Zeilen aus dem Jenseits - Elisabeth Fontner - E-Book

Zeilen aus dem Jenseits E-Book

Elisabeth Fontner

0,0
8,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Ist der Tod etwas Endgültiges - oder gibt es ein "Leben nach dem Leben?" Elisabeth Fontner ist die Sekretärin der Verstorbenen, denn sie besitzt außergewöhnliche mentale Fähigkeiten. Einige, die den irdischen Weg hinter sich haben, berichten von ihren Erlebnissen und Erfahrungen - und zwar von DRÜBEN und E. Fontner schreibt Briefe nach dem Diktat der Toten für die noch lebenden Angehörigen. Sie bringt dabei genau die Worte und Sätze zu Papier, die an sie durchgegeben werden. Elisabeth Fontner tut diese Arbeit für die Lebenden, die Hinterbliebenen, denen es ein Herzensanliegen ist, noch einmal Kontakt mit nahestehenden Verstorbenen aufzunehmen. Dabei geht es meistens um Versöhnung nach einem Streit, um Unterstützung in schwierigen Lebensumständen und um das Erforschen von Familiengeschichten. Der Grundtenor ist aber in allen Fällen der gleiche: Wie geht es ihm/ihr da DRÜBEN?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Vorwort von Elisabeth Fontner

Die Geschichte von Karl und Maria

Gerlinde – Vaterliebe aus dem Jenseits

Liesl und Gustl

Aloys und Teresa – alles wird gut

Paula – Wiederfinden und Verzeihen

Linda – kaltes Mutterherz

Großmutter – so nimm denn meine Hände

Die Geschichte von Martha

Elfriede – Dornröschen tanzt nicht mehr

Cora – meine Lehrmeisterin

Pauli und seine Zauberfee

Nachwort

VORWORT VON ELISABETH FONTNER

Mein erstes Buch „Liebe das Leben – auch danach“ (erschienen 2004) bezeichne ich bis heute als „schwierige Geburt“, weil ich eigentlich nie daran gedacht habe, diese Geschichten in einem Buch herauszugeben. Letztendlich habe ich dann von allen Betroffenen, die in den Geschichten vorkommen, die Erlaubnis zur Veröffentlichung erhalten. Nun ist es schon einige Jahre her, seit dieses Buch geschrieben wurde und es war ein großer Erfolg für mich und mein Autorenteam. Damals ist man mit dem Thema „Kommunikation mit Verstorbenen“ noch nicht so selbstverständlich umgegangen wie heutzutage. Mittlerweile gibt es viele Bücher, die sich mit der Thematik des Weiterlebens nach dem körperlichen Tod befassen.

Im Jahre 2014 ist dann mein zweites Buch „Zeilen aus dem Jenseits“ erschienen. Auch in diesem Buch geht es um Botschaften, die noch lebende Angehörige durch meine Vermittlung von ihren Verstorbenen erhalten.

Beide Bücher waren jedoch schon seit längerer Zeit vergriffen und die Geschichten aus den beiden Büchern werden nun, zusammengefasst in einem Buch mit dem Titel „Zeilen aus dem Jenseits“, neu aufgelegt.

Das Buch gibt Gespräche wider, die noch lebende Angehörige in Briefform von ihren Verstorbenen – bedingt durch meine mentalen Fähigkeiten – erhalten haben. Briefe, die ich großteils nach Diktat an die Hinterbliebenen „herüberbringe“. Das ist meine Bezeichnung für meine Arbeit. Ich fühle mich dabei in den meisten Fällen wie eine gut ausgebildete Sekretärin und bringe genau die Worte, die Sätze zu Papier, die an mich durchgegeben werden. Für mich ist dieses Tun ganz selbstverständlich. Eine Arbeit, die mir immer wieder Freude macht, auch wenn so manches Diktat grobe Worte und zum Teil sehr oft Lieblosigkeit enthält. Denn die Verstorbenen geben genau das an, was sie sagen wollen, tun ihre Meinung kund und es liegt im Ermessen der Lebenden, wie sie zu dem Gesagten stehen. Ich selbst bin – wie schon erwähnt – nur die Sekretärin und verhalte mich vollkommen neutral.

Diese Arbeit mache ich für Menschen, denen es ein Herzensbedürfnis ist, noch einmal Kontakt mit einem verstorbenen Angehörigen aufzunehmen. Es gibt dafür viele verschiedene Gründe, weshalb sich Menschen einen solchen Kontakt wünschen. Sei es aus dem Gefühl heraus, sich verabschieden zu wollen oder sei es aus dem Wunsch heraus, den Verstorbenen noch helfen zu können, sich in ihrer neuen Welt zurechtzufinden. Der Grundtenor ist aber in beinahe allen Fällen dieser: Wie geht es ihm/ihr da DRÜBEN?

Ich möchte noch von einem Ereignis berichten, das mich zum Schreiben dieses Buches motivierte: Vor einigen Jahren ist einer meiner guten Bekannten urplötzlich, von einer Sekunde auf die andere, in seinem Haus „tot umgefallen“ – aus und vorbei! Eine noch junge Witwe, Kinder in jugendlichem Alter standen fassungslos vor der Härte des Schicksals. Der Vater war nicht mehr da, er war weg, ohne ein Abschiedswort, ohne Vorankündigung, ohne noch etwas dagegen tun zu können – er ist weggegangen einfach „nur so“. Sein Körper lag stumm und reglos mitten im Raum mit geschlossenen Augen, weißem Gesicht – gestorben, für immer tot. An seine Stelle trat die grenzenlose Verzweiflung der Hinterbliebenen und dort steht sie immer noch. Der Satz, den ich wochenlang hörte, war: „Wenn ich das gewusst hätte, dann hätte ich …“. Ja, was wäre dann wohl geschehen, was wäre dann wohl gewesen? Aber dieses „hätte“ ist nicht Realität, es ist ein Wunschgedanke, unerfüllbar. Jeder von uns weiß, dass es in einer derartigen Situation, mit dem Tod eines geliebten Menschen vor Augen, nichts zu tun gibt, weil für den Toten alles, aber auch alles Irdische endgültig vorbei ist. Zurück bleiben die Lebenden in Unsicherheit und Verzweiflung – niemand, keiner kann noch irgendetwas dagegen tun! Nichts, absolut nichts geht mehr!

Für mich ist wichtig, dass die Menschen, die mich aufsuchen, weil sie Kontakt zu einem Verstorbenen möchten, sich selbst mit dem Wissen über das „Weiterleben nach dem Tode“ auseinandersetzen. Dank meiner medialen Fähigkeiten empfange ich dann die Berichte der „Hinübergegangenen“. Sie erzählen, was sie in ihrer „neuen Welt“ tun, lernen und erfahren und ich schreibe dies auf.

Im Laufe der Jahre meiner Tätigkeit als „Sekretärin für Verstorbene“ habe ich erfahren, dass „Tote“ viel Wissen und große Kenntnisse über die Sinnhaftigkeit des Lebens als Mensch auf der Erde haben und dass sie dieses auch gerne mitteilen. Viele Menschen jedoch haben keine oder nur geringe Kenntnisse über dieses Thema und sehen mich oft ratlos an. Daher gebe ich auch stets Erklärungen ab, wenn die Briefe geschrieben sind. Aus diesem Grunde kommentiere ich auch in diesem Buch immer wieder, die mir gegebenen Durchsagen, damit diese für die Leserinnen und Leser verständlich werden.

Wie jedoch die geistig-mentale Entwicklung „DRÜBEN“ für jeden einzelnen verstorbenen Menschen erfolgt, weiß wohl niemand unter den Menschen so ganz genau, denn auch die medialen Fähigkeiten haben Grenzen. Ich kenne meine Grenzen ganz genau und weiß, dass ich sie nicht überschreiten kann und nie den Versuch wagen werde, sie zu sprengen. Ich habe zu großen Respekt vor den Lebenden und den Toten und vor der „anderen Welt“ mit ihren Helfern, Führern, Meisterinnen und Meistern und – vor GOTT.

Zu sagen ist noch, dass jede einzelne dieser Geschichten in dem Buch auf wahren Begebenheiten beruht. Alle Betroffenen haben mir die sie betreffenden Mitteilungen für die Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

Es sind dies:

Gerlinde und ihre Erlebnisse mit ihrem, im Krieg gefallenen, VaterLinda und ihre Erlebnisse mit ihrer lieblosen MutterDie Geschichte von Karl und MariaUlli und ihre Geschichte über eine verzweifelte Suche nach den seit langen verschollenen FamilienangehörigenDie Erfahrungen, die Elfriede mit ihrer Mutter auch nach deren Tod machtDie Geschichte über die Wiedergeburt meiner GroßmutterDie berührenden Berichte von Gustl an seine noch auf der Erde weilenden LieslDie Botschaften eines Menschen, der selbst aus dem Leben schied, an seine Frau Marthaund auch unsere verstorbenen Tiere haben uns etwas zu sagen

Vielleicht hört sich vieles in diesem Buch fantastisch an. Es kann aber auch eine Art von „modernem Märchen“ sein – es kann aber auch mehr sein … Nun, was es für jede einzelne Leserin, für jeden Leser bedeutet, das wird jeder für sich entscheiden. Für mich ist es kein Märchenbuch. Für mich birgt es eine der größten Wahrheiten um die Geschichte der Menschen. Ich bin dankbar, dass es gelungen ist „hinter den Spiegel“ zu schauen. Jetzt, wo dieses Buch geschrieben ist, wünsche ich allen, die es in ihre Hände bekommen wunderbare Lesestunden, spannende Momente und interessante Erkenntnisse und ich hoffe auch, dass so manches fröhliche Lachen sie dabei begleitet.

Wien, September 2018

Elisabeth Fontner

DIE GESCHICHTE VON KARL UND MARIA

Der Kontakt

„Es“ geschah vor ein paar Jahren im Spätherbst. Ich ging mit meinem Hund um den „Häuserblock“, es war Abend und kalt. Meine Hündin verrichtete ihr „Geschäft“ und wir beide gingen langsam weiter. Auf einmal sah ich eine Frau, eine Frau mit einer derartigen Traurigkeit um sich, dass ich schlagartig stehenblieb und sie ansah.An ihrer Seite ging ein alter, müder Schäferhund, ebenso unendlich traurig. Die Verzweiflung, die diese beiden Gestalten umfloss, gab mir einen Stich ins Herz. Ohne darüber nachzudenken, ging ich auf sie zu und sprach die Frau an. Ich sagte ihr in etwa, dass es nichts auf dieser Welt gäbe, dass das Recht auf diese Traurigkeit hätte, denn es gäbe ja noch die Hoffnung auf eine Besserung. Die Worte flossen nur so von meinen Lippen, aber das passiert mir des Öfteren. Irgendjemand übernimmt meine Stimme und formt mit ihr Worte, die mir selbst erst im Nachhinein bewusst werden. In diesem Fall bewirkten die Worte sehr viel, denn auf einmal strömte ein großes Vertrauen von dieser Frau zu mir und von mir an sie zurück. Sie erzählte mit brüchiger Stimme, ihr Mann sei im Sommer plötzlich und unerwartet verstorben. Nun sei sie auf der Suche nach jemandem, der ihr helfen könnte, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Ich sah in ihre Augen und sagte, ich wäre ja jetzt da und so stellte ich ihr mich und meine Möglichkeiten vor. Gleichzeitig jedoch wusste ich, dass das im Augenblick noch nicht der richtige Zeitpunkt für eine Kontaktaufnahme war. „Noch schläft er“, sagte ich ihr, und ein unendlich erleichtertes Glücksgefühl stieg in ihre Augen. „Das hab ich mir gedacht“, sagte sie mit Überzeugung. Sie erzählte, er habe nicht an ein Weiterleben nach dem Tod geglaubt, vielmehr noch, er habe dieses Thema immer strikt abgelehnt.

Nun, ich weiß, dass Männer im Großen und Ganzen über diese Angelegenheiten anders denken als wir Frauen, und konnte daher überzeugt zustimmen. Wir gingen ein Stück des Weges miteinander, die Hunde neben uns her, und sie erzählte mir von ihrer Einsamkeit, ihrem gegenwärtigen Leben und dass sie sich große Sorgen um ihren Hund mache. Er habe augenscheinlich den Tod seines Herrchens nicht verkraftet. Der Tierarzt habe sie schon vorbereitet. Das alte Hundeherz sei schon sehr schwach…

Über ihren Mann durfte sie mir nichts erzählen, denn ich versprach ihr, gegen Weihnachten nach ihm Ausschau zu halten und ihn DRÜBEN zu kontaktieren. Das könne ich jedoch nur völlig unbelastet und ohne Vorwissen. Als wir uns verabschiedeten, war sie etwas weniger traurig. Eines jedoch verwunderte mich: Wir kannten einander nicht, wussten nichts voneinander, und trotzdem wollte ich ihr helfen. Spontan und ohne zu überlegen.

Da hat doch wieder das „Geschick“ seine Hände dazwischen. Also – ich werde es tun, dachte ich, da es von der GÖTTLICHEN Seite her augenscheinlich als in Ordnung befunden wurde. Und bis Weihnachten sind es nur noch ein paar Wochen. Natürlich, ich würde mit Karl Kontakt aufnehmen. Aber Karl „schlief“ ja noch! Dass Karl noch schlief, sagte mir ein geistiger Helfer, der an der Seite Marias ging. Ich konnte und kann dieses Wesen „sehen und hören“, wann immer es notwendig war und ist. Und notwendig ist es dann, wenn der dazugehörige Mensch dringend Hilfe braucht – Maria war so ein Mensch. Nachdem Karl noch „schlief“, musste ich mich auf die Suche nach ihm machen. Dazu setze ich mich ganz entspannt nieder und schließe die Augen. Und dann geschieht das, was man nur schwer erklären kann: Vor meinen geschlossenen Augen läuft auf einmal eine Art Film wie im Traum und ich sehe mich „DRÜBEN“ nach Karl suchen. „DRÜBEN“ – das ist meine Bezeichnung für das sogenannte „Jenseits“, der Raum also, in dem sich die „Verstorbenen“ – die Hinübergegangenen – und viele geistige Freunde, Helfer und Führer aufhalten.

Dieses „DRÜBEN“ besteht aus vielen Ebenen oder Dimensionen – für jeden Einzelnen ist ein entsprechender „Raum“ vorhanden. Das Wissen um das Leben nach dem Leben, das Wissen um Wiedergeburt und Karma – es bestimmt die Ebene, auf der die Menschen nach ihrem Heimgang „einkehren“. Je größer dieses Wissen, desto „höher“ die Ebene, desto „heller“ die Schwingung. Jedoch – das alles hat nur seine Gültigkeit, wenn die Menschen auch ihr eben zu Ende gegangenes Erdenleben dementsprechend positiv und im Rahmen der Ordnung gelebt haben. Großes Wissen und nach außen getragener „innerer Schweinehund“ gilt nicht. Für diese Menschen gibt es nach dem irdischen Tod eine andere Regel. Es gibt nämlich auch die Ebenen im „Astral-Bereich“ – dorthin gehe ich aber nicht, das ist für mich eine Art „Hölle“.

Aber – diese Geschichte handelt von den positiven Erfahrungen auf dem Gebiet des „Lebens nach dem Leben“! Wieder ist da ein geistiger Helfer, der mich führt, leitet und auch ans Ziel bringt. Ich sehe ihn nicht, ich höre ihn nicht und trotzdem weiß ich, dass er da ist und mit mir spricht. Ich spüre seine Schwingung. Und einer dieser geistigen Helfer zeigte mir den schlafenden Karl. In diesem Augenblick wusste ich um Karls Zustand. Es war noch nicht die passende Gelegenheit, ihn „aufzuwecken“. Um die Weihnachtszeit schlief er immer noch. Ich machte einen Besuch „DRÜBEN“ und sah ihn liegen. In einer Art Lazarett, wo er in bester Gesellschaft war. Es schliefen sehr, sehr viele dort, etliche tief und fest, einige dösten vor sich hin, sehr viele hielten nur die Augen geschlossen, so als weigerten sie sich, etwas zu erkennen. Vor dem Eingang des Lazaretts stand der „Hüter des Schlafes“ und hielt Wache. Der Hüter des Schlafes sorgt dafür, dass nur bestimmte Wesen ins Lazarett Eintritt haben. Wir kannten uns beide schon sehr gut, denn meine Besuche waren in der Vergangenheit sehr zahlreich. Ohne irgendwelche Vorbereitungen ging ich ins Lazarett, begleitet vom gütigen Verständnis des Hüters. Er wusste um meine Tätigkeiten und seine Augen sendeten: Gutes Gelingen!

Doch dieses Mal gelang nichts, denn der von mir Gesuchte war noch nicht ansprechbar, wohl aber nicht mehr im Tiefschlaf. Doch was bedeuten die Worte „er schläft noch“ und „er war nicht mehr im Tiefschlaf“? Sogar die Kirche verwendet ja diese Begriffe, wenn man zum Beispiel liest: Vom Schlaf bis zum jüngsten Gericht! Also war und ist es bekannt, dass der sogenannte „Tod“ eigentlich ein „Schlaf“ ist, nein, vielmehr ein „Schlaf“ sein kann. Ich will diesen Begriff hier und jetzt endlich einmal richtig erklären.

Was der Tod ist

Viele Menschen glauben auch heute noch an den „ewigen Schlaf“, an den „Todesschlaf“ etc. Und diese Menschen werden – aller Wahrscheinlichkeit nach – auch nach ihrem körperlichen Abgang, „ihrem Tod“ also, „DRÜBEN“ schlafen – so wie Karl. Dazu gehören auch diejenigen, deren körperliche Schäden – Krankheiten – bereits die Seele geschwächt haben. Sie „schlafen“ sich „DRÜBEN“ gesund – davon könnte ich auch einige Erlebnisse erzählen. Aber es geht diesmal um die Geschichte von Karl und Maria.

Diejenigen Menschen, die jedoch um die Wahrheit des „Todes“ Bescheid wissen, brauchen weder zu schlafen noch sich „gesund schlafen“ – sie können mit dem vollen seelischen Bewusstsein hinübergehen – und sie tun es auch. Ich musste also noch geduldig sein. Die Möglichkeit Karl „aufzuwecken“ war noch nicht gegeben. Mir war, als ob das Datum „gegen Ende Jänner“ irdischer Zeit in meinem Wissen aufblitzte. Nun – Ende Jänner, das war absehbar.

Ich teilte es Maria mit – mittlerweile waren wir uns nähergekommen und vertrauter geworden – und auch sie musste sich in Geduld üben. Für sie war diese Zeit des Wartens noch viel trauriger geworden: Ihr Hund, der alte, müde Schäferhund, war auch bereits „hinübergegangen“, er hatte nicht einmal noch bis nach Weihnachten gewartet. Nun war sie ganz alleine mit ihrer tiefen Trauer und der endlosen Sehnsucht, den vielen nicht gesagten Worten, den unerledigten Dingen und der Angst: Wo ist er, wo sind die beiden? Geht es ihnen gut? Wie ist es für sie nach dem irdischen Tod? Was werde ich zu hören bekommen? Werde ich ihn sehen können? Muss ich mir Vorwürfe machen? Meine Versuche, sie zu beruhigen, meine Bitten, in Ruhe abzuwarten – es war ziemlich vergebliche Liebesmüh!

Ich konnte sie so gut verstehen. Ist der Tod doch eines der großen Rätsel im Leben der Menschen. Und wird er doch so gut wie nur irgendwie möglich verdrängt, als „Katastrophe“ bezeichnet und als Tabuthema „behandelt“. Wer will schon im Leben mit dem Tod, dem Sterben zu tun haben, sich damit auseinandersetzen?

Nun, ich tue es, und viele andere, die ich kenne, tun es auch. Sie und ich – wir alle gemeinsam und trotzdem jeder für sich – haben uns die Aufgabe gestellt, den Menschen den Tod als solches wieder vertraut zu machen, zu dem zu machen, was er eigentlich ist: Der Übergang in eine andere Dimension – oder Ebene – in der man keinen Körper, wie wir ihn kennen, benötigt. Der Übergang von der materiellen Form in eine geistige. So ungefähr, wie aus einem Wasserfall (= Materie) Strom (= Energie) wird. Nichts geht verloren, es tritt nur anders auf. Und wenn die Menschen erkennen, dass man auch nach dem körperlichen Tod „da“ ist, sich verständigen kann, dann kann man das Fehlwissen und die Angst ablegen: Es gibt jeden von uns auch dann noch, wenngleich in einer anderen Form. Dann bleibt uns noch die Ungewissheit vor dem „Sterben“, die Zeit also, in der jeder von uns seinen Tod erlebt. Dafür gibt es auch Hilfestellung, diese Ungewissheit zu „überwinden“.

Diese Geschichte jedoch befasst sich mit dem „Leben nach dem Leben“, mit dem Wissen, dass nichts Geheimnisvolles um uns Menschen ist. Lediglich die Tatsache, dass wir – bedauerlicher Weise – nur ein geringes Wissen um die Wahrheit haben.

Karl ist DRÜBEN erwacht

Endlich war er da, der große Tag, etwa eine Woche vor Ende Jänner. Wieder „machte ich einen Ausflug“ in das Lazarett und siehe da, Karl saß in einer Art Rollstuhl, gekleidet in ein Krankenhaushemd. Er sah abgezehrt, müde und unendlich schwach aus. Aber: Er saß!

Er war also „aufgewacht“ und konnte die Situation erkennen. Mich erkannte er nicht, wir waren uns im irdischen Leben nie bewusst begegnet, ich erkannte ihn nur an seiner Schwingung. Aber er lebte, auch wenn er nach dem Verständnis der Lebenden tot war. Begleitet wurde er von einem Pfleger, der uns zu verstehen gab, dass ich noch nicht mit ihm sprechen könne. Nun, das war klar zu erkennen. Karl war sehr erschöpft und nicht ansprechbar.

Wir – Maria und ich – mussten uns wieder in Geduld üben. Während ich in Karls Nähe stand, trat ein geistiger Helfer an meine Seite. Meine Freude war unendlich, denn es war Fredericus, einer meiner Freunde von „DRÜBEN“. Ich verdanke ihm sehr viel, denn er war einige Jahre mein Lehrer aus der geistigen Welt.

Nun, wie erkenne ich jemanden, einen Verstorbenen, der sich jetzt in der geistigen Welt aufhält? Maria erzählte mir zwar nichts über Karl und ihr Leben mit ihm, sie zeigte mir jedoch ein Foto von Karl. Ich lege das Foto eines Verstorbenen vor mich hin und lege meine linke Hand darauf, schließe die Augen und – das Foto beginnt eine Art von Eigenleben zu entwickeln. Es sendet eine „Schwingung“ aus in Form von Wellen, eine Art von Sinuswellen, die man aus der Technik kennt und von denen man in der Schule lernt. Diese Wellen erscheinen vor meinen Augen und legen sich über die Erscheinung des Betreffenden und sind in der Regel identisch mit ihm. Es tut mir leid – ich kann es nicht anders erklären oder beschreiben, es geschieht einfach so und es ist so. Die Schwingungen des Fotos waren dieselben, die auch von Karl ausgingen. Da wusste ich, dass die von mir erblickte Gestalt der Gesuchte war. Das ist meine Art zu arbeiten. Es ist von gleicher Gültigkeit, auf welche Weise man die „Verstorbenen“ erkennt, Hauptsache ist, man erkennt sie.

Es ist unendlich schwer, mediale Fähigkeiten zu erklären, weil es zumeist bereits an fehlenden Begrifflichkeiten mangelt – für viele geistig-mentale Vorgänge gibt es einfach (noch) keine passenden Worte beziehungsweise irdische Begriffe. Diese Situationen geschehen einfach. Ich kann meine Fähigkeiten auch „abschalten“ – das heißt, ich arbeite nur dann, wenn ICH es will und schalte sie nur bei Bedarf ein.

Nun, ich muss noch erwähnen: Ich habe sehr viele verschiedene Fähigkeiten im medialen Bereich, am liebsten jedoch schreibe ich „automatisch“. Das heißt, dass ein geistiger Helfer, Freund oder sonstiger Bote mir die Hand führt, während meine „Gedanken“ irgendwo sind – jedenfalls weit, weit weg von den Worten, die ich als „Schreibkraft“ zu Papier bringe. Und Fredericus ließ mich Folgendes für Maria wissen:

Geliebte Tochter,

all deine Ungeduld ist nicht vonnöten, denn alles was bei dir hier auf Erden geschieht, ist in der Ordnung des Geschickes. Dein Karl – es geht ihm gut, er ist nur sehr verwirrt und kann noch immer keinen klaren Gedanken fassen. Er weiß einfach noch nicht, was er jetzt tun soll, und wie er sich verhalten kann. Es sind noch Mauern um ihn, er kann sie noch nicht überblicken. Und du weißt doch noch nicht, dass es da, wo er ist, keine Zeit gibt. Zeit ist eine irdische Sache und mit dem Tod wird sie ausgelöscht. Darum ist es für ihn noch nicht möglich, dich zu trösten oder mit dir zu sprechen. Glaube einfach daran, dass auch das geschehen wird, wenn „seine Zeit“ reif dazu ist. Das Sterben an sich ist für viele Menschen ein schwerer Schock, von dem sich nicht jeder erholen kann, oder es dauert sehr lange, um ihn zu überwinden.

Bei unserem Karl war es ein Schock, denn er hat immer geglaubt, das Sterben und der Tod gehören zu den anderen Menschen, nicht zu ihm. Er hat es eben ignoriert – verstehst du das? Und nun sitzt er ein wenig hilflos hier und kennt sich nicht aus. Und sagen lässt er sich auch nichts. Er will das alles – besonders die momentane Situation – selbst in den Griff bekommen, und das auch selbst entscheiden. Und seine Freunde hier können da einfach nichts tun, wenn er es nicht will. Gib ihm also noch die Möglichkeit, in Ruhe und Frieden zu sich zu kommen. Momentan ruft er nach dir, aber das ist die unmöglichste Art seiner Entscheidung. Er glaubt, weil er seinen Hund holen konnte, geht das auch bei dir. Aber – DAS GEHT NICHT. Du kennst seinen Dickschädel – den hat er auch hier – leider. Aber WIR wissen genau, dass er nachgeben muss, sonst erreicht er gar nichts.

WIR haben die Geduld – auch du solltest sie haben. Das ist momentan die bestmöglichste Hilfe. Glaub das bitte, und verstehe ihn – versuche es wenigstens. Wir passen schon auf ihn auf und sorgen für ihn. Kopf hoch, du kannst es!

Mit und in Liebe für dich, Fredericus

Durch die Botschaft dieses geistigen Freundes kam endlich auch eine tatkräftige Hilfe für Maria. Endlich eine Nachricht, endlich das Wissen um die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme. Und sein geliebter „Rex“ war auch „DRÜBEN“ angelangt. Mann und Hund waren vereint – jetzt galt es nur noch, mit Geduld auf Karls endgültiges „Erwachen“ zu warten. Doch Maria wusste: Ihre Liebe zu Karl war so tief, sie würde auch das noch erreichen.

Ein paar Tage später „spürte“ ich Karls Suchen nach Maria – und mir wurde die Ernsthaftigkeit der Situation voll und ganz bewusst. Wird es durch mich gelingen, die beiden noch einmal miteinander in Verbindung zu bringen? Eine große Verantwortung auch für mich – jedoch: Wer A sagt muss auch zu B stehen! Meine einzige Gewissheit war die, dass die Botschaften an und durch mich stets im Rahmen der GÖTTLICHEN ORDNUNG standen – also würde es auch diesmal gelingen.

Karl ist nicht so, wie er war, aber doch so, nur ganz anders Karls erste Botschaft, die via „Schreibkraft“ Sissy an Maria übermittelt wurde, war folgende:

Meine liebe Maria!

Ich weiß jetzt viel von der Gegend, in der ich jetzt bin. Es sieht so aus wie in Italien – du weißt schon, dort wo alles so blau und grün ist. Wiesen und Wege, alles so sanft und mild. Hier gibt es keine Zeit, nur viel Gegend und alles so warm und freundlich. Es geht mir auch besser, ich war schon bei dir, aber nur ganz kurz – du regst dich so auf.

ICH BIN NICHT SO WIE ICH WAR, ABER DOCH SO, NUR GANZ ANDERS.

Ich kann es nicht erklären, weil ich es noch nicht ganz durchblickt habe. Das Denken fällt mir schwer, ich habe das Gefühl, mein Kopf ist aus Watte und steckt in einer Wolke. Sag bitte, WO IST MEIN KÖRPER? Den vermisse ich sehr. Bin ich wirklich tot? Das glaube ich einfach nicht. Ich erinnere mich noch an das Spital – und ich war doch nicht so krank. Oder doch? Jemand war bei mir, ich glaube es war Brigitte, bin aber nicht ganz sicher. Sie sieht so anders aus und hat auch keinen greifbaren Körper. Ein komisches Gefühl. Ich kann öfter kommen – wenn du keine Angst hast, und ich darf auch bleiben, wenn du es für mich erlaubst – das ist eine Ausnahme, weil ich noch nicht so weit bin, sagt mein Begleiter – ein netter, freundlicher Mann – auch ohne Körper. Er sagt, das wäre kein großer Verlust, weil ein Körper, den man nicht hat, kann weder krank sein noch Schmerzen haben. Und das ist richtig, denn eigentlich geht es mir ganz gut.

WIE GEHT ES MEINEM KÖRPER? Wo ist er – bin ich tot – aber wieso lebe ich dann noch? Du hast einmal so etwas gesagt – hast du damals Recht gehabt – wieso habe ich das nicht gewusst? So gescheit bist du doch gar nicht, eher so ein „Haserl“. Es fällt mir schwer, richtig nachzudenken, das ist wie eine Klassenarbeit, für die ich nichts gelernt habe. Bin ich jetzt in einer Schule? Und wozu? Es sind so viele Fragen in mir, mein Nebenmann lacht immer nur und sagt nichts dazu. Er ist der Meinung, jeder müsse selbst draufkommen, damit sein Wissen für die Ewigkeit erhalten bleibt. So ein BLÖDSINN! Und er sagt, ich bin eigensinnig und ein Hitzkopf! War ich ein HITZKOPF? Er geht mir ganz schön auf die Nerven mit seinem ewigen Lächeln, aber er hat so gütige Augen. Und ich weiß, dass ich diese Augen von früher her kenne. Aber von wo? Welches Früher?

Es ist wirklich nicht einfach, lebendig zu sein ohne Körper oder tot als so ein eigenartiges Geistwesen. Bin ich auch durchsichtig? Kannst du mich sehen oder mich hören? Habe keine Angst, es gibt auf alles eine Antwort – ich MUSS sie eben noch finden. Rex ist jetzt bei mir, ich habe ihm damals gepfiffen und er ist auch gleich gekommen – sein Herrl ist sein Herrl. Aber – er hat auch keinen Körper! Ist er auch bei dir? Kannst du die vielen Fragen für mich beantworten?

Die freundlichen Augen sagen ja und lächeln noch netter. Na, du bist halt eine Frau und hast noch einen Körper – einen sehr netten. Jetzt höre ich auf, sonst wird es zu viel, die netten Augen sagen, ich soll nicht so hektisch sein, dann wäre alles klar und deutlicher. Ich glaube, ich folge seinem Vorschlag.

Mit Liebe, Karl

Mir fiel ein Stein vom Herzen, nachdem ich Karls Botschaft bewusst durchgelesen hatte. Er wusste also um seinen Zustand und vermisste lediglich seine materielle Form. Maria sagte mir, er sei sehr intelligent und belesen gewesen und hätte für alles Interesse gehabt. Nur mit der Esoterik, der Parapsychologie und den Grenzwissenschaften sei er stets auf Kriegsfuß gestanden. Er war Mathematiker, Chemiker und ein absoluter Realist. Sein Lebensmotto war: Was nicht zu beweisen ist, existiert nicht!

Dafür hatte ich volles Verständnis. Ich kenne auch heute noch viele Männer, die mit grenzwissenschaftlichen Möglichkeiten nichts zu tun haben wollen. Aber – wenn diese Männer diese Bereiche erkennen und begreifen, dann werden sie aktive Kämpfer für die Sache. Ich werde sehr oft mit dergleichen Situationen konfrontiert – in letzter Zeit immer öfter – und dann geschieht auch das, was ich als „kleines Wunder“ bezeichne.

Wenn ein Mann zum „Medium“ wird, seine mentalen Fähigkeiten entdeckt, ernennt er sich meistens – oder wird ernannt – zum „GURU“. Da gibt es vielerlei Möglichkeiten, auf jeden Fall wird er sehr schnell bekannt und „berühmt“ – und zieht eine große Schar von Anhängern und oft auch Anhängerinnen mit und nach sich. Und es ist Tatsache, dass die Zahl der „männlichen Gurus“ die der weiblichen bei Weitem übersteigt. Bei uns – in Österreich – ist das nicht so bekannt, aber – man braucht dazu nur ein wenig über die Grenzen der Alpenrepublik sehen!

Männliche Gurus werden auch vor allem von Frauen, von ihren weiblichen Anhängern, hofiert und des Öfteren in den „Himmel“ gehoben – kein Wunder, wenn immer wieder vor „Scharlatanerie“ gewarnt wird. Ist doch die Versuchung, Berufung mit Beruf zu verwechseln, sehr groß. Natürlich – auch bei weiblichen Gurus geschieht dergleichen, wohl aber nicht so oft. Nun aber genug abgeschweift, die Geschichte soll ja weitererzählt werden.

Karls zweite Botschaft

Also, in kurzen Worten: Karl war mir durch seine erste Botschaft vertraut und bekannt. Maria war endlich ein wenig glücklich. Trotzdem merkte ich ihre Ungeduld, weiteres von ihm zu hören. Aber für diesen Tag sollte es genug sein – das automatische Schreiben erfordert vom Schreibmedium absoluten Energieeinsatz und diesen in einer objektiven und völlig neutralen Form. Auch Karls Energie hatte ihre Grenzen. Dennoch – die erste Hürde war genommen, und das mit einem durchschlagenden Erfolg. Dem „Himmel“ sei Dank!

Es vergingen einige Tage, und Karl „klopfte“ wieder bei mir an. Ich wusste um seine Nähe und „spürte“ ihn ganz deutlich. Es war in der Tat eine Art „Klopfzeichen“ in meinem Bewusstsein – also, er „klopfte“ bei mir an. Ich spürte, wie wichtig ihm die Gegebenheit einer Kommunikation mit seiner Maria war, und brachte folgende Botschaft zu Papier:

Schatzi!

Es ist ganz eigenartig hier, weil es keine Zeit gibt, keine Stunden, keine Tage – nur die Ewigkeit. Der mit den lieben Augen – er ist mein Freund jetzt – sagt, es gibt auch keine Ewigkeit und kein „in Ewigkeit Amen“ – die Menschen denken nicht richtig und wissen nicht viel – leider. Es ist einfach nur die Zeit, die es nicht gibt – und sie soll uns zum Denken zwingen – es ist langweilig und fad, immer denken zu müssen, aber er sagt, es geschieht nur das, was wir uns im Denken vorstellen können. Ich habe mir einen Baum vorgestellt und da war auf einmal ein Baum neben mir. So einfach soll es sein, aber ich glaube ihm nicht. Kann es sein, dass er ein Zauberer ist, denn das gibt es ja nicht, dass man sich einen Baum vorstellt, und auf einmal ist er auch da.

Ich bin ganz wirr im Kopf vor lauter Vorstellen – und alles ist dann wirklich da. Aber das geht nur bei Gegenständen, du kannst nicht da sein, auch wenn ich es denke. Wieder so etwas, was ich nicht verstehe. Er – mein Freund – sagt, einmal werde ich dich hier treffen – na, hoffentlich erkennst du mich! Er sagt auch, ich muss schön langsam meine Erinnerung hervorholen, denn da wäre einiges zu besprechen – was will er jetzt schon wieder? Ich weiß eh, dass ich kein Engel war, aber so böse war ich auch nicht. Oder bist du anderer Meinung? Er sagt auch, ich soll dich um Verzeihung bitten, denn es ist ausgesprochen gemein gewesen, einen schwächeren Menschen zu sekkieren (quälen, Anmerkung Hrsg.) – habe ich das getan? Warum hast du dich nie gewehrt? Ich weiß ja, dass du ein Haserl bist, aber Haserln haben doch auch Zähne oder?

Es geschieht jetzt so viel, und ich fühle mich nicht gut. Es geht um dieses Buch, mein Lebensbuch – ich soll es endlich aufschlagen – UND ICH WILL NICHT. Was vorbei ist, ist vorbei und vergessen – er sagt NEIN – das ist nur auf der Erde so, bei den Menschen – nicht hier. Hier ist jedes Wort aufgespeichert, jedes, das einmal gesagt worden ist – von MIR. Das ist ganz großer MIST, denn ich weiß, dass ich viele Worte gesagt habe, die ich nicht hätte sagen sollen – aber er sagt, was geschehen ist, ist geschehen – endgültig. Meine geschiedene Frau weiß so viel von all den Worten und sie ist noch immer böse auf mich. Jetzt soll ich auch sie um Entschuldigung bitten. Aber, bitte, soll sie sich doch zuerst entschuldigen, sie hat doch immer das erste und das letzte Wort. Wieso ich – ich war an dem Ganzen doch nicht schuld. Er sagt – oh ja – aber er lügt! Jetzt ist er böse, nein traurig, weil ich doch ganz genau weiß, dass hier keiner lügen darf. Naja. Ich will auf jeden Fall nicht um Verzeihung bitten – auf KEINEN FALL.

Mit diesen letzten Sätzen wandte sich Karl ganz von mir ab und schwieg eine Weile tief beleidigt und tief verletzt. Er war unsicher geworden, das bewiesen die Nachfragen, seine Haltung und die Schwingungstendenz seiner Gefühle. Es steckte so viel Energie in seinen Sätzen, dass ich kaum mit dem Schreiben nachkam. Karls Gefühlswelt war total aufgewühlt und zerrissen. Er hatte begriffen, dass da mit seiner Lebenseinstellung einiges nicht in Ordnung war und dass sein „Macho-Gehabe“ wohl nichts mehr zählen würde. So gesehen hatte er in den letzten Tagen – irdisch gesehen – einiges dazulernen müssen und ich spürte ganz deutlich seinen Widerwillen.

Maria bestätigte mir nun auch seine – ganz auf den Mann aufgebaute – „Selbstverständlichkeit des Verletzen-Dürfens“ und des „Frauen-Missachtens“. Für ihn hatte nur er gezählt und es war ihm wichtig, ein gutes und geruhsames Leben zu haben – mit einer Frau an seiner Seite, die mit all seinem Gehabe einverstanden war. Ja, er war ein „Herrschertyp“, ein „ganzer Mann“ gewesen, er war es und – allem Anschein nach – war er es noch immer. Maria erklärte ihm in aller Ruhe, er müsse sie nicht um Verzeihung bitten, sie hätte ihm sein Fehlverhalten längst verziehen. Sie liebe ihn doch, und Liebe verzeiht alles. Auch stellte sie ihm einige Fragen. Seine Antwort war folgende:

Lass das mit den Fragen, ich habe keine große Lust, irgendwelche zu beantworten, die Sache mit meiner Geschiedenen mag ich nicht. Für mich ist das endgültig vorbei. Ich bin auch nur zu ihr wieder zurückgegangen, weil ich nicht wusste, wohin ich gehen sollte. Du weißt ja, man macht es sich eben leichter im Leben. Aber dich habe ich lieb gehabt, armes Haserl. Muss ich dich wirklich um Verzeihung bitten?

Er hatte nicht zugehört, hatte ihre Worte nicht angenommen. Hatte nicht begriffen, dass ihre Liebe ihm längst verziehen hat. Maria sagte mir, er habe ihr eigentlich nie richtig zugehört, wenn es um ihre Belange gegangen war. Meistens sei er „empört“ über ihre „Unzufriedenheit“ und ihre „Sekkiererei“ lautstark aus der Wohnung verschwunden und längere Zeit nicht zurückgekehrt. Ich verstand langsam, dass die Beziehung der beiden eine schwierige war, trotz ihrer Liebe zu ihm. Von einer Liebe seinerseits zu ihr bemerkte ich nicht die geringste Spur – Maria war so eine Art von Selbstverständlichkeit für ihn. Nur sein letzter Satz hatte eine mitleidige, gefühlvollere Schwingung. Würde er langsam zu neuer Einsicht kommen? Es war gar nicht so einfach für mich, die beiden – Maria und Karl – unter einen Hut zu bringen. Sie litt unter ihrer Ungeduld, er unter den Umständen seiner Situation. Das Faszinierende an den beiden war, dass alles, was er sagte, mit dem identisch war, was Maria mir von ihm erzählte. Nach jeder Botschaft gab sie mir einen Bericht über ihr Leben mit Karl. Langsam begriff ich, dass sie eine sehr unglückliche Frau gewesen war, denn er war alles andere als „pflegeleicht“. Maria musste ihn schon sehr geliebt haben. Und das tat sie immer noch.

Seine Art auch noch von DRÜBEN verletzende Worte anzubringen, machte es auch für mich nicht einfach, seine Botschaften zu schreiben. Ich verspürte seine Aggressionen, seine Unsicherheiten und seine verletzende Selbstverständlichkeit, die er Maria auch jetzt noch antat. Auf meine vorsichtigen Fragen, ob sie das tatsächlich auch weiterhin hören wollte, meinte sie, jetzt sei die beste Gelegenheit „mit ihm zu reden“. Denn nun müsse er endlich einmal zu- und hinhören, auch wenn es nicht sie sei, sondern ein „geistiger Helfer“, der mit ihm sprach und ihn „belehrte“.

Nun, mir war alles recht, denn im Prinzip war diese Geschichte sogar abenteuerlich. Maria würde ihren Karl endlich genau kennenlernen und verstehen, warum ihr Leben mit ihm so gelaufen war. Ich setzte große Hoffnungen in die daraus folgenden Erkenntnisse der beiden. Es war ganz eigenartig – einmal pro Woche klopfte Karl bei mir an und ich verspürte sein Verlangen, mit Maria zu kommunizieren. Meine Person als Mittler zwischen den „Welten“ war ihm absolut nicht recht, aber Maria war viel zu hektisch, zu nervös – ich konnte ihr das Schreiben nicht beibringen, obwohl ich der Meinung bin, dass jeder Mensch mediale Fähigkeiten hat. Es gehören nur das absolute Vertrauen dazu und die Hingabe, sich selbst „loszulassen“. Schreiben, Pendeln, Karten legen, Hören, Sehen–mit den inneren Augen und Ohren ist alles zu ermöglichen:

WENN MAN ES WIRKLICH WILL UND ES IN DER ORDNUNG IST.

Warum muss man sterben, wenn man dann doch nicht tot ist? Karls nächste Botschaft war folgende:

Maria, du liebes Haserl, ich weiß jetzt, wie es dir geht, weil ich ein paar Stunden bei dir habe sein dürfen und da habe ich dich ganz genau angesehen – so von innen und von außen. Eigentlich bist du ein sehr lieber Mensch, weil du immer allen alles recht machen möchtest, aber das bringt dich noch einmal um. Es ist nicht gut, stets nur für andere da zu sein, weil dann keiner für dich da ist, wenn man selbst einen Menschen braucht.

Ich habe dich ja auch im Stich gelassen und bin immer weggegangen, wenn du einmal für deine Rechte eingetreten bist. Ich gebe es zu, dass ich es mir schon sehr leicht gemacht habe und meine Rolle als Mann sehr gut angelegt habe. Jetzt weiß ich aber, dass das nicht ganz richtig gewesen ist. Aber, glaube es mir, meine Reue kommt zu spät, denn hier gibt es nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Frau und Mann, obwohl ich noch einer bin. Hier zählen nur die Taten und Werke, die bereits getan worden sind – nur sie, sonst nichts. Alles, was ich jetzt bereue und gutmachen will, gilt erst für später. Mein Begleiter sagt, das wird aufgehoben, um irgendwann einmal etwas davon zu haben. Ich verstehe das noch nicht so ganz, aber ich glaube, ich weiß, was er meint – so unglaubhaft das auch klingen mag. Irgendwie finde ich es immer noch lächerlich, dass du so ganz in meiner Nähe bist und doch so unendlich weit weg von mir. Wie eine Filmleinwand – man sieht und hört alles, kann es aber nicht angreifen. So schwer, das richtig zu verstehen, weil es für mich so sinnlos ist. Du bist traurig, ich fühle mich nicht wohl – wozu das alles?

WARUM MUSS MAN STERBEN, WENN MAN DANN DOCH NICHT TOT IST?

Ist das die ewige Verdammnis unserer Kirche? Und wo – bitte – sind all die anderen lebenden Toten oder die toten Lebenden? Es ist für mich nicht klar, was das alles soll. Mein Begleiter lächelt nur dazu und sagt, es gibt auf jede Frage hier eine Antwort. Ich habe ihn nach einem Lexikon gefragt mit all den Antworten und er hat gesagt, das müsse ich mir selber schreiben – BLÖDSINN.

Das ginge doch leichter: Ein Buch für alle meines Typs – er sagt, jeder habe sein eigenes Wissen und seine Werte. Jetzt weiß ich überhaupt nichts mehr. Er sagt – ich solle mich nicht so aufführen, sondern nachdenken – das sei die einzige Aufgabe, die ich hier momentan habe. Er geht mit mir ständig herum, um mir alles zu zeigen – vor allem die Gegend. Da sind so helle Wesen in weißen Gewändern, die da herumwandeln. Alle haben ernste, aber nette Gesichter und blaue Augen – weiß und blau. Ich darf sie nicht anreden, aber sie dürfen mich anreden. Aber sie sprechen eine Sprache, die ich noch nie gehört habe – ich verstehe die Worte nicht. Er sagt, das müsse so sein, denn sie reden über ein Wissen, das mir noch fehlt. Aber – das hat nichts mit Dummheit zu tun – meint er. Langsam weiß ich, dass sein Wille hier zählt, und ich mitmachen muss, sonst muss ich allein bleiben. Sturheit ist hier nicht gut, weil dann bleibt man über. Und die Brigitte ist auch wieder weg. Sonst ist keiner da – ich bin noch nicht so weit. Er sagt, wenn ich mit anderen zusammentreffe, würde er mich verlieren, und dazu brauche ich noch viel Zeit. Aber langweilig ist es nicht. Er sagt, ich hätte mein Leben eben intensiver leben müssen, mit mehr Werten, aber das versteh ich auch nicht. Welche Werte? Sei froh, dass du ihn nicht an deiner Seite hast, er geht mir ganz schön auf die Nerven! Ich denke viel an dich und wäre lieber wieder ein lebender Lebendiger, aber – das geht leider nicht – schade. Ich glaube, ich würde vieles nicht oder anders tun – aber das geht auch nicht. Und im Übrigen – hier geht vieles NICHT, viel zu vieles nicht. Wie in einem Haus, wo überall Verbotstafeln stehen – nur sieht man die nicht, man weiß nur, dass sie da sind.

Du fragst nach dem Peperl – ich weiß nicht, wo er ist – da gibt es auch keine Antwort, aber – ich werde ihn bald sehen dürfen. Er hat viel zu tun, sehr viel – was denn bloß? Hier gibt es nichts zu tun – jetzt lacht er schon wieder. Viele, viele Fragen, fast keine Antworten. Er sagt, es gibt sie, man muss sie nur finden. Also geh ich jetzt auf die Suche nach dem Sinn meines verstorbenen Lebens ohne tot zu sein – ist eben doch ein SCHWACHSINN! Aber ich liebe dich immer noch, wenn auch jetzt wie ein Kinogeher vor der Leinwand. Karl

Ich legte den Kugelschreiber zur Seite und las gemeinsam mit Maria die Botschaft durch. Karl war also auf einer Lern-Ebene gelandet oder angekommen und war im Begriffe, das zu tun, was für ihn und all die anderen – auf seiner Wissensstufe – das Wichtigste war: Die Sinnhaftigkeit des eben zu Ende gegangenen irdischen Lebens zu erkennen. Ein großer Schritt nach vorne, den er ohne seinen Helfer niemals so schnell erreicht hätte. Mir wurde bewusst, wie hilflos und unsicher Karl sich in seiner neuen „Welt“ bewegte – ich spürte es aus jedem Satz, den ich zu Papier brachte. Seine anfängliche „Rebellion“ war zu ein wenig „Demut“ geworden, er hatte die Problematik seines gegenwärtigen Zustandes genauestens erkannt. Sein irdisch-materieller „Sturschädel“ – er zerbrach an der gütigen Überlegenheit, an der Ruhe und Selbstverständlichkeit seines geistigen Begleiters. Karl hatte Vertrauen in seine Situation bekommen – auch blitzte da ein wenig Neugier aus seinen Worten! Unsicherheit gepaart mit Neugier – das ist der Stoff, mit dem man „Berge versetzen kann“ – wenn man es will! Und Karl „wollte“!

Ein geistiger Helfer gibt Auskunft

Es vergingen einige Erdentage – Karl klopfte nicht bei mir an. Ich verspürte eine andere, eine eigenartige Schwingung: Schwierig und sehr schmerzhaft. Maria ging es ebenfalls nicht gut, sie fühlte sich so benommen und betroffen wie unmittelbar nach Karls Tod. Was war geschehen? Was war los mit Karl? Verlieren konnte ich ihn nicht, das wusste ich aus vielen anderen Erfahrungen – aber wo war er, was erlebte er gerade jetzt oder – besser gesagt – was geschah mit ihm? Viele Fragen, doch es kamen keine Antworten.

Ich wusste aus meiner Arbeit mit Verstorbenen, dass viele von ihnen ihren eigenen Tod, ihren „Hinübergang“ nicht bewusst erlebten – dafür gab und gibt es vielerlei Gründe. Auch für Karl war es eine unbemerkte Situation gewesen, da es im Schlaf im Krankenhaus geschah. Als er „DRÜBEN aufwachte“, befand er sich bereits wieder in einem Spital, wenn auch von besonderer Art.