für zwei machen muss.«
Das Kompliment verdient sie über die Maßen, aber anders, als du glaubst. Ich bin nämlich kein Einzelkind, ich habe einen Bruder, und die Sorgen, die sie mit ihm haben musste, sind von ernsterer Natur. Der Michl kam am 13. April 1956 auf die Welt, ebenfalls in der Semmelweisklinik. Er war zu früh dran, ein Sieben-Monate-Kind, was heute ein Klacks wäre. Dort und damals war es kein Klacks. Mein Bruder hatte einen Hüftschaden und nichts wurde dagegen unternommen. Um es kurz zu machen: Der Michl ist heute schwer behindert, nicht geistig, Gott sei Dank, aber er hat Koordinationsprobleme und ist Spastiker. Und das alles völlig unnötig. Er lebt heute in Ungarn.
Leser: »Habt ihr Kontakt zueinander?«
Na, freilich. Hin und wieder kommt er her, und wenn es sich ausgeht, fahre ich zu ihm. Ich habe mich immer gefreut, einen Bruder zu haben. Auch damals als Fünfjähriger, als er geboren wurde. Obwohl ich, wie vermutlich jedes Kind, das ein jüngeres Geschwisterl kriegt, bald einmal gespürt habe, dass ich eindeutig nicht mehr die erste Geige spiele. Und dass von mir erwartet wird, ich möge mich um den Michl kümmern.
Was ich auf meine Art auch getan hab. Ich habe ihn mitgeschleift. Von seinen Einschränkungen hat man anfangs nichts bemerkt. Der Michl war vielleicht ein bissel langsamer, aber das hat keine Rolle gespielt, für mich war das ganz normal. Wir waren ja nur Buben. Er war einfach dabei. Erst irgendwann viel später, er war sicher schon neun oder zehn, konnte er auf einmal nimmer dabei sein.
Am Land laufen die Dinge anders ab. Man nimmt sie hin und aus. Man akzeptierte sein Los und das der anderen als etwas Gottgewolltes. Ein Unterschied war schon fühlbar, vor allem seitens meines Vaters, aber den konnte wahrscheinlich auch nur ich erkennen, weil ich fünf Jahre lang das allein herrschende Kind in dieser Familie war.
Meine Mutter hat ihr Schicksal angenommen, das ist sie von klein auf gewohnt. Sie stammt aus dem Waldviertel und war das letzte von sieben Kindern. Wie sie noch ganz klein war, hat ihre älteste Schwester schon das erste Kind gekriegt. Sie hat gelernt: Beschwerlichkeiten und jede Art von Anstrengung trägt man, ohne sich groß zu beklagen. Sie steckt alles weg. Bis zum heutigen Tag habe ich von ihr nie ein Jammern gehört. Das verbindet uns. Jetzt ist sie über achtzig, fit und nach wie vor eine beeindruckende Erscheinung. Für mich ist sie eine Heldin. Und eine treue Seele. Die Ehe meiner Eltern hat bis zum Ende bestanden, da gab es für sie nie einen Hauch von Zweifel.
Mein Vater war übrigens gleichzeitig mein Lehrer. Knapp vor meinem Schuleinstieg sind wir zur Abwechslung wieder einmal übersiedelt. So oft, wie wir unseren Hausrat in Kisten gepackt haben, ist es erstaunlich, dass ich kein Spediteur geworden bin, aber gut. Der Vater bekam einen Posten als Oberlehrer der einklassigen Volksschule von Wolfsgraben und dazu eine Dienstwohnung auf der Hinterseite des Gebäudes, in die wir eingezogen sind mit Bomben und Granaten. In einer Schule habe ich auch schon in Rekawinkel gewohnt, diesmal habe ich in meiner Schule gewohnt.
Und ich habe zum ersten Mal ein eigenes Zimmer gehabt. Wobei eigenes Zimmer womöglich ein wenig zu hoch gegriffen ist. Es war sehr klein, ein Durchgangszimmer auf dem Weg von der Küche in den Wohnraum. Aber es hat sich angefühlt, als würde mir auf einen Schlag ein ganzes Haus gehören.
Eine schönbrunnergelbe Villa mit zwei Etagen. Aufgestockt, mit Stufen vor dem Haupteingang, so etwas hatte ich bis dahin überhaupt noch nie. Gleich oben war das Klassenzimmer und dahinter das Lehrmittelkammerl. Von der Wohnung bin ich hinten raus, über eine steinerne Treppe und linker Hand in die Klasse. Das war mein Schulweg, vier Jahre lang.
Und gleich vor der Haustür begann die große, weite Welt. Ein noch riesigerer Garten als in Rekawinkel und noch mehr Freiheit. In Wahrheit: Freiheit ohne Ende. Keine Zäune, keine Grenzen. Es war ein Leben in sagenhafter Unbeschwertheit. Ich war sechs und damit so weit, dass ich meiner Wege gehen konnte. Ich habe den Wald erforscht und in den folgenden Jahren all das erlernt, was ich heute weiß.
Außerdem gab es einen Tischler im Ort, den alten Herrn Lechner, bei dem habe ich eine ganz eigene Lehre gemacht. Er mochte mich gern und ich bin stundenlang bei ihm in der Werkstatt gesessen, habe gerochen, geschaut, zugehört. Er hat mir alles über Bäume erzählt und worauf man aufpassen muss, wenn man das Holz bearbeitet. Wie man es in die Säge steckt, wie es sich verformt, wie es als sauberes Stück herauskommt. Die Effizienz seines Tuns, dieses Augenscheinliche hat mich fasziniert, es war für mich klar, dass ich Tischler werden wollte.
Was man sonst noch in dem Alter wissen muss, hat mir mein Vater beigebracht. In einer einklassigen Volksschule unterrichtet ein Lehrer alle vier Schulstufen, und zwar synchron. Da sitzen in der einzigen Klasse an die dreißig Kinder, praktisch alle Sechs- bis Zehnjährigen aus dem ganzen Dorf. Die erste Klasse war links vorne platziert, die zweite Klasse rechts davon, die dritte links hinten und die vierte rechts daneben. Als Schüler bist du in vier Jahren also in einem Z versetzt worden. Und der Lehrer musste alle gleichzeitig abfertigen.
Ohne System bist du da aufgeschmissen. Mein Vater hat das souverän gemacht, da war er großartig, fast genial. Er stand hinter dem Katheder und beschäftigte die Kinder wie ein Dirigent. Inklusive dem eigenen Sohn.
Leser: »Das war sicher …«
Nein.
Leser: »Du weißt doch noch gar nicht, was …«
O ja. Fragt man mich ja immer wieder: War das nicht seltsam, der Vater gleichzeitig auch der Lehrer? Es war in keiner Weise seltsam. Jeder im Dorf hat gewusst, dass Lehrer auch Kinder haben und dass es keine andere Möglichkeit gab, als sie selber zu unterrichten. Was hätte er auch tun sollen? Mich jeden Tag nach Pressbaum führen, damit er mich nicht bei sich in der Klasse hat? Und ich möchte schon sagen, mein Vater hat mir nie das Gefühl gegeben, dass ich etwas Besonderes wäre, das muss ich ihm schon zu hundert Prozent zugutehalten. Er war weder besonders streng noch besonders nachsichtig. Und meine Aufgaben hat auch nicht er kontrolliert, das hat meine Mutter erledigt.
Lang habe ich mich sowieso nicht mit schulischen Belangen aufgehalten. Mein Leben hat sich draußen abgespielt, im Freien. So schön das Haus war, ich war immer schon mehr in der Natur daheim als irgendwo zwischen Mauern. Der steile Hang, der an der Rückseite des Gebäudes anstieg, führte direkt ins Abenteuer, das unter jedem Baum lauerte, angefangen bei den drei mächtigen Linden oben auf meinem Hügel. Ich kannte alles und jeden in meinem Freiluftparadies. Den erdkellerartigen Holzschupfen, eine dieser Baulichkeiten, wie es sie im lockeren Sandgestein des Wienerwaldes oft gibt. Ich konnte die Vögel unterscheiden, ich hätte jeden Wurm, den sie gefressen haben, mit Namen rufen können. Dort in Wolfsgraben, hinter meinem Schulhaus, habe ich mich glücklich gefühlt.
Und dann waren da noch die Nachbarskinder. Treffpunkt war die Kaisereiche, die steht heute noch. Eine Eiche in Form einer Pappel, ein ganz seltenes Gewächs. Hat nicht lange gedauert, und wir haben eine Bande gegründet, eine böse. Der Hösl-Peppi, der Weißmann-Franzi, der Berry und ein gewisser Wowo. Der war schon zehn, wir anderen waren erst sieben oder acht, deshalb hat er typisch auf Leithammel gemacht. Unser Hauptrevier war ein kleiner Steinbruch hinten beim Friedhof. Dort haben sie vor dem Krieg Steine herausgeklopft, für Bildhauer, wie mir gesagt wurde. Für uns war’s ein Klettergarten, ein Bubenspielplatz, eigens für uns in Stein gemeißelt.
Mit meiner Mutter bin ich auch öfter dort gewesen. Sie ist eine Schwammerlhex, von ihr weiß ich alles über Schwammerln. Die Pilze hat man hier nicht suchen müssen, die sind einem entgegengewachsen. Ich kannte sie auswendig, die guten und die giftigen.
Leser: »Vermutlich, weil du sie alle probiert hast.«
Nein, die Schwammerln nicht. Aber die Tollkirschen. Irgendwann hat irgendwer gesagt, die sind giftig, das war schon einmal interessant. Schuld daran, dass ich sofort eine gefressen hab, war aber was anderes. Es war der Schreck fürs Leben.
Ich war allein unterwegs mit meinem selbst geschnitzten Pfitschipfeil und wollte einen Hasen erschießen. Es gab Unmengen von Hasen in der Gegend rund um den Steinbruch, getroffen hab ich keinen einzigen. Auf einmal höre ich ein Geräusch, steig vom Rad ab, nähere mich dem Unterholz, in dem Moment macht’s Waaaap und es entsteigt dem dichten Gebüsch ein Wildschwein. Wie es mich so anstiert, weiß ich, das ist das Gefährlichste. Dem gehst du weit aus dem Weg. Aber ich steh da, mit dem Rücken zum Baum, mein Radl irgendwo da hinten. Der Eber schaut mich an, ich schau den Eber an. Dann macht er Prraaah und verschwindet im Gebüsch. Ich kann mich kaum rühren vor Erleichterung, auf einmal bleibt er wieder stehen. Und frisst die Tollkirschen, in rauen Mengen. Und was ist? Nix. Denk ich mir: Wenn die Wildsau das Zeug vertragt, wird’s mich schon nicht umbringen.
Geschmeckt hat’s fürchterlich, gespürt hab ich nichts. Aber irgendwie war es hui, vielleicht war ich schwer auf Trip, aber dafür fehlt dir ja das Bewusstsein in dem Alter, deshalb steckst du’s locker weg. Bist halt vergiftet, hab ich mir gedacht, na ja.
Zwischen all den Begegnungen mit Hasen und Hirschen, den Wildsäuen und sonstigen Viechern im Wald bin ich Ministrant geworden. Da gab es kein Entkommen, das ist so am Land. Ratschen und Heilige Drei Könige waren die Highlights. Wir sind um die Häuser gezogen und haben überall was gekriegt. Kein Geld, nur Fressereien. Das war nicht so eine Bettelaktion wie heute, das war ganz normal. Ratschenbuam gibt man was, damit sie halt ratschen. Schokolade, winzige Ein-Schilling-Milkas und Eier, vor allem Eier. Jeder von uns hat sein Rucksackerl gehabt und damit haben wir uns dann an unserem geheimen Treffpunkt beim Transformatorhäuschen eingefunden und alles verputzt. Wir haben Eier hineingestopft, bis wir fast zerplatzt sind.
Aber Ministrant hin oder her, unser heiligster Ort blieb immer noch der Steinbruch. Das war unser Reich, sogar der Förster hat uns in Ruh gelassen. Was vielleicht keine so gute Idee war, weil wir dort klarerweise auch Feuer gemacht haben. Der Wowo hat das gut gekonnt, bei ihm hat es auch gebrannt, wenn der Untergrund nass war. Einmal im Jahr wurde unsere Idylle allerdings für eine Woche gestört.
Da ist eine Horde Pfadfinder eingefallen, hat den Steinbruch als Lagerplatz benutzt, zwanzig Zelte aufgestellt, ein Riesenfeuer gemacht und wir waren ausgebootet. Irgendwann sind wir zu dem Schluss gekommen, es muss was geschehen. Jetzt vertreiben wir sie, die Sozialisten aus Wien, unsere Feinde. Kann ja nicht so schwer sein in Kenntnis der Umgebung, und die in Unkenntnis. Der Anschlag sollte mitten in der Nacht vonstatten gehen, dazu hat natürlich jeder von uns von daheim ausreißen müssen.
Das Treffen ist hochgradig konspirativ. Fünf Attentäter, die einen Überfall beschließen, sobald alle schlafen. Wir schleichen hinten durch den Wald den Berg hinauf bis an den Rand des Steinbruchs, wo es ganz schön runtergeht. Von dort beobachten wir das Geschehen.
Zwei Wächter sitzen beim Lagerfeuer. Sie unterhalten sich und merken nichts. Wir tricksen sie mühelos aus. Wir robben an ihnen vorbei zu den Zelten, ziehen alle Heringe heraus, zack, zack, zack, und schneiden die Schnüre durch, pack, pack, pack.
Die Zelte fallen nicht augenblicklich zusammen, sie stehen bloß wackelig da. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Andererseits verschafft uns das Zeit, wir sabotieren noch fünf, sechs Zelte. Auf einmal ist Aufruhr im Lager. Irgendwer hat uns entdeckt. Wir nix wie weg in den Wald, der Finsternis in die schützenden Arme. Dort können sie uns moscherln mit ihren Taschenlampen und sonst keiner Ahnung. Wir häkerln sie noch ein bissel, ein Rascheln hier, ein Zischeln da, die stehen schön auf der Schaufel. Erwischen lassen wir uns nicht.
