WortWirrWarr - Marcel Landthaler - E-Book

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Marcel Landthaler

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Beschreibung

Sätze ergeben keinen Sinn mehr. Der Weg zum Arzt ist jetzt unumgänglich. Diagnose: Hirntumor. Ein 24-jähriger schildert sein Leben, seine Operation und Genesung. Und wie das verfluchte Schicksal seine Finger auch noch im Spiel hat.

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Seitenzahl: 126

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dieses Buch widme ich

allen Betroffenen,

allen Genesenen,

allen Interessierten,

allen Ärzten

&

meiner Familie

Inhalt

Vorwort

Prolog

Die Einsicht

Google

Hausarzt

MRT

Auf dem Holzweg

Bundeswehrkrankenhaus

Allein daheim

Die Diagnose

Die Zweitmeinung

Bangkok

Koh Samui

Funktions-MRT

Ein Monat vor der Operation

Vorbereitung

OP-Tag

Ein Tag nach der Operation

Zwei Tage nach der Operation

Tag drei bis sechs nach der Operation

Status epilepticus

Schlimmer geht es immer

Neurologischer Bericht

Auf dem Weg der Besserung. Oder doch nicht?

Zwei Monate nach der Operation

Die Zeit zu Hause

Vier Monate nach der Operation

Normalität in Sicht?

Ein Jahr nach der OP

Offenes Ende

Epilog

Fachbegriffe

Fotos

Danksagung

Vorwort

Mein Name ist Marcel Landthaler, ich bin 24 Jahre alt, arbeite als Zerspanungsmechaniker und lebe mit meiner Freundin Nadine zusammen. Ach ja, und ich habe einen Hirntumor.

Ja, was soll man dazu sagen? Genau: Scheiße.

So eine Nachricht bringt mal schnell dein komplettes Leben durcheinander. Und natürlich das deiner Familie.

Wie geht man mit so einer Diagnose um? Puh … keine Ahnung. Das kann ich euch leider nicht beantworten.

Man kann nichts machen. Man muss damit leben. Damit klarkommen. Sich nicht verrückt machen.

Ich habe mich informiert.

Welche Arten von Tumoren gibt es? Wie sind die Behandlungsmöglichkeiten? Welche Risiken gibt es? Welches Krankenhaus hat eine gute neurologische Abteilung? Was raten einem die Ärzte? Wie lange ist man voraussichtlich arbeitsunfähig? Wie sieht es mit der Bezahlung aus? Wie sieht es mit dem Arbeitsplatz aus?

Und nicht zuletzt fragte ich mich: Wie ist das eigene Bauchgefühl?

Ich habe, so glaube ich zumindest, die Sache gut hinbekommen. Ändern kann man an der Situation eh nichts.

Was mir sehr geholfen hat, war, diese Seiten zu schreiben. Zum einen hat es mich unterstützt, das Erlebte zu verarbeiten. Zum anderen, alles noch mal Revue passieren zu lassen. Und natürlich habe ich auch geschrieben, um während der Krankheitsphase eine Beschäftigung zu haben. So wird auch nichts vergessen oder gar verdrängt. Ich kann in 15 Jahren dieses Buch hernehmen und nachlesen, wie und wann was war. Auch für meine Familie, Freunde, Bekannten, Ärzte und wen es sonst noch interessiert ist dieser Erfahrungsbericht gedacht.

Vorab muss ich sagen: Ich habe ein paar Wochen nach der Operation angefangen zu schreiben, als ich noch völlig neben der Spur war. Man wird es an der Schreibweise merken, und das ist auch gut so. Vielleicht spürt man eine stetige Verbesserung. Oder auch nicht. Ich bin ja auch kein Schriftsteller.

Also, vielleicht kann ich euch mit meinem Buch einen Einblick geben in das Leben mit einem Hirntumor.

Prolog

Februar 2016

Verdammt, nicht schon wieder.

Mir wird ganz komisch, ich kann dem Gespräch mit meinem Arbeitskollegen nicht mehr folgen, nicke nur noch geistesabwesend. Das Geräusch der zerspanenden Fräsmaschinen geht unter. Ich will meinem Kollegen auf seine Frage antworten … fuck …die Wörter, die meinen Mund verlassen, sind nur wirres Geplapper. Über meine rechte Wange marschieren zehntausend Ameisen.

Hoffentlich hat er es nicht bemerkt. Ich lasse ihn einfach stehen, gehe nach draußen, atme durch und probiere, normal zu reden. Es geht nicht …

Das ist jetzt schon das achte Mal seit Oktober letzten Jahres. Bisher hab ich mir dabei nie was gedacht, war ja nach ein, zwei Minuten immer vorbei. Ruhig, Marcel, langsam, dein Hirn überschlägt sich.

Oder hab ich es einfach verdrängt, weil mir klar war, dass das kein gutes Ende nehmen wird?

Die Einsicht

Jetzt ist genug, ich muss was unternehmen!, dachte ich mir. Hmmm, komisch, die Gedanken waren klar, nur was aus meinem Mund kam, war völlig verdreht.

Schnell, ich muss jemandem Bescheid geben, aber wem? Dem Meister, den Kollegen? Nein, die machen immer gleich so ein großes Theater. Jetzt im Nachhinein betrachtet, wäre das wohl das Richtige gewesen.

Handy… Ich rief Nadi, meine Freundin, an, sie würde bestimmt abheben. Sie ging tatsächlich hin. Ich versuchte ihr mein Problem zu erklären.

„Nicht – ich – kann – sprechen. Worte – ich – Reihenfolge.“

Sie war die Erste, die mich in diesem Zustand erlebte und hörte, wie ich vergeblich versuchte, mich zu artikulieren.

Schon waren die zwei Minuten um. Mein Hirn wurde klar, ich nahm die Umwelt wieder wahr.

Ich konnte wieder normal sprechen.

An meinem rechten Ohr prasselten Fragen auf mich ein. Meine völlig verwirrte Freundin wollte wissen, was das war. Sie konnte mit dem Gespräch nichts anfangen, dachte, ich hätte sie veräppelt.

Im Schnelldurchlauf erklärte ich ihr die Situation und beendete das Gespräch. Das machte die Verwirrung nicht besser. Den restlichen Arbeitstag schrieben wir uns unzählige WhatsApp-Nachrichten. Alle mit dem Versuch, den Vorfall zu erklären.

Was, wann, wo? Wie oft, wie lang – warum?

Um 13 Uhr endete die Frühschicht, Feierabend für mich.

Auf direktem Weg fuhr ich nach Hause. Als ich aus dem Auto stieg, bemerkte ich erst, dass ich zu meinem Elternhaus gefahren war. Heim zu Mama und Papa, die werden es schon richten, dachte ich mir mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Auch meiner Mutter erklärte ich die Situation.

„Warum hast du nicht schon früher was gesagt?“

Google

Endlich daheim, endlich Ruhe. Ab aufs Sofa.

Ich überlegte mir, was ich jetzt machen sollte. Das Internet, Google, da stand bestimmt was Hilfreiches drin.

Wieder musste ich lächeln, weil ich wusste, dass meine Mutter, gleich nachdem ich gegangen war, an ihren Laptop gehechtet ist und seitdem Dr. Google löcherte.

Also Suchbegriff „Sprachaussetzer“ und Enter. Schlaganfall, Stress, Demenz, Gehirntumor, Migräne und und und. Die Suchmaschine spuckte ca. 20 verschiedene Möglichkeiten aus. Und ungefähr zwölf davon waren tödlich – Google, du kannst mich mal!

Ich bin unzerstörbar!, dachte ich entschlossen.

Schon klingelte das Phone. Meine Erzeugerin, ich wusste es.

Wir besprachen das Recherchierte. Quasselten durcheinander, widersprachen uns und wurden lauter. Das Einzige, worauf wir uns einigen konnten, war: Ich muss zum Arzt.

Hausarzt

Wie ich Arztbesuche hasste! Normalerweise kam ich hierher, um mir eine Krankmeldung abzuholen wegen einer Erkältung, einer geprellten Rippe oder mal wieder einer Verbrennung.

Jetzt war ich hier wegen Was-auch-immer, das mich kurzzeitig nicht mehr sprechen ließ.

Also ab ins Wartezimmer, zu den hustenden und rotzenden Menschen, die sich hier im Winter regelmäßig versammelten.

Als ich aufgerufen wurde, dachte ich: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Die Kugel ist ins Rollen gebracht.

Meine Hausärztin (von der ich übrigens sehr viel halte) empfing mich in ihrem Behandlungszimmer.

Ich erklärte ihr die Situation: dumpfes Gefühl im Kopf, Sprachstörungen für ein bis zwei Minuten, Kribbeln im Gesicht.

Das Entsetzen war ihr anzusehen, aber auch ihre Ratlosigkeit. Sie stellte mir ein paar medizinische Fragen, die ich beantwortete. Schlussendlich druckte sie mir eine Überweisung zum Neurologen und für eine MRT-Aufnahme aus und versprach mir, dafür zu sorgen, dass ich schnell die Termine erhielte.

Ich sollte sie auf dem Laufenden halten… eine nette Frau.

MRT

Wieder ein Wartezimmer. Erstaunlicherweise ging es in der Radiologie sehr schnell voran.

„Guten Morgen, Herr Landthaler, Sie sind hier zum MRT?“

„Ja, zum Schwimmen wohl nicht“, sagte ich. Spaß muss sein.

MRT bedeutet Magnetresonanztomografie. Das Gerät arbeitet sich quasi scheibchenweise durch den Körper und macht pro Schnitt ein Bild. Wie das technisch funktioniert, ist schwer zu erklären, aber es macht vieles leichter und hat schon etlichen Menschen geholfen.

Ich legte mich auf die Liege, nebenbei erklärte mir die Schwester die riesige Maschine im Schnelldurchlauf und stöpselte mich, recht schmerzhaft, an eine Kontrastmittelinfusion an.

Die ist wohl etwas angepisst, dachte ich mir.

Dann bekam ich Kopfhörer auf und wurde in die Maschine hineingeschoben. Gespannt, was als Nächstes passieren würde, lag ich da, als ohrenbetäubender Lärm mich aus den Gedanken riss.

Was zur Hölle war denn das? Ging das nicht leiser?

Wohl nicht, die Kiste rumpelte fröhlich weiter. Ich musste mir was einfallen lassen, um das auszuhalten. An Schlafen war nicht zu denken. Aber irgendwie kam mir der Sound bekannt vor – Metal. Ich schloss die Augen und teleportierte mich auf das vergangene Summer Breeze Festival. Alle sind da. Sternhagelvoll stehen wir vor der Bühne und gehen ab zum Heavy-Metal-Sound einer Band, die ich nicht erkenne. Das war schön.

Schon fuhr die Liege aus dem Computertomografen. Das Gestell, das meinen Kopf in Stellung hielt, wurde abgenommen, die Nadel aus der Vene gezogen und der Einstich versorgt.

Die Schwester bat mich, wieder im Wartebereich Platz zu nehmen, bis der Doc sich die Aufnahmen angesehen hätte.

Diesmal schien die Uhr rückwärts zu laufen. Die Focus-Zeitschrift auf dem Tisch kannte ich schon bald auswendig. Ich sah zig Leute kommen und gehen. Hatten die mich vergessen?

„Herr Landthaler, kommen Sie bitte mit“, sagte ein großer Mann im weißen Kittel.

Wir gingen in ein ziemlich dunkles Zimmer, das nur von künstlichem Licht beleuchtet wurde. Überall waren Röntgenaufnahmen verteilt. Die zwei Flachbildschirme auf dem Tisch hatten ein ungewöhnliches Format, sie standen hochkant.

Der Arzt deutete auf zwei Stühle. Wir nahmen vor den Bildschirmen Platz.

„Herr Landthaler, da ist etwas in Ihrem Kopf, das da nicht hingehört“, sagte er und deutete auf die Aufnahmen am Bildschirm.

Schockiert starrte ich auf den Schirm. Ich verglich die rechte mit der linken Hirnhälfte. Konnte aber überhaupt nichts Auffälliges erkennen.

Der Arzt sah meine Ratlosigkeit und deutete auf die linke Hirnhälfte. „Sehen Sie den weißen Fleck dort?“

„Ja“, sagte ich mit leiser Stimme.

„Das ist nicht gut und gehört da eigentlich nicht hin.“

„Was ist das?“

„Naja, das könnte vieles sein. Eine Schwellung, eine Narbe von einem Sturz oder – ein Hirntumor. Ich kann Ihnen das nicht genau sagen. Sie müssen sich mit einem Neurologen unterhalten, der kann Ihre Fragen beantworten.“

Wie in Trance bedankte ich mich bei dem Arzt und verabschiedete mich. Ich verließ das Krankenhaus und zündete mir eine Kippe an. Qualmend überlegte ich, was ich nun machen sollte. Ich schaute auf die Uhr, halb zwölf.

Zum Arbeiten hatte ich keinen Bock mehr. Ich rief in meiner Hausarztpraxis an und erklärte der Empfangsdame mein Problem. Sie konnte mir nicht helfen. Ich sagte ihr, sie solle ihrer Chefin die Situation erklären und sich dann wieder melden. Ich rauchte noch mal eine. Das Telefon klingelte.

„Hallo, Herr Landthaler, Sie können Ihre Krankmeldung abholen.“

Ich hatte es gewusst.

Da fiel mir ein, dass ich eigentlich zwei Fliegen mit einer Klappe hatte schlagen wollen. Meine Schwiegermutter in spe war nach einer Darmoperation stationär in diesem Krankenhaus. Ich erkundigte mich an der Rezeption nach ihrem Zimmer und irrte dann planlos durch das Krankenhaus, bis ich ihr Zimmer fand.

Wir begrüßten uns herzlich. Ich erkundigte mich nach ihrem Wohlbefinden und dann hielten wir Smalltalk. Ihr ging es schon erstaunlich gut, deswegen schlenderten wir langsam zum Raucherbalkon. Dort fragte sie mich, wie es mir gehe. Sie war wohl von ihrer Tochter informiert worden.

Ich erklärte ihr, dass man auf den MRT-Aufnahmen etwas gesehen hatte, die Ärzte sich aber nicht sicher waren, was es sei. Sie war schockierter als ich. Wir besprachen ein paar Möglichkeiten, ich hörte ihr aber nur mit einem Ohr zu und rauchte ununterbrochen. Wir waren uns beide einig, dass der Neurologe mir wohl am besten helfen könne.

Ich wünschte ihr gute Besserung und verließ das Krankenhaus.

Drecksladen, dachte ich mir.

Auf dem Holzweg

Es ist gar nicht so einfach, einen Arzttermin passend zu meinem Schichtmodell auszusuchen, um ehrlich zu sein, ist es sogar verdammt nervenaufreibend. Egal, ich hatte es hinbekommen. Um 10.30 Uhr sollte ich beim Neurologen sein, um 12.30 Uhr bei der Arbeit. Wir würden sehen, ob das möglich wäre.

Nachdem ich den Laden endlich gefunden hatte, wurde mir klar, dass ich nicht einmal wusste, was ein Neurologe genau macht. Am Hirn rumdoktern, Psychotricks oder den Patienten mit Tabletten vollstopfen?

Die bekannte Prozedur am Empfang: Anmeldung, Versichertenkarte, Wartezimmer, warten, warten, warten.

Eine junge Arzthelferin rief mich auf. Ich folgte ihr durch die schlauchartige Praxis zu einer Tür mit der Aufschrift EEG (Elektroenzephalografie).

Was war denn das schon wieder? Ich betrat das Zimmer, das abgesehen von einem Liegestuhl, einem PC und vielen Aktenordnern so gut wie leer war.

„Nehmen Sie bitte Platz. Wir messen jetzt Ihre Hirnströme.“

Ich bekam ein Netz über den Kopf gestülpt. Dann wurden gefühlte 500 Kabel angeschlossen und mit wassergetränkten Schwämmchen unterlegt.

Frankensteinmäßig. Fehlen nur noch die Blitze, witzelte ich in mich hinein.

Die Anweisungen der Mitarbeiterin kamen aus der Deckung ihres PC-Bildschirmes: „Augen zu.“ Eine Minute lang passiert nichts. „Augen auf“, zehn Sekunden warten, „Augen zu“. Das wiederholte sich ungefähr 15 Mal. Dann kam der Befehl „Augen zu“ und so lag ich dann eine ganze Weile auf dem Liegestuhl.

Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, bis die Helferin mich wieder von dem Kabelsalat und der Netzhaube befreite.

„Nehmen Sie bitte im Gang Platz“, verabschiedete sich die junge Dame.

Wieder verging eine gute halbe Stunde, bis ich aufgerufen wurde. Ein Professor empfing mich in seinem Büro. Auch ihm erklärte ich die Situation, überreichte ihm die ausgedruckten Bilder und die CD aus dem Krankenhaus.

Wir unterhielten uns über die Sprachaussetzer und wie sie sich genau äußerten. Er legte die CD ins Laufwerk und wartete, bis der Rechner sie geladen hatte.

Einige Minuten vergingen, während der Prof schweigend die Bilder betrachtete.

„Ich kann dort nichts erkennen, alles in Ordnung“, meinte er.

Ich glaubte, mich verhört zu haben. „Und woher kommt dann das komische Irgendwas, das mich seit Oktober plagt?“, fragte ich verwundert.

„Das kann ich mir auch nicht erklären.“

Will der mich verarschen oder soll das ein Scherz sein?

Ich bat ihn, zu den Aufnahmen zu scrollen, die dem Arzt nach dem MRT aufgefallen waren.

„Wegen dieser Bilder wurde ich zu Ihnen geschickt, und Sie wollen mir sagen, dass Sie dort nichts Auffälliges finden können? Das sehe ja sogar ich. Hier, der helle Fleck auf der linken Seite!“

Ich deutete mit dem Finger auf die beschriebene Stelle.

„Da!“, zischte ich, hörbar wütend.

Er inspizierte die Aufnahmen noch einmal.

„Oh ja, stimmt, das ist nicht normal. Sind Sie in letzter Zeit gestürzt oder hatten Sie einen Unfall, oder als Kind?“

„Nein. Als Kind schon, aber nichts Tragisches.“

„Hmm, okay. Also, ich kann Ihnen jetzt nichts Genaues sagen. Mein Vorschlag wäre, Sie gehen in zwei Monaten noch mal zum MRT und dann kommen Sie wieder vorbei. Wir schauen dann, ob sich etwas verändert hat und ob Sie noch mal Aussetzer hatten.“

„Ähh“, stammelte ich, „und das war’s?“

In zwei Monaten wollte ich mit meiner Freundin nach Thailand, da konnte ich sicher nicht noch mal hierherkommen!

„Ja, momentan kann ich nicht mehr für Sie tun. Bis bald, tschüss.“

Verwirrt verließ ich die Praxis.

Weitergeholfen hatte mir das aber nicht. Darüber musste ich mit meiner Hausärztin sprechen. Gleich machte ich einen Termin für den nächsten Tag.

Ich sah auf die Uhr. Mist, zum Arbeiten kam ich auch zu spät.

Am nächsten Morgen, nach einer unruhigen Nacht, machte ich mich auf zu meiner Ärztin.

Wieder Wartezimmer. Ich döste vor mich hin, bis ich aufgerufen wurde.

Verärgert erklärte ich der Medizinerin, dass mir der Besuch beim Neurologen nicht weitergeholfen hatte und er mich in zwei Monaten wieder sehen wolle.

Entsetzt schaute sie mich an. „So lange können wir nicht warten, wir müssen wissen, was mit Ihnen los ist!

Ich stelle Ihnen eine Überweisung für das Bundeswehrkrankenhaus aus, die haben eine hervorragende neurologische Abteilung.“