Alpengold 378 - Toni Wendhofer - E-Book

Alpengold 378 E-Book

Toni Wendhofer

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Beschreibung

Als der Bauer Stefan Lenz die hübsche Sennerin Moni auf dem Markt in Wössen kennenlernt, ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Und so dauert es nicht lange, bis sie strahlend vor dem Traualtar stehen.
Ja, das junge attraktive Paar hätte den Himmel auf Erden, wenn Stefans Schwester Patricia nicht auf dem Hof leben würde. Neidisch überwacht sie jeden Schritt der schönen Schwägerin. Dabei bleibt es ihr natürlich nicht verborgen, dass Moni auffallend oft ins Kloster »Maria am Berg« fährt. Was hat sie dort zu suchen?
Patricia gibt keine Ruhe, bis sie Monis dunkles Geheimnis kennt - und damit ein Mittel in der Hand hat, das Glück des Bruders zu zerstören ...

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Seitenzahl: 112

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inhalt

Cover

Das Schand-Dirndl

Vorschau

Impressum

Das Schand-Dirndl

Leidenschaft, Eifersucht und eine Liebe, die stärker ist als alles Böse

Von Toni Wendhofer

Als der Bauer Stefan Lenz die hübsche Sennerin Moni auf dem Markt in Wössen kennenlernt, ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Und so dauert es nicht lange, bis sie strahlend vor dem Traualtar stehen.

Ja, das junge attraktive Paar hätte den Himmel auf Erden, wenn Stefans Schwester Patricia nicht auf dem Hof leben würde. Neidisch überwacht sie jeden Schritt der schönen Schwägerin. Dabei bleibt es ihr natürlich nicht verborgen, dass Moni auffallend oft ins Kloster »Maria am Berg« fährt. Was hat sie dort zu suchen?

Patricia gibt keine Ruhe, bis sie Monis dunkles Geheimnis kennt – und damit ein Mittel in der Hand hat, das Glück des Bruders zu zerstören ...

Stefan Lenz ahnte nicht, dass an diesem Junitag etwas geschehen würde, das sein Leben verändern sollte.

Es regnete nur so vom tief hängenden Himmel, als er sich den Wetterfleck umhängte, den grauen Filzhut aufsetzte und das Fahrrad noch einmal aufpumpte, bevor er zum alljährlichen Viehmarkt nach Wössen fuhr. Dort war es Tradition geworden, dass sich die Bauern und Viehhändler trafen, Geschäfte miteinander machten, dabei heiße Würstl aßen und jede Menge Bier und Schnaps tranken.

»Hast du genug Geld eingesteckt?«, fragte Patricia, die einundvierzigjährige Schwester des Bauern, mit der zusammen er seit dem Tod der Eltern den Hof führte. Denn Stefan ging manchmal ohne Geldbörse weg und musste dann anschreiben lassen, was Patricia nicht gern sah. Ihr lag sehr viel am tadellosen Ruf der Familie.

Er hatte aber genug Geld dabei, um einen guten Jungstier zu kaufen, der frisches Blut in den Bestand bringen sollte.

»Pass auf die Blesse auf!«, ermahnte er Patricia, bevor er sich aufs Rad schwang. »Kann sein, dass sie heute noch kalbt. Sie tut sich immer schwer. Sollte es wieder so werden, dann hol den Girgl!« Das war der Nachbar.

Patricia nickte nur.

»Dann mach's gut, Schwesterherz«, sagte er lachend und zeigte seine tadellos gewachsenen weißen Zähne. Er war überhaupt ein fesches Mannsbild mit seinem dichten braunen Haar, das er gescheitelt trug, den rehbraunen Augen und dem Grübchen im Kinn.

»Behüt dich Gott, Bruder!«, erwiderte Patricia. »Halt dich net zu lang dort auf und komm wieder gut heim! Lass dir nix Schlechtes aufschwatzen!«

Damit meinte sie den Jungstier, den er kaufen wollte.

Der Blick, mit dem sie dem Bruder nachsah, war mütterlich. Sie hing an ihm und bangte vor dem Tag, an dem er ein Madl kennenlernte, das er ihr als Bäuerin vor die Nase setzen würde. Dann, so war es zwischen ihnen abgemacht, sollte Patricia ihren Erbanteil ausbezahlt bekommen und Platz für die junge Bäuerin machen. Jeden Tag betete sie inbrünstig, dass sich am derzeitigen Zustand nichts änderte und dass die gute geschwisterliche Beziehung zueinander nicht durch eine Heirat getrübt oder gar zerstört wurde.

Sie selbst hatte sich vor Jahren entschlossen, ledig zu bleiben, weil sie von einem liederlichen Kerl getäuscht und sitzen gelassen worden war.

Dem Stefan, der in Kürze zweiunddreißig Jahre alt wurde, ging es ähnlich. Zwanzig war er gewesen, als er die stolze Irmgard Brunner aus dem Nachbardorf beim Feuerwehrball kennengelernt und sich Hals über Kopf in sie verliebt hatte. Nach einer kurzen stürmischen Liebe hatte er den Laufpass bekommen, weil sie einen reichen Mann heiraten wollte, einen Autohändler. Seit ein paar Jahren war sie aber geschieden und arbeitete irgendwo als Verkäuferin, um ihr Kind zu ernähren, das bei den Eltern war.

So gesehen, war es verständlich, dass das Geschwisterpaar Lenz zusammenhielt, das Erbe gemeinsam verwaltete und in Frieden miteinander lebte. Daran sollte sich auch nichts ändern.

Es hörte allmählich auf zu regnen, und Stefan konnte den lästigen grauen Wetterfleck ablegen, zusammenwickeln und auf dem Gepäckträger festklemmen. Zu beiden Seiten der Talstraße standen die tropfnass gewordenen Heumännchen auf den Wiesen und Hängen.

Die Wolken hoben sich langsam, und als Stefan nach etwa sechs Kilometern Strampelei in Wössen ankam und schon von Weitem den Geruch der Würstlbude wahrnahm, schauten zwischen den Wolkenlücken blaue Flecken hervor.

Der Viehmarkt zu Wössen wurde hinter der Ortskirche auf der großen Gemeindewiese abgehalten. Es herrschte bereits reger Betrieb. Kühe brüllten, Kälber blökten, ab und zu ertönte das Wiehern eines Pferdes. Auch Schafe wurden angeboten und Ziegen. Außerhalb des Gedränges standen jede Menge Autos, aber auch ein paar Gespanne waren da.

Ja, diese Atmosphäre, diesen Geruch und diesen Trubel mochte Stefan. Es passierte ja sonst das ganze Jahr hindurch nicht viel auf dem Hof. Man kam selten wohin, höchstens alle paar Monate einmal in die Kreisstadt, um etwas, das es im Dorf nicht gab, zu besorgen oder etwas Amtliches zu erledigen.

Das Fahrrad lehnte Stefan neben etliche andere an die Kirchhofmauer. Es brauchte nicht abgeschlossen zu werden, weil hier niemand etwas stahl. Stefan machte erst einen Rundgang, besah sich die Tierangebote und entschloss sich dann, ein Bier und dazu ein Schnapserl zu trinken, um richtig in Laune und Schwung zu kommen.

Ein paar schöne Jungstiere hatte er bereits gesehen. Aber er wollte sich Zeit lassen, den Tag genießen wie den Schnaps und die schaumgekrönte Halbe, die er an der Bierbude von einem Schankburschen zugeschoben bekam.

Gerade dabei, dem Schnaps einen tiefen Schluck Bier folgen zu lassen, erhielt Stefan plötzlich einen Stoß von hinten. Jemand hatte ihn angerempelt.

»He!«, rief er und drehte sich um. Im nächsten Augenblick ging es ihm wie ein Stich durch den ganzen Körper, wie ein elektrischer Schlag. Große graublaue Augen sahen ihn erschrocken an. Ein roter Mund teilte sich zu einem Lächeln.

»Oh, entschuldigen Sie!«, sagte das Madl. »Nix für ungut.«

»Nix passiert«, gab Stefan zurück.

Das Madl hielt einen Pappbecher mit heißem Kaffee in der Hand. Neben ihr stand ein baumlanger Mann mit einem breitrandigen Hut auf dem Kopf. Weißes Haar kam hervor. Der Bauer trug einen langen Hubertusmantel und redete mit jemandem. Jetzt drehte er sich um.

»Ist was, Moni?«, fragte der alte Mann.

»Nix weiter«, antwortete Stefan für sie. Er musste wissen, wer dieses bildhübsche Frauenzimmer war. Mit dem Bierkrug in der Hand, sagte er zu ihr: »Ich heiß Stefan Lenz und bin aus Oberau.«

Sie nickte nur, nahm einen Schluck Kaffee aus dem Pappbecher und hielt den Blick beinahe starr auf ihn gerichtet.

»He, bist du der Sohn vom Peter Lenz, der vor drei oder vier Jahren beerdigt wurde?«, wollte der Alte plötzlich wissen.

»Ja, der bin ich. Du hast meinen Vater gekannt?«

»Ja, wir haben uns in der Jugend gekannt, aber dann aus den Augen verloren. Leider hab ich erst drei Wochen nach der Beerdigung erfahren, dass er verstorben ist. Aber jetzt freut's mich, dass ich seinen Sohn einmal kennenlerne. Ich bin der Stöger-Berthold aus Wildbichl. Und das ist unsere Sennerin, die Monika Bachmann. Im Sommer arbeitet sie bei mir, im Winter ist sie Köchin im Kloster ›Maria am Berg‹.«

Man gab sich die Hand und kam ins Gespräch.

»Ich weiß einen guten Jungstier für dich, Stefan«, sagte der alte Stöger. »Der Gimmler aus meinem Dorf verkauft einen. Ich helfe dir dabei, denn der Max ist ein Schlitzohr.«

Es tat Stefan leid, als der Stöger sich an das Madl wandte und ihm auftrug, heimzufahren und der Bäuerin auszurichten, dass er, der Bauer, heute spät heimkommen werde.

Moni verabschiedete sich dann auch gleich. Als sie Stefan die Hand gab, funkelte wieder dieser eigenartige intensive Blick in seinen hellbraunen Augen.

»Vielleicht sehen wir uns einmal wieder«, sagte sie lächelnd, grüßte den Stöger und ging davon.

Während Stefan ihr nachsah, bis sie unter den vielen Leuten verschwunden war, trank der Stöger sein Bier aus.

»Magst du auch noch eine, Stefan?«, fragte er und zwinkerte ermunternd.

Er hätte Nein gesagt, weil er bereits die Alkoholgeister spürte, aber weil er mehr über diese Monika Bachmann wissen wollte, ließ er sich zu einem zweiten Bier einladen.

Der Stöger war gesprächig, wie es Bauern meistens werden, wenn sie aus der Einöde ihres Hofes unter die Leute kommen und etwas getrunken haben. Leutselig verriet er dem Stefan, dass die Monika Bachmann eine gute Sennerin sei, auf seiner Alm an die zwanzig Milchkühe und ebenso viele Kälber versorgte und dass sie nach dem Almabtrieb wieder ins Kloster zurückkehre. Waise sei sie, wusste der Stöger noch mitzuteilen und bestellte die dritte Halbe.

An diesem Tag kaufte Stefan Lenz einen Jungstier und führte ihn an einem Nasenring heim, ohne dass etwas passierte. Auf dem ganzen Weg dachte er an Monika Bachmann.

Sie hatte etwas in ihm geweckt, das jahrelang geruht hatte, nämlich den Wunsch nach einer Frau, nach Liebe und Kindern.

Er nahm sich vor, diese Monika Bachmann irgendwann einmal aufsuchen, um zu erfahren, wer sie war und warum sie den Winter über in einem Frauenkloster als Köchin arbeitete, statt zu heiraten und einem Mann Kinder zu schenken.

Stefan Lenz, der den Jungstier und sich selber wohlbehalten heimbrachte, erzählte seiner Schwester alles, was er an diesem Tag in Wössen gesehen und erlebt und wen er alles getroffen hatte. Nur die Bekanntschaft mit Monika Bachmann verschwieg er ihr. Denn er gehörte zu jenen Menschen, die das Herz nicht auf der Zunge trugen und erst dann über eine Sache redeten, wenn sie ganz zu überschauen war.

Außerdem schien es ihm, als sei diese bildschöne Monika Bachmann so unerreichbar für ihn wie ein Stern am Himmel.

***

Das Wetter hielt sich, und es war wieder sommerlich warm geworden. Im Bergwald wuchsen die ersten Schwammerln, und auf den Wiesen verschwanden die Heumännchen in den Stadln.

Auf dem Lenzhof nahm der Alltag seinen gewohnten Gang. Die Geschwister arbeiteten verträglich Hand in Hand. Sonntags gingen sie in die Kirche, Patricia in den Frühgottesdienst und Stefan ins Hochamt, um hernach beim Auwirt am Stammtisch zu sitzen und mit den Freunden zu reden.

An die Begegnung auf dem Viehmarkt in Wössen dachte Stefan nicht mehr. Das hübsche Frauenzimmer mit den graublauen Augen und dem blonden Haar verblasste in seiner Erinnerung.

Doch dann geschah etwas, das den Stefan aus seinem Alltag herausriss.

An diesem Tag war er gleich nach dem Melken zur Hausalm hinaufgestiegen, die zum Hof gehörte, um nach den acht Kälbern und dem halben Dutzend Schafen zu schauen, die den Sommer oben verbrachten. Mit einem Säckchen Salzgemisch ging er los, von der Patricia gebeten, auf dem Heimweg nach Steinpilzen Ausschau zu halten, die sie so gern aß.

Der Morgen war sonnig und warm. Laut tönte das Vogelkonzert im steil ansteigenden Hochwald. Ein paar Rehe sprangen über den Weg. Die Morgenluft duftete nach Tannenholz und weiter droben nach Thymian.

Gut eine Stunde weit vom Hof entfernt lag die Hausalm. Früher war sie bewirtschaftet worden, aber seit die Kühe automatisch gemolken werden konnten und gute Senner und Sennerinnen selten waren wie Schwammerln im Dezember, blieb das Milchvieh daheim im Stall, und nur die Jungtiere, die Kälber und Schafe wurden im Frühjahr auf- und im Herbst wieder abgetrieben.

Auf dem Weg zur Alm hinauf dachte Stefan plötzlich wieder an das Madl, das er auf dem Viehmarkt getroffen hatte. Ihm wurde auf einmal bewusst, dass er einschichtig war und eine Frau nötig gewesen wäre, und das nicht allein wegen der Arbeitsteilung.

Es war langweilig und inhaltslos, immer nur die Patricia zur Gesellschaft zu haben. Am Ende sollte er sich doch einmal umtun und nach einer Bäuerin Ausschau halten. Die Monika Bachmann hatte ihm wirklich gut gefallen, und er kam von dem Gedanken an sie nicht mehr los.

Ich könnte doch einmal rübergehen zu den Jochberg-Almen, wo sie als Sennerin schafft, ging es ihm durch den Sinn. Es ist nicht weit, und es täte mich interessieren, was sie sagt, wenn ich so unerwartet zu ihr komme.

Zuerst inspizierte er auf der Alm die Viehherde und sah nach, ob jedes Tier gesund war. Die Schafe kamen auf das Pfeifen hin und stürzten sich genauso gierig auf die Schleckerei, die er ausstreute, wie die Kälber. Dann säuberte er den bemoosten Brunnentrog, der dem Vieh kristallklares Bergwasser spendete.

In der verwahrlosten Hütte hatte er weiter nichts zu tun. Stefan sah nur einmal hinein, weil ihn das morsche Inventar an die Kinderzeit erinnerte.

Hier oben hatte er damals auch mit der hochnäsigen Irmgard Brunner aus Dachenberg geschmust und mit ihr heiße Küsse getauscht. In der engen Kammer stand noch immer das hochbeinige Bett, auf dem geseufzt und unsinnige Liebesworte gestammelt worden waren, bei denen nichts herausgekommen war. Nur eine abgrundtiefe Enttäuschung.

Aber alle Madln konnten doch nicht so wie die Irmgard sein! Es musste doch auch eine geben, der man vertrauen und mit der man ein gemeinsames Leben begründen konnte!

Monika Bachmann fiel ihm wieder ein. Gleich darauf stieg er auch schon durch die Latschenbüsche zum Grat hinauf, von wo aus der Pfad an der Stöger-Alm vorbei nach Wildbichl hinunterführte, einem kleinen Bauerndorf im Bergtal.

Stefan schlug das Herz auf einmal bis zum Hals hinauf, und es war ihm, als ob dieser frühe sonnige Vormittag sein Leben in eine andere Richtung lenken würde.

***

Monika sah den Almweg hinauf, der zum Jochgrat führte. Wer ist denn das?, dachte sie, als sie eine große, breitschultrige Gestalt herunterkommen sah.

Der Mann trug Bundhosen, unter denen kräftige, nackte braun gebrannte Waden hervorschauten. Unter den Hosenträgern stand das karierte Hemd offen und ließ eine behaarte Männerbrust sehen. Unter dem Hut, den eine Spielhahnfeder schmückte, schaute ihr ein kantiges, von Wind und Wetter gebräuntes Gesicht mit braunen Augen entgegen. Das Mannsbild hatte ein Grübchen am Kinn und kam lächelnd heran.

Sie musterte ihn und erkannte ihn erst beim zweiten Hinsehen.

»Ach, Sie sind's!« Es klang überrascht.