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ADAX DÖRSAM Ein 68er wird 70 Geprägt von wilden anarchischen Zeiten, einem konservativen Elternhaus und unerschütterlichem Optimismus zieht die Frohnatur ihre Kreise. Adax Dörsam hat sich nicht geschont & wenig ausgelassen. Ein Füllhorn von Anekdoten, politisch-philosophischen Sichtweisen und poetischen Anwandlungen erwartet den Leser. Begegnungen mit Horst Engelhardt, JOANA, Manuela, Marla Glen, Clemens Bittlinger, Xavier Naidoo und Impressionen aus Bhutan und Armenien spiegeln ein spannendes Leben!
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Seitenzahl: 93
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Umschlagfoto: by b7UE_Artwork Lutz Jahnke
Satz & Gestaltung: Verena Kessel
ISBN Hardcover-Buch
978-3-86476-203-1
ISBN E-Book EPUB
978-3-86476-689-3
ISBN E-Book PDF
978-3-86476-690-9
Seit 1542
Verlag Waldkirch KG
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AdaxDörsam
Warum der Titel fünfundzwanzig? Weil ich im Hier & Jetzt lebe, weil ich 25 Wohnsitze hatte, weil die Quersumme von 25 sieben ist: ich bin am 7. August geboren, und 7 x ein Jahrzehnt ergibt 70…
1955 in Mannheim auf dem Lindenhof geboren, 1965 in Fürth im Odenwald weiter gediehen. 1972 über Unter-Mengelbach, Klein-Breitenbach, Münschbach, Zotzenbach, Weinheim, Heppenheim, Großsachsen, wieder Mannheim, 1989 Offenbach am Main, 1995 Nieder-Liebersbach, 2008 Mörlenbach und schließlich 2020 als Silberfuchs in Rimbach gelandet…
Alle Wege, auch die Irrwege, bescherten mir wertvolle Erkenntnisse. Dafür bin ich sehr dankbar! Hier drei Beispiele:
Ich misstraute in den 70ern unseren Medien und unterstellte ihnen Manipulation. Die AfD nennt das heutzutage „Lügenpresse & Staatsfunk“. Mittlerweile verteidige ich unser Medien-System, besonders die Öffentlich-Rechtlichen. Ich finde, dass wir eine der besten und freiesten Presselandschaften der Welt haben. Diesen guten Zustand sollten wir unbedingt erhalten!
Ich lachte früher über den Spruch „Der wird doch vom Osten bezahlt“. Heute ist das belegt und passiert mehr denn je; nicht nur vom Osten, auch von Trump, Musk & Anderen. Wir werden massiv wie nie zuvor mit Fake News beschossen: Ein Fegefeuer für unsere Augen & Ohren!
Ich liebäugelte früher mit Sozialismus & Kommunismus, mit Marx & Mao; heute halte ich das für einen fatalen Irrweg. Genauso wie den ungezügelten Raubtier-Kapitalismus á la Trump & Milei. Mein Ideal ist die Soziale Marktwirtschaft.
Wir werden alle irgendwo in die Welt geworfen, keiner kann bestimmen wo. Ich bin sehr dankbar, hier in Deutschland geboren zu sein. Das Leben ist auch bei uns kein Ponyhof, aber ich erlebe unser deutsches System als sozial, produktiv und freiheitlich. Wir haben so viel erreicht und so viele Chancen und Möglichkeiten! Ich sehe kein Land, in dem ich lieber leben würde…
Ich danke Gott für unfassbar viele Momente des Glücks, die ich erleben durfte! Von krassen Nerds bis zu seriösen Workaholics gewann ich Einblicke in die verrücktesten Lifestyles. Es ist ein Geschenk, so vielen inspirierenden Menschen zu begegnen: Mein Naturell hat mich sehr weit getragen…
„Alles Leichte ist schwer, bevor es leicht wird.“ Ein super Spruch! Er korrespondiert mit „Die leichte Muse ist die schwerste“. Etwas leicht klingen zu lassen, ist harte Arbeit, und die liebe ich!
Ich bin eine federleichte Odenwälder Eiche*, ein solitärer Sonderling, der bei Starkregen vergnügt spazieren geht und dabei die allergrößten Glücksgefühle hat.
Immer neugierig und lernfähig bleiben und dabei das Schöne genießen: Das ist für mich der Sinn des Lebens. „Heitere Gelassenheit“ ist mein Wahlspruch, auch wenn mein aufbrausendes Naturell mir da manchmal ein Schnippchen schlägt…
„In the year 25“ werde ich nun 70 und wünsche maximalen Spaß bei der Lektüre!
Und wenn mich einer fragt „Wie geht es dir“? antworte ich: „Altersbereinigt sehr gut!“
Mit herzlichen Grüßen aus dem DaxBau,
Adax Dörsam
07.08.2025
*Zitat Michael Kercher
Vorwort
Inhalt
Zufrieden & lebensklug
Omas & Opas
Horst Engelhardt
Erste Auftritte
Jimi Hendrix
Marla Glen
Schön, dass du da bist
Politik
Unser Land
Autofreier Sonntag
Typisch deutsch
Armenien
Bhutan
Verdichtetes
Beliebte 2er, 3er und 4er
Skurrilistan
Aufgeschnappt…
Im Wintermantel beim Sonnenkönig
Ein Fall für JOANA
Isch hab nix gehört. MANUELA
Clemens Bittlinger & Toivo der Große
Erhebende Momente
Einmal Landau und zurück
Volle vier Tage
Weltbeste Toiletten
00
Die Gulaschsuppe
Welt-Alzheimertag
Champions League
Mentoren
DANK
Der NetzDax
Album 25 EPK. Adax Dörsam
Musikalische KurzBio
Zufrieden sein bedeutet, dem Frieden zu-geneigt sein; mit dem Zustand der Welt in Frieden zu leben. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“, sagte einst Jesus. Und das frohgemut, auch wenn man sich erst mal darüber ärgert… Resilienz sagt man heute zu der Fähigkeit, sich positiv mit Unpässlichkeiten zu arrangieren.
Wir neigen dazu, den negativen Dingen größeres Gewicht zu geben als den positiven. Die schlechte Nachricht verkauft sich besser als die gute. Wir lieben das Drama, nicht das Idyll! So ist Zufriedenheit sehr schwer zu erreichen… Wer sich zu sehr grämt über die Unvollkommenheiten der Welt, verliert seinen inneren Frieden. Schnell ist das Gefühl da, Opfer zu sein. Misslichkeiten werden „bösen Mächten“ zugeschrieben. Das nimmt mich aus der Verantwortung und macht mich zum Opfer. Dabei steckt in jedem von uns „das Böse“. Diese Einsicht ist uralt und wahr: Yin & Yang. In jedem Mensch steckt ein Hitler, ein Putin, ein Mussolini; aber auch eine Mutter Theresa, ein Ghandi, ein Albert Schweitzer. Jeder Mensch kann zum Teufel werden, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Lebensklug zu sein bedeutet für mich, sich nicht zu sehr von seinen spontanen Emotionen leiten zu lassen. Empathie und Bauchgefühl sind wichtig, aber nach dem ersten nahen Eindruck ist es unerlässlich, das große Bild mit Abstand zu betrachten. Wer zu sehr ins Detail geht, verliert den Blick für das Ganze. Joachim Ringelnatz hat das wundervoll beschrieben:
Wenn man das zierlichste Näschen
Von seiner liebsten Braut
Durch ein Vergrößerungsgläschen
Näher beschaut,
Dann zeigen sich haarige Berge,
Dass einem graut.
Was aus der Ferne harmonisch wirkt, hat unter der Lupe plötzlich Disharmonisches. Wenn man das große Ganze sieht, scheint es perfekt; hochvergrößert entdeckt man die Unvollkommenheiten.
Sich zurücklehnen, lebensklug das große Ganze betrachten und den Moment genießen, das ist die wahre Lebenskunst! Diese Haltung findet sich in der französischen „Les affair“-Mentalität: Die Welt ist nicht optimal, aber es lässt sich in ihr lustvoll leben. Also genieße das Hier & Jetzt! „Love the one you are with“. Dieser Kompromiss ist der Schlüssel zum zufriedenen Leben. Da wir nun einmal sehr verschieden sind und jeder größten Wert auf seine individuelle Sichtweise legt, sind wir darauf angewiesen. Der Kompromiss ist die Lebensader jeder Beziehung. Er ist auch essentiell für die Demokratie. Nur in einer Diktatur kann man ihn vermeiden…
Loreley Lullaby
https://youtu.be/Bju0pkSG_84
Zur Verwandtschaft mütterlicherseits hatten wir viel Kontakt: Nahezu jedes Wochenende fuhren wir von Mannheim, ich wuchs dort auf dem Lindenhof auf, nach Fürth im schönen Odenwald. Es gab erlebnisreiche Spaziergänge über den Hausberg Scheppel nach Altlechtern. Und viele Feste, die ich in bester Erinnerung habe. Bei den nicht selten ziemlich aufgeheizten politischen Diskussionen im Wohnzimmer mischten die mondänen Tanten Ursula und Erna den konservativen Männerladen der Kilian-Sippschaft kräftig auf. Sie waren die bunten Vögel, die die CDU/ CSU-Dominanz in Frage stellten.
Allzu gerne stibitzte ich die Früchte in Omas üppigem Nutzgarten. Eines Tages plünderte ich ein ganzes Stachelbeerbäumchen ratzeputz leer. Das trieb Oma Maria zur Weißglut: Sie verfolgte mich quer durch den Garten, wo ich auf dem Boden krabbelnd geschickt ihren Schlägen auswich! Ein anderes Mal erwischte sie mich, als ich durch die Kellertür in den Hausgang schlich. Ich hatte gerade ganz alleine mit Genuss ein großes Einmachglas Heidelbeeren verputzt. „Gell Du haschd Heidelbeern genaschd, odder?“ „Nein, nein!“ leugnete ich, mit total verfärbter Zunge…
Mein Opa Johannes war Finanzbeamter, aber auch ein Jäger alter Schule. In meinem Kopf sind unauslöschlich die krassen Bilder von in der Waschküche aufgehängten toten Wildkatzen mit riesigen Köpfen, von bunten Fasanen und von großen Hasen eingemeißelt. Manchmal durfte ich mit auf die Jagd. Opa war mehr Heger als Jäger und ein sehr zögerlicher Schütze: Bis er überlegt, entsichert, gezielt und geschossen hatte, waren die Tiere oft schon über alle Berge. Was meiner Oma durchaus recht war. Sie war etwa halb so groß wie mein Opa und zeterte fürchterlich: „Des is e riesische Sauerei mid dem Jage unn Schlachde, unn was des koschd“. Ein erfolgreicher Jäger musste damals seine Jagdkollegen im Wirtshaus verköstigen…
Maria und Johannes Kilian hatten sechs Kinder: Meine Mutter Adelheid war die Älteste, dann folgten Alois, Franz-Josef, Wilhelm, Hans und Winfried.
Seltener besuchten wir die Verwandtschaft meines Vaters, auch das waren unvergessliche Erlebnisse. In der Diesterweg-Schule in Mannheim auf dem Lindenhof sangen wir „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt“. In Fahrenbach beim Opa saß ich stolz wie Harry auf dem Leiterwagen und die Kühe zogen uns aufs Feld hinaus. Das war ganz groß! Begeistert erzählte ich meinen Schulkameraden, was ich erlebt hatte. Besonders gefährlich war das Bremsen, nicht selten wollte der Wagen die Kühe überholen.
Gelegentlich gab es in der „Guud Stubb“, die nur selten geheizt wurde, Treffen mit Opa, Oma, den Tanten und den rauchenden Onkels. Auch hier fesselten mich die politischen Streitgespräche. Ich begriff nichts, aber die Energie war faszinierend, wie konnte man sich nur so ereifern? Die Männer führten das Wort und die Frauen saßen meist schweigend dabei. Meine Cousinen Maritta, Ilona, Birgit und Roswitha verzogen sich lieber in das Schlafzimmer und spielten und tobten dort derart, dass einmal sogar der INRI von der Wand fiel.*
Meine Aufgabe war es, den Apfelweinkrug immer wieder zu füllen. Mutig durchquerte ich den dunklen Hinterhof um über eine schiefe Sandsteintreppe hinab in einen Naturkeller zu gelangen. Selbst im Hochsommer war es dort kalt und feucht, ein unheimlicher Ort. Natürlich naschte ich jedesmal etwas von dem saueren bitteren Gesöff und wunderte mich über das Behagen der Erwachsenen beim Trinken…
Oma & Opa Dörsam
Oma & Opa Kilian
Opa Johannes war Ortsdiener. Er ging durch die Straßen von Fahrenbach, läutete mit einer Glocke und las dann die Bekanntmachungen laut vor. Opa hatte rigide Vorstellungen vom Musikgenuss: Pünktlich um 12:00 vor dem Essen schaltete er das Radio in der Küche ein, um Nachrichten zu hören. Und sofort danach wieder aus. „Musik gibt es in der Kirche“, war seine Devise. In diesem Haus war kein Platz für Töne. Selbst in der „Guud Stubb“ gab es keinen Fernseher oder Plattenspieler. Mein Vater hätte so gerne ein Instrument gelernt… Er hat sich dann später selbst Sopran-, Altblockflöte und Akkordeon beigebracht, das hat uns Kinder besonders in der Weihnachtszeit fasziniert.
Was mich beeindruckte: Als Stadtkind kam für mich die Butter viereckig und kalt aus dem Kühlfach im Tante Emma Laden. Bei Oma und Opa sah ich, wie im Kuhstall gemolken und die warme dampfende Milch in ein schmales hohes Holzgefäß gefüllt wurde. Oma saß dann in der Küche auf einem Schemel und stampfte sie geduldig zu Butter. Das dauerte…
Oma Elisabeth und Opa Johannes Dörsam hatten ebenfalls sechs Kinder: Der älteste war mein Vater Franz, dann folgten Katharina, Anna, Josef, Elisabeth und Hans.
*berichtet von Maritta Krick
Er war ein Mensch voller Energie undüberbordender Lebensfreude:
Horst Engelhardt brachte gute Laune in die Stube!
Er war ein begeisternder Menschenfreund, ein großzügiger
Wohltäter; und Mannheims erfolgreichster Teppichhändler!
Im Dezember 2011 erweist er sich als Radikalphilosoph.
Bei einem Auftritt von JOANA & Adax im „Maria EngelhardtHaus“ antwortet er auf den Einwurf eines Heimbewohners,man könne nicht immer guter Dinge sein:
„Wer nicht fröhlich ist, gehört nicht auf diese Welt.“
„Mein Herz ist fröhlich und singt und tanzt!“
Horst Engelhardt neben mir sitzend nach seinem Lieblingslied„Weißt Du wie viel Sternlein stehen“ am Do, 22. November2012 im Maria-Engelhardt-Haus in Mannheim.
Sein Credo:
„In einer verkrumpelten Welt immer einen Schrittzu weit gehen“ 2013
„Mach mich nicht arrogant“
Horst Engelhardt zu seiner entzückenden Frau Rosela am27.1.2014
