Ballaststoff - Ella Danz - E-Book
Beschreibung

An einem traumhaften Sommertag in der Lübecker Bucht liegt Kurt Staroske tot auf dem Golfplatz. Sind die Rockmusiker Holger und Peggy deshalb so nervös? Was hat der Greenkeeper Rob Higgins damit zu tun? Will Ökobauer Henning vor seiner Frau Gesche etwas verbergen? Und sagt Kurts Chef, der Biomarktbesitzer Hauke Bohm, die ganze Wahrheit? Bei ihren Nachforschungen stoßen der Lübecker Kommissar Angermüller und sein Kollege Jansen auf so manch einen, der ein Geheimnis mit sich herumschleppt. Und auch die unermüdlichen Ermittler haben privat so manches Päckchen zu tragen …

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Seitenzahl:356

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Cover

Titel

Ella Danz

Ballaststoff

Angermüllers sechster Fall

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2011–Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 07575/2095-0

info@gmeiner-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2011

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

Herstellung / Korrekturen: Julia Franze / Sven Lang

Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart

unter Verwendung eines Fotos von: © Martin Braun / fotolia.de

ISBN 978-3-8392-3592-8

Widmung

Den Kindern!

Dank an W. für Kritik, Anregungen und Geduld …

Prolog

Ich beobachtete ihn, wie er da im Laden stand. Es war einfach unerträglich, wie er sich spreizte. Jedermann musste ihn für den Chef halten. Er schaute milde lächelnd über seine Lesebrille, was seinem Blick Wichtigkeit und Seriosität verlieh, und strahlte eine Selbstsicherheit aus – unglaublich. Auf alle Fragen, ob von Kunden oder Kollegen, hatte er eine Antwort, und was er sagte, war zweifelsohne der Weisheit letzter Schluss. Man durfte dankbar sein, dass er einen an seiner Kompetenz teilhaben ließ. Gleichzeitig verbreitete er grenzenlos gute Laune, und jeder seiner Gesprächspartner freute sich, wenn er das Wort an ihn richtete und seine dummen Scherzchen mit ihm trieb.

Hätten ihn die Leute genauer beobachtet, dann hätten sie irgendwann bemerkt, dass sie und ihre Fragen ihn eigentlich gar nicht interessierten. Für ihn war das nur die perfekte Gelegenheit, sich in Szene zu setzen, den allwissenden, weisen Meister zu geben, sich selbst seine Großartigkeit zu beweisen. Diese Selbstverliebtheit ließ ihn sein ganzes Leben, das in Wahrheit eine einzige Folge von Pleiten und Niederlagen war, durch eine rosarot gefärbte Brille sehen. Deshalb war er auch stets bester Stimmung. Er war sich selbst der Größte. Leider habe ich – und nicht nur ich – das und alles andere erst viel zu spät bemerkt.

Wahrscheinlich war er nicht einmal ein böser Mensch, jedenfalls nicht einer, der anderen Böses zufügt und sich daran ergötzt. Nein, er war lediglich der Mittelpunkt seines Sonnensystems. Was für ihn gut war, das war auch für die anderen gut, das war sein einziger Maßstab. Was er brauchte, nahm er sich, es stand ihm einfach zu. Dinge zurückzugeben, Schulden zu begleichen oder sich für einen erwiesenen Gefallen zu revanchieren, gehörte nicht zu seinem Wertekanon. Hätte man ihm vorgehalten, dass er seine Mitmenschen belog, ausnutzte, verletzte, die Schwächsten sogar peinigte, ja quälte, ihnen das Leben zur Hölle machte, hätte er das nicht verstanden. Um Verzeihung zu bitten, wäre ihm nie in den Sinn gekommen – er hätte ja gar nicht gewusst, wofür.

So hat er seine Tage und Jahre im Kokon seines Narzissmus verbracht, ein lustiges Haus, ein fröhlicher Faun. Die Notwendigkeit, irgendetwas an sich oder seinem Leben zu ändern, existierte nicht für ihn. Oh Gott, sein riesiges, selbstverliebtes Ego erlaubte ihm, sich gewissenlos an schutzlosen Wesen, auf übelste Weise schuldig zu machen, und das immer wieder und wieder. Deshalb musste man ihn stoppen. Deshalb ist geschehen, was geschehen ist.

Kapitel I

Die Frau schloss die Augen, ließ ruhig den Atem fließen und dachte an ihre letzten Schläge. Sie waren allesamt perfekt gewesen, und jeder hatte sie ihrem Ziel ein Stück näher gebracht. Dieser Tag sollte ihr Tag werden. Nur immer im Rhythmus bleiben, auf die eigene Mitte konzentrieren, im entscheidenden Moment alle Gedanken an Vergangenes wegschieben, Tunnelblick. In ihrem Inneren wurde sie vollkommen leer. Sie platzierte den Ball auf dem Tee, hob den Kopf und sah einfach nur in die Weite, ohne etwas von der großartigen Umgebung wahrzunehmen. Dann nahm sie die Position zum Abschlag ein, stellte den Blick scharf und fokussierte das Fairway. Sicher lag der lederbezogene Griff des Drivers in ihren Händen. Schwung holen. Mit einem leichten Zischen sauste das Holz gegen den Ball, der sich in die Luft hob, einen weiten, eleganten Bogen flog und am hinteren Ende des Fairways landete.

Zufrieden schob sie den Schläger in das Golfbag. Zwei Schläge noch und Sibylla Graf würde einlochen. Höchstens zwei Schläge, einer unter Par – wenn ihre Partnerin sie weiterhin in Ruhe ließ. Dass ausgerechnet Henny Kortner als ihre Flight-Partnerin bei diesem Turnier ausgelost worden war, stellte den einzigen Unsicherheitsfaktor auf dem Weg zum fünften Sieg bei der jährlichen Klubmeisterschaft der Damen dar. Henny war unglaublich redselig, machte ein miserables Spiel, kommentierte jeden Schlag und konnte extrem taktlos sein. Jetzt klatschte sie, auf ihren Schläger gestützt, beeindruckt in die Hände und ließ einen anerkennenden Pfiff hören – was dem Benimm auf dem Platz in keinster Weise entsprach. Bloß nicht den Ärger über diese Person hochkommen lassen, sonst wäre es mit der Konzentration vorbei.

Henny trat an den Abschlag. »Hoffentlich pflügt sie nicht wieder den ganzen Rasen um«, ging es der angehenden Rekordmeisterin durch den Kopf. Früher hatte es solche Leute im Klub nicht gegeben. Englischlehrerin! Masse statt Klasse. Das war eben der Preis, den die Öffnung dieses wunderbaren Sports für jedermann forderte. Mit einem heftigen Schlag in, nun ja, sehr individueller Technik, beförderte ihre Partnerin den Ball auf seine Flugbahn und er landete – oh Wunder – ein ganzes Stück vor Sibyllas eigenem, kurz hinter dem Sand des zweiten Fairway-Bunkers.

»Das war doch gar nicht so schlecht, oder?«, konstatierte Henny zufrieden.

Zufall. Sibylla Graf verzichtete auf eine Antwort, griff mit ihrer Linken, die in einem weißen Handschuh aus feinstem Ziegenleder steckte, nach ihrem Trolley und begann, energischen Schrittes den Abhang zum Fairway hinunterzugehen. Aus dem Augenwinkel sah sie, wie ihre Partnerin in den albernen schwarz-rosé karierten Bermudas sich nach dem Tee bückte, hastig das Holz in das Golfbag packte und ihr folgte. Wie man sich mit dieser Figur so kleiden konnte, war Sibylla Graf ein Rätsel.

Als die amtierende und hoffentlich zukünftige Klubmeisterin der Damen, die im Klub ehrfurchtsvoll ›die Gräfin‹ genannt wurde, ihren eigenen Ball auf dem Fairway erreicht hatte, griff sie nach dem Siebener Eisen, in dem sicheren Bewusstsein, direkt aufs Green zu spielen. Wieder richteten sich all ihre Sinne auf den Ball vor ihr, sie wurde quasi eins mit dem Schläger in ihren Händen. Es war ein Augenblick höchster Anspannung. Sie fixierte das Green, das in ungefähr hundert Meter Entfernung leicht erhöht vor ihr lag, und holte in einem kraftvollen Schwung aus.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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