007 - Live And Let Die - Roger Moore - E-Book

007 - Live And Let Die E-Book

Roger Moore

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Beschreibung

James Bond, der 007-Agent mit der Lizenz zum Töten, zieht seit über 50 Jahren die Zuschauer in seinen Bann. Exotische Schauplätze, wunderschöne Frauen, eine actiongeladene Handlung und der typisch britische Humor haben aus Ian Flemings Kunstfigur ein Pop-Phänomen gemacht. Für die ungebrochene Begeisterung sind vor allem zwei Darsteller aus der Frühphase verantwortlich - Sean Connery und Roger Moore. Moore musste sich 1972 der schwierigen Aufgabe stellen, die Rolle des Elite-Geheimagenten von seinem Vorgänger Connery zu übernehmen. Von nun an sprach er die Worte: "Mein Name ist Bond - James Bond." Live And Let Die (dt. Titel: Leben und sterben lassen) wurde sein erster Film und ist weltweit der dritterfolgreichste Bond aller Zeiten. Um den neuen Darsteller dem Publikum schon vor der Premiere vorzustellen, verpflichtete man den sprachgewandten Roger Moore zum Führen eines Tagebuchs. Hier berichtet er von den 84 Drehtagen - humorvoll, intelligent und politisch nicht immer korrekt. Es waren die Zeiten, in denen ungehemmt geraucht, getrunken und den Frauen hinterhergepfiffen wurde. Moore nimmt den Leser mit in die gefährlichen Sümpfe Louisianas, an wunderschöne Drehorte auf Jamaika, nach New York und in die Londoner Pinewood-Studios. Er dokumentiert nicht nur die Filmaufnahmen, sondern erzählt auch von seinen Kollegen, dem Filmteam und natürlich dem attraktiven Bond-Girl Jane Seymour in der Rolle der Wahrsagerin Solitaire. Doch das Leben als 007 verlief nicht immer reibungslos. Pleiten, Pech & Pannen bestimmten den Dreh, und Knochenbrüche, Verstauchungen oder ein abgebrochener Zahn gehörten zum Alltag des angehenden Superstars. 007 - Live And Let Die - Die Filmtagebücher ist ein faszinierendes Zeitdokument aus einer Ära, in der ein Kinobesuch noch ein spannendes Ereignis war. Lebendig erzählt, voller Anekdoten und mit einer Prise britischen Humors präsentiert Roger Moore Schnappschüsse, Momentaufnahmen und selbstironische Betrachtungen.

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Seitenzahl: 360

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Roger Moore

007

Live and let die

Die Filmtagebücher

übersetzt von Alan Tepper

www.hannibal-verlag.de

Impressum

Der Autor: Roger Moore

Deutsche Erstausgabe 2018

Titel der Originalausgabe:

„The 007 Diaries: Filming Live And Let Die“ von History Press, The Mill, Briscombe Port, Stroud, Gloucestershire, GL5 2QG, UK

© Miramont Investments Ltd, 2018

Live and Let Die © 1973 Danjaq LLC und United Artists Corporation

Layout und Satz: Thomas Auer, www.buchsatz.com

Coverfoto: © Terry O’Neil

Cover Rückseite: © News UK

Fotos Innenteil: Sammlung des Autors, außer anders erwähnt

Übersetzung: Alan Tepper

Lektorat und Korrektorat: Dr. Matthias Auer

© 2018 by Hannibal

Hannibal Verlag, ein Imprint der KOCH International GmbH, A-6604 Höfen

www.hannibal-verlag.de

ISBN978-3-85445-654-4

Auch als Paperback erhältlich mit der ISBN 978-3-85445-653-7

Hinweis für den Leser:

Kein Teil dieses Buchs darf in irgendeiner Form (Druck, Fotokopie, digitale Kopie oder einem anderen Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet werden.

Der Autor hat sich mit größter Sorgfalt darum bemüht, nur zutreffende Informationen in dieses Buch aufzunehmen. Alle durch dieses Buch berührten Urheberrechte, sonstigen Schutzrechte und in diesem Buch erwähnten oder in Bezug genommenen Rechte hinsichtlich Eigennamen oder der Bezeichnung von Produkten und handelnden Personen stehen deren jeweiligen Inhabern zu.

Inhalt

Anmerkung des Herausgebers

Vorwort von David Hedison

Danksagungen

Die Besetzung

Die 007-Filmtagebücher

Bildstrecke

Postskriptum von Gareth Owen

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Anmerkung des Herausgebers

Um Sir Roger Moores wunderbar aufrichtige und humorvolle Tagebücher in den passenden Kontext zu stellen, müssen wir uns daran erinnern, dass sich seit der Niederschrift des Buches im Jahr 1972 viel verändert hat, sowohl in der Filmindustrie als auch gesellschaftlich. Einstellungen und Ansichten, die damals als vollkommen normal erachtet wurden, werden nun anders wahrgenommen und eingeordnet. Redewendungen und Ausdrücke, die früher zum alltäglichen Sprachgebrauch gehörten, sind heute altmodisch. Diese Tagebücher liefern einen einzigartigen Schnappschuss, wie das Leben in der damaligen Filmindustrie verlief, wobei gelegentlich bestimmte Ansichten nicht so fortschrittlich wie heute anmuten. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit sahen wir uns ermutigt, die Tagebücher in ihrer ungekürzten Form und stilistisch authentisch zu veröffentlichen, so, wie sie 1973 in Großbritannien erschienen sind. Lediglich unbedeutende Rechtschreibfehler und grammatikalische Fehler wurden ausgeräumt.

[Zwischen den Tagebüchern und dem Film sind einige wenige Diskrepanzen zu finden, was einerseits darin begründet ist, dass nicht alle Szenen übernommen wurden, und andererseits an der deutschen Synchronisation liegt. Für James-Bond-Fans interessante Abweichungen werden durch eckige Klammern hervorgehoben, Anm. d. Übers.]

Vorwort von David Hedison

Roger Moore trat erstmalig 1963 beim Kairo International Filmfestival in mein Leben. Wir besuchten den Auftritt eines lokalen Balletts im Rahmen einer Gala, und ich saß nichtsahnend eine Reihe vor ihm. Nach Ende der Vorführung – zumindest dachte ich, es sei das Ende gewesen – erhob ich mich und gab einige Beifallsbekundungen in Richtung der Bühne ab. Doch nach dem ersten Ballett trat noch ein zweites auf und danach sogar ein drittes. Mir wurde klar, dass ich viel zu früh applaudiert hatte. Am Ende eines weiteren Tanzes spürte ich ein Klopfen auf meiner Schulter, drehte mich um und sah Roger, der mit dem Hauch eines Lächelns in seiner tiefen Stimme frotzelte: „Du wirst doch jetzt nicht wieder Bravo rufen, oder doch, mein Junge?“ Wir brachen in lautstarkes Lachen aus, vereint gefangen als Kameraden bei einer scheinbar endlosen Aufführung.

Im Laufe der nächsten 50 Jahre entwickelte sich aus der humorvollen Geste die wohl tiefste Freundschaft, die ich jemals erlebt habe. Wir arbeiteten gemeinsam beiSimon Templarund dann – 1973 – anLive And Let Die[Leben und sterben lassen], sowohl sein Debüt als James Bond als auch meines als Felix Leiter. Ich erinnere mich, schon damals von seiner Liebenswürdigkeit und Güte beeindruckt gewesen zu sein, von der Rücksichtnahme auf das Team und die Schauspielerkollegen und seinem ansteckenden Humor, den er mit spielerischer Leichtigkeit am Set versprühte. Letzteren werden Sie selbst auf den vor Ihnen liegenden Seiten erfahren.

Roger hieß mich in seinem wunderbaren Privatleben willkommen. Zu Weihnachten lud er mich und meine Familie in die Schweiz ein und im Sommer nach Südfrankreich, immer bereit, die Vorteile und den Luxus seines Ruhms zu teilen, jedoch niemals ein Mensch, der seine außergewöhnliche Position zur Schau stellte oder Snobismus an den Tag legte. Als er zum Godwill-Botschafter der UNICEF berufen wurde, überraschte mich das nicht, denn ich hatte schon jahrelang sein Mitgefühl und die Großzügigkeit erlebt.

An meinem 90. Geburtstag erfuhr ich von seinem Tod und war zutiefst erschüttert. Ich erinnerte mich an all die wunderbaren gemeinsamen Zeiten, das Lachen und die gegenseitige Zuneigung, die man bei einer wahren Freundschaft erlebt. Er war ein reizender und liebenswerter Mann und wird immer mein bester Freund bleiben.

Ich bin hocherfreut, dass Sie mit diesem Buch an den fantastischen Abenteuern teilhaben dürfen, die Roger bei seinem ersten James-Bond-Film erlebte. Es brachte mir viele schöne Erinnerungen zurück, und ich hoffe, dass Sie Ihre Freude haben werden, diese mitzuerleben.

Danksagungen

Ich möchte Harry Saltzman, Cubby Broccoli, Guy Hamilton, Dan und Hazel Slater sowie Derek Coyte danken, ohne die das alles nicht möglich gewesen wäre.

Zudem möchte ich Sean Connery danken –mitdem es nicht möglich gewesen wäre.

Die Besetzung

James Bond…Roger Moore

Dr. Kananga/Mr. Big…Yaphet Kotto

Solitaire…Jane Seymour

Sheriff Pepper…Clifton James

Tee Hee…Julius W. Harris

Baron Samedi…Geoffrey Holder

Leiter…David Hedison

Rosie Carver…Gloria Hendry

„M“…Bernard Lee

Moneypenny…Lois Maxwell

Adam…Tommy Lane

Whisper…Earl Jolly Brown

Quarrel…Roy Stewart

Strutter…Lon Satton

Taxifahrer 1…Arnold Williams

Mrs. Bell…Ruth Kempf

Charlie…Joie Chitwood

Die schöne Agentin…Madeline Smith

Dambala…Michael Ebbin

Verkäuferin…Kubi Chaza

Sängerin…B.J. Arnau

Die 007-Filmtagebücher

Man sagt, dass das gesamte Leben kurz vor dem Tod vor den eigenen Augen vorbeirast. Das Einzige, was in meinem Blickfeld auftauchte, war eine große Wellblechhütte, die aus den Sümpfen Louisianas herausragte und der ich mich mit einer Geschwindigkeit von „gemächlichen“ 100 Stundenkilometern in einem außer Kontrolle geratenen Motorboot näherte. Natürlich würde ich da reinknallen – und konnte nichts mehr dagegen unternehmen. Ich endete als Häufchen Elend auf dem Boden des Boots – mit einem pochenden, schmerzenden Knie und einer tauben Schulter. Ich presste die Hand gegen den Mund, mit einem Gefühl, als hätte ich 54.000 Zähne im Kiefer, die auf einmal zu feinstem Split zermalmt würden. Hier war ich also und begann die Rolle des James Bond zu spielen – vermeintlich zahnlos. Wie in aller Welt hatte ich mich bloß in so eine Lage bugsiert?

Es begann am Sonntag, den 8. Oktober 1972, an dem ich als der neue James Bond England in einem wahren Blitzlichtgewitter in Richtung New Orleans verließ. Wir flogen über New York, und die Reise wurde heiter und ausgelassen. Danny Kaye war mit an Bord und trieb natürlich sofort seine Spielchen mit den Stewardessen. Während ein Mädchen vor den Sitzreihen des Jumbos stand und krampfhaft versuchte, den Passagieren die Bedienung einer Rettungsweste beizubringen, äffte Danny das arme Ding hemmungslos nach.

Die Ankunft in New York, wo eine elegante Suite im Sherry-­Netherland auf uns wartete, verlief – wie kann man es am besten beschreiben – im Bond-Stil. Zwei dicke Straßenkreuzer warteten auf die Ankömmlinge – einer für uns und einer fürs Gepäck. Danny fuhr mit uns und dachte ständig an ein Delikatessengeschäft in der Sixth Avenue, wo er sich einige „Salt Beef“-Sandwiches sichern wollte. Ich hingegen fühlte mich total groggy und wollte so schnell wie möglich ins Hotel. Nachdem wir im Sherry-Netherland angekommen waren, wo Danny ganzjährig eine Suite gemietet hatte, hängte er sich an die Strippe und versuchte, die Nummer des Delikatessengeschäfts herauszufinden. Schließlich bekam er sie und musste feststellen, dass sie zu so einer Tageszeit nicht mehr auslieferten.

Am nächsten Morgen schleppte mich der amerikanische Kostümberater Arthur McGhee in aller Herrgottsfrüh durch die Geschäfte, um mir einige saloppe Outfits für den Film zu verpassen. Man feierte den Kolumbus-Tag, was ich angemessen fand, denn Kolumbus war ein Mann, der nicht wusste, wohin er wollte, und, endlich dort angekommen, zudem nicht wusste, wo er war. Wir begnügten uns damit, den Paraden auszuweichen.

Danny stellte uns das Brownies vor, ein Restaurant an der Seventeenth Street, in dem man gesunde Kost servierte. Dort gesellten sich Topol und ein mysteriöser israelischer Gentleman zu uns, dessen Namen man nur hinter vorgehaltener Hand murmelte. Später fand ich heraus, dass es sich um den Oberbefehlshaber der israelischen Luftwaffe handelte, der sich inkognito in Amerika aufhielt. Arthur kam auch zum Essen, dabei triumphierend einen schmutzig-braunen Levis-Anzug mit sich herumschleppend, mindestens 16 Größen überdimensioniert. Er meinte, das Teil werde im Klima des Südens auf meine Größe einlaufen.

Man sagt, New Orleans sei anders. Wir kamen an und stimmten zu – dort ist es anders. Meine Frau Luisa und ich bemerkten das vom ersten Augenblick an. In der Stadt herrscht eine andere Hitze, und auch das Straßenbild unterscheidet sich vom Gewohnten. Wir bezogen ein wunderschönes Hotel im French Quarter, das man – passender hätte es kaum sein können – das „French Quarter Inn“ getauft hatte.

Der Mittwochmorgen begann mit Proben für die 15-minütige Verfolgungsjagd im Irish Bayou, einem Höhepunkt vonLive And Let Die. Ich übte, wie man scharfe 180-Grad-Wendungen fuhr, zuerst mit 30 Stundenkilometern, dann mit 60, danach mit 80 und schließlich mit 100. Diese Kisten waren keine gewöhnlichen Powerboote mit Außenbordmotoren, sie glichen Düsenjets. Das Steuerrad konnte nur bei einem auf Hochtouren laufenden Motor effektiv bedient werden. Drei Mal nahmen wir dieselbe scharfe Kurve, und drei Mal ging die Umdrehungszahl runter und stotterte sich langsam wieder hoch. Als wir kurz vor der vierten Fahrt standen, meinte ich zum Fahrlehrer: „Ob wir ihn jetzt wieder runterfahren?“ Tja, ich forderte das Glück heraus, und dieses Mal kam das Boot nicht wieder auf Touren, womit sich das Steuern erübrigte.

Wir hinterließen ein durchlöchertes Boot und humpelten mit ähnlich abgewrackten Körpern ans Ufer. Man packte mich – immer noch in Badehose – in einen Wagen, und zurück ging es nach New Orleans. Meine Zähne waren mir am wichtigsten, und so suchte ich nach kurzem Umziehen zuerst einen Zahnarzt auf. Ein schnell aufgenommenes Röntgenbild zeigte einen zerbröselten Schneidezahn, der mittlerweile höllisch schmerzte. Als Nächstes verschob man mich in ein Krankenhaus, wo der Arzt mir die gute Nachricht mitteilte, dass mein Bein nicht gebrochen, und Luisa die schlechte, dass meine Unterhose schmutzig sei. Ich zeigte mich keineswegs überrascht, nach dem, was ich alles mitgemacht hatte. Danach ging es wieder ins Hotel, wo ich über die Nahkampfverletzungen des Tages nachdachte.

Mit der Post am Donnerstag erhielt ich ein Angebot derCosmopolitan, die mich als Centerfold-Pin-up für die Juniausgabe haben wollte, die mit dem Debüt vonLive And Let Diezusammenfiel. Endlich berühmt! Ich als Häschen für emanzipierte Ladys! Man muss nicht erwähnen, dass ich natürlich nicht für das Blatt posierte.

Als ich vom Zuschlag für die Rolle als Bond erfuhr, bläute mir Harry Saltzman, der die Reihe gemeinsam mit Cubby Broccoli produziert, ein, alles strengstens geheim zu halten. Er wollte jedoch, dass ich mich mit Regisseur Guy Hamilton in Verbindung setzte, fernab vom Büro, wo uns niemand sehen konnte. Wir trafen uns im Scott’s in Mayfair – natürlich im Bond-Stil, was über ein Dutzend Austern und Martinis bedeutete. Ich gestand Guy, bei der Lektüre des Drehbuchs nur Seans Stimme gehört zu haben, die sagte: „Mein Name ist Bond.“ Beim Aussprechen des Satzes bemerkte ich, wie ich meiner Stimme dabei einen schottischen Akzent verlieh. Guy sagte nur: „Schau mal, Sean war Sean, und du bist du, und so wird das jetzt auch laufen.“

***

Freitag, der 13. Der erste Drehtag begann für mich um 6.30 Uhr nach einer bösen Nacht mit einem qualvoll schmerzenden Bein, einer ziehenden und verspannten Schulter und klappernden Zähnen. Ich stolperte aus dem Bett und entschied mich für die tägliche Morgengymnastik, die mir bis auf die Kniebeugen gelang, da „Knie“ und „beugen“ für mich momentan zu den Fremdwörtern zählten.

Vor der Tür entdeckte ich einen kleinen untendurch geschobenen Umschlag. Es war eine Notiz von Guy, verfasst auf dem Papier des French Quarter Inn. Die Überschrift lautete: „Tagesanbruch. D-Day.“ Es folgte der Text: „Auf den Weg in die Schlacht. Fühle mich durch deine Zeilen ermutigt. Das Glück ist auf unserer Seite. Wie immer, dein Guy.“ Die Zeilen, auf die er sich bezog, stammten von einer Notiz, die ich am Vorband unter seiner Tür durchschob. Sie lautete: „Viel Glück für Morgen und Hals-, aber besser noch Beinbruch.“ Das wäre mir an dem Tag ja beinahe passiert. Und ich ergänzte: „Wenn ich deinen Anweisungen nicht folge, erteile ich dir die Erlaubnis, mir einen Tritt in den Allerwertesten zu verpassen.“ Glücklicherweise blieb ich an dem Tag davon verschont, doch es standen noch weitere bevor.

Die Aufnahmen fanden 30 Meilen von New Orleans entfernt statt, in einem hinterwäldlerischen Bayou. Bond entkommt der todbringenden Truppe von Mr. Big, dem boshaften schwarzen Mastermind, der die westlichen Mächte mittels der ungewöhnlichen Waffen harte Drogen und Voodoo in die Knie zwingen will. Die Story fegt von New Yorks Harlem durch New Orleans bis hin zu Doctor Kanangas gespenstischer Insel San Monique. Wir begannen heute mit der Verfolgungsjagd. Glücklicherweise schoss man auf mich – hier sind die Kameramänner gemeint –, während ich im Boot saß, weshalb niemand das Humpeln bemerkte. Ich erlebte einige eklige Schrecksekunden, als meine Schaluppe nach einer scharfen Kurve direkt auf das Kameraboot mit Guy zusteuerte, in dem noch ungefähr 15 Crewmitglieder hockten. Sie lagen dort vor Anker, schienen sich aber wie magisch auf mich zuzubewegen, ähnlich wie die gestrige Wellblechhütte. Ich dachte: Jetzt schon wieder das Schlamassel!, doch riss dann das Ruder noch rechtzeitig herum und drehte ab.

Auf der Rückfahrt erwartete ich, von Guy angeblökt zu werden, doch er gab sich nett und jubelte: „Großartig, großartig.“

Luisa und eine Handvoll Leute vom Team, darunter auch Harry, aßen in einem Café am Straßenrand mit Aircondition zu Mittag. Draußen waren es ungefähr 35 Grad, während ich hier drin die Shrimps Creole mit Michelob runterspülte, einem sehr netten amerikanischen Light-Bier. Harry und seine Frau Jackie nahmen zur Spülung Weißwein. Allerdings schrie Harry herum, da es nicht der bestellte und gekühlte Chablis war, woraufhin die arme kleine Bedienung rotierte.

Nach überstandener Mittagspause geht es wieder zu den Booten. Das Wasser ist dreckig und morastig, und wenn wir die Motoren auf Touren bringen, wird der ganze Schlamm aufgemischt und hinterlässt einen stechenden, übelkeitserregenden Geruch. Auf dem Wasser schwimmen überall Algenhaufen, und wenn man genau hinschaut, erkennt man schwarze Schlangen, die sich ihren Weg hindurch bahnen. Man beruhigte mich jedoch und erklärte, dass die Alligatoren in dieser speziellen Gegend sehr müde und lahm seien, weshalb ein kräftiger Biss von den Viechern höchst unwahrscheinlich sei.

Jerry Comeaux, der Boots-Organisator und Stuntman, musste sich sein Shirt drei oder vier Mal ausziehen und in die Brühe tauchen, um die Motoren vom Grünzeug zu befreien. Schließlich entwickelte er eine regelrechte Zuneigung für sich schlängelnde Schlangen und widerlichen Schlamm. Bei Sonnenuntergang verwandelte sich der Drehort jedoch in eine wunderschöne Location.

Den ersten Tag geschafft, humpelte ich aus dem Boot und kehrte zurück in mein hübsches Motorhaus – wie sie es hier nannten –, einen luxuriösen Wohnwagen für 16.000 Dollar. Ich warf mir „Zivilkleidung“ über und fuhr in das French Quarter Inn, wo mich eine große Flasche Jack Daniels mit kühlem Naturwasser erwartete. Gott sei Dank handelte es sich nicht um abgepumptes Wasser aus dem Bayou, in dem ich mich hatte vergnügen dürfen.

***

Tag zwei. D-Day plus eins oder B-Day für Bond plus eins. Es ist mein Geburtstag. Ein wirklich schöner Geburtstag. An diesem Samstagmorgen zum Gebimmel des auf sechs Uhr gestellten Weckers hochzuschrecken glich einem Schock. Ich humpelte auf dem beinahe paralysierten Bein durch das Zimmer und versuchte, die Morgengymnastik zu absolvieren. Meine Laune war derartig kratzbürstig, dass ich Luisa die Hölle heiß machte, obwohl sie keine Schuld traf. Vermutlich wollte ich die Tatsache leugnen, dass mein Bein schmerzte und meine Frau tatsächlich meinen Geburtstag nicht erwähnte.

An diesem Morgen entschied ich mich für meine Lieblings-Abführ-Zerealien, All-Bran. Der Zimmerservice versuchte alles nur Erdenkliche, um michnichtzu verstehen, als ich um All-Bran bat. „All-was?“ hörte ich eine tiefe Stimme im feisten Südstaaten-Dialekt. Der Ober bereinigte die Situation mit einem „Gib ihm ’ne Schüssel Cornflakes“. Luisa reichte mir den Koffer, der auffiel, als ich ihn am Griff packte, wonach der gesamte Inhalt im Zimmer verstreut lag. Während sie alles wieder hineinschaufelte, platzte es aus mir heraus: „Und du hast nicht daran gedacht, dass heute mein Geburtstag ist!“

Harry Saltzman und ich fuhren gemeinsam zu dem 30 Meilen außerhalb von New Orleans gelegenen neuen Drehort. Er lag tief versteckt in einem Sumpfgebiet – wunderschön, doch eine Brutstätte für Moskitos, Alligatoren und Schlangen.

Als wir die Location erreichten, erwarteten uns über 20 Boote und ein Ponton, ein Metallmonster, das auf dem Bayou auf und ab schaukelt. Heute steht eine Szene an, in der Jimmy Bond – das bin natürlich ich – von den Booten der Schurken gejagt wird. Ein leichter Job, der bedeutet, dass die Verfolger mir den Weg abschneiden, seitliches Ausbrechen und haarsträubende Sprünge über das Wasser. Nein, nein, nicht die ganz großen Sprünge, die stehen noch bevor.

Mein Humpeln ähnelt dem von James Cagney in der Rolle des „Gimp“ in einer alten Ganoven-Klamotte, weshalb es mir nur recht ist, dass nun die frühen Szenen mit mir im Boot abgekurbelt werden. Beim Versuch, würdevoll zu gehen, hätte man den Dreh abbrechen müssen, abgesehen von der Möglichkeit, ein anderer hätte das erhabene Gehen für mich erledigt.

Natürlich gesellte sich Luisa heute nicht zu uns. Harry verplapperte sich beim Erreichen des Drehorts, meinte, sie bereite etwas zu meinem Geburtstag vor. Ich soll es ja eigentlich nicht wissen, tippe aber auf eine Überraschungsparty. Unglücklicherweise habe ich auch eine Überraschung für Luisa. Ich weiß, dass Harry für den Abend einen Arzt aufgetrieben hat, der versuchen wird, endlich mein Bein zu richten. Die Heißwasser-Therapie erwies sich nicht als sonderlich erfolgreich, sondern hatte nur ein aufgedunsenes und gerötetes Bein hinterlassen.

Die einzige Erleichterung eines Tages mit beinahe 40 Grad in einem von Moskitos befallenen Sumpf war die Rückkehr in mein Motorhaus mit Klimaanlage (gleichzeitig die Garderobe), um mir gebackenen amerikanischen Schinken einzuverleiben. Die Kühlbox ist bis oben mit frischem, reinem Mineralwasser gefüllt, da ich erfahren habe, dass Mel, der Fahrer des Wohnmobils, ein Mitleidender in Sachen Nierensteine ist. Meine Probleme begannen vor 13 Jahren während eines Drehs in der Wüste Utahs. Es handelte sich dabei um den FilmDas Gold der sieben Bergemit Clint Walker. Wir nahmen damals mitten in der Wüste auf, bei Temperaturen von fast 50 Grad und keinem Plätzchen mit Schatten. Ich dehydrierte schnell. Als Resultat der Dehydratation begannen die gesundheitlichen Probleme ein Jahr später mit der Bildung von Nierensteinen. Tatsächlich musste ich mich schon vor zweieinhalb Jahren – kurz vor dem Drehstart vonDie 2– einer recht harmlosen Operation unterziehen, bei der man mir zwei Steine entfernte. Was mich befremdete: Drei Monate vor den Aufnahmen in Utah – von denen ich zu dem Zeitpunkt noch gar nichts wusste – hatte mir der Astrologe Maurice Woodruff erklärt, dass ich einen Film unter schwierigsten Bedingungen aufnähme. Es sollte angeblich in größter Hitze und in der Nähe von Wasser gekurbelt werden. Als Nachwehen der Hitze würde ich viele Jahre lang leiden.

Nicht nur ich feiere heute meinen Geburtstag am Set, sondern auch Derek Cracknell, der erste Assistent, und Bill, einer der amerikanischen Bühnenarbeiter. Ich erfuhr schnell von Bills Geburtstag, da ich eine Zigarre – nur zwei Mal daran gezogen – behutsam auf den Boden eines Boots legte, woraufhin ich in ein anderes umstieg. Als ich mich umdrehte, um danach zu sehen, entdeckte ich den grinsenden Bill, der mir mit dem dicken Glimmstängel zuwinkte.

Der heutige Drehort gehört zum großartigen Bundesstaat Louisiana, auch bekannt als Sportler-Paradies. Anscheinend treiben hier aber nur die Moskitos Sport, indem sie uns anzapfen und das Blut wieder ausspucken. Jemand erzählte mir, man habe einen Moskito beobachtet, der einen Spatzen mit seinen Klauen umklammert habe. Ich weiß, dass das nicht stimmt, denn ich habe das Massaker beobachtet: Es war eine Taube.

Gestern, also am ersten Drehtag, fühlte ich mich wie ein Schuljunge an seinem ersten Tag, denn ein Großteil der Crew hatte schon zuvor miteinander gearbeitet. Sie brauchten wohl einen Tag, um herauszufinden, dass ich kein totaler Feigling war. Es ist ein großartiges Team. Guy, der Regisseur, und Bob Kindred, der Kameramann, ließen sich auf dem Bug eines Motorboots festbinden, das mit fast 100 Stundenkilometern durch den Bayou raste, um Nahaufnahmen von mir zu schießen. Dazu gehört eine Menge Mut. Da erst wurde mir klar, warum ich vor Beginn des Drehs ein wenig üben musste. Es ging ihnen nicht um meine Sicherheit, sondern um ihre!

***

Montagmorgen und Tag drei. Harry rief mich um 8 Uhr an und erklärte, dass es heute für einige zu einer Beerdigung gehe. „Das ist aber nett. Ist es meine?“, meldete ich Bedenken an. Es handelte sich jedoch um eine Jazz-Bestattung des berühmten Musikers Sylvester George Handy, der um 12 Uhr beigesetzt werden sollte. Ich war auf „Standby“ geschaltet, was bedeutete, bei Bedarf jeden Augenblick zur Location gerufen zu werden, wo der Rest der Crew schon drehte. Die besten Organisatoren entwerfen unmögliche Pläne, weshalb ich in aller Eile zum Drehort rasen musste und somit der Beerdigung nicht beiwohnen konnte. Das wird mir bei meiner eigenen hoffentlich nicht passieren.

Und so hockte ich wieder im Boot und donnerte den Bayou auf und ab, dicht hinter mir die mich verfolgenden Schurken plus die Moskitos. Ich nehme es allerdings lieber mit den Bösewichten auf. Die Inszenierung der Verfolgungsjagd wurde groß und vielschichtig angelegt. Wir benötigten zwei Wochen für die acht Minuten des Films, der über die Leinwand flimmern wird. Luisa war auch anwesend und verbrachte den ganzen Tag damit, mit einer Nikkormat mit einem 200er-Zoom-Objektiv zu jonglieren und hübsch auszusehen. Sie hilft mir bei der Bereitstellung des Fotomaterials für einige Blätter rund um den Globus und das vorliegende Buch. Sie ist eben nicht nur ein hübsches Gesicht.

Zwischenzeitlich hebt ein kolossaler Kran Rampen an ihren Bestimmungsort. James Bond soll mit über 120 Sachen über eine Straße brettern! Dieser Abschnitt hier wurde gesperrt, denn dort parkt schon ein Wagen, in dem ein großes Motorboot steckt. Er wird bei der Aufnahmesequenz eingesetzt, in der einem Schurken der Sprung über die Straße misslingt und er direkt in den Dienstwagen des Sheriffs kracht.

Von jetzt an werde ich Guy nur noch den General nennen. Er ist ein waschechter Kommandeur, der seine Truppen geschickt im Feld einsetzt. In unserer „Einheit“ befinden sich über 100 Leute, und die Koordination der Zusammenarbeit ist kein Zuckerschlecken, besonders nicht in der brüllenden Hitze. Am Nachmittag kurbelten wir eine Probeaufnahme ab, bei der ein Schnellboot über zwölf Meter durch die Luft schießt. Den General bei der Organisation des Stunts zu beobachten war schon etwas ganz Besonderes. Clifton James, der den Redneck-Sheriff spielt, und Tommy Lane in der Rolle von Adam, einem der Bösewichte, müssen zwischen zwei Wasserabschnitten ausharren, während das Boot über ihre Köpfe hinwegrast. Ich erkläre dem für die Garderobe zuständigen John, er solle den Sheriff mal für eine kurze Minute um den Hut bitten, damit er ihn mit Kleenex-Papier auskleiden könne. Nur für den Fall, das Boot trifft seinen Kopf.

Alle Mitarbeiter lassen die Beschwernisse mit blendender Laune über sich ergehen. Heute haben wir an die 1000 Schaulustige angezogen. Ich hoffe mal, sie gehören nicht zu den typischen Gaffern auf Flughäfen, die nicht die Landung eines Fliegers sehen wollen, sondern die Bruchlandung.

Doppelte Bestnoten für die Stuntmen des Films. Ich habe niemals etwas Vergleichbares gesehen wie die beiden Bootssprünge, die das Stunt-Ass Jerry Comeaux heute ablieferte. Er doubelte einen der schwarzen Schauspieler, hatte sich das Gesicht schwarz angepinselt und trug eine Perücke, ähnlich der, die bei der Zeichnung des Kindes auf dem Etikett von Robertson’s Marmalade zu sehen ist. Beim zweiten Sprung nahm er die Distanz von zehn Metern, schlug auf dem Wasser auf, kam wegen eines anderen Boots ins Schlingern, schoss die Uferböschung hinauf und überschlug sich. Alle – natürlich auch ich – rannten los. Der erste Assistent schrie: „Zurück. Ich habe niemandem erlaubt, ins Bild zu laufen.“ Die Kameras liefen immer noch. Glücklicherweise war Jerry noch ganz. Möglicherweise hatte ihn die Perücke gerettet?

Ich nahm ihn mit in das Motorhaus, wo Jack Daniels auf ihn wartete, nicht zu vergessen eine Sanitäterin, die sich den unteren Wirbelsäulenbereich anschaute, der schmerzte. Als man Jerry aus seinem wasserundurchlässigen Anzug pellte, rutschte seine Hose mit hinunter und offenbarte uns sein Hinterteil. Er stieß einen panischen Schrei aus. Der harte Bursche schämte sich tatsächlich, dass die Sanitäterin sein Popöchen sah. Ich teilte ihm daraufhin einen Spruch mit, den John Barrymore einst Anthony Quinn steckte: „Wie kann ich stolz auf etwas sein, bei dem jeder Schimpanse mit mir gleichzieht und jeder Arsch mir überlegen ist?“

***

B-Day vier, an dem uns das Unglück regelrecht verfolgt. Entweder versucht ein Gremlin oder ein Mann von SMERSH, der russischen Spionageabwehr, Jimmy Bonds Aktivitäten zu sabotieren. Gestern war Jerry an der Reihe, der immer noch lächelnd unter dem Boot hervorkrabbelte, und heute hieß das Zielobjekt John Kerner, einer der anderen Fahrer. Er saß neben mir, als ich mir mein Bein quetschte, und entkam mit einer Platzwunde am Kinn. Diesmal hatte er nicht so viel Glück. Eins der Stahltaue, mit denen das Boot an der Sheriff-Kutsche befestigt war, riss, sauste wie eine Peitsche durch die Luft und traf ihn am Auge. Es sieht so aus, als müssten sie ihn operieren. Ich frage mich, wer der Nächste in der Reihe ist.

Heute hat man mich wieder in den „Standby“-Modus versetzt. Das ist ein angenehmes Privileg, da es bedeutet, den ganzen Tag herumzusitzen und nichts zu machen. Joel Rosen, der zweite Regieassistent, der immer mit „Dein Lieblingsassistent“ unterschreibt, wenn er mir eine Bereitschaftsnotiz zukommen lässt, rief mich an und meinte, ich könne den Tag nach Belieben verbringen. Daraufhin machten sich Luisa, Jackie, Harry und ich zu einer Erkundungstour des French Quarter auf. Es ist ein bezaubernder Teil von New Orleans, mit mehr Kunst- und Kuriositätengeschäften, Museen und Restaurants als Wohnungen. Die Bourbon Street stellt das Zentrum dar. Am Tag ist es brütend heiß, und manches wirkt sehr schäbig. Dort findet man Striptease-Schuppen mit „richtigen“ Girls, Striptease-Schuppen mit Jungs, die wie Girls aussehen, und Striptease-Schuppen nur mit Jungs, nicht zu vergessen viele gute Jazz-Kaschemmen.

Wir aßen in einem Chinarestaurant zu Mittag, das zufälligerweise China Town hieß, was sich zu einer ganz neuen Erfahrung entwickeln sollte. Es erinnerte an den Witz, bei dem ein Mann ein Restaurant betritt und das komplette Menü auf Chinesisch bestellt, was den Ober mehr als erstaunt, handelte es sich doch um ein französisches Restaurant. In diesem Chinarestaurant war – um mal damit anzufangen – die Bedienung eine Schwarze. Harry, ein peinlich genauer Esser und beinahe schon ein Gourmet, empfand ein Chinarestaurant in der Bourbon Street als höchst verdächtig und inspizierte sein Menü mit hochgezogenen Augenbrauen. Plötzlich sah ich den Ausdruck größten Entsetzens in seinem Gesicht. „Ist das der Koch?“, fragte er, dabei in Richtung Küche spähend, von wo aus ihn ein tiefschwarzes Gesicht anstrahlte. „Oh, nein, Sir“, lautete die Antwort der Bedienung. „Das ist einer unserer Kellner. Der Besitzer ist der Koch, und er ist Chinese.“

Ich verbrachte den Nachmittag mit einem sehr kostspieligen Zeitvertreib, denn ich spielte Gin Rommé gegen Harry. Mich beschleicht das Gefühl, er bittet nur um ein Spielchen, um mir die gesamte Gage wieder abzuluchsen.

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Mittwoch: B-Day fünf. Ich schaue fern zum Frühstück. Hier wird einem zu frühester Stunde schon ein Haufen dummes Gewäsch serviert. Eine kleine Gruppe von Schauspielerinnen und abgehalfterten Leuten aus dem Showbusiness macht die Runde in den verschiedenen Talkshows und erzählt Tag für Tag dieselben Geschichten, besonders die beiden Schwestern aus Mitteleuropa, deren Name ich lieber verschweigen werde, doch sie stellen sich als Darlinks, Darlinks, Darlinks dar. Diese Ladys haben ihre helle Freude an der hemmungslosen Selbstdarstellung. Es stellt für mich ein unlösbares Mysterium dar, wie die Interviewer auch nur den Hauch von Interesse vorspiegeln können. Ich würde lieber den Tag im Sumpf mit den Moskitos verbringen.

Heute nahmen wir noch zusätzliche Sequenzen für die Verfolgungsjagd per Boot auf. Die Spannung der Jagd wird gelegentlich durch die humorvolle Rolle von Sheriff Pepper abgemildert, den man nach allen Regeln der Kunst verarscht. Clifton James liefert eine wundervolle Darbietung in seiner Rolle als Sheriff ab. Einer der Fahrkräfte gehörte früher zur lokalen Polizeitruppe. Irgendwie kam er an das Drehbuch und zeigte es dem tatsächlichen Sheriff. Es sagt viel über die Freundlichkeit und Kooperationsbereitschaft der Polizei von New Orleans aus, dass man uns nicht direkt im hohen Bogen aus Louisiana hinauswarf. Die Metropolitan Police oder eine andere britische Polizeieinheit hätte solch eine Verulkung nicht so leicht hingenommen.

Unglücklicherweise fiel die Mittagspause heute sehr lang aus, und – Überraschung, Überraschung – Harry hatte seine Karten mitgebracht, was für mich bedeutete, ein weiteres Tageshonorar zu verlieren. Momentan spricht er schon über den zweiten Bond,Der Mann mit dem goldenen Colt, mit dessen Aufnahmen er im August nächsten Jahres beginnen will. Wahrscheinlich wird er den ganzen Streifen von meinen angelaufenen Schulden finanzieren, wenn dieser Dreh vorbei ist.

Schade, dass Drehbuchautor Tom Mankiewicz nach Kalifornien zurückkehren musste. Wir alle vermissen sein lächelndes, sympathisches Gesicht, doch es ist gut möglich, dass er bald wiederkommt. General Hamilton prophezeit, wir könnten in Jamaika, unserer nächsten Location, in eine Drehbuchkrise geraten. Tom, der Co-Autor vonDiamantenfieber, ist der Sohn des großartigen Autors, Produzenten und Regisseurs Joe Mankiewicz, der geradeMord mit kleinen Fehlernmit Laurence Olivier und Michael Caine in London vollendete.

Wolkenverhangenes Wetter verhinderte die Aufnahmen am Nachmittag, und so wurde ich von einer Reporterin der Lokal-Gazette interviewt, einer sehr niedlichen jungen Lady namens Jennifer mit einem langen „J“ und einem breiten Südstaaten-Akzent, bei dem sie kaum den Mund öffnet. Erinnert mich bitte daran, dass ich Tony Curtis erzähle, dass sie noch nichts vonDie 2gehört hatte. Sie schien die Sichtung von Alligatoren anzuzweifeln, obwohl ich ihr erklärte, erst heute Morgen einen Kroko gesehen zu haben, der fragte, wann sie denn zum Set komme.

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B-Day sechs begann am frühen Morgen in der Dunkelheit mit hoher Luftfeuchtigkeit. In der Conti Street vor dem French Quarter Inn wartete ein Plymouth Fury III auf mich. Wir nahmen den Weg über den Jackson Square bis hin zum French Market, dem Covent Garden von New Orleans, wobei die Scheinwerfer einige für morgendliche Kunden aufgestellte Kürbisse illuminierten, manche davon schon für Halloween dekoriert. Dann rasten wir unter den Lichtmasten hindurch, die den Interstate Highway Richtung Slidell beleuchteten, während sich der morgendliche über den Sümpfen und Bayous schwebende Nebel lichtete und langsam einer gelben Sonne wich. Streifen grauer Wolken schienen bedrohlichen Regen anzukünden, laut Radiomoderatorin mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Harry spendierte mir einen Espresso, doch meine italienische Frau hatte mich bereits daran gewöhnt – drei Tassen, und man kann eine Woche lang nicht schlafen. Fred Goldberg, von dem ich behaupten muss, dass er ein netter Mann ist (da er als Abteilungsleiter der Werbe- und Publicity-Abteilung von United Artists vorsteht, die die Bond-Filme weltweit veröffentlichen), kam heute aus New York an und brachte mir zwei Kisten jamaikanischer Zigarren mit. Aber er ist tatsächlich ein sehr netter Mann. Wenn ich gerade von Zigarren spreche – ich verstecke immer noch meinen Geheimvorrat Havannas, die ich durch den amerikanischen Zoll schmuggelte.

John Kerner, der Bootsfahrer, dem das Tau ins Gesicht geschlagen war, stieß gestern nach einer OP wieder zur Einheit. Seine Begeisterung dafür – und auch die der anderen –, die Arbeit professionell zu erledigen, ist bewundernswert.

Jerry Comeaux und ich fuhren gemächlich den Fluss zum heutigen Drehort hinauf. Um 9.30 Uhr hatten uns schon zwei Alligatoren begrüßt, drei Wassermokassinottern und ein Schwarm wie verrückt durch die Luft springender Forellen: Das einzige hier beheimatete Reptil, das ich noch nicht traf, ist die Nordamerikanische Kupferkopf-Schlange. Sie ist so giftig wie Klapperschlangen, und ich verspüre nicht das geringste Bedürfnis einer näheren Bekanntschaft.

Heute besuchte uns ein Überraschungsgast am Set – Bob Dix, Sohn des berühmten Schauspielers Richard Dix. MGM hielt ihn und uns im Würgegriff eines Vertrags, der auf eine Dauer von gefühlten 150 Jahren hinauslief. Seit Unterzeichnung des Kontrakts hat er neun Filme produziert, drei Mal geheiratet und einige Kinder gezeugt. Meine Mutter würde hin und weg sein, könnte sie ihn sehen, denn er ähnelt sehr seinem Vater, der ihr Herzschmerz-Leinwandheld war. Als Kind nahm sie mich immer mit ins Kino, um all seine Filme zu sehen. Mein Vater war hingegen ganz verrückt nach Jean Harlow – und ich nach Eiscreme und Mickey Mouse. Ein Unglück konnte nur knapp abgewendet werden, als der Ponton mit 21 Leuten (oder 17 + 4 – ich muss immer ans Kartenspielen denken) durch eine massive und starke Unterströmung außer Kontrolle geriet. Das Wasser schwappte über die Seite, und die Mitarbeiter schnappten sich nervös Drehbücher, Kameras und die Metall-Filmdosen. Jerry und ich empfanden uns als angemessen heroisch, da wir den Tag retteten, indem wir den Ponton durch einen seitlichen Gegendruck unseres Powerboots stabilisierten und die Produktion so vor größerem Unglück bewahrten.

Elaine, das Script-Girl, das man auch „die Herzogin“ nannte, stand bereits am Rande eines Nervenzusammenbruchs, ein Zustand, den ich zusätzlich elektrisch auflud, indem ich erklärte, schon seit über fünf Minuten keinen einzigen Alligator mehr gesehen zu haben.

Harry trieb mich beim Lunch wieder in die Enge, und ich musste erneut beim feucht-fröhliche Gin Rommé antreten. Dieses Mal packte ich ein Unentschieden, was im Fall von Harry einem Sieg gleichkommt. Er verließ den Mittagstisch schon früh mit mürrischem Gesichtsausdruck, denn heute muss er die Produktionskosten aus eigener Tasche blechen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich Harry darauf hinwies, dass beinahe jedes Honorar für die Zehnmeter-Sprünge des Stuntman Jerry Comeaux zu niedrig sei, was ich gleichzeitig Jerry steckte und ihm riet, sich einen Agenten zu suchen.

DasLive And Let Die-Karussell nimmt nun auch in dieser Gegend an Fahrt auf. Die Karawane der Schaulustigen wird täglich länger und länger. Ich verbringe mehr Zeit mit dem Signieren von Autogrammen als mit der Jagd auf Bösewichte. Der drohende Niederschlag blieb aus, doch es wurde deutlich kühler. Es ist eine angenehme Abwechslung, verglichen mit den Sauna-Verhältnissen, unter denen wir sonst arbeiten.

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Die ausgedehnten Rasenflächen des Baldwin-Anwesens erstrecken sich bis zum Rand des Bayous, wo bei niedrigem Wasserpegel ein rostiger Lastkahn der Unionsarmee der Nordstaaten aus dem Bürgerkrieg zu sehen ist. Spanisches Moos hängt von den riesigen Eichenbäumen herab und bietet eine malerische Kulisse für B-Day sieben

Die friedliche Atmosphäre wird vom Dröhnen eines Evinrude-Motors erschüttert, denn Bonds Gefährt – mit mir hinter dem Steuer – schießt aus dem Fahrwasser direkt auf den Rasen, dicht gefolgt vom Boot eines Schurken, das an mir vorbeizieht und im Swimmingpool landet. Ein Powerboot mit einem 135er-Evinrude-Motor, welches beschaulich in einem nierenförmigen Swimmingpool festsitzt, ist sicherlich ein urkomischer Anblick. Es gleicht einer Annonce für den Mann, der nun wirklich alles besitzt.

Um mich von hinten zu filmen, pflanzten sich General Hamilton und Kameramann Bob auf den Rücksitz des Bootes. Das verschob natürlich die hochsensible Balance, und als Guy rief: „Durchstarten!“ fuhr ich den Motor auf Vollschub, was zur Folge hatte, dass die Nase im 90-Grad-Winkel in den Himmel ragte, Wasser ins Heck lief und unsere „Rückseiten“ genässt wurden. Beim nächsten Mal beschwerten wir den Bug mit Sandsäcken.

Cubby Broccoli traf heute aus London ein, mit sich im Schlepptau Donald Zec vomDaily Mirror. Für Donald war es eine völlig unerwartete Reise gewesen. Nur einen Tag zuvor hatte ihm Cubby ein gemeinsames Dinner vorgeschlagen. Donald stimmte zu. Daraufhin sagte Cubby beiläufig: „Ich habe schon einen Tisch im Antoine’s in New Orleans vorbestellt.“ Ein leicht verwirrter Donald flog also die 4000 Meilen von London zu einem Essen, das – und das versicherte er mir – die ganzen Umstände rechtfertigte.

Morgen werden wir eine Hochzeitsszene drehen, bei der Bond – hinter sich die Verfolger – mit seinem Schnellboot einen 200 Meter langen Rasen durchpflügt, auf dem sich das Brautpaar gerade sein Ehegelübde gibt.

Leider Gottes bekam die lokale Radiostation Wind davon und gab fälschlicherweise bekannt, wir benötigten zusätzliche Statisten als Hochzeitsgäste. Der morgige Drehort liegt genau neben dem Fleckchen Morast, wo ich bei den Proben meinen Kampf mit der Wellblechhütte austrug und wenig ruhmreich verlor. Denke ich an den Unfall, drängt sich eine ähnliche Erinnerung auf. Es war meine erste Hauptrolle in Hollywood an der Seite von Lana Turner. Der Film hießDiane – Kurtisane von Frankreichund erzählte die Geschichte von Diane de Poitiers, gespielt von Lana. Ich stellte Prinz Heinrich II. dar. Ausstaffiert mit einer beeindruckenden goldenen Rüstung, führte ich eine Streitkraft von 60 Reitern an. Meine Panzerhandschuhe wie auch der Brustharnisch bestanden aus kaum biegbarem Metall. Als ich dem Ross die Sporen gab, glitten mir die Zügel aus den Händen. Ich konnte gerade noch die Füße aus den Steigbügeln reißen, denn das verängstigte Tier raste direkt auf Steinstufen zu. Ich erlangte mein Bewusstsein wieder, schaute hoch zu einem Kreis besorgter Gesichter und hörte leises Murmeln. Die ersten deutlichen Worte, die meine Ohrmuscheln erreichten, stammten aus Lanas lieblichem Mund: „Ist alles in Ordnung?“

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B-Day acht. Vor einem auf dem abschüssig gelegenen Rasen aufgestellten Altar des Treadway-Anwesens findet die feierliche Filmhochzeit statt. Wir hoffen, dass der Treueschwur bis in alle Ewigkeiten hält. Das Wasser des Bayous fließt friedlich seinen Weg, die Hochzeitstimmung bestimmt die idyllische Atmosphäre, untermalt vom Spanischen Moos, das von den umgebenden Bäumen hängt. Allerdings wirken die wunderschöne Braut, der Bräutigam, die Brautjungfern, der Priester und die 80 Gäste ein wenig zu angespannt für eine gemächliche und sonnige Südstaaten-Hochzeitsfeier. Keinesfalls eine Überraschung!

Die beschauliche Ruhe wird durch das entsetzliche Kreischen hochgefahrener Motoren zerrissen, das die Ja-Worte des Hochzeitpaars übertönt. Reihen von fest arretierten Objektiven sind am Rand des Geschehens platziert, und vier Kameras vollziehen einen Schwenk, wodurch sie die Powerboote einfangen, die mit über 100 Sachen auf das Ufer zurasen, Stuntman Murray Cleveland allen anderen voran. Murray schlingert wie wild über den Rasen und kracht direkt in eine riesige Eiche, mit dem lautesten Knall, den ich jemals gehört habe. Die Kameras werden angehalten, da Murray mit aller Gewalt erst nach vorne gerissen und dann zurückgeschleudert wurde. Eine ganze Traube von Menschen eilt ihm zu Hilfe und zieht ihn aus dem Wrack. Zehn Minuten später. Jerry Comeauxs Boot verliert an Schwung und rast in einen anderen Baum. Als wären zwei Unfälle an einem Tag nicht schon genug, würgt ein Aussetzer den Motor des dritten Bootes ab, das sich natürlich auch in einem Baum verewigt.

Nach einer 45-minütigen Unterbrechung donnert der Stunt-Koordinator Eddie Smith in seinem Powerboot mit über 100 Stundenkilometern heran, schießt aus dem Wasser auf den Rasen und zielt mit unfehlbarer Genauigkeit auf die dreischichtige Hochzeitstorte, die er auch exakt trifft. Der Bug rast durch eine Wolke feinster Konfektionsware, wonach das Boot das Empfangszelt durchschlitzt und dabei Tische, Stühle, aufgestapelte Geschenke und Champagner-Gläser in einem ohrenbetäubenden Special-Effects-Knall zerstört.

Das Treadway-Anwesen, einst Teil eines Indianerreservats, sieht aus, als habe hier Custers Kavallerie gewütet und ein totales Chaos hinterlassen. Hinter dem in sich zusammengefallenen Zelt liegen die heutigen Opfer wie in einem Feldlazarett aufgereiht. Für die Versicherungsgesellschaft war es ein rabenschwarzer Tage: 30.000 Pfund in den Sand gesetzt oder, treffender ausgedrückt, in den Bayou geworfen. Und die amerikanischen Ärzte dürfen sich heute über einen Freiluftausflug freuen.

Ich nahm Donald Zec vor dem Mittagessen mit zu einer ruhigen und langsamen Bootsfahrt durch die Sümpfe. Nachdem er die Unfälle beobachtet hatte, war er vermutlich nicht besonders erfreut darüber, doch es schien ihm Appetit zu bereiten, denn schon nach fünf Minuten ließ er einige deutliche Hinweise zum Lunch fallen. Wieder zurück sahen wir den Generalstab des Films, der im Halbkreis auf dem Rasen hockte. Harry stand auf und ging weg, was Donald zu der Frage veranlasste, wohin er denn wolle. Ich antwortete: „So wie heute alles läuft, schätze ich mal, dass er in seine Synagoge rennt.“

Zwischen der Presse und den Fotografen der Standbilder hatte sich eine angespannte Situation entwickelt, da alle darüber palaverten, wer von ihnen die Fotorechte bekomme. Ich verbrachte den ganzen Tag mit Sätzen wie „Könnten Sie bitte dort rüber gehen?“, „Schauen Sie doch bitte ins Licht“ oder „Bitte direkt in die Kamera sehen“. Das erinnert mich an die Hochzeit mit Luisa in Caxton Hall. Jeder Tag bringt neue Journalisten mit sich. Mittlerweile haben sich hier so viele Presseleute versammelt, dass sie sogar den Moskitos zahlenmäßig überlegen sind. Der Druck, Bond zu sein, steigt täglich. Das betrifft nicht die Rolle, sondern den Schauspieler, der die Rolle verkörpert. Wie viel Zeit werde ich eigentlich mit dem tatsächlichen Spielen verbringen?

Letzte Nacht machte ich zuerst kein Auge zu und fiel schließlich um 2 Uhr morgens in einen unregelmäßigen Halbschlaf, der aber drei Stunden später von einem Anruf Leslie Bricusses jäh unterbrochen wurde. Er hielt sich in London auf, wo es gerade 11 Uhr war. Der nette Kerl hatte mir noch ungenutztes Material von seiner neuen ShowThe Good Old Bad Old Daysaufbewahrt. Leslie hatte schon die Texte für einige der Themensongs für Bond-Streifen geschrieben, und Cubby wartete bereits darauf, mit ihm über Lyrics fürLive And Let Diezu reden. Bei der Rückkehr von der Location schaltete ich den Fernseher ein und sah direkt in das Gesicht von Leslies Frau, Yvonne Romaine. Die Bricusses haben heute meinen Tag gestartet und beendet. Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter.

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Sonntagmorgen und Tag neun. Er beginnt mit Frühstücksmarmelade und verbalem Brei aus dem Fernsehen. Ich durchsuche die Kanäle nach einer frühen Nachrichtensendung, doch höre lediglich Worthülsen wie: „Ich fühlte mich, als müsste ich weinen, denn mein Herz war so schwer, es ist einfach alles, es ist so schwierig, das in Worte zu fassen, aber ich blickte in seine Augen, und er war auch den Tränen nahe, und ich fühlte das Gleiche. Ich wollte ihn berühren, ihn wissen lassen, dass ich in dem Augenblick ganz in seiner Nähe bin. Nur ein richtiger Mann vermag so etwas.“ Das war ein Interview zwischen einer Sportmoderatorin und einem Sportler. Das zu ertragen, fällt zu jeder Tageszeit schwer, ist jedoch um 6 Uhr morgens schlichtweg unmöglich.

Trotz des gestrigen Desasters hatten wir noch zwei Boote und zwei unserer immer bereiten Kamikaze-Piloten – auch Stuntmen genannt –, die sich bereithielten, den Rest der Hochzeitsfeier-Sequenz auf Tread­ways Rasen in den Kasten zu bringen. Zum Tagesanbruch wurde die Einheit auf den Weg zum Irish Bayou befördert, wo sich Dreharbeiten allerdings erübrigten. Man konnte nicht mehr erkennen, wo der Bayou begann und der Rasen der Treadways endete. Über das saftige Grün schwappte nun eine ein Meter hohe Brühe. Starke Winde hatten den im Norden von New Orleans liegenden Lake Pontchartrain dermaßen aufgepeitscht, dass das Wasser des über 1800 Quadratkilometer großen Sees in die Bayous gedrückt wurde und hier alles überschwemmte. Die Flut wird für Cubby und Harry verdammt teuer. Bei Gesamtkosten, die sich auf täglich 70.000 Dollar belaufen, wird ein Drehtag nicht ohne triftigen Grund abgesagt.

Die Dollars mal beiseite, freute ich mich über einen Ruhetag, aber ich schätze, dass die 84 Freunde der Treadways, ausstaffiert mit ihrer nobelsten Kleidung für die nun sprichwörtlich ins Wasser gefallene Hochzeitsszene, zutiefst enttäuscht waren. Luisa und Keri, Guys Frau Kerima, zerrten mich am Nachmittag zu einem Arbeitsausflug ins lokale Kino.

Was die tatsächliche Arbeit anbelangte, wurde der Tag zu keiner kompletten Verschwendung. Ich konnte mich in meine Bond-Schale werfen – die Roger Moore/Cyril Castle designten Anzüge, die ich trage – und mit dem Fotografen Akhtar Hussain sowie dem Team-Fotografen George Whitear durch das French Quarter zur New-Orleans-Fotosession schlendern.

„Champagne“ Charlie Slater, der Besitzer des French Quarter Inn, schmiss gestern Abend zu seinem 22. Hochzeitstag eine Party und lud all die hier wohnenden Teammitglieder ein. General Guy verkrümelte sich, da er schon früh raus musste, aber als einziger Schauspieler der Gruppe wurde von mir Anwesenheit erwartet. Wir machten uns auf die Reise in den pompösen, sehr teuren Vorort Gretna, in dem die Häuser der Millionäre der Stadt stehen.