Auch ein Mann bleibt manchmal liegen - Susa Bobke - E-Book

Auch ein Mann bleibt manchmal liegen E-Book

Susa Bobke

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Beschreibung

Auch ein Mann bleibt manchmal liegen: Wertvolle Tipps für mehr Verständnis zwischen Autos und ihren Angehörigen Ob Mann oder Frau: Wenn das Auto streikt, ist guter Rat teuer. Genau wie der Besuch in der Werkstatt. Während Männer gerne selbst Hand anlegen, vertrauen Frauen meist dem Rat des Profis – auch wenn sie keine Ahnung haben, wovon er eigentlich spricht. Doch damit ist jetzt Schluss: In diesem unterhaltsamen Erfahrungsbericht lässt uns Susa Bobke, die "Auto-Nanny" vom ADAC, einen Blick in ihren Werkzeugkasten werfen. Die starke Frau gibt wertvolle Tipps für mehr Verständnis zwischen Autos und ihren Besitzern. Einfach und anschaulich bringt sie uns die kleinen Macken und Fehler unserer Fahrzeuge näher und verrät, wie Pannen vermieden werden können. Dieses Sachbuch ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch unschlagbar günstig: Es erspart Ihnen im Ernstfall den teuren Anruf beim Gelben Engel!

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EPUB
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Seitenzahl: 206

Veröffentlichungsjahr: 2012

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Susa Bobke

Auch ein Mann bleibt manchmal liegen

Profitipps vom Gelben Engel

Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Über dieses Buch

Ob Mann oder Frau: Wenn das Auto streikt, ist guter Rat teuer. Genau wie der Besuch in der Werkstatt. Während Männer gerne selbst Hand anlegen, vertrauen Frauen meist dem Rat des Profis – auch wenn sie keine Ahnung haben, wovon er eigentlich spricht. Doch damit ist jetzt Schluss: Susa Bobke lässt uns einen Blick in ihren Werkzeugkasten werfen und gibt wertvolle Tipps für mehr Verständnis zwischen Autos und ihren Angehörigen. Einfach und anschaulich bringt sie uns die kleinen Macken und Fehler unserer Fahrzeuge näher und verrät, wie Pannen vermieden werden können. Unterhaltsam und unschlagbar günstig: Dieses Buch erspart den Abschleppdienst.

Inhaltsübersicht

Widmung

Suchen & Finden: In Fahrt kommen

Wo ist der Haken?

Die Schuldfrage

Helden lassen sich helfen: Die Bedienungsanleitung

Mein Auto spricht nur Spanisch

Auto-Abc

Die Ausweispapiere: Der Kfz-Schein

Sesam, öffne dich: Wie komme ich unter die Haube?

Ja, wo ist er denn?

Das Haubenöffnungseinmaleins

Abb. 5: Innenhebel zum Haubeöffnen [...]

Todesarten und Reanimation von Batterien

Ja, wo ist sie denn?

Vaterstrom

Das Osterei

Grünes Licht für die Starthilfe

Verpeilt, verpatzt, verpolt

Das Starthilfeeinmaleins

Abenteuer Abschleppen

Die Anschlepp-Ampel

Neppen und Schleppen

Ins Rollen kommen

Mitgehangen, mitgefangen

Stange oder Seil?

Schraubzwang

Fahre Gasauto, suche Tankstelle

Survivalkit Starthilfe

Soßen & Suppen: Flüssigkeiten

Scheiben klar, alles klar

Die fahrende Toilette

Gummilippen

Frostschutz ist kein Frustschutz

Dampfkochtopf Kühlsystem

Der Ruf der Prinzessin

Mit dem Auto durch die Jahreszeiten

Was noch so fließt

Bremsflüssigkeit

Servolenkungsöl

Kältemittel

Alles Essig ohne Öl

Ölstand messen

Die Lambadasonde

Der Ölwechsel

Survivalkit Flüssigkeiten

Gummiorgien

Wenn der Marder ranzt

Faule Nachbarn

Marderschutz

Reine Männersache

Blinken & Blenden: Lightshow

Ganz entspannt im Cyberwar

Sehen und gesehen werden: Auf die Birne kommt es an

Ein dicker Hund

Scheinwerferbirnenwechsel

Rücklichter und Blinker

Auch ein Streichholz macht Licht

Problembirnen

Der Sicherungskasten

Farbenblind

Das Mäusekino: Die Kontrollleuchten

Die gelben Helfer

Die roten Mahner

Die grünen Berichterstatter

Wenn Autos Briefe schreiben

Survivalkit Birnen und Lichter

Hacken & Knacken

Betreutes Fahren

Assistenten im Auto

Aufprall-Assistenten

Die Rache am Pollenfilter

Das Auto als Dauerdatenschleuder

Gabi kennt den Weg: Navis

Mutterseelenallein ohne Navi

Assistent gesunder Menschenverstand

Die Rettungskarte

Der Hammer

Ab-Lenkung

Schlüsselreiz

Diebstahlwarnanlage

Die Plappertaschen

Das Sesamkorn im Heuhaufen

Schuld & Sühne

Alhambra Blues

Abgasreinigung

Umweltfreunde

Kraftstoff sparen

Rasende Rebellen

Pech und Schwefel

Ablass, lass ab

Plemplem

Rollen & Rutschen: Räder und Reifen

Allzeit gut geerdet: Sommer-, Winter-, Ganzjahresreifen

Eine Frage der Haftung

Das Auto in Ketten legen

Das Rad der Gerüchte

Frau Antje und das Rad

Wenn die Luft raus ist

Handschuhe sind was für Warmduscher

Notrad

Rat suchen – Rad finden!

Der Radwechsel

Hoppelt wie Hase

Rad-Schlag

Survivalkit Räder und Reifen

Statt Werkeln: Werkelstatt

Ärger und Ohnmacht – ein hochexplosives Gemisch

Unter Freunden

Lob schmiert!

Ist da noch eine Rechnung offen?

Glück im Unglück: Garantie

Vertragen statt Klagen

Wohl fühlen in der Werkelstatt

Anhang

Zu guter Letzt

Danksagung

Dieses Buch ist all jenen Maschinen gewidmet, die brav tun, wofür sie gebaut wurden, und denen nicht mit der angemessenen Achtung begegnet wird.

Suchen & Finden: In Fahrt kommen

Wo ist der Haken?

»Äh, ich finde ihn nicht.«

Neben der geöffneten Fahrertür des Saab Cabrio kniete ein gut gekleideter Mann Mitte dreißig. Seine Haare waren gegelt, er roch nach Herrenparfüm. Obwohl sein anthrazitfarbener, matt schimmernder Anzug teuer aussah, berührte sein linkes Knie den feuchten Asphalt, während er im Fußraum herumnestelte.

»Er muss da sein!« Die Stimme des Mannes klang verzweifelt.

Im novembrigen Nieselregen vorne an der Motorhaube stehend, enthielt ich mich eines Kommentars. Ein Dutzend Autos fuhr an uns vorbei. Viele Gesichter wandten sich neugierig zu der knienden Gestalt am Straßenrand. Eine weitere Minute verging. Dann hörte ich es stöhnen. Ein rasender Lieferwagen spritzte den Mann nass. Er tat mir ein bisschen leid, aber er hatte es so gewollt. »Ich mach es selber«, hatte er auf mein Angebot, ihm zu helfen, erwidert.

»Mehr links und weiter vorne«, wies ich ihn an.

»Da ist nichts«, sagte er.

»Doch«, behauptete ich.

»Jetzt!«, rief er. »Jetzt hab ich ihn.«

»Ziehen«, empfahl ich.

Es klackte. Die Motorhaubenentriegelungsfeder entspannte sich. Ich schob meine linke Hand in den Spalt zwischen Kühlergrill und Klappe, wo ich nach dem Fanghaken tastete. Dann öffnete ich die Motorhaube. Jetzt waren wir drin.

 

Die meisten Menschen öffnen ihr Fahrzeug an den für sie vorgesehenen Türen ohne Probleme. Auch das Öffnen des Tankdeckels klappt meistens reibungslos, wenn man herausgefunden hat, wie es geht. Genauso ist es beim Taster des Kofferraumschlosses. Mit einem Auto haben wir noch weitere Räumlichkeiten gekauft – und womöglich teuer bezahlt. Ein Auto besteht nicht nur aus einer Fahrgastzelle. Da gibt es eine Menge mehr zu entdecken. In Ihrer Wohnung haben Sie bestimmt auch Räume, in denen Sie sich lieber aufhalten als in anderen. Sie werden die weniger frequentierten Räume dennoch hin und wieder aufsuchen. Mal nach dem Rechten sehen, anstatt sie komplett zu ignorieren. Damit es kein unschönes Erwachen gibt, wenn der Schimmel aus dem Keller, mit dem man nichts zu tun haben wollte, nach oben wächst. Beim Auto hingegen sind die meisten froh, wenn es einfach fährt. Schnell weg!

 

Dieses Buch soll eine Einladung in alle Räume Ihres Autos sein. Vielleicht kennen Sie sie schon, vielleicht wollten Sie bislang nichts von ihnen wissen, womöglich haben Sie sogar Angst vor dem Unbekannten? Es ist so wie überall sonst auch: Was wir begreifen können, jagt uns weniger Schrecken ein.

Viele Menschen wollen gerne was am Auto machen, aber dann fehlt doch immer irgendetwas. Eine Info, ein Schraubenzieher, das Radkreuz – und das entmutigt sie. Schade, denn die Erste Hilfe am Auto kann viel Spaß machen! Genau das möchte ich mit diesem Buch gerne zeigen.

Seit fast zwanzig Jahren bin ich als Gelber Engel auf Bayerns Straßen unterwegs. In dieser Zeit habe ich bei rund zwanzigtausend Pannen geholfen. Die Erfolgsquote der Gelben Engel liegt bei über 80 Prozent. Natürlich gibt es zahlreiche Pannen, bei denen die Kompetenz von Fachleuten unverzichtbar ist. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich viele auch teure Schäden vermeiden ließen, wenn man sich ein wenig besser auskennen, einen Blick über den Tellerrand, das Armaturenbrett hinauswerfen würde. Dann müsste man sich auch nicht selbst bezichtigen, wie ich es immer wieder erlebe.

Die Schuldfrage

»Ich bin schuld!«, schrie mir die Frau gegen den knatternden Lärm ihres Autos entgegen. »Ich hätte schon lange nach dem Öl schauen sollen! Jetzt habe ich einen Motorschaden.«

Dass nicht der Motor, sondern der Auspuff auf der Straße lag, übersah sie in ihrer Schuldverstrickung großräumig. Wie viele meiner Kunden hatte auch sie einen Schwarzfahrer an Bord, der die Freude am Fahren trübt: das schlechte Gewissen. Ja, wenn man bloß wüsste, welcher Deckel der richtige ist. Und ob der Stab dann ganz reingesteckt wird oder nur halb und dann gedreht?

Es wird schon noch gehen. Ja. Geht noch. Morgen, nächste Woche, und bald ist eh der Kundendienst fällig. Dennoch wäre es vorteilhaft zu wissen, was das Aufleuchten der Öllampe bedeutet. Meldet die sich rechtzeitig, wenn der Ölstand zu niedrig ist, oder erst zwei Sekunden, bevor der Motor das Zeitliche segnet?

Unangenehmes wird gern weggeschoben. Dieses Verhalten ist menschlich. Dabei kann Ölstand prüfen so schön sein! Der ölige Lappen, an dem man den Stab abgewischt hat, führt erfahrungsgemäß zu einem blütenreinen Gewissen – wenn das Schwarze Gold noch reichlich fließt.

Öl kontrollieren und auffüllen ist das eine, Öl wechseln das andere. Letzteres ist bei Fachleuten und draufgängerischen Laien mit umweltbewusster Ausrüstung in den besten Händen. Ein Ölwechsel in freier Natur ist ohnehin aus der Mode gekommen. Auch die Fahrzeuge haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Früher waren sie so gebaut, dass noch sehr viel selbst repariert werden konnte von denjenigen, die Lust darauf hatten und sich die Zeit dafür nehmen wollten. Heute hängt vor den meisten Motoren ein Schild, das Unbefugten den Zutritt verwehrt. Das Schild besteht aus Plastik und muss aufwendig entfernt werden, ehe man überhaupt einen Blick auf das Herz des Autos werfen kann. Viele Fehler sind mit dem menschlichen Auge gar nicht mehr zu erkennen, der Computer des Diagnosegerätes findet sie. So schrumpft die Erste Hilfe, die Autofahrerinnen und -fahrer ohne großen Aufwand selbst leisten können – und passt endlich in ein Buch.

 

Manchmal sagt jemand zu mir: »Ich halte einfach pünktlich meine Inspektionstermine ein, dann passiert schon nichts.«

Wenn Sie genauso denken, sollten Sie das bitte mit dem für Ihr Revier zuständigen Marder besprechen. Womöglich beißt er am Tag nach der Inspektion zu – was je nach Art der Bissverletzung zu einer überhitzten Zylinderkopfdichtung, einer abgerissenen Antriebswelle oder einem kaputten Katalysator führen kann. Kommt teuer. Billiger wäre es gewesen, hin und wieder die Motorhaube zu öffnen und mal zu gucken: Ist da noch alles an seinem Platz, sieht alles noch gesund aus? Was wofür der richtige Platz ist, erfahren Sie ebenso in diesem Buch, wie auch die Frage der Zuständigkeiten geklärt wird. Bestimmt haben Sie schon einmal die Batterien an einer Fernbedienung gewechselt. Womöglich tauschen Sie auch hin und wieder einen vollen Staubsaugerbeutel gegen einen leeren, füllen Salz in die Geschirrspülmaschine und säubern das Flusensieb der Waschmaschine. Da denkt man nicht drüber nach, das macht man einfach en passant.

Aber am Auto rummachen? Ich bin doch kein Fachmann, keine Fachfrau. Das müssen Sie genauso wenig sein, wie Sie Ihren Staubsauger zum Beutelwechseln zum Fachhändler bringen. Der ihn dann womöglich an den Hersteller schickt. Wochenlang ohne Staubsauger ist meiner Meinung nach leichter zu ertragen als wochenlang ohne Auto.

Viele große Fehler fangen ganz klein an. Wer den Staubsaugerbeutel nicht wechselt, riskiert einen Staubsaugerinfarkt. Wer sein Auto im Bikini in den Winter schickt, braucht sich nicht wundern, wenn es an einer Lungenentzündung stirbt. Auch wenn den ganzen schönen, langen Sommer nichts passiert ist – sobald es draußen kalt wird, friert das gegen Frost ungeschützte Kühlwasser ein. Das hält der stärkste Motor nicht aus, selbst wenn sein Wille, bis zum nächsten Kundendienst durchzuhalten, groß ist. Gegen Naturgesetze kommt er in diesem Fall nicht an. Er wird einfach gesprengt.

Es würde sich also lohnen, den Deckel, sprich die Motorhaube zu öffnen und mal einen Blick zu wagen. Das spart nicht nur Geld und verhindert überflüssige Reparaturen. Es macht auch ein gutes Gefühl, vertraut zu sein mit einigen Handgriffen und Zusammenhängen. Wo fülle ich das Öl ein und wo das Kühlwasser? Man bietet seinem Auto quasi das Du an. Möchtest du noch einen Schluck? Prost! Begegnet sich auf Augenhöhe und kann einen Schaden frühzeitig abwenden oder kleinere Probleme selbständig lösen. Und wenn Sie mit einem großen Problem in die Werkstatt fahren, können Sie feststellen, dass Sie dort anders behandelt werden. Man merkt es Ihnen an, dass Sie sich mit Ihrem Auto gut verstehen. Dass es Ihnen nicht egal ist und Sie begreifen möchten, was warum wie ist. Es liegt nicht unbedingt an der Arroganz Ihres Auto-Hausarztes, wenn er bisher eher wortkarg mit Ihnen kommunizierte. Sie könnten ihm den Eindruck vermittelt haben, seine Praxis würde Ihnen am Außenspiegel vorbeigehen. Hauptsache, der Wagen fährt. Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie in der Werkstatt anders behandelt und können sich noch mehr an Ihrem wunderbaren Gefährt erfreuen.

Was passiert da eigentlich im Dunkeln zwischen Tankdeckel und Rädern? Diesel, Benziner, Gas oder Elektroauto – wieso zeigt der Drehzahlmesser 1000 Umdrehungen an, während die Räder stillstehen. Geht das mit rechten Dingen zu? Stimmt es, dass da vorne ständig etwas explodiert? Wie kann es sein, dass sich die Kolben in der Sekunde zweihundert Mal bewegen und ich nichts davon merke? Verdient ein Kolben Achtung für diese Leistung, oder soll ich ihn bemitleiden? Viele Autobesitzer kümmern sich leidenschaftlicher um Sound und Bestückung ihrer Musikanlage als um die Grundfrage, warum ihr Auto fährt … Dreißig Radiosender zu programmieren – kein Problem! Vor allem, wenn man zuvor die Bedienungsanleitung studiert hat.

Helden lassen sich helfen: Die Bedienungsanleitung

Dingdong meldete das Display in meinem Gelben Engelmobil meine nächste Panne. An diesem Samstagvormittag im Mai, Ferienbeginn in Bayern, war das Pannenaufkommen sehr hoch. Die Einsatzzentrale des ADAC versorgte uns Gelbe Engel, die wir zu rund 1700 auf deutschen Straßen unterwegs sind, fleißig mit Arbeit. Vom übergekochten Kühler bis zum Reifenwechsel, vom abgerissenen Auspuff bis zur amoklaufenden Diebstahlwarnanlage war alles geboten. Und an den Autos hängen ja Angehörige dran, die manchmal in noch einem bedauernswerteren Zustand als ihre Schutzbefohlenen sind. Eine Autopanne ist für viele Menschen ein Schreck, ein Ausnahmezustand ist sie immer. Wenn das Auto kaputt ist, geht es dem Besitzer gar nicht gut.

 

Meine Strecke führte mich nach Oberstdorf, und ich genoss die Fahrt. Mein Patient, ein schlammfarbener Audi Q7, stand auf dem Gelände einer Tankstelle in der Nähe der Fußgängerzone, wo sich an diesem Nachmittag viele Feriengäste tummelten und in den Souvenirläden ethnologische Kostbarkeiten direkt vom Eingeborenen erstanden: Gamsbarthüte, Wanderstöcke, Kniebundhosen. Herr Eggerstörfer, dem ich meine Ankunft vor drei Minuten telefonisch angekündigt hatte, wartete neben seinem Wagen. Er war um die sechzig Jahre alt und trug ein kariertes Jackett über einer braunen Hose.

Abb. 1: OBD-Steckdose

Mit einem Hieb auf das Display bestätigte ich meiner Zentrale die Ankunft am Pannenort und verließ mein Engelmobil.

»Na endlich! Das hat ja ewig gedauert.«

»Grüß Gott«, sagte ich.

»Ja, ja, guten Tag«, knurrte Herr Eggerstörfer.

»Tut mir leid, dass Sie warten mussten.«

»Ich stehe seit zwei Stunden hier.«

Ich erinnerte mich an den Eintrag im Display. Vor einer knappen Stunde hatte sich Herr Eggerstörfer bei der Pannenzentrale gemeldet. Die gefühlte Wartezeit ist immer länger als die tatsächliche. Außerdem wusste ich nicht, wie lange Herr Eggerstörfer sich über die Funktionsuntüchtigkeit seiner mobilen Geldanlage geärgert hatte, ehe er den ADAC um Hilfe bat.

»Wir haben hier Ferienbeginn«, erklärte ich freundlich.

»Und mein Urlaub ist zu Ende. Ich will nach Hause.«

»Was kann ich für Sie tun?«

»Ich muss tanken, aber die Tankklappe geht nicht auf. So was darf doch nicht passieren! Ist die verklemmt? Oder liegt es an der Elektronik?«

Ich nickte »Schon möglich« und bat um die Bedienungsanleitung.

»Die Bedienungsanleitung! Ach Gottchen, das kann ja heiter werden. Sie kennen sich ja hervorragend aus!«

Ich schaute Herrn Eggerstörfer streng an und versuchte mich eines Kommentars zu enthalten. Unwillig holte er die edle Ledermappe mit der zehnbändigen Bedienungsanleitung aus dem Handschuhfach. Nachdem ich ein paar Minuten geblättert und gesucht hatte, fand ich unter Notöffnung der Tankklappe eine Zeichnung. Ich klappte den Kofferraum auf und bat Herrn Eggerstörfer, sein Gepäck etwas zur Seite zu schieben, damit ich den rechten Seitendeckel der Innenverkleidung öffnen konnte. Mürrisch räumte er zwei sperrige Designerkoffer auf die Straße und ärgerte sich sichtlich, weil ihre Rollen dabei beschmutzt wurden. Aus dem Kofferraum hätte man ohne weiteres essen können.

Hinter dem Seitendeckel befand sich, wie ich der Zeichnung entnommen hatte, eine Schlaufe, an der ich zog. Plopp hörte ich die Tankklappe aufspringen. Ein schönes Geräusch, wie ich fand. Herr Eggerstörfer teilte meine Freude nicht. Mit herabgezogenen Mundwinkeln musterte er die schlichte Vorrichtung. Ein Plastikring mit einem Schnürchen. Da hatte er andere technische Raffinessen in den Tiefen seines Kofferraums erwartet. Um ihn zu besänftigen, schloss ich meinen Laptop an die OBD-Steckdose (On-Board-Diagnose) im Fahrerfußraum an und suchte im Dschungel der vielen Steuergeräte nach einem abgelegten Fehler.

Seit dem Jahr 2000 muss jedes Fahrzeug über eine Schnittstelle verfügen, an der mit einem Computer Fehler ausgelesen werden können. Über diesen Stecker wird übrigens auch der Kilometerstand eines Fahrzeugs verjüngt. Je nach Modell und Hersteller kann ich mehr oder weniger viele Fehler auslesen. Hier fehlte der Fehler. Zumindest ein solcher, den ich mit meinen Bordmitteln hätte identifizieren können. Tanken konnte Herr Eggerstörfer nun aber trotzdem wieder.

»Hm«, brummte er und brauste zehn Minuten später Richtung Heimat. Obwohl ich ihm geholfen hatte, war ich in seiner Achtung nicht gestiegen. Ein Zufallserfolg aus seiner Sicht, ein Kompetenzfehler aus meiner.

 

Wer wirklich effektiv und effizient weiterkommen möchte, befragt seine Gebrauchsanweisung. Sicher kann man viel herumprobieren. Jeder Handwerker und interessierte Laie kennt die Folgeschäden, die entstehen, wenn man einfach mal kräftig hinlangt. Klar kann man auch Glück haben und den Deckel des Handys nicht zersplittern beim Versuch, den Akku zu wechseln, aber ein planvolles Vorgehen ist der bessere Weg.

 

Haben Sie schon mal die Gebrauchsanweisung Ihres Autos durchgelesen? Diese Lektüre möchte ich Ihnen ans Herz legen! Mit der Gebrauchsanweisung klären Sie Fragen wie: Wechseln einer Glühbirne, Schließen des Schiebedachs oder Verdecks bei Ausfall der elektrischen Funktion, Aufenthaltsort von Ersatzrad, Abschlepphaken, Crashschalter und viele weitere modellabhängige Überraschungen. Sollten die Unterlagen unauffindbar sein, ist das Internet eine erfolgversprechende Börse. Oder Sie fragen in einer Fachwerkstatt nach. … Oder in einem Übersetzerbüro.

Mein Auto spricht nur Spanisch

Kürzlich schleppte ich ein Auto mit Kupplungsschaden, das ich auf der Straße nicht reparieren konnte, in eine Werkstatt. An der Kundenannahme, wohin ich meinen Havaristen, wie Liegengebliebene in der Gelben-Helfer-Szene bezeichnet werden, begleitete, wurde heftig diskutiert. Was ich zuerst für eine Reklamation hielt, stellte sich als Wortfindungsquiz heraus. Ein Mechaniker wollte einen Kundendienst bei einem VW Polo durchführen, doch der Serviceplan war in italienischer Sprache verfasst.

»Können Sie zufällig Italienisch?«, wurde ich in die Runde aufgenommen.

Ich ließ mein verstaubtes Latinum unter den Tresen fallen. »Ein bisschen.« Unsere zusammengetragenen Urlaubsbrocken reichten aus. Sogar mein Kunde mit dem Kupplungsschaden beteiligte sich und wirkte schon nicht mehr so geknickt. Diese Erfahrung habe ich oft gemacht: Was mit Italien zusammenhängt, verbreitet gute Laune.

 

Ein anderes Mal begegnete mir in Hintereinöd eine spanische Bedienungsanleitung. Die hochbetagte Besitzerin des liegen gebliebenen Wagens hatte vor langer Zeit mal einige Wochen in El Salvador verbracht. Beim gemeinsamen Versuch, die Textstellen über die Klimaanlage zu übersetzen, wurden ihre Wangen rosig, und beim Abschied teilte sie mir mit: »Ich fang jetzt noch mal mit Spanisch an. Gleich morgen früh melde ich mich bei der Volkshochschule. Man muss sein Hirn doch in Schwung halten.«

»Sí, señora comandante!«, grinste ich und staunte dann nicht schlecht, als mich die Dame mit einem augenzwinkernden »Hasta la vista, Baby« verabschiedete.

Auto-Abc

Nicht nur Fremdsprachen bedürfen der Übersetzung, auch die Verortung des Autos in Raum und Zeit:

Herr Schump ruft seine Frau an: »Schatz, wo ist denn in deinem Auto die Batterie? Ich habe das Licht brennen lassen und brauche eine Starthilfe.«

Würde sie antworten »Hinten rechts im Kofferraum«, würde Herr Schump sie sofort finden. Wäre die Batterie vorne links im Motorraum untergebracht, gäbe es sehr wahrscheinlich Verwirrung, weil Frau Schump sich erinnern würde, wie sie damals vor dem Wagen stand und der nette Mann vom ADAC den Plastikdeckel vorne rechts aus dem Motorraum entfernte.

 

Da Autos beweglich ins Universum eingebettet sind, hat man sich darauf verständigt, dass ihre Ausrichtung nach vorwärts stattfindet. Alles wird aus der Perspektive des Fahrers gesehen. Und so heißt es denn: in Fahrtrichtung links oder rechts, so wie wir es von der Deutschen Bahn kennen. Des Weiteren benennt man die einzelnen Abschnitte des Autos von vorne nach hinten:

Motorraum, Wasserkasten mit Spritzwand, Innenraum oder Fahrgastzelle, Heck, Fond oder Kofferraum. Vor und hinter den Türen sind Längsstreben eingebaut, die von vorne nach hinten A-, B- und C-Säule genannt werden. An der B-Säule sind üblicherweise die Anschnallgurte für die vorderen Sitze angebracht.

Abb. 2: Auto mit Bezeichnungen A-B-C-Säule

Die Ausweispapiere: Der Kfz-Schein

Wer mit seinem Auto länger als seit Oktober 2005 zusammen und seitdem nicht umgezogen ist, besitzt noch einen alten weißen Fahrzeugschein, auf dem neben dem Geburtsdatum des Fahrzeugs und weiteren Informationen auch das Geburtsdatum des Halters vermerkt ist. Alle anderen sind mit dem grünlichen EU-Fahrzeugschein unterwegs. Während der Fahrzeugschein bei einer polizeilichen Verkehrskontrolle gern eingesehen wird und mitzuführen ist, bewahrt man den Fahrzeugbrief am besten zu Hause auf. Schein und Brief sind nicht zu verwechseln, da der Schein deutlich kleiner ist. Gelegentlich wird man um bestimmte Auskünfte über sein Fahrzeug gebeten. Zum Beispiel kann sich eine Werkstatt telefonisch erkundigen, um beim verabredeten Termin die benötigten Teile auf Lager zu haben, die sie zuvor bestellen möchte. Dafür braucht sie genaue Informationen, die im Fahrzeugschein vermerkt sind.

 

Nachfolgend erkläre ich kurz die wichtigsten Daten und wo sie im Kraftfahrzeugschein zu finden sind.

 

Alter Schein:

Abb. 3: Kfz-Schein alt

Deckblatt: Autokennzeichen und Halteranschrift

Auch der erste TÜV-Eintrag steht auf dem Deckblatt, alle weiteren werden auf der Rückseite eingetragen.

Schlüsselnummern in der obersten Zeile:

Unter 3 die sogenannte TSN: Typenschlüsselnummer, über die das Fahrzeug zugeordnet wird.

Unter 4 Fahrgestellnummer: Sozusagen die Personalausweisnummer, die nur dieses eine Auto hat und die auch in die Karosserie eingestanzt ist. Schön, wenn beide übereinstimmen.

Unter 7: Leistung in Kilowatt, früher anschaulicher in PS, Pferdestärken, ausgedrückt: 1 kW = 1,36 PS.

Unter 8: Hubraum in cm3. Danach wird das Fahrzeug in Deutschland besteuert. Jeweils 100 Kubikzentimeter kosten – abhängig davon, ob Diesel, Benziner, mit oder ohne Feinstaubfilter und Katalysator – einen bestimmten Betrag.

Unter 15 zulässiges Gesamtgewicht: So viel darf das Auto voll beladen wiegen.

Unter 20 Bereifung: Hier sind die erlaubten Reifengrößen verzeichnet.

Unter 32 Zulassung: Datum der Erstzulassung.

Im Textfeld darunter können zusätzlich Felgengrößen oder Sonderausstattungen eingetragen werden.

 

Neuer Schein:

Abb. 4: Kfz-Schein neu

Deckblatt: Kennzeichen und Halteranschrift

Obere Zeile: B: Tag der ersten Zulassung,

2.1: Schlüsselnummer zu 2

2.2: TSN (Typenschlüsselnummer)

E: Fahrgestellnummer

14: Schadstoffklasse, welche Plakette

P.1: Hubraum

P.2: Leistung in kW/bei Motordrehzahl

15.1: Bereifung

Auf der Rückseite des Scheins finden sich klein gedruckt die einzelnen Felder mit ihrer Bedeutung aufgelistet. Hier werden auch die TÜV-Stempel eingetragen. Alle weiteren Informationen über das Fahrzeug sind im Fahrzeugbrief vermerkt. Zusätzliche wichtige Daten wären der Motorkennbuchstabe und der Radiocode. Hier hat jeder Hersteller sein eigenes System, so dass es Sinn macht, bei Gelegenheit mal danach zu fragen und sich die Nummern zu notieren – kann bei einer Panne sehr hilfreich sein. Über den Motorkennbuchstaben suchen wir Autoärzte technische Informationen, um mit dem Motormanagement in Kontakt zu treten. Den Radiocode benötigt man eventuell, falls die Batterie abgeklemmt wurde, für die Freischaltung der Diebstahlsicherung.

Sesam, öffne dich: Wie komme ich unter die Haube?

Ich war seit fünfzehn Uhr im Dienst. Es schneite schon den ganzen Tag dicke weiße Flocken, und in den Nachrichten hörte ich, dass es in diesem Jahr an keinem Tag so viele Unfälle im Allgäu gegeben habe wie heute. Mein Handy quakte. Ein privater Anruf von Hob, meiner seit 25 Jahren technikresistenten Freundin aus München.

»Susa! Ich hab das Licht brennen lassen! Und jetzt muss ich ganz dringend los. Er springt nicht an. Was soll ich machen? Ich muss doch den Hartmut vom Flughafen abholen. Mit seinem Surfbrett!«

»Eine Starthilfe dauert nur fünf Minuten. Am besten, du hältst einen Autofahrer auf. Wenn du den ADAC anrufst, musst du heute sicher eine Weile warten.«

»Start-hil-fe?«, wiederholte Hob, als wäre das erstens etwas Anrüchiges und als hätte sie zweitens eine Fernwartung von mir erhofft.

»Ich habe dir doch mal die Kabel dafür geschenkt.«

»Ach so, ja, das Kabel. Das war so dick, oder? Und vorne waren zwei Wäscheklammern dran, glaube ich.«

»Es sind zwei Kabel. Rot und schwarz. Sie liegen in deinem Kofferraum. Stell dich damit auf die Straße und winke, dann sehen die anderen, dass es schnell gehen wird. Mach schon mal deine Motorhaube auf, auch das steigert die Bereitschaft anzuhalten. Helfen wollen viele, aber keiner hat Zeit.«

»Okay, mach ich, danke!«

»Bis die Tage«, verabschiedete ich mich.

Mein Engelmobil quälte sich den Riedbergpass hinauf. Es war extrem glatt unter der dichten Schneedecke. Nach der nächsten Kehre würde ich Schneeketten montieren. Das mache ich nicht gerne, aber schließlich durfte ich selbst auf dem Weg zu Liegengebliebenen nicht liegen bleiben.

Ich hatte die zweite Kette aufgezogen, als mein Handy erneut quakte. Wenig irritiert sah ich, dass Hob mich sprechen wollte. Alles andere wäre auch zu einfach gewesen.

»Susa! Jetzt hat eine Frau angehalten. Sie hätte mir wirklich geholfen, obwohl sie überhaupt keine Zeit hat. Aber wir kriegen ihre Motorhaube nicht auf. Das Auto gehört ihrem Freund, und der hat sein Handy im Auto liegen lassen, wie wir jetzt wissen. Wir haben alles versucht. Ich habe den Hebel im Fußraum gezogen, aber die Haube geht nicht auf.«

Ich seufzte. Erfahrungsgemäß brauchte ich erst mal nichts sagen, weil Hob sofort weitersprechen würde.

»Und jetzt ist die Frau so total nett und wartet noch immer, weil ich gesagt habe, dass ich dich kenne und du dich auskennst.«