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Dieses Buch entstand nach einer Idee von G.F. Sporis, einem Freund des Autors. Es ist eine genüssliche Reise nach Agadir in Marokko. Die Hauptfigur ist ein junger Mann von gerademal zwanzig Jahren, der ein paar Tage Ferien geniessen möchte und gleichzeitig einen Auftrag zu erfüllen hat. Ein Mann im Glück. Er lernt nicht nur den Süden von Marokko, die unvergleichlich bezaubernde Natur, seine Menschen und Sitten kennen, sondern auch sinnesfreudige Frauen. Eine unerwartete Lebenserfahrung mit ihren schönen und weniger angenehmen Seiten.
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Seitenzahl: 106
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Agadir
Begehrt von allen Frauen
Roman von Urs Scheidegger
Nach einer Idee von G.F. Sporis
Der Autor
Jahrgang 1946. Ausbildung zum Bankkaufmann. Sechs Monate Südamerika. Drei Jahre New York City. Zehn Monate Weltreise. Über siebzig Länder besucht. Weiterbildung zum Reisefachmann und zum Erwachsenenbildner. Geschäftsführer Reisebüro und Product Manager Touroperating. IATA/UFTAA International Travel Consultant. Stv. Schulleiter Reisefachschule. Kursleiter und Dozent an Tourismusfachschule in Zürich. Schreiben, Fotografieren, Lesen, Sport und individuelles Reisen sind heute seine Leidenschaften. Seine bisher erschienenen Bücher sind auf den letzten Seiten des vorliegenden Buches aufgelistet.
Ein Land, das ihm besonders am Herzen liegt, ist Marokko – sinnlich, exotisch, überraschend, kulturell und landschaftlich einzigartig.
Vorwort
Als ich wieder einmal mit dem Aarauer Schriftsteller Urs Scheidegger beim Bier sass, kam die Idee auf, ihm eines meiner vielen Erlebnisse zur Niederschreibung zu überlassen: «Du verstehst zu schreiben, ich habe die Geschichte.»
Die folgende Begebenheit spielt in den späten 70er Jahren, zu einer Zeit also, als die Europäer noch nicht besonders reisegewohnt und Reisebüros die wichtigste Anlaufstelle für Informationen und Buchungen waren. Ich war damals noch jung, gut aussehend und unerfahren. Dann reiste ich nach Marokko. Was dort geschah, schildert die vorliegende Erzählung.
In der Zwischenzeit mag sich vieles geändert haben: Vor allem ging die Bedeutung der Reisebüros zurück, denn als Informations- und Buchungsstelle dient heute mehrheitlich das elektronische Netz. Die Reisen wurden günstiger und sind zum Massenprodukt geworden. Und Marokko wandelte sich zu einem modernen Staat, in dem sich einiges zu damals verändert hat. Geblieben sind jedoch die wunderbaren Landschaften, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, aber auch deren Frauenbild. In dieser Beziehung ist dieses Buch ganz und gar aktuell.
Alles an der folgenden Handlung ist wahr, nur hat es sich nicht immer genau so abgespielt, wie es der Autor beschreibt, was jedoch der Freiheit des Schriftstellers gezollt sein darf.
Lassen Sie sich mit diesem Roman auf eine Reise nach Agadir entführen, in eine Zeit, als ein Trip nach Nordafrika exklusiv, exotisch, abenteuerlich und weniger gefährlich war als heute.
Für Sie als Leserin und Leser mag dieses Buch auch ein spannender, geniesserischer, vielleicht kritischer, trauriger oder neidvoller Blick zurück in die Jahre sein, als Sie selber zwanzig waren.
Viel Spass bei der Lektüre wünscht Ihnen
G.F. Sporis
Die Namen der Personen in diesem Buch sind frei erfunden. Weil der Roman auf einer wahren Lebensgeschichte basiert, sind Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Menschen zwar vorstellbar, aber dennoch rein zufällig und nicht unbedingt gewollt.
Autor: Urs Scheidegger
Copyright: F0D3 2016 Urs Scheidegger
Umschlag: Urs Scheidegger
Auflage 2016
Druck und Verlag: epubli GmbH, Berlin,www.epubli.de
Wir schreiben das Jahr 1976 im Juli. Gherardo war gerade mal etwas über zwanzig Jahre alt und hatte im Frühling vor einem Jahr seine Reisebürolehre beim bekannten Reiseveranstalter Quoni in Zürich mit Auszeichnung abgeschlossen. Er war begabt, engagiert und entsprechend beliebt bei den Mitarbeitenden wie auch bei allen Chefs, dem übergeordneten, dem noch etwas höher platzierten, beim zweitobersten und auch beim CEO, dem obersten, den man damals Direktor nannte. Das Einzige, was sie ihm hätten ankreiden können, war seine lässige Bekleidung. Wenn er Dienst am Schalter hatte, musste er nämlich eine Krawatte tragen, was er auch tat, nur eben lässig-nachlässig gebunden bei offenem Hemdkragen. Und wurde es ihm zu warm, zog er seinen Tschopen aus und arbeitete im blossen, schlecht gebügelten Hemd, was nicht ganz zu den Ansprüchen des besten Reiseveranstalters des Landes passte.
Anlässlich seines Berufserfolgs hatte ihm die Firma eine Gratisreise offeriert, die er selber auswählen durfte. Jetzt war es an der Zeit, das Geschenk einzulösen. Bis dahin hatte er bereits jedes Jahr eine Gelegentheit gehabt, während einer für ihn kostenlosen Studienreise Feriendestinationen von Quoni kennenzulernen. Es waren dies Mallorca, Gran Canaria, Kos und Nizza. Bei solchen Reisen war man nie allein, war stets von einer aufpassenden Reiseleiterin begleitet, folgte einem vorgegebenen Programm und musste viele, in der Meinung der Teilnehmenden viel zu viele Hotelbesichtigungen über sich ergehen lassen. Natürlich kam das Vergnügen auch nicht zu kurz, doch richtige Ferien waren es denn auch wieder nicht. Lästig war dann noch, dass man bei Rückkehr dem Sponsor einen schriftlichen Rapport abliefern musste.
Quoni hatte gerade für dieses Jahr die Destination Agadir in Marokko mit einem eigenen Charterflug ins Programm aufgenommen. Geflogen wurde mit einer modernen DC-9 der Balair, Flugnummer BB 132. Nur schon der Name Marokko verströmte einen Hauch von orientalischer Atmosphäre. In Afrika war Gherardo noch nie. Und die farbigen Bilder im Quoni-Badeferienkatalog gefielen ihm ausnehmend. Das reizte ihn und so beantragte er bei der zuständigen Stelle gleich zwei Wochen Agadir. Er hatte insofern Glück, als dass während der diesjährigen Sommersaison der Marokko-Flug als einziger nicht ausgebucht war. Doch er hatte nur eine Gratiswoche zugut. Also, sagte sein direkter Vorgesetzter, der Flug und das Hotel würden ihm wie versprochen offeriert, doch er müsse, wenn er zwei Wochen bleiben wolle, für die Firma einen speziellen Auftrag übernehmen. Warum denn nicht, sagte er sich, der zu erledigende Job werde wohl nicht besonders schwierig sein. Seine Selbsteinschätzung war vor allem nach seinem erfolgreichen Lehrabschluss gross. Auch hatte er im dritten Lehrjahr bereits selber Erfahrung in der Betreuung einer Reisegruppe gesammelt, als er zusammen mit einer Reiseleiterin eine Studienreise, jene nach Nizza, als Assistent begleiten durfte.
Gherardo wurde informiert, dass seit der Lancierung der neuen Charterkette nach Agadir im vergangenen Mai beim Kundendienst unzählige und unerwartete Reklamationen von Kunden eingetroffen waren, was für einen renommierten Reiseveranstalter wie Quoni negative Folgen haben konnte, vor allem dann, wenn die Presse davon Wind bekommen sollte, wovon über kurz oder lang ausgegangen werden musste. Man wusste nur zu gut von früher und auch von andern Veranstaltern, wie schnell ein Unternehmen in der Öffentlichkeit ins schiefe Licht geraten konnte, wenn sich Kunden mit ihren Bemängelungen an die Presse oder gar die Konsumentenzeitschrift ‹Beobachter› wendeten. Gherardo war der Auserwählte, der zumindest in einem ersten Schritt den Sachverhalt vor Ort untersuchen sollte. Bei den Beanstandungen handelte es sich zum Beispiel darum, zu prüfen, ob die Qualität der Hotels mit den im Badeferienkatalog ausgeschriebenen Eigenschaften übereinstimmte. Ob das Hotelpersonal den Ansprüchen der Schweizer Gäste entsprach. Wie es sich mit der Sauberkeit verhielt. Oder ob es zutraf, dass die stationäre Reiseleiterin tatsächlich immer wieder zu spät oder gar nicht zu den angekündigten Informationsveranstaltungen für die neu angekommenen Gäste sowie die wöchentlichen Hotelbesuche erschien. Da gab es auch Hinweise darauf, dass von den Gästen bereits gebuchte Busausflüge ins Landesinnere tatsächlich kurzfristig annulliert worden waren. Ein anderer Fall eines Kunden betraf die Anbiederung männlichen Hotelpersonals gegenüber Frauen. Ein Gast hatte sich darüber beschwert, dass er in einem der Souks übers Ohr gehauen worden sei. Den dort erstandenen Teppich hätte er, so ein Vergleich mit identischer Ware in der Schweiz bei Möbel Pfister, günstiger kaufen können. Er hätte sich voll auf die Empfehlung der Hostess verlassen und also angenommen, dass er auf alle Fälle einen guten Deal machen würde. Eine Familie beklagte die desolate Wasserqualität im Hotelpool, was ihnen vor allem wegen der Kinder Sorgen bereitet habe, sodass sie ihnen verbieten mussten, sich dort aufzuhalten, was wiederum dazu führte, dass ein Familienknatsch unvermeidbar war.
Es ist selbstredend, dass man nicht allen reklamierten Vorkommnissen Glauben schenken konnte. Gherardo wurde auf alle Fälle geraten, sehr subtil vorzugehen vis-à-vis den Leistungsträgern – Incoming-Agentur, Hotels, Mietwagenfirmen, Busunternehmen usw. –, mit denen Quoni vertraglich zusammenarbeitete. Quoni-Gäste sollte er nach ihren Empfinden befragen und sich gegebenenfalls an die Reiseleitung wenden, damit diese bei berechtigten Beanstandungen für Abhilfe sorgen konnte. In einem schriftlichen Rapport an seinen Arbeitgeber musste er alle gemachten Ermittlungen unter Angabe von Datum, Uhrzeit, Namen usw. auflisten. In dringenden Fällen, die nicht vor Ort gelöst werden konnten, sollte er telefonisch Kontakt mit dem Kundenservice in Zürich aufnehmen.
Er sagte sich, ganz für sich, er werde tun, was er könne, aber nicht zu viel, denn er wolle in erster Linie Ferien machen und sich amüsieren.
Gherardo hiess gemäss Geburtsurkunde Gerhard und seine Eltern nannten ihn kurz Gerd. Seine Familie stammte ursprünglich aus Bozen im Südtirol, wo er auch geboren wurde. Sie wanderten aus beruflichen Gründen aus in die Schweiz nach Winterthur, wo sein Vater, Ingenieur von Beruf, bei Sulzer arbeitete. Schon bei seiner Geburt lagen sein Gewicht und seine Körperlänge weit über dem Durchschnitt. Als Erwachsener dann mass er stattliche 195 cm, war schlank, hatte krauses, luftiges Haar, das flüchtig betrachtet einen ungekämmten Eindruck hinterliess. Leicht verwegen sah er aus, wenn er sich an seinen arbeitsfreien Tagen nicht rasierte, was eigentlich immer vorkam. Er glich weder einem Adonis noch einem hässlichen Mannsbild, halt so etwas zwischendurch. Seine Gesichtszüge waren markant und seine Augen stets wachsam, was ihm einen Hauch von Abenteurer verlieh. Gegenüber seinen Mitmenschen, Freunden und Arbeitskollegen war er ein bisschen zurückhaltend, überlegte, bevor er sprach oder zu handeln begann. Er war in fast allem, was er tat, gewissenhaft und demzufolge äusserst gründlich. Und wenn er sprach, dann tat er dies auch mit seinen Armen und Händen, mit denen er zur Betonung seiner Worte in der Gegend herumfuchtelte. Da fiel schon mal ein Glas vom Tisch, wenn er mit Freunden am Stammtisch sass und diskutierte. Gherardo konnte auch dickköpfig sein, vor allem dann, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dem aber nicht entsprochen wurde. Er verfiel jedenfalls nicht in den Fehler, bei jedem Andersdenkenden entweder an seinem Verstand oder an seinem guten Willen zu zweifeln. Er besass die Begabung und Bereitschaft, Gedanken und Emotionen einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. In allen Lebenslagen zeichnete er sich aus durch Kreativität und fantasievolles Denken. Und genau diese Eigenschaften förderten auch seine beruflichen Fähigkeiten, die Wünsche der Kunden präzise herauszufinden und diese von einem passenden und überraschenden Angebot zu überzeugen, egal ob persönlich im Reisebüro oder am Telefon, egal ob es um eine Pauschalreise oder eine nach Kundenwunsch individuell zusammengestellte Reise oder auch nur um eine einzelne Reiseleistung ging. Er argumentierte derart wohlgezielt, dass seine Klientel leicht für ein teureres Angebot zu gewinnen war. Etwas teurer zwar, dafür besserer, persönlicherer Service, exklusiveres Hotel und traumhaftes Zimmer, renommierte Fluggesellschaft und optimaler Sitzplatz, mehr Ferienvergnügen – so seine überzeugenden Argumente. Diese besondere Begabung wiederum bescherte seinem Arbeitgeber höhere Umsätze und entsprechend mehr Verdienst. Seine Erfolgsquote lag über dem Durchschnitt der anderen Reiseberater.
Am 31. Juli 1976 hob die McDonnell Douglas DC 9 der Balair mit der Flugnummer BB132 exakt um 22.50 Uhr in Kloten ab. Gherardo sass genüsslich in seinem Sitz am Fenster und blätterte im Ferienkatalog. Er las nochmals die Beschreibung des Dreisternehotels Al Salam, das er für sich ausgewählt hatte. Es lag zwar ein paar hundert Meter vom Strand entfernt, war jedoch kein unpersönlicher Riesenkasten, günstig im Preis und verfügte über einen grossen Swimmingpool und einen hübschen Garten. Er hätte natürlich ein teures Erstklasshotel direkt am Strand buchen können, nur hätte er in dem Fall den Aufpreis aus dem eigenen Sack bezahlen müssen, was überhaupt nicht in sein Budget passte. Er freute sich ungemein, auch wenn er insgeheim bereute, nicht mit seiner Freundin reisen zu können. Sie hatte nicht frei nehmen dürfen. Andererseits sagte er sich, so bin ich frei, kann tun und lassen, was ich will, und wer weiss, vielleicht lerne ich sogar eine hübsche Badenixe kennen.
Mit dem mitgebrachten Merian Reiseführer wollte er sich gerade auf Marokko einstimmen, als er in seinem Vorhaben unterbrochen wurde. Neben ihm in der Dreierreihe sass nämlich ein älteres Ehepaar, in seinen Augen bereits pensioniert, das sich wunderte, dass er alleine reiste, das sei doch langweilig. Er brauchte nicht zu antworten, denn die Frau wartete seine Reaktion erst gar nicht ab und fuhr mit der Fragerei fort. Ob er vielleicht Bekannte in Agadir hätte? Sie wollte auch wissen, ob er schon mal in Marokko gewesen sei. Er verneinte. Für sie sei es ebenfalls das erste Mal. Es folgte eine Aufzählung all der Destinationen, die sie in ihrem Leben bisher schon besucht hatten: Mallorca sechs Mal, Gran Canaria zwei Mal, ein Mal Kreta, mit den Kindern mit dem Auto in Rimini, einmal mit dem Car auf der Insel Elba, aber auch das Tessin sei einige Male ihr Ferienziel gewesen. Marokko, ein muslimisches Land, sei für sie ganz speziell. Sie hätten sich anhand des Reiseführers gut darauf vorbereitet. Aber ein wenig würden sie sich schon unsicher fühlen vor dem, das da kommen werde. Ob er wisse, wie sich die Einheimischen den Touristen gegenüber benehmen würden. Gherardo überlegte sich bei dieser Frage, ob es nicht wichtiger wäre zu wissen, wie sich die Touristen den Einheimischen gegenüber zu verhalten haben. Dann interessierte es sie, in welchem Hotel er absteigen würde. Sie zeigten ihm den Hotelprospekt ihrer Unterkunft; ein Fünfsternehotel direkt am Strand. Ob er durchs Fenster hindurch Lichter unten auf der Erde sehen würde. Langsam aber sicher regte er sich über die ewige Fragerei auf. Anständig wie er war, antwortete er dennoch höflich auf ihre Fragen. Es wäre ihm wahrlich lieber gewesen, zwei hübsche, junge Frauen hätten neben ihm Platz genommen.
«Sie sind ein netter, junger Mann», sagte die Frau noch, «einen wie Sie hätte meine Tochter verdient, nicht so einen Secondo aus Italien, so nennt man sie doch, den sie sich geangelt hat. Nein, das wird mit den beiden nicht gut gehen, nicht wahr, Max?»
Ups, dachte Gherardo, ich bin doch auch ein Secondo. Nach dem von den stets lächelnden Stewardessen servierten Snack, einem Bier, einem Tee und einem Cointreau drehte er sich vom Ehepaar weg zum Fenster hin und lullte beim regelmässigen Brummen der Triebwerke ein. Endlich Ruhe vor diesen Nervensägen.
