Ach! Was für eine schöne Mauer! - Claude Lelong - E-Book

Ach! Was für eine schöne Mauer! E-Book

Claude Lelong

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Beschreibung

Von bescheidener Herkunft, aber begabt, studiert Claude an der Schule der RATP Geige und erreicht auf einem hindernisreichen Weg das Nationalkonservatorium für Musik, wo er sehr erfolgreich sein Studium abschließt. Aber die Stunde des Militärdienstes kommt: Frankreichs Armee beruft ihn ein und schickt ihn nicht wie vorgesehen in den Süden (Algerien, 1960) sondern nach Norden (Berlin). Und die in dieser Zeit errichtete Mauer schließt ihn in die Entdeckung der Liebe und des faszinierenden Musiklebens in Berlin ein.

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Seitenzahl: 54

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Diese paar Seiten sind dem wenig nachgetrauerten Genossen Erich Honecker gewidmet, dem wir die Aufrechterhaltung und Weiterführung dieser ‚großartigen‘ Berliner Mauer verdanken, die einer Trumpschen Mauer würdig ist.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1.

Buch

1.

Kapitel

2.

Kapitel

3.

Kapitel

4.

Kapitel

5.

Kapitel

6.

Kapitel

7.

Kapitel

8.

Kapitel

9.

Kapitel

10.

Kapitel

11.

Kapitel

2.

Buch

1.

Kapitel

2.

Kapitel

3.

Kapitel

4.

Kapitel

5.

Kapitel

6.

Kapitel

3.

Buch

1.

Kapitel

2.

Kapitel

3.

Kapitel

4.

Kapitel

5.

Kapitel

6.

Kapitel

7.

Kapitel

8.

Kapitel

9.

Kapitel

10.

Kapitel

11.

Kapitel

Epilog

Vorwort

Dieser Fakt ist neben dem meiner Geburt eindeutig der bedeutendste, aber ich schenke ihm keine Aufmerksamkeit, gebe ihm nicht mal den Status ‚Dunkle Erinnerung‘, und das versinkt dann totgeboren im tiefsten Vergessen.

Wenn ich mich in eine schreckliche Klemme gebracht haben werde, wird dieser Fakt ganz lebendig und auf ewig treu aus seinem Verließ kommen und mich überall und immer verfolgen.

1.Buch

1. Kapitel

Lasst uns zu einem Fakt kommen. Wir sind im Jahr 1947, ich bin 10 Jahre alt, meine Eltern und ich sind bei einer entfernten Cousine in Amiens, in einem dieser kleinen Häuschen für die Familien der Bergarbeiter.

Sie zeigt meinem Vater etwas und sagt: Ich weiß nicht, was ich damit machen soll, ich werfe es in den Müll.

Langes Schweigen.

Mein Vater: Eine Geige?

Langes Schweigen.

Gib sie doch Claude (das bin ich), wir sehen dann weiter. Von Anfang an habe ich diese Geige nicht wohlwollend betrachtet.

Mein Vater ist hartnäckig, und schnell findet er für mich eine sogenannte Geigenlehrerin.

Jeden Mittwochabend gibt sie mir in einer nahegelegenen Grundschule Unterricht.

Ausschlaggebend ist, dass die Stunden kostenlos sind.

Wenig begeistert, aber gehorsam, gehe ich halt hin.

‚Der Kleine ist begabt!‘ jubelt die Lehrerin.

Diese‘ Begabung‘ überzeugt mich nicht, sie ist für mich weniger wertvoll als die Zeit, die ich mit meinen Kumpeln auf dem Platz gegenüber von unserem Wohnhaus verbringe.

Diese Lehrerin braucht nur wenige Monate, um mich bei all diesen kleinen organisierten Wettbewerben von Verbänden, Schulen, Unternehmen, Fabriken, Wäsche- und Kunstfirmen vorzuführen.

Das Ergebnis ist immer gleich:

1.Preis, einstimmig, mit Glückwünschen der Jury.

Außerdem verleiht mir meine kurze Hose die Aura eines Wunderkinds. Obwohl mich das alles von meinen Kumpeln entfremdet, beginne ich, eine gewisse Sympathie für dieses Instrument zu empfinden, es schmeichelt meiner Eitelkeit. Ich ertrage sogar das langweilige Solfeggio.

2. Kapitel

Mein Vater arbeitet beim Pariser ÖPNV, welcher ehrenamtlich sehr engagiert ist: Ferienkolonien, Kindergärten und sogar eine anspruchsvolle Musikschule, wo richtig ausgebildete Lehrer fest angestellt sind.

So um 1949/ 50 schreibt mich mein Vater in einer Geigenklasse ein. Ich bin sofort ein Objekt der Begierde. Ich werde, wie man behauptet, einem schlechten Lehrer zugeteilt, der aber vom Direktor unterstützt wird, der andere, der angeblich gute, wird von seinen Kollegen unterstützt. Er gewinnt mich für sich.

In dieser Schule höre ich zum ersten Mal etwas über Musik sprechen, von Beethoven, Brahms, Mozart usw.

Diese Namen waren mir vorher nicht bekannt. Es gab immer nur das, was ich gerade spielte.

Man spricht auch über Interpreten: Ginette Neveu war bei Melomanen berühmt – dazu gehörte ich nicht. Sie starb bei einem Flugzeugabsturz zusammen mit dem berühmten Boxweltmeister Marcel Cerdan. Dieser Zufall machte sie auf Umwegen auch so bekannt.

Mein neuer Lehrer, Herr Colombani, ist ein sehr seriöser Mann, der sehr seriös spielt, aber ich finde so wenig Gefallen am Seriösen. Schließlich kann er mich doch beeindrucken. In dieser Schule bin ich dann auch mit zahlreichen Wettbewerben konfrontiert, aber auf einem anspruchsvolleren Niveau: dem SNCF Wettbewerb, dem der Pariser Post usw.

1.Preis, einstimmig, mit Glückwünschen der Jury.

Die Ergebnisse bleiben immer gleich.

Der Pariser ÖPNV hat ein eigenes, richtiges Symphonieorchester, bestehend aus Amateuren:

Das ist wieder eine neue Welt für mich. Höchste Ehre!!! Ich werde eingeladen, als Solist zu spielen.

ICH, ALLEINE, IN KURZEN HOSEN, ich alleine soll vor diesem Orchester stehen und bei einem öffentlichen Konzert das Solo ‚Die Meditation der Thais‘ spielen.

Da waren meine Eltern aber stolz!

3. Kapitel

Wir sind im Jahr 1951 angekommen, und eines schönen Tages hält Herr Colombani meinen Eltern eine merkwürdige Rede.

‚Ihr Sohn ist wirklich sehr begabt (man kommt nicht daran vorbei), und ich würde ihn mit ihrem Einverständnis gerne Madame Talluel vorstellen, sie ist Professorin am Conservatoire National Supérieur de Musique, unserer Eliteschule für Musik in Frankreich, sie ist sehr berühmt, und sie hat Ginette Neveu unterrichtet. Sie wird uns ehrlich sagen, ob Claude eine professionelle Karriere als Geiger anstreben kann. Wenn das der Fall ist, wird er Unterricht nehmen, seine ganze Zeit dem Geigenstudium widmen und das Gymnasium aufgeben müssen.‘

Das ist doch mal eine verlockende Idee!

Das Leben am Gymnasium begeisterte mich nicht, ich war wie viele andere ziemlich begabt, aber zerstreut. Ich glänzte vor allem beim Flippern. Am Ende der Unterrichtszeit stürzten wir in eine Brasserie nahe der Mirabeau Brücke und trieben den Sport mit Begeisterung.

Das bevorstehende Treffen mit dieser Dame, der berühmten Lehrerin der Geigerin Ichweißnichtwer interessierte mich überhaupt nicht. In jedem Fall wird diese Madame Talluel vor solch einem Talent wie mir auf die Knie fallen.

Am Tag des Vorspiels sind Herr Colombani, Papa und ich bei Madame Talluel, sie wohnt in einem guten Bezirk, das Gebäude ist großartig, ihre Wohnung luxuriös, Madame Talluel ist also eine bedeutende Persönlichkeit.

Ich spiele ihr etwas vor. Oh, was für eine Überraschung! Sie fällt nicht auf die Knie sondern zieht ein Gesicht. Ihr Blick fällt auf meine Golfhose von Bon Marché, dem Kaufhaus der Arbeiterklasse.

´Ohne Zweifel besitzt er gewisse Qualitäten`, sagt sie zu Herrn Colombani und fügt hinzu: ´ Er ist bereits 14 Jahre alt (ich hätte in kurzen Hosen kommen sollen!), na ja, wir können es versuchen. ´ Sie wendet sich mir zu: An den nächsten zwei Sonntagen wirst du im Konzertsaal der Musikschule im Cortot Saal der Ēcole normale de Musique dem Großteil meiner Schüler zuhören, da wirst du sehen, welcher Weg dir noch bevorsteht.

4. Kapitel

Kadenzen und Dekadenz.

Der erste Sonntag ist ein Albtraum, er zeigt heftig und grausam die Wirklichkeit.

Ich bin ein mittelmäßiger Geiger. Die 7- bis 8-jährigen Jungen in kurzen Hosen, die Mädchen mit rosa Ballettröckchen und Zöpfen, das geht ja noch.