Zum (Über)Leben geboren - Ela Beater - E-Book

Zum (Über)Leben geboren E-Book

Ela Beater

5,0

Beschreibung

Das Buch "Zum (Über)Leben geboren!" beschreibt die Entwicklung von zwei älteren, schwer vermittelbaren Adoptivkindern, die bereits einige Handikaps mit sich herumtragen müssen. Die Ereignisse sind in den siebziger und achtziger Jahren in den alten Bundesländern geschehen. Neben der positiven Entwicklung wurde versucht, die gesellschaftlichen Vorbehalte gegenüber den Kindern aufzuzeigen. Ebenso werden die Hilflosigkeit und Grenzen der Adoptiveltern im Umgang mit den Schwierigkeiten einer sich anbahnenden schwerwiegenden psychischen Erkrankung eines der Kinder dem Laien nachvollziehbar dargestellt. Ela Beater wendet sich in liebevoller Weise direkt an ihre Kinder, versucht ihnen anhand vieler Begebenheiten ihre Entwicklung aufzuzeigen und aus ihrer heutigen Sicht als Psychologin in einfacher Sprache hilfreiche Erklärungen für ihr Verhalten anzubieten. Entspannend wirken auf den Leser die Einschübe aus dem Leben der Autorin in der Einsamkeit der Wälder Schwedens, während dessen das Buch im Winter 2010/2011 entstanden ist.

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Seitenzahl: 488

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Die Autorin

Ela Beater, Jahrgang 1943, geb. in Allenstein/Ostpreußen, wurde nach der Schullaufbahn zunächst Kindergärtnerin, adoptierte gemeinsam mit ihrem Ehemann Dietmar 1974 und 1976 zwei ältere Kinder mit einigen Entwicklungsverzögerungen und Handikaps.

Sie begleiteten sie neben zwei weiteren leiblichen Kindern, die später geboren wurden, bis zu ihrem Erwachsenwerden in die heutige Zeit.

1993 begann Ela Beater in Göttingen ihr Psychologiestudium, das sie im Jahre 2001 abschloss. Bis zu ihrem Ruhestand im Jahre 2010 arbeitete sie in der Heimerziehung als Kinderpsychologin.

Danach fand sie Zeit, ihre Erinnerungen an diese herausfordernde Zeit der Entwicklung der Adoptivkinder niederzuschreiben.

Namen und Ortschaften sind zum Schutz der handelnden Personen frei erfunden.

Jede Ähnlichkeit mit realen Personen oder Ortsnamen ist rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt.

Für meine vier Kinder

Insbesondere für

Erika Sabine

und

Paul

Vorwort

In den Wäldern Schwedens, in zurückgezogener Einsamkeit, habe ich im Winter 2010/2011 diese Zeilen mit Hilfe ein paar alter Notizen geschrieben, immer in der Hoffung, dass die Erinnerungen wieder wach werden und die Gefühle sich regen, damit die richtigen Worte gefunden werden, diese aufregende Zeit wieder aufleben zu lassen.

Neben der Freude mit und an Euch war nicht immer „alles gut“, wie man heute sagt. Damals stand Verzweiflung sehr häufig im Vordergrund.

Dennoch, „An Eure Stärken zu glauben, hat sich gelohnt!“, kann ich heute sagen. Auf dem langen Weg zur Erfüllung, war das nicht immer zu erkennen.

Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich ein Wort von Hermann Hesse voranstellen.

„Verzweiflung schickt uns Gott nicht, um uns zu töten, er schickt sie uns, um neues Leben in uns zu wecken.“

Und wie dieses neue Leben ganz allmählich entstand, das ist mein Anliegen,

Inhaltsverzeichnis

1966–1975

Kinderwunsch und Bürokratie

1975

Erika Sabine, wo bis Du gelandet?

Erste Eingewöhnungszeit und frühe Kindheit als Puzzlespiel

1976

Kindergarten, weitere Puzzleteile, Transitreisen und fachliche Irrwege,

Umzug nach Husthausen, ein kleiner Bruder Paul und wieder eine Eingewöhnungszeit

1977

Nachtgespenster und Schlafrituale, Verbündete, Sauberwerden, Salzsäure, knappe Finanzen, Schulkindergarten und Nachbarskinder, Kindergarten und Vertrauensaufbau

1978

Endgültige Adoption, eine Hochzeit und Babys

1979

Kindergeschichten, Christian, ein Lampenschwelbrand, Erziehungsberatung und erste Hilfsangebote

1980

Ritalin, Einschulungsuntersuchung, Besuch in Berlin, Lehrerwechsel, intakte Dorfgemeinschaft, Suche nach Gesprächspartnern, wieder Erziehungsberatung und mehr als nur Angstträume

1981

„Mama, schließ ab!“, Hirnleistungsschwäche, das vierte Kind: Markus, Matthias aus der Nachbarschaft, „Mama, Du musst ihn lieb haben!

1982

Kraft durch Kinder, zwei Schulwechsel und unerwarteter Besuch steht vor der Tür

1983

Peldau und eine Operation, Freunde, Sammelticks und immer wieder Geldprobleme, Gedanken zu: „Wenn es keine Realität gäbe…“

1984

Polenreise, Identitätsprobleme und viele offene Fragen

1985

Konfirmation, Großmutti, Hyperaktivität, Zahnspange, Dermatomyositis, schöne Geschichten, Urlaub im Haus Silberbach und wieder Schulwechsel

1986

Kinderheimat in Naos, „Ein neues Kapitel für mein Buch!“, die letzten Monate mit Großmutti, die besondere Gabe „Gedankenübertragung“ und Abgrenzung

1987

Lichtblicke und auf der Suche nach der leiblichen Verwandtschaft

1988

Viel Freude an einer guten Weiterentwicklung, Führerschein und Pflegevorschule, Katzen und Kaninchen

1989

Schonzeit, Lernen macht Spaß und Fragen „Wer bin ich und wo gehöre ich hin?“

1990

Ein schöner Sommer, wieder eine Kontaktaufnahme mit leiblichen Eltern, ein neuer Bruder und eine neue Tante?

1991

Beginn eines selbständigen Lebens, Tobias, Umarmung aus Liebe?, negative Veränderungen, Silberhochzeit, Angeltour, Volljährigkeit und erste Selbstverletzungen, Kritik und ein Luxusweibchen

1992

Suche nach neuen Wegen, kein Vertrauen, immer wieder Weglaufen, erster Förderlehrgang, Versteck im Oldtimer, erste Anzeichen einer juvenilen Psychose, keine Betreuung und Belästigungen

1993

Tischlerei Ackerdorn, Fahrschule, Geld, Spielsucht und Gaunereien, ein weiterer Besuch bei Meißners in Berlin, Wechselbäder der Gefühle und der Förderlehrgang in Stolpe

1994

Karstadt, weitere Enttäuschungen, eine junge Frau wird schlank, Bernsberg, Krankheit und immer wieder Krankheit

1995

Tablettensucht?, Psychiatrie Waberstein und Radeborn, Christian fliegt nach Amerika und in Schweden wird ein Haus gekauft

1996

Betreutes Wohnen, Mani, eine Eigentumswohnung und der Tod von unserem Opa

1997 bis heute

Erika Sabine

1997 bis heute

Paul

Ein Nachwort an meine Kinder

Erika Sabine, Paul, Christian und Markus

Danksagung

Nachwort der Autorin

im Jahre 2014

20. Oktober 2010

Behagliche Wärme strömt aus dem Kaminofen, draußen regnet es, der Schnee letzter Woche ist weggetaut. Ein trauriger Schneemann steht ausgedünnt wie eine vergessene Marmorfigur im Garten. Die Laubbäume sind inzwischen kahl, die Fichten treten nun groß und mächtig hervor. Mein lang gehegter Wunsch, über Eure Adoptionen und unser Leben miteinander zu schreiben, geht in Erfüllung. Hier finde ich Ruhe, immer mit einem Blick in die Natur.

Bei der Durchsicht meiner Unterlagen stelle ich fest, dass ich 1978 schon einmal begonnen habe, zu schreiben, zu schreiben an Euch, Sabine und Paul. Ihr ward damals sieben und fünf Jahre alt, und ich hatte zu der Zeit vor, alle Ungerechtigkeiten, die Ihr auf dieser Welt bereits erfahren hattet, aufzuschreiben.

Leider habe ich nur einen kleinen Anfang gefunden und aus der nachfolgenden Zeit gibt es noch ein paar Tagebuchnotizen.

Alles andere muss ich aus der Erinnerung holen. Einige Briefkopien an Frau Heider (Adoptionsvermittlung), und an andere liebe Menschen, mit denen ich damals in Kontakt stand, Menschen, die Ähnliches unternommen hatten, wie wir es getan haben, habe ich noch gefunden.

Damals schrieb ich schon, es sei so unheimlich viel, was ich mit Euch in den wenigen Jahren erlebt habe.

In Euch werden sich tausend Fragen regen, über Eure Herkunft, über das „Warum“! „Warum ist das alles so passiert?“ „Warum verhalten sich die Leute so?“ „Warum bin ich so?“

Die Warum-Fragen lassen sich im Laufe der Jahre leichter klären, würde ich heute sagen, obwohl Vieles unerklärt bleibt. Das Ungeklärte gehört zu Euch und auch zu uns, so wie Ihr zu uns gehört. Ihr müsst damit leben. Wir müssen damit leben. Aus heutiger Sicht drängen sich zusätzliche Fragen auf: „Wer bin ich, Sabine?“, „Wer bin ich, Paul?“ und „Wer seid Ihr, meine Eltern und Geschwister?“ Waren diese Themen nicht Eure Lebensfragen?

Ich hoffe sehr, Euch mit dieser Niederschrift eine Lebenshilfe geben zu können, wenigstens einen Teil Eurer Lebensfragen beantworten zu können, damit - wie ich damals schrieb -:

„… Ihr selbstbewusst und sicher durchs Leben gehen könnt.“

Fange ich also an mit einigen Zeilen aus dem Jahre 1978.

1966–1975

Kinderwunsch und Bürokratie

Ein Kinderwunsch war bei uns, Euren Adoptiveltern Dietmar und Ela immer vorhanden. Aber es klappte nicht so, wie wir uns das vorstellten. Alles, was damals, Ende der 60iger Jahre medizinisch möglich war, unternahmen wir, um diesen Zustand zu ändern.

Ich litt unter dieser Ungerechtigkeit auf der Welt. Selbst arbeitete ich in einem Kindergarten in Berlin Schöneberg mit Kindern, die nicht erwünscht waren. Die „Pille“ war noch nicht lange auf dem Markt. So konnten die Frauen noch nicht selbst bestimmen, wann sie ein Kind haben wollten und wann nicht. Häufig erfuhren diese unerwünschten Kinder - vermutlich aufgrund Überforderungen ihrer Eltern - viel Ablehnung im häuslichen Bereich. Das bewirkte aus meiner damaligen Sicht Entwicklungsrückstände, Verschlossenheit und Misstrauen gegenüber anderen Menschen. Häufig schien es mir, dass anlagemäßig alle Voraussetzungen für eine gute Entwicklung bei den Kindern vorhanden waren. Vor allen Dingen ein Aufnahmevermögen für das, was wir Kindergärtnerinnen diesen Kindern bieten konnten.

Ich dachte damals an Harald, Marina, Gerd, Simone, Martina und viele andere aus meiner damaligen Gruppe. Diesen Kindern – oft zurückhaltend und ängstlich – galt schon immer mein besonderes Interesse. Ich glaubte, durch viel Lob und Liebe, Anerkennung und Akzeptanz ihres Andersseins könne man ihre verschütteten Anlagen wecken. Manchmal dachte ich, sie in ihrer Entwicklung ein Stück vorwärts gebracht zu haben, durch Zuwendung und Anerkennung ihrer Leistung. Ich war der Meinung, ich kriege es raus, was in ihnen steckt, jedes Kind hat eine gute Veranlagung!

Dann erschien abends deren eigene Mutter, um sie abzuholen, und wie aus heiterem Himmel bekamen die Kinder wegen Belanglosigkeiten Schimpfe oder Ohrfeigen, spürten erneut die Ablehnung, hatten vielleicht vorher gehofft, sie seien nun endlich etwas wert, auch in den Augen ihrer Mutter, wollten ihr nun imponieren, doch die Mutter ließ es nicht zu. Ich hatte damals das Gefühl, diese Mütter würden ihre Kinder hassen, sie seien ihnen eine Last und mit dieser Einstellung würden sie die Seele ihrer Kinder zerstören.

So etwas passierte am laufenden Band. Es gab viel mehr ungewünschte Kinder auf der Welt, als heute. Diese Kinder mussten leben, überleben!

Wie glücklich war ich einmal, als ich ein Mädchen über ein Wochenende mit nach Hause nehmen durfte, weil die Mutter eine wichtige Angelegenheit weit außerhalb Berlins erledigen musste und das Kind nicht mitnehmen konnte. Am liebsten hätte ich dieses Mädchen behalten.

Wir wollten Kinder und bekamen keine. Jeden Monat war ich voller Hoffnung, dann aber wieder enttäuscht. Dieser Zwiespalt war zeitweise nicht auszuhalten. Außerdem trug ich die Sorgen der von mir betreuten Kinder mit nach Hause und konnte dort nicht abschalten, um mich für den nächsten Tag zu erholen.

Um mit meinem eigenen Problem fertig zu werden, versuchte ich etwas anderes zu machen. Mein sehnlichster Wunsch war es schon lange, Psychologie zu studieren, aber ich hatte kein Abitur. An der FU Berlin gab es die Möglichkeit, mit „kleiner Matrikel“ anzufangen und das Abitur im Abendstudium - so ganz nebenbei? - nachzuholen. Ich schrieb mich also für Pädagogik und Psychologie ein und besuchte einige Veranstaltungen, sah aber nach kurzer Zeit ein, dass es so keinen Sinn für mich machte. Erstens hatten wir das Jahr 1968 mit all seinen studentischen Unruhen. Das hieß, dass auch im Bereich Psychologie einiges ausfiel und ich keine Orientierung fand, wie ich mein Studium gestalten sollte.

Bald merkte ich auch, dass mir eine erhebliche Allgemeinbildung fehlte, um dem dargebotenen Lehrstoff einigermaßen folgen zu können. Außerdem hatte ich keine Lust, abends noch für die Schule zu büffeln, gerade die Fächer, die mir in der Schule schon keinen Spaß gemacht hatten, z. B. Französisch.

Meine eigenen Minderwertigkeitsgefühle gaben mir Anlass zu der Befürchtung, dass es den anderen auffallen könnte, dass mir doch so Einiges an Vorbildung fehlte. Und Geld hatten wir eigentlich auch keins für ein Studium. Innerlich suchte ich deshalb schon nach etwas anderem.

In dieser Zeit warb das Arbeitsamt Berlin im Radio um Hausfrauen, die wieder beruflich tätig werden wollten, aber nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten konnten. Das Arbeitsamt bot an, diese Frauen umzuschulen zu Stenokontoristinnen, und diese Umschulung auch noch zu bezahlen! Da habe ich mich beworben und wurde zum 1. 10. 1969 in einen Lehrgang aufgenommen. Der Kursus lief bis Ende Mai 1970. In den neun Monaten beobachtete ich an mir, dass neues Lernen Spaß machte, ich brachte gute Zensuren und bekam außerdem für die Umschulung Geld, mit dem unser gemeinsamer Lebensunterhalt wieder für einige Monate gesichert war.

Danach suchte ich mir eine Tätigkeit und fand diese in der Verwaltung des Ev. Jugend- und Fürsorgewerkes e. V., einem Trägerverein von Kinderheimen in Berlin und außerhalb. Die Arbeit machte mir sehr viel Freude, und ich bekam gute Kontakte zu den übrigen Mitarbeitern, deren Mitarbeitervertreter (Betriebsrat) ich später wurde. Nach einem Jahr, in dem ich büroübliche Zuarbeit für unseren Architekten und unseren Einkäufer ausführte, bekam ich die Stelle des Einkäufers und Hausverwalters unserer Heime (7 große Kinderheime in Berlin). Es war eine verantwortungsvolle, innerlich befriedigende Aufgabe. Tagsüber hatte ich Kontakte mit Menschen und meine kleinen Erfolgserlebnisse, und abends konnte ich abschalten, da es keine Probleme gab, die es wert waren, mit nach Hause genommen zu werden. Das genossen wir beide, Dietmar und ich.

Nun näherte ich mich so langsam den Dreißigern, und wir überlegten erneut, ob wir noch etwas unternehmen sollten, um eigene Kinder zu bekommen. Adoptionen waren schon in unsere Gedanken eingeschlossen, aber ehe wir uns ganz dazu entschließen konnten, wollten wir sicher gehen, dass wir wirklich keine eigenen Kinder bekommen konnten und besuchten die Sterilitätssprechstunde des Klinikums der FU Berlin in Steglitz. Die Leute dort machten nun wieder einige Untersuchungen und wegen einiger Unterbrechungen unsererseits (Kur von mir und Hausbau in Husthausen) wurden diese Untersuchungen erst Ende 1974 abgeschlossen. Ergebnis: „Sie gehören zu den 10 % der Paare, bei denen wir den Grund für die nicht eintretende Schwangerschaft nicht aufklären können.“ Das war in dem Moment eine große Enttäuschung für uns. Wieder keine klare Antwort.

Wir baten trotzdem um eine Bescheinigung, darüber, dass vermutlich kein eigenes Kind mehr zu erwarten sei, um sie einer Adoptionsvermittlungsstelle einreichen zu können. Wir bekamen sie.

Mit einem Jahr Wartezeit auf ein Adoptivkind musste man rechnen. Wir bewarben uns zunächst telefonisch beim Diakonischen Werk, dort bei Frau Heider. Sie schickte uns einige Fragebögen zu unseren Wünschen und Zielen und zu unserem eigenen Werdegang und bat uns, uns um eine vorläufige Pflegehalteerlaubnis zu kümmern. Weiterhin benötigten wir Passbilder, Lebenslauf, Referenzen und ein Gesundheitszeugnis.

Was waren unsere Ziele? Kinder zu begleiten auf dem Weg in ein selbständiges Leben, ihnen Hilfestellungen zu geben, da, wo sie diese brauchten, um irgendwo ein eigenes Plätzchen in der Welt zu finden, wo sie sich wohl fühlten und ihr Leben selbst gestalten konnten.

Und natürlich stellten wir uns als eine fröhliche Familie vor, mit Spaß und vielen Unternehmungen, die wir tätigen würden.

Wegen der vorläufigen Pflegehalteerlaubnis rief ich bei unserem zuständigen Bezirksamt an. Dort verwies man uns an den Senator für Jugend und Sport. Zwei Monate später bekamen wir einen Termin.

Nach einer Stunde Wartezeit nahm sich die zuständige Dame Zeit für ein Gespräch mit uns. Wir bekamen einen Merkzettel, auf dem Adoptionsmotive aufgeführt waren, die nicht zu einer „Annahme an Kindes statt“ führen sollten, also eine Negativliste für adoptionswillige Eltern mit Gründen, die nicht zu einer Adoption führen sollten. Diesen Zettel sollten wir uns durchlesen, ein Gespräch über die einzelnen aufgeführten Punkte gab es nicht. Weiterhin wurden Formalitäten besprochen. Die Sozialarbeiterin ging damals von einer Wartezeit von neun Monaten aus, ganz wie bei einem eigenen Kind, wie sie bemerkte. Sie fragte ferner nach unseren jeweiligen Lebensläufen und wollte unsere Vorstellungen wissen über das zukünftige Kind, Geschlecht und Alter. Um den Rahmen so weit wie möglich zu spannen, sagte ich: „Zur Schule sollte es noch nicht gehen, damit das Kind vorher noch eine Bindung zu uns aufbauen könne.“ Die Dame sah uns, aber besonders mich groß an: „Nun, wenn ich Sie so ansehe, Sie brauchen doch unbedingt noch das Pflegerische, ich würde also sagen, bis höchstens zwei Jahre!“

Sie schien mir eine „ungeheure Menschenkenntnis“ zu haben, wenn sie das nach 10 Minuten Unterhaltung von einem Menschen aussagen konnte. Ich dachte aber: „Nun gut, wenn sie mir ein kleineres Kind vermitteln kann, so soll es auch gut sein.“ Wir glaubten, es gäbe so wenig Kinder, so dass auf die Kleineren so lange Wartezeit sei. Und wir trauten uns ein älteres Kind zu!

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfuhr sie, wo ich arbeite, nämlich beim Ev. Jugend- und Fürsorgewerk, das dem Diakonischen Werk angehörte. Da kam prompt von ihr der Satz: „Wenn das Diakonische Werk Ihr Arbeitgeber ist, dann holen Sie sich doch von dort ein Kind.“ Offenbar stimmte die Chemie zwischen uns nicht, denn schon waren wir draußen vor der Tür.

Wir wollten doch aber nur eine vorläufige Pflegehalteerlaubnis! War sie dafür nicht zuständig? Die sollten wir von unserem zuständigen Bezirksamt bekommen.

Folglich wurde ich dort wieder vorstellig.

Nach Überprüfung der Wohnverhältnisse, der Einkommensverhältnisse und nach Überprüfung der Eignung durch Gespräche und einer gründlichen Untersuchung durch das Gesundheitsamt, einschließlich von Negativbescheinigungen, jemals psychische Erkrankungen noch jemals Geschlechtskrankheiten gehabt zu haben, bekamen wir endlich die vorläufige Pflegehalteerlaubnis.

Das alles reichten wir bei Frau Heider, Diakonisches Werk, ein. Es waren einige Monate vergangen.

1975

Erika Sabine, wo bist Du gelandet? Erste Eingewöhnungszeit und frühe Kindheit als Puzzlespiel

Nun sollte es tatsächlich los gehen!

Es begann eine der aufregendsten Zeiten meines Lebens!

Frau Heider lud uns zum 4. 6. 1975 zu einem Gespräch ein. Es war ein Donnerstag. Ich war so angespannt, dass ich nichts essen konnte. Das war damals bei mir so.

Heute esse ich gerade viel und habe immer Hunger, wenn ich Stress habe. Aber damals ernährte ich mich einige Tage nur von Getränken und Traubenzucker!

Frau Heider war eine freundliche, entgegenkommende Frau, die sich lange mit uns über unsere Vorstellungen und Ziele unterhielt. Die Unterhaltung war angenehm und ausgesprochen offen, und ich merkte gar nicht, wie schnell die Zeit verging. Wir beide, Dietmar und ich, fühlten uns angenommen.

Zum Schluss sagte sie dann: „Wenn Sie ein kleineres Kind annehmen möchten, dann setze ich Sie auf die Warteliste, wenn Sie aber bereit sind, ein etwas größeres Kind zu nehmen, dann hätte ich da eventuell ein Mädchen für Sie.“ Sie zeigte uns ein Foto und sagte uns gleich, dass dieses Kind aber ein Handikap habe, es sei schon viereinhalb Jahre alt und spreche nicht. Über ihre Vorgeschichte sei wenig bekannt, die Mutter sei nur schwer erreichbar und habe sich seit einem halben Jahr nicht bei dem Kind gemeldet.

Zuletzt habe das Kind bei der Urgroßmutter gelebt, unter unhaltbaren Zuständen, und ein Onkel habe da auch noch eine nicht ganz durchsichtige Rolle gespielt.

Das Foto berührte mich. Ein Mädchen, das ängstlich in den Fotoautomaten blickte, das Foto so schlecht, dass man denken könnte, das Kind bestehe nur aus „Angst und Spucke“.

Frau Heider riet uns, Bedenkzeit zu nehmen. Wir fanden das eine gute Lösung, denn wir hatten vor, am darauffolgenden Wochenende nach Husthausen zu fahren, unserem künftigen Wohnhaus, das neben dem meiner Eltern lag. Uns war es wichtig, von Anfang an, die Großeltern mit einzubeziehen. Sie hatten uns früher schon dazu geraten, ein Kind zu adoptieren, waren also schon vorgewarnt; und wir wollten, dass unser Kind auch gleich zu den Großeltern eine gute Beziehung aufbauen können sollte, zumal diese gleich im Nebenhaus wohnten und uns noch so manches mal hilfreich zur Seite stehen sollten.

So waren wir sehr schnell entschlossen, dieses Kind kennen zu lernen. Und was konnten die künftigen Großeltern anderes tun, als uns zuzuraten!

Sonntag fuhren wir zurück, Montag riefen wir bei Frau Heider an: „Ja, wir wollen!“. Dienstag durften wir Dich, liebe Erika, zum ersten Mal im Kinderheim „Hasenhöhle“ in Berlin besuchen.

Als wir kamen, saßt Du gerade auf der Schaukel im Garten und lächeltest uns an. Der erste Bann war gebrochen. Du wusstest zwar nichts von der Bedeutung dieses Tages, aber Du legtest mit diesem wunderbaren Lächeln den Grundstein für ein neues Leben und eine wunderschöne Beziehung zwischen uns.

Wir blieben eine kleine Weile bei Dir, schenkten Dir einen kleinen Teddy und fragten, ob wir wieder kommen dürften. Du lächeltest.

Einen Tag später war ich wieder da. Dietmar musste arbeiten, also besuchte ich Dich alleine. Es war gerade Mittagsruhe vorbei. Ich kam in den Gemeinschaftsraum, in dem gegessen und gespielt wurde, und in dem es noch nach Essen roch. Von diesem Raum gingen in mehrere Richtungen die Schlafzimmer der Kinder ab. Ich sah in den Raum, in dem mir gestern Dein Bett gezeigt worden war. Die Wände waren kahl und ich glaube mich zu erinnern, dass noch nicht einmal ein Nachtschränkchen Dein eigen war. – Kuschelecken kamen wohl erst viel später in die Heime. - Den kleinen Teddy hattest Du, als wir uns am Tag vorher verabschiedeten, in Deinem Bett versteckt. Heute lag ein anderes Kind in Deinem Bett. Dein Teddy war weg. Das war nicht zu ändern, aber dass ein anderes Kind in Deinem Bett lag, sprach nicht unbedingt für eine gute Führung dieses Hauses.

Wichtig war an diesem Tag viel mehr, dass ich Dich aus dem Heim nehmen durfte, mit Dir spazieren gehen durfte, sogar für kurze Zeit mit nach Hause nehmen konnte.

Kaum waren wir außerhalb des Hauses und des Gartens und hatten das hölzerne Gartentor hinter uns geschlossen, sagtest Du: „Ich auch Onkel Konrad.“ Und ein paar Schritte weiter: „Eine Mama hab ich auch.“

Aha, Du konntest also doch sprechen! Wie schön! Nur dort im Heim tatest Du es nicht.

Fröhlich gingst Du mit mir mit. Fröhlich konnten wir beide unsere Wohnung und unseren Garten besichtigen. Viel mehr hast Du noch nicht geredet, aber Du hattest Dich mir mit Deinem wichtigsten Anliegen mitgeteilt, nämlich, dass Du eine Familie hattest! Später hast Du nie wieder davon gesprochen.

Am Donnerstag, den 11. 6. durfte ich Dich wieder besuchen und abholen. Wir fuhren in die Straße, in der wir wohnten. Dietmar war bereits dort. Wir räumten gemeinsam ein Zimmer um. Du wolltest schon bei uns bleiben, wir mussten Dich aber wieder zurückbringen.

Am Freitag, den 12. 6. hatten wir bereits einige Möbel für Dein Zimmer, die wir gemeinsam hineinstellten. Das Zimmer wurde eingerichtet. Du halfst mit!

Diesmal hatten wir Dich vor dem Eintreffen bei uns darauf vorbereitet, dass wir Dich wieder zurückbringen müssen, damit der Abschied Dir nicht so schwer werden sollte.

Wir wollten die Übernahme so schnell wie möglich, denn jegliches Hinauszögern schien uns für Dich und auch für uns eine Qual zu werden.

Das Wochenende stand bevor.

Die Heimleitung machte Schwierigkeiten. Sie wollte die Übernahme davon abhängig machen, ob Du am Sonntagabend, wenn wir Dich zurückbringen würden, schreien solltest. Wenn dieses der Fall sei, dann könne sie der Übergabe nicht zustimmen, denn Erika sei zu Weihnachten von ihrem Onkel abgeholt worden und habe danach ganz fürchterlich in der Nacht geschrien. Das wollten sie nicht wieder durchmachen. (Warum das Kind geschrien hatte und was es selbst durchgemacht hatte, danach fragte wohl keiner.)

Am Sonnabend holten wir Dich morgens mit eingepacktem Schlafanzug ab. Du durftest also bei uns schlafen. Wir waren glücklich und merkten durch Dein Strahlen in Deinen Augen, dass auch Du das wolltest. Es wurde ein wunderschönes Wochenende mit Dir und Du sagtest uns mit Blicken, aber auch mit wenigen Worten, dass Du bei uns bleiben möchtest.

Es ging aber noch nicht, und wir hatten Befürchtungen, dass Du vielleicht im Heim weinen könntest, weil wir Dich wieder abgeben mussten. Du weintest aber nicht, Du hülltest Dich nur wieder in Dein geübtes Schweigen.

Aber etwas anderes erwartete uns.

Es sollte jetzt ein psychologisches Gutachten erstellt werden, ob wir denn überhaupt als Familie für Dich geeignet seien und miteinander auskommen könnten….

Zum Glück hatte eine Psychologin des Bezirksamtes am Montag Zeit und offenbar auch die Dringlichkeit der Sache für Dich erkannt. Wir durften kommen. Dietmar hatte sich inzwischen frei genommen. Eine nette junge Frau erwartete uns, die sich mit uns befasste, unser Anliegen, das Kind so schnell wie möglich zu übernehmen, verstand und sich anschließend noch einige Zeit mit Dir, Erika, alleine beschäftigte.

Zum Schluss machte sie den Vorschlag, sich doch mit dem Kinderheim das Pflegegeld zu teilen.

Wir waren überrascht. Bei Adoptionspflege stand uns doch gar kein Pflegegeld zu!

Das war es also, das Heim hatte mit dem Pflegesatz für das Mädchen gerechnet, vielleicht das Geld schon für den Monat bekommen, und wollte deshalb das Kind nicht so schnell wieder herausgeben. Jeder Tag brachte also Geld für die „Hasenhöhle“.

Die Psychologin schrieb noch am gleichen Tag das Gutachten (das wir später über Frau Heider auch erhielten) und telefonierte mit allen zuständigen Stellen, so dass wir Dich, liebe Erika, bereits am Dienstag, den 16. 6. 1975 zu uns nehmen durften!

Du bekamst ein paar Kleidungsstücke mit, unter anderem ein niedliches rotes Mäntelchen. Aber von allen Sachen wurde gesagt, dass sie vom Heim seien. Als wenn Dir in den sechs Monaten von Amts wegen kein Kleidergeld zugestanden hätte! Du selbst seist ohne ausreichende Bekleidung von Deiner Urgroßmutter gekommen und von einer Dame des Jugendamtes eingeliefert worden.

Es bleibt die Frage offen, ob Du bei Deiner Urgroßmutter nichts anzuziehen hattest, oder ob Dich „das Jugendamt“ so schnell dort herausgeholt hatte, dass sie vergessen hatten, Deine Sachen mitzunehmen. Außerdem wäre die Kleidung nach einem halben Jahr doch sicher ausgewachsen gewesen, was sollte also das Theater?

Jedenfalls haben wir beide später erfahren, dass Deine Urgroßmutter im Obergeschoss eines kleinen bürgerlichen Siedlungshäuschens bei Tante Waltraud wohnte. Und Deine Tante Waltraud damals dem Jugendamt gemeldet hatte, dass es der Urgroßmutter nicht mehr möglich sei, sich um Dich zu kümmern und die Zustände unerträglich würden. Solltest Du dort nackt herum gelaufen sein?

Und nun warst Du also unser Kind! Wie schnell das alles ging! Die Freude war groß und die Anspannung wich.

Langsam konnte ich auch wieder essen.

Es war für uns zunächst selbstverständlich – da Adoptivkinder alle Rechte und Pflichten leiblicher Kinder erhalten sollten – dass wir Dir auch einen Vornamen geben durften.

Du hießt zwar schon Erika, aber dieser Name war mir für ein Kind so ungeläufig, dass es mir schwer fiel, Dich so zu rufen. Wir dachten, „Sabine“ könnte zu Dir passen und wollten Dir diesen Namen zusätzlich anbieten, um Dich dann so rufen zu können. Also fragten wir Dich, ob Du unsere Sabine sein möchtest. Du bejahtest dieses.

Erst viel später kam eine öffentliche Diskussion über die Erschwerung der Vornamensänderung auf. Es wurde von Ichfindung und Identität gesprochen. Ich konnte die angeführten Gründe noch nicht nachvollziehen, viel mehr war ich der Meinung, dass zu Beginn eines neuen Lebens – und das war eine Übernahme in eine Familie zur Adoption – auch ein neuer Name stehen durfte, der den Neuanfang erleichtern sollte und einen Bezug zur Adoptivfamilie aufzeigen konnte.

Ich war auch damals noch davon überzeugt, dass es wichtig für Dich war, das Vergangene erst einmal wegzuschieben. Alle schrecklichen Erfahrungen, die Du bis dahin hattest machen müssen, sollten vergessen werden. Dein Neuanfang sollte ein Leben in Annahme, Liebe und Zuverlässigkeit sein. Das wollten wir Dir geben.

Von Deinem früheren Leben wussten wir außerdem kaum etwas.

Du selbst hattest den Namen „Erika“ nie erwähnt, aber vielleicht nicht aus einer möglichen früheren Belastung heraus, die mit dem Namen verbunden sein konnte, sondern weil Du Angst hattest, uns zu verlieren? Vielleicht war es auch einfach nur schön für Dich, „Sabine“ gerufen zu werden?

Dass das Wegschieben nicht so einfach ging, sondern Deine Vergangenheit – auch ohne Erinnerungsvermögen vor dem 4. Lebensjahr - ein unverzichtbarer Teil von Dir war, sollte ich erst viel später erkennen. Hatte ich doch meine eigene Vergangenheit (Krieg, Flucht und Nachkriegszeit) noch längst nicht verarbeitet, noch eine etwaige Aufarbeitung bis dahin zulassen können. Das waren erst viel spätere Erfahrungen und Einsichten in meinem Leben.

Außerdem fragten wir Dich, wie Du uns nennen wolltest. Du wusstest bereits, dass wir Ela und Dietmar hießen, wir boten Dir zu diesem Zeitpunkt aber auch an, dass Du Mama und Papa sagen dürftest. Du entschiedst Dich spontan für Mama und Papa.

Nun gehörtest Du also zu uns und wir zu Dir. Wir stellten Dich mit einer kleinen Anzeige allen unseren Verwandten, Freunden und Bekannten vor. Eine Fülle von liebevollen Gratulationen, Briefen und Geschenken kamen auf uns als junge Familie zu.

Natürlich wollten Dich die Großeltern auch recht bald kennen lernen. Wir planten also unsere nächste Reise nach Husthausen, die immer mit Spannung verbunden war, da wir von Berlin aus durch die damalige DDR reisen mussten und uns kontrollieren lassen mussten. Aber die Kontrollen waren es diesmal nicht, die uns beschäftigen sollten.

Du musstest offenbar die Spannung gemerkt haben, die immer mit solch einer Transitreise verbunden war und das Einpacken – auch von Deinen Sachen – sprach offenbar für sich….

Kaum waren wir im Auto, fingst Du fürchterlich an zu schreien! Was war los? „Ich will nicht zu den Kindern! Ich will nicht zu den Kindern!“ kam es aus Deinem Mund. Oh, je! Wir hatten Dir also ein bedrohendes Gefühl vermittelt, so dass Du denken musstest, wir brächten Dich wieder zurück ins Heim. Es war schwer, Dich zu beruhigen und es brauchte eine ganze Weile, bis Du ganz zögerlich Deine Befürchtungen zurücknehmen konntest. So ganz trauen wolltest Du uns aber noch nicht.

In Husthausen wurdest Du auf das herzlichste Willkommen geheißen von Deinen neuen Großeltern und der Großmutti aus Hannover, die extra für Dich nach Husthausen gekommen war, um Dich zu begrüßen. Da waren alle „ZurückinsHeimbringsorgen“ vergessen und du warst wieder so fröhlich wie bisher.

Wir hatten in Husthausen schon gebaut, ehe wir ganz dorthin ziehen konnten. Der endgültige Umzug war für 1976 geplant, mit Ablauf des Arbeitsvertrages von Dietmar an der TU Berlin. So nutzten wir das Haus bis dahin noch als Wochenendhaus mit Ruhe und herrlicher Umgebung und zum Spielen und Toben für Dich.

Und beide Großeltern nahmen Dich in Beschlag, wenn wir da waren, so dass Du dort genug Abwechslung hattest. In der Nachbarschaft gab es viele gleichaltrige Kinder, die neugierig auf Dich waren und zum Spielen zu uns kamen.

Etwa alle vier Wochen fuhren wir damals „nach drüben“ und meinten in die Bundesrepublik.

Dein Leben spielte sich im ersten Jahr aber noch in Berlin ab.

Auch für mich war es eine große Umstellung, zu Hause zu sein und ein Kind zu versorgen. Hatte ich doch bis Mai 1975 beim EJF gearbeitet und erfüllte Tage gehabt, wurde diese Umstellung erst einmal anstrengend, denn wir mussten uns beide aneinander gewöhnen und unsere Grenzen erfahren.

Du warst ein sehr fröhliches und lustiges Kind. Jeden Tag dachtest Du Dir etwas Neues aus, worüber Du lachen konntest. So schlepptest Du mir den Wäschekorb weg, wenn ich draußen die Wäsche auf die Leine hängen wollte. Du verstecktest gerne Sachen und kichertest vor Freude, wenn ich sie suchte, Du versuchtest mit allen Mitteln, mich am Kochen zu hindern, denn Du wusstest nicht, was das sollte, wenn ich da am Herd hantierte. So etwas kanntest Du offenbar nicht.

Allein der Kühlschrank hatte für Dich eine besondere Bedeutung, da konnte man nämlich Joghurts rausholen, die kanntest Du schon. Und so hatte ich mir meine Hausarbeit zu erkämpfen, manches sogar zweimal zu machen. Alles nahm ich mit Lachen oder Gelassenheit hin, was sollte ich deshalb schimpfen?

Du triebst es aber immer weiter!

Wir wohnten in einem Hinterhaus, dass heißt, bis zu unserem Haus führte von der Straße abgehend mit eigenem Tor ein ca. 30m langer Plattenweg, der dann an unserem Garteneingang endete. Es war ja Sommer, und ich konnte Dich aufgrund der günstigen Lage des Hauses in Ruhe ums Haus herum spielen lassen.

Wie so häufig in den ersten Wochen bei uns, hattest Du offenbar Lust, wieder etwas Neues auszuprobieren. So hattest Du Dir überlegt, diesmal nicht im Haus die Toilette zu benutzen, sondern Dein Geschäft auf andere Art und Weise zu erledigen. Als ich raus ging, fand ich Dich mit abgestreifter Hose vor, Du lachtest und kichertest wie immer, wenn Du eine Deiner Überraschungen für mich vorbereitet hattest und zeigtest auf den Weg. Die letzten fünf Meter dieses Weges waren mit lauter kleinen Häufchen von Dir verziert. Eine großartige Leistung, es muss Dir wirklich Mühe gemacht haben, Dein Geschäft so gleichmäßig zu verteilen!

Aber nun dachte ich: Es muss endlich Schluss sein mit Deinen Überraschungen. Und ich schimpfte mit Dir: So etwas ginge nicht. Du reagiertest nur mit Kichern und sahst mich dabei an, als wolltest Du es gleich noch einmal machen, das Schimpfen berührte Dich nicht.

Dann kam mir in den Sinn, dass Du vielleicht einen Klaps auf den Po haben wolltest, damit Du endlich wissen solltest, dass auch bei mir einmal Schluss sein musste mit Deinem Schabernack, über den man sich nicht immer freuen konnte. Ich kündigte Dir also diesen Klaps auf den Po an. Du strecktest mir brav den Po hin und bekamst von mir einen Klaps auf dieses Körperteil.

Das schlechte Gewissen bei mir und die Sorge, Dir weh getan zu haben, versuchte ich zu verbergen. Du aber schienst zufrieden zu sein, hörtest mit dem Kichern auf und ließest fortan an auch die nervigen Neckspielchen, als wenn Du auf solch eine Grenzsetzung gewartet hättest.

Ich durfte nun wieder Wäsche aufhängen, ohne dass der Korb im ganzen Garten herumgezogen wurde, die einzelnen Wäschestücke versteckt wurden, und ich durfte kochen und backen, und Du halfst mir mit viel Mühe dabei, ohne meine Arbeit bewusst zu behindern.

Deine Sprachfähigkeit entwickelte sich zusehends. Deine Sprache kam, als wenn sie nur verschüttet gewesen wäre und sich jetzt durch einen Berg Unrat hindurch gearbeitet hatte. „Hier bin ich und will Euch was mitteilen“. Innerhalb eines halben Jahres war der Rückstand Deines Wortschatzes aufgeholt. Du redetest zwar undeutlich und einige Konsonanten kamen nicht durch, das wurde jedoch später von Husthausen aus mit Sprachheilunterricht ausgeglichen.

Deine Fröhlichkeit erhielt sich, Du strahltest von innen heraus, trautest Dir immer mehr zu und Deine Entwicklungsschritte waren mit Siebenmeilenstiefeln zu messen.

Etwas schwierig war es mit Deinen langen Haaren. Das Waschen machte Dir Spaß, Du konntest nicht genug im und mit Wasser spielen, aber das Trocknen war immer schwierig. Und Haare waschen musste regelmäßig sein, denn Deine Haare nahmen schnell unangenehme Küchengerüche an. Damit das lästige Föhnen nicht so lange dauern musste, ließen wir sie abschneiden. Etwas mit schlechtem Gewissen, denn ich dachte, Du hättest sie schon immer lang getragen, und das sei ein Eingriff in Deine Persönlichkeit. Ich befürchtete, ich nähme Dir etwas, was Dir gehörte.

Selbst fandest Du das Abschneiden interessant und hattest noch keine große Meinung zu einer eigenen Frisur.

Erst viel später, als mir Dein Onkel Konrad sagte, Deine Haare seien früher immer kurz gewesen, hatte ich diese Bedenken nicht mehr.

23. Oktober 2010

Nun bin ich drei Tage hier in Barydet allein.

„Hast Du keine Angst?“ fragte eine Freundin, „So alleine im Wald?“

„Wovor?“ „Na, vor…“ Sie wusste auf Anhieb nicht, wovor ich Angst haben sollte, sicher meinte sie, vor allem Unbekanntem oder vor der Einsamkeit.

Vor der Einsamkeit habe ich keine Angst. Aus Erfahrung weiß ich, dass ich sie genießen kann, so lange ich ein volles Programm habe, gefüllt mit Dingen, die ich erledigen kann. Außerdem habe ich so viele Erinnerungen und Gedanken in mir, die zu Papier gebracht werden wollen.

Wie lange ich es genieße, weiß ich allerdings noch nicht.

Vor allem Unbekannten? Das kann ich nicht beantworten. Keiner weiß vorher, was auf einen zukommt. Und es ist gut so, dass wir es nicht wissen.

Nun, Angst ist auch eine notwendige Eigenschaft, sonst würden wir uns vor Gefahren nicht schützen. Auf vieles bin ich vorbereitet, z. B. auf einen etwas längeren Stromausfall.

Einbrecher sind bisher am Tage gekommen und gehen in unbewohnte Häuser. Hier steht ein Auto auf dem Gelände und Rauch kommt aus dem Schornstein! Das Haus ist bewohnt.

Angst davor, als Frau hilflos alleine zu sein? Wer soll wissen, dass ich hier alleine bin? Die Nachbarn wissen es, die 700m entfernt hinter einem Wald wohnen und mir sehr herzlich jegliche Unterstützung angeboten haben.

Außerdem glaube ich immer noch, „manns“ genug zu sein, um Menschen mit eventuellen „schrägen“ Absichten, gegenübertreten zu können. Früher habe ich es vor mir selber beweisen können, darauf vertraue ich. Es ist nur ein wenig Bargeld zu holen, die Einrichtung ist von „Erikshjälpen & Co“, einem secondhand-Laden.

Angst vor Krankheit oder Unfall? Ja, dagegen muss man sich selber schützen und aufpassen. Mein Rheuma macht mir durchaus schon zu schaffen. Wie gut, dass es gerade hier in Värnamo bei Lidl Angoraunterwäsche gab, die hatte ich zu Hause vergessen. Jetzt leistet sie mir gute Dienste, gerade das Schmuddelwetter heute ist nicht so gut.

Sicherlich ist es für mich in den letzten Jahren beschwerlicher geworden, das Holz zum Heizen aus dem 60m entfernten Schuppen zu holen, aber noch kann ich es. Meine Hände sind zwar schon etwas ungeschickt durch die leichten Verformungen, aber das wirkt sich erst bei Feinarbeiten aus.

Für Medikamente habe ich vorgesorgt, so gut man es kann.

Vorräte sind genug im Haus. Auch wenn ich aus unvorhersehbaren Gründen nicht zum Einkaufen kommen sollte, werde ich nicht verhungern.

Das Haus mit seinen eigenen Geräuschen kenne ich. Es gehört Dietmar und mir seit 15 Jahren. Wir haben nicht nur im Sommer, sondern zu allen Jahreszeiten hier einige Zeit verbracht. Immer mit Freude und einem Gefühl von unendlicher Freiheit.

Trotzdem erschrecke ich noch immer, wenn unter dem Dachgebälk die Mäuse toben, aber Angst habe ich nicht davor. Man hört es nur im Dachgeschoss, z. B, wenn ich dort am Computer sitze und schreibe. Unten in meinem Schlafraum ist in der Regel Ruhe. Auch sollte unsere Katze die Mäuse vertreiben. Das anhängliche Tier ist meistens in meiner Nähe. Aber gestern, als sie es sich in einem Karton mit meinen Unterlagen neben meinem Schreibtisch gemütlich gemacht hatte, rührte sie sich überhaupt nicht, als es im Gebälk tobte.

Aber vor allen Dingen habe ich ein gesundes Gottvertrauen und baue darauf, dass diese Zeit hier alleine im Moment richtig für mich ist, so werde ich sie mit Gottes Hilfe auch bestehen.

Bei dem Stichwort „Angst“ fällt mir von Dir wieder etwas ein, liebe Sabine. Es nervte Dich im Garten unseres Wohnhauses in Berlin eine Biene, die immer um Dich herum flog und Dich verfolgte. Sie hatte Dich nicht gestochen, aber Dich so verrückt gemacht, dass Du geschrien und geweint hast. Ich nahm Dich in meine Arme und Du hast geweint und geweint, über eine Stunde lang hast Du Deinen ganzen Kummer ausgeheult. Es war längst nicht mehr die Biene, sondern da kam so viel Lebenskummer heraus, dessen Ausmaß man sich gar nicht vorstellen konnte. Gern hätte ich diesen Lebenskummer damals erfahren, um Dich auch mit Worten trösten zu können, so konnte ich Dir nur meine Arme und meinen warmen Körper geben, an dem Du Dich anschmiegen konntest und Dir mein T-shirt lassen, zum Tränen abwischen. Du glaubst gar nicht, wie ich dieses Vertrauen genossen habe, das Du mir entgegengebracht hast.

Wie ging es mit der Adoption weiter?

Eine Mutter, die ein Kind zur Adoption frei gibt, muss zwei mal eine Unterschrift leisten. Das erste mal muss sie ihre Bereitschaft und ihren Willen bekunden, dass eine Adoptivfamilie für ihr Kind gesucht wird. Das hatte Deine Mutter Barbara bereits getan. Sie war aber schwer aufzufinden gewesen und hatte sich erst nach mehreren Anschreiben des Jugendamtes gemeldet. Nun stand eine zweite Unterschrift vor einem Notar an, die endgültig sein sollte. Bis dahin hatte sie jederzeit die Möglichkeit, die erste Einwilligung wieder zurückzuziehen.

Dieses mal war Frau Heider vom Diakonischen Werk an der Reihe, sie ausfindig zu machen. Nach einigen Anschreiben gelang es ihr. Barbara meldete sich telefonisch. Eigentlich sollte zunächst gemeinsam ein Termin beim Notar ausgemacht werden, aber aufgrund ihrer Vorerfahrungen handelte die Adoptionsvermittlerin ganz schnell und unkonventionell. Sie fragte Deine Mutter, wo sie gerade sei. Diese antwortete, sie telefoniere von einer bestimmten Telefonzelle aus, die sie beschreiben konnte. Frau Heider bat Deine Mutter dort zu bleiben, bis sie hinkomme. Dann setzte sich Frau Heider in ihr Auto und fuhr zu der angegebenen Telefonzelle und traf dort auch tatsächlich Barbara Heilsberg an. Sie erklärte ihr noch einmal, dass es um den zweiten Notartermin ginge, bei dem eine endgültige Unterschrift gegeben werden solle und fuhr mit ihr gleich zu einem ihr bekannten Notar, der diese Angelegenheit zeitlich einschob, so dass Barbara nicht noch einmal kommen musste.

Barbara gab auch an, weiterhin an der Vermittlung mitzuarbeiten, damit es Dir gut gehen solle. So gab sie Frau Heider eine neue Anschrift, unter der sie zu dem Zeitpunkt erreichbar war. Sie sagte, sie habe noch Unterlagen von Dir und sei bereit, Fragen zu beantworten, die wir als Adoptiveltern noch hätten.

Wir bekamen daher noch Dein Impfbuch und erfuhren, dass Du evangelisch getauft warst. So konnten wir daraufhin über Deine frühere Kirchengemeinde Deinen Taufschein bekommen, aus dem wir entnehmen konnten, dass Konrad, Dein Onkel, und Elfriede, Deine Urgroßmutter, sowie eine Freundin der Familie Deine Paten waren.

Ich hatte bei Dir auf dem Po Narben entdeckt. In einem Halbkreis angeordnet, waren noch vernarbte Wunden, jeweils ca. 5mm groß, davon ca. 5 – 6 Stück zu sehen, von denen ich mir zu dem Zeitpunkt nicht erklären konnte, wie sie entstanden sein konnten. Nach diesen Narben fragte ich über Frau Heider Deine Mutter. Sie antwortete, dass sie von Narben auf dem Po bei Dir nichts wusste. Sie hatte Dich seit dem Herbst letzten Jahres, also über 9 Monate nicht mehr gesehen.

Die Narben sahen frischer aus, verblassten im Laufe der Zeit und verschwanden später ganz.

Zu Deinem Vater hatten wir noch Fragen. Dazu gab Deine Mutter an, dass sie eine Weile mit ihm befreundet gewesen war. Als sie aber schwanger wurde, wollte er von ihr nichts mehr wissen und habe dann auch für Dich keinen Unterhalt gezahlt, so dass sie finanziell mit Dir in Nöten war. Auch die Vaterschaftsanerkennung hatte er schon nicht unterschrieben, dieses hatte seine Mutter für ihn getan, mit der sich Barbara gut verstanden hatte.

Dein Vater, 1951 geboren, war, als Barbara mit Dir schwanger wurde, gut 18 Jahre alt, damals noch nicht volljährig.

Wir erfuhren ebenso, dass Deine Oma Erika Heilsberg am 12. 3. 1974 gestorben ist.

Danach war Barbara alleine für Dich zuständig. Die Zeit war für sie sehr schwierig, da sie einerseits keine Versorgung für Dich hatte, wenn sie arbeiten wollte und andererseits in Geldnöten war, wenn sie keine Arbeit fand. Das waren schon einmal die ersten Puzzleteile Deiner frühen Kindheit, die wir erfahren konnten.

Bei uns geschah Einiges, was mich nachdenklich machte.

In das erste Jahr Deines Aufenthaltes fiel der Tod und die Beerdigung meiner Großmutter väterlicherseits. Wir fuhren nach Ebertal. Während der Trauerfeier warst Du das erste mal eine Stunde lang nicht bei uns. Wir ließen Dich gemeinsam mit Nicole, meiner kleinen Nichte, bei Freunden meiner Eltern. Abends, längst warst Du wieder bei uns, weintest Du unendlich lange. „Zieh das schwarze Zeug aus!“ war das einzige, was Du sagen konntest. Mehr brachtest Du neben Deinem Weinen nicht heraus. Es war sicherlich nicht allein das Versorgen durch für Dich fremde Menschen, es war bestimmt auch die traurige Stimmung, die unter uns herrschte und die Dich an eigene Verluste erinnerte.

In diesen Tagen lerntest Du auch meine Brüder kennen. Wolfram wohnte mit seiner jungen Familie in Ebertal, und wir besuchten ihn gemeinsam. Harald war auch da. Beide trugen damals einen Bart. Du wolltest sie nicht sehen. Du schriest und weintest und sagtest, Harald sei böse. Eine ganze Weile saßt Du auf dem Schoß von Dietmar und drehtest Dich von den beiden weg, wolltest sie nicht angucken. Wir redeten Dir gut zu, aber das nützte nichts. Erst als ich sagte: „Du verwechselst ihn. Das ist nicht der Mann, den Du kennst!“ beruhigtest Du Dich und versuchtest Dich vorsichtig nach ihm um zu drehen. Du sahst den Harald lange an und hörtest allmählich auf zu weinen. Dann war alles wieder gut. Waren das Bilder aus der Vergangenheit, die Dich belastet hatten, die Du nun wieder abschütteln konntest?

Unser erstes Weihnachten mit Dir feierten wir in Husthausen.

Unsere Schränke hatten zwar alle Schlüssel, aber sie waren immer zu öffnen gewesen, und Du konntest zu jeder Zeit in alle hineinsehen, um Deine Neugierde zu befriedigen und um Dich zu vergewissern, dass nichts Unheimliches darinnen war.

Nun war ein Schrank abgeschlossen, der mit den Weihnachtsgeschenken. Oh, wie war das beunruhigend für Dich. Du weintest und bekamst Angst, da könne etwas Schreckliches darin sein. Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Schrank wieder zu öffnen und Dich hineinschauen zu lassen. Die Geschenke waren interessant und Du vergaßest voll und ganz Dein Weinen. Weihnachten war diesmal ohne Überraschungen und große Geheimnisse. Das musste auch nicht sein. Du freutest Dich genau so mit uns über die Weihnachtsgeschenke und hattest vorher voller Vorfreude gelernt zu warten.

Schon im Herbst 1975 sprach uns Frau Heider an, doch daran zu denken, dass Du, Erika Sabine, auch unter Kindern aufwachsen solltest, um bereits vor der Schulzeit zu lernen, Dich mit gleichaltrigen Kindern auseinander zu setzen. Wir hatten für das letzte Jahr vor der Schule ebenfalls an einen Kindergarten gedacht und Dich schon bei drei verschiedenen Kindertagesstätten für das Vorschuljahr angemeldet.

Es war damals sehr schwierig, einen geeigneten Platz zu bekommen. Du standest nun zwar auf mehreren Wartelisten, trotzdem ging ich auf der Suche nach solch einem Platz jedem Hinweis nach.

In unserer Nähe sollte es eine Einrichtung geben, die nur aus einer Gruppe bestand, klein und übersichtlich, ein sogenannter Miniclub.

Zu einem vereinbarten Termin stellten wir uns dort vor.

Es war fürchterlich. In einem viel zu engen Raum waren viel zu viele Kinder beieinander. Uns empfing ein Gestank nach „ungelüftet“. Die Kinder waren fröhlich, aber machten einen enormen Krach. Du warst sprachlos und ich auch. Ich brachte unser Anliegen zwar noch halbherzig vor, war dann aber sehr froh, als die Leiterin der Gruppe sagte, es müsse erst wieder ein Platz frei werden, ehe sie jemand neues aufnehmen könnten.

Die anderen Kinder mögen dort glücklich gewesen sein, für Dich war es aber sicher nicht der richtige Platz.

1976

Kindergarten, weitere Puzzleteile, Transitreisen und fachliche Irrwege

Unsere Kirchengemeinde hatte einen neuen Kindergarten gebaut. Auch dort wurden wir vorstellig. Und welch ein Glück, dort wurde als erstes ein Platz für Dich frei. Helle große Räume, gepflegt, sauber und mit ansprechenden Materialien hübsch dekoriert, das machte schon einen anderen Eindruck. Eine freundliche Leiterin begrüßte uns. Ich schilderte Deine Ängste und Probleme, betonte aber auch die Notwendigkeit, Dich in eine Kindergruppe zu integrieren. Die Leiterin zeigte sehr viel Verständnis für Dich und sagte uns sehr frei, sie sei auch adoptiert. Das tat gut, sie würde Dich mit all Deinen Ängsten nicht nur akzeptieren, sondern auch verstehen.

Sie stellte uns die Gruppe vor, in die Du nach kurzer Wartezeit aufgenommen werden konntest und machte Dich mit der Gruppenleiterin bekannt. So hatte ich es mir vorgestellt. Wir konnten Dich noch ein paar Tage vorbereiten, eine Kindergartentasche kaufen und was sonst noch nötig war, und ich durfte Dich hinbringen. Es war nur ein Vormittagsaufenthalt vorgesehen, das reichte. Die tägliche Abwesenheit von zu Hause sollte für Dich nicht zu lang werden.

Anfangs noch etwas ängstlich, dann, als Du sicher warst, dass ich auch jeden Tag wieder kam, um Dich abzuholen, fuhrst Du mit mir gerne dorthin. Für mein Fahrrad hatten wir einen Vorderkorb gekauft, und Du durftest dort aufsitzen. Das machte außerdem noch Spaß.

Einmal fragte mich auf dem Weg zurück eine andere Mutter, die ihr Kind jeden Tag auf gleiche Art und Weise transportierte, was ich denn sagen würde, was der Unterschied zwischen einem Adoptivkind und einem eigenen sei. Ich wusste darauf nichts zu sagen.

Erstens war ich glücklich mit Dir und zweitens hatte ich doch gar keinen Vergleich und drittens fand ich die Frage blöd, auch noch in Anwesenheit der beiden Kinder. Ich sagte damals aus Verlegenheit, ich sähe da keinen Unterschied, obwohl ich wusste, dass es Unterschiede geben müsste, aber welche? Was sollte solch ein Diskussion?

Die andere Mutter antwortete daraufhin, das könne doch nicht sein, sonst könnte man die Kinder doch austauschen, außerdem sei ihre Tochter viel weiter fortgeschritten in ihrer Entwicklung als meine. Ich suchte nie wieder das Gespräch mit dieser Frau, obwohl auch für mich Kontakte notwendig gewesen wären.

Die Kindergartenmonate habe ich in guter Erinnerung. Ob Du Dich an die Zeit schon zurück besinnen kannst?

Schwierigkeiten hattest Du beim Schlafen. Du bekamst nicht richtig Luft und atmetest sehr schwer. Und da Entwicklungsrückstände auch durch zu wenig Sauerstoff ausgelöst werden können, suchten wir einen Hals-Nasen- Ohren-Arzt auf. Das fandest Du hoch interessant. Dieser Arzt war sehr nett zu Dir und empfahl zunächst eine Polypenentfernung, damit Du etwas freier atmen könntest. Außerdem bemerkte er, Du hättest sehr große Mandeln, die auch im Weg seien, besonders wenn Du liegst, hättest Du Luftnot. Auf dem Rückweg zeigtest Du Deine Begeisterung über den Arztbesuch und sprachst davon, wenn Du groß seist, würdest Du auch Hals-Nasen-Ohren- Arzt werden wollen. „Oh,“ sagte ich, „ da wirst Du aber viel lernen müssen!“ „Wenn das nicht geht, dann werde ich eben Zahnarzt!“ kam aus Deinem Munde. Du siehst, schon damals zeigte sich Dein medizinisches Interesse. Fortan gaben wir Dir unser Gesundheitslexikon zur Hand. Du konntest zwar noch nicht lesen, aber die Bilder mit schrecklich aussehenden Krankheiten faszinierten Dich.

Einige Zeit später gingen wir zu Fuß zu der ambulanten OP, die beim Hals- Nasen-Ohren-Arzt vorgesehen war. Du hattest ein mildes Beruhigungsmittel bekommen, dass ich Dir vorher geben sollte. Aber dieses Mittel bewirkte das Gegenteil, Du warst albern und kichertest wieder wie früher und wirktest aufgeputscht, so dass wir beide zwar Mühe hatten, den Arzt zu erreichen, aber doch schließlich ankamen. Trotz der entgegengesetzten Wirkung des Medikaments verlief alles gut, denn Du warst ja willig, weil alles so interessant und spannend für Dich war. Eine Narkose hast Du auch bekommen. Für die Nachhausefahrt nahmen wir uns dann vorsichtshalber ein Taxi.

In dem ersten Jahr mit Dir erlebten wir auch auf unseren Transitreisen, die nach wie vor immer mit Spannung verbunden waren, einige Überraschungen. So ließ uns einmal der Motor unseres VW-Variants im Stich. Wir waren voll bepackt, nicht nur Du warst mit im Auto, außerdem noch Purzel, unser damaliger Kater, und Möbel, denn wir hatten ja vor, im Laufe des Jahres 1976 ganz nach Husthausen zu ziehen. Und so wurde schon immer eingepackt, was in Berlin nicht mehr benötigt wurde. Auf das Dach hatten wir einen alten Eichentisch geschnallt. Wir waren also voll bis übers Dach und standen nun verbotenerweise am Straßenrand auf der Transitautobahn. Wir hatten großes Glück, ein PKW-Fahrer, auch aus dem Westen, hielt ebenso unerlaubterweise an, holte sein Abschleppseil heraus und zog uns über die Grenze bis in ein kleines Dorf in der Nähe von Helmstedt. Als wir dort ankamen war es schon 23.00 Uhr. Trotzdem wies er uns zu einer Pension und vermittelte uns eine Werkstatt, die nachts angerufen wurde, damit sie uns am nächsten Morgen einen gebrauchten Ersatzmotor einbaue.

Wir übernachteten mit Dir in einem Doppelbett, Du lagst in der Mitte. Unser Purzel musste in den Keller und hat dort fürchterlich miauzt.

Am nächsten Vormittag hatten wir einen neuen gebrauchten Motor in unserem Auto und fuhren damit weiter in Richtung Husthausen. Auch weitere Fahrten hat er durchgehalten, aber er verbrauchte 18l Benzin auf 100km, so dass wir uns von dem Auto bald trennen mussten.

Ein andermal fuhr ich mit Dir alleine. Als wir uns in die Warteschlange vor der ersten Transitgrenze Babelsberg vor Potsdam einreihten, suchte ich unsere Ausweise. Oh, da fiel mir auf, dass ich unsere Pässe vertauscht hatte. Dietmar wollte am gleichen Tag ebenfalls mit einigen seiner Studenten verreisen und hatte seinen Pass auch herausgelegt. Ich musste also so schnell wie möglich zurück, um die Verwechslung wieder in Ordnung zu bringen.

Das ging aber nicht, man konnte aus der Schlange nicht wieder heraus. Also mussten wir in der Autoschlange bleiben, bis zur ersten Kontrolle. Es schien mir unendlich zu sein. Beim ersten Kontrollposten konnte ich erst mein Missgeschick berichten. Es wurde telefoniert und verhandelt, was man mit uns machen sollte. (Das war aber geheim, ich wusste nicht, was man über uns verhandelte.) Nach einiger Zeit durfte ich auf dem großen Kontrollgelände umdrehen, mich wieder in die aus der DDR herausfahrende Kontrollschlange auf der anderen Autobahnseite einreihen und mich erneut kontrollieren lassen. Die Grenzer waren freundlich, und ich glaube, das hatte ich Dir zu verdanken, denn gegenüber Kindern war man meistens freundlich. Es ging also gut, und wir kamen wieder zurück über die Grenze, und ich konnte so schnell wie möglich wieder nach Hause fahren, um die Pässe auszuwechseln. Dietmar war zum Glück noch nicht losgefahren. Ob er die Verwechslung überhaupt vor Antritt seiner Fahrt bemerkt hätte?

Jedenfalls ging es mit uns zweien erneut los, wieder in die Warteschlange bei Babelsberg, diesmal ohne irgendwelche Schwierigkeiten, und irgendwann kamen wir auch glücklich in Husthausen an.

Im Sommer 1976 – Du warst nun ein Jahr bei uns – besuchte uns Dein Amtsvormund, Frau Dittmann, in unserer Wohnung in Berlin.

Ein Amtsvormund eines Bezirksamtes hatte damals 360 Mündel zu betreuen, das war so viel, dass man sich wirklich kaum um jedes einzelne Kind kümmern konnte, geschweige denn, dass man die Kinder persönlich kannte. Die Dame sagte damals, sie habe schon viele ihrer zu betreuenden Kinder zur Adoption frei gegeben, aber noch nie ein so großes Kind, wie Dich, und ihr sei bei dem Entschluss etwas unheimlich zu Mute gewesen und wolle sich gern persönlich davon überzeugen, dass es Dir auch gut ginge.

Das konnte sie, und wir luden sie ein. Ich glaube, sie kam sogar in ihrer Freizeit und schenkte Dir zwei Schallplatten mit irgendwelchen sprechenden Tieren. „Quak, quak“ hörte ich immer nur von den Platten, aber Du hörtest sie mit Interesse.

Der Nachmittag wurde im Garten verbracht, wir unterhielten uns, ich weiß nicht mehr worüber und dabei erwähnten wir auch, dass wir daran dächten, noch ein zweites Kind zu adoptieren, damit Du mit Geschwistern aufwachsen könntest. Das nahm sie zunächst hin.

Als sie sich verabschiedete, sagte sie. „Übrigens, ich würde Ihnen kein zweites Kind mehr vermitteln.“ Das blieb im Raum stehen ohne weitere Erklärung. Entweder hielt sie uns nicht für geeignet, oder sie fand, Du solltest uns ganz für Dich allein haben, um alles aufholen zu können, was entwicklungsbedingt noch möglich war. Auf jeden Fall war diese Bemerkung ohne weitere Erklärungen für uns nicht unbedingt ermutigend.

Eines hatte ich vorher noch erreicht. Sie hatte mir erlaubt, auf dem Jugendamt Akteneinsicht in Deine Akte zu nehmen. Das war gut, denn ich hoffte dort, einige Puzzleteile mehr aus Deiner früheren Kindheit zu erfahren und zusammenfügen zu können. Wir verabredeten uns.

Die Akteneinsicht sah folgendermaßen aus. Frau Dittmann hielt die Akte so vor sich hin, dass ich nicht hineingucken konnte, sondern blätterte darin herum, um nach irgendwelchen Angaben zu suchen, die für uns und später auch für Dich wichtig sein könnten. Trotz dieser „Geheimhaltung“ erfuhr ich einiges Neues.

Laut Amtsbericht bist Du die ersten drei Lebensjahre in der Wohnung Deiner Großmutter, Erika Heilsberg, aufgewachsen. Deine Großmutter hatte eine Drei-Zimmer-Wohnung. Und bei ihr wohnten noch Dein Onkel Konrad und Deine Mutter Barbara. Mit Dir teilte sie sich ein Zimmer.

Irgend jemand in Deiner Familie muss die Säuglingsfürsorge darauf aufmerksam gemacht haben, dass bei Euch vielleicht ein wenig mehr Hilfe notwendig gewesen wäre. Es war gemeldet worden, die Mutter, also Barbara, komme zeitweise nicht nach Hause, sie wohne dann wahrscheinlich bei einer Schulfreundin und überlasse ihr Kind der Großmutter. Die Großmutter trinke. Im Februar 1972, also als Du gerade ein Jahr alt warst, versuchte daraufhin die zuständige Säuglingsfürsorge bei Euch einen Hausbesuch zu machen. Es gelang aber nicht, es war offenbar mehrmals niemand zu Hause. Erst im August des gleichen Jahres, als Du schon ein Jahr und sieben Monate alt warst, wurdest Du der Säuglingsfürsorge vorgestellt. Du warst damals 79cm lang, wogst 11,1kg und hattest bereits 12 Zähne. Deine Mutter gab an, Du hättest mit 12 Monaten zu laufen begonnen und auch zu sprechen. Du seist nicht gestillt worden. Deine weitere Entwicklung sei normal verlaufen. Bei einem weiteren Hausbesuch sei die Wohnung als ausreichend sauber vorgefunden worden.

Von Alkohol stand nichts im Bericht, das blieb also offen. Bei so einer Anzeige bleibt etwas im Raum stehen. Sie konnte berechtigt sein, aber auch unberechtigt. War sie aus Sorge um Dich gemacht worden oder aus anderen eventuell niederträchtigen Gründen?

Tatsächlich ist Deine leibliche Großmutter am 12. März 1974 gestorben. Von Deinem Onkel haben wir später erfahren, dass sie Krebs hatte. Es ist zu vermuten, dass Du bis zum Tode Deiner Großmutter bei ihr gelebt hast. Deine Mutter war damals, als sie Dich bekommen hatte, auch noch sehr jung, nämlich erst 18 Jahre alt.

In den Jahren vor Deiner Geburt hat sie Verkäuferin gelernt, die Lehre aber nicht abgeschlossen, denn sie habe, laut eigener Angaben, die Prüfung in Warenkunde nicht bestanden. Im Herbst 1970 habe sie aushilfsweise als Bürohilfe arbeiten können, damals war sie aber schon schwanger, das kann also nur kurze Zeit gewesen sein.

Nach dem Tode Deiner Oma war Deine Mutter nun ganz alleine verantwortlich für Dich. Das war sehr schwer für sie, denn sie hatte auch finanziell keine Absicherung. Dein Vater zahlte keinen Unterhalt. Irgendwie hat sie sich mit Dir ein paar Monate durchgeschlagen. Während sie eine Arbeit als Serviererin im Theatercafe angenommen hatte, hat sie Dich in einer Tagespflegestelle untergebracht, das war im Oktober 1974, Dich aber dort nicht wieder abgeholt. Ein Grund war nicht angegeben. Was dann passierte, ist unbekannt. Ob sie Dich gleich zur Urgroßmutter gebracht haben, ist möglich. Am 10. 12. 74 soll sich dann eine Tante der Mutter beim Jugendamt gemeldet haben und angezeigt haben, dass Du seit Wochen bei der über 80 jährigen Urgroßmutter wohntest und Deine Mutter keinen Unterhalt zahlen würde. Auch habe Barbara Dich ohne ausreichende Kleidung der Urgroßmutter überlassen. Die Mutter melde sich nicht, und keiner wisse, wo sie erreichbar sei.

Hierdurch ist es dann zum sofortigen Personensorgerechtsentzug gekommen. Du bekamst als Amtsvormund Frau Dittmann. Sie habe Dich dann in das Kinderheim „Hasenhöhle“ eingewiesen. Du seist unzureichend bekleidet gewesen, hättest erhebliche Rückstände in der Sprache gezeigt, seist distanzlos gewesen und zeigtest Ängste gegenüber anderen Kindern.

Dein Onkel Konrad hatte davon erfahren und Dich in Pflege nehmen wollen. Er wohnte damals in einer Ein-Zimmer-Wohnung und war verlobt mit Helga, die 20 Jahre alt war, keinen Beruf gelernt hatte, aber 3 Stunden täglich in einer Reinigung arbeitete. Helga wohnte im gleichen Haus wie Dein Onkel, aber bei ihrer Mutter. Alle drei wollten sie für Dich sorgen. Dein Onkel arbeitete damals als Fernfahrer. Dein Amtsvormund hatte allen von dieser in Pflegenahme abgeraten. Konrad soll damals auf dem Jugendamt sehr laut und ausfallend geworden sein.

Konrad habe auch den Verdacht geäußert, Deine Mutter ginge auf den Strich. Ich vermute, das war eine Unterstellung, die nicht der Wahrheit entsprach. Viel später hat er uns mal gesagt, er habe die Barbara an einem bestimmten Platz, an dem diese Damen standen, gesehen. Das hat er gern und überall weiter gegeben, auch bei der weiteren Verwandtschaft. Solche Mutmaßungen können ziemlich viel Beziehungen kaputt machen!

Onkel Konrad hatte Dich dann im Kinderheim besucht und auch über Weihnachten mit nach Hause genommen. Nach Angaben der Heimleiterin hattest Du nach dem Weihnachtsbesuch im Heim ein „fürchterliches Theater“ gemacht.

Auf Anraten Deines Amtsvormundes seist Du danach von Deinem Onkel nicht mehr besucht worden.

Zu Deinem Vater bekam ich nur wenig Auskunft. Er habe nur über Pfändungen Alimente gezahlt und sei dadurch immer im Rückstand gewesen.

Das war es, was ich erfahren konnte. Immer mehr Teile fügten sich vom Puzzlespiel „Erikas früheres Leben“ zusammen.

Eines Tages schickte uns Frau Heider dann noch Deinen Geburtsbericht aus dem Krankenhaus. Wie war sie daran gekommen? Kommissar Zufall war am Werke. Sie hatte einem der Ärzte dieses Krankenhauses ein Kind vermittelt. Bei dieser Gelegenheit erzählte sie ihm, sie habe bereits mehrere Kinder vermittelt, die in seinem Krankenhaus geboren wurden, und meistens seien keine Aussagen zum Geburtsverlauf zu bekommen. Dabei sei das doch so wichtig, weil man heute weiß, dass z. B. Sauerstoffmangel unter der Geburt auch einige Schäden anrichten könne, damals sprach man von MCD, einer minimalen cerebralen Dysfunktion. Wenn man das wüsste, könne man doch geeignete therapeutische Schritte unternehmen. Der Arzt erklärte sich bereit, in die Akten zu sehen und die Geburtsberichte an Frau Heider weiter zu geben. So bekam ich später von Dir und auch von Deinem Bruder diese Epikrisen. Auch bei Dir waren Auffälligkeiten, Du gerietest während des Geburtsverlaufs tatsächlich unter Sauerstoffmangel, daraufhin wurde bei Deiner Mutter ein Kaiserschnitt gemacht.