Alpengold 460 - Toni Wendhofer - E-Book

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Toni Wendhofer

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Beschreibung

Seit dem Tod der Bäuerin herrscht auf dem Moosbichler-Hof eine waschechte Männerwirtschaft. Zwar bemüht sich Vincent, der jüngere Sohn des Bauern, jeden Mittag ein halbwegs passables Essen auf den Tisch zu bringen - doch ein Dankeschön hört er dafür selten. Eines Tages reicht es dem älteren Sohn und Hoferben Paul: Kurzerhand schaltet er eine Heiratsanzeige. Und tatsächlich - schon bald meldet sich ein Dirndl, das er sich nur allzu gut als künftige Bäuerin vorstellen kann. Während Paul innerlich bereits die Hochzeitsglocken läuten hört, beginnt das Schicksal allerdings ganz andere Pläne zu schmieden. Zarte Bande entstehen, jedoch nicht zwischen Paul und seiner Auserwählten, sondern zwischen ihr und Vincent ...

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Stille Liebe in lauter Zeit

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Stille Liebe in lauter Zeit

Ein Roman voller Sehnsucht und Zärtlichkeit

Von Toni Wendhofer

Seit dem Tod der Bäuerin herrscht auf dem Moosbichler-Hof eine waschechte Männerwirtschaft. Zwar bemüht sich Vincent, der jüngere Sohn des Bauern, jeden Mittag ein halbwegs passables Essen auf den Tisch zu bringen – doch ein Dankeschön hört er dafür selten.

Eines Tages reicht es dem älteren Sohn und Hoferben Paul: Kurzerhand schaltet er eine Heiratsanzeige. Und tatsächlich – schon bald meldet sich ein Dirndl, das er sich nur allzu gut als künftige Bäuerin vorstellen könnte. Während Paul innerlich bereits die Hochzeitsglocken läuten hört, beginnt das Schicksal allerdings ganz andere Pläne zu schmieden. Zarte Bande entstehen, jedoch nicht zwischen Paul und seiner Auserwählten, sondern zwischen ihr und Vincent ...

Beim sonntäglichen Mittagessen kam es in der Küche zwischen dem Vater und seinen zwei Söhnen zu jener Entscheidung, die vieles ändern und aus dem friedlichen einen unfriedlichen Hof machen sollte.

»Der Fraß schmeckt ja wieder nach gar nix«, schimpfte Paul, der ältere Sohn. »Das ist kein Schweinsbraten, das sind Schuhsohlen, an denen man sich die Zähne ausbeißt! Und die Knödel, die kann man als Kanonenkugeln verschießen!«

»Dann stell halt du dich an den Herd und mach einen besseren Fraß!«, antwortete Vincent.

Er war mit seinen fünfundzwanzig Jahren um zehn Jahre jünger als der Bruder und auch äußerlich das völlige Gegenteil. Paul war untersetzt, breitschultrig und bärenstark. Er hatte einen quadratischen Schädel mit kurz geschnittenen dunklen Haaren und einen Schnurrbart, der ihn älter machte, als er war.

Vincent hatte eine schlanke Figur, einen schmalen Kopf, und er trug sein brünettes Haar etwas länger, fast bis über die Ohren. Paul hatte graue Augen, Vincent hübsche, verträumt blickende braune Augen.

»So geht das net weiter«, mischte sich der Vater ein. »Einer von euch beiden muss heiraten.«

»Ich hab keine Lust dazu«, ließ sich Vincent vernehmen, »lieber bleibe ich Junggeselle und betätige mich als Koch, auch wenn mein Essen net schmeckt«, fügte er gekränkt hinzu.

Er gab sich wirklich Mühe, jeden Mittag und Abend etwas Anständiges auf den Tisch zu bringen. Arbeit auf dem Hof gab es auch genug von früh bis spät.

»Ich wüsst' im Dorf und in der Umgebung keine, die mir als Bäuerin taugt«, erklärte Paul und aß verdrossen weiter. »Die hübschen und guten Partien sind alle ausverkauft.«

So war es tatsächlich in dem Tausendseelendorf. Was noch an heiratsfähigen Madln da war, entsprach nicht dem Geschmack der beiden Brüder.

Paul hatte es auch nicht eilig mit dem Heiraten, weil er ein lockeres Verhältnis mit der Bedienung des Gamswirtes unterhielt. Die glutäugige Rosalinde Brandl ließ ihn nach der Sperrstunde oft in ihr Mansardenkämmerchen. Dies ging schon zwei Jahre so. An eine Heirat war natürlich nicht zu denken.

»Grad von dir erwarte ich, dass du dich ernstlich nach einer Bäuerin umschaust«, beharrte der Vater, heftig auf dem zähen Fleischhappen kauend. Zum Glück hatte er noch gute Zähne! »Also«, fuhr er fort, »ich könnte mir gut vorstellen, dass mit einer Heiratsanzeige was geht. Es sollte mal probiert werden.«

Eine Weile herrschte Schweigen. Gabel und Messer klimperten. Der Vater schenkte sich aus dem Keramikkrügel Most in den Tonbecher.

»Wie könnte man denn das schreiben?«, rätselte Paul, dem die Idee mit der Heiratsanzeige irgendwie gefiel.

Darüber wurde beim Mittagstisch beraten. Schließlich einigten sie sich auf einen Text, den größtenteils Vincent vorgeschlagen hatte:

Beeindruckender Hof mit großem Landbesitz sucht Haushälterin. Heiratsmöglichkeit vorhanden, sollte es heißen. In den paar Worten war alles drin, fanden die drei.

Nach dem Essen schrieb Vincent den Text fein säuberlich ins Reine und brachte den Brief am Montag zur Post, weil er Einkäufe zu besorgen hatte. Eine schmucke rothaarige Person im Dirndlkleid begegnete ihm beim Einwerfen des Briefes in den Postkasten.

»Hallo, Vincent!«, rief Rosalinde erfreut und umfing den hübschen Burschen mit einem feurigen Blick. »Dich sieht man ja überhaupt net mehr in der ›Gams‹!«

»Ich spar lieber«, gab er zurück, ihrem Blick ausweichend. »Dafür ist ja der Paul oft Gast bei dir.«

»Ich freu mich immer, wenn er kommt«, gestand sie. Sie grüßte den Gemeindeschreiber, der ins Postamt wollte, und Vincent nahm die Gelegenheit wahr, um der verführerischen Kellnerin zu entkommen.

Als er daheim die Einkäufe auspackte, kam der Vater in die Küche. Er erkundigte sich, ob Vincent den Brief an den »Sennboten« aufgegeben habe.

»Freilich«, erwiderte der Sohn. »Ich bin jetzt gespannt, ob sich was meldet. Und wenn«, fügte er grinsend hinzu, »ob was Passendes für den Paul dabei ist.«

»Ich denk, da wird schon was dabei sein«, meinte der Vater. »Vielleicht auch für dich.«

Vincent lachte wie über einen Witz.

»Wenn ich heiraten will, such ich mir eine im Dorf oder in der Umgebung. Aber mich juckt's noch net. Ich lass mir Zeit mit dem Heiraten. Erst soll's mal der Paul probieren.«

Vincent hatte wirklich keine Lust zum Heiraten. Daheim ging ihm ja nichts ab, das Verhältnis zum Bruder und zum Vater war gut.

Die Jugendliebe, für die Vincent einmal entbrannt war und aus der wegen des Umzuges der Eltern nichts geworden war, und noch eine weitere Enttäuschung brachten es mit sich, dass er der Weiblichkeit aus dem Weg ging, ihr sogar misstraute. Trotzdem war auch er neugierig, wer sich auf die Heiratsannonce melden würde.

Zunächst rührte sich überhaupt nichts, aber nach etwa vierzehn Tagen brachte der Postler, der Zöpfl-Toni, einen ziemlich dicken Brief und wartete vergebens auf den obligatorischen Schnaps.

Der alte Moosbichler nahm den Brief beinahe gierig entgegen und pfiff ein paarmal durch die Zähne, bis aus dem Stall der Paul und aus dem Holzschuppen der Vincent traten.

Gespannt folgten sie dem Vater in die Küche, wo er den gewichtigen Brief mit einem Messer aufschlitzte. Sechs Blätter mit Fotos schickte die Annoncenabteilung des »Sennboten« mit einem kurzen Begleitschreiben und der Rechnung.

Wie die Geier stürzten der Vater und die Söhne sich auf die Bewerbungsschreiben und die Fotos. Paul las die einzelnen Briefe vor. Ein paar waren so fehlerhaft geschrieben, dass auch die einigermaßen passablen Fotos der Bewerberinnen nichts nützten und die Schreiben in den Ofen gesteckt wurden.

Nur zwei von den sechs kamen in die engere Wahl, aber Paul wollte auf weitere Bewerberinnen warten, weil er hoffte, dass bei den nächsten Angeboten der Haupttreffer war. Das war ja quasi wie ein Lotteriespiel.

»Rausgeschmissenes Geld«, nörgelte der Vater, weil sich nichts Passendes meldete. Denn Paul wünschte sich eine schlanke, möglichst blonde Frau mit blauen Traumaugen. Hübsch musste sie sein, sehr lieb und unbedingt treu, kochen musste sie können und fleißig sein.

»Auf so was kannst du lange warten«, spottete Vincent. »Solche Typen lesen keine Heiratsanzeigen. Die suchen sich ihre Ehemänner selber.«

»Wenn gar nix geht«, sagte Paul, »dann heirate ich die Rosalinde.«

Da protestierte der Vater energisch.

»Eine Bedienung kommt mir net als Bäuerin ins Haus! Da vermache ich den Hof lieber dem Pfarrer!«

Doch diese Ankündigung war nicht so ernst zu nehmen.

***

Purer Zufall war es, dass der jungen Gasthofköchin Hildegard Höfer beim Kaffeetrinken in der Gaststube der »Sennbote« in die Hände geriet und sie im Anzeigenteil die Anzeige der Moosbichlers las:

Beeindruckender Hof mit großem Landbesitz sucht Haushälterin. Heiratsmöglichkeit vorhanden.

Hildegard war einundzwanzig Jahre alt und lebte mit ihrer Mutter zusammen, die in einer Wäscherei arbeitete. Der Vater war vor drei Jahren als Elektrotechniker durch einen Starkstromschlag getötet worden.

Hilde, wie sie genannt wurde, hatte nach dem Schulabschluss zuerst bei einem Bauern gearbeitet, weil sie tierlieb und gern auf dem Land war. Als der Bauer ihr aber nachgestellt hatte, hatte sie sich entschlossen, im Hotel »Goldener Pflug«, einem renommierten Landgasthof, den Beruf der Köchin zu erlernen.

Es war eine anstrengende Arbeit, die Hildes Gesundheit strapazierte. Die Küchendünste und die ständige Hitze in der Küche legten sich auf ihre Bronchien.

Der Oberkoch hatte ihr schon wiederholt vorgeschlagen, ein paar Wochen oder auch Monate auszuspannen und sich eine Arbeit an der frischen Luft zu suchen. Zurückkommen könne sie jederzeit, hatte er ihr in Aussicht gestellt.

An diesem Abend kam die Mutter in das Hotel zum »Goldenen Pflug« und ließ sich zu einem guten Abendessen einladen. Hilde nahm sich die Zeit, sich zur Mutter an den Tisch für die Hausangestellten zu setzen und ihr beim Verzehr eines Kalbsschnitzels Gesellschaft zu leisten.

Anna Höfer war dreiundvierzig, eine einfache Frau mit recht hübschem Gesicht und einer schlanken Figur, die auch Hilde geerbt hatte.

Beide waren blond und hatten blaue Augen. Man unterhielt sich lebhaft. Die Mutter deutete an, dass sie einen älteren Mann in guten Verhältnissen kennengelernt habe. Hausbesitzer sei er, vernahm Hilde. Was sie davon halte, wenn die Mutter mit dem Mann, der Otto Seibel hieß und Witwer war, eine Ehe eingehe.

Diese Frage traf genau mit der zusammen, die Hilde an die Mutter richten wollte. Eine Duplizität der Fälle, wie es so schön heißt. Denn Hilde interessierte sich für die Annonce im »Sennboten«.

Am Angestelltentisch kam es zu einer sehr angeregten Unterhaltung.

Hilde hielt es für besser, wenn die Mutter zunächst mit dem Mann eine unverbindliche Gemeinschaft einging und erst später, wenn die sich als dauerhaft erwies, in eine Heirat einwilligte. Wenn der Mann wirklich so gut gestellt sei, könne die Mutter ja vielleicht bald ihre Arbeitsstunden in der Wäscherei reduzieren oder die Arbeit sogar ganz aufgeben, meinte sie.

Dann zeigte Hilde ihrer Mutter die Anzeige im »Sennboten«, die sie interessierte.

Diese las die Anzeige und sah ihre Tochter darauf ernst an.

»Net übel«, sagte sie, »du wolltest doch schon immer auf dem Land leben. Schau dir den Mann und den Hof an und entscheide dann, ob du Bäuerin werden willst. Es kommt auf einen Versuch an.«

Und den wollte Hilde unternehmen. Sie suchte ein schönes Foto heraus, das ihr hübsches Aussehen unterstrich, setzte sich noch in der gleichen Nacht in ihrem Dachkämmerchen hin und verfasste ein Bewerbungsschreiben, das sie am nächsten Morgen in den Briefkasten warf.

Nur vier Tage dauerte es, dann erhielt sie einen mit ungeübter Hand, aber fehlerfrei geschriebenen Brief mit der Aufforderung, sich in nächster Zeit auf dem Moosbichler-Hof einzufinden. Unterschrieben war der Brief mit dem Namen Paul Moosbichler, der in Niederfels wohnte.

Von diesem Ort hatte Hilde noch nie etwas gehört. Und das war kein Wunder. Denn es war wahrhaftig ein kleines Nest, dieses Niederfels, das Hildes Schicksal werden sollte.

***

Den Linienbus, der vor dem Gasthof »Weiße Gams« hielt, verließen nur drei bäuerliche Gestalten und ein hübsches Madl im schicken Jägerkostüm. Auf ihrem blonden Haar saß ein ebenfalls schicker Hut mit geflochtener Kordel und hinten herunterhängender Quaste. Über der Schulter trug Hilde eine wildlederne Tasche mit vergoldetem Knopfverschluss.

Das also war Niederfels. Sie wollte sich den Hof erst einmal anschauen, ehe sie den Briefschreiber kennenlernte. Eine Woche hatte sie Urlaub bewilligt bekommen, und in einer Woche wollte sie der Mutter mitteilen, ob sie dritte Köchin im »Goldenen Pflug« bleiben oder Haushälterin und möglicherweise Bäuerin auf einem Bauernhof werden wollte.

Der sonnige Junitag schien die Erprobung zu begünstigen. Niederfels, ein sauberes Dorf mit Bauernhöfen und netten Bürgerhäusern, zeigte sich von seiner besten Seite. Nicht weit von einem hübschen Gasthof entfernt stand eine Kirche mit einem Zwiebelturm.

Eine dralle rothaarige Person im Dirndlkleid und mit weißer Schürze kam aus dem Gasthof und erneuerte im Kasten die Speisekarte. Hilde flog ein forschender Blick zu, den sie nutzte, um zu fragen, wo der Moosbichler-Hof zu finden sei.

Die Kirschaugen der Rosalinde Brandl bekamen einen neugierigen Ausdruck.

»Sind Sie Verwandtschaftsbesuch?«, wollte sie wissen.

Hilde sah nicht ein, warum sie einer fremden Person, die offenbar Kellnerin war, denn sie hatte eine Geldtasche umgeschnallt, den Grund ihres Kommens verraten sollte.

»Ich hab dort was zu erledigen«, sagte sie.

Darauf nahm Rosalinde an, dass die gut gekleidete und recht hübsche Person dem Berufskreis der Vertreterinnen oder Versicherungsagentinnen zugerechnet werden könnte. Gleich hinter der Kirche, am Ende des Bauernsträßchens sei der Moosbichler-Hof zu finden, der letzte Hof linker Hand. Zwei Nussbäume ständen davor und dazwischen eine zum Hof gehörende kleine Kapelle.

Hilde bedankte sich, und während sie weiterschlenderte, betrachtete sie die hübschen Häuser, die inmitten von Obstgärten standen. Rechter Hand lagen zwei Bauernhöfe, die starken Jauchegestank verbreiteten. Hilde rümpfte die Nase. Es erschien ihr zweifelhaft, in der unmittelbaren Nähe von Misthaufen und Jauchegruben leben zu können.

Der Hof links aber, der in ihr Blickfeld geriet, gefiel Hilde. Sie sah ein sehr schönes bäuerliches Wohnhaus mit zwei Balkonen, einen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Geräten vollgestellten überdachten Schuppen, daran anschließend einen großen Stadel mit Schiebetor.