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Zweisamkeit statt Einsamkeit spiegelt Situationen und Träume einer jungen Frau wider, die trotz Schwierigkeiten mit Mut und Leidenschaft ihr Leben meistert und nie aufgegeben hat. Sie kann dadurch Vorbild für andere sein. Es ist ein Buch, das ungeschminkt aus dem wahren Leben erzählt. Ich habe dieses Buch veröffentlicht, weil ich daran glaube, dass man sich nicht dafür schämen muss, einfach man selbst zu sein. Es soll jedem Mut machen, seinen eigenen Traum von Job und Partnerschaft trotz diverser Hindernisse zu verfolgen.
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Seitenzahl: 112
Veröffentlichungsjahr: 2018
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Meiner Familie und meinem Partner
Es sollte kein Tag wie jeder andere werden. An diesem Morgen wachte ein junger Mann namens Markus zwar wie gewöhnlich in seinem Bett auf, jedoch blickte er ewig an die Zimmerdecke, bevor er aufstand. Dieses Mal schien er mich nicht direkt erkannt zu haben, sonst wäre ich nicht länger dort sitzengeblieben. Markus ist ziemlich tierlieb, so manche Lebewesen entsorgt er dennoch ganz liebevoll. Meine Schwester erwischte er mit dem Staubsauger.
So: Erstmal ein paar Informationen zu meiner Art. Ich weiß nicht, was ich früher gewesen bin oder was noch aus mir wird, falls Markus mich erwischt. Ich habe acht Beine und bewege mich sehr flink durch die Gebäude. Mich mögen nur sehr wenige Menschen, deshalb versuche ich mich sehr stark zurückzuziehen und ziemlich weit oben an der Decke sitzen zu bleiben und zu beobachten.
Ich befinde mich schon seit längerem in der Wohnung des bildhübschen Jungen, der sehr introvertiert und verspielt ist. Dieser junge Mann, Markus genannt, lebt noch nicht solange in dieser Wohnung wie ich. Markus hat keine Ahnung, weiß oft gar nicht, dass ich ihn beobachte. Still und heimlich mustere ich seine Augen. Sie erinnern mich an manch unbeschwerten Tag, an dem wir einfach auf der Wiese lagen und nach unten schauten. Markus hat diese Augen, die in den Bann ziehen. Es ist überhaupt ein Wunder, dass ich so lange überlebt habe. Normalerweise leben wir Hausspinnen sechs Jahre, wenn wir nicht vorher entfernt werden. Ich habe hier schon einen Umzug miterlebt. Von einer sehr lieben Dame zu einem wunderschönen jungen Mann. Er ist fast nur abends zu Hause, was bedeutet, dass ich in dieser Zeit in seiner Wohnung sturmfrei habe.
Markus wohnt jetzt erst seit drei Monaten hier mit mir und schenkt mir keinerlei Beachtung. Ich hingegen beobachte ihn die ganze Nacht. Er ist immer in Bewegung. Entweder wälzt er sich nachts hin und her oder er klappert mit seinen Zähnen. Am Feierabend sitzt er oft am Computer. Ich sehe ihm dort immer sehr gerne zu. Neulich hatte er sogar Besuch von einer jungen Dame, die sehr spät abends vorbeigekommen war, nachdem er wohl stundenlang mit ihr gechattet hatte. An diesem Abend funkelten auf der Couch neben der jungen Dame seine Augen und er schien sehr aufgeweckt und angetan von ihr zu sein. Dieser Abend zog sich auch sehr lange hin und erst früh morgens verabschiedete sie sich mit ein paar Zeilen auf Papier von ihm. Markus blieb noch drei Stunden im Bett, bis er wie von einer Tarantel gestochen aufsprang, um an sein Handy zu kommen und ihr zu schreiben.
Nach einer Stunde kam dann endlich eine Antwort und Markus stolzierte voller Elan in die Küche, um sich sein Müsli zu machen. Er schien auf Wolke sieben zu schweben. Auch ich merkte, wie er sich veränderte. Er unternahm wohl ziemlich viel mit dem Mädchen namens Gaby, weil ich immer länger sturmfrei hatte. So schön diese Einsamkeit auch war, irgendwann wurde es mir zu still.
Ich beschloss nun, weiterzuwandern. Als Gaby wieder mal zu Besuch bei Markus gewesen war, kroch ich in ihre Tasche, um endlich meinen Standort zu wechseln. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich in ihrer Wohnung angekommen. Hier erwarteten mich schöne Wände, voll mit bunter, warmer Tapete. Anders als bei Markus, der ziemlich schlicht lebt, ist bei ihr viel Liebe zum Detail vorhanden. Bilder schmücken die Wände. Hier beschloss ich mich erst einmal wie zu Hause zu fühlen. Gaby ist allerdings auch sehr viel unterwegs gewesen, wahrscheinlich beruflich und mit Markus. Wie gerne hätte ich auch Freunde gehabt. In vielen Wohnungen sind wir ja leider schon wegen unseres Aussehens alleine unbeliebt. Wären wir hübscher, würden uns bestimmt viel mehr Menschen lieben. Ein Beispiel: Hunde sind klein, verspielt und sofort so süß. Wir sind klein, manchmal groß und für viele sehr ekelhaft. Manche haben direkt massive Angst vor uns. Verstehe ich nicht, wenn sie wüssten, für was wir alles gut sind. Naja, vielleicht werde ich in meinem nächsten Leben was Bildhübsches, wer weiß das schon!
Markus und Gaby waren zu diesem Zeitpunkt ab April ständig zusammen und unterwegs. Sie schienen wirklich sehr glücklich zu sein. Eines Tages packten sie sogar ihre Koffer und blieben längere Zeit weg. Als sie nach einer Woche wiederkamen, schmückten sie die Wohnung mit Souvenirs aus Berlin, ihrem Urlaubsort. Es folgten weitere: Fotos aus London, Hamburg, Stuttgart, Helsinki.
Gaby schien es wohl eine ganze Zeit lang sehr schlecht zu gehen, trotz der Geduld von Markus und seinen Bemühungen um sie. In Gabys Wohnung fühlte ich mich auch nicht mehr wohl, weil sie nicht mehr zu Hause geschlafen hatte. Eines Tages beschloss ich, wieder zu Markus zu wandern und schmuggelte mich so in ihren Einkaufskorb.
Bei Markus wurden immer mehr und lautere Gespräche geführt, die sich wie Streitereien anhörten. Eines Tages war Gaby von heute auf morgen verschwunden. Gaby ging es wegen extremer Schmerzen so schlecht, dass sie nun in eine Klinik eingewiesen wurde. Sie wollte und musste sich endlich professionell helfen lassen, weil sie das so nicht mehr ausgehalten hatte. In der Klinik fand sie zwei nette Mädchen aus ihrem Krankenzimmer, die sie etwas aufmunterten. Markus kam in letzter Zeit abends immer sehr spät nach Hause, aß etwas und fiel müde ins Bett. Nach circa drei Wochen kam Gaby wieder.
Nun blieb sie zu Hause, während Markus arbeitete. Jetzt dachte ich mir, sie wäre so etwas wie eine Freundin für mich. Sie lag den ganzen Tag im Bett und starrte an die Decke. Irgendwann weinte Gaby in Markus Armen, weil sie für eine längere Zeit weg sollte. Diese Zeit war für Markus sehr schwer. Er fuhr wohl jedes Wochenende zu Gaby, die in zweihundert Kilometer Entfernung in einer Reha war und hatte immer nur den Sonntag für sich. Mann, das musste Liebe sein!
Nach fünf Wochen schmückte er die Wohnung und warf sich richtig in Schale. Er bemalte sogar stundenlang Luftballons. Als Gaby einen ersten Schritt mit ihm in die Wohnung trat, kamen ihr die Tränen, so gerührt war sie von diesem schönen Willkommensgruß. Markus, der sie immer unterstützte, war irgendwann selber überfordert. Er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, aber irgendwann konnte er auch nicht mehr. Gerade ging es etwas bergauf mit der Gesundheit von Gaby, als es für ihn nicht mehr ging.
Gaby wurde immer sehr schnell aggressiv und war sehr leicht reizbar. Beide gifteten sich nur noch an, bis Markus nach mehreren Versuchen die Reißleine zog und ihr mitteilte, dass er erstmal Abstand brauchte. Für Gaby, die sich wirklich sehr bemühte, ging gerade die Welt unter. Ein so hübscher, ehrgeiziger Mann, der trotz seiner Liebe für Gaby einfach aufgab? Gaby lief voller Verzweiflung und mit tausend Tränen in den Augen im Zimmer auf und ab. Anschließend packte sie ihre Sachen. Markus blieb stundenlang am Fenster stehen und grübelte, warum es soweit kommen musste. Statt endlich abzuschalten, quälten ihn laufend die Gedanken, ob es die richtige Entscheidung gewesen war. Gaby meldete sich täglich, mal weinend mal ruhig. Sie akzeptierte seine Entscheidung nicht, weil sie ja gerade dabei gewesen war sich zu ändern.
Ihr größter Feind war und ist der Computer. Im Gegensatz zu Markus, der täglich aus beruflichen Gründen am PC arbeiten und online sein musste, beschäftigte sich Gaby gar nicht mit dem Computer. Sie kam mit dieser neuen Technik einfach nicht zurecht und hatte wenig Interesse, daran was zu ändern. Da Markus das wusste, bastelte sie stundenlang an einer CD herum, um ihm eine digitale Botschaft zu übersenden. Sie hoffte, damit seine Einstellung und Meinung ändern zu können. Jedes Mal, wenn Gaby kurz bei Markus vorbeikam, konnte man diesen Schmerz in der Luft wahrnehmen. Beide versuchten, immer und immer wieder miteinander zu reden. Leider ist Markus etwas introvertiert, sodass es schwierig wurde, überhaupt an ihn ran zu kommen. Gaby versuchte, diese Situation irgendwie zu überstehen, verbrachte weinende und schlaflose Nächte. Irgendwann beschloss sie, wirklich nicht nur um Markus, sondern um ihr eigenes Leben zu kämpfen. Sie hatte keine Ziele und Vorstellungen mehr vom Leben.
Jetzt war es an der Zeit, nicht nur zu reden, sondern Taten sprechen zu lassen.
Mit Markus vereinbarte sie, sich beiden etwas Zeit zu geben und zu einem späteren Zeitpunkt wieder füreinander da zu sein. In der Zwischenzeit bewarb sich Gaby in einer Schule und absolvierte mit Bravour eine dritte Ausbildung. Gaby war schon sehr qualifiziert und beschäftigt, besonders im Gesundheitswesen und davon viel im Ehrenamt. Jetzt war sie sogar noch Fußpflegerin und könnte in die Selbstständigkeit gehen. Ihre Stelle in der Zahnarztpraxis nahm sie wieder auf, nachdem sie jetzt sehr lange krankgeschrieben war. Nun beschloss sie, viel gelassener ihre Beziehung wieder in Angriff zu nehmen.
Markus hielt sein Wort und traf Absprachen mit ihr. Sie nährten sich wieder langsam einander an, schliefen öfter beieinander und verbrachten einige Wochenenden gemeinsam. An manchen Tagen klapperten sie die Weihnachtsmärkte ab. Bald standen der Nikolaustag und Weihnachten vor der Tür. Das erste Jahr war nicht besonders gut, allerdings lernten beide sehr viel voneinander und am anderen zu schätzen. So wurde Gaby klar, was sie an Markus hatte. Markus wusste, was er an Gaby hatte und lernte nun endlich ihre neue, sehr angenehme Art lieben und schätzen.
Beide verbrachten Nikolaus erst bei Gabys Eltern und anschließend bei Markus Familie. Nachdem Gaby wieder mit wenigen Stunden auf ihrer Arbeit war, lernte auch sie, wie es ist, wenn man sich nicht so unter Druck und Stress setzte. Allerdings ging es Gaby in diesem Jahr trotz alledem an manchen Tagen sehr schlecht. Sie teilte ihre Gefühle Markus öfters mit, allerdings konnte er diese irgendwann nicht mehr richtig aufnehmen und verarbeiten. Ratschläge geben konnte er schon gar nicht. Markus vermochte sich nur sehr schwer bis gar nicht in Gaby hineinversetzen. Was für viele als problemlos oder einfach schien, ist für Gaby ein riesiger Aufwand und Stressfaktor gewesen. Darunter zählten die Wochenenden bei seiner Familie. Am liebsten wäre Gaby zu Hause geblieben und hätte kuschelnd mit Markus auf der Couch verbracht. Manchmal hilft Reden doch mehr als innerlich zu schweigen.
Gaby versuchte es auch auf dem schriftlichen Weg, Markus mitzuteilen, was sie denkt und fühlt. Hier ein kleiner Einblick:
Hallo mein Schatz,
jetzt wunderst Du Dich vielleicht etwas, warum Du diesen Brief bekommst. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass Du mich nur sehr schwer verstehen kannst und es Dir auch nach über zwei Jahren nicht klar ist, was da mit meinen Gefühlen passiert. Es gibt viele Situationen, in denen ich mich von Dir massiv verletzt fühle. Schon längere Zeit versuche ich, nicht ständig nach Deiner Nähe zu verlangen und Dich Deine Sachen machen zu lassen. Dennoch kommt von Dir nicht die erhoffte Anerkennung. Ganz im Gegenteil wird es für mich immer schlimmer. Deine Persönlichkeit, Dein Lachen und Deine Hilfsbereitschaft liebe ich an Dir, genauso Deine himmelblauen Augen. Es würde sich auch für mich viel schöner anfühlen, solche
Komplimente von Dir zu hören, zu lesen oder zu erfahren. Ich möchte nicht, dass Du diesen Brief falsch verstehst und denkst, dass unsere Beziehung keinen Sinn macht. So ist es nicht!
Hiermit wollte ich Dir nur beschreiben, was ich wie empfinde. Ich bin ganz und gar nicht stolz und zufrieden auf mein Leben, so wie es bis jetzt gelaufen ist. Es tut weh, andere zu sehen, was sie für Ziele anstreben und welche sie schon erreicht haben. Ich wollte auch immer nur normal arbeiten und so respektiert werden, wie ich bin. Für mich ist es total schlimm, wenn Du Träume, Visionen hast, die ich nicht mit Dir teilen kann. Es macht mich genauso traurig, wenn Du vom Urlaub redest und ich keinerlei Lichtblicke sehe. Unsere Gespräche ändern sich auch nicht wirklich, deshalb versuche ich es erneut auf diesem schriftlichen Weg.
In liebender Hoffnung, dein Schatzi-Pupsi.
Markus hatte diesen Brief nie aufgegriffen oder angesprochen, Gaby bemerkte jedoch eine kleine positive Veränderung zwischen ihnen.
Nachdem das Wochenende bei der Family entspannt verlief, fingen beide an, Pläne für Weihnachten und Silvester zu schmieden. An Weihnachten wollten beide einen ruhigen, fröhlichen Abend bei gutem Essen verbringen und an den Feiertagen nach Heiligabend zu ihren Familien fahren, um ein paar nette Stunden zu verbringen. Für Silvester wollte Gaby Markus einen Trip in die Berge vorschlagen, dazu konnte er allerdings noch nichts sagen.
Eines Tages saßen beide mittags auf seinem Bett mit der gleichen Eingebung. Gaby ging ihr komplettes Leben durch den Kopf; von ihrer Geburt bis hin in die Zukunft. Markus schlummerte vor sich hin und begann anschließend ebenfalls seine Kindheit für sich auf Papier zu bringen. Als sie fertig waren, tauschten sie diese zum Lesen gegenseitig aus. Das bewirkte, dass sie sich beide besser kennenlernten, denn alles, was einen beschäftigt, packt man nunmal leider nicht immer auf den Tisch.
Gaby begann zuerst mit dem Schreiben. Sie schien gar nicht lange darüber nachzudenken. Sogleich führte sie den Stift an das Papier und begann:
Ich bin vier Wochen zu früh auf die Welt gekommen. Leider verfolgte meine Familie von Anfang an ein schwieriges Schicksal. Ich kam nicht nur zu früh und per Kaiserschnitt, sondern gleich mit einer körperlichen Behinderung zur Welt. Ich habe eine Gaumenspalte und dadurch Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme. Zudem habe ich dadurch Flüssigkeit in den Ohren und ein schlechtes Gehör als Folgen besagter Gaumenspalte. Ich bin auch nicht das erste Kind meiner zu dieser Zeit 26-jährigen Mutter. Meine Mutter musste leider schon ein Kind gebären, das nicht mehr gelebt hatte. Trotzdem gaben wir als junge Familie nicht auf, sondern unternahmen alles, damit wir zufrieden und einigermaßen gesund leben konnten.
