Zeitgenossen - Urs Scheidegger - E-Book

Zeitgenossen E-Book

Urs Scheidegger

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Beschreibung

Der Autor porträtiert herausragende Schweizer Zeitgenossen aus Politik, Sport und Fernsehen sowie Schräges aus dem schweizerischen Alltag auf seine ganz eigene Art und Weise. Manchmal tönt es positiv, manchmal unvorteilhaft. Wahrheit und Erfindung geben sich die Hand. Oft werden recherchierte Texte bewusst zu pointierten Sprüchen umgewandelt - so etwas wie Karikaturen in Worten. Den Betroffenen wurden ab und an Aussagen in den Mund gelegt, die sie selber nie geäussert haben. Ein reines Lesevergnügen für politisch orientierte Menschen und notorische Nörgler mit Humor.

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Zeitgenossen - Satire

Titel SeiteZum BuchUrsRemoHeidiRogerÄschbiProf. Dr.RodscherUeliAndyLiebes WohlfühllandLiebes FernsehlandEs regt mich auf …H.P.Wir TouristenUnd zum Schluss …Bisher erschienene Bücher von Urs Scheidegger

Der AutorJahrgang 1946. Ausbildung zum Bankkaufmann. Sechs Monate Südamerika. Drei Jahre New York City. Zehn Monate Weltreise. Über siebzig Länder besucht. Weiterbildung zum Reisefachmann und zum Erwachsenenbildner. Geschäftsführer Reisebüro und Product Manager Touroperating. IATA/UFTAA International Travel Consultant. Stv. Schulleiter Reisefachschule. Kursleiter und Dozent an Tourismusfachschule in Zürich. Schreiben, Fotografieren, Lesen, Sport und individuelles Reisen sind heute seine Leidenschaften. Seine bisher erschienenen Bücher sind auf den letzten Seiten des vorliegenden Buches aufgelistet. Vorwort Bitte nicht ernst nehmen! Der Autor porträtiert in den folgenden Seiten herausragende Schweizer Zeitgenossen und anderes Alltägliches auf seine ganz eigene Art und Weise. Es entscheidet immer der Autor, in welcher Art und Weise die beschriebene Person herausragend ist und was sie sagt. Manchmal tönt es positiv, manchmal unvorteilhaft. Wahrheit und Erfindung geben sich die Hand. Oft werden recherchierte Texte bewusst zu pointierten Sprüchen umgewandelt – so etwas wie Karikaturen in Worten. Die Betroffenen sollten es dem Autor nicht übel nehmen, wenn ihnen ab und an Aussagen in den Mund gelegt werden, die sie selber nie geäussert haben. Sie mögen dem Leser ganz einfach das Vergnügen lassen, sich über diese satirischen Schilderungen zu amüsieren, auf dass sie am Ende des Buchs die Zeit genossen haben. Vielen Dank an die Betroffenen für ihre Nachsicht.

Autor: Urs Scheidegger

Copyright:F0D3 2017 Urs Scheidegger

Umschlag und Fotos: Urs Scheidegger

Auflage 2017

Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin,www.epubli.de

Urs

Fake-News: Es war einmal ein Blocher. Es war unser Blocher, den wir im Putzschrank aufbewahrten. Mit dem blochten wir die Böden unserer Wohnung. Wir haben ihn einst in Deutschland eingekauft. Nicht etwa aktuell als allerorts verpönte Einkaufstouristen, nein, das war ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte früher und ganz legal. Egal. Erfolgreich blochte dieser Blocher in verschiedenen Unternehmen rum herum.

Seit Jahren blocht er auch noch das Parkett der Politik. Hier bei mir in der kleinen, perfekten Welt. Dieser Blocher blocht alles weg, was gut ist. Nicht alles, aber vieles. Ich verstehe nicht, dass man diesen nicht durch einen neuen ersetzt. Macht man doch normalerweise im Haushalt, dann wenn ein alter Blocher nicht mehr optimal reinigt. Dazu ist schliesslich ein Blocher da. Wie immer, in einer Familie gibt es verschiedene Meinungen, wie geputzt werden muss. Ich habe schon davon gehört, dass es Menschen gibt, die auf dem Boden knien und mit einem Tuch oder einer Bürste in den Händen schrubben, bis ihnen die Hände weh tun und die Kniescheiben brechen. Doch diese kommen nur mühsam vom Fleck. Aber eben, in der Familie, von der ich schreibe, hat man den alten Blocher noch nicht entsorgt. Im Gegenteil, man hat sich sogar zusätzlich eine junge Blocherin geholt. Was das genau sein soll, weiss ich auch nicht. Vielleicht ist sie nur zur Probe hier. Nötig ist es jedenfalls nicht. Aber diese blocht genauso aggressiv wie der alte Verbrauchte. Ja, das ist es. Aggressiv. Die Böden nehmen dabei Schaden. Jetzt blochen also zwei. Es ist nur zu hoffen, dass es in unseren Böden keine Risse oder Dellen gibt vor lauter Blocherei. Zu viel ist bekanntlich ungesund. Das befürchten übrigens auch unsere ausländischen Nachbarn, denn die schauen regelmässig durch unsere Fenster. Zum nächsten neuen Jahr wünschte ich mir, dass der alte Blocher endlich entsorgt wird. Eine Blocherin, die wir ja jetzt neu bekommen haben, reichte vollauf. Ihre Bürstenborsten sind noch voll intakt, was man nur allzugut hört, wenn sie rotieren. Und, man darf nicht vergessen, dass sie in ihrem eigenen Haus einen absolut erfolgreichen Job macht, das berichten die Zeitungen Jahr für Jahr, was unserem Schweizerhaus unter Umständen ebenfalls zugute kommen wird.

In unserem Haus gehen die Leute seit jeher ein und aus. Sie kommen von überall her. Wir sind froh um sie, denn sie helfen uns im Haushalt. Sie wirtschaften mit und für uns. Und öfter als bei unsereiner kommt Nachwuchs. Platz hat es bei uns alleweil. Nun ja, zugegeben, manchmal wird es eng in der Stube. Es gibt nicht genügend Stühle für alle. Manchmal tritt man sich auf die Füsse. Der Blocher und die Blocherin kommen da, sagen sie, kaum mehr durch. Deshalb beschliessen ein paar ihrer Familienmitglieder, man müsse das gewohnte Kommen und Gehen in der Stube verhindern oder zumindest eindämmen. Wichtig ist dies vor allem, damit denen, die seit dem Rütlischwur bei uns zuhause sind, nicht noch weiteres Gesinde von draussen und weiteres Blocherähnliches unter den Beinen hindurchsurren. Das wäre dann das Chaos. Deshalb ist es, so sagen sie, wichtig, dass nur die Originalblocher hier blochen dürfen. Obschon auch der alte Originalblocher einst eingekauft wurde. Aus dem Ausland notabene. Aber das habe ich ja bereits vorhin gesagt.

Ein ähnliches Gehabe vernehme ich von ennet dem Teich im Land der Trümpfe. Der oberste Boss – gibts bei uns zum Glück nicht in der gleichen Form – trumpft gegenwärtig mit allmächtiger Gewalt auf. «Wenn wir wieder great werden wollen,» sagt der blonde Clown, «müssen wir uns auf uns konzentrieren und nicht aufs Ausland, lange genug haben wir für die Welt um uns herum die Polizei gespielt.» Diese meine Worte sind nicht der O-Ton, stimmen aber dem Sinn nach. Und eh spielt es keine Rolle, ob ich die Wahrheit sage, sagt er nämlich auch nicht. Vielleicht hat er sogar ein wenig recht, doch als er dann beschloss, einfach so von einem Tag auf den andern, für bestimmte Volkszugehörige die Grenzen zu schliessen, da hat die Welt laut aufgeschrien. Der von dort drüben blocht genau gleich wie unser Blocher. Immer wieder überspannte Ansichten und Pläne. Vielleicht hat er uns mal inkognito besucht, um das Geheimnis der starken Putzleistung unseres Blochers herauszufinden, um drüben in seinem Tower zu einem gleichen Resultat zu kommen. Der Boss sieht übrigens aus wie eine Karrikatur. Es ist fast nicht möglich, dass einer, der so künstlich und plastikhaft aussieht wie Barbies blonder Freund Ken, allerdings mit wohlbeleibter Figur, ein lebender, trumphierender Blocher sein kann. Blocher ist übrigens ein Schweizer Ausdruck für Bohnerbürste und bedeutet in der Sprache des neuen Bosses von drüben so viel wie floor-polishing-brush. Wer weiss, möglicherweise präsentieren uns die Amis mit dem Neuen ihren ersten Roboter-Präsidenten. Denken kann er nicht selbstständig, muss er doch für jede Putzentscheidung die Gebrauchsanweisung konsultieren. Nicht er, sondern ein Spezialist konsultiert das Manual und macht am lebensnahen Trumpi-Roboter einen Input, damit dieser überhaupt reagieren und so etwas wie eine Meinung von sich geben kann. Es könnte übrigens sein, nehme ich jedenfalls an, dass auch unser Blocher ohne externe Extrahilfe zu wenig Putzkraft entwickeln kann? Spielt keine Rolle mehr, er wird nächstens eh ausser Betrieb genommen und ersetzt. Hoffe ich jedenfalls. Der Amerikaner wird aber voraussichtlich noch vier lange Jahre bleiben und von seinem Tower aus (manchmal von seiner Zweigstelle im Weissen Haus zu Washington aus) viel Altbewährtes ausputzen. Arme Bevölkerung dort drüben. Apropos arm, ja, Amerika ist auch arm im Sinn von Unperfektheit und Armseligkeit – hat der Boss selber explizit gesagt. Es gibt nicht nur die atemberaubenden Towers und die iPhones und die Tesla Model S. Als USA-Reisender hat man jedenfalls manchmal den Eindruck von Armut, wenn man übers Land fährt und verlotterte Hüttchen mit einem rostigen Pickup davor und seinen ärmlich gekleideten Bewohnern sieht, wenn man die offenen Strom- und Telefonleitungen, die Regen, Kälte, Hitze und Stürmen ausgesetzt sind, am Himmel zwischen den Häusern oder Wohnblocks baumeln sieht, wenn man mitten im Grünen entlang der Highways die zahlreichen, verwahrlosten Industriebrachen anschauen muss.

Werden Sie, Boss von drüben ennet dem Atlantik, es weiterhin zulassen, dass auf Amerikas Strassen von Privaten und Polizei legal erschossene Menschen auf den Strassen herumliegen? Ihr mit eurem kindischen Waffenkult und der unbegrenzten Polizeigewalt! Werden Ihre schwarzen Mitbürger weiterhin Menschen zweiter Klasse bleiben? Und die Lations, was ist mit ihnen? Pöbel? Armseliges Amerika! Es gibt viel zu tun, Herr Trumpf. Ich hatte Ihr Land während eines dreijährigen Aufenthalts in New York kennen und lieben gelernt und immer in allerbester Erinnerung behalten. Jetzt mit Ihren unberechenbaren Ankündigungen brechen diese allmählich ruinös zusammen. Und ich hoffte, dass Amerika wieder great again wird, wie Sie zu sagen pflegen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitbürgern jedenfalls viel Glück bei der Wahl der geeigneten Putzgeräte und -mittel.

In Ihren Stuben geht seit Ihrer Wahl zum Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt ein gewagtes Hasardspiel ab. Neue designierte Minister kommen und gehen gleich wieder. Nicht gerade das, was Sie sich gedacht haben, nicht wahr? Selbst Ihr Tweet vom 8. März 2017 «Don't let the FAKE NEWS tell you that there is big infighting in the Trump Admin. We are getting along great, and getting major things done!» tönt total unglaubwürdig. Der Job als Präsi ist wohl denkbar schwieriger, als Sie sich gedacht haben. Auf alle Fälle anstrengender als Ihre Fernseh-Reality-Show The Apprentice. Aber an der Position, die Sie nun mal erklommen haben, kann man mit Geld nicht alles kaufen oder erreichen. Zum Glück nicht. Glück werden Sie benötigen. Oder, hey, geben Sie es doch einfach auf, ich denke an Ihre Abdankung, denn dann ist die Welt automatisch wieder ein wenig in Ordnung. Die Welt müsste sich nicht mehr sorgen, dass Sie unbedacht den Knopf drücken, der Nordkorea auslöscht. Jede andere Person wäre besser als Sie. Es lebe auf ewig der echte Donald, nicht minder dumb, aber immer noch besser: Donald Duck aus Entenhausen.

Es ist einfach von ganzem Herzen zu hoffen, dass in unseren eigenen Stuben nie zugelassen wird, dass ein ähnlicher Witzbold und selbst ernannter Frauenheld so viel zu sagen haben wird. Jetzt möchte ich das Wort Remo übergeben. Remo ist mitnichten ein Frauenheld. Ein ganz klein wenig von einem Witzbold hat er allerdings schon. Er twittert zwar nicht wie der Amerikaner, der übrigens ein Abkömmling von einst aus Deutschland in die USA Eingewanderten ist wie es Remo selber ist für die Schweiz. Remo ist im Gegensatz zum Amerikaner sein eigener Regisseur und Schauspieler auf seinem eigenen Fernsehkanal.

Bitte sehr, Remo.

Remo

Mein Name ist Remo. Der Name stammt aus dem Lateinischen und ist wahrscheinlich abgeleitet von Remus, einem der Gründer der Stadt Rom. Es wäre mir lieber gewesen, der Remus hätte Marignano gegründet. Das hätte wenigstens einen Bezug zur Schweiz gehabt, da wo ich selbstverständlicherweise lebe. Ich frage mich, was sich meine Eltern bei der Wahl meines ausländischen Vornamens gedacht haben. Hansruedi, Heinz, Urs, Christoph oder Rolf hätten es auch getan. Habe ich Sie jetzt erwischt? Haben Sie tatsächlich geglaubt, dass ich Remo heisse? Stimmt selbstverständlich nicht. Verraten tue ich meinen richtigen Namen aber nicht. Aber dennoch verplaudere ich etwas über mich. Mit dem Ausland will ich nichts zu tun haben. Aufgewachsen bin ich zusammen mit ein paar Geschwistern. Ich bin verheiratet und habe drei Töchter und einen Sohn. Ich bin sehr seriös und habe noch nie einen Seitensprung gewagt, halte mich immer an mein Wort, es sei denn, man erschwere mir mein Leben durch Lügen, dann, stimmt, lüge ich auch, und nicht mal wenig. Meine Fans merken das nicht. Sie sind ein bisschen arglos, oder anders herum gesagt, sie überlegen nicht allzu viel, sie glauben einfach alles, was ich sage. Wenn ich etwas sage, dann gilt es, daran zu glauben und Wort zu halten, an mich zu glauben, auch wenn mir schon ab und zu von Abtrünnigen und Pseudoschweizern vorgeworfen wurde, ich schwafle im Zickzack von utopischen Ideen.

Menschen sind mir grundsätzlich wichtig. Ich habe gerne andere Menschen um mich herum, vor allem dann, wenn sie denken wie ich, beziehungsweise mein Gedankengut übernehmen. Ich bin kein Rassist, beileibe nicht, schliesslich stammt meine ursprüngliche Familie aus Germanien. Es ist also nicht möglich, dass ich mich fremdenfeindlich geben kann, sonst würde ich ja irgendwie gegen mich selbst sein. Wenn ich aber bemerke, dass ich mich in unserer Stube kaum mehr bewegen kann, dann muss ich handeln, das heisst, dass dann die Schweiz handeln muss. Es geht nicht nur um meine Stube. Viele meiner Weggefährten haben eine volle Stube und befürchten, sich darin bald nicht mehr frei bewegen zu können. Immer mehr Leute klingeln an der Haustür und bitten um Einlass. Das geht nun schon seit Jahren so zu und her. Schicke ich sie dann weg, sind sie just wieder an der Hintertür da. Also musste ich etwas dagegen unternehmen. Ich sagte der Schweiz, dass jetzt Schluss sei. Und die Schweiz gehorchte.