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Tarot ist das Kind eines Menschen und eines Höllenbewohners, allerdings ist der mächtige Teufel ein Gefangener der Regierung. Er wird gezwungen als Auftragskiller zu arbeiten, doch dann gelingt es ihm zu entkommen. Eine gnadenlose und mörderische Jagd beginnt, in der er auf Freunde und Feinde stößt.
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Seitenzahl: 176
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Andrea Appelfelder
AS(tarot)H
Der Teufelskiller
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Ende
Danksagungen
Quelle
Impressum neobooks
Andrea Appelfelder
AS(tarot)H
Der Teufelskiller
Das folgende Werk ist rein fiktionaler Natur. Jegliche Ähnlichkeiten zu bereits existierenden Namen, Figuren und Orten sind reiner Zufall und haben nichts mit diesen zu tun.
Das folgende Werk ist eine Nebengeschichte zu den bereits veröffentlichen Büchern Broken Bones Die Monsterjäger und Die Blutgarde Die Rückkehr der Monsterjäger
Vereinigte Staaten von Amerika, Washington D.C.
10. April 2050, Ostersonntag
Es war ein wunderschöner, aber etwas verregneter Frühlingstag und das Osterfest war noch im vollen Gange. Doch nur die wenigsten Menschen genossen den besinnlichen Feiertag oder machten sich um das angenehme Wetter Gedanken, denn die Welt war erneut in Unruhe geraten. In Amerika und den Ländern der östlichen Welt keimten immer wieder bedrohliche Konflikte auf, denn der wichtigste Rohstoff, auf dem die Menschheit ihre gesamte Existenz aufgebaut hatte, Erdöl, neigte sich langsam dem Ende. Obwohl man längst an Alternativen für das schwarze Gold forschte, klammerten sich die Länder weiterhin an das Altgewohnte und die bequeme Vergangenheit.
Der heilige und neutrale Vatikan setzte, nachdem er darauf aufmerksam geworden war, alle Hebel in Bewegung um Frieden zu stiften und den nahenden Krieg noch im Keim zu ersticken. Der Papst hatte sich wegen dieser unangenehmen Situation dieses Jahr dazu entschieden, seinen geliebten Vatikan zu verlassen und die alljährliche Osterrede und seinen heiligen Papstsegen Urbi et orbi in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika abzuhalten.
Diese Rede, welche zum ersten Mal auf unheiligem Boden gesprochen wurde, wollte er gleichzeitig dazu nutzen, zum Frieden aufzurufen, aber auch Verhandlungen zu führen. Schließlich arbeiteten Wissenschaftler bereits fieberhaft an einer synthetischen Lösung, die dem Erdöl gar nicht so unähnlich war und bald den Markt überschwemmen würde.
Er wollte aber auch gleichzeitig versuchen, gerade den Präsidenten, der sturer nicht sein konnte und der ebenfalls anwesend war, auf seine Seite zu ziehen.
Das Oberhaupt des Vatikan plante nach seiner Rede mit ihm allein zu sprechen und ihn so zu beeinflussen, dass er einen Schritt auf die anderen Parteien zugehen sollte und nicht, wie er es bis jetzt getan hatte, noch mehr Unruhe schürte.
An dem Ort der heiligen Rede, dem Washington Monument, hatten sich hunderttausende Menschen freudig versammelt. Schließlich hatten die einfachen Menschen nicht jeden Tag die Möglichkeit, das Oberhaupt des Vatikan zu sehen und das auch noch im eigenen Land.
Das Washington Monument, wo die Gläubigen schon über Stunden ausharrten, war ein weißer Marmorturm in der Form eines Obelisken, der sich auf einem Hügel auf der National Mall befand, einem Verbindungssteg zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial. Vor dem am 6. Dezember 1884 beendeten Bau bildete sich ein Meer aus bunten Regenschirmen und die Menschen warteten auf den Beginn der Reden und darauf, den heiligen Segen empfangen zu können.
Allerdings schienen nicht alle Anwesenden glücklich über diese Ehre zu sein, denn ein riesiges Polizeiaufgebot trennte die Parteien mit einem Abstand von zehn Metern voneinander.
Der alternde Präsident der Vereinigten Staaten mit seinem kantigen Gesicht und der langen Knaufnase war ebenfalls nicht glücklich und hatte sich entschieden, die Rede nur von seinem Auto aus zu verfolgen. Der Mann, der um die sechzig war, wollte seinen drei Millionen Dollar teuren Wagen „Biest“ nicht verlassen.
Nirgends fühlte er sich im Moment sicherer als hier. Wenn ein Angreifer nicht gerade mit einer riesigen Bombe auf ihn warf, würde er dieses in seinen Augen alberne Theater, was gerade nach einem blutigen Attentat schrie, auf jeden Fall überleben.
Er räusperte sich und versicherte sich bei seinem in schwarz gekleideten Leibwächter, der neben ihm saß und eine Hand auf seiner kleinkalibrigen Schutzwaffe hatte, dass alles Menschenmögliche in die Wege geleitet worden war, damit seine Befürchtungen nicht wahr werden würden und nicht doch ein Blutbad diesen Tag abschließen würde.
Der Mann, der in seinem maßgeschneiderten schwarzen Anzug etwas dicklich wirkte, war sehr angespannt. Er war mit dem bevorstehenden Treffen eigentlich nicht einverstanden gewesen, ahnte er doch, was der alte Christ vorhatte.
Sie hatten nicht dieselben Ziele. Er wollte keinen Frieden und er wollte das letzte verbliebene Öl, was diese Kameltreiber ihm und dem Rest der Welt, vorenthielten. Er schüttelte mit dem Kopf und verkrampfte seine rauen und mit Altersflecken übersäten Hände ineinander. Was sollte er aber tun? Er konnte sich nicht öffentlich gegen den Vatikan stellen.
Ihm wäre es zwar egal mit diesem zu brechen, er war nur für die Öffentlichkeit gläubig, aber viele seiner Untergebenen glaubten den Schwachsinn, der schon seit tausenden von Jahren propagiert wurde. Erschwerend kam allerdings noch hinzu, dass der Kirchenverein nicht so hilflos war, wie er es von außen vermuten ließ.
Er hatte ganze Armeen und in Garden eingeteilte Gruppen von hunderttausenden der bestausgebildeten Leute, die man sich nur vorstellen konnte. Gerüchte besagten sogar, dass sie ein Team bestehend aus den besten Assassinen der Welt unterhielten.
Er hatte einmal sogar gehört, dass sie wie alterslose Kinder aussehen sollten, weltweit agierten und ohne Skrupel töteten. Allerdings war das noch nicht alles. Wenn man von ihnen verfolgt wurde, konnten sie dich töten, ohne, dass es überhaupt jemand merkte und wenn man es selbst merkte, war es längst zu spät. Solche Leute konnte er sich einfach nicht zum Feind machen.
Der Staatsführer verzog sein Gesicht zu einer so grimmigen Maske, dass man denken konnte, er wäre die Ausgeburt der Hölle selbst, als er daran dachte.
Er blickte nun, immer noch geladen, aus dem Biest und wartete. Gleich würde sein unweigerlicher Untergang beginnen und er konnte absolut nichts dagegen tun.
Der altersschwache Papst, der Mitte siebzig war und ein nettes, sanftes Gesicht mit vielen Falten besaß, trat an das Podest, was man extra für ihn errichtet und mit einer kugelsicheren Scheibe versehen hatte. Ihm folgte ein einziger, in Shirt und Jeans gekleideter Bodyguard. Dieser fast noch jugendliche Mann von um die zwanzig Jahren war nun der einzige in der Reichweite des Papstes, der diesen im Ernstfall beschützen konnte. Das Oberhaupt des Vatikan hatte selbst darauf bestanden. Er wollte so ihre Stärke aufzeigen.
Der Leibwächter, der kurze braue Haare und Augen hatte, schien völlig makellos zu sein und stellte sich gelassen und fast schon gleichgültig hinter seinen Vorgesetzten.
Dieser ausdruckslose Zustand wich aber sofort von ihm ab, als er hörte, dass die Rede begann, nun blickte er ernst drein und behielt alles um sie herum schützend im Auge.
Während der Redeführer seine Eröffnung begann, drängte sich ein düsterer und mysteriöser Mann, der um die zwei Meter groß und mit breiten Schultern gesegnet war, durch das Meer aus bunten Regenschirmen. Er war völlig in schwarz und mit einem Kapuzenpulli gekleidet, den er sich bis tief ins Gesicht gezogen hatte.
Der Mann, von dem man nichts außer seinen Umrissen wahrnehmen konnte, so vermummt war er, bewegte sich schnell, fast schon zu schnell für einen Menschen und nahm die Umherstehenden nicht einmal wahr. Er sah ohnehin keine Gefahr in ihnen.
Mit jedem Meter, dem er dem Papst näher kam, wurde er nur noch schneller bis er fast schon rannte. Er durchbrach blitzschnell die Reihen der schwer bewaffneten Polizeibeamten und stieß die, die ihm im Weg standen, unsanft zur Seite.
Der Assassine hatte den Papst fast schon erreicht, aber sein einziger Leibwächter, den er mehr als allen anderen vertraute, erkannte sofort die ihm sich bietende Situation.
Der Bodyguard stellte sich heldengleich vor seinen Vorgesetzten und bemerkte, dass der Attentäter anders war, konnte aber nicht definieren, warum und wer oder was er war.
„Ich weiß nicht, was du bist, menschlich jedenfalls nicht, aber ich lasse nicht zu, dass du ihm auch nur ein Haar krümmst. Verschwinde, du Wahnsinniger oder es ist dein Tod!“
Der Andersartige, der die Worte seines Gegners ignorierte, erwiderte nichts, aber auch er erkannte, dass sein Gegenüber ebenfalls nicht menschlich war, jedoch wusste auch er nicht, was er vor sich hatte.
Er hatte es noch nie mit einem Wesen zu tun gehabt, was wie er anders war, stellte sich aber nichtsdestotrotz siegessicher vor dem Papsttreuen und griff ihn an.
Der Kampf begann, war aber zu schnell für das menschliche Augen und so sah es einfach aus wie ein kurzes, ausgeglichenes Gerangel. Der Leibwächter versuchte in diesem die Oberhand zu erlangen und schleuderte den Angreifer schließlich, nachdem er ihn zu fassen bekommen hatte, von sich und gegen das Washington Monument. Allerdings half das alles nichts.
Sein Gegner prallte nur kurz dagegen, beschädigte es, indem er Risse in es schlug und stand wenige Sekunden später wieder auf den Beinen.
Der Leibwächter bemerkte, dass sein Gegner übermenschlich stark war und wusste, dass sein Gegenüber stärker war als er selbst.
Der junge Mann hatte nur kurz gegen ihn gekämpft, musste aber einige gezielte Tritte und Schläge einstecken. Hierdurch erkannte er, dass er nicht nur übernatürlich, sondern auch gut ausgebildet war. Wenn er raten musste, würde er auf Militär oder Spezialeinheit tippen.
Sein Gegner stand nun auch schon wieder vor ihm und er bat ihn inständig: „Hör auf oder willst du einen neuen Krieg auslösen? Wir stehen ohnehin kurz davor. Wenn du so weitermachst, werden die Mächte aufeinanderprallen und so eine Welt ist auch für uns nicht gut.“
Wieder kam keine Antwort und ein weiterer widernatürlicher, kleiner Kampf, den man kaum verfolgen konnte, so schnell war er, entbrannte.
Jedoch dauerte er nicht lange und war Sekunden nach dem Beginn auch schon wieder vorbei. Der Leibwächter taumelte und sackte bewusstlos zu Boden. Er hatte die Auseinandersetzung verloren und nun ein riesiges, blutendes Loch im Bauch davongetragen.
Sein Streitpartner hatte ihm einfach seine rechte Faust in den Leib gerammt und alles an Eingeweiden herausgerissen, was er zu fassen bekommen hatte und so seinen Gegner komplett ausgeschaltet.
Der verhüllte Attentäter schritt über sein kampfunfähiges Opfer. Er wusste zwar, dass dieses es dank ihrer übernatürlichen Gaben überleben würde, bei ihm selbst war es auch nicht anders, aber das war ihm egal. Es war nicht sein Ziel und er tötete nur wenn er musste.
Der Feind schoss nun erneut vor und bohrte auch dem sprachlosen und angsterfüllten Papst eine Faust in den Leib. Er wusste, dass ein Mensch ein großes Loch in der Mitte des Torsos nicht überleben würde.
Der Mörder hatte alle lebenswichtigen Organe verletzt, die er erreichen konnte und floh. Er war der Überzeugung, dass der Körper des alten Mannes binnen von fünf Minuten aufgeben würde und er durfte nicht entlarvt werden.
Der Präsident beobachtete das Szenario mit Schrecken in den Augen. Er fürchtete zwar, der Nächste zu sein, dankte aber dem Fremden heimlich und musste sich ein Lächeln verkneifen. Nun gab es kein Hindernis mehr für ihn und seine Pläne. Wenn er diesen Tag überlebte, war er der Mann, der wissentlich einen neuen Konflikt, der die ganze Welt ins Chaos stürzen sollte, beginnen würde.
Schon einen Tag später schickte der Präsident der United States of America die ersten Raketen gen Osten mit vorbestimmten Ziel und begann so die Welt erneut in einen verheerenden Krieg zu schicken.
Dieser Tag sollte in die Geschichte eingehen als Auslöser des Dritten Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten fühlten sich durch den Tod des Papstes persönlich angegriffen, so ließ man es zumindest in der Öffentlichkeit aussehen und vermuteten einen Anschlag ihrer Feinde dahinter.
Niemand machte sich die Mühe, nachzuforschen, der Anschlag und der Tod einer so wichtigen Persönlichkeit passten einfach perfekt ins Bild.
Einige Tage später
Nichts war zu hören, die Stille und die undurchdringliche Dunkelheit überzogen einfach alles. In der spärlichen Sicht eines weiten Raumes war ein aschgrauer, betonfarbener Keller und ein dunkler stählerner Käfig auszumachen.
Erst nach einigen Minuten konnte man darin eine vermummte Gestalt, die nur schwer zu erkennen war, ausmachen. Das Wesen lag auf dem Boden und hatte sich eine Decke bis über den Kopf gezogen und zeigte nichts von sich. Es schien zu schlafen, oder zumindest so zu tun, da es sich nicht bewegte.
Nach weiteren Minuten wurde die Ruhe jäh gestört, da ein Mann in den Raum trat. Er schaltete das künstliche Licht allerdings nicht ein.
Da er ein Nachtsichtgerät trug, sah er alles perfekt. Der Mann, der von seiner Aufmachung her vom Militär zu sein schien, trat an den Käfig. Er trug zwei Dinge bei sich, ein Tablett, welches er auf den Boden warf und einen Eimer mit einer undefinierbaren Flüssigkeit. Er schüttete den Eimer, der anscheinend nur mit klaren Wasser gefüllt war, durch die Gitterstäbe der Zelle und weckte somit den überraschten Schläfer.
Der Militärangehörige, der auf eine Bewegung wartete, schrie das aufgeschreckte Wesen an: „Steh auf, du Missgeburt! Dein Fressen ist hier!“
Mit diesen ruppigen Worten schubste er das Tablett, bei dem jetzt auch das letzte Essen, was noch einigermaßen gestanden hatte, umgekippt war, durch das am Boden der Zelle befindliche Loch und färbte den Boden mit den stinkenden Resten.
Das Wesen, was die nasse Decke von sich abschüttelte, zeigte nun, dass es anders war als andere und seine kleinen Hörner, die auf dem vorderen Teil des Kopfes saßen und seine feuerroten Augen strahlten etwas aus, was an einen wahrhaftigen Teufel erinnerten.
Allerdings schien diese Abnormität auch das einzige zu sein, was an dem Wesen, das eigentlich ein junger Mann um die fünfundzwanzig mit scharf geschnittenen Gesichtszügen war, anders war.
Der Mann, der ihm das Essen gebracht hatte und den man in der unendlichen Finsternis schlecht erkennen konnte, beleidigte ihn noch einmal und war danach auch schon mit einem gehässigen Lachen auf den Lippen wieder verschwunden.
Das Wesen starrte wütend auf den besudelten Boden und ignorierte seine ungenießbare Mahlzeit, die danieder lag und betrachtete das schwarze Armband mit dem glühend roten Stein in der Mitte, in dem die Höllenflammen zu lodern schienen.
Dieses Accessoire, was aussah als wäre es aus einfachem Leder, trug er schon solange er sich erinnern konnte. Er fühlte sich mit diesem Gegenstand an seinem Körper immer etwas komisch und nicht wie er selbst, jedoch konnte er es auch nicht abnehmen. Das Gegenteil war der Fall. Auch nur daran zu denken verursachte ihm erhebliche Schmerzen.
Der Gehörnte wusste nicht genau, was es mit ihm auf sich hatte, aber es schien mit einem mächtigen Zauber belegt zu sein und bändigte so seine enormen teuflischen Kräfte. Es gab sogar Momente, in denen er dachte, dass es ihn sogar an diesen grausamen Ort band. Er wusste über das Schmuckstück nur noch, dass derjenige, der das Gegenstück trug, Herr über ihn war und ihm seine Kraft geben und nehmen konnte und ihn gleichzeitig schreckliche Schmerzen zufügen konnte.
Das höllische Wesen verwarf diesen Geistesblitz. Er konnte ohnehin nichts dagegen tun, trat vor, legte seine Hände an die Gitterstäbe und ließ nun erneut seine unruhigen Gedanken in der Dunkelheit abschweifen.
Nachdem er schließlich wieder zur Ruhe gekommen war, konnte man ausmachen, dass diese gruseligen, roten Augen wieder verschwunden waren. Sie waren nun einem Giftgrün gewichen.
Diese ungewöhnlichen und monströsen Augen zeigten sich nur, wenn er in einem Zustand extremer Erregung war, verschwanden aber immer genauso schnell wieder, wie sie gekommen waren.
Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich schon hier bin, zumindest kann ich mich erinnern, hier nicht geboren wurden zu sein. Allerdings kenne ich leider nichts Anderes als diesen Ort und den militärischen, kaum auszuhaltenden Drill.
Ich kann mich an kaum etwas vor meiner Zeit hier erinnern. Man sagte mir, dass meine Mutter ein Mensch gewesen ist, die von meinem Vater, der ein der Hölle entstiegener Teufel gewesen sein soll, vergewaltigt worden war.
Sein Name soll Asteroth gewesen sein. Man erklärte mir auch, dass, als meine Mutter mich gebar und sah, dass ich diese kleinen Hörer und Augen hatte, sie daraufhin so angewidert von mir gewesen sei, dass sie mich zum Sterben im Wald aussetzte.
Dort fand mich daraufhin einer von meinen jetzigen Peinigern. Er soll mich vor dem Hungertod bewahrt haben, so seine Aussage. Allerdings habe ich Zweifel an dieser edelmütigen Geschichte. Ich sehe nämlich manchmal verschwommene Bilder aus den Tagen, als ich noch ein Baby, beziehungsweise Kleinkind gewesen bin, die ich aber nicht einordnen kann und meine Erinnerung beginnt auch erst ab meinem zehnten Lebensjahr.
Ich habe also eine Lücke von zehn Jahren und keiner hält es auch nur ansatzweise für nötig, mir dabei zu helfen, diese zu füllen.
Der Halbteufel ließ seinen Blick weiter über die Finsternis schweifen. Er konnte trotz des stockfinsteren Raumes alles sehen. Dass er das konnte, konnte er sich nur erklären, dass es nun mal an seinem widernatürlichen Wesen lag.
Er starrte nun aber gebannt die einfarbige Wand an.
Ich war nicht viel draußen in der normalen Welt und wenn, habe ich mich in den wenigen Tagen, in denen ich allein diese Festung verlassen konnte, in Bibliotheken über meinen angeblichen Vater einmal informiert. Asteroth oder Astarte soll ein Dämon und Herzog der Hölle sein,welcher sich häufig in Gestalt eines ausgemergelten, schändlichen Engels zeigt und einen giftigen, fauligen Atem besitzt. Ich stelle mir manchmal vor, wie er so vor meiner Mutter stand und sie einfach gegen ihren Willen genommen hat und sie dann mit einem Wechselbalg schwanger war.
Am komischsten und lächerlichsten zugleich finde ich aber den Aspekt, dass er zwischen männlicher und weiblicher Persönlichkeit hin und her wechseln kann. Übernimmt sein weibliches Ich den Körper, so nimmt er dann den Namen Astarte an. Ich persönlich glaube aber, dass der weibliche Aspekt nicht wahr ist.
Obwohl ich diesen Mann nicht kenne, werde ich von ihm verfolgt. Ich habe nicht einmal einen eigenen Namen. Ich weiß nicht mehr, wo ich ihn herhabe, aber er leitet sich von meinem Vater ab. Mein Name ist Tarot.
Nicht, dass mich viele so nennen würden. Die meisten nennen mich Teufel, Dämon, Missgeburt oder Monster.
Ich habe allerdings auch so meine Zweifel, von einem unsterblichen Höllenfürsten abzustammen. Dafür sprechen zwar meine kleinen, dummen Hörer, die Augen, die ich bei Ekstase bekomme und meine Gefühlskälte beim Töten, aber dagegen spricht doch so einiges, zum Beispiel meine Schwäche und meine manchmal zu emotionalen Ausbrüche, in denen ich Trauer und Leid empfinde und auch die Tatsche, dass es so etwas wie den Fürsten der Hölle doch nicht gibt.
Allerdings habe ich auch noch nie so etwas wie Liebe empfunden und ich weiß auch nicht, ob ich dazu jemals fähig bin.
Tarot lachte, als er erneut an seinen dämonischen Namen dachte und wie man ihn doch behandelte: Ihre Gegner, darf ich töten, aber hassen werden sie mich trotzdem immer, nur weil ich anders bin. Es ist schon ironisch. Ich komme nur hier aus dieser verdammten Einrichtung heraus wenn ich töten soll. Sonst habe ich noch nie diese Basis verlassen.
Die Einrichtung, für die ich gezwungen werde zu töten, heißt ironischerweise auch DEVIL, aber ich weiß, dass wir zu einer größeren Organisation gehören, die keinen Namen trägt, so geheim ist sie. Ich nenne sie spielerisch Namenlos.
Ich befinde mich glaube ich, irgendwo in den USA, wo genau weiß ich nicht. Ich werde immer von meinen Treffpunkten abgeholt und hingebracht.
Diese Einrichtung scheint mir außerdem eine eigenständige Einheit zu sein, losgelöst von Namenlos, die von Menschen befehligt wird, die noch über dem amtierenden Präsidenten stehen, aber ich weiß nichts Genaues. Ich bin nur ein Monster und mir sagt auch niemand was, aber dies alles habe ich in all den Jahren meiner Sklaverei aufgeschnappt.
Während er diese unglückseligen und düsteren Gedanken hegte, bemerkte er, dass in das Gebäude, das den Namen Devil trug, ein unbekanntes Wesen mit großen Kräften eingedrungen war. Er konnte erst nichts vernehmen, aber dann erklangen eine schallende Sirene und kurz darauf durchdringende Schreie und leise panische Stimmen.
Er bemerkte sofort, dass die Kreatur, die eingedrungen war, kein Mensch war. Er konnte riechen, dass es das gleiche Wesen war wie der einsame Leibwächter des Papstes, den, den er vor einigen Tagen niedergestreckt hatte.
Er wurde unruhig. Er hatte damals schon nicht gewusst, was der Mann gewesen war und dieser hier schien um einiges stärker und erfahrener zu sein. Er schien sogar so stark zu sein, dass er ihn mit links besiegen konnte.
Die Panik stiegt immer stärker in ihm auf. Er fürchtete sich, von dem gefährlichen Eindringling getötet zu werden. Er wollte doch noch nicht sterben, da er doch kaum etwas von seinem jungen Leben gehabt hatte. Er war nur immer gefangen gewesen und hatte Unschuldige gemeuchelt.
Aber er wusste, dass er kein Unschuldiger war und dass sich das irgendwann rächen würde, und da dieser Mann genau von der selben Spezies wie der vom Vatikan war, war er höchstwahrscheinlich hier um den Papst und auch seinen Kollegen zu rächen. Es wäre doch ein zu großer Zufall gewesen, dass er schon wieder auf so ein ungewöhnliches Wesen treffen würde.
Er versuchte sich zu beruhigen und sich wieder auf den Eindringling zu besinnen. Für eine ganze Weile konnte er nichts mehr wahrnehmen, aber dann, kurz darauf, konnte er Blut und Feuer riechen. Er bemerkte allerdings auch, dass das Wesen vom Vatikan niemanden umbrachte. Er konnte zwar Blut riechen, aber nicht den Tod. Dieser Gedanke ließ ihn sich entspannen, da das Individuum zwar stark war, aber Hemmungen zu haben schien, jemanden zu töten.
Einige weitere, unruhige Minuten lauschte er nur den Stimmen, die in Panik das Gebäude verließen, da sich nun endlich der Feueralarm ausgelöst hatte und sich auch das Feuer immer weiter ausbreitete.
