Zwischen Kreuz und Kaffeetasse - Thomas Linnartz - E-Book

Zwischen Kreuz und Kaffeetasse E-Book

Thomas Linnartz

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Beschreibung

Unterwegs mit Kreuz und Kaffeetasse symbolisiert die Arbeit und die Aufgaben in Pfarreien. Auf der einen Seite steht das Kreuz als Symbol des Glaubens und auf der anderen steht die Kaffeetasse als Symbol des Alltags. So werden in lockerer Form und in einfachen Bildern Geschichten und Begegnungen mit Menschen in einer Pfarreiengemeinschaft aus der Sicht des Pastors beschrieben. Ob Gottesdienste, Gespräche mit Menschen, Krankenkommunion, Schule, Hausmeisterdienste oder auch Kaffeepausen, alles gehört zum Alltag dessen, der "unterwegs ist im Namen des Herrn". Dabei geht es aber nicht immer so fromm zu...

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Seitenzahl: 128

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Hinweis: Die Namen und Orte wurden geändert und entsprechen nicht den tatsächlichen Namen und Orten.

Inhaltverzeichnis

Ein Wort zuvor…

Ein ganz normaler Sonntag

Die Woche fängt gut an

Jede Menge Besuche und jede Menge Jobs

Die Frauengemeinschaft feiert und der Pfarrgemeinderat schuftet

Segnen und Spielen

„Unsere Oma ist tot!“

Zwischen Kindern und Wasserpfützen

Schulentlasstag

Samstagsarbeiten

Wir ersteigern eine Orgel für die Kirche

Frau F. bittet um Unterstützung

Der Marder im Kindergarten und welche Gedanken im Taufgespräch durch den Kopf gehen

Von magischen Händen und einem Kloss im Hals

Abhängen oder abendlicher Beichte

Der neue Kaplan und Elefantentiger im Kindergarten

Menschliche Eitelkeiten um den Gottesdienst

Wer steckt hinter der Verkleidung?

Krankensalbung am Samstag

Von Gedanken während des Tages und einer zügellosen Geschichte

Kaffee hält munter

„Also, hören sie mal, Herr Pastor!“

Probleme mit der Kirche

„Sie sind der Pastor?“

Abschied von Oma G.

Ein Sterbefall und gutes Essen

Wie versteckt man die Kommunion?

Ein wilder Fotograf im Gottesdienst

An der Kleidung werdet ihr sie erkennen

Mess-lich

Handwerker im Haus!

„Hurra, wir trauen uns“

Friedhofs-Blues

Ein Wort zuvor…

Geschichten und Erlebnisse aus dem Alltag eines Dorf-Pastors sind ein kleiner Ausschnitt aus einem oft sehr hektischem und bewegendem Alltag, von dem viele Menschen meinen, dass DER, also der Pastor, nur seine Gottesdienste hält, ein paar Gebete am Tag abhält und ansonsten ein schönes Leben hat. Dass dieses vermeintlich „schöne Leben" mit vielen Sorgen und Belastungen angefüllt ist, ein Termin den anderen jagt, mit Wünschen und Erwartungen von vielen Menschen, die kaum erfüllbar sind, angereichert ist, ist nicht oft bekannt.

Die Strukturreform eines Bistums – wie die Zusammenlegung mehrerer Kirchengemeinden zu einer Pfarreien-Gemeinschaft und der damit verbundenen Mehr-Arbeit und Mehr-Belastung – hat bei mir dazu geführt, dass es auch schlaf-lose Nächte gibt und am Morgen des folgenden Tages die Probleme immer noch nicht lösbar sind. Kein Wunder, dass die Haare grau werden und die Arbeitszufriedenheit sinken. Nicht nur durch die hohen Belastungen, sondern auch durch die oft sinn-losen und nicht nachvollziehbaren Reformen und Anordnungen in einer weltweit operierenden Institution, genannt Kirche. Insofern unterscheidet sie sich nicht von anderen global agierenden Firmen und Konzernen – sieht man vom Streikverbot einmal ab. Doch in meinen Augen soll Kirche – nicht nur als Institution – Alternativen zu einer auf Profit und Macht (wie sie auch hintergründig gezeigt wird) gegründetem Anspruch zeigen. Oder wie es im Markus-Evangelium heißt: „Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein.“ (Mk 10,43). Ein hoher Anspruch, dem ich auch nicht immer gerecht werde…

Aus vielen kleinen Facetten habe ich versucht, in den folgenden Episoden und Erlebnissen den Alltag zu skizzieren. Überraschendes, Trauriges, Lustiges und Erstaunliches ist zu finden. Es ist keine durchgängige Form, etwa wie eine fortlaufende Geschichte, vielmehr möchten die einzelnen Kapitel aufzeigen wie vielfältig die Aspekte und Erlebnisse mit und von Menschen sind. Jedes Kapitel für sich ist wie eine Blume. In der Gesamtheit der Kapitel ergibt sich ein bunter Blumen-Strauß.

Danken möchte ich den vielen Menschen, denen ich begegnen durfte, die in den Geschichten präsent werden und an deren Leben ich ein wenig teilhaben durfte. Sie sind nicht vergessen.

Mein besonderer Dank gilt den Damen aus dem Pfarrbüro die mir Stütze, Beraterinnen und Kolleginnen waren. Oft waren sie die Ersten, denen ich meine die Freude oder Enttäuschung mitteilten durfte und konnte; die oft auch meine wechselnden Stimmungen wohlwollend mitgetragen haben.

Großer Dank gilt auch meiner Schwester Katharina, die mich immer wieder ermutigte, dieses Buch zu veröffentlichen und wertvolle Hinweise und Anregungen gab.

Thomas Linnartz.

(1) Ein ganz normaler Sonntag

Während andere Menschen Sonntags vormittags noch in ihrem Bett schlafen oder gemütlich Frühstücken können und das Wochenende genießen können, steht heute wieder ein umfangreiches Programm an Aufgaben vor mir. Gerade so wie ein Zeitgenosse einmal meinte: „Gell, wenn wir (Arbeiter und Angestellte) frei haben, da haben sie vollen Stress?“ – „Stimmt“, meinte ich, „dafür müssen sie am Montag wieder arbeiten und ich habe dann einen freien Tag.“

Da es also Sonntag ist, gibt es keine Frühstücks-Zeitung, die ich zwischen Brot und Kaffeetasse lesen könnte. Also ist die Beschäftigung beim Frühstück Fernsehen. Einige menschliche Stimmen aus dem „Kasten“ geben am frühen Morgen einen Hauch von Beziehung. Schade nur, dass kein Dialog entstehen kann oder ein Austausch der Gedanken möglich ist.

Es ist mein Los, für viele Menschen da zu sein. Auch da sein zu müssen, Trost zu spenden oder Ratschläge anzubieten, aber selbst oft einsam oder unverstanden zu sein. Ich bin so ein Teil der Institution Kirche. Schauen wir auf das heutige Tagesprogramm: neben den Gottesdiensten am Vormittag steht heute noch eine Taufe an – eine Abwechslung zu den Sonntagen zuvor.

Das vorbereitende Gespräch zur Taufe war gut verlaufen, ich habe schon Kinder dieser Familien getauft. Während der Taufe muss ich lauter reden, denn der Täufling schreit recht laut. Also mache ich mich verständlich und erhebe die Stimme so laut ich kann – ohne Mikrofon. Die Anwesenden verstehen mich – wenigstens akustisch. Doch es ist anstrengend eine frei formulierte Ansprache zu halten, während das Kind schreit. Die Aufmerksamkeit liegt woanders…: beim Täuflinge, es ist ja schließlich SEINE Taufe und SEIN Tag!

Besonders sind mir heute die Paten aufgefallen. Selbst jemand, der im Taufgespräch von sich sagte, mit Kirche nicht viel zu tun zu haben, betet die Gebete aktiv mit. Ich war erstaunt, mit welcher Anteilnahme und Klarheit die Antworten auf die Fragen im Taufritus gegeben wurden. Vielleicht ist manch einer, der sich von Kirche abwendet, weil er von ihr enttäuscht worden ist, mehr mit der Kirche verbunden ist, als er denkt. Und ich denke daran, dass auf dem – im wirklichen Sinne des Wortes – Laufzettel des Tages steht: der Besuch eines Festes auf dem Dorfplatz. Glücklicherweise regnet es so stark, dass die wenigen Besucher sich unter die Dächer eines Getränkewagens geflüchtet haben. Ich merke, dass ich keine Lust habe mit den schon seit Stunden dort Stehenden – in der Regel mit erhöhtem Bierkonsum – ein Schwätzchen zu halten. Also bestelle ich eine kleine Flasche Sprudel, blicke in die Runde, nicke noch kurz und verabschiede mich.

Doch im Büro blinkt der Anrufbeantworter: Nachricht abhören und zurückrufen. Es geht um einen verstorbenen Priester, der in einer Pfarrei der Pfarreiengemeinschaft lange Jahre tätig gewesen ist. „Dürfen wir einen Bus zum Begräbnis einsetzen? Kann der Kirchenchor singen?“ „Ja, ja, geht alles in Ordnung“, meine ich. Ich möchte einem meiner Vorgänger nicht die Anerkennung der ehemaligen Pfarrangehörigen verwehren. Als ich das Telefonat beendet habe, bleibt der Schreibtisch mein Arbeitsplatz. Es sind noch zwei Briefe zu schreiben, die morgen im Briefkasten liegen müssen. Also für einen Sonntag als „Arbeitstag“ reicht es. Und so frage ich mich, als ich auf die Uhrzeit schaue, ob der Sonntag wirklich der Ruhetag, den die Bibel uns angeboten hat, ist?

Obwohl im kirchlichen Arbeitsverhältnis stehend, verneine ich, dass heute ein ruhiger Tag war. So freue ich mich auf nächsten Mittwoch, also mein „Sonntag“. Da soll nämlich ich meinen freien Tag haben – aber wie so oft: es wird bestimmt nicht daraus. Mal sehen!

(2) Die Woche fängt gut an

Beim Frühstück geht es heute schon los: die Zeitung ist durchfeuchtet. Das kann ich nun am frühen Morgen überhaupt nicht leiden. Doch was bleibt ist Resignation, dass ich daran nichts ändern kann. Kaum habe ich den ersten Bissen im Mund, klingelt das Telefon. Ein Handwerker meldet sich und wir machen einen Termin zum Innenanstrich des Büros aus. Hoffentlich passt das Datum den Mitarbeiterinnen, denn ihre Büros sollen mit Farbe verschönt werden. Da keine anwesend ist, habe ich ganz einfach zugesagt. Wer weiß, wann die Handwerker wieder Zeit haben. Als der erste Schluck Kaffee meine Speiseröhre nässt, ruft „et Ulli“ an: „Wann kann das 2. Sterbeamt für meine Mutter sein?“ Ich hatte sie gestern gebeten, heute anzurufen. Sie fliegt heute in den Urlaub. „Können sie einen kleinen Moment warten? Ich laufe grad´ ins Büro und schaue im Terminkalender nach.“ Als ich die Treppen hinunter fliege, versuche ich nicht auf die dort abgelegten Aktenstücke zu treten… Wir können uns auf einen Termin einigen.

Der nächste Tages-Ordnungs-Punkt – so möchte ich die Stationen des Tages nennen – führt mich zum Gottesdienst nach Melfingen. Leider hat der Organist abgesagt, so dass ich die Leider selbst anstimmen muss. Wie immer zu tief! Aber alle halten, oder besser singen tapfer mit. Die Gottesdienstbesucher haben sich leider wieder in den hinteren Bänken angesiedelt. Ich scheine Mundgeruch oder eine ansteckende Krankheit haben, dass generell alle im hinteren Teil der Kirche Platz nehmen. Doch meine Zähne sind sauber und der Arzt hat bei mir keine Pest, Erkältung oder sonstige Krankheit gefunden, die den Kontakt mit anderen Menschen verbietet oder einschränkt.

Die Leute im vorderen Teil Platz nehmen zu lassen, ist nach meiner Erfahrung müßig. Versuche dies zu ändern, haben schon einige Kollegen versucht. Vergeblich! Selbst Süßigkeiten auf die vorderen Bänke zu legen, erscheint mir schon lustig, aber… nicht erfolgreich.

Nächster Tagesordnungspunkt: Zurück nach Schellweiler. Die Leiterin des Kindergartens hat mich eingeladen, die Vorschulkinder auf den Abschluss im Kindergarten vorzubereiten. Das Motiv des Lebens-Weges soll im Mittelpunkt stehen. Die dreizehn Kinder entpuppen sich als eine muntere und wilde Horde. „Setzt euch in einen grooßen Kreis!“ Oje, da sitzen einige lieber auf den Matratzen an der Wand, andere kaspern in der Mitte des Raumes herum und wieder andere setzen sich ruhig in die Mitte des Raumes. „Ej“, ruft Heidi, die Kindergartenleiterin, „setzt euch in den Kreis!“ – „Danke“, es funktioniert. Die Kinder erzählen, was sie alles im Kindergarten gemacht haben: Malen, spielen, basteln – und einer ist besonders frech. Er sagt: „Furzen“. So sind sie, die Kinder von heute. Jeder, der etwas sagen wollte, durfte ein buntes Tuch in den Raum legen, so dass die Farben des Regenbogens entstanden. „So bunt wie dieser Regenbogen, so bunt und so verschieden war eure Zeit im Kindergarten.“ Staunen und Überraschung erblicke ich in den Gesichtern. „Eure Zeit hier im Kindergarten ist wie ein Weg, den ihr im Laufe der Zeit gegangen seid. Und wie geht der Weg weiter?“ Ich packe ein Fernglas aus. Jeder darf einmal durchblicken und sich ausmalen, wie es weitergeht und was da in der Ferne alles zu sehen ist. Ich bin nicht ganz zufrieden mit meinen Ausführungen. Aber Heidi meint: „Es war gut.“ Es bleiben Zweifel bei mir.

Zurück im Büro, wundere ich mich, dass noch keine Post im Briefkasten liegt: Heute sollte keine Post kommen? Ein Wunder? Also, checke ich die E-Mails. Wenigstens hier liegen Informationen bereit. In der Regel beantworte ich sie sofort. So auch jetzt. Bevor es zu Mittag läutet, werfe ich eine Pizza in den vorgeheizten Ofen. Ich lasse sie mir schmecken und starte zu einer kleinen Schlafreise auf der Couch.

Mittlerweile ist es Zeit, zu einem Beichtgespräch zu gehen. Jemand hat mich gebeten, die Beichte abzunehmen. Als ich das Haus betrete, stehen Kaffee und Kuchen auf dem Tisch. „Na“, denke ich, „das kann ja heiter werden!“ Das Gespräch entpuppt sich als schwierig. Das Beichtgeheimnis schiebt hier einen Riegel vor die weiteren Ausführungen. Ich bleibe – nicht wegen des Kaffee und Kuchens – länger als ich mir vorgenommen habe. Ich bedanke mich und ich kann mich mit dem Hinweis auf ein bevorstehendes Brautgespräch verabschieden. „Ich lasse ihnen noch etwas Kuchen bringen!“, ruft man mir nach. „Vielen Dank!“, rufe ich schon ein paar Meter vom Haus entfernt.

Zum letzten Tagesordnungspunkt fahre ich nach Seedorf. Ein Verwaltungsratsmitglied ist vor wenigen Wochen verunglückt: Kieferbruch, Rippen- und Armbruch. Er macht einen munteren Eindruck. Er kann ohne Einschränkungen sprechen wie ich angesichts der mitgeteilten Verletzungen befürchtet hätte. Ich befürchtete schon, dass er nuschelt. Der linke Arm ist geschient. Ich bin froh, dass es ihm gut geht. „So schnell wird man Invalide“, meint er. Ich nicke resignierend. „Da haben sie Recht.“

(3) Jede Menge Besuche und jede Menge Jobs

Am nächsten Tag betätige ich mich zunächst als Jobvermittler. So führt mich mein Weg in die Grundschule nach Rainfeld. Lange war ich nicht mehr dort und nach der internen Aufgabenaufteilung im Team bin ich für die Grundschule zuständig. Der, Kaplan, der nach den Sommerferien in der Pfarreiengemeinschaft eingesetzt wird, soll zwei Schulstunden übernehmen. Als für ihn Dienstvorgesetzter kümmere ich mich um die Abstimmung mit dem Schulleiter. „Das sind tolle Nachrichten, die sie heute mitbringen“, meint er. Er hat ja auch allen Grund froh zu sein. Schließlich fehlen in seinem Stundenplan für das neue Schuljahr einige Religionsstunden. „Mit solchen Nachrichten können sie jeden Tag kommen“, sagt er feixend und winkt zum Abschied.

Die nächsten Stunden sollen viel anstrengender sein: ich gehe als eine Art Psychologe auf Krankenkommunion. „Auf Krankenkommunion gehen“ ist nichts anderes als eine Umschreibung für die Kranken, die nicht in die Kirche gehen können, zu Hause zu besuchen. Meist sind es ältere oder gehbehinderte Menschen. Sie sind ein Leben lang in die Gottesdienste gegangen, haben Kraft und Hoffnung aus der Liturgie und Eucharistie gezogen – und müssen nun zu Hause bleiben. Für viele ist es eine Entbehrung, dass sie nicht in die Kirche kommen können. Und so fiebern sie meist der Krankenkommunion entgegen. Sie freuen sich, wenn die Hauptamtlichen „auf Krankenkommunion gehen“ und ein wenig Gespräch haben über „Gott und die Welt“. Für viele ist es eine willkommene Abwechslung im Einerlei des Alltags. Fünf Besuche stehen für mich heute an.

Heinrich, ein über Sechzigjähriger ist immer gut gelaunt. Nur seine Beine wollen in letzter Zeit nicht mehr so wie er will. Selbst mit Rollator geht es nur noch mühsam durch Haus und Dorf. Doch als ich ihm von Autos, Traktoren und Radios erzähle, strahlt er über das ganze Gesicht. Hier kennt er sich aus. „Immer gute Fahrt“, sagt er und gibt mir seine Hand zum Abschied. Ich nehme sie: „Vielen Dank“.

Ein paar Meter weiter wohnt Frau Apollonia. Sie wird liebevoll von einer ihrer Töchter und einer ihrer Enkel umsorgt. Auf ihrem Tisch stapeln sich die Gebetsheftchen, aus denen sie entsprechend der Tageszeit ein Heftchen herauszieht. Doch zunächst erzählt sie mir ihre Lebensgeschichte – ich weiß nicht, wie oft ich sie schon gehört habe. Aber immer wieder spannend. „Halten sie die Stellung“, wünsche ich ihr. Wieder ein paar Meter weiter besuche ich Magda und Johannes. Johannes hatte vor Monaten einen Schlaganfall. Seine Frau kümmert sich ganz liebevoll um ihn. Ja, sie macht mit ihm Bewegungs- und Sprachübungen. Mit Tränen in den Augen berichtet sie vom Leidensweg ihres Mannes – und dem eigenen.

Frau Agatha wird dieses Jahr 90. Schon seit Jahren lebt sie in ihrem Zimmer. Auch ihre Beine lassen sich nur schlecht bewegen. Aber was die Politik oder Familie angeht, ist sie immer auf aktuellem Stand. Ihre Tochter kann ein Liedchen von der Mutter singen. Ich glaube, Frau Agatha kann auch ganz schön fordernd sein oder ein schlechtes Gewissen machen, wenn sie nicht beachtet wird. Die Kranke ruft, so kommt es mir vor, - die anderen springen: aus Gehorsam oder moralischem Druck durch sich selbst oder aus Liebe.

Noch ein Besuch: Frau Fisch ist die absolut coolste Omi „auf der Krankenkommunion.“ Ich finde sie unheimlich auf Beziehung mit Menschen und Kommunikation mit ihnen angelegt. Am liebsten wäre es ihr, wenn viele Menschen sie besuchen. Gerne sich sitzt sich während des Sommers auf ihrer Sitzbank vor dem Haus.