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Sechzehn Grammys, unzählige Guinness-Weltrekorde und eine Stimme wie ein Donnerhall. Adele ist die Königin des Pop und begeistert Millionen mit ihren kraftvollen Songs und gefühlvollen Balladen. Doch wer hätte gedacht, dass der Superstar aus Großbritannien vor großen Auftritten immer noch manchmal Lampenfieber hat, die Spice Girls zu Adeles wichtigsten Einflüssen zählen und die Erstfassung ihres Bond-Songs »Skyfall« nach nur zehn Minuten stand? Von ihren Anfängen auf MySpace über ihren Durchbruch mit »Hometown Glory« bis hin zu den Schicksalsschlägen in ihrem Leben – Timon Menge hat Adeles einzigartige Karriere auf höchst unterhaltsame Weise nachgezeichnet und wartet mit der einen oder anderen Anekdote auf, die selbst eingefleischte Fans überraschen dürfte.
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Seitenzahl: 160
Veröffentlichungsjahr: 2024
Timon Menge
Adele
Timon Menge
Adele
über eine Pop-Ikone
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Wichtiger Hinweis
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Originalausgabe
1. Auflage 2024
© 2024 by riva Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
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Redaktion: Selina Hartmann
Umschlaggestaltung: Sonja Vallant
Umschlagabbildung: GettyImages/Gareth Cattermole
Satz: Andreas Linnemann
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-7423-2754-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-7453-2522-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-7453-2521-8
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
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VORWORT
EINFÜHRUNG
LANGE WACH
SPICE GIRLS
VORBILDER
THE CURE
ADELES FAMILIE
AUF DER BRIT SCHOOL
BROCKWELL PARK
»HOMETOWN GLORY«
DER ERSTE PLATTENVERTRAG
»CHASING PAVEMENTS«
MARK RONSON
19
NACH ÜBERSEE
FEHLSTART IN DEN STAATEN
SATURDAY NIGHT LIVE MIT SARAH PALIN
»MAKE YOU FEEL MY LOVE«
EIN TAMPON FÜR NEIL DIAMOND
WUFF
ADELE UND DIE VOGUE
FREUND AUF VIER PFOTEN
SCHÜTZENHILFE VON LENA
21
»ROLLING IN THE DEEP«
SASHA CARTER
»SET FIRE TO THE RAIN«
»SOMEONE LIKE YOU«
STIMMPROBLEME
AUF DEM OP-TISCH
GRAMMY-REGEN
DIE FEINE ENGLISCHE ART
»SKYFALL«
EIN OSCAR FÜR ADELE
ORDENSMITGLIED
»HELLO«
25
HEIMSPIEL IM WEMBLEY-STADION
ADELES HELFENDE HAND
EIN FLAGGENKAUF MIT FOLGEN
WIEDER BEI SATURDAY NIGHT LIVE
30
EIN GROSSZÜGIGES TRINKGELD
RESIDENZ IN LAS VEGAS
ADELE IN MÜNCHEN
QUELLEN
ÜBER DEN AUTOR
Stille. Die Nadel gleitet auf die Platte. Knack. Knistern. Eine schnell geschlagene Gitarre. Es dauert ein paar Sekunden.
Dann setzt sie ein: eine der größten Stimmen des 21. Jahrhunderts.
Obwohl der Song »Rolling in the Deep« schon mehr als zehn Jahre alt ist, bekomme ich beim Hören immer noch Gänsehaut. Der Minimalismus zu Beginn. Die archaischen Trommeln, die ab Sekunde 23 einsetzen. Das Piano, das den Song gemeinsam mit Adeles Stimme zu einem melodischen Meisterwerk heranwachsen lässt. Der Soul hat viele Heimatstätten. Doch als am 29. November 2010 diese Single erscheint, kommt er aus London.
»Rolling in the Deep« von Adeles zweitem Album 21 ist der Song, mit dem ihr der ganz große Durchbruch gelingt. Platz zwei in Großbritannien, Platz eins in Deutschland und vor allem: Platz eins und Multi-Platin in den USA. Quasi über Nacht steht die britische Sängerin an der Spitze der internationalen Popwelt und weiß kaum, wie ihr geschieht. Darf sie sich nun freuen? Sollte sie lieber Angst haben? Was wird der Ruhm mit sich bringen – und was nicht? Fragen über Fragen, die die junge Adele nicht zu beantworten weiß. Doch sie entscheidet sich trotz aller Ungewissheiten dazu, ihre Karriere weiterzuverfolgen.
Dabei erklimmt sie viele Höhen. Astronomische Verkaufszahlen, reihenweise Auszeichnungen, große Auftritte und erhabene Momente. Doch Adele durchlebt auch einige Tiefpunkte: Stimmprobleme, abgesagte Tourneen, Liebeskummer, Heimweh und Lampenfieber. Immer wieder kämpft sie mit der Tatsache, dass sie nicht für die Bühne geschaffen wurde, sondern erst lernen musste, im Rampenlicht zurechtzukommen.
Knack. Das Surren des Tonabnehmers. Wieder Stille. 21 ist vorbei – doch Adeles Karriere noch lange nicht.
In bisher 36 Lebensjahren und mehr als 15 Jahren im Musikgeschäft hat Adele viel erlebt, von ihrer Kindheit, als sie auf Dinnerpartys die Songs der Spice Girls zum Besten gibt, über ihre Zeit als Jugendliche mit Freunden im Brockwell Park im Süden Londons bis hin zu ihrem Status als 16-fache Grammy-Preisträgerin, die weltweit mehr als 120 Millionen Platten verkauft hat, immer wieder auf Zeitschriften zu sehen ist und mühelos das Wembley-Stadion ausverkauft. In einige dieser Geschichten möchten wir in diesem Buch eintauchen – und Adele ein bisschen besser kennenlernen.
Wenn jahrelange Adele-Hardcore-Fans in diesem Buch noch ein bis zwei neue Dinge über ihren großen Star erfahren, freut mich das – aber das ist nicht der Anspruch. Denn diese Anekdotensammlung soll vor allem diejenigen abholen, die Adele gerne hören, aber noch keine Experten sind. Die mehr als nur die Songs aus dem Radio kennen, aber noch nicht wissen, wie »Chasing Pavements« entstanden ist. Die zwar den Text von »Skyfall« auswendig mitsingen können, aber noch nie von Sasha Carter gehört haben. Und die sofort zuschlagen, wenn ein neues Album von Adele erscheint, aber der Musikerin nicht zwingend nachreisen, wenn sie auf Tournee geht.
Das Schöne an Adeles Geschichte ist, dass viele Menschen sie nachfühlen können. Sie kommt nicht reich zur Welt, sondern im Londoner Stadtbezirk Tottenham, einem Hort der Arbeiterklasse. Sie entstammt keiner Bilderbuchfamilie, sondern wächst mit ihrer alleinerziehenden Mutter auf. Ihr Vater interessiert sich eher für das nächste Bier als für seine Tochter. Und selbst als Adele längst ein Superstar ist, fürchtet sie sich immer noch davor, auf die Bühne zu gehen, aus Angst, es könnte etwas schiefgehen.
Klar, zu Superstars werden die wenigsten und es ist der Aspekt in Adeles Leben, den viele sicher nicht nachfühlen können. Schon seit dem Beginn ihrer Karriere spricht die Sängerin offen darüber, dass das Leben als Prominente nicht nur Vorteile mit sich bringt. Die Augen der Welt sind auf die eigene Person gerichtet, aus freiwilliger Kreativität wird Erwartungsdruck und an jeder Ecke lauern Fotografen, die auf ein Bild von Adele oder ihrer Familie hoffen. All das nimmt sie in Kauf, um ihren Traum vom Leben als Sängerin verwirklichen zu können.
Auf den folgenden rund 100 Seiten werden wir Adele auf ihrem bisherigen Weg begleiten, werden ihr beim Schreiben ihrer ersten Hits über die Schulter schauen und bei der Oscar-Verleihung 2012 mit ihr jubeln. Wir werden herausfinden, warum sie Lena Meyer-Landrut einen Chart-Erfolg verdankt und warum sie nur einen Hundelaut herausbringt, als sie einen ihrer größten Stars kennenlernt. Außerdem werden wir uns einige der schwierigsten Momente in ihrer Karriere anschauen.
Wer an dieser Stelle eine vollständige Biografie erwartet, wird enttäuscht sein. Aber nach monatelanger Recherche und vielen, vielen Stunden mit Adeles Musik kenne ich sie nun noch besser – und daran möchte ich jede Leserin und jeden Leser dieses Buchs teilhaben lassen.
Wer wie Adele um die Jahrtausendwende herum aufgewachsen ist, hat vermutlich früher oder später im Leben die ersten Berührungspunkte mit dem Musikfernsehen gehabt. Bei der britischen Sängerin war es früher. Schon im Alter von vier Jahren darf sie bis 23:15 Uhr (!) wachbleiben, um die BBC-Fernsehsendung Later... with Jools Holland zu schauen, wahrscheinlich völlig übermüdet – aber glücklich. Denn die Show ist bekannt für ihre hochkarätigen musikalischen Gäste. Alice in Chains, Led-Zeppelin-Sänger Robert Plant, Leonard Cohen, Sting, Johnny Cash, Bonnie Raitt, Dusty Springfield, Metallica: Sie alle waren bereits in der Late-Night-Show zu Gast, genau wie viele weitere Künstlerinnen und Künstler. Durch das Programm führt seit dem 8. Oktober 1992 Jools Holland, eine Institution des britischen Musikfernsehens und selbst Musiker. Sein Format regelmäßig zu sehen, ist einer von Adeles frühesten künstlerischen Einflüssen. Was sie damals sicher noch nicht ahnt, ist, dass auch sie selbst einmal in der Sendung zu Gast sein wird – und zwar am 8. Juni 2007.
Anfang 2007. Adele hat gerade ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben (dazu kommen wir später noch). Nun soll sie ihr Debütalbum abliefern, doch ihr fallen partout keine Songs ein. Auch eine Single von ihr gibt es bisher nicht. Umso ungewöhnlicher ist es, dass die Redaktion von Later... with Jools Holland bei der jungen Britin anruft und sie in die Sendung einlädt. »Wenn wir jemanden haben wollen, müssen wir ihn haben«, erklärt Alison Howe, die Produzentin der Show, die damals einige frühe Demo-Aufnahmen von Adele zu hören bekommt. Für sie reicht dieser kurze Eindruck, um über die Sängerin zu wissen: »Sie ist ein Klassiker. Sie passt nirgendwo rein und hat einfach eine großartige Stimme.«
Dass sie hier eigentlich nicht hingehört, denkt Adele wohl auch, als sie wenig später im Backstagebereich von Jools Holland sitzt und auf ihren Auftritt vor Millionen von Zuschauern wartet. Sie leidet unter starkem Lampenfieber, vor allem zu Beginn ihrer Laufbahn, also mag man sich gar nicht ausmalen, wie es ihr vor ihrem ersten landesweiten Fernsehauftritt gehen muss. Ihre Mutter Penny versucht noch, Adele zu beruhigen, doch die junge Musikerin bekommt kein einziges Wort raus. »Ich habe mir wahrscheinlich Sorgen gemacht, dass ich vom Stuhl falle oder es irgendwie anders verkacke«, erzählt sie später in einem Interview. Mutter Penny ist kein bisschen weniger nervös als ihre Tochter. Schließlich wird ihr Baby gleich im Fernsehen auftreten.
Die Sorgen sind natürlich völlig unberechtigt. Als Adele auf die Bühne geht und den Song »Daydreamer« zum Besten gibt, ist sie zwar sichtbar nervös. So schließt sie zum Beispiel nicht die Augen, was sie sonst beim Singen immer tut. Doch das Publikum hört ihr gebannt zu. Und nicht nur das. Adele ist nicht die einzige Musikerin, die in der Sendung zu Gast ist. Auch Björk wurde eingeladen, ebenso wie – festhalten! – Paul McCartney. Der erste TV-Auftritt und dann gleich vor einem ehemaligen Beatle? Adele muss im Vorfeld tausend Tode gestorben sein. Doch »Macca« zeigt sich beeindruckt und lässt Adele nach ihrem Auftritt wissen: gut gemacht. So eine Geschichte kann auch nicht jeder erzählen.
Zu der isländischen Künstlerin Björk hat Adele eine ganz besondere Bindung, denn von Björk stammt eins der ersten Alben, das Adele bewusst gut findet: Debut von 1993. Der Titel ist irreführend, denn eigentlich stammt Björks erstes Album bereits aus dem Jahr 1977. Sie ist damals erst 13 Jahre alt. Doch so richtig wahrgenommen wird die extravagante Musikerin erst zu Beginn der Neunzigerjahre.
Adele darf (oder muss, wie man es auch nimmt) am 8. Juni 2007 also vor gleich zwei Musikern performen, zu denen sie aufschaut – und sie anschließend auch noch treffen. Ein gelungener Einstand. In einem Interview verrät sie: »Ich konnte nicht aufhören zu heulen.« Natürlich vor Freude.
Mit Müdigkeit hat sie an jenem Abend wohl nicht zu kämpfen, denn sie ist schon lange nicht mehr vier, sondern inzwischen 19 Jahre alt. 19 wird auch der Titel ihrer ersten Platte sein und das Album wird sehr von ihrem Auftritt bei Later... with Jools Holland profitieren. Doch bei dieser Geschichte sind wir noch lange nicht.
Ein kampflustiger Gesichtsausdruck, ein weiß-rosafar bener Seidenpyjama, die Hand zur Siegerfaust geballt: So posiert die ungefähr zehnjährige Adele als Kind für ein Foto. Im Hintergrund unzählige Poster von Melanie Brown, Emma Bunton, Geri Halliwell, Victoria Beckham und Melanie Chisholm, besser bekannt als die Spice Girls. Am 5. November 2018 teilt Adele dieses nostalgische Bild in den sozialen Medien, mit der Beschreibung: »HA! So fühle ich mich gerade! ICH BIN BEREIT!« Der Grund für Adeles Euphorie: Ihre absolute Lieblingsband hat gerade eine Reunion-Tour angekündigt.
Nach 21 Jahren wird die britische Musikerin ihre Idole Baby Spice, Scary Spice, Sporty Spice und Ginger Spice endlich wieder auf der Bühne performen sehen – einzig Posh Spice (Victoria Beckham) ist bei der Konzertreise nicht dabei. Der Andrang auf die Tickets ist riesig: Zum Verkaufsstart versuchen über 700 000 Fans gleichzeitig, Karten zu ergattern. In wenigen Minuten sind die Termine restlos ausverkauft. Adele gehört natürlich zu den glücklichen Superfans, die sich über ein Ticket freuen dürfen. Immer wieder betont sie in Interviews, die Spice Girls hätten sie mit zu der Person gemacht, die sie heute ist. Doch was genau ist es, das einen Superstar wie Adele wieder zum kleinen Mädchen werden lässt?
Adele betritt die »Spiceworld« im Alter von rund acht Jahren und fühlt sich dort sofort wohl. Es ist die kompromisslose und ermutigende Atmosphäre, die die Spice Girls ihren Fans vermitteln, die bei der jungen Adele große Begeisterung auslöst. »Es war ein großer Moment für mich, als sie ihr Debüt gegeben haben«, erklärt die Sängerin viele Jahre später im Interview mit James Corden. Neben den eingängigen Songs und coolen Posen der jungen Frauen identifiziert sich Adele auch mit den Leitsätzen, die die Band vertritt: Sei stark! Hilf deinen Freundinnen, und lass dir auch von ihnen helfen! Sag, was du denkst! Das sind nur drei der Regeln, die die Girls in ihrem Rule Book festhalten.
1996 markiert das Jahr der Girlband. Ihr Über-Hit »Wannabe« läuft im Radio rauf und runter und schafft es in 37 Ländern auf Platz eins der Charts. »Wir dachten: Wenn niemand den Song mag, haben wir noch andere Asse im Ärmel«, erzählt Spice Girl Geri Halliwell. »Aber das war der eine, den wir veröffentlichen wollten.« Die Single verkauft sich weltweit über sieben Millionen Mal und setzt ein deutliches Zeichen für Girl Power.
Adeles Fanliebe für die Spice Girls kennt keine Grenzen. Sie lernt alle Songtexte auswendig und hat beinahe jeden Merchandise-Artikel zuhause. Besonders angetan hat es ihr Geri, auch bekannt als Ginger Spice. Adele möchte genau so cool und selbstbewusst sein wie ihr Idol. Und sie weiß jetzt: Auch sie möchte Entertainerin werden.
Ihren ersten Herzschmerz erlebt Adele, als Geri die Band im Jahr 1998 verlässt. Mehr noch: Adele ist über diese Entwicklung derart schockiert, dass sie ihr Outfit für das Spice-Girls-Konzert noch einmal völlig über den Haufen wirft. Ursprünglich hatte sie nämlich vorgehabt, im Ginger-Spice-Look zu gehen, doch nach Geris »Verrat« wechselt Adele die Fronten und erklärt von nun an Sporty Spice zu ihrem Lieblings-Bandmitglied. »Ich habe Geri das nie verziehen«, erklärt Adele in einem Interview.
Adeles Vater Mark kann mit der Begeisterung seiner Tochter nicht viel anfangen: »Ich habe immer gesagt, dass ich die Band furchtbar finde, richtig scheußlich.« Auf die bedingungslose Unterstützung ihrer Mutter kann sich Adele allerdings verlassen, wie immer. Penny ist sogar derart beeindruckt von der Musikliebe ihrer Tochter, dass sie mit ihr kleine Konzerte veranstaltet. Wann immer die beiden Besuch haben, schauen die Gäste auch in Adeles Zimmer vorbei, um sich einen Auftritt der Mini-Diva anzusehen. Inmitten von Stofftieren und Spielzeugen pferchen sich die Erwachsenen auf Adeles Kinderbett und staunen nicht schlecht, als sie ihre unvergleichliche Stimme hören. Und während Adele ihre Gesangskünste zum Besten gibt, sorgt Mama Penny für die perfekte Ausleuchtung ihres Bühnenstars. »Meine Mutter ist sehr kreativ«, erzählt Adele. »Sie hat eine Menge Lampen zusammengebaut, damit sie zu einem großen Spotlight werden.«
Als die Spice Girls im Jahr 2001 eine Pause ankündigen, wird es lange Zeit still um die Band. Damals dürfte Fangirl Adele nicht davon zu träumen gewagt haben, ihre Idole irgendwann noch einmal live sehen zu können. Umso größer ist die Begeisterung 18 Jahre später, als die Spice Girls tatsächlich wieder auftreten. Im Juni 2019 besucht Adele das letzte Konzert der Reunion-Tour im Londoner Wembley-Stadion. »Ich habe geweint, gelacht, geschrien, getanzt, in Erinnerungen geschwelgt und habe mich wieder in mein zehnjähriges Ich verliebt«, schreibt die Sängerin anschließend auf Instagram. Und nicht nur das: Sie darf die Spice Girls sogar höchstpersönlich treffen und ergattert ein Selfie mit ihrem Vorbild Geri Halliwell. Fangirl bleibt eben immer Fangirl.
Selbst eine Ausnahmesängerin wie Adele fällt nicht einfach vom Himmel. Über ihre Bindung zu Björk haben wir bereits gesprochen, genau wie über ihre innige Liebe zu den Spice Girls. Doch das sind noch längst nicht alle Künstlerinnen und Künstler, die Adele zu der Sängerin formen, die sie heute ist. Zwei Frauen spielen in ihrer Geschichte eine ganz besondere Rolle. Vorher übt der Lifestyle ihrer Eltern einen großen Einfluss auf sie aus.
Schon als Adele noch klein ist, wiegt Vater Mark sie mit zeitgenössischen Popsongs in den Schlaf. Mutter Penny geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie hat einen sehr modernen Musikgeschmack und nimmt ihre Tochter mit zu allerhand Konzerten. 1993 zum Beispiel, als Adele gerade einmal fünf Jahre alt ist, fahren Mutter und Tochter zum Popfestival Great Xpectations im Finsbury Park. Dabei handelt es sich um eine eintägige Benefizveranstaltung, bei der unter anderem Damon Albarn und Graham Coxon von der Britpop-Band Blur auftreten. Adele fühlt sich wohl in dem Trubel und erlebt mit diesem Festivalbesuch etwas Großartiges, das vielen Kindern ihres Alters verwehrt bleibt.
1997, Adele ist nun acht, reist Penny mit ihr zum Glastonbury Festival, das seit 1970 stattfindet und zu den größten Festivals der Welt zählt. Klar, man kann durchaus darüber streiten, ob das der richtige Ort für eine Achtjährige ist. Man kann sich aber auch einfach darüber freuen, dass Adele auf dem Festival viele zeitgenössische Musik-Stars bestaunen darf, etwa The Prodigy, Radiohead, Massive Attack, Sting, die Chemical Brothers und die Smashing Pumpkins. TV-Moderator Jools Holland und sein Rhythm And Blues Orchestra sind auch da, aber das nur am Rande.
Ein weiterer wichtiger musikalischer Meilenstein in Adeles Leben ereignet sich noch im selben Jahr. Sie ist nach wie vor acht Jahre alt und als ihr Stiefvater Simon eines Tages nach Hause kommt, hat er zwei Geschenke dabei: für Adele den Film Flubber mit Schauspieler Robin Williams und für ihre Mutter Penny das Album The Miseducation Of Lauryn Hill von der gleichnamigen Sängerin. Man kann sich vorstellen, was nun kommt: Flubber findet Adele zwar ganz nett, aber begeistern kann sie sich vor allem für die neue Platte – und verliebt sich unsterblich in das Album. »Es wäre für ein Kind in meinem Alter wahrscheinlich normaler gewesen, sich für den Film zu interessieren«, erzählt Adele später in einem Interview. »Aber ich war eben anders.«
Eine nächste große Entdeckung macht Adele mit 14. Damals versucht sie gerade, Nu Metal cool zu finden, genau wie viele ihrer Freunde. Sie hört die Alben von Slipknot und Korn, beides echte Elternschocker. Doch eigentlich schlägt Adeles Herz für ganz andere Töne: Zuhause hört sie lieber Celine Dion statt Krawallmusik.
Als sie eines Samstags in der CD-Abteilung einer Filiale von HMV stöbert, einer britischen Elektronik- und Musikkette, bricht sie endgültig mit dem Nu Metal. Sie entscheidet: »Ich höre jetzt nur noch, was mir gefällt« – und fängt sofort damit an. Adele kauft ein CD-Sonderangebot für 5 britische Pfund: zwei CDs in einem Paket. Etta James und Ella Fitzgerald, steht auf der Verpackung. Vor allem Etta James wird Adeles Leben verändern. »Ich hörte ihr zu und sie brachte mir das Singen bei«, erzählt Adele viel später in einem Interview. »Ich begann, über die Texte nachzudenken, statt sie einfach nur mitzusingen.« An anderer Stelle berichtet sie: »Es war, als würde sie [Etta James] in meine Brust kriechen und an meinem Herzen rütteln.« Adele entdeckt die Tiefe der Soulmusik – und das soll ihren eigenen Gesang fortan stark beeinflussen.
Was das Glastonbury Festival betrifft, schließt sich 2016 ein Kreis für Adele, denn in jenem Jahr tritt sie als Headlinerin bei der legendären Veranstaltung auf. Zuvor war sie dort auf kleineren Bühnen zu sehen gewesen. Für Adeles Mutter wäre der große Auftritt ihrer Tochter mit der Möglichkeit verbunden, einmal hinter die Kulissen des Events zu blicken, das sie seit Jahren besucht, doch Mama Penny trifft eine völlig andere Entscheidung: Sie zeltet, wie immer – wenn auch auf einem der etwas luxuriöseren Campingplätze.
Bleibt noch ein weiterer wichtiger musikalischer Einfluss, den wir bisher unterschlagen haben. Allerdings nur, weil er ein ganz eigenes Kapitel verdient.
Wir spulen noch einmal zurück: Adele ist gerade mit ihrer Mutter beim Great Xpectations Festival 1993 im Finsbury Park. Nicht nur Damon Albarn und Graham Coxon von Blur treten dort auf, sondern auch eine Band, die Adele nachhaltig beeinflussen soll: The Cure. Vor dem Sänger der Gruppe fürchtet sich die kleine Adele damals allerdings noch.
