Alpengold 471 - Isa Halberg - E-Book

Alpengold 471 E-Book

Isa Halberg

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Beschreibung

Auf einer Parkbank im idyllischen Helenenbrunn begegnet Priska einem Mann, der sie auf unerklärliche Weise in seinen Bann zieht. Justin Wettlinger wirkt distanziert und verschlossen, und doch spürt Priska sofort, dass hinter seiner wortkargen Art ein Mensch mit einer tiefen Geschichte steckt. Mit Geduld, Wärme und ihrem offenen Herzen gelingt es ihr, ihn in ein erstes Gespräch zu ziehen - und schließlich sogar zu einem Wiedersehen zu bewegen. Beide spüren, wie etwas zwischen ihnen entsteht. Etwas Zartes, Intensives. Etwas, das Priska nicht mehr loslässt. Doch gerade, als sie glaubt, Justin besser kennenzulernen, reist er plötzlich ab. Ohne Erklärung. Ohne eine Spur - außer seinem Namen. Dann geschieht das Unerwartete: Priska findet Justins verlorene Brieftasche. Darin seine Adresse. Ein Wink des Schicksals? Ohne zu zögern, folgt sie diesem Zeichen und fährt zu ihm. Was sie dort erlebt, stürzt sie in einen Wirbel aus widersprüchlichen Gefühlen: Mitleid, Eifersucht, Sorge, vor allem aber Liebe ...

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Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Darf man einen Engel küssen?

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Darf man einen Engel küssen?

Wie Priska einem verzweifelten Mann aus der Not half

Von Isa Halberg

Auf einer Parkbank im idyllischen Helenenbrunn begegnet Priska einem Mann, der sie auf unerklärliche Weise in seinen Bann zieht. Justin Wettlinger wirkt distanziert und verschlossen, und doch spürt Priska sofort, dass hinter seiner wortkargen Art ein Mensch mit einer tiefen Geschichte steckt.

Mit Geduld, Wärme und ihrem offenen Herzen gelingt es ihr, ihn in ein erstes Gespräch zu ziehen – und schließlich sogar zu einem Wiedersehen zu bewegen. Beide spüren, wie etwas zwischen ihnen entsteht. Etwas Zartes, Intensives. Etwas, das Priska nicht mehr loslässt.

Doch gerade, als sie glaubt, Justin besser kennenzulernen, reist er plötzlich ab. Ohne Erklärung. Ohne eine Spur – außer seinem Namen.

Dann geschieht das Unerwartete: Priska findet Justins verlorene Brieftasche. Darin seine Adresse. Ein Wink des Schicksals? Ohne zu zögern, folgt sie diesem Zeichen und fährt zu ihm.

Was sie dort erlebt, stürzt sie in einen Wirbel aus widersprüchlichen Gefühlen: Mitleid, Eifersucht, Sorge, vor allem aber Liebe ...

Zum geöffneten Fenster schauten die Gipfel des Karwendelgebirges herein. Ein paar weiße Schönwetterwolken segelten über den samtblauen Himmel.

»Es geht doch schon ganz gut, Herr Fichtner«, sagte Priska aufmunternd zu dem gewichtigen älteren Herrn, der seit drei Wochen Patient in der Kurklinik »Bergfrieden« war.

Alois Fichtner richtete sich ächzend auf.

»Stimmt, Frau Moser«, meinte er schweratmend. »Das hab ich aber nur Ihnen zu verdanken. Bevor ich hergekommen bin, war ich steif wie ein Brett!«

Der weiße Raum mit den bewegungstherapeutischen Geräten war makellos sauber. Auf dem kleinen Schreibtisch mit Priskas Unterlagen, in denen sie Art und Dauer der krankengymnastischen Übungen eintrug, stand eine Glasvase mit gelben Rosen.

»Sie werden sehen, wenn Sie heimfahren, springen Sie wie ein junges Reh, Herr Fichtner«, scherzte Priska und warf einen Blick auf ihren Behandlungsplan. »Vergessen Sie net, morgen pünktlich um diese Zeit wieder hier zu sein!«

»Würd' ich nie und nimmer vergessen, Frau Moser. Der Chefarzt sagt eh immer, Bewegung ist das Wichtigste für mich.«

Nachdem der Patient aus Freising, der nach einem schweren Gichtleiden in die Kurklinik »Bergfrieden« in Helenenbrunn gekommen war, den Raum verlassen hatte, schloss Priska das Fenster und verstaute die Karteikarten in einem Wandschrank. Für heute hatte sie ihre Pflicht getan.

Es war vier Uhr nachmittags, und anstrengende Stunden lagen hinter ihr. Schon in aller Frühe hatte sie mit unfallgeschädigten Patienten im Schwimmbad der Klinik trainiert. Nach und nach mussten sie, da sie teilweise unter Lähmungen und starken Ausfallerscheinungen litten, wieder die Kontrolle über die eingeschränkten Bewegungsabläufe erlangen.

Priska liebte ihren Beruf. Ihre Geduld, ihre Freundlichkeit und ihre medizinische Sachkenntnis machten sie zu einer idealen Krankengymnastin und Bewegungstherapeutin. Natürlich war sie manchmal ganz schön geschlaucht. Aber wenn sie wieder einmal mit einem Patienten einen Erfolg erzielt hatte, vergaß sie rasch ihre Anspannung und freute sich mit dem Betreffenden.

Auch für Alois Fichtner bedeutete es schon ein ganzes Stück Lebensqualität mehr, dass er wieder allein laufen konnte und es schaffte, mit den gichtigen Händen Besteck und Tasse zu halten.

Priska trat hinaus in den sonnigen Augusttag. Die Hitze schlug ihr entgegen wie Treibhausluft. Im Behandlungszimmer war es stets angenehm kühl.

Nun, es war Hochsommer. Überall im Kurpark von Bad Helenenbrunn blühten die Rosen in verschwenderischer Fülle. Wie heiß musste es derzeit in der Stadt sein, wenn man sogar hier, in dem von Wiesen und Bergwäldern umgebenen Kurort im Karwendel, beim gemächlichen Spazierengehen schon ins Schwitzen geriet!

Priska überquerte den Parkplatz vor der Kurklinik und schlug den Weg zum Kurpark ein.

Gott sei Dank, hier war es schattig! Hohe Bäume, grüne Rasenflächen, Rabatten mit Sommerblumen, dazwischen sprudelnde Brunnen mit Marmorfiguren ... nie hatte Priska einen schöneren Park gesehen. Richtig romantisch war es, und überall lockten weiße Bänke und efeubewachsene Lauben.

Bad Helenenbrunn hatte sich über Jahrzehnte hinweg den Charme eines alten, vielbesuchten Kurorts erhalten. Gäste, die zum Kuren herkamen, wohnten in großen Villen mit klangvollen Namen wie »Haus Elisabeth« oder »Villa Marmolata«, es gab das Hotel »Prinzregent Luitpold« und die »Alpenresidenz«.

Auch mit modernen Häusern konnte Helenenbrunn aufwarten, sie lagen überwiegend im Neubauviertel am Wald. Bekannt waren die zwei Kurkliniken – in der größeren war Priska seit einem Jahr tätig – und die Kinder-Klinik »Bärengrund«. Vor Kurzem hatte man außerhalb des Ortes mit dem Bau eines Reha-Zentrums begonnen.

Auf schönste Weise vereinte sich in Bad Helenenbrunn alte Bädertradition mit den Errungenschaften und Erkenntnissen der modernen Medizin. Eigentlich war hier immer Saison ... und viele Leute, junge wie ältere, kamen einfach in den beliebten Kurort, um die gute Luft und die herrliche Landschaft zu genießen.

Aber Helenenbrunn hatte noch mehr zu bieten: Kurdirektor Mayerbichl sorgte stets für ein reiches Kulturangebot. Es gab Theater- und Konzertabende, Ausstellungen, Kräuter- und Wanderführungen, ja, wer wollte, konnte sogar unter fachkundiger Anleitung droben am Spitzgernkopf kraxeln.

Besonders stolz waren die Bewohner von Helenenbrunn auf ihre »Alpenquelle«. Das Heilwasser entsprang im Gebirge und wurde im »Brunnenhaus« ausgeschenkt.

Kneippsche Anwendungen gehörten ebenso zum Angebot des Kurorts wie Moorbäder und -packungen. Klar, dass der heilende Schlamm an Ort und Stelle gewonnen wurde. Nicht umsonst gab es in unmittelbarer Umgebung weite Hochmoorflächen.

Priska spazierte am Kurhaus und an der Wandelhalle vorbei, trank im »Brunnenhaus« zwei große Gläser Alpenquell-Wasser und steuerte dann ihren Lieblingsplatz an: eine verschwiegene Bank an einem kleinen See im hintersten Winkel des Parks. Meistens war sie hier allein. Trauerweiden ließen ihre Äste ins Wasser hängen, Enten und zwei Schwanenpaare lebten in paradiesischer Eintracht miteinander.

Verflixt, ausgerechnet heute war die weiße Bank am See besetzt! Priska räusperte sich vernehmlich. Sie dachte gar nicht daran, wieder umzukehren! Der junge Mann, der völlig geistesabwesend ins Wasser starrte, drehte sich nicht einmal nach ihr um. Da half auch ein dezentes Hüsteln nichts ... sie musste deutlicher werden!

»Entschuldigen Sie«, sagte Priska laut, »haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich neben Sie setze?«

»Wie?« Sie blickte in zwei graue Augen, die sie gar nicht zu sehen schienen. Wo war dieser Mensch nur mit seinen Gedanken? Komischer Vogel!, dachte sie und wiederholte:

»Ich würde mich gern auch auf diese Bank setzen, wenn es Sie net stört.«

»Natürlich ... selbstverständlich.« Er rückte von der Mitte der Bank an den Rand und wies auf die freie Sitzfläche. »Bitte!«

»Ich komm' jeden Tag hierher«, erklärte Priska und beobachtete die Schwäne, die gemächlich über den See ruderten. »Hier ist's immer so friedlich und außerdem kühl jetzt im Hochsommer.«

»Ich will Ihnen Ihre Bank nicht wegnehmen.« Der Fremde sprang in die Höhe, als habe er in ein Wespennest gefasst. »Ich kann genauso gut irgendwo anders sitzen.«

»Bleiben Sie doch!«, forderte ihn Priska verwundert auf. »Ich beiße nicht. Schließlich waren Sie ja zuerst da ... und die Bank ist net mein Privatbesitz.« Sie lachte, und er setzte sich wieder.

»Sind Sie zur Kur hier?«, fragte er, wahrscheinlich nur, um etwas zu sagen. Auf seinem gutgeschnittenen Gesicht war nicht die Spur eines Lächelns zu entdecken.

»Nein, ich arbeite hier, als Bewegungstherapeutin, und zwar in der Kurklinik Bergfrieden.«

»Aha.«

Das war alles. Er schwieg vor sich hin, zerbröselte eine Semmel und warf von Zeit zu Zeit den zutraulichen Enten ein paar Krumen zu.

Merkwürdiger Typ!, ging es Priska erneut durch den Kopf.

Verstohlen musterte sie ihn von der Seite. Er sah blendend aus. Groß, durchtrainiert, gebräunt ... bloß der resignierte Zug um die Mundwinkel stand ihm überhaupt nicht. Ab und zu fuhr er sich mit einem unterdrückten Seufzer durch das dichte braune Haar. Es schien ihm gar nicht bewusst zu sein.

Eine reine Reflexbewegung, stellte Priska insgeheim fest. Ich bin ja eigentlich net neugierig, aber wenn ich jetzt wüsste, woran er denkt ... ach was! Es geht mich nix an.

So saßen Priska und der junge Mann auf der Bank am See und sprachen kein Wort. Irgendwann beschloss sie, das Schweigen zu beenden.

»Sind Sie denn ein Kurgast?«, fragte sie. »Oder machen Sie einen Ausflug? Ich find', Helenenbrunn ist einen Abstecher wert. Wo findet man noch so ein Kurhaus im Stil der Jahrhundertwende und ...«

Er sah sie an, als habe sie chinesisch gesprochen.

»Wie bitte?«, murmelte er. »Wie meinen Sie? Ach ja, das Kurhaus. Wirklich sehr schön.« Nach einer Weile schien er sich zu erinnern, dass sie ihm eine Frage gestellt hatte, und er setzte mit einem Seufzer hinzu: »Ich besuche hier jemanden ... für einige Zeit. Etwa zehn Tage, denke ich.«

»Wahrscheinlich Ihre Frau?« Priska kam sich beinahe aufdringlich vor. Aber irgendwie reizte sie seine Zurückhaltung.

»Meine Frau? Nein, ich ... bin nicht verheiratet. Nicht mehr.«

Au weia!, dachte Priska. Sollte ich da in ein Fettnäpfchen getreten sein? Hatte sich seine Frau von ihm getrennt, und er starrte deshalb wie versteinert auf den See?

»Tut mir leid«, sagte sie leise. »Ich wollte nicht indiskret sein.«

Darauf erwiderte er nichts, und wieder saßen sie nebeneinander wie die beiden Marmorstatuen drüben am Pavillon: stumm und reglos.

Am besten wär's, wenn einer von uns ginge, grübelte Priska ärgerlich. Es kann einem ja unheimlich werden! Aber ich gehe bestimmt net. Ich hab's mir verdient, mich auszuruhen. Warum soll ich diesem Langweiler meine Lieblingsbank überlassen?

Zu ihrer grenzenlosen Überraschung räusperte er sich und setzte tatsächlich zu einer Frage an.

»Sind Sie – von hier?«

Priska schüttelte den Kopf.

»Nein, aus München. Aber ich arbeite seit einem Jahr hier. Es hat mir daheim in der Stadt nicht mehr gefallen.«

»Nein? Warum denn nicht?«

Nanu!, dachte sie. Er wird doch nicht etwa redselig werden?

»Ach, das ist eine längere Geschichte«, murmelte sie. »Es gab private Gründe, und ich wollt' auch schon seit Längerem in einer Kurklinik arbeiten. Als ich mich hier beworben hab, hat's sofort geklappt. Ich hab seither viele wunderschöne Momente erlebt. Wenn die Patienten, die an Krücken gekommen sind, aufrecht wieder weggehen, könnte ich jedes Mal jubeln.«

Er nickte, aber besonders interessiert sah er nicht aus.

»Sie brauchen sicher viel Geduld«, meinte er lakonisch und fügte noch hinzu: »Trotzdem, Wunder kann niemand vollbringen. Auch Sie nicht. Wenn jemand querschnittsgelähmt ist zum Beispiel, ist eine Bewegungstherapie doch der reinste Hohn.«

»Nun seien Sie doch net so negativ und pessimistisch!«, regte sich Priska auf. »Es gibt immer eine Chance auf Besserung. Manche Leute sind außer sich vor Freude, wenn sie wenigstens wieder allein den Arm heben können! Durch gezielte Übungen kann man mehr erreichen, als Sie sich vorstellen.«

»Na ja, mag sein.« Das klang entschuldigend. »Ich versteh' ja nix davon.« Er lehnte sich zurück und sagte: »Mein Name ist Wettlinger, Justin Wettlinger.«

Donnerwetter!, dachte sie. Jetzt weiß ich doch tatsächlich schon seinen Namen! Wer hätte das gedacht!

»Priska Moser«, erwiderte sie. »Sind Sie vielleicht auch aus München?«

Er schüttelte den Kopf.

»Nein. Ich – hm – bin ganz aus der Nähe.«

»Dann waren Sie schon öfter hier?« Priska verspürte ein bohrendes Gefühl im Magen. Himmel, sie hatte heute das Mittagessen ausgelassen, und jetzt war ihr auf einmal ganz flau vor Hunger! Die köstlichen Forellen im Restaurant »Karwendelblick« fielen ihr ein.

»Ich? Ja, natürlich kenne ich Helenenbrunn. Nur diese Bank am See, die war mir neu.«

»Schön hier, net wahr?« Sie sprach ganz laut, denn er sollte nicht hören, dass ihr der Magen knurrte. Irgendwie schien er ihr aber anzusehen, dass sie vor Hunger fast umkippte.

»Ja, es ist schön«, erwiderte er. »Und besonders schön finde ich es, dass wir uns hier getroffen haben. Sie haben sicher einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich ... darf ich Sie vielleicht zum Essen einladen?«

Sie jubelte innerlich. Essen! Trotzdem zierte sie sich ein wenig.

»Aber das ist doch net nötig«, antwortete sie. »Ich mein', wir kennen uns doch gar net!«

»Na ja, vielleicht haben Sie ja auch etwas anderes vor.« Auf seiner Stirn erschien eine Falte.

»Nein, ich ...«, stotterte sie, aber er unterbrach sie.

»Klar! Ich bin ein Trottel. Sicher haben Sie einen Freund, mit dem Sie verabredet sind! Jemand wie Sie ist doch nicht allein!«

»Bin ich aber doch!«, widersprach sie. »Ist das so ungewöhnlich? Sie sitzen ja auch hier ... allein!«

»Bei mir ist das etwas anderes.« Er sprang auf und griff nach seiner Jacke. »Also, kommen Sie, Frau ... jetzt hab ich Ihren Namen doch schon wieder vergessen.«

»Moser. Sie können aber auch ganz einfach Priska sagen, wenn Sie das besser behalten können.«

Wenigstens erschien auf seinem Gesicht jetzt die Andeutung eines Lächelns.

»Priska. Ein hübscher Name! Sie sind übrigens auch ... hübsch. Und blutjung.«

Sie lachte. »Da irren Sie sich! Ich bin achtundzwanzig und habe schon einige Jahre Berufserfahrung hinter mir. Warum starren Sie mich so an? Weil eine Frau mit achtundzwanzig nach landläufiger Meinung verheiratet sein müsste?«