Alpengold 441 - Toni Wendhofer - E-Book

Alpengold 441 E-Book

Toni Wendhofer

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Die Nachricht, dass Evi Burger den wohlhabenden Witwer Karl Hornberger heiratet, sorgt für eine Sensation in Bruck. Am Tag der Trauung versammelt sich das ganze Dorf, um die größte Hochzeit, die je hier stattgefunden hat, hautnah mitzuerleben.
Als Evi schließlich die Kirche betritt, erscheint sie in ihrer Schönheit wie eine Prinzessin. Doch kaum hat sie den ersten Schritt gemacht, geht ein leises Raunen durch die Menge. Denn unter dem funkelnden Schleier schimmern Tränen in ihren Augen ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2024

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Mit Tränen zum Altar

Vorschau

Impressum

Mit Tränen zum Altar

Alle fragen sich: Warum weint die schöne Braut?

Von Toni Wendhofer

Die Hochzeit des Jahres steht bevor: Evi Gruber, das schönste Mädchen des Dorfes, wird den doppelt so alten, wohlhabenden Witwer Charly Hornberger heiraten. Ganz Bruck ist in Aufruhr, denn so eine prunkvolle Feier hat man hier noch nie erlebt. Doch hinter dem strahlenden Fest und dem prächtigen Brautkleid verbirgt sich eine tragische Geschichte.

Evis Herz ist schwer, voller Schmerz und Geheimnisse, die niemand erahnt. Die Hochzeit mit dem Hornberger wurde ihr aufgezwungen, während ihre wahre Liebe, Simon Reiser, hinter Gittern sitzt. Nun steht sie am Altar, gefangen zwischen Pflicht und Verzweiflung, zwischen den Erwartungen des Vaters und ihrem gebrochenen Herzen.

Während die Musik spielt und die Gäste lachen, schweifen Evis Gedanken weit weg – zu dem Mann, den sie verraten musste ...

Kein Lufhauch rührt sich. Der Himmel über dem Grieserjoch ist dunkel vom heraufziehenden Nachtgewölk. Da zerreißt ein Ruf die friedliche Stille des Berglandes.

»Halt! Bleib stehen, du Lump! Wirf die Flinte weg!«

Der Wilderer reißt den Kopf herum, sieht weiter oben – schon gefährlich nahe – den Förster mit dem Gewehr im Anschlag stehen.

Nur eine Sekunde dauert sein Erschrecken, dann wirft Simon Reiser den Stutzen weg und hebt die Hände.

»Rühr dich nur ja net von der Stelle!« Forstmeister Scheiber geht auf die reglose Gestalt zu. Der Gewehrlauf funkelt drohend im fahlen Dämmerschein.

Aber da schnellt Simon Reiser plötzlich herum und flüchtet mit langen Sätzen in den dunklen Latschenwald.

»Halt, Bürscherl«, ertönt da eine zweite Stimme, und der Jäger Felix Popp taucht urplötzlich zwischen den struppigen Bergkiefern auf, versperrt dem Fliehenden den Weg. Der Wilderer schaut sich gehetzt um, will zur Seite ausbrechen, aber da kracht schon ein Schuss ...

Simon Reiser hebt die Arme. Aus, denkt er. Aus und vorbei. Jetzt haben sie mich.

Er schaut dem Forstmeister aus Lechmoos entgegen, hört auch den zweiten Beamten durch die Latschenbüsche brechen.

»Haben wir dich endlich, du Kerl«, ruft Scheiber und geht auf Simon zu. Felix Popp, der Jäger, nähert sich von der anderen Seite. »So, und jetzt wollen wir mal schau'n, wen wir da erwischt haben.«

Forstmeister Scheiber reißt ihm den großen Schlapphut herunter.

»Da legst dich nieder! Du bist's, Simon!«

»Schau einer an, der Simon Reiser!« Felix Popp starrt dem Gefangenen wütend ins Gesicht. »Von dir hätten wir's am allerwenigsten erwartet!«

»Kann ich die Hände wieder runternehmen, meine Herren?«, fragt Simon resigniert.

»Wart ein wengerl, Freunderl«, knurrt der Forstmeister und lässt den Rucksack vom Buckel rutschen, schnürt auf und holt einen Strick heraus. »Sonst kommst du am Ende auf den Gedanken, uns davonzulaufen.«

»Hätt' wenig Sinn – wo ihr mich doch schon erkannt habt«, murmelt Simon.

Unten in Bruck ist er daheim. Er ist seit zwei Jahren Knecht beim Hajo Gruber und hat mit der einzigen Tochter des Grubers ein heimliches Verhältnis. Und jetzt ist alles aus! Jetzt haben ihn die Jäger.

»Wir lauern schon lange auf dich, Simon«, knurrt der Forstmeister, als er dem Simon die Hände auf dem Rücken zusammenbindet. »Jedem anderen hätt' ich diese Lumperei zugetraut, bloß dir net!«

»Hast auch in meinem Revier gewildert, was?«, schnauzt Popp den Gefangenen an.

Dem Simon ist jetzt alles egal; er nickt ergeben.

»Da kommt eine ganz schöne Latte zusammen, Simon«, konstatiert Forstmeister Scheiber. Ihm wär's lieber gewesen, einen anderen erwischt zu haben. »Seit wann wilderst du in meinem Revier?«

Simon hält es für klüger, jetzt nichts mehr zuzugeben. Man wird ihn schon noch ins Kreuzverhör nehmen, aber die Dinge sind nicht mehr zu ändern.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf, und Simon Reiser ahnt, dass er an diesem späten Abend mehr verloren hat als seine Freiheit und seinen guten Ruf.

***

Der Gruber-Hof liegt unweit der Kirche in einem Wiesengrundstück zwischen vielen Obstbäumen. Die Lichter sind schon längst erloschen, als eine Gestalt den Weg entlang auf den Hof zueilt, erst an der Haustür, dann an einem der dunklen Fenster pocht.

Es dauert eine Weile, bis oben, hinter dem mit Blumenkästen geschmückten Balkon, ein Licht angeht.

Eine Mädchenstimme ertönt: »Hallo, wer ist da?«

»Ich bin's ... der Bartl! Evi, du sollst sofort ins Forsthaus kommen!«

Das Mädchen beugt sich noch weiter über die Balkonbrüstung.

»Was soll ich denn da? Was ist denn passiert, Bartl?«

»Wirst es schon erfahren«, erwiderte der Forstschreiber. »Beeil dich nur! Du wirst erwartet!«

Und schon macht der Besucher kehrt und verschwindet in der Nacht.

Evi steht wie erstarrt auf dem Balkon. Das Vollmondlicht, das über dem Dorf ausgestreut ist, beleuchtet ihr ovales hübsches Gesicht und ihr lang aufgelöstes Haar.

Zwanzig Jahre ist die Evi, die einzige Tochter des Hajo Gruber. Der Schreck ist ihr so in die Glieder gefahren, dass sie zittert und zunächst gar nicht begreift, warum sie ins Forstamt geholt wird. Aber dann denkt sie plötzlich an den Simon. Sie weiß genau, wohin er ging. Kein Bitten und kein Betteln kann ihn davon abhalten, wenn's ihn packt! Und jetzt haben sie ihn erwischt!

Anders ist dies alles doch nicht zu erklären. Das Unglück ist geschehen!

Evi kommen die Tränen. Und da klopft es auch schon an ihre Tür, und die Stimme des Vaters ertönt.

»Was ist denn los, Evi? Wer war denn da? Mach auf!«

Sie geht hin und öffnet.

»Vater«, sagt sie mit bebender Stimme, »der Bartl war da. Ich soll ins Forsthaus kommen! Vater, sie haben sicherlich den Simon erwischt!«

»Herrschaftszeiten«, murmelte der Gruber erschrocken. »Haben sie ihn doch! Hoffentlich verrät er nix!«

Natürlich weiß auch der Hajo Gruber, was der Simon treibt, wenn er abends vom Hof geht und die ganze Nacht wegbleibt. Schon mancher Bock ist auf dem Gruber-Hof verspeist worden, obschon der Hajo Gruber es nicht nötig hätte, heimlich erlegtes Wildbret in den Keller zu hängen.

Die Evi zieht sich mit fliegenden Händen an.

»Vater, wir dürfen den Simon jetzt net im Stich lassen«, sagt sie verzweifelt. »Ich hab ihn gern! Ja ... ich hab ihn gern, dass du's nur weißt!«

Der Mann wischt sich verstört über das Gesicht. Auch das noch! Irgendwie hat er's geahnt. Und jetzt kommt's heraus!

»Evi«, murmelt er, »sie werden den Simon einsperren! Ich hab's ja allweil so kommen sehen.«

Sie gibt keine Antwort, erst als sie zum Vater geht und schluchzend sagt:

»Ich wollt's dir schon lang sagen, dass ich den Simon gern hab. Jetzt weißt du's! Ich lasse ihn net im Stich, Vater!«

Evi läuft aus dem Zimmer, jagt die Treppe hinunter und eilt zum Dorf hinüber.

***

Vom Kirchturm schlägt es elf Uhr. Das Dorf schläft schon!

Das Forstamt liegt hell erleuchtet auf der anderen Dorfseite drüben. Als Evi darauf zuläuft, denkt sie wehmütig an die Zeit mit Simon zurück. Vor etwa zwei Jahren kam er auf den Hof des Vaters.

Es dauerte dann auch nicht lange, und Evi verliebte sich in Simon – eine Liebe, die bis heute im Geheimen blühte, weil Simon der Meinung war, er müsse erst noch mehr sparen, um vor Hajo Gruber als Schwiegersohn auftreten zu können.

Und jetzt scheint alles zu Ende zu sein!

Evi kämpft die Tränen nieder, als sie sich dem Forstamt nähert. Sie zieht jetzt den Strang der Hausglocke. Das Läuten im Hausflur geht ihr durch Mark und Bein, und dann tut sich auch schon die Tür auf, und der Forstamtschreiber, der Bartl, steht da.

Simon sitzt drinnen im Schreibzimmer auf einem Stuhl. Jetzt, bei Licht, sieht man, dass er ein scharf geschnittenes, ruhiges Gesicht hat, das von der Sonne gebräunt ist und aus dem zwei hellgraue Augen verstört auf das Mädchen schauen.

Der Forstmeister lehnt am Fenster, nickt nur kurz und murmelt:

»Der Simon wollt' dich noch einmal sprechen, bevor er abgeholt wird, Evi. Zehn Minuten lass ich euch. Ich muss aber dabei sein.« Er geht hinter den Schreibtisch und setzt sich. Bartl bleibt an der Tür stehen und tut sehr dienstlich. Ansonsten ist er aber ein netter Kerl.

Evi geht zum Simon, der sich vom Stuhl erhoben hat.

»Simerl ...«, flüstert sie mit schwankender Stimme und schluchzt. »O mein Gott ...«

»Wein net«, erwidert er sanft und streichelt ihr über das schimmernde Haar. Sie hat es straff nach hinten gekämmt und zu einem flüchtigen Knoten verschlungen. Sie ist ein sehr hübsches Mädchen.

»Simerl«, weint sie, »was wird denn jetzt geschehen?«

»Einsperren werden sie mich«, sagt er. »Ich hab immer gewusst, was ich riskiere, Evi.« Er hebt die Stimme zu deutlicher Eindringlichkeit, als er fortfährt: »Verzeih mir, Evi ... aber jetzt weißt du, was ich für einer bin! Ich konnt' halt net anders! Es ist wie eine ... eine Krankheit!«

»Evi, hast du wirklich net gewusst, dass der Simon wildert?«, will der Forstmeister hinter dem Schreibtisch wissen.

Simon schaut zu ihm hinüber und erklärt schnell: »Nein, nix hat sie gewusst! Das hab ich ja schon zu Protokoll gegeben! Niemand hat was davon gewusst, Herr Forstmeister!«

Der Forstmeister zuckt die Schultern und steckt das zweite Protokoll in einen Umschlag.

»Beeilt euch«, murmelte er, »der Gendarmeriewagen wird gleich kommen.«

Evi schaut ihren Liebsten mit tränenumflorten Augen an.

»Mir bricht's Herz, Simerl«, weint sie. »Ich geh' mit dir!«

»Unsinn«, murmelt er. »Das steh' ich allein durch. Wenn du mich bloß net vergisst, Evi!«

Sie sinkt an seine Brust, schlingt den Arm um ihn und flüstert erstickt: »Ich ertrag's net, Simerl ... ich lass dich net fort!«

Simon hebt das tränennasse Gesicht des Mädchens zu sich empor, küsst es auf den Mund und murmelt zärtlich: »Sei stark! Nimm's hin, es lässt sich doch net mehr ändern!«

Sie kann nicht mehr sprechen. Sie schaut zu ihm auf, streichelt sein Gesicht, küsst ihn noch einmal, und dann ertönen auch schon im Flur draußen gewichtige Schritte. Zwei Gendarmeriebeamte kommen mit dienstlichen Mienen herein.

»Das ist er also«, sagt der eine.

Forstmeister Scheiber nickt, begrüßt die beiden Gesetzeshüter und gibt ihnen das Protokollschreiben.

»Leb wohl, Evi!«, sagt Simon. »Geh heim und mach dir keine Sorgen. Es gibt Schlimmeres auf der Welt! Wenn ich Glück hab, lassen Sie mich in einem Jahr wieder raus!«

»Behüt dich, Simerl!«, kann Evi nur noch stammeln. Dann schlägt sie die Hände vors Gesicht. Eine Tür wird geschlossen, und gleich darauf fährt draußen das Polizeiauto davon.

Als Forstmeister Scheiber allein ins Amtszimmer zurückkommt, sitzt Evi wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl.

»Auf Wilddieberei steht Strafe, Evi«, sagt er zu ihr. »Ich hab nur meine Pflicht getan.«

»Der Simerl ist ein guter Mensch, Herr Forstmeister«, flüstert sie.

»Weiß ich, mein Kind, weiß ich«, murmelt Scheiber. »Aber er muss bestraft werden.«

»Wie viel wird er denn kriegen?«, fragt sie unter Tränen.

»Ich rechne ein Jahr, vielleicht auch weniger. Er hat ja alles zugegeben, und auf ein Geständnis können leicht mildernde Umstände angerechnet werden.« Scheiber legt dem Mädchen die Hand auf die Schulter. »Ehrlich gesagt, Evi – als ich merkte, wen wir erwischt haben, war ich auch sehr erschrocken. Ich hab – als der Simon noch bei mir Holzknecht war – immer große Stücke auf ihn gehalten. Geh heim jetzt, wein net mehr. Es gibt viel ärgere Dinge auf der Welt.«

Evi nickt und lässt sich vom Forstmeister hinausgeleiten. Dass er so menschlich zu ihr ist, tut ihr wohl und lindert den Kummer ein wenig.

Die Nacht ist warm und still. Draußen reicht Evi dem Forstmeister die Hand und sagt ganz leise: »Ich will froh sein, dass net mehr passiert ist, und ich dank' Ihnen für den Trost, Herr Forstmeister.«

Sie geht langsam und bekümmert davon – noch mehr Unglück entgegen, als schon aufgetaucht ist.

Forstmeister Egon Scheiber schaut der schmalen Gestalt nach, bis sie auf dem mondhellen Weg verschwunden ist; dann seufzt er. Weiß Gott, es passt ihm nicht, dass es just der Simon Reiser gewesen ist, den er heute der Gerichtsbarkeit übergeben hat!

***

Auf dem Hof des Hajo Gruber herrscht eine ungute Stimmung.

Evi läuft noch immer mit verschwollenen Augen herum und heult, und der Bauer schwankt zwischen Kummer und Zorn, dass die Tochter ausgerechnet den Simon lieb hat und heiraten will.

Nur die Liesbeth, die Mutter, lässt sich nicht weiter aus dem Konzept bringen und meint in mütterlicher Ruhe zu ihrem Mann: »Mein Gott, Hajo! Der Simon ist sonst ein anständiger Mensch! Wenn das Madl ihn gern hat ... Wegen Wilderei eingesperrt zu sein, ist ...«

»... ist für mich keine Freud'!«, fällt ihr Mann ihr voll ausbrechendem Groll ins Wort. »Ich hab etwas anderes mit dem Madl vor!«

»Ja, ja ... ich weiß schon«, wehrt die Gruberin gelassen ab. »Mit dem Hornberger willst du sie zusammentun. Aber du kannst das Madl net zwingen, ihn zu heiraten!«

Hajo Gruber sagt nichts mehr. Er ist froh, dass nicht herausgekommen ist, dass seine Familie Verzehrer manch eines saftigen Gams- oder Rehbocks gewesen war. Aber deswegen kann er doch die Evi nicht dem Simon zur Frau geben! Ganz andere Pläne hat er mit ihr, der Hajo Gruber!